Ich hätte es wissen müssen

 

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Tom Leveen, Ich hätte es wissen müssen, Hanser 2015, ISBN 978-3-446-24931-8

Auf eine spannende und literarisch hochwertige Weise hat sich der aus Arizona stammende und dort auch mit seiner Familie lebende Autor Tom Leveen mit dem für Jugendliche überaus wichtigen Thema des Mobbings im Internet befasst. Hier im Speziellen geht es um die Kommunikation bei Facebook.

Die 16-jährige Ich-Erzählerin Viktoria wird nach einem sensationsgierigen Artikel einer Journalistin  zusammen mit anderen Jugendlichen aus ihrem Collage    verdächtigt, ihren Mitschüler Kevin durch abfällige und verletzende Kommentare auf ihrem Facebook-Account in den Selbstmord getrieben zu haben.

Morgen früh soll die Verhandlung stattfinden. Viktoria will; nachdem sie den Leser mit ersten wichtigen Informationen versorgt hat, gerade schlafen gehen, als ihr altersschwaches Handy klingelt. Ihr Smartphone und alle anderen PCs haben ihre Eltern konfisziert.

Der Anrufer stellt sich vor als Andy und behauptet, er habe Viktorias Nummer zufällig gewählt. Er stehe mit seinem Auto an einer Klippe und wolle sich umbringen. Nun entwickelt sich ein die ganze Nacht andauerndes Gespräch, in das bald noch  der von  Viktoria herbeigerufene Freund Noah eingebunden wird. Zunächst geht es um Andys Plan aber durch eine geschickte Gesprächsführung und durch die alle paar Seiten eingeblendeten Auszüge aus der Facebook-Kommunikation kommt Viktoria immer mehr in den Fokus. Ist sie verantwortlich für die Folgen der Post auf ihrer Seite?

Der Leser wird schon nach wenigen Seiten Teil einer Auseinandersetzung über die sozialen Medien, die schon lange nicht mehr sozial sondern eher asozial  sind und die Verantwortung jedes Einzelnen für das was er dort über andere sagt und behauptet. Stellenweise wundert man sich, warum Viktorias Eltern von dieser manchmal lautstarken nächtlichen Auseinandersetzung nichts mitbekommen, doch das klärt sich wie manches Andere später.

Was geschieht, wenn einer oder eine vorgibt, eine Andere zu sein, als sie wirklich ist? Wie kann  es geschehen, dass junge Menschen sich wegen der Anerkennung durch andere Freunde zu Sachen und Bemerkungen hinreißen lassen, die herabwürdigend sind  und menschenverachtend?

„Ich hätte es wissen müssen“ ist ein kritischer Jugendroman, dem es hervorragend gelingt, dieses Thema und unterhaltsame Weise zu diskutieren. Er zeigt wie schwierig und dennoch wichtig es ist, auch im Internet seine eigene Würde und erst recht die von anderen Menschen zu achten.

Ich kann diesen Roman nur empfehlen.