Der schaurige Schusch

 

 

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SaBine Büchner, Charlotte Habersack, Der schaurige Schusch, Ravensburger Verlag 2016, ISBN 978-3-473-44670-4

 

In diesem neuen Bilderbuch erzählt Charlotte Habersack in einer schönen und nachdenkenswerten Parabel eine Geschichte von Vorurteilen, Abgrenzung und Ablehnung von Fremden und wie sie schlussendlich überwunden werden kann. Obwohl es keine direkten Andeutungen gibt, ist dich der Bezug zu der aktuellen Flüchtlingsdebatte überdeutlich, die auch Kinder im Kindergarten schon erleben, wenn neue Kinder zu ihnen kommen, die anders sind.

In dem Bergort Doppelspitz wohnen nur wenige Tiere. Das scheue Huhn, der bockige Hirsch, die garstige Gams das maulige Murmeltier und der Party-Hase. Als sie eines Tages erfahren, dass der Schusch zu ihnen ziehen soll, dem es weiter unter zu warm geworden ist, geraten sie alle fünf in helle Aufregung. Und sie überbieten sich mit ihren Vorurteilen über ihn, obwohl sie ihn gar nicht kennen. Das kennt man ja.

Doch als der Schusch, oben angekommen on Doppelspitz eine Einweihungsparty gibt, geraten nicht nur die Vorurteile ins Wanken….

Ein schönes Bilderbuch über Vorurteile. Kinder lernen im Gespräch über dieses Buch, dass man niemand beurteilen soll, den man nicht kennt.

 

 

 

Gräser der Nacht

 

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Patrick Modiano, Gräser der Nacht, DTV 2016, ISBN 978-3-423-14494-0

Der vorliegende Roman von Patrick Modiano ist das erste von ihm auf Deutsch veröffentlichte Buch seit der Verleihung des Literaturnobelpreises. Entsprechend beworben, waren die Erwartungen sicher nicht nur des Rezensenten an dieses Buch groß.

Doch schon zu Beginn der Lektüre dieses Liebesromans auf dem historischen Hintergrund der bis heute wenig verarbeiteten französischen Kolonialpolitik in Nordafrika, stellt sich Verwunderung ein.  Wie als hätte er mittlerweile eine andere Auffassung vom Schreiben, experimentiert Modiano mit seinem Stoff und mutet zunächst dem Leser auch sprachlich einiges zu.

Der Ich-Erzähler Jean erinnert sich aus dem zeitlichen Anstand eines halben Jahrhunderts und seines ganzen Lebens daran, wie und unter welchen Umständen er Mitte der sechziger Jahre des 20.Jahrhunderts die rätselhafte und bezaubernde Dannie kennenlernt. Sie bewegt sich in konspirativen Kreisen und durch das Nachwort der Übersetzerin Elisabeth Edl schon sensibilisiert, ahnt der aufmerksame Leser, dass all diese Männer, denen Jean da begegnet, etwas zu tun haben mit den marokkanischen Exilpolitikern und ihrem Widerstand, der am 29.Oktober 1965 in der Entführung und Ermordung von Ben Barka gipfelte. Ein Mord, in den französische Polizei- und Geheimdienstkräfte verwickelt waren und dessen Umstände bis heue nicht geklärt sind. Regierungen von rechts bis links haben sich einer Aufklärung bisher verweigert.

Jean und Dannie kommen sich näher, und er schreckt auch nicht zurück, als sie ihn  fragt, was er tun würde, wenn sich herausstellen würde, dass sie jemanden umgebracht hat:
„‘Was ich sagen würde? Nichts‘, erwiderte er und war sich sicher, dass er auch heute, Jahrzehnte später, dieselbe Antwort geben würde. ‚Denn haben wir das Recht, über die zu urteilen, die wir lieben?‘, überlegte er jetzt wie damals.“
Doch als Dannie, mittlerweile von der Polizei gesucht, plötzlich spurlos verschwindet, sind Jeans Hoffnungen dahin.

Jean erinnert sich nun am Ende seines Lebens mit Hilfe seines damaligen schwarzen Notizbuchs nicht nur an die Namen sondern auch an die Orte, die er nun in der Gegenwart wieder aufsucht in der Hoffnung weitere Erinnerungen zu lösen aus seinem Gedächtnis. Er schreibt unchronologisch auf für sich selbst und die Nachwelt, an was er sich erinnert. Er zieht seine Kreise um die Schauplätze von damals, die heute anders genutzt werden und immer wieder dreht  es sich um den zuletzt pensionierten Kommissar Langlais, den Hüter seines Lebensgeheimnisses.

Auf dem Klappentext wird das Buch mit einem Film noir verglichen. Vielleicht ist es das, was den neuen Roman von Modiano so fremd und geheimnisvoll macht. Die Auseinandersetzung mit den Explosionen des 20. Jahrhunderts ist Modianos Thema. Dieses Mal ist es nicht der Holocaust, sondern die französische Politik in den sechziger Jahren und die Affäre um Ben Barka.

Andere Wesen. Frauen in der Kirche

 

 

 

 

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Theresia Heimerl, Andere Wesen. Frauen in der Kirche, Styria 2015 , ISBNN 978-3-222-13512-5

 

Die Autorin des vorliegenden Buches, die 1971 geborenen Österreicherin Theresia Heimerl ist Professorin für Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität in Graz und schon durch ihr Geschlecht und ihre Konfession sozusagen seit Jahrzehnten gezwungen, sich auf unterschiedliche Weise mit dem Frauenbild ihrer Kirche auseinanderzusetzen.

Brave Ehefrau und Mutter – auf dieses Bild wurden Frauen in den offiziellen Verlautbarungen der Kirche gesehen. Frauen in der Kirche das waren und sind auch Denk- und Handlungsverbote, Ab- und Ausgrenzungen. Frauen in der Kirche sind 50 Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil vor allem eines: eine Provokation. Dieses Buch will pro-vozieren, im Sinne von hervor-rufen: Zu einer kritischen Lektüre kirchlicher Frauenbilder.

Und da entdeckt Theresia Heimerl so Erstaunliches, dass sie zu der flotten Aussage kommt:  „Wer es als Frau bis jetzt in der Kirche ausgehalten hat, sollte bleiben, denn jetzt wird’s erst richtig spannend.“

Denn ihr präziser und wissenschaftlicher Blick in die offiziellen Dokumente zeigt deutlich: „Weder werden Frauen grundsätzlich als Sünderinnen oder gar sündiger als der Mann gesehen noch als bloße Verführerinnen tugendhafter Männer. Das Frauenbild der lehramtlichen Texte seit dem II. Vatikanum ist eben nicht jenes des Hexenhammers, sondern der bürgerlichen Romantik.“

Ein genauer Überblick über die Rolle der Frauen in den Dokumenten der Kirche quer durch die Kirchengeschichte bis zu den aktuellen Verlautbarungen fehlt ebenso wenig , wie eine Reflexion der modernen Lebenswelten von Frauen und Männern, der Populärkultur und der Genderdebatte.

Geerdet an die gesellschaftliche Wirklichkeit ist dieses Buch auch für theologische Laien verständlich und macht vor allem Frauen begründeten Mut, weiter sich in ihrer Kirche zu engagieren. Wichtige Veränderungen in der offiziellen Theologie und Praxis sind absehbar.

Das wird auch positive Folgen haben für das Verhältnis zu den protestantische Kirche, in der der Rezensent seit Jahrzehnten als Theologe tätig ist.
 

 

 

Die Welt auf dem Kopf

 

 

 

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Milena Agus, Die Welt auf dem Kopf, DTV 2016, ISBN 978-3-423-14491-9

 

In diesem Roman führt Milena Agus ihre Leser nach Cagliari, der Stadt auf Sardinien, wo sie lebt und wo sie als Lehrerin Italienisch und Geschichte unterrichtet. Sie beschreibt das Leben der Bewohner eines alten, einst noblen Palazzos in einem ziemlich heruntergekommenen Stadtviertel der Hafenstadt. In einzelne Wohnungen aufgeteilt leben in dem alten Haus sehr unterschiedliche Menschen, unter anderem die namenslose Erzählerin des Buches, eine Studentin, die vor allem von der großen Liebe träumt

Im obersten Stockwerk wohnt „der Signore von oben“, ein amerikanischer Violinist namens Johnson, der wohl große Tage gesehen hat, nun aber sich mit gelegentlichen Engagements auf Kreuzfahrtschiffen zufrieden gibt. Seine Frau ist ihm seit langem schon davon gelaufen, und da sie das Geld in die Ehe brachte, lebt „der Signore von oben“ recht bescheiden. Wenn er unterwegs ist, darf die Erzählerin seine Blumen gießen.

Im untersten Geschoß wohnt Anna, „die Signora von unten“ zusammen mit ihrer Tochter Natascha. Natascha hat studiert, teilt aber das Los vieler südeuropäischer junger Menschen und ist arbeitslos. Sie ist verlobt mit einem jungen Mann und hat panische Angst, dass der sich in eine andere Frau verlieben könnte, Deshalb darf die Erzählerin auch nie mit beiden zusammenkommen. Anna, Nataschas Mutter, wiederum versucht mit drei verschiedenen Jobs sich und ihre Tochter über Wasser zu halten und ergreift, als sich die Gelegenheit bietet, ihre Chance und wird Mr. Johnsons Haushälterin und wohl auch Geliebte. Ihren schon älteren Körper hüllt sie in verführerische Dessous, um Mr. Johnson etwas Gutes zu tun.

Doch schon bald verändern zwei Menschen, die plötzlich auftauchen die ganze Szene. Zunächst Mr. Johnsons Sohn, in den sich die Erzählerin verliebt, bis sie erkennen muss, dass der Mann ihrer Träume zwar unendlich sympathisch, aber leider schwul ist. Und es taucht auf Mrs. Johnson, die sofort den Braten riecht, Anna wieder nach unten schickt und im oberen Stockwerk wieder die Regie übernehmen möchte.

Mit ihrer aus ihren anderen Romanen bekannten Art erzählt Milena Agus eine ebenso traurige wie lustige Geschichte voller überraschender Wendungen. Und voller genialer Sätze wie diesen:

„Inzwischen glaube ich, wenn man will, das ein Menschen einem unsympathisch bleibt, muss man um jeden Preis verhindern, dass man ihn näher kennenlernt.“

 

Wolfi der Hase

 

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Ame Dyckman, Zachariah Ohora, Wolfi der Hase, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10332-2

 

Dies ist ein absolut empfehlenswertes Buch über Vorurteile, Anderssein und Freundschaft. Von Zachariah Ohora einfach und ansprechend illustriert, erzählt Ame Dyckman eine Geschichte, die Ohora im New Yorker Park Slope Viertel ansiedelt, wo sie lange in einer Wohnung im Untergeschoss wohnte.

Dort wohnt auch Familie Hase, die eines Tages vor ihrer Haustür in einem Bastkorb ein Wolfsbaby findet. Während die Eltern ohne Vorurteile das kleine Baby aufnehmen und Wolfi nennen, ist die Tochter Nora davon überzeugt, dass der Wolf sie früher oder später alle fressen wird.

Nora und Wolfi müssen in einem Zimmer schlafen. Zur Sicherheit montiert sie sich eine Taschenlampe auf ein Stirnband. Als ihre Freunde sie besuchen, sind auch die davon überzeugt: der Wolf wird sie fressen. Sie wollen fortan nicht mehr bei Nora spielen. Darüber ist Wolfi sehr traurig und weicht Nora nicht mehr von der Seite. Er wächst auf und verhält sich wie ein Hase. Wird auch von Noras Mutter wie ein Hase verkleidet als sie eines Tages, als keine Lebensmittel mehr im Haus sind, in einem Laden einkaufen gehen. Dort will ein Bär die Kinder verdrängen und greift Wolfi an. Doch Nora schlägt den Bär brüllend in die Flucht.

Als Geschwister gehen sie glücklich zurück. Ein schönes Bilderbuch, das auf eine witzige Weise das Thema Anderssein behandelt.

 

This is not a love song

 

 

 

 

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Jean-Philippe Blondel, This is not an love song, Deuticke 20916, ISBN 978-3-552-06293-1

 

Ähnlich wie in seinem letzten Buch „6 Uhr 41“, einem kleinen, unterhaltsamen und in seiner Thematik doch tiefgründigen Roman, beschreibt der französische Autor in seinem neuen kurzen Roman “This is not an love song“  eine Geschichte, zu einem reizvollen Thema, das sicher schon jeden Menschen mindestens einmal in  seinem Leben beschäftigt hat: was wäre gewesen, wenn?

Protagonist und Ich-Erzähler des Romas ist Vincent, ein in England lebender Franzose, der dort mit einem Freund eine sehr erfolgreiche Unternehmenskette für hochwertiges Fast-Food aufgebaut hat, nachdem es lange in seinem Leben so ausgesehen hatte, als würde er nichts zustanden bringen.

Über Nacht teilt ihm seine englische Ehefrau mit, dass sie eine Auszeit für ihre Ehe brauche:

„Dann erklärte sie mir, das sei bestimmt nicht der Auftakt zu einer Trennung oder der Vorwand für ein amouröses Abenteuer. Sie brauche einfach nur eine kleine Auszeit.“ Gleichzeitig schlägt sie ihm vor, diese Zeit doch zu nutzen und seine Eltern und seine Familie in Frankreich zu besuchen. Sie indessen werde eine Woche lang gar nichts tun und ausspannen. Vincent stimmt zu uns reist ab.

Vermeintlich schon lange vergangen und abgehakt, spürt er, in seinem Heimatort angekommen, sofort, wie ihn seine Vergangenheit einholt: Seine Eltern, die Langeweile des Dorfes, eine ehemalige Jugendliebe, sein Bruder und dessen Frau, mit der ihn keine großen Sympathien verbinden: Sehr rasch merkt er, wie viele unaufgeräumte Punkte es aus seiner Jugendzeit noch gibt.
„Ich schließe die Augen und erstelle im Kopf eine Liste der Dinge, die ich in dieser Woche in Frankreich machen will. Das beste Mittel, um einzuschlafen. Natürlich etwas Zeit mit meinen Eltern verbringen. Meinem Vater helfen, den Hauseingang neu zu streichen, das ist bei ihm eine richtige Obsession geworden … Versuchen, mit Jérôme zu reden – auch wenn keine große Hoffnung besteht, dass das irgendetwas bringen könnte … Vielleicht zufällig Fanny über den Weg laufen. Nein, es nicht dem Zufall überlassen. Sie anrufen und nicht wieder auflegen.“

Doch es kommt anders. Zwar trifft er seine Jugendliebe Fanny zufällig und kommt auch mit seinem Bruder erstaunlich gut zurecht. Aber als ihm die Frau seines Bruders die Wahrheit über dessen private Probleme offenbart, verwandelt sich die Ich-Erzählung in eine für den Leser nicht immer einfache Mischung aus Realität und Phantasie.

„This is not a love song“ ist ein eigenwilliger Roman, der schnell gelesen ist, aber wegen seiner übertragbaren Familiendynamik mit vielen dunklen und geheimnisvollen Stellen zur Identifikation einlädt.  Der Leser wird mitgenommen auf eine spannenden und sehr überraschend Reise in die eigene Jugend und der Erfahrung , dass es keinen besseren Spiegel gibt als alte Freunde.

 

 

 

Gorsky

 

 

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Vesna Goldsworthy, Gorsky, Deuticke 2016, ISBN 978-3-552-06310-5

 

Über Vesna Goldsworthys erste auf Deutsch erschienenes Buch „Heimweh nach Nirgendwo“ (2005) schirbe ch damalks begeistert in einer Rezension:

„Vesna Goldsworthys Buch ist ein bewegendes Zeugnis aus dem Herzen von Europa, ein trauriges Epos über den Verlust einer Kultur, die für die Betroffenen eben doch mehr war als ein liberal-kommunistischer Überwachungsstaat, ein Land, das auch Heimat war und ihr Wurzeln schenkte, die im neuen Land nur mühsam wieder wachsen können.

Wie schön wäre es, wenn diese wunderbare Schriftstellerin weiterleben könnte und uns noch weitere Bücher mit dieser wunderbaren Sprachmacht schenken könnte!“

Leider fanden ihre beiden nächsten Bücher offenbar keinen Verleger im deutschsprachigen Raum. „Inventing Ruritania“ blieb bisher leider ebenso unübersetzt wie ihr Gedichtband „The Angel of Salonika“ (2011). Wenn man die bisher spärliche Kritikerreaktion auf ihr neues Buch berücksichtigt, stehen die Chancen wohl auch sehr schlecht, dass in absehbarer Zeit sich daran etwas ändert.

Dabei ist der Roman „Gorsky“, der 2015 in England erschienen ist und nun bei Deuticke in der Übersetzung von Henriette Heise vorliegt, wieder voller Eleganz und sprachlicher Anmut verfasst. Inspiriert unter anderem von F. Scott Fitzgeralds „The Great Gatsby“ und voller Verehrung für die russische Literatur erzählt sie eine Geschichte, die beiden viel verdankt.

Es geht um Roman Gorsky, einen russischen Oligarchen, der so reich ist, dass er selbst nicht genau weiß, wieviel Geld er hat. Er besitzt unter anderem mitten in London ein großes und repräsentatives Anwesen. Er lässt es auf eine Weise renovieren und umbauen, die jegliche Vorstellungskraft sprengt und alles, was London diesbezüglich bisher erlebt, übersteigt.

Das Zentrum dieses Anwesens, um das sich alles andere dreht und anordnet, ist eine riesige Bibliothek, die alexandrinische Ausmaße annehmen soll. Er beauftragt den Buchhändler und Ich-Erzähler des Roman Nikola mit der Zusammenstellung der Bibliothek. Gorsky will mit diesem Werk voller bibliophilen Raritäten, bei dem ihn Nikola fachkundig unterstützen soll, eine von ihm verehrte und angebetete Frau namens Natalia aus Russland beeindrucken und von seiner Liebe zu ihr überzeugen.

Nikola ist in den neunziger Jahren vor dem Krieg aus Serbien geflohen und der Auftrag, den er erhält, fasziniert ihn, weil nicht nur er, sondern auch der Leser mit einer Fülle ganz besonderer und wertvoller Literatur, oft in Erstausgaben in Verbindung kommt. Doch die Welt des Oligarchen, mit der er dadurch in Kontakt kommt, stößt ihn auch ab.

Vesna Goldsworthy hat in „Gorsky“ eine spannende und hintergründige Geschichte erzählt über einen reichen und einsamen Mann und seine Welt. Einen Mann, dem sein ganzes Geld nichts nutzt und das ihn nicht glücklich macht und der Erfüllung seiner großen Liebe regelrecht im Weg steht.

Ich habe das Buch gerne und mit großer Begeisterung über die Sprachkunst der Autorin gelesen.

 

 

 

 

 

Weit über das Land

 

 

 

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Peter Stamm, Weit über das Land, S. Fischer 2016 , ISBN 978-3-10-002227-1

 

Warum verlassen Menschen von einem Tag auf den anderen alles, was sie haben, ihre ganze Familie und verschwinden einfach? Was macht das mit ihnen selbst, und wie geht es denen, die zurückgelassen werden?

Mit dieser Frage beschäftigt sich der neue kleine Roman von Peter Stamm. Er handelt von Astrid und Thomas. Die beiden haben zwei Kinder und nennen ein Haus ihr Eigen, führen ein ganz normales Leben. Bis offensichtlich für beide überraschend, Thomas eines Tages abends das Haus verlässt und nicht mehr wiederkommt.

Dass Menschen ihre Lieben auf diese Weise zurücklassen ohne sich ihnen zu erklären, geschieht öfter, als man denkt und ist deshalb auch in der Literatur ein bekanntes Thema. Pascal Mercier hat es in „Nachtzug nach Lissabon“ vor vielen Jahren beschrieben und Stefan Slupetzky hat in diesem Jahr in „Der letzte große Trost“ eine sehr interessante Version vorgelegt.

Peter Stamm erzählt von den Tagen und Monaten nach Thomas` Verschwinden in zwei Strängen. Zum einen beschreibt er mit den für ihn bekannten ausufernden Naturbeschreibungen umrankt, den Weg und die Gedanken von Thomas und zum anderen die Gefühlswelt und die Gedanken seiner zurückgelassenen Frau Astrid. Ohne wörtliche Rede beschreibt Peter Stamm in einer sehr emotionslosen und nüchternen Sprache den Weg von Thomas und wie das Leben von Astrid weitergeht. Dem Leser bleibt eigentlich bis zum Ende unklar, warum er gegangen ist und es bleibt ebenso irritierend, dass und wie Astrid zu dem ermittelnden Polizisten Patrick eine ganz besondere Beziehung entwickelt.  Auch die zahlreichen Rückblenden bringen da wenig Aufklärung, machen aber die Figuren plastischer. Dennoch kommen sie einem beim Lesen nie wirklich nahe.

Im letzten Drittel des Buches verschwimmen die Handlungsstränge von der Realität hin zu einer möglichen oder fantasierten Zukunft. Auch hier, wie in den ersten Teilen des Buches bleibt dem Leser erheblicher Interpretationsspielraum, den Peter Stamm offensichtlich bewusst so beabsichtigt.

Keine der Figuren wächst dem Leser wirklich ans Herz. Sie bleiben in ihrem Handeln fremd und kühl. Ihr Leben geht weiter aber die Ungewissheit bleibt. „Weit über das Land“ ist ein Buch über die Rätselhaftigkeit des Lebens. Ein Leben, in dem sich über Nacht Abgründe auftun können, die auf immer unverständlich bleiben.

Ein Buch, das mich jedenfalls ein wenig ratlos zurückgelassen hat.

 

 

Die Rückkehr

 

 

 

 

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Natalia Chernysheva, Die Rückkehr, Atlantis 2015, ISBN 978-3-7152-0695-0

 

Ein Bus in der Großstadt, ein Bus, der aufs Land fährt. Mitten in der scheinbaren Einöde steigt eine junge Frau aus. Sie geht zu einem Hof, der nur so groß wie ein Damenschuh ist, bewirtschaftet von einer alten Frau, so groß wie ein Daumen. Doch die beiden scheinen sich zu kennen, sehr herzlich ist das Wiedersehen und als der Hut der Alten auf dem Kopf der Jungen landet, ist alles plötzlich ganz anders. Nun ist die Junge so winzig, dass sie gar nicht vom Stuhl auf den Tisch schauen kann und die Alte wird zur Riesin. Gleich geblieben ist nur die stille Freude der beiden, sich zu haben.

Es geht in diesem bezaubernden Bilderbuch , das völlig ohne Worte auskommt, um die Rückkehr in die Heimat, zur Oma, aber auch die Rückkehr in die Kindheit, in alte Beziehungsmuster, das Paradies der Kindheit,  in eine fremdgewordene Welt.

Deshalb ist es nicht nur für Kinder zu empfehlen, auch die Erwachsenen, die es zusammen mit ihren Kindern anschauen und darüber mit ihnen sprechen, werden spüren, dass es vielfältige Emotionen in ihnen auslöst. Denn Rückkehr ist im Leben vieler Menschen ein wundes Thema.

Mach dein Leben zum Abenteuer

 

 

 

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Joachim von Loeben, Mach dein Leben zum Abenteuer, Goldegg 2016, ISBN 978-3-903090-28-6

Wer kennt diese Gedanken und diese Sehnsucht nicht? Allen äußeren und inneren Zwängen entfliehen, frei sein. Mit Selbstbewusstsein Altes verlassen und  Neues wagen, anderen helfen und sie unterstützen, einfach leichter, kreativer und vor allen Dingen  gelassener leben ?

Joachim von Loeben hat getan, wovon andere nur träumen: Er brach aus seinem Alltag aus, bereist seitdem die Welt, lernte Neues kennen, erlebte viele Abenteuer und stellte sich den Herausforderungen seiner neuen Zukunft.

Mit seinem Motivationsbuch reflektiert er seine Erlebnisse, erzählt, was sich für ihn verändert hat, und ermutigt andere dazu, ihre Komfortzone ebenfalls zu verlassen und Neues zu wagen. In seinen spannenden Reisegeschichten verknüpft er jedes Land mit einer Erkenntnis, die er gewonnen hat.
1.    Suchen Sie die Veränderung – und Sie werden Ihr Glück finden.
2.    Denken Sie positiv – Sie können Ihr Leben steuern.
3.    Entscheiden Sie sich- und machen Sie es sich bei Ihren Entschlüssen einfach mal leicht
4.    Keine Angst vor Fehlern mehr
5.    Entdecken Sie Ihre Kreativität und finden Sie heraus, was Sie eigentlich wollen
6.    Ziele schnell und sicher erreichen
7.    Lernen Sie das Unvermeidliche zu akzeptieren
8.    Lösen Sie Ihre Konflikte – mit Intelligenz, Diplomatie und Humor
9.    Mut ist ein Muskel, der trainiert werden kann
10.    Sein statt Haben – warum weniger manchmal mehr ist
11.    Schweigen ist die beste Art, sich selbst kennenzulernen
12.    Helfen Sie anderen, dann helfen Sie sich selbst zu einem erfüllten Leben

Das Buch nimmt den Leser zwar mit auf eine spannenden Reise um die Welt, führt ihn aber auch ohne das er selbst eine solches Abenteuer unternimmt, zu sich selbst, zu den kleinen Veränderungen im Alltag, die das Leben frei, sinnvoll und auch abenteuerlustig und mutig machen.