Welten den Romantik

 

 

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Cornelia Reiter (Hg.), Welten der Romantik, Hatje Cantz 2015, ISBN 978-3-7757-4057-9

 

 

Das vorliegende Buch ist der offizielle Ausstellungskatalog einer ganz besonderen Themenausstellung, die vom 13. November 2015 bis zum m21. Februar 2016 in der Albertina in Wien zu sehen war/ist. Diese insgesamt 518. Ausstellung in der Albertina wurde in Kooperation mit dem Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste in Wien geplant und durchgeführt.

Nicht nur die abgebildeten beeindruckenden Werke zahlreicher Künstler der Romantik, sondern insbesondere die das Buch einleitenden kunsthistorischen Essays machen den Band zu einer lehrreichen Einführung in eine Epoche und ihre Lebenswelten und –sichten.

Da schreibt Christian Scholl etwa unter dem Titel „Dem Leben zugewandt“ über die Ausdifferenzierung romantischer Bildkunst, in dem Essay von Nico Kirchberger „Konfession und Transzendenz“ geht es um einen Bruderzwist, Holger Birkholz schreibt über das Frauenbild der Romantik und Werner Telesko verfolgt in einem abschließenden Essay die Erfindung des Habsburg-Mythos.

Ein Schwerpunkt des Bandes bildet die andauernde Gegenüberstellung der protestantischen und der katholischen Linie der Romantik mit ihrer jeweiligen Suche nach dem Transzendenten im Menschen und in der Natur.

Dem Menschen nahe sein

 

 

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Herwig Oberlerchner (Hg.), Dem Menschen nahe sein, Styria 2015, ISBN 978-3-222-13483-8

 

Die Debatte um die Sterbehilfe wird in Deutschland auch nach dem Beschluss des Bundestags vor einigen Wochen weiter gehen. Bei diesem Beschluss haben sich die eher moderaten und konservativen Kräfte quer durch die Parteien durchgesetzt, doch die Kritik daran folgte auf dem Fuß und wird, so ist zu erwarten, in den nächsten Jahren weitergehen. Bücher wie zuletzt das von Georg Diez (Die letzte Freiheit. Vom Recht sein Ende selbst zu bestimmen, Berlin Verlag 2015) werden die Debatte eher bestimmen, als die warnenden Töne derer, die in dem hier vorliegenden Buch zu Worte kommen.

Sie alle können aus unterschiedlichen Rollen und Aufgaben auf lange Erfahrungen in der Sterbebegleitung von Menschen zurückblicken und sie eint gerade deshalb das Engagement gegen die aktive Sterbehilfe, wie sie als „letzte Freiheit“ von den Befürwortern hochgehalten wird.

Aus ausnahmslos praktischen Perspektiven und Erfahrungen stellen die Autoren (Ärzte, Pfleger, Anwälte, Theologen) immer wieder in ihren unterschiedlichen Beiträgen die Frage nach der Würde des Menschen, nach dem Leiden und seinem fraglichen Sinn, nach der Verantwortung von Angehörigen und nach dem Tod.

Das Buch ist, auch wenn es an manchen Stellen zu langatmig daherkommen mag, eine große Hilfe in der Argumentation um die Sterbehilfe, weil es Aspekte und Werte einbringt, die in der öffentlichen Debatte leider immer mehr in den Hintergrund geraten, weil es wie zu einem Tabu geworden ist, im Leiden noch einen irgendwie gearteten Sinn zu sehen, und im Zusammenhang mit dem Thema von Glauben zu sprechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wirklich böse Absichten

Keigo Higashino, Böse Absichten,
Klett-Cotta, 2. Auflage 2015, ISBN 978-3-608-98027-1

Der gefeierte Bestsellerautor Kunihiko Hidaka wird in seinem Haus brutal ermordet, kurz bevor er nach Kanada auswandern will. Seine Ehefrau und sein erfolgloser Kollege Osamu Nonoguchi finden die Leiche, aber beide haben wasserdichte Alibis und kein Motiv. So scheint es zumindest. (Klappentext)

Genau, so scheint es zumindest. Doch Kommissar Kyochiro Kaga ermittelt in diesem Fall. Bis zum Schluss fehlt ihm ein Motiv, auch wenn er schon ein Geständnis vorliegen hat. Er glaubt keinem, hinterfragt jede Zeugenaussage und lässt sich durch niemanden irgendwie beeinflussen, bis ihm die wasserdichte Lösung des Falles gelingt.

Voller Überraschungen und Wendungen garantiert dieser Roman einen oder zwei sehr unterhaltsame Leseabende!

Endlich mein

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Donna Leon, Endlich mein, Diogenes 2015, ISBN 978-3-257-06943-3

In ihrem neuen, nunmehr 24. Fall für den venezianischen Commissario Guido Brunetti kehrt die Autorin Donna Leon, mittlerweile auch schon 74 Jahre alt, mit einer Hauptfigur an die Ursprünge ihrer nicht nur in Deutschland sehr erfolgreichen und immer wieder verfilmten Krimireihe zurück.

In dem 1993 veröffentlichten Debütroman „Venezianisches Finale“ ging es um einen mysteriösen Todesfall im Opernhaus „La Fenice“, als der Stardirigent Helmut Wellauer in der Pause vor dem letzten Akt von „La Traviata“ tot aufgefunden wird. Unter anderem unter Verdacht des damals erstmals ermittelnden Guido Brunetti geriet die Sängerin Flavia Petrelli, die aber auch wegen der sauberen Arbeit des Commissario von jedem Tatverdacht freigesprochen werden konnte.

Nun, 23 Bände und 22 Jahre danach macht Donna Leon Flavia Petrelli zur Hautfigur eines Romans, der in der Zeitebene der Serie nur „einige Jahre“ danach spielt. Flavia Petrelli ist nach Venedig zurückgekehrt, noch berühmter und verehrter als je zuvor, um im Opernhaus die Titelrolle von „Tosca“ zu singen.

Guido Brunetti sieht die Petrelli mit seiner Frau in einer Aufführung und in einem kurzen Gespräch nach der Vorstellung laden sie die Sängerin zu einem Essen bei den adligen Eltern von Brunettis Frau ein.

Dort macht die Sängerin einen gehetzten, fast panischen Eindruck, und auf Nachhaken von Brunetti gesteht sie, dass sie sich von einem Stalker verfolgt sieht, der ihr nicht nur in Venedig, sondern zuvor auch in anderen Städten Hunderte von gelben Rosen schickte. Oder ist es gar kein männlicher Verehrer, der die berühmte Sängerin in Angst und Schrecken versetzt und auch vor körperlichen Attacken gegen andere Menschen nicht zurückschreckt, die engen Kontakt mit Flavia Petrelli haben?

Mit vielen Informationen aus der Innenwelt der Oper gespickt, hat Donna Leon, zum wiederholten Mal das Stalking zum Thema eines ihrer Romane gemacht. „Endlich mein“ hat mir wieder mehr Freude beim Lesen gemacht, als die letzten Folgen der Reihe, wenn ich auch meine ständige Kritik aufrechterhalte: Brunetti und seine Familie sind seit vielen Jahren (die Zeitebene der Serie) bzw. Jahrzehnten (die Zeitebene des Erscheinens der Bücher) kuschelweich krisenlos. Keine einzige Fachliche oder menschliche Schwäche ist mir aus einem der 24 Bücher in Erinnerung.

Im neuen Buch läuft seine Sekretärin Signorina Elletra nicht ganz so in der Spur. Aber das ist auch das einzige wirkliche Veränderung in einer Reihe, die für mich seit vielen Jahren mehr Unterhaltungsromane mit venezianischem Hintergrund produziert als echte Kriminalromane.

Ich, Luisa, Königin der ganzen Welt

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Claudia Schreiber, Ich, Luisa, Königin der ganzen Welt,
Hanser 2015, ISBN 978-3-446-24934-9

Es gibt wohl kaum ein Mädchen, das nicht irgendwann in seiner Kindheit davon geträumt hätte, eine Königin zu sein. Schön, reich, begehrt – eine Königin kann alles bestimmen, was sie will.

Davon träumt auch Luisa, das Mädchen in diesem von Yayo Kawamura eigenwillig illustrierten Bilderbuch von Claudia Schreiber. Doch während ihre Mama unterwegs ist, träumt sich Luisa nicht nur in Vorstellungen von Schönheit und Berühmtheit, sondern sie würde als Königin auch viele soziale Entscheidungen treffen. Nette Gefängnisinsassen freilassen etwa und an Arme und Bedürftige Lebensmittel verteilen.

Vor allen Dingen würde sie ein großes Fest feiern, zu dem sie alle Kinder einladen würde, auch ihren Schwarm Lukas aus ihrer Straße. Doch selbst in ihrer Phantasie traut sie sich nicht, ihn zum Tanz zu bitten.

Es wird dunkel, das Fest ist vorbei, da ruft die Mutter von der Tür und findet ihre kleine Luisa vor einem Haufen Kleider vor ihrem Kleiderschrank.

Ein lustiger Ausflug in die kindliche Welt der Selbstbestimmung. Besonders geeignet für kleine Prinzessinnen.

Achtung Wolf

 

 

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Andre Bouchard, Achtung Wolf, Knesebeck 2015, ISBN 978-3-86873-756-1

 

Dieses aus dem Französischen übersetzte Bilderbuch von Andree Bouchard ist ein lustiges und so überhaupt nicht gruseliges Buch für alle Kinder, die zwar vor dem Einschlafen alle möglichen Monster sehen, aber vor ihnen gar keine Angst mehr haben. Oder doch?

Ein fürchterlich aussehender Wolf steht am Bett eines friedlich schlafenden Mädchens und will sie erschrecken. Da taucht plötzlich unter dem Bett der Albtraum des Mädchens auf, und weist den Wolf zurecht. Es sei seine Aufgabe, dem Mädchen Angst zu machen.

Sofort entwickelt sich ein Wettstreit der beiden in ihrem eifernden Zorn immer größer werdenden Monster drüber, wer der Schrecklichste ist.

Mit ganz erstaunlichen und lustigen Folgen…

Gar schröckliche Monster, die aber keine Angst machen sondern in ihrem Versuch, Angst zu erregen, besonders lächerlich wirken.

 

 

Mein Schneetag

 

 

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Sam Usher, Mein Schneetag, Atlantis 2015, ISBN 978-3-7152-0697-4

 

Als der kleine Junge, der uns in diesem wunderschönen Bilderbuch eine Geschichte erzählt, morgens aufwacht, ist sein lange gehegter Traum endlich in Erfüllung gegangen, Es hat geschneit und es schneit immer noch. Schnell macht er sich fertig zum Frühstück und drängelt seinen Opa, sich auch zu beeilen. Doch der lässt sich Zeit mit seiner Morgenpflege. Derweil machen andere Kinder die ersten Spuren im Schnee und ziehen am Haus des Jungen vorbei um im Schnee zu spielen.

Der Junge ist sehr ungeduldig, doch Opa sagt, sie würden schon nichts verpassen. Und tatsächlich: als Opa endlich fertig ist und bei nach draußen gehen, wartet dort eine große Überraschung auf sie, die sie verpasst hätten, wären sie früher dran gewesen.

„Manchmal lohnt sich ein wenig Geduld“, sagt Opa später als sie wieder glücklich zu Hause sind nach einem wunderbaren Tag im Schnee.

Der kleine Junge ist geneigt ihm recht zu geben, aber wichtiger ist es ihm, dass es morgen wieder schneit.

Ein schönes Bilderbuch über Geduld und Ungeduld.

Wo kommen die Worte her?

 

 

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Hans Joachim Gelberg (Hg.), Wo kommen die Worte her? Neue Gedichte für Kinder und Erwachsene, Beltz & Gelberg 2011, ISBN 978-3-407-79986-9

Dieses wunderbare Buch, das Hans-Joachim Gelberg in seinem eigenen Verlag herausgegeben hat, ist ein ganz besonderes seiner Art. Und das nicht nur, weil es sich mit Gedichten befasst, für Kinder und für Erwachsene. Ein Buch für alle Lebensalter, und auf keinen Fall von vorne nach hinten zu lesen. Eher, so empfiehlt Gelberg, sollte man es lesen nach dem Prinzip der Flaschenpost, einfach lesen, was man zufällig findet.
Gelberg hat schon in früheren Anthologien Gedichte vor allem für Kinder zugänglich gemacht. Seine im Jahr 2000 erstmals erschienene Anthologie „Großer Ozean“ bot einen breitgesteckten Überblick über neue, aber auch ältere Kindergedichte. Hinzu kamen Texte der modernen Lyrik und ein Streifzug durch die Weltpoesie, die bislang kaum für Kinder genutzt wurde. In einem aufschlussreichen Nachwort über den Umgang mit Gedichten mit dem Titel „Klopfzeichen der Kinderpoesie“ sprach er vor allem die Erwachsenen an, ohne die Kinder wohl kaum einen Zugang zu dieser umfassenden Sammlung bekommen werden.

All dies gilt auch für die neue Sammlung,  die 2011 unter dem Titel „Wo kommen die Worte her?“ zu ersten Mal erschien, das neben mehr oder weniger bekannten Gedichten auch 180 Originalbeiträge zugänglich macht, persönlich und handverlesen zusammengestellt von Hans-Joachim Gelberg. Sie laden Kinder und Erwachsene zum Mitmachen ein und zum Nachspüren.

Die akribisch ausgesuchten Illustrationen lockern die Texte auf. Texte, die einen schier unerschöpflichen Poesievorrat darstellen für eine lange Zeit. Ein Buch, dem zu wünschen ist, dass es kleine und große Menschenkinder in die Welt der Gedichte einführt und sie dort heimisch werden lässt.  Ihr Leben wird reicher dadurch.

Konrads Schatten

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Matze Döbele, Konrads Schatten, Kunstanstifter Verlag 2015, ISBN 978-3-942795-23-4

Dass jeder Mensch einen Schatten hat, verstehen die meisten nur in einem Sinne, dass ihre Gestalt nämlich bei entsprechender Beleuchtung einen Schatten wirft. Weniger bekannt aber nicht weniger wichtig, ist die Erkenntnis C.G.Jungs vom Schatten, das heißt der meist unbekannten bzw. unbewussten Seite der eigenen Persönlichkeit, die uns nicht nur schwer zugänglich, sondern auch nicht sehr sympathisch ist und die wir lieber wegdrücken.

Doch genauso wie man den durch Licht hervorgerufene Schatten nicht vertreiben kann, ist auch der andere vorhanden und wirksam. Oft erfahren wir erst durch andere („blinder Fleck“) oder durch entsprechende Selbstintrospektion von hm und lernen mit ihm umzugehen. Menschen, die ihre eigenen Schattenseiten kennen und vor allem in ihre Persönlichkeit integrieren, leben bewusster und vielleicht auch glücklicher.

Der im Schwarzwald, wo die Sonne häufig scheint und die Schatten lang werden können, 1975 geborene Illustrator Matze Döbele hat diesen Zusammenhang in einem Bilderbuch für Kinder versucht darzustellen.  Dazu hat er die Geschichte  von Konrad erfunden, dessen „Schatten“ ihn nicht nur in der Schule immer wieder in Schwierigkeiten bringt.

Er erlebt schlussendlich, wie wichtig und nützlich es ist, einen Schatten zu haben. Ausdrucksstarke Bilder werden nicht nur Kinder begeistern sondern dieses Buch auch für Erwachsene zu einer lehrreichen Lektüre werden lassen.

Ein Bilderbuch für Groß und Klein.

Alle Kinder

 

 

 

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Anke Kuhl, Alle Kinder (mini) ,Klett-Kinderbuch 2013, ISBN 978-3-95470-082-0

Dieses außergewöhnliche Bilderbuch ist nichts für zartbesaitete Eltern und Erwachsene. „Entsetzlich lustig und erfrischend böse“ will es ein ABC-Buch für ausgeschlafene Leseanfänger sein. Ein ABC der Schadenfreude, das für die Kinder heute so normal ist wie nur irgendetwas. Etwa jener Reim, der seit langem von einer Schülergenerationen an die andere weitergegeben wird:
„Alle Kinder gehen zum Friedhof.
Außer Hagen – der wird getragen.“

Kinder finden solche schadenfreudigen Reime originell, und auch wenn sie sonst nicht gerne Gedichte lernen und aufsagen, solche Verse können sie alle dichten. Noch ein paar Kostproben gefällig?

„Alle Kinder laufen ins Haus.
Außer Fritz – den trifft der Blitz.“

„Alle Kinder lesen dieses Buch. (nämlich „Alle Kinder“)
Außer Xaver – der ist ein Braver.“

Man muss nicht erschrocken zurückweichen vor diesem trockenen Kinderhumor, der in diesem Buch mit lustigen und originellen Zeichnungen von Anke Kuhl in Szene gesetzt wurde.

Mir hat das Buch gefallen und ich bin sicher, Kinder ab etwa 5 Jahren sind von diesen Reimen begeistert und können sehr wohl den schwarzen Humor dahinter identifizieren.

Die hier vorliegende Miniausgabe ist handlich, preisgünstig aber keinen Deut weniger witzig.