Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Sei mir ein Vater

 

 

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Anne Gesthuysen, Sei mir ein Vater, Kiepenheuer & Witsch 2015, ISBN  978-3-462-04832-2

 

Nach ihrem ersten sehr erfolgreichen und von der Kritik sehr gut aufgenommenen Roman „Wir sind doch Schwestern“ hat die mittlerweile als freie Schriftstellerin arbeitende  Anne Gesthuysen nun ihren zweiten Roman vorgelegt.  Wie sie im Nachwort  verrät, hat auch die bezaubernde  Geschichte dieses  Buches ihre  Anfänge und  Grundlage in ihrer eigenen  Biographie.

 

Auf zwei bzw. drei Zeitebenen  erzählt  sie eine Geschichte, in der es geht um Freundschaft, Vaterschaft und vor allen Dingen um das Leben von Künstlern.

 

Wichtiger aber sind die beiden Haupterzählstränge. Der eine, der im Jahr 2007, der Gegenwartsebene des Romans eine spannende und abenteuerliche  Suche des krebskranken Hermann  zusammen  mit Hanna und Lilie  beschreibt, die sie auf der Spur eines verschollenen Bildes nicht nur durch die halbe Welt führt,  sondern sie alle drei auch zum Wesentlichen ihres Lebens bringt und die andere, die den gespannten  Leser immer wieder zwischen 1887 und 1922 das Leben und auch Leiden von Lilie Vorfahren Georgette Agutte  und ihrem Mann,dem sozialistischen Politiker Marcel Sembat.

Insbesondere diese Abschnitte des Buches führen den Leser ein in das Leben und Wirken von vielen Künstlern und Intellektuellen der Pariser  Belle Époque. Anne  Gesthuysen gelingt  es dabei ganz hervorragend,  die bewegte  und tragische  Geschichte einer in Vergessenheit geratenen Künstlerin zu verbinden mit einer langen Reise des Abschieds von Menschen, die mehr füreinander waren als nur Freunde.

Ein berührender und gleichwohl sehr lehrreicher Roman über Kunst, Politik,  Freundschaft und das Glück einen väterlichen Freund zu haben.

 

 

Die Kunst eine glückliche Frau zu sein

 

 

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Katrin Zita,  Die Kunst, eine glückliche Frau zu sein,  Goldene Verlag 2015, ISBN  978-3-902991-75-1

 

Jenseits aller feministischen  Ideologie und völlig unberührt von der unsäglichen Genderdebatte legt Katrin Zita in ihrem neuen  nunmehr dritten Buch nach ihren insbesondere für Frauen gedachten Reiseführern einen Ratgeber vor, der in seiner Praktikabilität und Bodenständigkeit überzeugt und für Frauen aller Altersklassen oder Bildungsschichten wertvolle Anregungen und Mutmacher enthält.

Sie geht den für Frauen durch ihre jeweilige Erziehung bedingten typischen Gefühlen wie schlechtes Gewissen und innere Zerrissenheit nach, fragt nach der Herkunft weiblicher Unsicherheiten  und zeigt auf , wie Frauen diese heutzutage hinter sich lassen können. Dabei ist es völlig gleichgültig  in welcher Lebensform sie leben, ob sie Kinder haben oder nicht.  Wichtig ist, so sagt  sie, dass Frauen diese alten Gefühle hinter sich lassen  und gemeinsam die Wege beschreiten, die ihnen Erfüllung und Glück bringen.

Frech, frei und anders – und das gemeinsam, das ist ihr sympathisches  Credo:

„Ob Mutter oder  kinderlos,  alt oder jung, groß oder klein – wir Frauen  gehen zukünftig  gemeinsam durch durch dick und dünn.  Diese Parole  dürfen wir in unser Herz schreiben und jede sich selbst das Kleid  und Lebenskonzept schneidern, das ihr am besten steht.“

Der Rezensent  ist dabei aus eigener Erfahrung ziemlich sicher, dass die Männer von dieser femininen Selbstbefreiung  aus alten Gefühlskorsetten aus Herkunftsfamilie (Mutter) und Gesellschaft für ihre eigene Entwicklung, die mindestens  genauso  nötig ist, nur profitieren können.

Gott lässt grüßen

 

 

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Andrea Schwarz,  Gott lässt grüßen,  Patmos 2016, ISBN 978-3-8436-0709-4

 

Sie ist eine genaue und sensible Beobachterin ihrer Umwelt und der Menschen, denen sie dort begegnet und der Geschichten, die sie oft  unfreiwillig  erzählen. Andrea Schwarz zählt seit vielen Jahren  schon  zu den am meisten gelesenen christlichen  Schriftstellerinnen.

Wenn man ihr  neues Buch  mit Meditationen  und „Entdeckungen“ sorgfältig liest,  dann bekommt man auch eine Ahnung, warum das so ist. In kleinen Dingen des  Alltags  entdeckt  sie  immer wieder  wichtige Botschaften  Gottes an sie. Botschaften, die ihr etwas vermitteln, etwas  zeigen wollen  von  der Schönheit des Lebens, von ihrem gottebenbildlichen Menschsein, von ihrer Möglichkeit, jeden Tag neu anzufangen mit sich selbst,  mit anderen Menschen  und mit Gott. Gott, den sie leise verkündet als einen Freund und väterlichen  Begleiter,  der seine kleinen, oft unscheinbaren Grüße mitten in unseren Alltag  schickt. Diese Grüße lassen  kurz  innehalten, nachdenken  und eröffnen neue Sichtweisen auf  das eigene Leben. Sie  ermutigen zu Selbsterkenntnis  und zu eigenen Schritten.

Unaufgeregte  Schritte hin zu mehr Freiheit. Freiheit immer verstanden als eine, die aus der Bindung und  Verwurzelung in Gottes Segen und Verheißung sich speist.

Dieser spirituelle Begleiter durch jede Woche des Jahres setzt sich mit vielen wichtigen existenziellen  und spirituellen Themen auseinander und ist ein schönes Geschenk für Menschen, die sich in ihrer Tiefe  ansprechen lassen wollen.

 

 

 

 

 

Wir sehen uns am Ende der Welt

 

 

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Miek Zwamborn, Wir sehen uns am Ende der Welt,  Nagel & Kimche  2015, ISBN  978-3-312-00665-6

 

 

Auf eine ganz ungewöhnliche und literarisch an große  Vorbilder erinnernde Expedition führt die niederländische Schriftstellerin  Miek Zwamborn  ihren zunächst skeptischen  aber dann mit jeder weiteren Seite begeisterten Rezensenten. Das Buch einer persönlichen und wissenschaftlichen Spurensuche  ist dermaßen  dicht und authentisch geschrieben, dass man wohl nicht fehl in der Annahme geht, dass es jenen Freund namens Jens, nach dessen Lebenszeichen sie zunächst sucht, tatsächlich während Miek Zwamborns achtjährigem Aufenthalt im Engadin wirklich gegeben hat.

Die Ich-Erzählerin beginnt ihren Roman mit einem Bericht über eine gemeinsame Expedition mit ihrem Freund Jens in den Bergen. Von ihm erfährt sie von dem bedeutenden Alpengeologen  Albert Heim, von dessen Forschungen  und Entdeckungen Jens ganz  begeistert ist. Dieser

Albert Heim hatte keinen geringeren Anspruch an seine Arbeit, als aus den von ihm erforschten Gesteinsschichten der Alpen die ganze Geschichte  der  Menschheit herauszulesen.

Als Jens irgendwann spurlos verschwunden ist und die Ich-Erzählerin sich auf die Suche nach ihm macht und sie literarisch anspruchsvoll dokumentiert, da liefert sie dem Leser eine so noch nie gelesene Mischung aus autobiographischer Reiseerzählung einer jungen Bergsteigerin und Wissenschaftlerin, aus Forscherbiografie des legendären Alpengeologen Albert Heim und als eine faszinierende Landschaftsbeschreibung der Alpen. Immer auf dem psychologischen Hintergrund einer intensiven Liebesgeschichte zweier Menschen, die die gemeinsame Leidenschaft für die Natur verbindet.
Am beeindruckendsten sind die Landschaftsbeschreibungen und Schilderungen der existenziellen Wanderungen der Protagonistin des Romans, auf der Suche nach ihrem verschwundenen Freund, auf den Spuren Albert Heims und der frühen Alpenentdecker. Dass Zwamborn den Text mit historischen Fotografien anreichert, verstärkt den überwältigenden romantischen Eindruck des Romans, macht die Seelenlandschaft der Berge förmlich spürbar.

„Wir sehen uns am Ende der Welt“ (in der niederländischen Originalversion „De duimsprong“ erschienen 2013) ist viel mehr als nur ein gelungener Alpenroman.

Miek Zwamborn ist ein großes poetisches Werk geglückt, in dem naturwissenschaftliche Fakten und literarische Fiktion auf wunderbare Weise zusammenkommen und Genregrenzen spielerisch außer Kraft gesetzt werden.

Ein außergewöhnlicher Roman, der bei mir jedenfalls  lange  nachgewirkt hat.

 

 

 

Mein großes Bibel-Wimmelbuch

 

 

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Antonie Schneider, Mein großes Bibel-Wimmelbuch,  Coppenrath 2012, ISBN  978-3-8157-2175-9

 

Dieses schöne Bilderbuch ist hervorragend dazu geeignet,  kleinen Kindern die Welt der Bibel in ausgewählten und in verständlicher Sprache gehaltenen Texten sowie mit wunderbaren zum Entdecken einladenden  Wimmelbildern aufzuschließen.

Jeweils drei oder vier  Geschichten aus der Bibel, die inhaltlich zusammengehören werden am rechten Rand  einer ausklappbaren Doppelseite erzählt und links in einer bunten Welt bildlich dargestellt. Die zauberhaften  Wimmelbilder zeigen den  Kindern  die Welt dieser Erzählungen  und laden sie ein, die jeweiligen Einzelgeschichten zu identifizieren:

* Vom Anfang der Welt

* Die Geschichte  von Josef

* Die Geschichte von Mosel

* Von David,  Daniel und Jonas

* Die Geschichte von Jesus

* Das Osterwunder

Ich halte die getroffene Auswahl für gelungen  und kann das Buch für Kinder ab etwa 2 Jahren nur empfehlen.

 

Meine ersten Sachen

 

 

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Helmut  Spanner, Meine ersten Sachen, Ravensburger 2016, ISBN  978-3-473-43502-9

 

Spielsachen und Kleidungsstücke, ein Brötchen und ein Kuscheltier, eine Banane und eine Tasse, ein Xylophon und eine Trommel, ein Schuh und eine Bürste – all diese Gegenstände aus der Erfahrungswelt von ganz kleinen Kindern hat Helmut Spanner  für dieses kleine und handliche Büchlein akkurat gezeichnet,  damit die Kinder auf ihre „ersten Sachen“ deuten können und sie benennen lernen.

Ein schönes und preiswertes Buch für eine Bibliothek,  die im Laufe der Jahre dann wachsen möge, auch  mit den vielen tollen Sach-und Wissenslücken aus Ravensburg.

 

 

Der Glasmurmelsammler

 

 

 

 

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Cecelia Ahern, Der Glasmurmelsammler, Krüger 2015, ISBN 978-3-8105-0152-3

 

In ihrem neuen, wunderbar komponierten Roman  erzählt die  irische  Bestsellerautorin Cecelia Ahern die spannende und berührende  Geschichte  eines Vaters und seiner Tochter. Ein Vater, der sein ganzes Leben lang  ein Doppelleben  führte und eine Tochter, die im Laufe eines einzigen Tages diesem geheimen und ihr bisher  unbekannten  Teil des Lebens ihres geliebten  Vaters  auf die Spur kommt.

Von seiner  späteren  eigenen  Familie  geheim gehalten,  hat sich der  mit sechs Brüdern in   schwierigen Verhältnissen aufgewachsene  Fergus  nicht nur eine  beispiellose  Sammlung  von Glasmurmeln aufgebaut, sondern  auch all die Jahre  mit der Familie  unbekannten Freunden gespielt und ist mit seinem Team  einmal sogar  Weltmeister  geworden.

Nachdem  Fergus  einen Schlaganfall  erlitten hat und in einem Pflegeheim lebt, verlässt ihn seine Erinnerung und er weiß nichts mehr von seiner Sammlung und seinem bisherigen  Leben. Als eine Sendung mit mehreren Kisten  zu Fergus  ins Heim  kommt, wird seine Tochter Sabrina von einer Sekunde  auf die andere  mit seiner ihr bisher unbekannten Vergangenheit  konfrontiert.

Sie nimmt diese Aufgabe  tapfer an, auch deshalb, weil in der ins Heim geschickten Glasmurmelsammlung einige wertvolle Stücke fehlen, wie sie aus der vom Vater  geschriebenen und den Kisten beigefügten  Übersicht  entnimmt. Sie macht sich sofort auf die Suche nach diesen Murmeln und spürt mit jedem Schritt in die unbekannte  Vergangenheit ihres Vaters, wie diese Spurensuche ihr ganzes bisheriges Leben in Frage  zu stellen  beginnt.

Vielleicht ahnt ihr Unbewusstes auch, dass diese Suche nach der Wahrheit ihr eigenes Leben bereichern wird. In wechselnden Kapiteln verfolgt Cecelia Ahern zum einen die atemlose und spannende  Spurensuche Sabrinas, und lässt zum anderen Fergus seine Geschichte erzählen und wie ihn sein Doppelleben über Jahrzehnte  auseinander gerissen  hat.

Wie sie diese beiden Erzählstränge sich ergänzen und aufeinander  zu streben  lässt, ist meisterhaft komponiert. Der Leser fühlt sich mit hinein  genommen in eine leidenschaftliche Suche nach der Wahrheit, die ihn das Buch über weite Strecken nicht mehr aus der Hand legen lässt. Die Suche nach der Wahrheit eines bewegten Lebens, das schlussendlich an sein Ziel kommen darf: eine versöhnte Liebe einer Tochter zu ihrem Vater.

Ein spannender, unterhaltsamer Pageturner, der erzählt von einer seltenen Leidenschaft und einem jahrzehntelangen  Doppelleben.

 

 

 

Das Buch der Trauer

 

 

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Jorge Bucay, Das Buch  der Trauer, Fischer Taschenbuch Verlag 2015, ISBN  978-3-596-19795-8

 

Unser ganzes Leben besteht, wenn man es genau nimmt, aus einem ständigen Prozess des Aufgebens  und  Loslassen.  Kleine und kurze Abschnitte, die oft plötzlich zu  Ende  gehen, Menschen,  die aus dem eigenen Leben wieder verschwinden und  dennoch ihre  Spuren hinterlassen, prägende und liebevolle Beziehungen, die an ihr oft schmerzhaftes Ende kommen.

Und nicht zuletzt der Tod, der oft wie ein Dieb in der Nacht sich in unser Leben schleicht und uns das nimmt,  was uns das Liebste war.

Mit  einer  Vielzahl von  Beispielen  aus seiner  langen  therapeutischen Praxis erzählt Jorge  Bucay sehr feinfühlig und kompetent von diesen unterschiedlichen Verlusten,  die uns treffen können, und versucht immer wieder sehr konkret einen Weg zu weisen, auf dem wir lernend gehen können. Lernend, dass alles, was wir verlieren, uns genauso ausmacht und prägt, wie das, was wir als Glück oder Erfolg erfahren haben. Es kommt darauf an,  sich bei diesen Verlusten dem Schmerz zu stellen, ihn anzunehmen und die Trauer nicht wegzudrücken.

Diese Form der Trauerbewältigung ist nicht nur der beste, sondern auch der einzige Weg, nach einem schweren  Verlust  in das Leben und seinen vollen Beziehungsreichtum  zurückzufinden.

Angemessen  wahrgenommen  und ausreichend  betrauert und  verarbeitet sind Verluste etwas Notwendiges. Sie bereichern unser Leben am Ende und lassen uns wachsen.

Ein Buch, das mir auch schon lange zurückliegende Verluste in einem neuen Licht gezeigt hat.

 

Das Auschwitz-Album

 

 

 

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Israel Gutman, Das Auschwitz-Album, Wallstein 2015. ISBN 978-389244-911-9

 

Das vorliegende Buch ist die zweite überarbeitete Auflage eines von der israelischen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem herausgegebenen Buches, das aus Anlass des 60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 2005 auch in Deutschland im Wallstein Verlag veröffentlicht wurde.

Das Besondere an diesem Buch ist seine Perspektive. Die Bilder zeigen den Blick der Täter auf ihre Opfer und stammen von einem SS-Mitglied, der, ob im Auftrag von oben oder aus eigenem Antrieb, bleibt im Dunklen der Geschichte, im Mai 1994 einen ganzen Tag lang ungarische Juden Fotografierte. Sie waren im Rahmen einer großen Deportation aus Ungarn zusammen mit einem Transport von 3500 Menschen nach Auschwitz gebracht worden.

Sie stammten aus dem Dorf Bilek in den nördlichen Karpaten und der SS-Mann fotografiert sie von der Ankunft bis zur Selektion.

Gefunden und bis in das Jahr 1980 aufbewahrt, wurden diese Fotos in einem Album von der damals 19-jährigen Lili Jacob, wo sie in einer Krankenstation in Auschwitz Dora, wohin sie verlegt worden war, kurz vor der Befreiung des Lagers durch die Amerikaner dieses Fotoalbum findet und sich selbst auf Bildern darauf erkennt. Sie nimmt es mit, und übergibt es im Jahr 1980 der Gedenkstätte Yad Vaschem. Dort wurden dann wissenschaftliche Nachforschungen betrieben, die dazu führten, dass viele auf den Fotos abgebildete Opfer identifiziert werden konnten und damit wenigstens ihren Namen zurückerhielten.

Die erschütternden Fotos zeigen den unmenschlichen Alltag in Auschwitz und führen dem Betrachter vor Augen, welche Verbrechen damals begangen wurden. Nur wenige Fotos aus Auschwitz waren seitdem bekannt.

 

 

 

Der Name Gottes ist Barmherzigkeit

 

 

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Papst Franziskus, Der Name Gottes ist Barmherzigkeit, Kösel 2016, ISBN 978-3-466-37173-0

 

Viel ist über ihn geschrieben worden, seit er überraschend zum neuen Papst gewählt wurde, nachdem Benedikt XVI. als erster Papst der Geschichte aus Altersgründen zurückgetreten war. Unzählige Gläubige, die sich seit langem innerlich von der Kirche und vom Glauben zurückgezogen hatten (nicht nur katholische) begannen (wieder einmal!) neue Hoffnung zu schöpfen, dass eine Erneuerung der Kirche und eine lebensorientierte Auslegung der Bibel und der Traditionen möglich sei, als sie sahen und lasen, was der neue Papst Franziskus aus Argentinien da so alles tat und von sich gab.

Mindestens genauso viel Widerstand wurde ihm entgegengebracht, nicht nur in der Kurie selbst, sondern überall in den nationalen Kirchen und ihren konservativen Kreisen. In meinem Wohnort gibt es Katholiken, die hinter vorgehaltener Hand ernsthaft behaupten, mit Franziskus habe Gott der Kirche eine Prüfung geschickt, und ihn mit dem Teufel in Verbindung bringen.

Auf einem ganz anderen Niveau, dennoch aber vernichtend hat gerade der Kirchenkritiker Hubertus Mynarek in einer „kritischen Biographie“ (Tectum-Verlag) den Stab über Franziskus gebrochen und polemisch von einer jesuitischen „Usurpation des Papstamtes“ gesprochen.

Mit dem vorliegenden Buch, einem Interview, das Andrea Tornielli mit dem Papst geführt hat und das gleichzeitig in 82 Ländern erscheint, haben nun einfache Menschen und Christen, die Gelegenheit, an zentralen Fragen des Glaubens und der Weltverantwortung der Kirche die Theologie von Franziskus kennenzulernen und zu würdigen, die er selbst mit dem Diktum überschreibt: „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“.

Der Satz, der mich am meisten berührt hat, spricht eine so ganz andere Sprache, als die bisherige katholische Tradition:

„Die Kirche ist nicht auf der Welt um zu verurteilen, sondern um den Weg zu bereiten für die ursprüngliche Liebe, die die Barmherzigkeit Gottes ist. Damit dies geschehen kann, müssen wir hinausgehen auf die Straße. Hinaus aus den Kirchen und Pfarrhäusern, um den Menschen dort zu begegnen, wo sie leben, wo sie leiden, wo sie hoffen.“

Ja. Es ist zu hoffen, dass diesem Papst noch lange Zeit und Kraft geschenkt ist, dass diese neuen Ideen auch wurzeln können in einer spirituellen Landschaft nicht nur der katholischen Kirche, in der immer mehr Menschen nicht mehr wohnen wollten, weil sie sich dort nicht mehr heimisch fühlten mit ihren Fragen und Sorgen.