Meine Ungelesenen

Sie stapeln sich – untergebracht in perfektem Design.  Viele Bücher sind es, und es gibt zu wenig Zeit.  Sehr viele Bücher – und viel zu wenig Zeit.

Ein Buch nach dem anderen habe ich liebevoll ausgewählt. Da liegt Rankins „Saints of the Shadow Bible“ über Melvilles „Moby Dick“, „Middlesex“ zwischen der „Eleganz des Igels“ und „tschick“. Ich freue mich auf jedes Buch, liebe es schon jetzt. Stets denke ich, o ja, du wirst das nächste sein – oder du – oder du … und kurz bevor ich mich seufzend und voller Vorfreude in meinem Lesesessel niederlasse, stehe ich vor meinem Bücherregal – und kann mich nicht entscheiden. Der Tag war lang, ich bin etwas müde, die Stimmung ist nicht so euphorisch, wie dieses Buch – oder das – oder jenes es verdient hätte. Und so ist die Liste der Ungelesenen weiterhin lang und jedes einzelne geliebt.

Es verhält sich ein wenig wie mit einer angehimmelten, unerwiderten Liebe: Ich ersehne es, will es, doch wenn ich dann könnte, dann hab ich ein wenig Angst davor, dass es nicht hält, was ich mir davon verspreche, dass es mich enttäuschen könnte und meine Phantasie ein wenig zu weit davongaloppiert ist …

Berlin-Schöneberg, jrgallery, Thorsten Schlüter

Meine Freundin schickte mir am Nachmittag den Link zur Ausstellungseröffnung von ihrem Kumpel Thorsten – in der JRGallery in der Lützowstraße in Berlin-Schöneberg. Nach einem Blick auf seine Homepage war mir klar: Diese Bilder muss ich mir anschauen. Allerdings fiel somit mein geplanter und heißgeliebter Leseabend (wieder einmal mit Martin Suter) zum Opfer.

Thorsten Schlüter zeigt in der Ausstellung komische Vögel und kecke Hunde, hinreißend schön – und wenn mein Kontostand mir nicht  den Daumen nach unten gezeigt  hätte, wäre ich nun im Besitz eines verschmitzt dreinschaunenden Hundes,  bestimmt eines Gefährten auf Lebenszeit.

Ich begnüge mich also weiterhin mit meinem Schweinehund-Bild, das ich mir vor Jahren einmal geleistet habe. Immerhin erinnert der mich  täglich daran, dass ich mit meinem inneren Vieh verhandeln kann.

Schöneberg im Wandel: wie jeder Bezirk hat auch Schöneberg Schokoladenseiten-Straßen und -Plätze. Diese sind fest in der Hand von Gutverdienern mit Ökotouch,  50+.

Im nördlichen Schöneberg, an der Potsdamer Straße und ihren Nebenstraßen wird seit einigen Jahren verbissen daran gearbeitet, die Gegend wieder hip zu machen. Momentan wirkt sie trotzig, gekünstelt, im Wandel zwischen neu eröffneten Galerien und ranzigen Dönerbuden, alten schrillen Kultlokalen, fragwürdigen Ikonenshops,  neuen teuren Hutgeschäften, dem schicken Variété Wintergarten, umgewidmeten Industriehallen und dem wohl abgefucktesten Straßenstrich der Stadt.

Die Lützwostraße liegt etwa zehn Minuten zu Fuß vom Potsdamer Platz in südlicher Richtung entfernt. Normale Touristen verirren sich nicht in diese Gegend. Mehr oder weniger kunstbeflissene junge Leute schon eher, weil man sich bei Ausstellungseröffnungen preiswerter als in den Bars die Kante geben kann oder zumindest einen soliden Pegel für die restliche Nacht antrinken kann. Und weil es hip ist, sich für Kunst zu interessieren.

 

Messe-Nachlese

Die Schweiz präsentierte sich auf der Leipziger Messe mit roten Lesebänken, allein das sattgrüne Gras und die Berge fehlten. Der Schweizer Martin Suter fehlt nicht. Er las aus seinem neuen Buch „Allmen und die verschwundene Maria“, das wie die meisten seiner Bücher beim Züricher Diogenes Verlag erschienen ist.

Die begrenzte Zeit auf der Messe erlaubte mir nicht, länger bei der Lesung zu verweilen, daher möchte ich allen Sinnlichen unter euch das letzte Buch, was ich von ihm verschlungen habe, ans Herz legen: „Der Koch“. Herz und Bauch trifft es wohl eher.

Der tamilische Asylant Marvan, ein begnadeter Koch, arbeitet als Tellerwäscher mit Andrea, der attraktiven Servicekraft, in einem Nobelrestaurant. Als er gekündigt wird, gründet die Schweizerin Andrea mit ihm einen Catering-Service für Love-Food. Das (erfolgreich getestete) aphrodisierend wirkende Love-Food-Menü verhilft Paaren, nach dem Menü genüsslichen Sex zu haben.  Andrea organisiert diskret die Abende, Marvan kocht – im Hause der High Society. Das spricht sich schnell herum, und bald buchen Geschäftsmänner das Team für ihre Treffen mit ihren Geliebten. Marvans moralische Haltung und seine Skrupel gegenüber der Politik und Hochfinanz kommen dem gemeinsamen Business in die Quere …

Die gute Mischung aus – salopp gesagt – Sex and Crime lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen. Crime ist hierbei allerdings die (wahrscheinlich) reale, unbequeme Welt, über die wir oftmals nicht so genau Bescheid wissen (wollen).

Also: ab auf die Bank (ok, oder aufs Sofa) und lesen!

PS:

Ich habe  meine schönsten Urlaube in Sri Lanka und in der Schweiz verbracht, koche fürs Leben gern indisch, esse auch mal Rösti und trinke ein Gläschen Thurgauer dazu.

Buchmesse Leipzig 12.–16. März 2014

Mittwochabend wird Leipzig als original Buchstadt wieder im Zentrum des Geschehens rund ums Gedruckte stehen. Was auch immer Neues dort zu sehen sein wird: Ich finde es heraus. Nach den letzten Erfahrungen allerdings ist der Tanz ums Buch noch immer derselbe.

Besonders werde ich – natürlich neben Krimis, Herz- und richtiger Literatur – nach Ideen rund um andere Medien suchen. Allerdings verweigere ich mich weiterhin standhaft einem eReader.

Konkrete Themen bringe ich mit für:
. Was liest man in der Badewanne?
. Welche Bücher können Ostergaben sein?
. Gibt es Bücher, die man bedenkenlos der Schwiegermutter schenken kann?

bis dahin

GM