Plötzlich Funkstille

 

 

 

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Benjamin Courtault, Plötzlich Funkstille, Kunstanstifter Verlag 2016, ISBN 978-3-942795-41-8

 

Das haben der Autor und der in Mannheim ansässigen ambitionierte Kunstanstifter-Verlag gleichermaßen verdient. Die Stiftung Buchkunst hat das Bilderbuch „Plötzlich Funkstille“ in seinem Genre zum schönsten Buch 20916 gekürt. In ihrer Begründung schreibt die Jury:

„Echte Sonderfarben – immer drei in wechselnden Kombinationen – drucken die rasterfreien Bildflächen, so dass sich neben- und übereinanderliegend kontrastierende Mischungen ergeben. Keine Farbe wird bevorzugt. Das erzeugt den eigentümlichen Camouflageeffekt. Durch diese Konzeption erreichen die Bilder, unabhängig von der Auflagenhöhe, die Qualität von Originaldruckgrafik.

Die Kompositionen sind als Dioramen aufgefasst. Meist parallelperspektivisch aufgebaut, gewinnen sie von einem hoch stehenden Blickpunkt aus an Raumtiefe. Mit der Spannung japanischer Farbholzschnitte sind große flächige Formen und kleinteilige Strukturen aufeinander bezogen. Die enorme Dynamik entfaltet sich erst, wenn man sich auf sie als stehende Bilder einlässt.

Dann beginnt ein Flirren, als wenn die Buchseiten selbst unter Strom stünden. Darin scheint das Geheimnis dieser klassisch-handwerklichen Buchillustrationen zu liegen.“

Es ist ein Bilderbuch, aber eigentlich eher für junge Erwachsene geeignet. Es erzählt davon, wie ein junger Mann aus dem monotonen Einerlei seines Lebens und seiner im Internet verbrachten Nächte fliehen will. Seine Freundin Marie kennt er nur aus dem Internet, sie hält eine solche Beziehung für intensiver. Eines Tages träumt sie, dass sich sein Leben radikal verändern würde.

Und dann begleitet der von den Bildern faszinierte Leser den jungen Mann auf einem traumähnlichen Roadtrip voller skurriler Wendungen beim sehnsuchtsvollen Versuch, die Fesseln seines Alltags zu sprengen.

Wie so viele Produktionen  aus dem Kunstanstifter Verlag: ungewöhnlich, extravagant und besonders.

Endgültig

 

 

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Andreas Pflüger, Endgültig, Random House Audio 2016, ISBN 978-3-8371-3402-5

 

Normalerweise bin ich kein Liebhaber von Thrillern. Doch seit den beiden letzten Büchern von Sebastian Fitzek mache ich hin und wieder einmal eine Ausnahme. Das vorliegende Buch von Andreas Pflüger, der als Drehbuchschreiber schon für über dreißig Filme, darunter viele Tatorte verantwortlich zeichnete, hat mich sofort angesprochen, auch deshalb, weil er bei Suhrkamp erschienen ist, dessen Lektorat für Qualität und literarischen Anspruch steht.

 

Ich habe mich nicht getäuscht und die 450 Seiten dieses überaus spannenden Buches fast ohne Unterbrechung gelesen. Genial konstruiert, arbeitet Pflüger mit zahlreichen Rückblenden, die dem Leser nach und nach die zunächst noch sehr rätselhaften Zusammenhänge erklären.

 

Seine Hauptfigur heißt Jenny Aaron. Sie ist die Tochter eines ehemaligen GSG 9 Beamten, der bei dem Einsatz in Mogadischu 1977 sich große Verdiente erwarb, und der seine Tochter ein Leben lang unterstützte und aufbaute. Jenny Aaron wurde schon in jungen Jahren nicht nur, aber auch wegen ihres Namens, das erste weibliche Mitglied einer Eliteeinheit der Polizei, die auch außerhalb Deutschlands undercover operierte.

 

Ein solcher Einsatz vor 5 Jahren in Barcelona geht schief und sie erblindet durch einen Schuss. Ihren Kollegen lässt sie in einer Tiefgarage schwer verletzt zurück, eine Hypothek, die sie seitdem belastet und die sie das ganze Buch über aufklären will. Jenny Aaron ist tough. Sie erlernt nicht nur die Blindensprache, sondern bald schon bewegt sie sich durch ihr Leben wie eine Sehende. Sie benutzt dafür unterschiedliche Laute und kann aus deren Echo genau ermessen, was da vor ihr liegt und in welcher Entfernung. Bald schon ist sie wieder im Dienst, nun als gefragte Vernehmungsspezialistin beim BKA in Wiesbaden, wo sie auch wohnt.

 

Das Buch beginnt damit, dass die früheren Kollegen aus Berlin Aaron um Hilfe bitten. Der Mörder Reinhold Boenisch, an dessen Verhaftung sie beteiligt war, hat in der Haft vermutlich eine Psychologin getötet  und will nur eine Aussage machen, wenn Aaron sie übernimmt.

 

Jenny Aaron übernimmt den Auftrag und gerät schon bald in Zusammenhänge und Netzwerke, die nicht nur ihr Leben bedrohen, sondern auch ihre Vergangenheit und insbesondere jenen gescheiterten Einsatz in Barcelona in ein ganz neues Licht rücken.

 

Insbesondere die Blindenthematik ist exzellent recherchiert (Andreas Pflüger gibt darüber in einem Nachwort Auskunft und kündigt auch eine Fortsetzung an). Die gleich zu Beginn implementierte Spannung wird bis zur letzten Seite ausrechterhalten und lässt dem Leser keine andere Wahl, als atemlos immer weiter zu lesen.

 

Ein auch literarisch sehr gelungenes Buch, dessen hier anzuzeigende Hörbuchfassung so gut eingelesen ist, dass man es vor spannendem Kitzel kaum aushält.

 

 

 

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte

 

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Sabine Bohlmann, Kerstin Schoene, Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45819-1

 

Im Herbst kommt für die Siebenschläfer die Zeit für den Winterschlaf. Normalerweise funktioniert das auch bei den kleinen Siebenschläfern ganz gut.

Die Mutter des kleinen Tieres, das in diesem Bilderbuch die Hauptrolle spielt und mit dem sich die das Buch anschauenden Kinder identifizieren sollen, hat dafür auch gute Ratschläge:
„Einschlafen ist gar nicht so schwer. Mach die Augen zu und denk an lauter schöne Dinge, und dann wirst du sehen, wie einfach das geht!“

Doch manchmal ist es halt nicht so einfach, wie die Mütter sich das vorstellen oder wünschen. Der kleine Siebenschläfer hat echte Probleme mit dem Einschlafen. Alle Aufmunterungen der Mutter nützen nichts. Der Fuchs schlägt ihm vor, Schäfchen zu zählen, die Nachtigall singt ihm ihr schönstes Lied, so lange bis sie selbst einschläft.

Mit der Schnecke rennt er um den Block und die Eule erzählt eine Gute-Nacht-Geschichte, bis auch ihr die Augen zufallen. Es kommen noch zum Einsatz: eine Fledermaus und ein großer Bär, alle ohne Erfolg.

Der kleine Siebenschläfer beginnt schon Pläne zu machen, was er – wenn er denn schon nicht schlafen kann – in den sieben Monaten des Winterschlafs der anderen alles anstellen könnte – und in diesem Träumen schläft er ein.

Eine schöne und lustig illustrierte Gute-Nacht-Geschichte für alle, die manchmal nicht einschlafen können.

Tage der Nacht

 

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Yorck Kronenberg, Tage der Nacht, DTV 2016, ISBN 978-3-423-28060-0

 

„Tage der Nacht“ ist der vierte Roman des 1973 geborenen Schriftstellers Yorck Kronenberg. Er erzählt, immer sehr geschickt zwischen Vergangenheit und  Gegenwart wechselnd, die Geschichte von Anton, einem pensionierten Literaturwissenschaftler aus Frankfurt, der eine Tages in seinem Haus in England Opfer eines Überfalls wird. Weder er noch seine Frau erleiden einen wirklichen Schaden, doch bei Anton löst dieser brutale Einschnitt in seinen Lebendalltag eine Art Schock aus, der die bisher verborgenen Geister seiner Vergangenheit hervorlockt.

In einem wunderbaren Fluss und mit einer Sprache, die einen bald schon nicht mehr loslässt, lässt Yorck Kronenberg die Vergangenheit und die Gegenwart immer wieder ineinander fließen und erzählt eine bewegende Geschichte vom Suchen, vom Verlieren und vom Finden. Von der Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit im Leben.

Er lässt Anton sich als Person Stück um Stück, Erinnerung um Erinnerung langsam wieder zusammensetzen. Und er lässt ihn  Frieden schließen mit vergangenen Nächten, die seine Gegenwart verdunkelten. Das Buch zeigt, dass sich noch im hohen Alter die Auseinandersetzung mit den Brüchen des eigenen Lebens lohnt. So kann man dann auch versöhnt und friedlich sterben.

 

 

 

Traurige Freiheit

 

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Friederike Gösweiner, Traurige Freiheit, Droschl 2016, ISBN 978-3-85420-976-8

 

„Traurige Freiheit“ ist das Romandebüt der 1980 geborenen Tirolerin Friederike Gösweiner. Mit ihrer Protagonistin Hannah, in deren Charakterisierung und Schicksal offenbar viel persönliche Erfahrungen und Reflexionen eingeflossen sind, schildert sie die Lebenswelt von vielen gut ausgebildeten Frauen und Männern aus der Generation der etwa Dreißigjährigen. Zwischen Hoffnungen, die oft zerplatzen wie Seifenblasen, Resignation und immer wieder versuchtem Aufbruch als lebendig gewordener Freiheit, wechselt ihr Leben hin und her. Dass diese Freiheit im Falle Hannahs bis zum Ende eine eher „traurige Freiheit“ ist, lässt nicht nur den Leser darüber nachdenken, ob sich das alles gelohnt hat und vielleicht etwas mehr Konvention und Kompromissbereitschaft, was das Leben und die Karriere angeht, den Menschen glücklicher gemacht hätte.

Hannah hat studiert, lebt seit vielen Jahren mit dem angehenden Arzt Jakob zusammen und hält sich mit freiberuflicher Journalistentätigkeit mehr schlecht als recht über Wasser. Sie ist unglücklich und niedergeschlagen:

„Als Hannah jünger war, hatten alle Erwachsenen immer gesagt, sie sei glücklich, gehöre zu der Generation, der alle Wege offen stünden, man können alles werden, alles sein, hieß es, alles sei möglich, das sei die totale Freiheit. Aber das stimmte nicht (…) ihr standen keine Wege offen. Niemand brauchte sie. Niemand wollte sie. Sie war zu nichts nutze.“

Schon hier fragt sich der Leser, warum Hannah so fest an ihrer Wunschtätigkeit festhält, obwohl sie weiß, dass die echten Stellen knapp sind und die dann auch noch sehr prekär. Doch als sie endlich nach zahllosen Bewerbungen ein Volontariat in Berlin, wo sie immer schon hin wollte, angeboten bekommt, glaubt sie durchzustarten. Sie trennt sich von Jakob, weil der lieber in seiner geliebten Provinz leben möchte und mit seiner Stelle im Krankenhaus sehr zufrieden ist. Das zu lesen tut geradezu weh. Wie sich eine Frau ein wesentliches Stück ihrer bisherigen Existenz abklemmt, in der ungewissen Hoffnung auf eine bessere berufliche Zukunft.

Sie kommt bei einer Freundin unter, Miriam, die eine angebliche Traumstelle als Korrespondentin in Moskau ergattert hat, und mit der sie das ganze Buch über immer wieder über Skype sich austauscht. Das Volontariat ist kurz und  erfolglos und nach dessen Ende rutscht Hannah in eine echte Lebenskrise.

„Alles war möglich, immer wieder hatte sie das gehört. Aber nie hatte sie daran gedacht, dass das auch das Scheitern implizierte. Niemand dachte daran, dass auch das Scheitern eine Möglichkeit war.
Wie hatte sie nur nicht daran denken können? Wenn alles möglich war, war eben auch das Verlieren möglich. Wie konnten das alle nur vergessen? Wie konnte man denken, dass es immer nur die anderen treffen würde?“

Sie arbeitet als Bedienung in einem Cafe, trifft dort auf einen sehr bekannten älteren Journalisten, macht sich Hoffnungen, doch irgendwann lässt der zunächst so zugewandte Mann nichts mehr von sich hören.

Als sie dann noch von der Vaterschaft Jakobs erfährt, fällt Hannah ins Bodenlose. Das Ende des Buches signalisiert einen Aufbruch, der aber bleibt ungewiss und angedeutet und nicht sehr verheißungsvoll. Freiheit, die sich anfühlt wie ein endloser Fall in die Tiefe – ein erstrebenswertes Lebensziel?

Ich glaube, die Autorin weiß es auch nicht genau. Sie hat das Scheitern, den Absturz und die Einsamkeit sehr einfühlsam beschrieben. Sie schildert ihre Hauptfigur drastisch, gleichzeitig aber mit großer Sensibilität, viel sprachlichem Geschick ohne sentimental zu werden.

Und mit der Autorin fragt man sich, in welcher Welt wir mittlerweile leben, wo junge Menschen sich glauben entscheiden zu müssen zwischen ihrer Arbeit und ihrer Beziehung.

Den Rezensenten hat das Buch unendlich traurig zurückgelassen mit viel Mitgefühl für diese Generation. Ich glaube, die nachfolgenden, zu denen auch mein Sohn gehört, werden es nicht sehr viel besser haben.

Die Rückkehr zu den alten Rollenbildern geht nicht, alleinige Orientierung an Job und Beruf macht unglücklich. Wer zerschlägt diesen gordischen Knoten? Eine unheimliche Anstrengung.

 

Endgültig

 

 

 

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Andreas Pflüger, Endgültig, Suhrkamp 2016, ISBN 978-3-518-42521-3

 

Normalerweise bin ich kein Liebhaber von Thrillern. Doch seit den beiden letzten Büchern von Sebastian Fitzek mache ich hin und wieder einmal eine Ausnahme. Das vorliegende Buch von Andreas Pflüger, der als Drehbuchschreiber schon für über dreißig Filme, darunter viele Tatorte verantwortlich zeichnete, hat mich sofort angesprochen, auch deshalb, weil er bei Suhrkamp erschienen ist, dessen Lektorat für Qualität und literarischen Anspruch steht.

Ich habe mich nicht getäuscht und die 450 Seiten dieses überaus spannenden Buches fast ohne Unterbrechung gelesen. Genial konstruiert, arbeitet Pflüger mit zahlreichen Rückblenden, die dem Leser nach und nach die zunächst noch sehr rätselhaften Zusammenhänge erklären.

Seine Hauptfigur heißt Jenny Aaron. Sie ist die Tochter eines ehemaligen GSG 9 Beamten, der bei dem Einsatz in Mogadischu 1977 sich große Verdiente erwarb, und der seine Tochter ein Leben lang unterstützte und aufbaute. Jenny Aaron wurde schon in jungen Jahren nicht nur, aber auch wegen ihres Namens, das erste weibliche Mitglied einer Eliteeinheit der Polizei, die auch außerhalb Deutschlands undercover operierte.

Ein solcher Einsatz vor 5 Jahren in Barcelona geht schief und sie erblindet durch einen Schuss. Ihren Kollegen lässt sie in einer Tiefgarage schwer verletzt zurück, eine Hypothek, die sie seitdem belastet und die sie das ganze Buch über aufklären will. Jenny Aaron ist tough. Sie erlernt nicht nur die Blindensprache, sondern bald schon bewegt sie sich durch ihr Leben wie eine Sehende. Sie benutzt dafür unterschiedliche Laute und kann aus deren Echo genau ermessen, was da vor ihr liegt und in welcher Entfernung. Bald schon ist sie wieder im Dienst, nun als gefragte Vernehmungsspezialistin beim BKA in Wiesbaden, wo sie auch wohnt.

Das Buch beginnt damit, dass die früheren Kollegen aus Berlin Aaron um Hilfe bitten. Der Mörder Reinhold Boenisch, an dessen Verhaftung sie beteiligt war, hat in der Haft vermutlich eine Psychologin getötet  und will nur eine Aussage machen, wenn Aaron sie übernimmt.

Jenny Aaron übernimmt den Auftrag und gerät schon bald in Zusammenhänge und Netzwerke, die nicht nur ihr Leben bedrohen, sondern auch ihre Vergangenheit und insbesondere jenen gescheiterten Einsatz in Barcelona in ein ganz neues Licht rücken.

Insbesondere die Blindenthematik ist exzellent recherchiert (Andreas Pflüger gibt darüber in einem Nachwort Auskunft und kündigt auch eine Fortsetzung an). Die gleich zu Beginn implementierte Spannung wird bis zur letzten Seite ausrechterhalten und lässt dem Leser keine andere Wahl, als atemlos immer weiter zu lesen.

Ein auch literarisch sehr gelungenes Buch. Die Fortsetzung werde ich auf jeden Fall lesen.

 

 

Eskapaden

 

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Martin Walker, Eskapaden, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-80371-6

In seinen bisherigen Büchern mit dem sympathischen Bruno Courreges, dem Chef de Police in dem kleinen Städtchen St. Denis im Perigord ist es dem Engländer Martin Walker jedes Mal sehr gut gelungen, ein aktuelles Thema in einem konkreten Kriminalfall zu verbinden mit sehr aufschlussreichen Rückblicken in die dunklen Kapitel der französischen Geschichte.

Während es im letzten Band meines Erachtens zu viele verschiedene Handlungsebenen gab und das Buch deshalb etwas durcheinander wirkte, ist ihm im vorliegenden achten band wieder eine tolle Mischung aus aktuellen politischen Themen und in die Gegenwart reichender Hypotheken französischer Vergangenheit gelungen.

Da geht es zum einen um eine radikale Tierschützerin, die für viel Unruhe in St. Denis sorgt, zum anderen um die Rolle des legendären Kriegshelden Marco Desaix, einst ein Idol des jugendlichen Bruno und seine Verwicklungen in vergangenen und aktuelle Geheimdienstaffären.

Und natürlich geht es wieder um viel leckeres Essen und große Weine und um das Liebesleben Brunos. Schon kurz nach Beginn des Buches beendet seine Freundin Isabelle die sich nun schon über mehrere Bände hinziehende Beziehung, weil sie unabhängig bleiben will und Brunos Traum von einer Familie mit Kindern nicht im Wege stehen will.

Wann und ob Martin Walker seinem Bruno diesen Traum erfüllt, steht allerdings in den Sternen.
Eine leidenschaftliche Nacht, die Bruno mit einer der Hauptfiguren des Buches verbringt, kostet ihn fast den Job, den er dann doch in gewohnter Manier erfolgreich erledigt.

Diesen Band habe ich wieder mit großer Freude und fast ohne eine wesentliche Unterbrechung gelesen und freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung in 2017.

Die hier anzuzeigende Hörbuchfassung, wieder von Johannes Steck gelesen, ist auch nach der ersten Lektüre des gedruckten Buches auf jeden Fall zu empfehlen. Sie ist aber auch ein adäquter Ersatz für das Buch, weil es ihr gelingt, jene ganz besondere Atmosphäre der Bruno-Romane und der Region, in der sie spielen, wunde

Rolle vorwärts

 

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Samuel Koch, Rolle vorwärts, Adeo 2016, ISBN 978-3-86334-123-7

 

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“

Mit diesem Vers aus dem neutestamentlichen Hebräerbrief beendete Samuel Koch vor etwa drei Jahren die Schilderung seiner Lebensgeschichte, die er zusammen mit dem Journalisten Christoph Fasel aufgezeichnet und in einem bewegenden und ermutigenden Buch veröffentlicht hatte.

Vielen Menschen hat er seitdem gezeigt, wie man auch mit einem solchen schweren Schicksal fertig werden kann, und seinen Lebensmut und sein Glück nicht verlieren braucht. In dem ersten Buch sagt er an einer Stelle:
„Heulen ist nicht mein Ding. Man kann auf jedem Niveau klagen, aber auch glücklich sein.“

In seinem neuen Buch mit dem bezeichnenden Titel „Rolle vorwärts“ erzählt er von seinem Leben als Schauspieler am Staatstheater in Darmstadt, wo ihn der Rezensent in den letzten beiden Jahren schon oft hat spielen sehen, er erzählt von schweren Stunden und immer wieder von seiner durch seinen Glauben geprägten Hoffnung, „dass das Leben manchmal weiter geht, als man denkt.“

Seine Erzählungen und Anekdoten sprühen vor Humor und sind doch so tief. Er lotet seine gesamte Existenz aus, reflektiert sein Leben und sein Schicksal immer auf dem Hintergrund seines lebendigen und auch den Leser fröhlich machenden Glaubens.

Samuel Koch ist durch sein Schicksal und wie er es bewältigt und mit Sinn erfüllt seit seinem schrecklichen Unfall bei „Wetten dass?“ zu einem bekannten jungen Mann geworden. Ein Mann, der nicht abhebt, sondern bei unzähligen Veranstaltungen Menschen mit Worten und Liedern Mut macht, so wie er ihr Schicksal anzunehmen und es in Gottes Hand zu legen. Die Kraft, die ihm daraus erwächst, bleibt vielen Menschen, die ohne Glauben aufgewachsen sind, im Dunkel. Doch obwohl er überhaupt nicht missioniert, sondern einfach frei erzählt von seinen Erfahrungen mit Gott, werden durch sein Buch, sein Leben, sein Beispiel viele Menschen Licht erleben in ihrem jeweiligen Dunkel, aus dem sie nicht herauszukommen glauben.

„Rolle vorwärts“ ist ein wunderbares Lebens- und Glaubensbuch, das Samuel Koch mit den Worten schließt:
„Tränen trocknen, Schmerz lindern. Geht auch schon jetzt. Deshalb werde ich weiter wach, neugierig und abenteuerlustig vorwärtsrollen und versuchen, mit so vielen Menschen wie möglich schon jetzt und hier ein Stückchen Himmel auf Erden zu feiern.“

 

Seine eigene nun hier vorliegende gekürzte Lesung macht das Hören seiner Texte zu einem Erlebnis , das unter die Haut geht und ermutigt.

 

ZiegenHundeKrähenMama

 

 

 

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Katharina Tanner, Lihie Jacob, Ziegenhundekrähenmama, Atlantis 2016, ISBN 978-3-7152-0707-0

 

Dieses Bilderbuch von Katharina Tanner mit eindrucksvollen Illustrationen von Lihie Jacob erzählt von zwei Kindern, deren Mutter in eine tiefe Depression verfallen ist. Es gibt auch noch einen Vater, der sich redlich müht, aber mit der Situation verständlicherweise auch überfordert ist. So müssen die Kinder alleine mit der Lage klarkommen. Aus ihrer Sicht ist das Buch auch erzählt, mit einer klaren und direkten Sprache.

Lange war die Mama von Laute Lotte und Kleiner Paul eine ganz normale Mama. Doch plötzlich, so scheint es jedenfalls liegt sie nur noch auf dem Sofa, guckt Löcher in die Luft und meckert nur.mn „Wie eine Ziege!“, so empfinden es die  beiden Geschwister und versuchen, die lethargische Mutter von ihrem Ziegendasein zu befreien. Doch Mama mag nicht. Mehr noch: Sie verwandelt sich weiter, von der meckernden Ziege in einen bellenden Hund und später in eine krächzende Krähe.

Sind die Kinder zunächst noch ausgelassen und toben herum, beginnt die Krankheit der Mutter sie bald auch zu verändern, Sie werden traurig. Als sie sich Mamas Lieblingswetter wünschen, fängt es im Wohnzimmer an zu schneien und die Kinder verirren sich selbst in ihren Vorstellungen, aus denen sie auch der Vater nicht herausholen kann.

Doch irgendwann, sie haben in Mamas Armen geschlafen, steht Mama wieder auf. Sie ist wieder ein Mensch und alle miteinander musizieren und singen sie.

Doch dass dieses glückliche Ende nur vorläufig ist wird bald klar. Die Krankheit der Mutter wird so schnell nicht verschwinden.

Es ist nicht leicht für ein Bilderbuch Worte zu finden, die eine psychische Krankheit beschreiben und erst recht nicht, sie adäquat zu illustrieren. Katharina Tanner und Lihie Jacob ist das in diesem Bilderbuch gut gelungen. Der Psychiater Alain di Gallo sagt zu diesem Buch und seinem Thema:

„Das Wichtigste ist, dass man die Kinder altersgemäss informiert, ihnen klar vermittelt, was los ist. Der kranke Elternteil kann das häufig nicht, er hat  allein nicht die Kraft dazu. Da ist es hilfreich, wenn der gesunde Partner die Situation auffangen kann. Es können aber auch andere  Menschen aus dem Umfeld diese Aufgabe übernehmen, Grosseltern, Paten, Lehrer oder Ärzte. Das Wichtigste ist einfach, dass man nicht schweigt.“

 

 

 

 

Tel Aviv

 

 

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Marko Martin, Tel Aviv. Schatzkästchen und Nussschale, darin die ganze Welt, Corso 2016, ISBN 978-3-7374-0723-6

 

Seit 25 Jahren, nachdem er als Kriegsdienstverweigerer direkt aus der DDR nach Tel Aviv reiste, kennt Marko Martin diese israelische Stadt am Mittelmeer. Schon 2012 veröffentlichte er mit „Kosmos Tel Aviv. Streifzüge durch die israelische Literatur und Lebenswelt“ , zu dem Ralph Giordano das Vorwort schrieb, eine Art literarischen  Reise- und Stadtführer.

Das vorliegende Buch ist eine wundervolle Liebeserklärung an eine wunderbare Stadt voller Geschichte und Geschichten, aus der Vergangenheit und der Gegenwart.

Marko Martin lässt den Leser zusammen treffen mit sehr unterschiedlichen und teilweise skurrilen Menschen. Menschen, die aus der Nussschake Tel Aviv eine ganze Welt machen, weil sie alle ihre Herkunft, ihre Sprache und ihre Kultur mitgebracht haben.

Tel Aviv ist mehr als eine Stadt – Tel Aviv ist ein schräger Kosmos. Marko Martin, bester Kenner dieses globalen ‚hot spots‘, nimmt seine Leser mit auf seiner Stadttour der besonderen Art.

Hervorzuheben sind die genauen Beobachtungen des Autors und seine prägnanten und Lebendigen Beschreibungen des Stadtlebens und der Menschen. Martin hat eine geradezu schwärmerische Beziehung zu Tel Aviv. Da schreibt ein in eine Stadt und seine Menschen Verliebter.