Die fremde Reformation

 

 

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Volker Leppin, Die fremde Reformation. Luthers mystische Wurzeln, C.H. Beck 2016, ISBN 978-3-40669081-5

Volker Leppin ist Professor für Kirchengeschichte in Tübingen, Mitglied der Sächsischen und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Er wurde mit dem Ruprecht-Karls-Preis der Universität Heidelberg geehrt.

Sein Buch ist ein verständliches Plädoyer für ein tieferes Verständnis für Luther und seine Zeit. Eine Zeit des Umbruchs, vor der wir, so scheint es in den letzten Jahren dem kritischen Zeitgenossen, erneut stehen. Wendepunkte allenthalben. So könnte in den Monaten vor den großen Feierlichkeiten zum 500- jährigen Jubiläum der Reformation 2017 zu so etwas wie einen Spiegel werden. Obwohl er uns, nicht nur den Theologen, heute fremder scheint denn je.

Volker Leppin beschreibt das in seinem Buch so: „Luther ist uns Heutigen fremd. Er ist nicht nur fremd in jenen Zügen, von denen man sich ohnehin gerne lösen will und die man gerne auf das Konto seines mittelalterlichen Erbes schreibt: in seinem unerträglichen Judenhass, seinen Ausfällen gegen Türken oder den Papst. Auch die Wurzeln seines Anliegens, der Botschaft von der Rechtfertigung des Sünders, liegen für die Menschen des 21. Jahrhunderts fern. Sie entstammen der religiösen Bewegung der Mystik des Mittelalters.“

Leppins Hauptthese in seinem Buch ist, dass die meisten Gedanken Luther nicht wirklich neu waren. Luther und sein ganzes Denken waren tief m mittelalterlichen Denken verwurzelt, der Mystik einer tiefen Frömmigkeit. Die Mystik suchte Antworten auf die Angst vor dem Tod. Wird die Seele aufgrund ihrer Sünden zu ewiger Qual verdammt sein? Ein Mittel gegen diese Angst waren die Ablassbriefe. Sie versprachen gegen Geld einen Nachlass der Sündenstrafen. Doch Luther genügte ein Ablassbrief nicht. Einen Ausweg fand er in der individuellen Erfahrung der Liebe von und zu Gott. Leppin zitiert Luther: “ … dass wahre Buße allein mit der Liebe zur Gerechtigkeit und zu Gott beginne … Denn dann werden die Gebote Gottes süß, wenn wir erkennen, dass sie nicht bloß in Büchern, sondern in den Wunden des allersüßesten Heilands gelesen werden müssen.“

Auch durch die neuen Drucktechniken erfuhren immer mehr Menschen von Luthers Gedanken, von den Unterschieden im Denken und Fühlen. Und da es um das Heil der Seele ging, gab es kein Pardon. Die gelehrte und akademische Diskussion gewann eine Eigendynamik – die mystischen Ideen wurden in Machtansprüche verwandelt, sie verloren ihren tiefen Zauber und wurden manchmal zu Argumenten für Mord und Totschlag. Parallelen zur heutigen Zeit sind nicht übersehbar.

Es ist zu hoffen, dass Leppins Hinweise auf Luthers mystische Wurzeln nicht nur bei den Theologen im Vorfeld der Feierlichkeiten, Reden und Predigten zum Reformationsgedenken auf kritischen Boden fallen.

 

 

 

 

 

 

 

Sternenhimmel und Zauberträume. Gutenacht-Geschichten

 

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Dagmar Henze, Sternenhimmel und Zauberträume, Gutenacht-Geschichten, Ellermann 2016, ISBN 978-3-7707-2503-8

 

Damit Eltern von Kindern ab etwa 4 Jahren der Stoff beim hoffentlich täglichen Erzählen von Gutenacht-Geschichten vor dem Schlafengehen ihrer Kinder nicht ausgeht, hat Cornelia Küpper viele Geschichten von verschiedenen bekannten und weniger bekannten Autoren für Kinder ausgesucht, unter anderen:

Astrid Lindgren: Nein, ich will noch nicht ins Bett.
Angie Westhoff: Die Wunderlampe.
Paul Maar: Anne kann nicht schlafen.
Isabel Abedi: Hexus Plexus: Jetzt bleib ich bei dir.
Henriette Wich: Gespenster bekommen keinen Schnupfen.
Anne Ameling: Wenn Drachen schnarchen.
Margret Rettich: Jan und Julia ganz allein.
Usch Luhn: Hörst du das?
Kirsten Boie: Das Bärenmärchen.
Cornelia Funke: Mick und Mo im Weltraum.
Corinna Gieseler: Schlaf gut, kleine Eule!
Andrea Schütze: Das kleine Nachtseelchen

Die Illustratorin Dagmar Henze, die diese Geschichte liebevoll und feinfühlig anschaulich gemacht hat, wurde 1970 in Stade geboren. Sie studierte an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg Illustration und hat seither bei verschiedenen Verlagen zahlreiche Kinderbücher illustriert.

 

Ein schönes, preiswertes Buch für junge Eltern. Auch als Geschenk für sie hervorragend geeignet.

Eine Idee von Glück

 

 

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Carlo Petrini, Luis Sepulveda, Eine Idee von Glück, Oekom Verlag 2015, ISBN 978-3-86581-735-8

 

Mit ihren Ideen für ein besseres Leben und Zusammenleben treten die Autoren Petrini und Sepúlveda in einen Buchdialog. Hier machen sie genau das, wofür sie plädieren: Zuhören, Antworten finden, sich Aufmerksamkeit schenken, einen Austausch der Ideen zum gesunden Genuss von Schönem und Sinnvollem führen.

Man hat beinahe das Gefühl in einer gemütlichen Runde mit den Autoren zu sitzen und ihren schmunzelnden Ausführungen zu lauschen. Dahinter steckt ein ernster Gedanke: Wie stelle ich mich der Schnelllebigkeit der Zeit entgegen? Das Buch kann scheinbar auch nur mit einer konzentrierten Langsamkeit gelesen werden. Es ist voll mit Fakten und Erfahrungen der Autoren.

Der eine, der sich für faire und hochwertige Lebensmittel einsetzt und der andere, der als politischer Aktivist zeitweise im Exil lebte. Durch die lockere Dialogform kommen beide Schriftsteller zu Wort und vermitteln dem Leser das Fazit: Der Blickwinkel auf das Leben entscheidet oft, wie positiv oder negativ wir es wahrnehmen.

Ein schönes Zitat: „Poesie hilft, das Glück zu finden, wo man es nie vermutet hätte. In Dingen und Tätigkeiten, die auf den ersten Blick vollkommen bedeutungslos erscheinen.“

In jedem Lebensalltag, und sei er auch noch so banal und normal, kann man diese Erfahrung machen, wenn man die Wirklichkeit, sein eigenes Leben und das, was man täglich tut, auch für andere, mit liebevollen Augen und mit einem offene Herzen anschaut. Diese Erfahrung mache ich jeden Tag und ich bin dankbar dafür.

 

 

Aron und der König der Kinder

 

 

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Jim Shepard, Aron und der König der Kinder, C.H. Beck 2016, ISBN 978-3-406-68959-8

Schon des Öfteren in der Vergangenheit ist das Leben und Leiden der Juden im Warschauer Ghetto literarisch bearbeitet worden, und auch vom Leben und Wirken Janusz Korczaks gibt es zahlreiche Bücher.

Der amerikanische Schriftsteller Jim Shepard hat nun einen Roman geschrieben, in dem er einem neunjährigen polnisch-jüdischen Jungen namens Aron seine Stimme leiht und seine Geschichte erzählen lässt. Indem er diese Perspektive einnimmt, kann er sich mehr mit der menschlich-alltäglichen Lage im Warschauer Ghetto befassen, als mit den politischen Ereignissen, obwohl die an einigen Stellen, wo es zum Beispiel um den Judenrat geht, gestreift wird.

Das Charakteristikum dieses Buches ist der mal ergreifende, mal entwaffnende, dann wieder komische und oft auch wütende Ton, in dem dieser Junge seine Geschichte erzählt. Aron kommt mit seiner Familie vom Land in die Stadt, dort ins Ghetto. Vom Ghetto kommt er, von seiner Familie getrennt, schließlich ins Waisenhaus und wird von da mit den anderen Kindern ins Konzentrationslager gebracht.

Dabei kreuzt sein Weg den einer realen historischen Figur, dem polnischen Arzt und Pädagogen Dr. Janusz Korczak (Henryk Goldszmit), der in Polen eine neue kinderfreundliche Pädagogik etablierte und schon 1912 sein erstes Waisenhaus übernahm. Als dieses Haus 1940 ins Warschauer Ghetto verlegt wurde,  zog er mit und weigerte sich zusammen mit seiner Mitarbeiterin Stefanie Wilcynska, die Kinder ihrem Schicksal zu überlassen. Genauso entschieden die beiden, am 5. August 1942, ihre Kinder nach Treblinka zu begleiten.

Die Geschichte, die Aron erzählt, handelt von Liebe, Freundschaft, Verrat und Tod. In einer Gruppe von Jugendlichen kämpft er mit Schmuggel um das Überleben zuerst seiner Familie und später um sein eigenes. Aron und seine Mitstreiter, und auch der „König der Kinder“, den er später näher kennenlernt (Shepard lässt ihn zu so etwas wie seiner rechten Hand werden), sind in einem sinnlosen Kampf gefangen und geben sich dennoch nicht geschlagen.  Sie sind wie ein Leuchtturm von Menschwerdung und Überleben in einer inhumanen Welt und überstrahlen mit ihrer Menschlichkeit das tiefste Dunkel.

David Safier hat in „28 Tage lang“ eine ähnliche Geschichte erzählt und ebenfalls 2015 haben Irene Cohen-Janca hat mit beeindruckenden und bewegenden Illustrationen von Maurizio Quarello die Geschichte von Janusz Korczak letzten Jahren in dem Kinderbuch „Die letzte Reise“ erzählt.

Beide sind ebenfalls sehr empfehlenswerte Bücher zum Thema.

Vogue 100

 

 

 

 

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Robin Muir, Vogue 100. Hundert Jahre Brit Chic, Hatje Cantz 2016, ISBN 978-3-7757-4083-8

Es war schon ein gewagtes und ambitioniertes Unterfangen, mitten im Ersten Weltkrieg im September 1916 ein Modemagazin zu gründen. Heute, einhundert Jahre danach, sind von der „Vogue“ über 2000 Hefte erschienen, und in einer umfangreichen Ausstellung, die in diesem Jahr in London und in Manchester gezeigt wird, wird die Bedeutung dieser Hochglanzzeitschrift nicht nur für die britische Modegeschichte, sondern auch für die Kulturgeschichte gewürdigt.

Der Hatje Cantz Verlag veröffentlicht einen Begleitkatalog zu dieser Ausstellung in deutscher Sprache und würdigt damit auch die Bedeutung der „Vogue“, die sie seit Jahrzehnten für das deutsche Publikum hat.

In insgesamt zehn Kapiteln dokumentiert Robin Muir die einzelnen Jahrzehnte und zeigt, wie die Zeitschrift sich immer wieder mit dem aktuellen Zeitgeschehen auseinandersetzte und es reflektierte. Dabei profilierte sich die Zeitschrift immer wieder durch ihre Weltoffenheit und ihr Bestehen auf dem sogenannten guten Geschmack.

Unzählige berühmte Persönlichkeiten haben sich für die Zeitschrift fotografieren lassen, und viele sind in dem prächtigen Hochglanzband abgebildet. Mindestens genauso wichtig wie die Originalfotografien aber sind die Begleittexte, die die Bedeutung der einzelnen Jahrzehnte, in die das Buch aufgeteilt ist, mode-und kulturhistorisch beleuchten und erklären.

Der große Oster-Bilderbuchschatz

 

 

 

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Der große Oster-Bilderbuchschatz, Ellermann 2016, ISBN 978-3-7707-3204-3

 

Insgesamt sechs, teilweise schon an anderer Stelle einzeln veröffentlichte Bildergeschichte zum Thema Ostern hat der Ellermann-Verlag in diesem großen und ansprechenden, aber sehr preisgünstigen Band zusammengefasst.

Da versucht das Huhn Helma die Gockel reinzulegen (Erstveröffentlichung 2004), Tilde Michels erzählt vom Hühner-Hasen-Eierkrach (2015), der kleine König von Hedwig Munck begibt sich auf eine lustige Ostereiersuche (2012), der Hase Pauli erlebt frohe Ostern (2001) und Salah Noura erzählt die Geschichte vom Mondei (2013).

Besonders gefallen hat mir die Geschichte „Tim und der Osterhase“ von Katharina Wieker, weil bei Tim und seinem Bruder Juri immer auch die Eltern der beiden eine kleine Rolle spielen.

Alle Geschichten eignen sich hervorragend zum Vorlesen und sind ein Schatz für jedes Osternest.

Heule Eule. Ich will mein Bumm

 

 

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Paul Friester, Philippe Goossens, Heule Eule. Ich will mein Bumm, Nord-Süd Verlag 2016, ISBN 978-3-314-10324-7

Das vorliegende Bilderbuch von Paul Friester und Philippe Goosens ist das nunmehr dritte über die kleine Eule, die gerne mal heftig und laut heult. Hatten die beiden Autoren in den beiden ersten Büchern noch die besondere Beziehung der kleinen Eule zu seiner Mutter in den Vordergrund gestellt, ist die kleine Eule nun etwas größer geworden, und verbringt viel Zeit mit seinen verschiedenen Freunden im Wald.

Und mit seinem Spielzeug, das es in Ermangelung ausgefeilter Sprachkenntnisse „Bumm!“ nennt. Bumm ist ein roter Luftballon, den sie eines Tages vorbeifliegen sieht, und dem sie zunächst vergeblich folgt.
Sie fragt ihre Freunde im Wald, zunächst den Igel, dann das Eichhörnchen, den Maulwurf und den Hirschkäfer. Alle vier versuchen, aus der unvollständigen Beschreibung der kleinen Eule (natürlich heult sie auch mal zwischendurch) klug zu werden und ihr zu helfen.

Erst der Rabe erinnert sich bei der Beschreibung (rund, rot, kann fliegen) an etwas, was er unterwegs gesehen hat. Und tatsächlich, auf einem Baum hängt der rote Luftballon. Die Eule fliegt hoch, mit dem Schnabel zuerst. Und dann wissen die anderen Tiere auch, warum das runde Ding „Bumm“ heißt.

Wenn sie dieses schöne Bilderbuch kaufen und vorlesen wollen, besorgen sie am besten gleich ein Tüte roter Luftballons mit. Denn es wird bald so gehen wie bei der kleinen  Eule am Ende des Buches: „Noch mal!“

Der einsame Engel

 

 

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Friedrich Ani, Der einsame Engel, Droemer 2016, ISBN 978-3-426-28147-5

 

Friedrich Ani ist ein rastloser Schreiber. Kaum hat er mit einem neuen, seinen ehemaligen Kommissar Tabor Süden in vielem ähnlichen Ermittler in „der namenlose Tag“ (Suhrkamp) zum wiederholten Mal den Deutschen Krimipreis gewonnen, legt er bei seinem Stammverlag Droemer auch schon den nächsten, den insgesamt zwanzigsten Roman seines schwermütigen und seinem Autor ans Herz gewachsenen Tabor Süden vor.

Dazwischen fand er noch Zeit für die Vorlage eines hervorragenden, gleichermaßen preiswürdigen Drehbuches, das vor einiger Zeit für das Fernsehen in dem Drama „Operation Zucker: Jagdgesellschaft“ verfilmt wurde.

Der neue Roman knüpft an die Story des letzten („M“) und nimmt besonders zu Beginn Beug darauf. Dort war die Detektei Liebergesell, für die Tabor Süden arbeitet, nachdem er vor Jahren auf der Suche nach seinem verschollenen (!) Vater nach einer Zeit de Kellnerns in Köln wieder nach München zurückgelehrt ist, mit ihren Nachforschungen nicht nur auf die Spuren des verschwundenen Sohns von Edith Liebergesell gestoßen und hatte seinen Tod geklärt, sondern in der Auseinandersetzung mit Neonazis ist auch der Kollege Leonard Kreutzer ums Leben gekommen.

Nun haben eben jene Neonazis in der Detektei Feuer gelegt und die Einrichtung vollständig zerstört. Nicht nur Tabor Süden, sondern auch seine Chefin Edith Liebergesell und seine Kollegin Patricia Roos stehen vor einem Scherbenhaufen ihrer beruflichen und persönlichen Existenz.

Niemand weiß, wie es weitergehen soll, alles steht in Frage und insbesondere Tabor Süden versinkt in eine schier bodenlose Trauer um Leonard Kreutzer, an dessen Tod er sich die Schuld gibt und um alles andere, was er verloren glaubt.

Der einzige Ausweg aus dieser, auch mit viel Alkohol getränkten Schwermut ist seine Arbeit, Ermittlungsarbeit, Suche nach Verschwundenen.

Als Emma Fink, Angestellte des Münchnern Obst- und Gemüsehändlers Justus Greve, diesen bei der Detektei als vermisst anzeigt, und die Detektei mit der Suche nach ihm beauftragen will, nimmt Tabor Süden seine Arbeit wieder auf. Mit der ihm eigenen Methode von Intuition, einer überbordenden Empathie und einer ganz besonderen Fragetechnik, mit der er die Geheimnisse seiner Gesprächspartner und deren Seelen erkundet, such er sich der vermissten Person wieder so anzunähern, dass er stellenweise fast eins mit ihr wird.

Und am Ende kommt Tabor Süden nicht nur seiner Kollegin Patricia Roos näher, sondern auch den Rätseln des Vermissten und der Auftraggeberin. Und die Zukunft der Detektei bleibt offen. Und die die von Anis Serie auch.

In einer Zeitungsrezension war einmal über Anis Bücher folgender Satz zu lesen: „Wer Anis Geschichten liest, lernt anders denken“. Das trifft auch und erst recht auf das neue Buch zu. Aber ich möchte ergänzen: er lernt auch anders mitfühlen und anders über Menschen urteilen, die die Gesellschaft längst abgeschrieben hat, die lebendig tot sind, und schon lange, bevor sie abtauchen, längst in sich selbst verschwunden sind, in „leeren Zimmern“ leben.

Reich an intensiver Sprache mit starken und ausdruckskräftigen Bildern nimmt Friedrich Ani seine Leser wieder mit auf eine spannende Reise durch Bereiche unserer Gesellschaft, die er seinen Tabor Süden erkunden lässt wie kaum ein anderer Krimiautor der Gegenwart. Anspruchsvolle Literatur voller Poesie und Kraft von höchster Qualität.
 

 

Gute Nacht , kleine Eule

 

 

 

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Tanja Jacobs, Gute Nacht, kleine Eule, Oetinger 2016, ISBN 978-3-7891-2553-2

 

Die kleine Eule in dem neuen schönen Gute-Nacht-Bilderbuch von Tanja Jacobs, das Susanne Weber lustig und witzig illustriert hat, ist ein aufgewecktes und quirliges kleines Wesen. Es hat überhaupt keine Lust, abends schlafen zu gehen.

Seine Mama wartet geduldig. Doch zuerst nimmt die kleine Eule ein warmes Bad, das sie aber dazu verführt, ein Piratenspiel zu beginnen. Nachdem sie sich ein Bett aus Moos gebaut hat, benutzt sie es als Trampolin. Der Gesang der Vögel bringt sie genauso wenig zum Schlafen wie eine Tasse Tee. In den Gesang stimmt sie mit ein, und der Tee erinnert sie daran, dass sie noch mal auf das Klo muss.

„Nun ist aber Schluss“, sagt die Eulenmama und gibt ihrem Kind einen Kuss.

„Ach, das hat gefehlt! Jetzt kommt sie zur Ruh,

schon fallen der Eule die Äuglein zu.“

 

Ein schönes, in Reimen gefasstes Gute-Nacht-Buch, das Kinder ab 18 Monaten lieben werden. Und ihre Eltern auch.

Zusammen

 

 

 

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Daniela Kulot, Zusammen, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5878-3

Nach ihren ebenfalls bei Gerstenberg in Hildesheim erschienenen Reim-Bilderbüchern „Reim dich ins Bett“ und „Zähl dich ins Bett“ legt Daniela Kulot in  gleicher Aufmachung in diesem Frühjahr ein witziges und lustiges, natürlich wieder gereimtes Bilderbuch vor, das über Unterschiede handelt und wie sie mit freundschaftlicher Haltung ,mit Toleranz und mit Zusammenhalt untereinander überwunden oder überbrückt werden können.

Ein schwarzes Kind und ein weißes, „ob dunkel oder hell – beide sind schnell“.
Ein nicht-behindertes Kind und ein Kind im Rollstuhl: „ob Rolli oder nicht – Äpfel klaun ist Pflicht“. Und sie zeichnet ein Bild, in dem der Rollstuhl mit Backsteinen angewinkelt gegen den Apfelbaum lehnt, und das behinderte Kind dem anderen ermöglicht, kletternd an den ersehnten Apfel zu kommen.

Wie oft bei Daniela Kulot geht es nicht immer politisch korrekt zu. Da werden, wie gesehen, Äpfel geklaut, und Große und Kleine, Junge und Alte mischen zusammen die Welt auf und haben Spaß miteinander.

Man kann dieses Buch vorlesen, immer wieder und mit täglich wachsender Begeisterung, die Kinder ab etwa zwei Jahren können die Reime entweder mitsprechen, aber auch mit ihrer Phantasie neue erfinden, und das alles so lange, bis ihnen die kleinen Augen zufallen.

Eine schöne Idee, die Daniela Kulot mit lustigen und pfiffigen Illustrationen und witzigen und phantasievollen Reimen umgesetzt hat.