Das Geheimnis meines Vaters

 

 

 

 

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Xavier de Moulins, Das Geheimnis meines Vaters, Lübbe 2015, ISBN 978-3-431-03934-4

 

Der zweite auf Deutsch veröffentlichte Roman des französischen Journalisten und Buchautors Xavier de Moulins erzählt auf eine poetische, eindringliche und sehr emotionale Weise eine Geschichte eines Mannes in den besten Jahren, der innerhalb kürzester Zeit quasi aus seinem Leben fällt und sich seiner Geschichte stellen muss.

Paul ist vierzig Jahre alt, als Immobilienmakler ziemlich erfolgreich und verheiratet mit Ava, einer perfekten Frau, mit der er zwei Kinder hat. Als die eines Tages ihm aus heiterem Himmel mitteilt, dass sie sich von ihm trennen will und kurz darauf auch noch sein Vater bei einem Autounfall stirbt, da scheint sein Leben in Scherben.

In wechselnden Zeitebenen lässt de Moulins seinen Protagonisten sein Leben bilanzieren, ein Leben, in dem neben seinem glanzvollen Vater, der für ihn als Junge wie ein Held war, sein bester Freund Oscar so etwas wie ein Anker ist.

Und während er in vielen Rückblicken über sein Leben nachdenkt, wird ihm mehr und mehr deutlich, dass sein Vater Jean über lange Zeit ein Geheimnis hatte. Und das hat Folgen, dramatische Folgen für das weitere Leben von Paul….

Ein schöner Roman über die Kraft familiärer Bindungen und über die lebenslange Freundschaft zwischen zwei Männern, die sich nahe sind wie Brüder.

Gärten des Jahres

 

 

 

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Cassian Schmidt, Konstanze Neubauer, Gärten des Jahres, Callwey 2016, ISBN 978-3-7667-2204-1

 

Eine sechsköpfige Jury, zu der unter anderem die Autorin des hier anzuzeigenden Buches gehörte, hat unter einer großen Zahl von Einsendungen von Landschaftsarchitekten und Planungsbüros in einem Auswahlverfahren die 50 schönsten Privatgärten des Jahres ausgewählt und prämiert.

Die Tatsache, dass es ausschließlich kommerzielle Landschafts-und Gartenplaner waren, die in diesen Gärten am Werk waren, macht deutlich, dass die privaten Auftraggeber für solche Gärten nicht nur die entsprechend großen Grundstücke um ihre nicht gerade kleinen Häuser hatten, sondern auch das nötige Geld, um nicht nur die Planer, sondern danach auch die ausführenden Gartenbaufirmen zu bezahlen.

Herausgekommen sind die unterschiedlichsten Gärten, von denen die besten 50 hier in diesem Buch ausführlich in Wort und Bild dokumentiert sind. Jedem Objekt sind vier bis fünf Seiten gewidmet. Neben zahlreichen ausdrucksstarken Fotografien, die einen plastischen und farbigen Eindruck vermitteln von der Schönheit und Grazie der jeweiligen Gärten und der zu ihnen gehörenden Wohngebäude, wird der Grundriss des Gartens gezeigt, und ein kleiner Essay gibt Auskunft über die ausführenden Gartenkünstler, ihre Arbeit und die verwendeten Materialien und Pflanzen.

Wie oft bei solchen Büchern, ist der professionelle Nutzen der Lektüre für Landschaftsarchitekten und das Bau-und Gartengewerbe wohl am größten. Dennoch: auch hier kann der normale Haus- und Gartenbesitzer sich mehr als nur die eine oder andere Idee holen für eine Umgestaltung und Verwandlung seines eigenen Gartens.

Und für die, die in Miete wohnen: auch das reine Anschauen dieser privaten Gartenparadiese macht Freude.

 

 

 

 

V5N6. Tödliches Fieber

 

 

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Louise Welsh, V5N6. Tödliches Fieber, Kunstmann 2016, ISBN 978-3-95614-090-7

 

Ein Buch, für das man starke Nerven braucht und das seinem Leser in einer spannenden Mischung aus Endzeitthriller (es erinnert ein wenig an Stephen Kings „The Stand“, auch wegen des Themas) und Krimi wenig bis gar keine Auswege lässt.

Der Titel macht sofort klar: hier geht es um ein tödliches Virus. Gegen das allerdings, was Louise Welsh, noch bevor sie von dem Zika-Virus etwas wissen konnte, beschreibt, erscheinen alle bisherigen Pandemien als zarte Lüftchen. Hier herrscht Sturm, und zwar einer, der alle hinwegfegen wird, ohne Ausnahme. Bis vielleicht auf Stevie Flint. Denn nachdem sie selbst das Fieber hatte und es wie durch ein Wunder überlebt hat, ist sie gegen das Virus resistent.

Stevie Flint ist von Beruf Journalistin, arbeitet aber bei einem Shoppingsender als Verkäuferin, die zusammen mit einer Kollegin stundenlang bestimmte Produkte gegen Provision anbietet.

Nachdem Louise Welsh in einem furiosen Prolog einen Tory-Abgeordneten, einen Hedge-Fonds-Manager und einen Priester beschrieben hat, die völlig überraschend und an verschiedenen Stellen amokhaft das Feuer auf unschuldige Menschen eröffnen (dieser Prolog wird bis zum Ende des Buches nicht mehr aufgegriffen, sodass man nicht genau weiß, welche Funktion das hat), lässt sie ihre Protagonistin Stevie Flint ihren neuen Freund Simon in dessen Wohnung besuchen, nachdem der sich tagelang schon nicht gemeldet und sie auch vorher schon oft versetzt hat. Doch statt ihn mit dem Ende ihrer Beziehung zu konfrontieren, findet sie seine Leiche. Obwohl es so aussieht, als sei Simon an dem Virus gestorben, wie schon so viele andere in den letzten Tagen, finden sich bald Hinweise, die darauf deuten dass Simon ermordet wurde.

Stevie beschließt mitten in einer Stadt und einem Land, in dem in der Folge des Virus die Zivilisation langsam aber sicher zugrunden geht sich auf die Spurensuche zu machen. Nicht nur in London, wo Stevie lebt, sondern auf der ganzen Welt breitet sich das Virus aus. Immer mehr Menschen erkranken, die meisten davon tödlich.

Und die Gesellschaft als Ganzes bricht auseinander. Sterbende ziehen sich zurück oder werden alleine gelassen, die Lebenden schotten sich ab oder sie feiern die große Untergangsparty als gäbe es kein Morgen mehr. London als Stadt voller Zombies – eine schauerliche Vorstellung, die Louise Welsh da beschreibt.

Es ist dieses Szenario, dieses Endzeitdrama, das Welsh parallel und immer mehr die eigentliche Krimihandlung überbietend beschreibt. Denn warum nach einem Mörder suchen, wenn gerade die Welt untergeht: „Das Leben war ein Rennen, das man nur verlieren konnte. Der Trick war, sich ein Ziel auszusuchen und darauf mit voller Kraft zuzuhalten, solange man konnte.“

Das anspruchsvoll geschriebene Buch will ausloten, wie sich eine Gesellschaft am Rande des Abgrundes verhält, was noch zählt und welche Errungenschaften der Zivilisation noch Geltung haben.

Ihr Ergebnis ist nicht ermutigend. Es ist schrecklich. Das Buch aber spannend, wenn auch ohne wirkliche Lösung.

 

 

 

 

Klär mich auf!

 

 

 

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Katharina von der Gathen, Anke Kuhl, Klär mich auf, Klett Kinderbuch 2014, ISBN 978-3-95470-103-2

 

Es kommt daher wie ein Kalender, dieses schöne von Anke Kuhl in ihrer unnachahmlichen Art frech illustrierte Aufklärungsbuch der Sexualpädagogin Katharina von der Gathen.

In einem anonymen Briefkasten hat sie im Rahmen eines Projektes Grundschulkinder Fragen stellen lassen und hat sie gesammelt. Neugierige Fragen sind da, die zeigen, wie sich schon ältere Grundschulkinder mit Fragen der Sexualität beschäftigen und wie konkret und praktisch ihre Anliegen sind. Ob der herkömmliche Sexualkundeunterricht in der 4. Klasse dem gerecht wird, wage ich erst recht nach der Lektüre dieses Kalenders nicht zu beurteilen.

Katharina von der Gathen hat 101 Fragen ausgesucht und sie verständlich und einfühlsam beantwortet. Dabei verzichtet sie auf alles Technische und sprengt ab und zu auch einmal eine Prise Humor hinein, von Anke Kuhls Zeichnungen dabei prächtig unterstützt. Immer kindgerecht beschreibt sie Themen wie u.a. Pubertät, Orgasmen, Homosexualität und auch heiklere Themen wie Vergewaltigung.
Jedes Thema, das die Kinder interessiert, wird angesprochen und dabei gibt es keine Tabus.
Kindern wird hier vermittelt, dass es beim Thema Sexualität, keine Frage gibt, die nicht gestellt werden darf und dass es für alles eine Antwort gibt.

Obwohl der Kalender bestückt ist mit Fragen von Grundschulkindern, halte ich ihn durchaus auch für geeignet für den Sexualkundeunterricht in der 6. Klasse.

Otto findet was

 

 

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Fred Paronuzzi, Andree Prigent, Otto findet was, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10333-9

 

Kinder lieben Bilderbücher wie dieses schöne Exemplar, das 2014 schon in Frankreich erschienen ist. Da wird erzählt von einem ungewöhnlichen Fund, der langen, liebevollen Suche nach einer Lösung des Rätsels und dann von einem überraschenden und lustigen Ende.

Ein sympathischer kleiner Mistkäfer namens Otto findet eines Tages, als er gerade eine prachtvolle Mistkugel vor sich her schiebt, etwas, das gerade mit einem „Bumm!“ neben ihm gelandet ist und wie ein Ei aussieht. Es hat seltsame Dellen und ist rund.

Otto ist mutig und hat auch ein großes Herz. Denn er will, dass die Eltern von diesem Ei es wieder bekommen, damit sie es ausbrüten und Leben schenken können. Und er macht sich auf die Suche. Die Eier des Straußes, den er zuerst trifft, sind viel größer. Selbst der Kuckuck, der ja nun wahrlich viele unterschiedliche Eier kennt, kann damit nichts anfangen. Auch der Frosch und die Schlangen am Fluss können ihm nicht weiterhelfen. Da erinnert sich eine Schlange, einmal ein solches Ei verschluckt zu haben. Es sei von der Wiese dort drüben gekommen.

Und als Otto, mutig wie er ist, sich an den Rand dieser Wiese begibt, sieht er haufenweise Eier wie das seine. Und er sieht Menschen, mit langen Stöcken bewaffnet, die auf diese Eier einschlagen, bis sie am Schluss in irgendwelche Köcher fallen. „Was für ein fürchterlicher Anblick!“

Otto macht sich aus dem Staub. „Und im Grunde seines Käferherzens ist er glücklich. Denn jetzt kann er das Ei behalten, das er eigentlich schon lange, lange nicht mehr hergeben wollte!“

Bei der Unmenge an Golfplätzen im Land werden die Kinder, denen dieses Buch vorgelesen wird, nicht lange brauchen, das angeblich Ei zu identifizieren.

Eine schöne, ausgefallene Bilderbuchidee mit beeindruckenden Illustrationen.

Fisch!

 

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Linda Wolfsgruber, Fisch, NordSüd Verlag 2016, ISBN 978-3-314-314-1039-1

 

Die bekannte und erfolgreiche, immer wieder mit Preisen dekorierte Künstlerin Linda Wolfsgruber hat mit „Fisch!“ ein neues Bilderbuch vorgelegt, das dem Rezensenten nur allmählich zugänglich geworden ist. Es hat Zeit gebraucht um seinen Hintersinn herauszufinden.

Da sind fünf Ottern. Ottern ernähren sich von Fischen. Und als auf der ersten Seite der Otteranführer die Flosse ausstreckt und zu den anderen vier sagt „Fisch!“, da denkt man sofort, jetzt machen sie sich auf einen großen Fang, um ihren Hunger zu stillen. Auch als sie auf den nächsten Seiten mit Töpfen und Kochbesteck bewaffnet sich weiter auf den Weg zum See machen, Wasser in die Töpfe füllen und dann für entsprechende Gewürze sorgen (Salbei, Thymian, Rosmarin) denkt man, da sind aber Feinschmecker am Werk, die alles vorbereiten, noch bevor sie den Fisch haben.

Doch dann klärt sich alles auf, und der angebliche Hunger erweist sich als Bluff. Sie schütten das Wasser und die Pflanzen in einen großen Glasbehälter, fangen dann den Fisch (er sieht wie ein ungenießbarer Goldfisch aus), setzen ihn in das Aquarium und betrachten ihn unter dem Titel „Kino unter Sternen“.

Witzig, aber ob sich dieser Witz kleinen Kinder erschließt, weiß ich nicht.

Wie die Zeit vergeht

 

 

 

 

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Jose Sanabria, Wie die Zeit vergeht, NordSüd Verlag 2016, ISBN 978-3-314-10294-3

 

Wie vergänglich ist alles, was existiert, wie zerbrechlich ist das Leben, das zunächst blüht und dann vergeht.

Der kolumbianische Autor und Illustrator Jose Sanabria, der seit 1992 in Buenos Aires lebt und dort neben einem Cafe eine Ilustratorenschule betreibt, hat in diesem von Gabriela Stöckli ins Deutsche übertragenen Bilderbuch in einer wunderbaren dreiteiligen Geschichte erzählt von einer Reise durch die Zeit. Diese Reise und die einfachen, märchenhaften Worte, die er dafür wählt, sind gleichzeitig eine Metapher für die Vergänglichkeit des Glücks.

In einer ersten Geschichte wird ein Schiff beschrieben. Zunächst transportiert es als Passagierdampfer wichtige Menschen. Später wird es Transportmittel für verschiedene Waren benutzt, und als es auch dafür nicht mehr reicht, als Fischerboot. Doch bald ist das ehedem stolze Schiff zu einem Wrack geworden, das verlassen und verrostet vergessen am Ufer liegt. Seine Lebenszeit ist vorbei.

In der zweiten Geschichte geht es um Menschen. Doch ihnen ist ein ähnliches Schicksal beschieden wie dem Schiff aus der ersten. Zunächst reich und mit einem schönen Leben beschenkt, lebt eine Familie in einem großen Haus. Doch Leichtfertigkeit und Verschwendungssucht machen die Familie ärmer und sie muss in ein kleines Haus ziehen. Nach einem weiteren Abstieg in ein noch kleineres Haus verlieren sie auch dieses und landen im Hafenviertel, wo die wirklich armen Leute leben.

Von dort werden sie irgendwann vertrieben und landen genau dort, wo das Schiff aus der ersten Geschichte vor sich hin rostet. In einer dritten Geschichte, die von Aufbruch und Solidarität handelt richten sie und andere Menschen ohne Obdach das Schiff wieder her, und sie schaffen es tatsächlich mit ihm dorthin zu fahren, wo die Sonne scheint.

Und wieder hat das Schiff Menschen an Bord, die wichtig sind.

Ein schönes poetisches Bilderbuch über das Auf und Ab des Lebens, die Vergänglichkeit von Glück und die Kraft die jedem gemeinschaftlichen Neuanfang innewohnt.

 

 

 

 

Der Fluss

 

 

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Michael Roher, Der Fluss, Jungbrunnen 2016, ISBN 978-3-7026-5896-0

 

Ein anspruchsvolles philosophisches und bezaubernd poetisches Bilderbuch hat Michael Roher da erschaffen und ihm den Titel „Der Fluss“ gegeben.

Mit zarten Bildern und lyrischen Worten begleitet er ein Mädchen bzw. eine Frau vom Anfang ihres Lebens bis zu ihrem Ende. Wo fängt alles an, wo hört es auf? Und was erlebt man im Fluss des Lebens alles zwischendurch?

„Wo fängst du an?“ fragt das kleine Mädchen das Leben und den Fluss, der im ganzen Buch als ein Sinnbild des Lebens verstanden wird. Vielleicht im Himmel, denkt es. Als kleines Kind kann es nicht aufhören, es zu erkunden. Als Mädchen spürt sie schon die zarten Spuren, die der Lebensfluss in ihr hinterlässt und sie erkundet die Abenteuer des Lebens zunächst in vielen Büchern, und später dann in realen Begegnungen mit anderen Menschen. Sie lernt die Liebe kennen und sieht staunend und schwanger zu, wie immer wieder Neues entsteht.

Später lernt sie auch die dunklen Seiten kennen, wo das Leben unklar ist und sie den Grund nicht mehr sehen kann und auch nicht, wo der Fluss weitergeht. Und dann ist sie wieder oben auf dem Berg und später, etwas älter schon, still und nachdenklich, voller Erinnerungen, schaut sie auf seinen Grund hinab und was da alles abgesunken ist.

„Und wo endest du?“ fragt sie am Ende als alte gebrechliche Frau, die einen toten Vogel in ihrem Händen hält. „Im Himmel vielleicht, denke ich … und endest doch nie.“

Ein wunderbares, preisverdächtiges Bilderbuch voller Lebensweisheit und Poesie. Und wie alle wirklich guten Kinderbücher – es ist auch für Erwachsene eine berührende und tröstliche Lektüre.

Wie Kinder früher lebten

 

 

 

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Susanne Gernhäuser, Wie Kinder früher lebten, Ravensburger Verlag 2016, ISBN 978-3-473-32649-5

 

Die Sachbilderbuchreihe selbst ist eine der besten und auch erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum. Da wird grundlegendes Sachwissen für Kinder zwischen vier und sieben Jahren vermittelt, zahlreiche Bilder mit hohem Entdeckungswert illustrieren leicht verständliche Texte, die von Erstlesern gut selbst bewältigt werden können und zahlreiche Klappen ermöglichen Einblicke, bzw. veranschaulichen Bewegungen und Abläufe.

 

So ist es auch mit dem vorliegenden neuen von Susanne Gernhäuser geschriebenen und von Guido Wandrey einfühlsam illustrierten Buch „Wie Kinder früher lebten“. Auf jeweils einer Doppelseite können die Kinder etwas lernen über die Lebensweise von Kindern in der Steinzeit, im Alten Ägypten, bei den Griechen und im Mittelalter.

In der zweiten Hälfte des Buches werden die Zeitabstände kürzer. Da geht es auf je einer Seite um die Kinder der Ritter, um den Nachwuchs des Adels und um Kinder, die um 1800 in der Stadt aufwachsen. Mit dem Alltag um 1900 geht es schon um die Lebenswelt der Urgroßelterngeneration der die das Buch betrachtenden Kinder, und auf der letzten Seite sieht man Kinder in den Trümmern des Zweiten Weltkrieges spielen: „Wie sind Opa und Oma aufgewachsen“?

Insbesondere dieses Kapitel lädt Großeltern ein, ihren Enkel von dieser Zeit zu erzählen. Aber auch die Informationen von anderen viel früheren Zeitaltern vermitteln den heutigen Kinder einen Eindruck davon, wie stark sich die Kindheit früherer Generationen von der heutigen unterschieden hat.

Denn erst im Vergleich lernt man die eigene, gegenwärtige Lebenswelt schätzen.

Für Deutschland in den Krieg

 

 

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Dietger Lather, Für Deutschland in den Krieg, Tectum 2015, ISBN 978-3-8288-3535-1

 

Ein informatives Buch ist hier anzuzeigen, geschrieben von einem in Auslandseinsätzen erfahrenen Bundeswehroffizier, der in im Kosovo und in Afghanistan als Kommandeur in Einsatz war.

Er knüpft an die neuen Aufgaben Deutschlands nach der Wiedervereinigung an und seine neue militärische Rolle, gibt gute Einblicke in die Innenwelt der Bundeswehr, ihren Ausrüstungsstand und ihre Defizite. Alles in allem führt er den Leser unaufgeregt und unideologisch gut und nüchtern ein die Welt in Uniform

Den Hauptteil des Buches nehmen Beschreibungen ein darüber, was nun konkret möglich und nötig ist in einem Auslandseinsatz, wie man sich in der Partnerschaft zu Hause darauf vorberietet, wie man „im Feld“ rein praktisch alleine schon Kontakt halten kann, welche Ängste bei den Angehörigen auftreten und wie mit diesen in ruhiger Weise aktiv Umgang gepflegt werden kann.

Jeder Soldat kann sich mit diesem Buch gut informieren darüber, was im Vorfeld eines Auslandseinsatzes auf ihn zukommt. Immer mehr Soldaten werden in den nächsten Jahren davon betroffen sein

Interessant, obwohl relativ kurz sind die konkreten Eindrücke und Bewertungen der rein praktischen Seite des aktiven Einsatzes.

Nach Beschreibungen der Monotonie des Lagerlebens bei einem Auslandseinsatz Monotonie des Lagerlebens, der dauernden Vorsicht und dem konkreten Erleben von Anschlägen, den Umgang mit Gewalterlebnissen, wie man in extremen Situationen dennoch „funktionieren“ kann und ob die Bundeswehr einfach einen integralen Bestandteil der bundesdeutschen Gesellschaft darstellt oder eine Parallelgesellschaft bildet, beschriebt er im letzten Kapitel die „Rückkehr in die neue, alte Welt“.

Das Buch bietet neben praktischen Hilfestellungen für Soldaten ein engagiertes Plädoyer für eine „kommunikative“ und darin „offene“ Bundeswehr, die Dietger Lather zumindest in wichtigen Teilen vermisst und daher kritisch einfordert