In Liebe, dein Dad

 

 

 

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Garth Callaghan, In Liebe, dein Dad, Kösel 2015, ISBN 978-3-466-34608-0

Ein Mann und Familienvater erfährt im Alter von 42 Jahren,  dass er an einem letztlich unheilbaren Nieren – und Prostatakarzinom erkrankt ist.  Mehrfache Behandlungen bringen Verbesserungen,  doch immer wieder kehrt der Krebs zurück und immer wieder muss er seiner über alles geliebten Tochter Emma sagen, dass er erneut erkrankt ist. Zusammen mit seiner Frau Lissa versuchen sie so gut es geht, mit dieser permanenten Todesgefahr umzugehen.

Irgendwann, als Garth seiner Tochter das Schulbrot macht, beginnt er ihr auf den beiliegenden Servietten kurze Botschaften zu schreiben. Spirituelle und weniger spirituelle Sätze und Lebensweisheiten, die er gefunden hat und nach denen er in den folgenden  Jahren auch aktiv sucht. Gleichzeitig schreibt er ihr etwas längere Botschaften mit Ratschlägen für ihr Leben, dann, wenn er irgendwann nicht mehr da sein wird. Er nennt sie wie ein Oberlehrer „Lektionen“,  und sie geben seiner mittlerweile schon jugendlichen Tochter Lebens- und Verhaltensempfehlungen,  wie ich sie meinem Sohn so nie geben würde. Einfach deshalb nicht, weil er in den meisten Dingen seine eigenen Erfahrungen machen muss.

Mit der Veröffentlichung dieses Buches, in dem Garth nicht nur die Geschichte seiner Erkrankung erzählt, sondern auch die Idee seiner Servietten-Botschaften propagiert,  will er letztlich eines sagen, was der Rezensent voll unterstützt: ob ihr gesund oder krank seid, nehmt eure Kinder wahr und lasst sie immer wissen, dass ihr sie liebt. Gebt ihnen immer wieder altersgemäße Botschaften davon.
Unser Junge etwa hat an der Tür seines Zimmers einen schon im Kindergarten gebastelten Briefkasten, in den wir immer wieder Botschaften einwerfen davon, was er für uns bedeutet und was ihn so einzigartig für uns macht.

Niemals allerdings kämen wir auf eine solche Idee,  ihm regelmäßige Lebens- und Verhaltensempfehlungen zu geben.  Zu sehr würde ihn das abhängig machen von dem, was seine Eltern denken und wichtig halten. Wenn er dies nicht durch unser Verhalten und auch durch unsere Fehler wahrnehmen kann und sich dann frei für seine eigenen Entwürfe und Werte entscheidet, dann so denke ich,  haben wir etwas falsch gemacht.

Garth Callaghans Weg erkläre ich mir aus seiner begründeten Angst,  seiner Tochter Emma nicht mehr lang der Vater sein zu können,  der er wollte. Auch ohne seine Ratschläge direkt zu befolgen, können Eltern aus diesem sehr bewegenden Buch eine Menge Anregungen für ihre Beziehung zu ihren Kindern bekommen.

Oma trinkt im Himmel Tee

 

 

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Fang Suzhen, Sonja Danowski, Oma trinkt im Himmel Tee, Nord Süd 2015, ISBN 978-3-314-10275-2

 

Dem kleinen Xiao Le in diesem wunderbaren Bilderbuch der taiwanesischen Bilderbuchautorin Fang Shen, die dort schon über 200 Bücher für Kinder veröffentlicht hat, geht es genauso wie vielen anderen Kindern überall auf der Welt. Sie wohnen mit ihren Eltern weit weg von den Großeltern und können sie nur selten sehen.

Xiao Les Oma wohnt im weit entfernten Dorf der duftenden Blumen. Lange ist es her, dass er sie zum letzten Mal gesehen hat. Da entschließt sich seine Mama plötzlich zusammen mit ihrem Sohn ihre Mutter zu besuchen. Als die dort nach einer langen Zugfahrt ankommen, wird deutlich, warum die Mutter diesen Reise mit ihrem Sohn unternimmt. Die Oma ist krank und sie will auf eine einfühlsame Weise, dass Xiao Le seine Oma noch einmal sieht.

Sie spielen und essen zusammen, die Oma erzählt ihm von der Kindheit seiner Mutter, zeigt ihm Bilder. Sie verbringen eine schöne Zeit, bei der der kleine Junge aber deutlich spürt (und natürlich auch die Kinder, denen dieses schöne Buch vorgelesen wird), dass irgendetwas bei den Erwachsenen vor sich geht. Sie alle haben ernste und traurige Gesichter und sie weinen oft.

Abends fahren Xiao Le und seine Mama mit dem letzten Zug nach Hause. Danach hat der Junge seine Oma nicht mehr gesehen. Die Mutter sagt: „Oma hat das Dorf der duftenden Blumen verlassen und bist in den Himmel gezogen.“ Der Junge sieht seine Mama oft in den Himmel schauen und weinen und spürt, dass seine Mama ihre Mama vermisst. Und mit vielen rührenden Sätzen versucht er sie zu trösten. Als er sagt:

„Nicht weinen! Deine Mama ist mit ihrer Mama im Himmel Tee trinken gegangen“, da umarmt sie ihren Sohn und weint noch mehr. Doch der kleine etwa fünfjährige Junge (so hat ihn jedenfalls Sonja Danowski in ihren zauberhaften Illustrationen gemalt) schafft es mit seinem kindlichen Trost immer wieder, seiner Mutter Kraft zu geben, die sie braucht für ihn.

Ein sehr einfühlsames und am Ende dann gar nicht mehr so trauriges Buch über Verlust und Erinnerung aus der Wahrnehmung eines Kindes.

 

 

Der rote Kater

 

 

 

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Gregoire Solotareff, Der rote Kater, Moritz Verlag 2015, ISBN 978-3-89565-306-3

Für sein Kinderbuch „Du groß, und ich klein“ erhielt der französische Illustrator Gregoire Solotareff im Jahr 1997 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Einige Bilderbuchliebhaber werden sich an dieses schöne Buch noch erinnern und es vielleicht auch bei Vorleseaktionen in Büchereien und anderswo immer wieder aus dem Regal nehmen und nutzen.

Nun veröffentlicht der Moritz Verlag ein neues Buch dieses begnadeten Illustrators, in dem er die Geschichte eines roten Katers erzählt. Der wird wie viele Rothaarige von seinen Artgenossen gemieden und ausgeschert. Sie machen Witze über ihn und er ist traurig darüber.

Doch als er eines Tages eine weiße Katze trifft, ändert sich sein Leben, was er selbst aber erst später merken wird. Sie spielen zusammen und erleben ein märchenhaftes Abenteuer, in dem ein hungriger, klappriger Wolf mit Zahnschmerzen und später eine sehr freundlich daherkommende Hexe ihnen Honig ums Maul schmieren will.

Doch die beiden, die sich mittlerweile fast blind verstehen, riechen  den Braten, kehren nach einem Auftrag der Hexe nicht mehr aus dem Dorf zurück und machen es sich zusammen auf einem Dachboden gemütlich.
„So sind Katzen eben: sie tun und lassen was sie wollen.“ Genauso wie selbstbewusste Kinder, die sich nicht um ihre äußerlichen Merkmale scheren.

Ein wunderschönes Bilderbuch für alle Rothaarigen, für alle Katzenliebhaber und die Freunde von „Ich bin ich“.

Der stinkesaure Braunbär

 

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Martina Badstuber, Der stinkesaure Braunbär, Oetinger 2015, ISBN 978-3-78917783-5

Das kennen nicht nur Erwachsene, sondern auch schon kleine Kinder. Da wachst du morgens auf und du spürst sofort: das wird heute nichts. Schlechte Stimmung, miese Laune, gereizte Nerven. Nichts kann einen aufheitern und schon ganz in der Früh scheint der Tag gelaufen.

Dieses kleine und handliche Bilderbuch von Martina Badstuber über schlechte Laune versucht Kindern ab 2 Jahren in dieses Thema einzuführen und zu zeigen, wie man sie sozusagen wegzaubert.

Dem Braunbär, der Hauptfigur des Bilderbuchs geht es nämlich genau so. Schon morgens ist er stinkesauer und hängt ein Schild an den Baum vor seinem Haus, dass auch ja alle anderen Tiere Beschied wissen. Die aber geben sich wie echte Freunde nicht damit zufrieden und versuchen ihn  aufzuheitern. Der Hase und der Fuchs versuchen es mit Honig. Vergeblich. Doch Hase und Fuchs geben nicht auf. Ein Ausflug und saure Drops helfen auch nicht weiter.

Da kommen die beiden Freunde auf eine fantastische Idee. Obwohl sie viel kleiner sind als der stinkesaure Bär, beginnen sie ihn zu umarmen. Und ein Wunder geschieht…

Ein wunderschönes Buch über das Geheimnis, wie man bei einem anderen Menschen, schlechte Laube wegzaubern kann. Es ist gar nicht so schwer. Versuchen Sie es!

Der Wolf, der aus dem Buch fiel

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Thierry Robberecht, Der  Wolf, der aus dem Buch fiel,  Ravensburger Buchverlag 2015, ISBN 978-3-473-44668-1

 

Das ist ein wunderbares Bilderbuch aus Frankreich für alle Kinder, die Bücher lieben und in deren Zimmern es nicht nur Kuscheltiere gibt, sondern auch richtige Regale mit all den vielen Büchern drin, die ihnen die Eltern seit ihrer Geburt gekauft und hoffentlich auch immer wieder vorgelesen haben.  Unser Sohn hat so ein Regal, das aber irgendwann während der Grundschule wegen Überfüllung in ein anderes Zimmer ausgelagert werden musste, dessen Inhalt er aber auch im sechsten Schuljahr noch verteidigt, obwohl er all die schönen Bilderbücher, die ich vom Vorlesen fast auswendig kenne, nicht mehr anschaut. Sie gehören zu einer früheren Phase seiner Kindheit und die will er sich bewahren.

Vor dem Hintergrund eines solchen Kinderbuchregals spielt sich die Geschichte dieses von Gregoire Mabire beeindruckend illustrierten Bilderbuches ab. Als eines Tages aus dem vollen Regal in einem Kinderzimmer (sein Bewohner ist wohl gerade im Kindergarten) ein Buch herausfällt, da purzelt ein Wolf heraus, von dem es handelt. Schon während er sich verdutzt umschaut, entdeckt er eine Katze im Regal, die es schnell auf ihn abgesehen hat. Als er in sein Buch zurück will, wird er von einem Schaf vertrieben, weil er in eine der ersten Seiten geschlüpft ist und deshalb noch lange nicht dran ist.

Auch in vielen anderen Büchern findet er auf der Flucht vor der Katze kein Obdach. Erst als er in einem dicken Märchenbuch die richtige Stelle erwischt und in der Geschichte von Rotkäppchen landet,  scheint er gerettet. Denn das Mädchen weint, weil es in seiner Geschichte auf den Wolf wartet, der aber bisher nicht gekommen ist. Der Wolf tröstet das Mädchen und begleitet es den Weg zu seiner Großmutter. Aber kurz zuvor trennen sie sich  „um den Kindern den Spaß nicht zu verderben.“

Eine schöne Reise durch die Welt der Bücher und Märchen mit einer lustigen Geschichte, die die Kinder zum Mitmachen und Erzählen einlädt.

 

The Art of Ducati

 

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Ian Falloon, The Art of Ducati,  Delius Klasing 2015, ISBN 978-3-667-10035-1

 

Dieser wertvolle Band aus dem unter anderem auf solche Bücher spezialisierten Delius Klasing Verlag wird nicht nur die Herzen der wohl ausnahmslos männlichen Eigentümer von Ducati – Motorraedern höher schlagen lassen, sondern auch die derjenigen,  die vielleicht schon ihr Leben lang davon träumen, irgendwann einmal eines zu besitzen und auch zu fahren. Auch hier wird der Anteil der männlichen Personen nahe an hundert Prozent gehen.

Denn die Marke Ducati, die in diesem Buch eine absolut verdiente Würdigung erfährt,  ist seit ihrer Gründung in den schwierigen Jahren eines darnieder liegenden Nachkriegs-Italien ein Synonym für sportliches Fähren und für Erfolg im internationalen Motorradsport.

Wie dieses reich bebilderte Buch zeigt, wurde um die Jahrtausendwende die Produktlinie dahingehend geändert, dass auch Freizeitfahrer Maschinen im Angebot finden,  die aber an Schönheit und Kraft den nach wie vor produzierten Rennmaschinen in nichts nachstehen.

Von der Gründung der Firma bis in die Gegenwart sind die wichtigsten Maschinen abgebildet und mit ihren technischen Daten beschrieben.

Ducati ist ein Mythos. Dieses Buch macht ihn lebendig und nachvollziehbar.

Ganz schön langweilig

 

 

 

 

 

 

 

 

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Henrike Wilson, Ganz schön langweilig, Gerstenberg 2015, ISBN 978-3-8369-5939-4

„Mir ist langweilig! “

Dieser Ausruf ihres Kindes versetzt viele Eltern heutzutage in helle Aufregung und hektische Aktivitäten.  Dabei kann Langeweile so ein kreativer Zustand sein,  wenn man den Mut und die Traute hat,  ihn auch mal auszuhalten und zu sehen, was dann passiert.

Henrike Wilson lässt ihren kleinen Bär im großen Wald, seinerHeimat, diese Erfahrung machen.  Am Anfang trödelt er ohne Ziel durch den Wald und weiß nicht wohin mit sich. Seine Freunde sind zu beschäftigt um ihn auch nur wahrzunehmen, und auch seine Mutter hat gerade keine Zeit. Nachdem er eine ganze Weile hin und her und her und hin gelaufen ist,  legt er sich auf den Boden und tut gar nichts.

Nach einer Zeit bekommt er ein Gefühl für seine Umgebung. Er spürt den Wind, dann sieht er die Wolken, und indem er den Wolken nachschaut, findet er immer mehr Freude am Schauen. Und was es da alles zu sehen gibt!

Plötzlich entdeckt er direkt vor sich einen Maulwurf, der aus einem Hügel kriecht. Er will ihm noch gerade hinterher,  da weckt schon ein zwitschernder Vogel sein Interesse und bringt ihn auf eine fabelhafte Idee. Er ist ein Adler……

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tod eines glücklichen Menschen

 

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Giorgio Fontana, Tod eines glücklichen Menschen, Nagel & Kimche 2015, ISBN 978-3-312-00664-9

 

Giorgio Fontana, ein junger 1981 geborener italienischer Schriftsteller aus Mailand, gehört seit seinem Debütroman  „Im Namen der Gerechtigkeit“ zu der glücklicherweise immer größer werdenden Zahl italienischer Schriftsteller und Intellektueller, die den moralischen Zustand und Verfall ihres Heimatlandes nicht länger hinnehmen wollen und mit ihren Büchern und öffentlichen Auftritten dem etwas entgegen setzen, das für Italien hoffen lässt.

In seinem hier vorliegenden Roman geht es zum einen um die Aufarbeitung der Zeit des Terrors der Roten Brigaden in Mailand und zum anderen um das Streben nach Gerechtigkeit und wie schnell es geschehen kann, dass sich ein Staatsanwalt in seinen Prinzipien denen annähert, die er aus moralisch und juristischen absolut lauteren Gründen verfolgt.

Staatsanwalt Colnaghi, die Hauptperson seines neuen, wieder bei Nagel & Kimche erschienenen Romans, hat  dieses Engagement von seinem Vater geerbt, der im Krieg im Widerstand gegen die Nazis kämpfte und dabei seine Familie und seinen Sohn im Stich ließ.

In schraffiert gedruckten Rückblicken beschreibt Fontana diese Widerstandsgeschichte des Vaters und stellt sie immer wieder  dem im Jahr 1981 angesiedelten Handeln seines Sohnes gegenüber.

Der ist mit missionarischem Eifer damit beschäftigt, den Roten Brigaden auf die Spur zu kommen. Dabei will er beim unermüdlichen Studium von deren aufgeblasenen Manifesten herausfinden, was diese Terroristen bewegt. Welche Vorstellung von einer gerechten Gesellschaft haben sie und wie unterscheidet sie sich von seiner eigenen? Als er in einer spektakulären Aktion den Top-Terroristen Gianni Meraviglia fassen kann, ist Colnaghi nicht wirklich zufrieden. In unzähligen Gesprächen versucht er zu verstehen, welche Ideale und Werte es rechtfertigen, ein Menschenleben zu vernichten und in der Folge noch mehrere andere von Familienmitgliedern dazu, was Tanja Kinkel in ihrem neuen Roman „Schlaf der Vernunft“   auf beeindruckende Weise gezeigt hat.

Auch Meraviglia träumt von Gleichheit und Gerechtigkeit, aber er wählt einen komplett anderen Weg. An diesen Gegensätzen leidet der Leser, gerade wenn er diese bleiernen Zeiten in Italien und in Deutschland miterlebt hat, mit. Bei Colnaghi kommt noch dazu, dass er sich immer wieder mit seinem  Vater vergleicht, dessen Widerstands- und Lebensgeschichte Fontana parallel erzählt und dabei manches entdeckt, was ihm gar nicht gefallen will.

Ein intensiver Roman, der ein ganzanderes Italien zeigt, eines, das Hoffnung macht.

Dass es in unserer Welt nicht erst seit kurzem eine Form von Gewalt und Terror gibt, für die die Frage nach Gerechtigkeit gar keine Bedeutung mehr hat, steht auf einem anderen Blatt.

 

Der kleine Schneebär sucht ein Zuhause

 

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Tony Mitton, Der kleine Schneebär sucht ein Zuhause, Coppenrath 2015, ISBN 978-3-649-66778-0

 

Jeder, der ein eigenes Kind groß gezogen hat oder der sich gut an seine eigene Kindheit erinnern kann, weiß um das besondere und einzigartige Verhältnis von Kindern zu ihrem ersten Kuscheltier,  das oft bis kurz vor der Pubertät unerschütterlichen Bestand hat. Wenn unser Sohn den abgeliebten Hasen  sieht, der seine Mutter vor über vier Jahrzehnten in den Schlaf half und bei so manchem Kummer tröstete, da weiß er, dass es ganz normal ist,  wenn er seine Tiere hegt und pflegt.

Von jener einzigartigen Freundschaft zwischen einem Teddybär und einem kleinen Mädchen erzählt das vorliegende Bilderbuch aus England von Tony Mitton,  das Alison Brown liebevoll illustriert hat.

Es ist tiefer Winter, als ein kleiner Schneebaer einsam und allein durch den hohen Schnee stapft auf der Suche nach einem richtigen Zuhause. Zweimal wird er fündig, doch sowohl der Fuchs als auch die Eule verweigern ihm einen Platz in ihrer jeweiligen Behausung. Weiter von einem eigenen gemütlichen Zuhause träumend, kämpft er sich weiter durch das heftige Schneetreiben, als er einen warmen Lichtschein wahrnimmt. Das Licht gehört zu einem Haus, aus dem ein kleines Mädchen aus dem Fenster schaut und den
Bären entdeckt. Freudig öffnet sie ihm die Tür und nimmt ihn in ihre wärmenden Arme.  Nachdem sie ihrem neuen Freund eine Geschichte vorgelesen hat, nimmt sie ihn mit in ihr Bett.
„Und während draußen in der kalten Winternacht noch immer die Schneeflocken tanzten, schliefen das Mädchen und der kleine Bär glücklich nebeneinander ein.“

All the children

 

 

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Anke Kuhl, All the children, Klett Kinderbuch 2015, ISBN 978-3-95470-128-5

 

 

Dieses außergewöhnliche Bilderbuch ist nichts für zartbesaitete Eltern und Erwachsene. „Entsetzlich lustig und erfrischend böse“ will es ein ABC-Buch für ausgeschlafene Leseanfänger sein. Ein ABC der Schadenfreude, das für die Kinder heute so normal ist wie nur irgendetwas. Etwa jener Reim, der seit langem von einer Schülergenerationen an die andere weitergegeben wird:
„Alle Kinder gehen zum Friedhof.
Außer Hagen – der wird getragen.“

Kinder finden solche schadenfreudigen Reime originell, und auch wenn sie sonst nicht gerne Gedichte lernen und aufsagen, solche Verse können sie alle dichten. Noch ein paar Kostproben gefällig?

„Alle Kinder laufen ins Haus.
Außer Fritz – den trifft der Blitz.“

„Alle Kinder lesen dieses Buch. (nämlich „Alle Kinder“)
Außer Xaver – der ist ein Braver.“

Man muss nicht erschrocken zurückweichen vor diesem trockenen Kinderhumor, der in diesem Buch mit lustigen und originellen Zeichnungen von Anke Kuhl in Szene gesetzt wurde.

Mir hat das Buch gefallen und ich bin sicher, Kinder ab etwa 5 Jahren sind von diesen Reimen begeistert und können sehr wohl den schwarzen Humor dahinter identifizieren.

Die nun veröffentlichte englische Ausgabe ist entstanden in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem reimlustigen Klasse 4a der Platanus Schule in Berlin und ihrem Lehrer Simon Gaunt.

 

So macht das Frühenglisch gleich noch mal so viel Freude.