Von Frau zu Frau

 

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Annette Kerckhoff, Von Frau zu Frau, Elisabeth Sandmann 2016, ISBN 9783-945543-14-6

 

Während Männer in der Regel mit anderen Männern nicht gerne über sich selbst reden, schon gar nicht über Gefühle, Lebenserfahrungen oder Ängste, haben Frauen zu allen Zeiten ihre Erfahrungen miteinander geteilt und ausgetauscht.

Auch heute sprechen sie miteinander über Männer und Partnerschaft, über ihre Kinder und ihre Erfahrungen als berufstätige Mütter. Aber sie geben auch wie ihre Mütter und Großmütter vor ihnen Alltagswissen weiter.

Aus vielen Gesprächen und aus alten Büchern hat die Heilpraktikerin und Wissenschaftsjournalistin Annette Kerckhoff, die 2010 bei Elisabeth Sandmann schon das Buch „Heilende Frauen“ veröffentlichte, unzählige besondere Hausmittel ausgewählt, die sich seit Generationen bewährt haben.

Sie hat sie auf gut lesbare und überaus unterhaltsame Weise so aufbereitet für die Frauen unserer Zeit, dass sie sie nutzen können und ggf. auch wieder an ihre Töchter weitergeben können.

Ansprechend und sehr liebevoll illustriert ist das Buch nicht nur ein schönes Geschenk für Freundinnen, Töchter und Mütter, sondern es erweist sich auch für den persönlichen Gebrauch als eine wahre Schatztruhe.

 

 

Wie sich Mileva Einstein Alberts Nobelpreisgeld sicherte

 

 

 

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Anne-Kathrin Kilg-Meyer, Wie sich Mileva Einstein Alberts Nobelpreisgeld sicherte, Elisabeth Sandmann 2015, ISBN 978-3-945543-02-3

 

Die Autorin dieses kleinen Buches, das in der Reihe „Momente des Lebens“ erscheint, Anne-Kathrin Kilg-Meyer, kennt sich aus im Thema. Sie arbeitet als selbständige Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Familien- und Scheidungsrecht  in Augsburg und hat sich einen berühmten Scheidungsfall ausgesucht.

Es geht um den Fall von Mileva Einstein. Sie war Albert Einsteins Studienfreundin, Jugendliebe und erste Ehefrau. Sie hat schon früh an Einsteins Forschungen mitgewirkt und sie ahnt, dass er irgendwann dafür den Nobelpreis erhalten wird. Als Albert sich von ihr trennt, um mit seiner Cousine Elsa zu leben, strengt Mileva ein Scheidungsverfahren an, in dem sie sich das Preisgeld eines möglichen Nobelpreises für Albert sichert. Sie unternimmt diesen Einsatz nicht für sich selbst, sondern für ihre Söhne.

Die Autorin beschreibt eine Frau, die schon durch ihre Ausbildung als Physikerin für die damalige Zeit ungewöhnlich war. Erst recht ihr Einsatz für die Versorgung ihrer Söhne. Natürlich spielt auch Einsteins schlechtes Gewissen dabei eine Rolle, aber das Verfahren, wie die Autorin es schildert, ist für die damalige Zeit schon recht ungewöhnlich.

Ein unterhaltsames Porträt einer ungewöhnlichen Frau, Wissenschaftlerin und Mutter das viele Einblicke  auch in das Familienleben der Einsteins bietet.

 

 

Der Füsch

 

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Hanna Johansen, Rotraut Susanne Berner, Der Füsch, Hanser 2015, ISBN 978-3-446-24779-6

 

Dieses wunderschöne Bilderbuch, ein von Rotraut Susanne Berner genial illustriertes Loblied auf die Phantasie von Kindern, ist 1995 zum ersten Mal erschienen und wird hier vom Hanser Verlag in einer vierten Auflage als Neuausgabe einer neuen Generation von Eltern und Kindern präsentiert.

Es erzählt von dem Mädchen Dodo, die sich in diesem Jahr „fast nichts“ zum Geburtstag wünscht. Nur einen „Füsch“, wie sie das ausspricht, hätte sie gerne. Dodo hat verständnisvolle Eltern und so bekommt sie ein Aquarium mit Wasserpflanzen und einen Fisch.

Doch ihr „Füsch“ ist weit mehr als ein einfacher Fisch. In Dodos Phantasie kann er sprechen, seine Farbe verändern. Nie ist er müde und immer gut aufgelegt. Dodo spricht mit dem Füsch, zeigt ihm ihre Spielsachen und erzählt von ihrer Welt. Und der Füsch zeigt ihr, wie sich das Leben unter Wasser anfühlt.

Es ist ein zauberhaftes Bilderbuch, das die Phantasie von Kindern ernst nimmt und sie in wunderbaren Bildern ausmalt.

 

 

Ein Haufen Freunde hält zusammen

 

 

 

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Kerstin Schoene, Ein Haufen Freunde hält zusammen, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45817-7

 

Mit „Ein Haufen Freunde“, einer Geschichte über einen Pinguin im Zoo, der traurig darüber ist, das er nicht fliegen kann und mit Hilfe einer genialen, von seinen Freunden, den anderen Zootieren, gebildeten vertikalen Kette schlussendlich die Erfahrung des Fliegens machen kann, hatte Kerstin Schoene 2012 großen Erfolg.

Klar, dass sie diesem erfolgreichen und von vielen Kindern geliebten Buch einen Nachfolger hinterherschickt. Wieder spielt es im Zoo und im Mittelpunkt steht dieses Mal eine kleine Schildkröte. Sie ist auch traurig, denn so sehr sie sich auch anstrengt, immer ist sie viel zu langsam.

Doch „ein Haufen Freunde hält zusammen“! In einer wiederum genialen Idee bilden die anderen Tiere mit ihren großen und kleinen (für die Lücken enorm wichtig!) Körpern eine Art schiefe Ebene, auf der die Schildkröte hinabsausen kann.

Noch nie im Leben war sie so schnell! Ein schönes Bilderbuch über das Zeithaben und dass man sich für eine Freundschaft Zeit nehmen muss.

 

 

 

 

Eskapaden

 

 

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Martin Walker, Eskapaden, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-06968-6

 

In seinen bisherigen Büchern mit dem sympathischen Bruno Courreges, dem Chef de Police in dem kleinen Städtchen St. Denis im Perigord ist es dem Engländer Martin Walker jedes Mal sehr gut gelungen, ein aktuelles Thema in einem konkreten Kriminalfall zu verbinden mit sehr aufschlussreichen Rückblicken in die dunklen Kapitel der französischen Geschichte.

Während es im letzten Band meines Erachtens zu viele verschiedene Handlungsebenen gab und das Buch deshalb etwas durcheinander wirkte, ist ihm im vorliegenden achten band wieder eine tolle Mischung aus aktuellen politischen Themen und in die Gegenwart reichender Hypotheken französischer Vergangenheit gelungen.

Da geht es zum einen um eine radikale Tierschützerin, die für viel Unruhe in St. Denis sorgt, zum anderen um die Rolle des legendären Kriegshelden Marco Desaix, einst ein Idol des jugendlichen Bruno und seine Verwicklungen in vergangenen  und aktuelle Geheimdienstaffären.

Und natürlich geht es wieder um viel leckeres Essen und große Weine und um das Liebesleben Brunos. Schon kurz nach Beginn des Buches beendet seine Freundin Isabelle die sich nun schon über mehrere Bände hinziehende Beziehung, weil sie unabhängig bleiben will und Brunos Traum von einer Familie mit Kindern nicht im Wege stehen will.

Wann und ob  Martin Walker seinem Bruno diesen Traum erfüllt, steht allerdings in den Sternen.

Eine leidenschaftliche Nacht, die Bruno mit einer der Hauptfiguren des Buches verbringt, kostet ihn fast den Job, den er dann doch in gewohnter Manier erfolgreich erledigt.

Diesen Band habe ich wieder mit großer Freude und fast ohne eine wesentliche Unterbrechung gelesen und freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung in 2017.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Geschichte vm Löwen, der nicht schwimmen konnte

 

 

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Martin Baltscheit, Die Geschichte vom Löwen, der nicht schwimmen konnte, Beltz 2016, ISBN 978-3-407-82118-8

 

Nach dem überragenden Erfolg, den der Beltz-Verlag mit der Wiederauflage jener schon 2002 zum ersten Mal erschienenen Geschichte von einem Löwen, der nicht schreiben kann, hatte, hatte Martin Baltscheit ein weiteres dem Vorgänger ähnliches Buch nachgelegt unter dem Titel „Die Geschichte vom Löwen, der nicht bis drei zählen konnte“.

Nun, 2016, überrascht er mit einen dritten  Band der Serie. In „Der Löwe, der nicht schwimmen konnte“, wieder in wunderbaren Reimen verfasst, erzählt er die Geschichte vom stolzen Löwen, der Schwimmen zunächst etwas für Schwäne hält. Als jedoch seine Löwin wegen der Schneeschmelze bei gestiegenem Wasserstand auf einer Insel im See festsitzt, die vorher ein Hügel war und sie laut nach Rettung ruft, hat der Löwe ein Problem.

Der Frosch, die Ente, das Krokodil, die Fische und der Floh geben ihm aus ihrer Praxis gute Ratschläge, die der Löwe aber alle verwirft. Er phantasiert gerade über ein Flugzeug, als ihn die Grille einen feigen Löwen nennt.

Das kann er nicht auf sich sitzen lassen. Er stürzt sich ins Wasser und schwimmt zur Insel. Doch dort erlebt er eine Überraschung…

Ein wunderschönes Bilderbuch nicht nur über die Kunst des Schwimmens, sondern auch über die Weisheit verliebter Löwinnen.

Überall Vierecke

 

 

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Yusuke Yonezu, Überall Vierecke, Minedition 2015, ISBN 978-3-86566-280-4

 

Ganz erstaunliche und überraschende Entdeckungen können schon ganz kleine Kinder mit diesem schönen und lustigen Klappbilderbuch des 1982 geborenen japanischen Illustrators Yusuke Yonezu machen.

Dieses Mal spielt er mit Vierecken, die jeweils auf ein anderes Bild hinweisen, das man entdecken kann, wenn  man eine Seite umdreht. Vorher aber werden die Kinder zum Raten aufgefordert: „Was kann das sein?“

Erstaunlich, was sich hinter den kleinen und größeren Vierecken alles verbirgt. Eine schöne Idee schon für die allerkleinsten Buchliebhaber.

Ich finde, alle Bücher des Japaners (es sind etliche bei minedition) haben ihren eigenen Reiz und werden leider zu selten wahrgenommen.

 

Raben-Baby

 

 

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John A. Rowe, Raben-Baby, Minedition 2015, ISBN 978-3-86566-226-2

 

Das kleine Rabenbaby kann zum Entsetzen seiner Eltern und seines Großvaters nicht richtig singen. Statt des für Raben üblichen „Rrrahhh!“ bringt er lediglich ein klägliches „Piep“ zustande.

Nach einer ausführlichen Nachhilfe durch den Großvater hört das Rabenbaby gar nicht auf zu singen und bald schon sehnt sich die Gemeinschaft der Raben nach seinem Piep zurück.

Das kleine Büchlein reflektiert eine Erfahrung, die auch viel Menschenkinder und ihre Eltern machen. Zunächst sind die Eltern stolz auf die musikalischen Bemühungen der Kinder, doch angenehm zu hören ist es nicht.

„Raben-Baby“ ist  humorvolle Geschichte, witzig und eindrucksvoll illustriert, in der sich Eltern und ihre talentierten Kinder wiederfinden werden.

 

Geteiltes Vergnügen

 

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Johanna Adorjan, Geteiltes Vergnügen, Hanser Berlin 2016, ISBN 978-3-446-25071-0

 

„Dieses Buch erzählt die Geschichte von Vera und Istvan, die als ungarische Juden den Holocaust überlebten, 1956 während des Aufstandes von Budapest nach Dänemark flohen und sich 1991 in Kopenhagen das Leben nahmen. Man fand sie Hand in Hand in ihrem Bett. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe. Die Geschichte meiner Großeltern.“

Mit diesen Worten begann die Journalistin Johanna Adorjan, die unter anderem für das Feuilleton der FAS schreibt, 2011 ihren Debütroman, der von zahlreichen Kritiker sehr gelobt wurde. Ich selbst nannte es in einer Rezension „das Porträt eines exzentrischen Liebespaares und eine Liebesgeschichte, die aufwühlt und betroffen macht – ein Buch voller Poesie und Kraft“.

Ich gab damals der Hoffnung Ausdruck, „dass Johanna Adorjan nach diesem wirklich bemerkenswerten Buchdebüt ihre erzählerische Kraft noch zu weiteren belletristischen Büchern nutzt.“

Nun, fünf Jahre später, ist diese Hoffnung in Erfüllung gegangen. Mit „Geteiltes Vergnügen“ präsentiert sie einen Roman über eine Journalistin namens Jessica mit jüdischen Wurzeln, die in der Ich-Form von einer amour fou erzählt, die sie über etwa ein Jahr mit einem Mann namens Tom hat, einem Musiker, der sie gleich beim ersten Zusammentreffen durch seine Manieren beeindruckt: „Er war überhaupt wahnsinnig höflich. Zuvorkommend. Gut erzogen, könnte man auch sagen. Nie zuvor hatte mir ein Mann nicht nur in  den Mantel geholfen, sondern mir anschließend auch noch den Schal umgelegt (…) Er behandelte mich, als wäre allein die Tatsache, dass ich eine Frau war, etwas unerhört Besonderes und Kostbares.“

Sie fühlt sich nicht nur wieder richtig als Frau, sondern sie kleidet sich auch so. Und sie hat noch nie so guten und leidenschaftlichen Sex gehabt, wie mit diesem Mann. Doch so nah er ihr dabei kommt, so zärtlich und kräftig zugleich er sie begehrt, so schnell ist er danach wieder verschwunden, zieht sich manchmal für Tage zurück und antwortet nicht auf ihre Nachrichten. Dann  ist er wieder da, als wäre er nie weg gewesen. Jessica beginnt sich daran zu gewöhnen. Sie akzeptiert auch Toms rätselhafte Beziehung zu einem älteren Freund, in dessen Haus er wohnt und mit dem er sich nicht nur kulinarische Genüsse teilt, sondern auch Frauen.

Als sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Kinderwunsch verspürt, setzt sie die Pille ab, lässt es darauf ankommen, wird aber nicht schwanger von Tom. Der wiederum schläft nicht nur mit wechselnden Frauen bei Partys, die sein Freund ausrichtet, sondern auch mit seiner ehemaligen Partnerin. Verständlicherweise ist Jessica durcheinander. Hin- und hergerissen zwischen Anziehung und Empörung.

Sie macht erneut eine Therapie bei einer offenbar mit medialen Fähigkeiten ausgestatteten etwas skurrilen Psychologin, die unter anderem einen Satz von sich gibt, der mich begeistert hat: „Man muss wollen, was man hat, bevor man bekommt, was man will.“

Man ist als Leser über eine lange Zeit irritiert, warum Jessica an der Beziehung zu Tom so lange festhält, warum sie sich im Namen der Liebe sozusagen selbst aufgibt.  Aber Johanna Adorjan erzählt die Geschichte als Befreiungsgeschichte, als eine Entwicklung hin zu sich selbst. Als Tom zu seiner sterbenden Mutter, einer berühmten Musikerin, nach New York eilt, bekommt Jessica den nötigen Abstand, all das, was sie erlebt und gefühlt hat, zu sortieren.

Johanna erzählt diese amour fou von Jessica und Tom auf eine Weise, als hätte sie es in einer ähnlichen Form so erlebt. Vielleicht hat sie das ja auch.

Der Roman spielt mit dem Thema, warum Frauen (aber auch Männer) so lange an Beziehungen festhalten, die offensichtlich nicht gut für sie sind. Und obwohl Jessica am Ende feststellt: „ ‚Verlass mich nicht‘, sagte ich nicht“, ist anzunehmen, dass sie noch lange daran zu knabbern hat. An der Erfahrung, dass aus der zunächst genossenen Spannung zwischen Freiheit und Liebe etwas ganz Dunkles wird.

Ich halte Johanna Adorjans zweiten Roman für ein gelungenes Buch und freue mich auf ihr nächstes Buch.

 

 

 

 

Kleiner Räuber Roddi Hut

 

 

 

 

 

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Daniela Dammer, Valeska Scholz, Kleiner Räuber Roddi Hut, Thienemann 2016, ISBN 978-.3-522-.43771-4

 

Der kleine Waschbär Roddi Hut  wohnt in einer Höhle unter der alten Kastanie. Er findet, er ist ein waschechter Räuber. Hut, Maske und Flickenhosen, alles da. Was ihm fehlt, ist ein richtige Bande, so eine wie  die, von der ihm sein Großvater in echtem Räuberlatein erzählt, während sie sich am Lagerfeuer wärmen.

Aber weder der Bär noch der Wolf oder der Adler brauchen so etwas. Entrüstet wenden sie sich ab, als Roddi ihnen die Gründung einer Bande vorschlägt. Sie sind stark genug und kommen alleine zurecht. Mehr Erfolg hat er da bei anderen Tieren, die allerdings auf den ersten Blick alles andere ausstrahlen als Räubermentalität: ein schreckhaftes Opossum, ein tollpatschiger Vielfraß und ein nervöses Erdferkel.

Zunächst unentschlossen, begeistern sie sich aber bald von dem Bandengedanken und der Gemeinschaft, die er verspricht. Sie sind dabei. Ihre erste Handlung ist ein Beerenkompott, für das die vier Tiere Beeren sammeln. Als der Bär ihnen diese wegnehmen will, steht die neuen Bande vor ihrer ersten großen Herausforderung.

Mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten besiegen sie den Bär und sorgen dafür, dass sich die Mär von dieser Tat im ganzen Wald verbreitet. Und als Siegesabzeichen bekommt jeder eine neuen bunten Flicken auf die Hose.

Ein schönes Bilderbuch für alle, die sich gerne in der Vorstellung gefallen, einmal ein richtiger Räuber zu sein.