Der Untergrundmann

 

 

 

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Ross Macdonald, Der Untergrundmann, Diogenes 2015, ISBN 978-3-257-30034-5

Eigentlich hat Lew Archer einen freien Tag vor sich. Morgens trifft er auf den kleinen Ronny, der mit seiner Mutter bei Nachbarn untergekommen ist. Eher zufällig wird Archer Zeuge eines Streits der Eltern. Am Nachmittag meldet sich die junge Frau bei Archer und bittet ihn um Hilfe bei der Suche nach ihrem Jungen. Der sollte mit seinem Vater jetzt bei seiner Großmutter in Santa Teresa sein. Da dort ein großer Waldbrand ausgebrochen ist, befürchtet sie Schlimmeres. Schnell wird klar, Vater und Sohn sowie eine geheimnisvolle junge blonde Frau, sind nur kurz auf der Ranch der Großmutter aufgetaucht und seitdem verschwunden.

Mit dem Fund der Leiche des Vaters entwickelt sich die vermeintliche Entführung des kleinen Ronny für Archer schnell zu einem wesentlich komplexeren Fall. Der Mord wirft Fragen auf, doch für Archer steht vor allem eines im Vordergrund: Wo ist der Junge? Um diese Frage zu klären, steigt der Privatdetektiv tiefer in die Familiengeschichte des Mordopfers ein und stößt dabei auf weitere Spuren. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sorgt fortan für eine ganze Reihe von Personen aus dem Umfeld der Familie für Unruhe.

In „Der Untergrundmann“ , seinem vielleicht besten Roman, entwickelt Ross Macdonald eine zunächst überschaubare Krimihandlung, in deren Fortgang die Schauplätze zunehmen. Wechselnde Zeitebenen und die Vielzahl der Personen fordern vom Leser Aufmerksamkeit bis zum Ende.

Der  1973 zum ersten Mal auf Deutsch erschienene Roman liegt hier in einer frischen Neuübersetzung vor, der sicher noch weitere Bücher Macdonalds folgen werden.

Donna Leon hat ein bemerkenswertes Nachwort für diese Ausgabe geschrieben, indem sie insbesondere die literarische Qualität von „Der Untergrundmann“ heraushebt und Ross Macdonald unter die großen Kriminalschriftsteller des 20. Jahrhunderts einordnet.

Tip Toi. Deutsch 2. Klasse

 

 

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Annette Neubauer, Deutsch 2. Klasse, Ravensburger Verlag 2016, ISBN 978-3-473-41806-0

Das Lesen und interaktive verstehen von Büchern für Kindern mit dem tip toi- Stift ist eine sensationelle Neuheit, die das Lernen für Kinder mit Büchern schon jetzt nach einigen Jahren revolutioniert hat. Einmal angeschafft, passt der Stift zu immer mehr Produkten aus dem Ravensburger Verlag, wie zum Beispiel das Buch „Deutsch 2. Klasse“, mit dem Ravensburger einen lukrativen Markt betritt, denn das System ermöglicht es Kindern auch ihren Nachhilfe ihren Stoff zu bewältigen.

Tip Toi ist ein audiovisuelles Lernsystem für Bücher und Spiele, mit dem die Kinder die Welt spielerisch entdecken. Tippt das Kind mit dem Stift auf ein Bild oder einen Text oder ein entsprechendes Symbol, erklingen passende Geräusche, Sprache oder auch Musik. Eine intelligente Elektronik ermöglicht Kindern, Bücher und Spiele völlig eigenständig immer wieder neu zu erleben.

Ich kann das System nur empfehlen. Die TipToi Büchern sind etwa ein Drittel teurer als die herkömmlichen Wissensbücher bei Ravensburger, aber diese Investition in das Lernen und vor allem die Lernfreude ihres Kindes lohnt sich.

Auch bei dem vorliegenden Buch für Kinder der 2.Klasse. Insbesondere für Kinder, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist, scheint es mir sehr geeignet.

 

Der Name Gottes ist Barmherzigkeit

 

 

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Papst Franziskus, Der Name Gottes ist Barmherzigkeit, Der Hörverlag 2016, ISBN 978-3-8445-2214-3

 

Viel ist über ihn geschrieben worden, seit er überraschend zum neuen Papst gewählt wurde, nachdem Benedikt XVI. als erster Papst der Geschichte aus Altersgründen zurückgetreten war. Unzählige Gläubige, die sich seit langem innerlich von der Kirche und vom Glauben zurückgezogen hatten (nicht nur katholische) begannen (wieder einmal!) neue Hoffnung zu schöpfen, dass eine Erneuerung der Kirche und eine lebensorientierte Auslegung der Bibel und der Traditionen möglich sei, als sie sahen und lasen, was der neue Papst Franziskus aus Argentinien da so alles tat und von sich gab.

Mindestens genauso viel Widerstand wurde ihm entgegengebracht, nicht nur in der Kurie selbst, sondern überall in den nationalen Kirchen und ihren konservativen Kreisen. In meinem Wohnort gibt es Katholiken, die hinter vorgehaltener Hand ernsthaft behaupten, mit Franziskus habe Gott der Kirche eine Prüfung geschickt, und ihn mit dem Teufel in Verbindung bringen.

Auf einem ganz anderen Niveau, dennoch aber vernichtend hat gerade der Kirchenkritiker Hubertus Mynarek in einer „kritischen Biographie“ (Tectum-Verlag) den Stab über Franziskus gebrochen und polemisch von einer jesuitischen „Usurpation des Papstamtes“ gesprochen.

Mit dem vorliegenden Buch, einem Interview, das Andrea Tornielli mit dem Papst geführt hat und das gleichzeitig in 82 Ländern erscheint, haben nun einfache Menschen und Christen, die Gelegenheit, an zentralen Fragen des Glaubens und der Weltverantwortung der Kirche die Theologie von Franziskus kennenzulernen und zu würdigen, die er selbst mit dem Diktum überschreibt: „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“.

Der Satz, der mich am meisten berührt hat, spricht eine so ganz andere Sprache, als die bisherige katholische Tradition:

„Die Kirche ist nicht auf der Welt um zu verurteilen, sondern um den Weg zu bereiten für die ursprüngliche Liebe, die die Barmherzigkeit Gottes ist. Damit dies geschehen kann, müssen wir hinausgehen auf die Straße. Hinaus aus den Kirchen und Pfarrhäusern, um den Menschen dort zu begegnen, wo sie leben, wo sie leiden, wo sie hoffen.“

Ja. Es ist zu hoffen, dass diesem Papst noch lange Zeit und Kraft geschenkt ist, dass diese neuen Ideen auch wurzeln können in einer spirituellen Landschaft nicht nur der katholischen Kirche, in der immer mehr Menschen nicht mehr wohnen wollten, weil sie sich dort nicht mehr heimisch fühlten mit ihren Fragen und Sorgen.

Peter Weis und Achim Buch haben dieses bemerkenswerte Gespräch zwischen Andrea Tornielli und Papst Franziskus für den Hörverlag eingelesen und geben ihm mit ihren Stimmen einen unmittelbaren Eindruck. Manches von dem, was der Papst da sagt, klingt beim Hören noch Un-Erhörter als beim Lesen des Buches.

 

Der erste Tag vom Rest meines Lebens

 

 

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Lorenzo Marone, Der erste Tag vom Rest meines Lebens, Pendo 2015, ISBN 978-3-86612-396-0

 

Mit seinem 77 Jahre alten Erzähler Cesare Annunziata hat der italienische Schriftsteller Lorenzo Marone eine literarische Figur erschaffen, die dem Leser mit jeder Seite mehr ans Herz wächst. Dabei ist er selbst nach eigener Auffassung, wenn er auf sein langes Leben zurückblickt, ein wenig sympathischer oder gar liebevoller Mensch gewesen. Und erfolgreich schon gar nicht, weder im Beruf noch privat. Er hat keine Karriere gemacht und auch als Ehemann und Vater auf voller Linie versagt. Der schrullige alte Mann blickt sehr kritisch auf seine angespannte Beziehung zu seinen Kindern Dante, ein Galerist, den Cesare verachtend für schwul hält und Sveva, die er für eine unglückliche und deshalb auch wenig erfolgreiche Frau und Mutter hält.

Zu anderen Menschen pflegt Cesare keinen Kontakt mehr. Er hält sich für einen Versager, und wer ihm begegnet, hält ihn für einen unverbesserlichen Egoisten. Vielleicht machen seine beiden Nachbarn Marino und Eleonora da eine Ausnahme, insbesondere dann, als in das andere Nachbarhaus eines Tages Emma und ihr Mann einziehen und Cesare sich bald schon zum Handeln gezwungen sieht.

Denn als er immer wieder aus dem Nachbarhaus die unzweifelhaften Geräusche, Töne und Stimmen von lautstarken Auseinandersetzungen des neuen Ehepaars hört, beschließt er, mit Hilfe von Marino und Eleonora den beiden zu helfen. Denn sie sollen, so hat er entschieden, nicht dieselben Fehler begehen wie er, mit denen er sein ganzes Leben ruiniert hat.

Immer wieder von Rückblenden auf sein Leben, seine Ehe und vor allen Dingen seine zahlreichen Affären mit anderen Frauen unterbrochen, lädt Cesare seine Leser schon bald ein, ihr eigenes Leben mit seinen Augen zu betrachten und vielleicht das eine oder andere zu erkennen und zu erinnern.

Nie ist es zu spät, seinem eigenen Leben eine Wendung zu geben, es mit Sinn aufzufüllen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Das ist die Botschaft eines Buches, das wundervolle Unterhaltung bietet.

 

 

 

 

 

 

Exodus

 

 

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Paul Collier, Exodus. Warum wir die Einwanderung neu regeln müssen, Pantheon 2016 ISBN 978-3-570-55287-2

Kurz nach Erscheinen der Hardcoverausgabe dieses Buches schrieb ich Ende September 2014 in einer Rezension:

„In diesen Wochen und Monaten beginnen die Kommunen und Landkreise unseres Landes laut und öffentlich zu stöhnen über die großen Belastungen, die eine immer größer werdende Zahl an Flüchtlingen mit sich bringt, denen sie sich nicht gewachsen zeigen. Tatsächlich sind sie allein mit der guten Betreuung dieser traumatisierten Menschen überlastet.

Gleichzeitig aber, und das ist wohl der große Unterschied zu der letzten großen Flüchtlingswelle vor allem aus dem Balkan in den neunziger Jahren: es gibt in der Bevölkerung eine große und nachhaltige Hilfsbereitschaft, die man damals schmerzlich vermisste.

Bislang sind fremdenfeindliche Stimmen erfreulich selten. Die Menschen sehen ein, dass es den Flüchtlingen und Emigranten bis auf wenige Ausnahme um ihren Leib und ihr Leben geht und nicht um das „Erschleichen“ von bundesdeutschen Sozialleistungen.

Dennoch: die Einwanderung von Flüchtlingen aus instabilen Ländern in die Länder der EU, aber auch andere, wird noch weiter zunehmen. Das ist ein unumkehrbarer Prozess, auf den man sich einstellen und auf den man klug reagieren muss.“

Wie haben sich die Zeiten  seither verändert! Wie mächtig ist das Problem geworden und wie groß die Ängste und Befürchtungen in der Bevölkerung. Die Politik in Deutschland und erst recht in Europa bekommt das Probleme einfach nicht den Griff. Immer mehr Abschottungsmaßnahem auch von Gesellschaften, die im vergangenen Jahr sich noch sehr offen zeigten für die Aufnahme von Migranten, greifen Platz und die Aggression steigt. Gerade deshalb ist der Ansatz von Paul Collier so wichtig.

Paul Collier, der mit seinen Büchern über die „unterste  Milliarde“ und den „hungrigen Planeten“ gezeigt hat, wie man globale Probleme scharfsichtig analysieren kann ohne den nötigen begründeten Optimismus für ihre gerechte Lösung zu verlieren, beschreibt in seinem neuen Buch „Exodus“, „warum wir Einwanderung neu regeln müssen“. Es geht ihm dabei zum einen um die Aufnahmegesellschaften, die von einer reinen Abwehrhaltung zu einer Begrüßungskultur kommen müssen, aber auch um die Zurückgebliebenen in den Heimatländern der Flüchtlinge, die nicht abgehängt werden dürfen vom allgemeinen Wohlstand.

Unaufgeregt und sachlich diskutiert Collier die nötigen Maßnahmen und hat am Ende einen wohltuenden, optimistischen, hoffnungsvollen und weiten Blick in die Zukunft. Seine konkrete Utopie hat mich dermaßen angesprochen, dass ich sie hier länger zitiere:
„Internationale Massenmigration ist eine Folge extremer globaler Ungleichheit. Wie nie zuvor sind sich junge Menschen in den ärmsten Ländern bewusst, welche Chancen sich ihnen anderswo bieten. Die Ungleichheit ist in den letzten zwei Jahrhunderten entstanden und wird im kommenden Jahrhundert beseitigt werden (!). Heute schließen die meisten Entwicklungsländer rasch zu den einkommensstarken Ländern auf. Diese Annäherung ist die große Geschichte unserer Zeit. Massenmigration ist daher kein dauerhaftes Merkmal der Globalisierung. Ganz im Gegenteil ist sie eine vorübergehenden Reaktion auf eine hässliche Phase, in welcher der Wohlstand noch nicht globalisiert ist.“

Auch in den Ländern, aus den die Emigranten kommen wird sich viel ändern: „Die Loyalität verlagert sich immer mehr von Clans zu Nationen.“
„Im Zuge der schrittweisen Umgestaltung ihrer Sozialmodelle werden sich die Identitäten von der Zersplitterung der Clan-Zugehörigkeit zum vereinigenden Nationalgefühl ausweiten, und indem diese Länder die gutartigen Seiten des Nationalismus nutzen, werden sie in zunehmendem Maße den alten einkommensstarken Ländern vorn der Migration gleichen.“

Vielleicht es dieser langfristige und weite Blick, der die zunächst gefeierte, mittlerweile aber immer stärker in die Kritik im In- und Ausland geratene Haltung von Angela Merkel zu dieser Frage leitet.

Der sehr skeptisch gewordene Rezensent fragt sich allerdings, ob den europäischen Staaten angesichts der innenpolitischen und großen gesellschaftlichen Widerstände die Zeit bleibt, auf eine solche Entwicklung zu setzen.

Wie auch immer: jeder, der sich mit dieser Frage ernsthaft und nicht populistisch beschäftigt, sollte dieses Buch lesen und seinen Ansatz prüfen.

Der schmale Pfad durchs Hinterland

 

 

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Richard Flanagan, Der schmale Pfad durchs Hinterland,  Piper 2015, ISBN 978-3-492-05708-0

 

Der mit dem Man Booker Prize 2014 ausgezeichnete Roman von Richard Flanagan, eines australischen Schriftstellers, erzählt von Liebe und Krieg, beschreibt unendliches  Leid und lässt seine Hauptfiguren träumen von großen Glücksversprechen.

Nach mehrfach gescheiterten Versuchen in der Vergangenheit ist es Flanagan mit diesem voluminösen Roman endlich gelungen, die Liebes- und Lebensgeschichte seines Vaters literarisch zu bewältigen.

Der Protagonist des Buches ist der begnadete junge australische Chirurg Dorrigo Evans. Er gerät im Krieg in japanische Kriegsgefangenschaft und wird in einem Gefangenenlager zum Bau einer Eisenbahnlinie herangezogen. Gleichzeitig arbeitet er als Arzt und betreut seine Gruppe als Colonel. Kriegsgefangenschaft bei den Japanern bedeutet Sklaverei  und Folter, permanente  Willkür und entmenschlichende Demütigungen.

Doch in diesem Roman sind alle Opfer und Täter zugleich. Das wird immer wieder dadurch erkennbar,  weil es Richard Flanagan gegen alle persönliche  Betroffenheit gelingt, sich immer wieder auch in die Gegenseite hineinzuversetzen und eine japanische Gesellschaftsstruktur zu beschreiben, in der die Autorität zum Gott gemacht wird. Man bekommt  ein Gefühl dafür, warum es zwischen Japan und Korea und Japan und China bis heute soviel Hass gibt.

Es ist der besonderen Sprache des Buches zu verdanken,  dass es bei aller der Schrecklichkeit  seiner Themen seine eigene  Poesie und Schönheit bewahrt.

 

Etta und Otto und Russell und James

 

 

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Emma Hooper, Etta und Otto und Russell und James, Droemer 2015, ISBN  978-3-426-28108-6

 

Ein schönes und weises,  überaus warmherzig geschriebenes  Buch ist hier in aller Kürze vorzustellen. Ein Roman über alte Menschen, das was von ihren Träumen übrig geblieben ist und somit ein Buch über die Zukunft  jedes einzelnen  wohl jüngeren  Lesers.

Alle Hauptpersonen in diesem sprachlich sehr einfühlsam daherkommenden Roman sind zum Zeitpunkt der Handlung  83 Jahre alt. Da ist Etta, die, als sie ihre beginnende  Demenz realisiert, sozusagen gegen das endgültige Vergessen eine Wanderung beginnt. Ein Leben lang hat sie davon geträumt, das Meer  zu sehen. Doch statt dieses auf schnellstem Wege zu erreichen, wählt sie mühsame und viel  längere Umwege. Ihr Ehemann Otto, den sie zu Hause  zurücklässt, versteht das und nutzt diese Entscheidung seiner Frau, seinerseits auf seine alten Tage selbständig zu werden.  Er lernt kochen und backen, indem er die von Etta gepflegten Rezeptkarten  benutzt.

Russell indes, auch 83 Jahre alt und seit ewigen Zeiten der Nachbar der beiden, bleibt nach der Abreise von Etta nicht so ruhig wie Otto. Schon immer die Nummer zwei im Rennen um Ettas Liebe, bricht er auf, um sie zu finden. Doch stets respektiert er ihren Wunsch nach Distanz.

Den hat sie gegenüber James allerdings nicht. Ihn hat sie auf ihrer Wanderung getroffen, und wird nun von ihm auf dem Weg zum Meer begleitet. Emma Hooper beschreibt in Rückblenden, wie Ettas letzte Reise nicht nur bei ihr selbst, sondern auch bei Otto und Russell  eine Vielzahl von Erinnerungen wachruft.  Eine ganz besondere  Dreiecksgeschichte kommt da zum Vorschein, eine Geschichte von Respekt und Freundschaft. Natürlich geht es in diesem außergewöhnlichen Roman auch um die Demenz, die Etta  erst aufbrechen lässt, aber in den Rückblenden auch um Krieg und Frieden.

Das Buch liest sich wie ein modernes Märchen und faszinierte mich bis zur letzten Seite.

 

Mein kuschelweiches Schäfchen-Buch

 

 

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Monika Neubacher-Fesser, Mein kuschelweiches Schäfchen-Buch, Ravensburger Verlag 2015, ISBN 978-3-473-31689-2

 

Für ganz kleine Kinder ab etwa drei Monaten sind die Kuschelbücher dieser ministeps- Reihe aus dem Ravensburger Verlag gedacht. Ganz aus Stoff, aber wie ein richtiges Buch zum Umblättern, können die Babys dieses Buch in den Mund nehmen, sich an ihm Kuscheln, und es macht auch Geräusche.

Denn die Ohren des kleinen Schafes, das die Babys beim Umblättern über eine grüne Wiese mit allerlei interessanten Objekten führt, knistern leise, wenn man sie anfasst. Die ministeps-Reihe ist aufgebaut in fünf Altersstufen. Dieses kuschelweiche Schäfchenbuch gehört zur ersten von 0-6 Monaten. Eltern, die davon überzeugt waren, werden auch in den kommenden Lebensmonaten und -jahren ihrer Kinder immer wieder gerne auf Produkte aus Ravensburg zurückgreifen, bis hin zu der sensationellen Tip-Toi-Technik, mit der Kinder später ihre Bücher und deren Inhalte erschließen können.

Emma kauft ein

 

 

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Alice Melvin, Emma kauft ein, Kunstmann 2015, ISBN 978-3-95614-034-1

 

Eine lange und insgesamt zehn Sachen umfassenden Liste hat sich die kleine Emma gemacht, bevor sie sich auf ihre Einkaufstour durch die Stadt macht.

Sie will eine gelbe Rose, einen Gartenschlauch, Trauben, Rollschuhe, einen Kakadu, ein Metallkazoo, einen Teppich, einen Krug, ein Törtchen und einen Lolli. Doch es ist nicht etwa ein Einkaufszentrum, das sie aufsucht, sondern sie besucht viele kleine Geschäfte. Die finden die Kinder, die dieses Buch anschauen und seinen in wunderbaren Reime verfassten texte vorgelesen bekommen, indem sie auf jeder neuen Seite eine weitere aufklappen. Schon von außen sehen diese Läden toll aus, und inne drin sieht man sich hineingenommen in zauberhafte Welten mit tausend zauberhaften Dingen.

Emma findet alles, wobei ihr die das Buch betrachtenden Kinder natürlich mithelfen sollen, nur gelbe Rosen findet sie nicht. Oder doch? Wartet bis zur letzten Seite!

Ein wunderbares Bilderbuch, mit Reimen, die Susanne Weber gelungen ins Deutsche übertagen hat. Eine Hommage an die alte, warme Welt der kleinen Läden und des Einkaufens.

Auf Wiedersehen kleiner Vogel

 

 

 

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Maja Bach, Auf Wiedersehen, kleiner Vogel, Coppenrath 2015, ISBN 978-3-649-62102-7

 

Eine ganz zarte und wunderbar poetische Geschichte über das Abschiednehmen und den Tod hat Maja Bach in diesem schönen Bilderbuch geschrieben und gezeichnet.

Als Lotta und Ole, die etwa fünf Jahre alt sind, zusammen mit dem schon sieben Jahre alten Paul auf der Wiese im Garten Herbstindianer spielen, da entdeckt Ole plötzlich einen toten Vogel auf dem Boden. Die beiden anderen Kinder kommen schnell gelaufen, und dann entwickelt sich zunächst ein lebhaftes Gespräch über ihren Fund, bei dem der schon ältere Paul den beiden Kleinen einiges zu erzählen weiß, wie das so ist, wenn man tot ist.

Über viele Fragen denken die Kinder dann nach und finden Antworten. Sie erinnern sich an die Beerdigung von Lottas Oma und finden in den Ritualen der Erwachsenen, an die sich Lotta noch gut erinnern kann, Anhaltspunkte für ihr eigenes Ritual, mit dem sie den kleinen toten und zerzausten Vogel zurechtmachen und ihm ein würdiges Grab schaufeln.

Und damit der Vogel auch gut im Himmel ankommt, schicken sie Lottas Oma eine Nachricht dorthin, dass sie ihn gut empfangen soll.

Eine wunderbar leichte Geschichte zu einem schwer anmutenden Thema ist Maja Bach da gelungen, die sehr gut geeignet ist, mit Kindern in ein Gespräch über Sterben und Tod zu kommen, insbesondere dann, wenn die Kinder damit konfrontiert sind.