Der Tod auf dem Apfelbaum

 

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Kathrin Schärer, Der Tod auf dem Apfelbaum, Atlantis 2015, ISBN 978-3-7152-0701-8

Das neue Bilderbuch von Kathrin Schärer ist ein wahres Kunstwerk. In Wort und Bild erzählt sie, ein altes Märchenmotiv aufgreifend, von einem Fuchs, der tatsächlich glaubt, den Tod überlisten zu können. Doch ein gutes Leben, und das hat der Fuchs zusammen mit seiner Frau durchaus geführt, bracht auch sein Ende. Doch es dauert, bis der Fuchs das verstehen und akzeptieren kann.

Zunächst ist es ein Zauberwiesel, das der alte und hungrige Fuchs, vor dem sonst alle rechtzeitig davonlaufen, gerade so fange kann. Dieses Wiesel verspricht ihm gegen seine Freilassung, dass durch einen Zauber ab sofort jeder Apfeldieb auf dem Baum den der Fuchs als seinen eigenen betrachtet, kleben bleibt. Das funktioniert und der Fuchs kann ungestört sein Obst genießen. Da kommt irgendwann der Tod und will ihn holen. Der Fuchs, schlau wie er ist, bittet den Tod ihm einen letzten Apfel zu pflücken. Schon sitzt der Tod auf dem Baum fest und der Fuchs jubiliert. Doch nicht lange. Denn er wird im er älter und schwächer, seine Frau stirbt und auch die ersten seiner Kinder. Er gehört nirgends mehr dazu.

Schließlich bittet er den Tod, zu ihm herunterzusteigen und ihn mitzunehmen.

„Für den Tod ist keine Zeit verstrichen, für ihn gibt es weder Zeit noch Raum. Er pflückt einen schönen, roten Apfel und steigt langsam vom Baum. Abwechslungsweise beißen die beiden in den Apfel – ohne zu sprechen. Dann umarmen sie sich, und dem alten Fuchs wird ganz leicht dabei. Er nickt und zusammen ziehen sie davon.“

Ein gutes Leben braucht auch sein Ende. Der Tod gehört zum Leben. Diese Weisheit hat Kathrin Schärer in beeindruckenden Bildern und einem poetischen Text umgesetzt. Ein preiswürdiges Bilderbuch.

 

 

 

 

 

Grillen

 

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Ralf Frenzel, Grillen. Meisterstücke für Männer, Tre Torri 2015, ISBN 978-3-9446298-61-5

 

Nachdem in dem ersten Buch der auf fünf Bände angelegten Reihe von Kochbüchern des Magazins „BEEF! Für Männer mit Geschmack“ unter dem Titel „Steak“ das Fleisch von der Aufzucht der Tiere über die Schlachtung bis hin zum fertig gegrillten Steak auf dem Teller nachverfolgt wurde, und Porterhouse, T-Bone, Cote de boeuf, Entrecote, Rumpsteak. Chateaubriand, Filet, Hüftsteak, Tafelspitz, Bürgermeisterstück, Semerrolle, Flanksteak und Strip Loin vom Txogitxu ( von den letzten vier genannten habe ich nie zuvor gehört oder gelesen) mit ausführlichen und verständliche Rezepten vorgestellt wurden, geht es im zweiten Band „Grillen“ hauptsächlich um den Grill und seine Technik.

Grillgeschichten von Feuer und Fleisch stehen am Anfang. Dem folgen ein Kapitel zur Küchenpraxis vom Holzfeuer bis zum Infrarotbrenner und eine Anleitung zum Anfeuern eines Grills. Eine Menge weitere Tipps und vor allen Dingen eine Unzahl von leckeren Rezepten für die verschiedenen Grilltypen vervollständigen ein Buch, das vor allen Dingen Männerherzen höher schlagen lassen soll. Es gibt immer mehr Männer, die gerne kochen, aber das perfekte Grillen und die entsprechende Fleischauswahl sind zu einem ähnlichen Kult geworden, wie früher in den Achtzigern der Hype um die italienischen Weine, mit denen viele Männer bei ihren Festen Eindruck machten.

Vieles aus dem ersten Band, etwa die Kapitel über die Gewürze und Zutaten und die Hinweise auf das Zubereiten von Marinaden, Saucen und Chutneys sind auch für das Buch „Grillen“ wichtig und können zu Rate gezogen werden.

Für den, der gerne grillt und sich hier perfektionieren will in Wissen und Technik ein empfehlenswertes Buch.
 

Das Gift

 

 

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Samanta Schweblin, Das Gift, Suhrkamp 2015, ISBN 978-3-518-42503-9

 

Nach ihren bemerkenswerten Erzählungen „Die Wahrheit über die Zukunft“ , mit denen Suhrkamp 2010 die argentinische Schriftstellerin Samanta Schweblin einem deutschen Publikum vorstellte, präsentiert der Verlag nun ihren ersten Roman, der in ihrer Heimat gefeiert wurde und nicht nur deshalb wohl in über 20 Ländern gleichzeitig erscheint.

Es ist ein vom Umfang her dünner Roman, der es aber in Inhalt und Stil mit den Großen aufnehmen kann. Irgendwo im argentinischen Landesinneren trinkt ein wertvoller Zuchthengst , der vom Gut der Großgrundbesitzer Sotomayor ausgeliehen wurde, giftiges Wasser. Die Heldin des Romans namens Carla kümmert sich um das Tier, doch sie kann nicht vermeiden, dass ihr Sohn David mit dem giftigen Wasser in Berührung kommt. Das Pferd stirbt, der Sohn kann gerettet werden. Hilfreich ist dabei die „Frau im grünen Haus“, eine Heilerin, die mit Transmigration arbeitet, bei der der Geist den Körper verlässt, sich einen anderen sucht und der Körper wiederum von einem anderen Geist besetzt wird. So wird jedenfalls erklärt, warum sich das Kind nach der Vergiftung so verändert hat in seinem Wesen.

Als viele Jahre später Amanda, eine Frau aus der Stadt, die mit ihrer Familie Urlaub macht, genau diesen David trifft, versucht sie herauszufinden, was damals geschehen ist:

„‚Als ich eine Entscheidung getroffen hatte, gab es kein Zurück mehr, und je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr schien es mir der einzig mögliche Weg zu sein. Ich habe David auf den Arm genommen, und er weinte, vermutlich spürte er meine Angst. Dann verließ ich das Haus. Omar stand mit zwei Männern neben dem Pferd und diskutierte, wobei er sich unentwegt die Haare raufte. Zwei weitere Nachbarn sahen vom hinteren Teil der Koppel aus zu und mischten sich gelegentlich in das Gespräch ein, indem sie ihre Meinung quer über das Feld brüllten. Ich ging weg, ohne dass sie es bemerkten, und gelangte auf die Straße‘, sagt Carla und zeigt ans Ende meines Gartens, hinter das Tor. ‚Dann ging ich zu dem grünen Haus.'“

Als dann auch Amandas Tochter Nina mit dem pestizidverseuchten Wasser in Berührung kommt, wird die ganze Sache sehr verwirrend. Diese Verwirrung , die wohl bewusst von Samanta Schweblin über ihren Text gelegt wurde, durchzieht weite Teile des Buches und schmälern so die Qualität eines Buches, das spannend hätte sein können, spannend und kritisch.

So aber habe ich es eher unsicher aus der Hand gelegt, bin mir aber sicher, dass das dritte Buch dieser Autorin, die derzeit in Berlin lebt, eine neue Chance verdient hat.

Felix oder die zehn Dinge, die ich an dir liebe

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Hannah Simon, Felix oder die zehn Dinge, die ich an dir liebe, Frankfurter Verlagsanstalt 2015, ISBN 978-3-627-00213-8

 

 

Felix Parland ist erfolgreicher Architekt, der seinem Chef auch manchmal den Hintern rettet und lügen kann wie gedruckt, wenn es der Karriere nützt. Ihm fehlt nur noch die Beförderung. Doch als die entscheidend näher rückt und Felix seiner Traumfrau begegnet, geschieht das Unwahrscheinliche: Mitten in seiner Glückssträhne bricht er zusammen. In der Notaufnahme versteht Felix nicht viel von all dem medizinischen Fachchinesisch. Sicher ist nur: Er reagiert allergisch auf hochemotionale Situationen. Übersetzt für den Laien: Er hat eine überaus seltene Glücksallergie.

Sein vorher nahezu perfektes Leben kommt nun in Unruhe. Wie soll er im Job Erfolg haben und mit seiner Traumfrau zusammen sein, ohne sich zu freuen? Er bekommt gegen diese Glücksallergie starke Medikamente, die ihn aber müde machen und antriebslos. Deshalb beschließt er, sich selbst absichtlich unglücklich zu machen.

Zu Hilfe kommt ihm dabei, dass ihm bei einem wichtigen Bauprojekt eine Frau vor die Nase gesetzt wird, die auf eine Weise unsympathisch und bärbeißig ist, dass er schon bei ihrem Anblick schlechte Laune bekommt. Doch man ahnt schon bald, dass dies noch nicht alles war …

„Felix oder Zehn Dinge, die ich an dir liebe“ ist ein wunderbarer Unterhaltungsroman aus der Frankfurter Verlagsanstalt, die ansonsten eher für schwerere Literatur bekannt ist. Ein Protagonist, der seine Geschichte in einem Blog selbst erzählt, versucht auf eine sehr sympathische Weise nicht nur seinen beruflichen Erfolg, sondern sein Liebes- und Lebensglück zu finden.

Hannah Simon schreibt flüssig und flott: Man tut alles, hat man das Buch einmal begonnen, um lange Lesepausen zu vermeiden, um dem jungen Felix auf der Spur zu bleiben. Ein lustiges Buch, romantisch ohne Kitsch und sprachlich ein Genuss.

 

 

 

Alles andere als ein Kinderspiel

 

 

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Yishai Sarid, Alles andere als ein Kinderspiel, Kein & Aber 2014, ISBN 978-3-0369-5703-6

 

Der vorliegende Roman des 1965 in Tel Aviv geborenen Yishai Sarid ist nach „Limassol“, ebenfalls bei kein & Aber sein zweiter, in seiner israelischen Heimat strak beachteter Roman. Sarid war als Nachrichtenoffizier der israelischen Armee tätig, hat dann Jura studiert und arbeitet als Rechtsanwalt in Tel Aviv.

Die ich-erzählende Hauptfigur ist eine Naomi. Seit sie vor etwa fünfundzwanzig Jahren mit ihrem Sohn den Kibbuz und ihren Mann verlassen hat ( die Gründe dafür sind entscheidend, und werden erst im Laufe des Buches deutlich) leitet sie mit viel Herzblut und heiligem Ernst einen Kindergarten im Norden Israels. Sie ist stolz auf ihre Einrichtung und ihre Arbeit: „Mein Kindergarten ist der kultivierteste Ort in dieser Stadt… Er ist wichtiger als der Kulturpalast und das Museum zusammen, die Oper noch dazu genommen.“

Beim Spazierengehen hat sie vor Jahren den Kindergarten entdeckt und damals eine sichtlich überforderte Kindergärtnerin über den Zaun hinweg beobachtet. Sie fragt, ob sie helfen könne, und lässt dann nicht locker.

Später wird die ältere Kindergärtnerin aufhören und Naomi den Kindergarten übergeben inklusive Wohnrecht im selben Haus. Das Haus ist in wenig gutem Zustand, aber das stört Naomi nicht. Sein Eigentümer ein vor Jahren nach Amerika ausgewanderter Überlebender des Holocaust, schließt sie bei seinen Stippvisiten ebenfalls in Herz und verspricht Naomi lebenslanges Wohnrecht und Platz für die Kinder in der inzwischen hochbegehrten Immobilie.

Doch dann stirbt er und hat offenbar kein entsprechendes Testament hinterlassen oder Naomi wurde betrogen. Ein von Erfolg und Selbstbewusstsein strotzender Architekt hat das Grundstück gekauft, will das Haus abreißen lassen und Nobelwohnungen bauen.

„Ein Rechtsanwalt teilte mir mit, … das Grundstück… gehöre jetzt einer Firma mit dem schönen Namen Via Maris GmbH, die die Immobilie aus dem Nachlass von Herschel Kaplan erworben habe. Via Maris verlangte von mir, das Grundstück zu räumen und innerhalb von dreißig Tagen auf dieses Schreiben zu reagieren.“

Naomi beginnt um ihren Kindergarten zu kämpfen und auch um ihren Sohn Noam, der nach langer Zeit sich ihr langsam wieder öffnet und sich in einer Kindergartenhelferin verliebt hat. Die Eltern der Kinder reagieren auf die drohende Schließung mit wenig Verständnis.

Der Roman ist ein intensiv erzähltes Porträt des gegenwärtigen Lebens in Tel Aviv. Geprägt von traumatisierten Vergangenheiten und bedrohlicher Gegenwart. Doch seine Figuren gegen die Hoffnung nicht auf. Sie stellen sich ihrem schweren Leben, öffnen sich langsam ihrem Glück und werden am Ende erschöpft, aber glücklich, nach einem gelungenen Kampf wissen, dass in Israel schon der nächste Tag neue Herausforderungen und Lebensbedrohungen bereithalten kann.

 

 

 

 

 

Der Susan-Effekt

 

 

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Peter Hoeg, Der Susan-Effekt, Hanser 2015, ISBN 978-3-446-24904-2

 

Die Geschichte im neuen Roman von Peter Hoeg beginnt sehr ungewöhnlich und auch ziemlich unrealistisch. Doch dass es der Autor mit wahrscheinlicher Realität und Plausibilität seiner Figuren nicht so ernst nimmt, daran sollte man sich als Leser sehr schnell gewöhnen. Denn dieser Stil zieht sich durch das ganze Buch durch. Susan, die Ich-Erzählerin des Buches, von Beruf Experimentalphysikerin, ihr Mann Laban, ein Komponist und ihre siebzehnjährigen Zwillinge Thit und Harald haben sich während eines Aufenthaltes im Ausland strafbar gemacht und ihnen drohen harte Gefängnisstrafen.

Da taucht wie aus heiterem Himmel ein Anwalt aus Dänemark auf und holt sie in einer geplanten Aktion zurück in die Heimat. Doch er hat das nicht umsonst getan. Sozusagen als Gegenleistung für die Befreiung von der Strafverfolgung soll Susan für ihn wichtige Informationen beschaffen, Es geht um eine geheime Gruppe des dänischen Staates, die sogenannte Zukunftskommission.

Susan hat eine ganz wichtige Fähigkeit, die sie in der Vergangenheit schon oft der Polizei und anderen staatlichen Stellen gerne zur Verfügung gestellt hat. Wenn Menschen in ihre Nähe kommen, sie reden hören, mit ihr im Kontakt sind, bzw. Susan mit ihnen, dann werden sie völlig unfreiwillig total aufrichtig und erzählen die intimsten und die geheimsten Dinge aus ihrem Leben und ihren (Berufs)alltag.

Doch nicht nur diese Begabung, die sie den „Susan-Effekt“ nennt, macht sie und ihre Familie so außergewöhnlich. Auch in vielerlei anderer Hinsicht ist ihre Familie einfach nicht „normal“. Susan ihr Ehemann und ihre beiden Kinder sind das, was man hochbegabt nennt. Ihre Dialoge sind weniger von Emotionen geprägt, als von kühler analytischer Sprache.

Obwohl dem Leser bis zum Ende nicht wirklich deutlich wird, warum die Familie im Ausland (wo genau?) mit hohen Gefängnistrafen zu rechnen hat, beginnt er irgendwann zu respektieren, dass es Peter Hoeg darum wohl gar nicht geht und gibt sich mit begrenztem Genuss dieser schrägen Geschichte hin. Dass sie am Ende an Fahrt aufnimmt und sich auf ein spannendes Finale zubewegt, erhöht den Lesespass.

Dennoch: sie bleibt seltsam, gespickt mit vielen wissenschaftlichen Denkansätzen, im Sprachstil für Peter Hoeg typisch. Unrealistische, schräge Menschen, an deren Schicksal man aber mit einer gewissen Sympathie Anteil nimmt.

 

 

 

Drei tränenlose Geschichten

 

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Erich Hackl, Drei tränenlose Geschichten, Diogenes 2015, ISBN 978-3-257-24306-2

Erich Hackl ist ein Schriftsteller, der die Themen seiner unter die Haut gehenden Erzählungen sämtlich tatsächlichen Begebenheiten, Lebensschicksalen und Biographien verdankt. Oft mit erheblichem Rechercheaufwand gräbt er sich tief in die Geschichten der Menschen ein, deren Schicksal sehr oft mit dem Nationalsozialismus und/oder mit ihrer Zugehörigkeit zum Judentum zu tun haben.

Auch in seinem neuen Erzählband „Drei tränenlose Geschichten“, von denen zwei schon vorher in Österreich in Zeitungen und Anthologien erschienen sind, erzählt er von jüdischen Menschen und ihren Schicksalen.

In „Familie Klagsbrunn“ (hier erstmals veröffentlicht) verfolgt er das Schicksal der jüdischen Familie Klagsbrunn von der Wiener Vorstadt Floridsdorf bis nach Rio de Janeiro, wohin sie vor den Nazis flüchteten und wo die Kinder der Familie später durch ihr politisches Engagement in den revolutionären Zellen erneut verfolgt und gefoltert wurden.

Die Erzählung „Der Fotograf von Auschwitz“ erzählt die Lebensgeschichte des Fotografen, der, weil er lieber Pole sein wollte als arischer Deutscher im KZ landete und dort wegen seiner Fotokunst überlebte. Seine Tauenden von Bilder aus Auschwitz gingen nach dem Krieg um die Welt und haben nicht unwesentlich dazu beigetragen, das Grauen und die Unmenschlichkeit, die dort herrschten, öffentlich zu machen.

Die dritte Erzählung ist die Spurensuche nach der fest vergessenen Österreicherin Gisela Tschofenig, die in Dachau ihre Hochzeit feiern musste. Hier erinnert man sich an Hackls schon 2002 erschienene Erzählung „Die Hochzeit von Auschwitz“.

Ähnlich wie sich Erich Hackl neben seiner eigentlichen literarischen Produktion immer wieder als Herausgeber von Werken unbekannter oder an den Rand gedrängter Autoren betätigt, so lässt er in seinen eigenen Werken Menschen zur Sprache kommen, bringt Licht in das Dunkel ihres vergessenen, gequälten oder verachteten Lebens, deren Geschichte sonst vielleicht niemand interessieren würde. Es sind Originalgeschichten, die Hackl minutiös und mit viel Empathie und Leidenschaft recherchiert hat. Es ist ein leises Schreiben, das vom Gespür für das leidenden Einzelwesen lebt, „ein Lichtblick in der verödenden geistigen Landschaft“, wie der leider viel zu früh verstorbene Essayist und Kritiker Lothar Baier Hackls Werk vor vielen Jahren schon charakterisiert hat.

Kreuzfahrten Hurtigruten. Bergen-Kirkenes

 

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Ralf Schröder, Kreuzfahrten Hurtigruten. Bergen-Kirkenes, Delius Klasing 2015, ISBN 978-3-667-10030-6

 

Die 12-tägige Fahrt mit dem Hurtigrutenschiff von Bergen nach Kirkenes entlang der großartigen Küste Norwegens mit seinen kleinen Häfen und zauberhaften Fjorden, von schneebedeckten Bergen umgeben, ist eine der berühmtesten Kreuzfahrtstrecken in Europa. 2500 Seemeilen durch eine der beeindruckendsten Naturlandschaften Europas, mit exklusivem Service an Bord, ist diese Fahrt für viele Menschen eine Traumreise, die sie sich irgendwann einmal in ihrem Leben leisten wollen.

Der vorliegende Reiseführer in handlichem Format mit Spiralbindung ist für eine solche Reise ein unentbehrlicher Begleiter an Bord und bei den vielen dort beschriebenen Landausflügen. Er zeigt mit zauberhaften Fotografien und dem gesamten Streckenplan unter anderem:

  • Alle angelaufenen Häfen, Städte und Orte mit ihren Sehenswürdigkeiten, auch den etwas versteckten
  • Übersichtskarten mit dem Routenverlauf
  • Pläne der Häfen, Städte und Orte mit den Wegen zu den Sehenswürdigkeiten, die vom Anleger aus erreichbar sind
  • Vorstellung aller elf Hurtigrutenschiffe
  • Ausflugstipps mit Hinweisen zu Geschichte und Kultur, zu Land und Leuten
  • Reisetipps zum Bordalltag, zu Wetter und Kleidung

Allen, die sich zum ersten oder auch wiederholten Mal für diese traumhafte Schiffsreise entscheiden, kann dieser handliche Reisebegleiter nur empfohlen werden.

So geht Technik

 

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John Fardon, So geht Technik, Gerstenberg 2015, ISBN 978-3-8369-5842-4

 

Es sind nicht nur die kleinen oder größeren Jungs, die wissen wollen „warum Toaster toasten, Flugzeuge fliegen und Wasser aus dem Hahn kommt.“ Auch Mädchen zeigen immer wieder ihr Interesse an Technik und wollen wissen, wie sie funktioniert.

All diesen wissbegierigen Kindern ab dem Grundschulalter hilft dieses zuerst in England erschienene Buch auf die Sprünge. Mit einfachen, aber klaren technischen Zeichnungen illustriert, werden in verständlicher Sprache die Wirkungs- und funktionsweise erklärt von:

Elektrizität, Solaranlagen, Türklingel, Föhn, Küchenmaschine, Pizzabringdienst, Mikrowelle, Kühlschrank, Waschmaschine, Staubsauger, Nähmaschine, Post, Müll, Trinkwasser, Klospülung, Abwasser, Erdgas, Smartphone, Tablet, Toaster, Rauchmelder, 3-D-Drucker, Wetterbericht, Fernsehen, Rakete, Satellit, Auto, Flugzeug und Tauchboot.

Das Buch ist eine wahre Fundgrube für alle technikaffinen Kinder. Aber auch ihre Eltern werden, nehmen sie dieses Buch zur Hand, die Erfahrung machen, dass sie noch eine Menge dazulernen können über die Technik der Geräte, die sie jeden Tag im Haus benutzen.

 

 

 

Demenz. Angehörige erzählen

 

 

 

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Ute Dahmen, Demenz. Angehörige erzählen, Singliesel 2015, ISBN 978-3-944360-82-9

 

Es sind immer mehr Menschen, die mit der Begleitung und Betreuung eines demenzkranken Angehörigen konfrontiert sind. Sie empfinden es meistens als extrem belastend.

Viele Ratgeber versuchen, den betroffenen Angehörigen und Pflegenden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, doch oft hilft es am besten, zu erfahren und zu hören, dass es anderen Menschen ebenso geht. Dass mein Vater nicht der Einzige ist, der die Plastikblumen gießt. Und dass ich nicht die Einzige bin, die auszurasten droht, wenn die eigene Mutter zum zehnten Mal innerhalb kurzer Zeit dieselbe Frage stellt.

Dieses Buch will dazu beitragen dass betroffenen Angehörige und Pflegende mehr voneinander erfahren. Es will einen Raum schaffen für all die kleinen und große Geschichten, die Menschen erleben, die Betroffene begleiten. Und das sind neben schmerzlichen Erfahrungen immer auch rührende, ja komische Geschichten, die spüren lassen, dass der Umgang mit Demenzkranken nicht nur eine Last, sondern, manchmal jedenfalls, auch eine Bereicherung sein kann.

Ein hilfreiches Buch, das den heute Gesunden vielleicht auch ein Stück weit die Angst nehmen kann vor der Zeit, in der sie selbst vielleicht so weit sind ….