Segelrouten der Welt

 

 

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Jimmy Cornell., Segelrouten der Welt, Delius Klasing 2015, ISBN 978-3-667-10006-1

Dieses schwergewichtige Standardwerk für alle, die mehr vom Segeln wollen als im Urlaub über das Ijsselmeer zu schippern, erscheint nunmehr in der siebte Auflage. Sie liegt hier in einer aktualisierten und neu übersetzten Auflage vor und ist für alle Segler ein unverzichtbares Handbuch, das sie kompetent und sicher über die Weltmeere lotsen kann.

Aufgeteilt in die Kapitel:

  • Atlantischer Ozean
  • Pazifischer Ozean
  • Indischer Ozean
  • Rotes Meer
  • Mittelmeer

bietet es genaueste Beschreibungen von unzähligen Teilrouten, ist aber auch für die zunehmende Zahl von Weltumseglern ein umfassender und hilfreicher Wegweiser durch die Meere dieser Welt.

Umfassende Informationen zu Klima, regionalen Wetterbedingungen, Wind – und Strömungsverhältnissen, der besten Reisezeit und zu den Einklarierungsmodalitäten helfen dabei, Langstreckentörns genau zu planen. Ein Buch, das in die Bibliothek jeder Blauwasseryacht gehört.

Der Gewitter-Ritter

 

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Kai Lüftner, Der Gewitter-Ritter, Klett Kinderbuch 2015, ISBN 978-3-95470-121-6

 

Ich habe schon viele Bilderbücher über Wut und den Zorn von kleinen Kindern gelesen, betrachtet und auch besprochen, aber bisher hat mich keines so berührt, so überzeigt, ja regelrecht mitgerissen in seinen Bildern und sprachmächtigen Reime wie das vorliegende neue Buch von Kai Lüftner mit dem Titel „Der Gewitter-Ritter“.

Es beschreibt einen Wutanfall eines kleinen Jungen, der auf den unteren Seitenhälften wie als Untertitel in zarten Strichen in seiner Veränderung immer wieder fortlaufend abgebildet wird.

Auf den oberen zwei Drittel der Seiten hat Kai Lüftner den Beginn, den Höhepunkt und das Abflachen seines Wutanfalls in kräftigen Farben gezeichnet und das Ganze mit wunderbaren, sprachmächtigen, fast epischen Reimen unterlegt, die, entsprechendes Vorlesen vorausgesetzt, ihre eigene Wirkung entfalten.

Ein Beispiel aus dem Höhepunkt der Wut:

„Ein Grollen, ein Gleißen, ein Dröhnen, ein Reißen,

die Wolken ergrauen, die eben noch weißen,

es rumpelt und bollert aus riesigen Röhren

und außer Gepolter ist nichts mehr zu hören.

Es wittert und wattert, es knirscht und kantert,

es rasselt und prasselt und plötzlich, da plattert –

das Wasser in Massen, aus Kübeln und Tassen,

mit Donnergetöse, ganz böse.“

Doch irgendwann hören die Tränen auf zu fließen, und nachdem sich der kleine Gewitter-Ritter mit einem lauten Schrei von seinem Elend befreit hat, beginnt auch die Sonne wieder zu scheinen und von Papas Schultern sieht die Welt wieder ganz anders aus. Dieser Vater hat, so nehme ich an, die ganze Zeit über den Anfall seines Sohnes beobachtet und ihn „gelassen“.

Ein tolles, im Übrigen preiswürdiges Bilderbuch.

 

 

 

Das (de)konstruierte Glück

 

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Barbara Köppe, Das (de)konstruierte Glück. Fotografien DDR 1964-1990, Nicolai Verlag 2015, ISBN 978-3-89479-953-3

Herausgegeben und mit einem instruktiven einleitenden Essay von Ursula Röper versehen, stellt dieser Fotoband bislang nahezu unbekannte Fotografien aus der Zeit zwischen 1964 und 1990 vor. Barbara Köppe hat sie gemacht und verschafft dem Betrachter ganz einzigartige Innenansichten der DDR.

Das besondere Interesse dieser Fotografin galt den Lebensbedingungen und –situationen von Frauen in der DDR. Sie machen deshalb auch den Großteil der in diesem Band versammelten Bilder aus. Weder dem Feminismus noch der offiziellen Ideologie verpflichtet schafft sie es, mit ihren Bildern einen unbestechlichen Blick auf die Brüche einer Gesellschaft zu werfen, die sich immer und in jedem Segment den Versprechungen sozialistischen Glücks verpflichtet wusste.

Es sind faszinierende Bilder, die auch dem Betrachter, der die DDR nicht von innen kannte, einen tiefen Eindruck vermitteln von einem Alltag, der für die Frauen gekennzeichnet war von Arbeit, Kindern und kleinen Nischen gehüteten Glücks.

Welten den Romantik

 

 

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Cornelia Reiter (Hg.), Welten der Romantik, Hatje Cantz 2015, ISBN 978-3-7757-4057-9

 

 

Das vorliegende Buch ist der offizielle Ausstellungskatalog einer ganz besonderen Themenausstellung, die vom 13. November 2015 bis zum m21. Februar 2016 in der Albertina in Wien zu sehen war/ist. Diese insgesamt 518. Ausstellung in der Albertina wurde in Kooperation mit dem Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste in Wien geplant und durchgeführt.

Nicht nur die abgebildeten beeindruckenden Werke zahlreicher Künstler der Romantik, sondern insbesondere die das Buch einleitenden kunsthistorischen Essays machen den Band zu einer lehrreichen Einführung in eine Epoche und ihre Lebenswelten und –sichten.

Da schreibt Christian Scholl etwa unter dem Titel „Dem Leben zugewandt“ über die Ausdifferenzierung romantischer Bildkunst, in dem Essay von Nico Kirchberger „Konfession und Transzendenz“ geht es um einen Bruderzwist, Holger Birkholz schreibt über das Frauenbild der Romantik und Werner Telesko verfolgt in einem abschließenden Essay die Erfindung des Habsburg-Mythos.

Ein Schwerpunkt des Bandes bildet die andauernde Gegenüberstellung der protestantischen und der katholischen Linie der Romantik mit ihrer jeweiligen Suche nach dem Transzendenten im Menschen und in der Natur.

Dem Menschen nahe sein

 

 

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Herwig Oberlerchner (Hg.), Dem Menschen nahe sein, Styria 2015, ISBN 978-3-222-13483-8

 

Die Debatte um die Sterbehilfe wird in Deutschland auch nach dem Beschluss des Bundestags vor einigen Wochen weiter gehen. Bei diesem Beschluss haben sich die eher moderaten und konservativen Kräfte quer durch die Parteien durchgesetzt, doch die Kritik daran folgte auf dem Fuß und wird, so ist zu erwarten, in den nächsten Jahren weitergehen. Bücher wie zuletzt das von Georg Diez (Die letzte Freiheit. Vom Recht sein Ende selbst zu bestimmen, Berlin Verlag 2015) werden die Debatte eher bestimmen, als die warnenden Töne derer, die in dem hier vorliegenden Buch zu Worte kommen.

Sie alle können aus unterschiedlichen Rollen und Aufgaben auf lange Erfahrungen in der Sterbebegleitung von Menschen zurückblicken und sie eint gerade deshalb das Engagement gegen die aktive Sterbehilfe, wie sie als „letzte Freiheit“ von den Befürwortern hochgehalten wird.

Aus ausnahmslos praktischen Perspektiven und Erfahrungen stellen die Autoren (Ärzte, Pfleger, Anwälte, Theologen) immer wieder in ihren unterschiedlichen Beiträgen die Frage nach der Würde des Menschen, nach dem Leiden und seinem fraglichen Sinn, nach der Verantwortung von Angehörigen und nach dem Tod.

Das Buch ist, auch wenn es an manchen Stellen zu langatmig daherkommen mag, eine große Hilfe in der Argumentation um die Sterbehilfe, weil es Aspekte und Werte einbringt, die in der öffentlichen Debatte leider immer mehr in den Hintergrund geraten, weil es wie zu einem Tabu geworden ist, im Leiden noch einen irgendwie gearteten Sinn zu sehen, und im Zusammenhang mit dem Thema von Glauben zu sprechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wirklich böse Absichten

Keigo Higashino, Böse Absichten,
Klett-Cotta, 2. Auflage 2015, ISBN 978-3-608-98027-1

Der gefeierte Bestsellerautor Kunihiko Hidaka wird in seinem Haus brutal ermordet, kurz bevor er nach Kanada auswandern will. Seine Ehefrau und sein erfolgloser Kollege Osamu Nonoguchi finden die Leiche, aber beide haben wasserdichte Alibis und kein Motiv. So scheint es zumindest. (Klappentext)

Genau, so scheint es zumindest. Doch Kommissar Kyochiro Kaga ermittelt in diesem Fall. Bis zum Schluss fehlt ihm ein Motiv, auch wenn er schon ein Geständnis vorliegen hat. Er glaubt keinem, hinterfragt jede Zeugenaussage und lässt sich durch niemanden irgendwie beeinflussen, bis ihm die wasserdichte Lösung des Falles gelingt.

Voller Überraschungen und Wendungen garantiert dieser Roman einen oder zwei sehr unterhaltsame Leseabende!

Endlich mein

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Donna Leon, Endlich mein, Diogenes 2015, ISBN 978-3-257-06943-3

In ihrem neuen, nunmehr 24. Fall für den venezianischen Commissario Guido Brunetti kehrt die Autorin Donna Leon, mittlerweile auch schon 74 Jahre alt, mit einer Hauptfigur an die Ursprünge ihrer nicht nur in Deutschland sehr erfolgreichen und immer wieder verfilmten Krimireihe zurück.

In dem 1993 veröffentlichten Debütroman „Venezianisches Finale“ ging es um einen mysteriösen Todesfall im Opernhaus „La Fenice“, als der Stardirigent Helmut Wellauer in der Pause vor dem letzten Akt von „La Traviata“ tot aufgefunden wird. Unter anderem unter Verdacht des damals erstmals ermittelnden Guido Brunetti geriet die Sängerin Flavia Petrelli, die aber auch wegen der sauberen Arbeit des Commissario von jedem Tatverdacht freigesprochen werden konnte.

Nun, 23 Bände und 22 Jahre danach macht Donna Leon Flavia Petrelli zur Hautfigur eines Romans, der in der Zeitebene der Serie nur „einige Jahre“ danach spielt. Flavia Petrelli ist nach Venedig zurückgekehrt, noch berühmter und verehrter als je zuvor, um im Opernhaus die Titelrolle von „Tosca“ zu singen.

Guido Brunetti sieht die Petrelli mit seiner Frau in einer Aufführung und in einem kurzen Gespräch nach der Vorstellung laden sie die Sängerin zu einem Essen bei den adligen Eltern von Brunettis Frau ein.

Dort macht die Sängerin einen gehetzten, fast panischen Eindruck, und auf Nachhaken von Brunetti gesteht sie, dass sie sich von einem Stalker verfolgt sieht, der ihr nicht nur in Venedig, sondern zuvor auch in anderen Städten Hunderte von gelben Rosen schickte. Oder ist es gar kein männlicher Verehrer, der die berühmte Sängerin in Angst und Schrecken versetzt und auch vor körperlichen Attacken gegen andere Menschen nicht zurückschreckt, die engen Kontakt mit Flavia Petrelli haben?

Mit vielen Informationen aus der Innenwelt der Oper gespickt, hat Donna Leon, zum wiederholten Mal das Stalking zum Thema eines ihrer Romane gemacht. „Endlich mein“ hat mir wieder mehr Freude beim Lesen gemacht, als die letzten Folgen der Reihe, wenn ich auch meine ständige Kritik aufrechterhalte: Brunetti und seine Familie sind seit vielen Jahren (die Zeitebene der Serie) bzw. Jahrzehnten (die Zeitebene des Erscheinens der Bücher) kuschelweich krisenlos. Keine einzige Fachliche oder menschliche Schwäche ist mir aus einem der 24 Bücher in Erinnerung.

Im neuen Buch läuft seine Sekretärin Signorina Elletra nicht ganz so in der Spur. Aber das ist auch das einzige wirkliche Veränderung in einer Reihe, die für mich seit vielen Jahren mehr Unterhaltungsromane mit venezianischem Hintergrund produziert als echte Kriminalromane.

Ich, Luisa, Königin der ganzen Welt

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Claudia Schreiber, Ich, Luisa, Königin der ganzen Welt,
Hanser 2015, ISBN 978-3-446-24934-9

Es gibt wohl kaum ein Mädchen, das nicht irgendwann in seiner Kindheit davon geträumt hätte, eine Königin zu sein. Schön, reich, begehrt – eine Königin kann alles bestimmen, was sie will.

Davon träumt auch Luisa, das Mädchen in diesem von Yayo Kawamura eigenwillig illustrierten Bilderbuch von Claudia Schreiber. Doch während ihre Mama unterwegs ist, träumt sich Luisa nicht nur in Vorstellungen von Schönheit und Berühmtheit, sondern sie würde als Königin auch viele soziale Entscheidungen treffen. Nette Gefängnisinsassen freilassen etwa und an Arme und Bedürftige Lebensmittel verteilen.

Vor allen Dingen würde sie ein großes Fest feiern, zu dem sie alle Kinder einladen würde, auch ihren Schwarm Lukas aus ihrer Straße. Doch selbst in ihrer Phantasie traut sie sich nicht, ihn zum Tanz zu bitten.

Es wird dunkel, das Fest ist vorbei, da ruft die Mutter von der Tür und findet ihre kleine Luisa vor einem Haufen Kleider vor ihrem Kleiderschrank.

Ein lustiger Ausflug in die kindliche Welt der Selbstbestimmung. Besonders geeignet für kleine Prinzessinnen.

Achtung Wolf

 

 

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Andre Bouchard, Achtung Wolf, Knesebeck 2015, ISBN 978-3-86873-756-1

 

Dieses aus dem Französischen übersetzte Bilderbuch von Andree Bouchard ist ein lustiges und so überhaupt nicht gruseliges Buch für alle Kinder, die zwar vor dem Einschlafen alle möglichen Monster sehen, aber vor ihnen gar keine Angst mehr haben. Oder doch?

Ein fürchterlich aussehender Wolf steht am Bett eines friedlich schlafenden Mädchens und will sie erschrecken. Da taucht plötzlich unter dem Bett der Albtraum des Mädchens auf, und weist den Wolf zurecht. Es sei seine Aufgabe, dem Mädchen Angst zu machen.

Sofort entwickelt sich ein Wettstreit der beiden in ihrem eifernden Zorn immer größer werdenden Monster drüber, wer der Schrecklichste ist.

Mit ganz erstaunlichen und lustigen Folgen…

Gar schröckliche Monster, die aber keine Angst machen sondern in ihrem Versuch, Angst zu erregen, besonders lächerlich wirken.

 

 

Mein Schneetag

 

 

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Sam Usher, Mein Schneetag, Atlantis 2015, ISBN 978-3-7152-0697-4

 

Als der kleine Junge, der uns in diesem wunderschönen Bilderbuch eine Geschichte erzählt, morgens aufwacht, ist sein lange gehegter Traum endlich in Erfüllung gegangen, Es hat geschneit und es schneit immer noch. Schnell macht er sich fertig zum Frühstück und drängelt seinen Opa, sich auch zu beeilen. Doch der lässt sich Zeit mit seiner Morgenpflege. Derweil machen andere Kinder die ersten Spuren im Schnee und ziehen am Haus des Jungen vorbei um im Schnee zu spielen.

Der Junge ist sehr ungeduldig, doch Opa sagt, sie würden schon nichts verpassen. Und tatsächlich: als Opa endlich fertig ist und bei nach draußen gehen, wartet dort eine große Überraschung auf sie, die sie verpasst hätten, wären sie früher dran gewesen.

„Manchmal lohnt sich ein wenig Geduld“, sagt Opa später als sie wieder glücklich zu Hause sind nach einem wunderbaren Tag im Schnee.

Der kleine Junge ist geneigt ihm recht zu geben, aber wichtiger ist es ihm, dass es morgen wieder schneit.

Ein schönes Bilderbuch über Geduld und Ungeduld.