Ungelöste Rätsel

 

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Reinhard Habeck, Ungelöste Rätsel. Wunderwerke, die es nicht geben dürfte, Pichler 2015, ISBN 978-3-85431-709-8

 

Seit langem widmet sich der ehemalige Landvermesser Reinhard Habeck aus Österreich den ungeklärten Entdeckungen der Menschheitsgeschichte und forscht auf den Grenzgebieten des Wissens.  Insgesamt 22 Sachbücher hat er bisher zu diesen Themen veröffentlicht, die meist mehrere Auflagen erreichen und in viele Sprachen übersetzt wurden. Lange Zeit des Jahres ist er auf Reisen und erforscht die wundersamen Plätze unserer Erde. Zuletzt berichtete er 2014 im Pichler Verlag über die „Steinzeit-Astronauten- Felsbildrätsel der Alpenwelt“.

 

Auch im vorliegenden Band über „Wunderwerke, die es nicht geben dürfte“ beschreibt er archäologische Entdeckungen aus aller Welt, die nicht in das herkömmliche Weltbild hinein passen bzw. gängige naturwissenschaftliche Theorien ins Schleudern bringen.

 

Manches von dem, was er in acht Kapiteln beschreibt, erinnert ein wenig an die Bücher von Erich Däniken, doch Habecks Entdeckungen, das zeigt auch sein Literaturverzeichnis, sind wissenschaftlich gut belegt.

 

Er berichtet über:

  • Seltsames Sakkara
  • Frankreichs Pyramiden
  • Verhexte Verformungen
  • Mysteriöse Steinkugeln
  • Geheime Gänge
  • Surreale Schätze
  • Antike Technologien
  • Kuriose Köpfe

 

 

Seien Ergebnisse offenbaren die Lücken unseres vermeintlich sicheren Wissens über die Vergangenheit und lassen den Leser seine Vorstellungen über den Verlauf der Geschichte und die Entstehung der Zivilisation ganz neu überprüfen.

Hannes

 

 

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Rita Falk, Hannes, DTV 2016, ISBN 978-3-423-25375-8

 

Einen zarten, tiefgehenden und sehr bewegenden Roman hat die Bestsellerautorin Rita Falk hier vorgelegt. Vier Jahre nach seinem ersten Erscheinen legt DTV dieses mittlerweile zum Bestseller avancierte Buch nun als Großdruckausgabe vor.

Er erzählt mit einer jugendlichen und leichten Sprache, dabei immer in einer dem Thema des Romans angemessenen Ernsthaftigkeit von der unverbrüchlichen Freundschaft zweier junger Männer.

Hannes und Uli sind seit vielen Jahren eng befreundet, zu ihrer Gruppe gehören noch etliche andere Freunde, aber die beiden bilden sozusagen einen unzertrennlichen Nukleus.

Hannes liegt nach einem schweren Motorradunfall im Krankenhaus. Kurz nach dem Sturz war Uli bei ihm: „Es ist die Stunde, in der ich in deinem Blut und Urin knie, und dein Kopf ruht auf dem kalten Asphalt, gefühlte Ewigkeiten lang. Ich sehe das Blaulicht und höre die Sirenen. Die vielen Menschen um uns rum. Schließlich der Rettungshubschrauber. ‚Verdammte Scheiße’ aus deinem blutenden Mund.“

Kurz danach fällt Hannes in ein Koma. Uli ist verzweifelt und beginnt mit dem Schreiben eines Tagesbuchs, „weil ich einfach mit niemanden darüber reden kann. Ich schreib es aus Wut und Enttäuschung“.

Denn Hannes wacht aus seinem Koma einfach nicht auf. Während Uli in einem Haus für psychisch angeschlagene Menschen seinen Zivildienst ableistet, und dort eine Fülle bewegender menschlicher Begegnungen erlebt, verbringt er jede freie Minute am Bett seines stummen und bewusstlosen Freundes.

Ihm erzählt er alles, was er erlebt, liest ihm die Sportnachrichten vor und immer wieder die Texte, die er am Tag zuvor in sein Tagebuch geschrieben hat. Sensibel beobachtet er das Verhalten der anderen Freunde, insbesondere von Hannes Freundin und von Hannes Eltern. Denn als klar ist, dass Nele schwanger ist von Hannes, überschlagen sich die Ereignisse.

„Hannes“ ist ein trauriges Buch, das dennoch von der Freundschaft und der Hoffnung spricht. Es ist ein Buch, das erzählt von der Kraft und der Leidenschaft, die junge Menschen für ihr Leben aufbringen, ein Buch, das insbesondere in der Schilderung der Beziehung von Uli zu der alten Nonne Walrika zeigt, wie junge Menschen durchaus den solidarischen Rat von Älteren anzunehmen bereit sind und wie Alt und Jung voneinander lernen können.

Und es ist ein Buch über die Freude am Leben, über den Schrecken des Todes und wie das Leben über den Tod siegt. Ein spirituelles Buch also, obwohl davon mit keiner Silbe in dem Buch die Rede ist.

 

Ewige Jugend

 

 

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Donna Leon, Ewige Jugend, Diogenes 2016, ISBN 978-2-257-06969-3

 

Noch vor einigen Jahren haderte ich mit Donna Leon und ihrem Commissario Guido Brunetti.  Ich schrieb damals:

„Zwanzig Bände waren vor zwei Jahren für mich ein Anlass, einmal zurückzublicken. Ich habe alle Bände gelesen. Doch während die ersten zehn Bücher etwa spannende und anspruchsvolle Krimilektüre boten, wurde das Lesen dann mit jedem neuen Buch mühsamer, langweiliger und nichtssagender. Ein Grund dafür ist für mich, dass Donna Leon ihren Protagonisten und seine Familie nicht altern bzw. reifen lässt. Auch der bildungsbürgerliche Hintergrund ohne eine einzige Schwäche wirkt immer unglaubwürdiger. Ein weiterer Grund ist, dass der Schreibstil immer gleich bleibt, es gibt keine wirklichen Überraschungen mehr, eben weil sich nicht wirklich etwas verändert.“

Der letzte Band „Endlich mein“ und auch das vorliegende 25. Buch der Reihe mit dem Titel „Ewige Jugend“ haben mir wieder viel besser gefallen, vor allem, nachdem ich mir vorgenommen habe, Donna Leons Romane nicht mehr als Krimis zu lesen, sondern als Unterhaltungsromane mit venezianischem Hintergrund.  In einem Interview zum Jubiläum der Reihe sagte Donna Leon unlängst im Zusammenhang mit der Frage nach dem politischen Background ihrer Romane und Figuren, sie wolle mit ihren Büchern unterhalten und nicht predigen.

Das, finde ich, ist ihr gutes Recht, und auch andere große Autoren vor ihr haben sich das Recht genommen, ihre Hauptfiguren auch über Jahrzehnte nicht altern zu lassen.

Im Jubiläumsband also begegnet Guido Brunetti bei einem Wohltätigkeitsessen im Palast seiner adligen Schwiegermutter der greisen Contessa Lando-Continui. Man achte schon hier sehr genau darauf, welche weiteren Gäste dieses opulenten Mahls beschrieben werden, es wird für die weitere Handlung des Buches eine Bedeutung haben.

Die Contessa bittet Brunetti um ein Gespräch, das auch am nächsten Tag stattfindet. Dort erzählt sie ihm von einem Unglück, das ihrer Enkeltochter vor langer Zeit zugestoßen ist. Es wurde als Unfall zu den Akten gelegt, doch die Enkeltochter ist seitdem geistig behindert. Sie hat seit langem den Verdacht, dass es damals nicht mit rechten Dingen zugegangen ist und bittet Brunetti den Fall noch einmal aufzurollen, damit sie in Ruhe sterben kann.

Normalerweise dürfte Brunetti in so einem Fall nicht aktiv werden, doch mit allerlei Tricks und der bekannten PC-Unterstützung seiner versierten Sekretärin, vor allem aber mit der professionellen Unterstützung seiner neuen Kollegin Griffoni gelingt es ihm, immer mehr Licht in das Dunkel jener Vorgänge zu bringen, die der Contessa den Schlaf rauben.

Was mir zunehmend an Leons Romanen gefällt: sie schildert ihren Commissario Brunetti als einen gebildeten, bescheidenen Menschen, der weiß, dass Gerechtigkeit manchmal mehr bedeutet als Verhaftungen und Verurteilungen vor Gericht.

Ein lesenswertes und unterhaltsames Buch, wie immer mit viel „Venedig“ und dieses Mal mit dem Subthema „Pferde“.

 

 

 

 

 

Männer mit Erfahrung

 

 

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Castle Freeman, Männer mit Erfahrung, Nagel & Kimche 2016, ISBN 978-3-312-00687-8

 

Castle Freeman ist ein in Vermont lebender amerikanischer Schriftsteller, der bis dato in Deutschland wenig bekannt ist. Das liegt daran, dass seine bisherigen vier Romane keine deutschen Verleger gefunden haben.

 

Nagel & Kimche in der Schweiz, eine Hanser-Tochter mit anspruchsvollen literarischen Programm hat es mit Castle Freemans fünftem Roman nun auf den deutschsprachigen Markt gewagt und mit Dirk van Gunsteren einen ausgesprochen gefragten Übersetzer gewonnen, der schon viele Bücher berühmter amerikanischer Autoren für das deutschsprachigen Publikum aufbereitet hat.

 

Der Roman mit einer gekonnt und spannend erzählten Geschichte spielt in einem kleinen Dorf  in Vermont, ein ehedem durch seine Holzindustrie wohlhabendes und prosperierender Ort,  wo es aber nun nach dem Zusammenbrechen dieser Industrie bergab geht und die Menschen kaum noch Arbeit finden.

 

Das Buch erzählt die Geschichte der jungen Lilian. Sie wohnt seit einiger Zeit in dem Dorf, wo Fremde auch noch nach Generationen als fremd gelten. Doch das macht ihr wenig aus. Schwer allerdings macht ihr zu schaffen, dass sie seit einiger Zeit von einem schwer durchschaubaren Typen namens Blackway, einem ehemaligen Hilfssheriff regelrecht gestalkt wird. Alle im Dorf kuschen vor Blackway, doch Lilian stellt sich ihm. Als Lilian Blackways Angriffe auf ihre Katze, ihr Auto und sich selbst beim Sheriff zur Anzeige bringt, rät der ihr, die Männer um Hilfe zu bitten, die jeden Tag in einer ehemaligen Fabrikhalle zusammen mit ihrem damaligen Chef sich die Zeit totschlagen.

Lester und Nat sind bereit, Lilian zu helfen und diese „Männer mit Erfahrung“ ziehen nun zusammen mit ihr los. Obwohl Lilian sehr skeptisch ist, lassen die beiden ungleichen Männer sich nicht abwimmeln. Gemeinsam machen sie sich, permanent im Gespräch über Vergangenheit und Gegenwart, auf die Suche nach Blackway.

Witzige Dialoge machen das Buch zu einer absolut unterhaltsamen Lektüre, bei der bis kurz vor dem Ende unklar bleibt, wer nun  die Oberhand behält – das Gute oder das Böse.

 

Ein schräger Humor und skurrile Protagonisten – meisterhaft in Szene gesetzt.

Man möchte gern auch die bisherigen Bücher dieses 1944 geborenen Schriftstellers auf Deutsch lesen.

 

 

 

Bin am Meer 2017

 

 

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Udo Schroeter, Bin am Meer, Adeo 2016, ISBN 978-3-86334-091-9

 

Wunderbare, weite Fotografien von Szenen am Meer hat Udo Schroeter hier in diesem schönen zur Meditation und spirituellen Einkehr einladenden Wandkalender versammelt.

Viele Motive vermitteln den Eindruck eines tiefen Horizonts, hinter dem sich immer wieder überraschend neues Leben und neue Chancen verbergen.

Jede Fotografie und jeden Monat hat er quasi unter ein spirituelles Motto gestellt. So schreibt er etwa im Juli unter der Abbildung reines altes Fischerhauses:

„Die Vergangenheit ist für viel die Welt der Wunden. Die Zukunft ist oftmals die Welt der Angst. Das Leben findet im Hier und Jetzt statt“.

Die faszinierenden Fotografien haben ebenso wie die Aphorismen unter ihnen die Kraft, den Besitzer dieses Kalenders einen ganzen Monat anzuregen, zu irritieren, zu bewegen. Leben und handeln in der Gegenwart, Loslassen alles Beschwerenden und offen sein für den Augenblick-  darum geht es.

Ein schönes Geschenk für Menschen, die sich danach sehnen, noch etwas anderes zu spüren – das, was dahinter ist.

 

Alle Tiere schlafen schon

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Dagmar Geisler, Paul Maar, Alle Tiere schlafen schon, Oetinger 2015, ISBN 978-3-7891-6900-7

 

Sieben schöne und vierzeilige Reime von Paul Maar über schlafende kleine und große Tiere hat Dagmar Geisler für dieses schöne Gute-Nacht-Bilderbuch für Kinder ab 18 Monaten mit zarten und farbenfrohen Bildern illustriert.

 

Kleine Schafe und Hasen, ein Kälbchen, eine Fledermaus, ein starker Löwe, ein grüner Frosch und ein kleines Kind können sehr gut kleine Kinder beim Einschlafen begleiten:

„Tiere schlafen gern im Stall

Oder draußen, unter Bäumen.

Menschenkinder sind im Bett,

wenn sie schlafen und dann träumen.“

 

Ein wunderschönes Bilderbuch.

Klein

 

 

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Stina Wirsen, Klein, Klett Kinderbuch 20916, ISBN 978-3-95470-131-5

Schon das Vorwort zeigt, dass das vorliegende Bilderbuch kein gewöhnliches ist, sondern ein ausgesprochen heikles Thema aufgreift und bearbeitet:

„Niemand, der erwachsen ist, darf Angst machen oder schlagen. Wir, die wir dieses Buch gemacht haben, hoffen, dass es Kindern helfen kann, die zu Hause Angst haben müssen. Und dass es Erwachsene daran erinnert, dass alle, die groß sind, Verantwortung für die tragen, die klein sind.“

Da ist Klein und seine Eltern Groß und Stark. Klein mag es sehr, wenn zu Hause alles schön ist und es keinen Streit gibt.  Doch das ist leider selten der Fall. Immer wieder gibt es großen Streit, bei dem einer der Eltern das Haus verlässt. Klein versucht zu schlichten und zu trösten – vergeblich. Doch da sind zwei andere Wesen, die Klein für kurze Zeit das häusliche Elend vergessen lassen. Zum einen seine Erzieherin Frau Traulich in seiner Kita und zum andern der Nachbar Jemand, der ihn  fragt ob er traurig ist. Klein verneint, aber er ist traurig. „Im ganzen Bauch und im Kopf und in den Armen auch.“ Eine sprachlich gelungene Beschreibung einer kindlichen Depression.

Klein öffnet sich Frau Traulich und erzählt ihr von seinen Gefühlen. „Frau Traulich hört zu. Frau Traulich hört alles.“ Und sie sagt: „Du bist klein. Du bist gut. Dir darf man keine Angst machen.“

Und sie handelt und hilft Klein, weil er viele fröhliche Tage ohne Streit braucht.

Worin diese Hilfe genau besteht, und was mit Groß und Stark ist, bleibt offen. Wichtig bleibt die Botschaft an Kinder, denen es ähnlich geht, sich in der Kita zu offenbaren. Und die Botschaft an die Erzieherinnen, nicht wegzuschauen, sondern sich dieser Kinder anzunehmen.

Ein Bilderbuch, das in keiner Kindertagesstätte fehlen und von mutigen und erfahrenen Erzieherinnen eingesetzt werden sollte.

 

 

Weil wir längst woanders sind

 

 

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Rasha Khayat, Weil wir längst woanders sind, Dumont 2016, ISBN 978-3-8321-9814-5

 

Rasha Khayat, die hier ihren bemerkenswerten Debütroman vorlegt, ist in Dortmund geboren und lebte dann bis zu ihrem elften Lebensjahr in Saudi-Arabien. Mit elf kehrte sie mit ihrer Familie  nach Deutschland zurück. Was bedeutet es, in zwei so unterschiedlichen Ländern und Kulturen aufzuwachsen? Was ist Heimat und wo ist sie?

Mit ihren beiden Hauptfiguren Layla und Basil, einem Geschwisterpaar, dem sie viel eigene Erfahrungen unterlegt, versucht sich die Autorin an der schwierigen Antwort.

Lange haben die beiden Geschwister im Ruhrgebiet gelebt, dann gemeinsam in einer WG in Hamburg. Doch dann entschließt sich Layla quasi über Nacht, nach Saudi-Arabien zurückzukehren und dort zu heiraten.

Sowohl die Mutter als auch der Bruder sind entsetzt über diese Entscheidung. Während Basil an der Hochzeit teilnimmt, weigert die Mutter sich. Warum hat Layla ihre Freiheit aufgegeben und wieso will sie in einem Land leben, in dem die Frauen überhaupt keine Rechte haben und noch nicht einmal Auto fahren dürfen? Wo die Religionspolizei über alles wacht?

Basil begibt sich auf die Suche nach Antworten. Sie werden schwierig, weil sich alles komplexer herausstellt, als es sich von Deutschland aus angefühlt hat. Rasha Khayat schildert junge Menschen zwischen zwei Kulturen, hin- und hergerissen, gespalten in der Seele und mit der Sehnsucht, ihre Wurzeln zu finden und eins zu werden mit ihnen.

An einer Stelle, nachdem sie sehr erregt ihr Lebensgefühl in Deutschland mit ihrem jetzigen verglichen hat und die Zäsur von 9/11 beschreibt, sagt Layla zu ihrem Bruder:

„Hier habe ich ein echtes Zuhause, Basil, einen Ort, von dem aus ich überall hingehen und an den ich zurückkommen kann und wo niemand will, dass ich mich gegen etwas anderes entscheide.“

Und ebenso wie bei Basil beginnen auch beim Leser die bisherigen selbstverständlichen  Gewissheiten zu bröckeln. Auf der Suche nach Antworten für diese zunächst unerklärliche Entscheidung seiner Schwester stellen sich nicht nur ihm immer wieder neue Fragen, Fragen mit denen die Autorin ihre Figuren und Leser alleine lässt.

Es ist ein bewegender Roman über die Fremdheit. Wo ist Heimat? Vielleicht an gar keinem bestimmten geographischen Ort, suggeriert die Autorin, sondern in den einzelnen Menschen selbst. Eine tröstende, den Einzelnen aber auch mit einer großen Belastung konfrontierende Einsicht.

Denn Heimat und Zuhause wären dann nichts mehr Gegebenes, Selbstverständliches, mir sozusagen in die Wiege Gelegtes, sondern ich müsste es selbst herstellen und erhalten. Ein großer Preis für eine große Freiheit.

 

 

 

 

 

 

 

 

Unorthodox

 

 

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Deborah Feldman, Unorthodox,  Secession Verlag für Literatur 2016, ISBN 978-3-905951-79-0

 

Dieses Buch ist das in den USA zum Bestseller avancierte Zeugnis der Geschichte einer mutigen Frau, die mittlerweile mit ihrem Sohn als Schriftstellerin in Berlin lebt.

Deborah Feldman erzählt in „Unorthodox“ von der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde der Satmarer im New Yorker Stadtteil Williamsburg. Aufgebaut wie eine Sekte halten diese Menschen etwa den Holocaust für eine Strafe Gottes dafür, dass sich die Juden zu sehr ihrer säkularen Umwelt angepasst haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren diese ultra-orthodoxe Juden aus Ungarn und Rumänien eingewandert, nachdem sie vor dem Holocaust geflohen waren oder ihn überlebt hatten. Sie gehörten zu den Hasidim, einer Strömung des ultraorthodoxen Judentums, deren Mitglieder eine mystische Vereinigung mit Gott via ihren verehrten Rebben, den für alle Lebensfragen zuständigen Mentor, anstreben. Vor allem die aus dem rumänischen Satu-Mare stammenden, streng orthodoxen Satmarer, Anhänger des Satmarer Rebben, zog es in das Quartier jenseits des East River. Ein Ziel dieser Sekte ist es, sich voll ihrem Glauben und ihrem Lebensstil zu widmen und sich von allem Weltlichen abzuschotten.

Dort, wo es nur um strenge Religion und ihre Regeln und Sitten geht, wächst Deborah Feldman auf.  Es gibt kein Fernsehen, keine Bücher, all das wird von den Satmarern als weltlich abgelehnt. Ihre Frauen tragen rasierte Köpfe, damit ihre Haare die Männer nicht in Versuchung führen.

Man muss nicht betonen, dass Sexualität und alle andere Dinge, die im Leben den Menschen Freude machen können, verpönt sind.

Deborah Feldman erzählt, wie sie bei ihren Großeltern aufwächst, denn sowohl der debile Vater als auch die Mutter, die die Gemeinschaft schon früh verlassen hat, bieten keinen Halt. Doch auch bei den Großeltern sind Nähe und  Geborgenheit nur selten für sie zu spüren. Schon als kleines Mädchen versucht sie sich zu wehren, auch indem sie verbotene Bücher liest. Nach ihrer Zwangsverheiratung gibt sie ihren Widerstand nicht auf, und kann sich nach der Geburt ihres Sohnes schlussendlich befreien.

„Unorthodox“ ist eine ebenso lebendige und lebensnahe wie ehrliche Schilderung der Befreiung aus den Fesseln religiöser Extremisten. Die Satmarer mögen eine kleine Gruppe sein, aber es gibt eine wachsende Zahl von Extremisten, insbesondere im Islam, die nicht nur ihre eigenen Gläubigen unterwerfen, sondern die ganze Welt unter ihr steinzeitliches Joch zwingen wollen.

 

 

 

 

Psst! War da was?

 

 

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Gianna Marino, Psst. War da was, Ravensburger Verlag 2016, ISBN 978-3-473-44676-6

 

In einem lustigen und gleichzeitig sehr informativen Bilderbuch hat die Amerikanerin Gianna Marino ein Bilderbuch geschrieben und illustriert, das kleinen Kindern zum einen nahe bringen will, dass in der Nacht, wenn sie schlafen, eine Menge nachtaktiver Tiere unterwegs sind. Zu Beginn werden diese Tiere auf der vorderen Umschlagseite alle vorgestellt. Manche davon sind deutschen Kindern fremd, weil sie nur in den USA leben, andere kennen sie durchaus.

Da sind das Opossum, das Stinktier, der Flughund, der Wolf, der Grizzlybär und der Uhu.

Zum anderen hilft sie den Kindern, die dieses Buch betrachten, ihre Angst vor der Dunkelheit der Nacht besser anzunehmen und zu bewältigen. Denn in der lustigen Geschichte, die sie erzählt, fürchtet sch sogar der Wolf vor der Dunkelheit.

Julia Bernhard hat den Text aus dem Amerikanischen  übersetzt und die witzigen Illustrationen Gianna Marino sprechen für sich selbst.

 

Das Buch macht, dass die Dunkelheit weniger unheimlich ist.