Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Bus fahren

 

 

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Marianne Dubuc, Bus fahren, Beltz & Gelberg 2015, ISBN 978-3-407-82088-4

 

Die kleine Clara soll ihre Oma besuchen. Dafür muss sie mit dem Bus über Land fahren. Es ist das erste Mal, dass sie diese Reise alleine macht. Schon in der Vorfreude darauf spürt sie das große Abenteuer, das sie da erwartet.   Ihre Mutter hat ihr Plätzchen als Proviant mitgegeben und eine Jacke, falls es kalt wird. Doch die zieht sie bald aus, nachdem sie noch ihrer Mutter zum Abschied gewunken hat.

Die Mitfahrer Claras in dem Bus sind als ganz unterschiedliche Tiere liebevoll gezeichnet. Große sind dabei und kleine. Clara beobachtet sie und macht sich so ihre Gedanken über ihr Aussehen und was sie machen, nachdem sie ausgestiegen sind.

Der Bus fährt durch einen Wald und dann wird es plötzlich dunkel. Ein Tunnel! Je mehr sich Clara ihrem Ziel nähert, desto leerer wird der Bus. Umso größer ist die Freude, als sie ihre Oma an der Haltestelle sieht: „Da bin ich! Ich muss dir ganz viel erzählen.“

Ein ganz zart und poetisch illustriertes Bilderbuch über den Mut von Eltern loszulassen und das große Abenteuer, dass es für Kinder bedeutet, das erste Mal allein eine kleine Reise zu unternehmen, ein erster selbständiger Schritt in die Welt, in der es so viel zu sehen und wahrzunehmen gibt.

Meine allerliebsten Krabbelverse

 

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Dagmar Geisler, Meine allerliebsten Krabbelverse, Oetinger 2015, ISBN 978-3-7891-6591-7

Viele bekannte und auch manche eher unbekannte Krabbelverse hat Dagmar Geisler in diesem kleinen Bilderbuch für Kinder ab 18 Monaten versammelt und mit sehr witzigen und lustigen Illustrationen versehen. Entsprechende hilfreiche Anleitungen für ungeübte Erwachsene, wie die jeweiligen Fingerspiele zu den Versen funktionieren, sind neben den Krabbelversen abgedruckt.

Da findet man natürlich den Daumen der die Pflaumen schüttelt, die zehn kleinen Zappelmänner, das Himpelchen und das Pimpelchen und den Sonnenkäferpapa mit seiner ganzen Familie.

Aber auch die weniger bekannten Verse machen Freude und verführen zum Krabbeln und zur Bewegung in Verbindung mit der Sprache. Für die motorische und die sprachliche Entwicklung der Kinder außerordentlich wichtig.

Das kleine Schwein ist nicht allein

 

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Susanne Lütje, Nina Hammerle, Das kleine Schwein ist nicht allein, Oetinger 2015, ISBN 978-3-7891-7937-2

 

Von einer ungewöhnlichen aber umso herzlicheren Freundschaft erzählt das hier vorliegende kleine Bilderbuch für Kinder ab etwa Jahren. Sie, die oft allein aufwachsen als Einzelkinder, lerne ab diesem Alter in der Kindertagesstätte andere Kinder kennen. Und wer möchte da nicht einen Freund haben, statt immer nur alleine in der Ecke zu sitzen und für sich zu spielen?

So geht es dem kleinen Schwein in diesem Buch.

„Das kleine Schwein sitzt ganz allein

auf einen großen, runden Stein.

Erst sitzt es still im Mondenschein.

Dann ruft es in die Nacht hinein:

‚Ich will nicht mehr alleine sein !‘“

Und es tut etwas dafür. Es packt seine Tasche mit Proviant und Körperpflegeutensilien und macht sich auf den Weg. Es will unterwegs einen Freund finden. Die ersten Versuche beim Huhn und beim Biber bleiben erfolglos, doch das kleine Schwein lässt sich nicht entmutigen. Schon bald trifft es auf eine Maus, die in einem Schlammloch badet. Das Schwein nimmt die Einladung der Maus gerne an und bald schon sind sie dicke Freunde.

Ein schönes Bilderbuch, mit witzigen Reimen von Susanne Lütje und ansprechenden Illustrationen von Nina Hemmerle, das kleine Kinder vermittelt, dass man auch nach ersten vergeblichen Versuchen die Suche nach einem echten Freund nicht aufgeben darf.

Geschichten aus dem Weihnachtswald

 

 

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Brigitte Weninger, Eve Tharlet, Geschichten aus dem Weihnachtswald, Nord Süd 2015, ISBN 978-3-314-10233-2

 

Viele schöne Bücher haben Brigitte Weninger und Eve Tharlet schon zusammen gemacht, wobei die erste meist für den Text und die zweite für bezaubernde und wunderbare Illustrationen zuständig ist.

Nun legen sie zum Advent einen Band vor mit 24 Geschichten. Neue Geschichten allesamt, angesiedelt zwischen Märchenwelt und Lebenswirklichkeit von Kindern und alle miteinander vom besonderen Geist dieser Zeit angehaucht, in dem die Menschheit auf etwas wartet, das immer mehr Erwachsene und in der Folge auch die Kinder nicht mehr in ihrer ursprünglichen Bedeutung erkennen können. Die Geburt Jesu in einem armen Stall, die Botschaft des Heils für alle Menschen, die guten Willens sind, wie es in der Weihnachtsgeschichte von Lukas heißt, und die Verheißung, dass dieses Kind geboren wird, um den Frieden in die Welt zu bringen.

Brigitte Weningers Geschichten und Eve Tharlets Bilder fangen etwas von diesem Geist ein, ohne ihn ausdrücklich zu beschreiben. Von Erwachsenen vorgelesen, oder von etwas größeren Kindern schon selbst gelesen, bieten sie einen wertvollen Schatz für die ganze Familie.

1,2,3… ein Sack voller Knöpfe

 

 

 

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Sabine Lohf, Yvonne Hergans, 1,2.3… ein Sack voller Knöpfe, Gerstenberg 2015, ISBN 978-3-8369-5826-4

 

Ein ganz außergewöhnlicher Adventskalender ist hier anzuzeigen. In der Form eines Bilderbuches mit schönen Reimen wird hier die Geschichte eines Sackes voller Knöpfe erzählt. Aus ihm werden die Knöpfe genommen für jeden Tag des Advents und selbstgebastelte Gegenstände werden damit dekoriert.

„Der allererste Knopf

ist für den Katzenkopf.“

Und so geht es weiter bis zum Heiligen Abend, an dem mit den restlichen Knöpfen im Sacke des Nikolaus der Weihnachtsbaum dekoriert wird:

„Die letzten Kugeln dran gesteckt-

jetzt ist Weihnachten perfekt.“

Schöne und Kinder ansprechende, oft auf selbst Gebasteltem basierende Illustrationen werden mit manchmal etwas rumpelnden Versen beschrieben, einfach nachzusprechen und auf Wiederholung angelegt.

Natürlich ersetzt ein solches Buch für die Allerkleinsten ab etwa 18 Monaten nicht einen richtigen, vielleicht auch selbst gemachten Adventskalender, aus dem an jedem Tag bis zum Fest etwas herauskommt und was jeden Tag für eine neue Überraschung sorgt. Aber er kann ihn gut ergänzen.

Borussia Mönchengladbach. Die Chronik

 

 

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Markus Aretz, Borussia Mönchengladbach. Die Chronik, Verlag Die Werkstatt 2015, ISBN 978-3-7307-0212-3

 

 

Viele Kilogramm schwer kann man dieses voluminöse Werk kaum in Händen halten beim Lesen, sondern muss es auf einer festen Ablage durchblättern. Waren in den letzten Jahren Bücher über verschiedenen Fußballvereine, die hauptsächlich beim Göttinger Verlag Die Werkstatt erschienen, von professionellen Sportjournalisten verfasst (hier ist insbesondere der rührige Dietrich Schulze-Marmeling zu nennen, der auch nennenswerte Biographie über einzelne berühmte Fußballer geschrieben hat), ist dieses sporthistorische Werk von der Vereinsführung selbst in Auftrag gegeben und von zwei hauptamtlichen und einem ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins herausgegeben worden.

Ein erster Verdacht, das könnte zu Lasten der Unabhängigkeit gehen, bestätigt sich beim kursorischen Lesen nicht. Auch schwierige Themen werden aufgearbeitet und vollständig dargestellt. Natürlich atmet das Buch die seit über einhundert Jahren währende Begeisterung der Menschen in Mönchengladbach und im ganzen Land über ihren Verein und ihre teilweise legendären Spielerpersönlichkeiten, die alle abgebildet und beschrieben sind.

Chronologisch aufgebaut, kann man mit der Zeit anfangen, in der die eigene Begeisterung und das Interesse am FC Mönchengladbach begann. Beim Rezensenten sind das die frühen siebziger Jahre. Die ganzen statistischen Daten aller Spiele und Spielzeiten sind jeweils am Ende des jeweiligen Jahres aufgeführt, was umständliches Nachschlagen im Anhang überflüssig macht.

Selbstverständlich findet man im Anhang dieses Buches, in dem man sich regelrecht verlieren kann, auf über 150 Seiten alle Daten aller Spiele und Spielzeiten und soweit vorhanden, Bilder und Einsatzdaten aller Spieler, die jemals für den FC Schalke in Königslau auf dem Rasen gestanden haben.

Für jeden Fan des FC Mönchengladbach ist dieses Werk ein wunderbares Geschenk.

 

 

 

 

 

Das Christenhaus

 

 

 

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Hubertus Halbfas, Das Christenhaus, Patmos 2015, ISBN 978-3-8436-0666-0

 

Eine Einführung in die Theologie durch theologiekritische Literatur – nichts weniger versucht der emeritierte Religionspädagoge Hubertus Halbfas in seinem neuen großen Werk. Auf drei Bände ist es angelegt.

Im ersten hier vorzustellenden Band „Das Christenhaus“ geht es um literarische Anfragen an die christliche Religion, im zweiten Band „Das Menschenhaus“ um Geschichten und Gedichte und im letzten Band „Das Welthaus“ um wichtige Texte der Menschheit.

Hubertus Halbfas richtet sich mit diesem Werk an einen breiten Leserkreis ohne weltanschauliche Einschränkungen. Er wünscht sich als Leser sowohl die „religiös Musikalischen wie die Unmusikalischen“. Er will aber hauptsächlich etwas erreichen, was die Praktischen Theologen der Gert-Otto-Schule schon in den siebziger Jahren in Mainz lehrten. Er will Religionslehrer, Pfarrer und anderes kirchliches Personal heranführen an die Literatur. Denn nur in ihr und durch sie könne „der Atem der Welt wahrgenommen“ werden.

Im Unterschied zu herkömmlichen Anthologien wird in diesem Buch mehr getan: es gibt Angaben über den Autor, die Entstehungsgeschichte, geschichtliche Hintergründe und literarische Eigenarten des Textes und Interpretationshilfen anderer bedeutender Autoren. Nur so kann ein literarisches Verständnis gewonnen werden. Für das theologische Verständnis dienen jeweils Einführungen in zentrale Fragen und Positionen.

Eine der schönsten Texte im Buch stammt von Rose Ausländer:

„Gäbe es dich

Gott der Liebe

wir lebten noch heute

im Eden

Volk an Volk

Du an du

Gäb es dich nicht

o Liebesgott

wir wären nicht

nichts wäre.“

Das Buch ist eine wertvolle und reiche Sammlung, in der deutlich wird, dass ohne eine Auseinandersetzung mit der Literatur eine zeitgemäße Theologie nicht mehr möglich ist.

Der Biber hat Fieber

 

 

 

42601357zTanja Jacobs, Der Biber hat Fieber, Oetinger 2015, ISBN 978-3-7891-7880-1

 

Kleine Kinder bekommen oft einmal Fieber. Das ist eine ganz normale Reaktion des Körpers und in der Regel gar nicht schlimm. Dennoch brauchen die Kinder, die sich dann schlapp und müde fühlen, Zuwendung und Trost.

In dem hier vorliegenden kleinen Bilderbuch mit schönen Reimen von Tanja Jacobs und sympathischen Illustrationen von Susanne Weber wird das beispielhaft gezeigt. Nachdem er einen kräftigen Stamm bearbeitet hat klagt der Biber über Fieber.

Nacheinander kümmern sich andere Tiere um ihn: das Frettchen schickt ihn ins Bettchen, die Schnecke gibt ihm eine Decke, der Igel hat ihm einen Tee gekocht und das Karnickel macht ihm kalte Wadenwickel. Und die ganze Truppe kocht ihm eine leckere Suppe.

Durch die Hilfe und den Trost dieser ganzen Truppe geht es dem Biber bald schon wieder sehr viel besser und er bedankt sich bei ihnen.

Dieses Bilderbuch ist sehr gut geeignet zum Vorlesen für kleine Kinder, die aus welchem Grund auch immer, einen Fieberschub haben. Denn mindestens genauso wichtig wie Wadenwickel und Medizin ist menschliche Zuwendung und Trost in einer Situation, in der man sich schlecht fühlt. Es ist ein schönes Trostbuch für die Kleinsten ab etwa 18 Monaten.

 

Gefühlige Zeiten

 

 

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Christian Sehrendt, Gefühlige Zeiten, Dumont 2015, ISBN 978-3-8321-9790-2

 

 

Hauptsache man ist authentisch. So beschreibt der Historiker und Kunsthistoriker Christian Sehrendt in seinem Buch „Gefühlige Zeiten“ die Stimmung im Lande. Nicht erst seit gestern, sondern seit einer geraumen Zeit schon. Er bemüht zur Unterstreichung seiner These, dass wir in Gesellschaft und Kultur in einer Zeit der Neo-Romantik leben, mit unzähligen Texten aus der Popmusik, der Literatur und einer Vielzahl eigener kulturwissenschaftlichen Betrachtungen und Reflexionen.

Er führt diese „zwanghafte Sehnsucht nach dem Echten“ zurück auf eine zunehmende Entfremdung angesichts der riesigen Komplexität unserer globalisierten Welt. Seine Sprache allerdings, die er benutzt, ist alles andere als romantisch. Sie nimmt den Leser mit auf spannende Reisen durch unser Land und seine Mainstreams.

Was mir bei aller Freude und allem Erkenntniszuwachs bei der Lektüre aber gefehlt hat, ist eine aus allen Einzelbeobachtungen schlüssig formulierte Beweisführung, warum er so viele Ähnlichkeiten mit der klassischen Romantik sieht. Genauere Vergleiche etwa von Liedtexten, Bildern, Theaterstücke etc. hätten da vielleicht weitergeführt.

Und so ist das Buch angenehme Unterhaltung, aber kein sozialwissenschaftlicher Wurf.

 

Deutscher Wein, Deutsche Küche

 

 

 

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Paula Bosch, Tim Raue Deutscher Wein, Deutsche Küche, Callwey 2015, IS´VBN 978-3-7667-2174-7

 

Dies ist ein Buch, wie es der bei Wein und Küche eher auf deutsche Herkunft spezialisierte Durchschnittsgourmet gut gebrauchen kann. Seine Autoren gehen davon aus, dass Deutschland sowohl was den Wein betrifft als auch in der Küche beim Vergleich mit den oft so hochgelobten Franzosen oder Italienern durchaus mithalten kann, wenn nicht sogar mehr.

Zunächst stellt die Sommeliere Paula Bosch ihre Auswahl der 100 besten Winzer Deutschlands vor und ihre jeweils besten Lagen und Weine. Nach den Anbaugebieten geordnet, kann man sehr schnell diejenigen Winzer ausfindig machen, die in der Nähe des eigenen Wohnorts leben. Mit Hilfe eines ausführlichen Registers ist es ein Leichtes, einen Termin auszumachen für eine gesellige Weinprobe auf dem Weingut und/oder einen Einkauf.

Natürlich sucht man vergebens nach einem Hinweis auf den seit Jahren geliebten eigenen Winzer, aber das ist normal bei subjektiven Zusammenstellungen. Tatsache ist: deutsche Weine, vor allen Dingen in ihren klassischen Rebsorten angebaut, können sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen.

Und sie munden hervorragend zu den insgesamt 218 Rezepten, die der Meisterkoch und Küchenchef Tim Raue im zweiten Teil des schwergewichtigen Buches zusammengestellt hat. Vorspeisen, Fisch-und Fleischgerichte und Nachspeisen aus den verschiedenen Regionen Deutschlands werden jeweils für 4 Personen verständlich und leicht nach zu kochen vorgestellt. Der Clou dabei: Paula Bosch empfiehlt zu jedem dieser Rezepte einen der im ersten Teil vorgestellten Weine, die dort sehr übersichtlich in fünf Preiskategorien von 10 Euro bis über 40 Euro beschrieben werden.

Das reich bebilderte Buch eignet sich hervorragend als ein Geschenk für eine Einladung zu einem Essen etwa. Statt über ein, zwei Flaschen edlen Weins freut sich jeder Gastgeber über ein solches Kompendium. Vielleicht macht die Runde dann gleich einen gemeinsamen Besuch bei einem der dort porträtierten Winzer in der Nähe aus.