Familie Maus sagt Gute Nacht

 

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Kazuo Iwamura, Familie Maus sagt Gute Nacht, Nord Süd 2015, ISBN 978-3-314-10299-8

 

Mit zauberhaften Bildern schildert der japanische Autor Kazua Iwamura eine lustige Mausfamilie bestehend aus Mama Maus, Papa Maus, Oma Maus, Opa Maus und insgesamt 10 Mäusegeschwistern. Hana Christen hat sie aus dem Japanischen übersetzt und Rose Pflock hat daraus wunderschöne Verse gedichtet, die das Vorlesen dieses Buches und das Betrachten der zauberhaften Bildern zu einem sprachlichen und phonetischen Erlebnis machen können.

 

Das Buch erzählt, wie der Tag der Familie Maus endet, nachdem die Tagesarbeit getan ist: „Es freut sich die Familie Maus auf Abendbrot und Badehaus.“
Nachdem alle ordentlich gewaschen sind, sitzen sie an einem großen Tisch: „Mama teilt die Suppe aus und dann schmeckt`s Familie Maus.“ Und dann der vielleicht wichtigste Teil des Abends: „Satt und gemütlich in der Runde erzählen sie zur Abendstunde, wie jeder heut den Tag verbracht, nachdem er morgens aufgewacht.“

Nach dem obligatorischen Zähneputzen wandern die zehn Mäusekinder in ihre Betten, und Oma singt noch ein Schlaflied, bei dem sie einer nach dem anderen wegschlummern.

„Dann ist es mäuschenstill im Haus,

denn friedlich schläft Familie Maus.“

Ein wunderschönes Bilderbuch, das den Kindern zeigt, dass auch andere ihre Abendrituale haben und wertschätzen

Unterwegs mein Schatz

 

 

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Willy Puchner, Unterwegs, mein Schatz, Nilpferd 2015, ISBN 0978-3-7074-5100-9

 

Eine ganz besondere und eigentümliche Bilderbuchgeschichte hat Willy Puchner hier entworfen. Einem nicht näher benannten Schatz (wohl einem Kind) schreibt er handgeschriebene Briefe. „Ein Brief ist wie ein kleines Universum, wie eine eigene kleine Welt.“

Er schreibt aus einem wunderbaren Land der Phantasie, in dem er sich ausmalt, was er will: Er geht als Wellensittich durchs Dorf, setzt eine Flaschenpost ins Meer, besucht das Buchstabenfest und blickt einer Katze in die Augen.

Jede Seite dieses ungewöhnlichen Buches gewährt Einblick in eine ungeahnte Sehnsuchtswelt, jedes Umblättern beglückt mit Poesie, Witz und unglaublichen Ideen. Es ist eine wundervolle Verbindung von Wirklichkeit und von Träumen. Die farbenfrohen Illustrationen sind genau wie die einzelnen Briefe jede für sich einzelne kleine Kunstwerke.

 

Voller Phantasie lädt das Buch Kinder geradezu ein, selbst ihre Phantasie und Kreativität zu entdecken.

Skip

 

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Katharina Hacker, Skip, S. Fischer 2015, ISBN 978-3-10030065-2

 

Im Jahr 2006 gewann sie mit ihrem Buch „Die Habenichtse“ den Deutschen Buchpreis. Nun legt Katharina Hacker, die von 1990 bis 1996 in Israel gelebt hat, einen neue Roman vor mit dem Titel „Skip“. Skip ist der Nickname des israelischen Architekten Jonathan Landau, ein Mann mit europäischen Wurzeln in der Mitte seines Lebens. Er, der sich bisher als einen soliden Zeitgenossen gesehen hatte, ein Architekt der das Sichtbare mag („Mein Leben besteht aus Zimmern, aus Mauern, Wänden, Fußböden, Türen. Aus Sachen, die ich anfasse und die ich genau kenne“.), ist plötzlich mit Dingen konfrontiert, die nur er wahrnimmt und über die er mit keinem Menschen sprechen kann. Mit einem übersinnlichen Phänomen einer inneren Stimme, die ihn mehrmals innerhalb mehrerer Jahre an Orte ruft, an denen wenig später eine Katastrophe geschieht: ein Zugunglück in Paris, ein Flugzeugabsturz in Amsterdam, ein Attentat auf ein Hotel in Ägyptens Hauptstadt. An jedem der Orte gibt es viele Opfer, darunter stets ein Mensch, dem Skip sich besonders verbunden fühlt. Seiner Seele leistet er solange Gesellschaft, bis sie sich daran gewöhnt hat, tot zu sein.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich Menschen, die mit einem Bein im Grab stehen, Hilfe suchend an Skip wenden. Denn Skip steht mit nur einem Bein im Leben. „Vor allem bin ich nicht“, sagt er. Kein richtiger Architekt, weil er keine neuen Häuser entwirft, sondern nur alte Häuser umbaut. Kein richtiger Jude, weil seine Mutter keine Jüdin war. Kein richtiger Mann, weil er unfruchtbar zu sein scheint. Die beiden Söhne, die er mit seiner Frau Shira in Israel großzieht, hat wohl ein anderer Mann gezeugt – mit Skips Einverständnis. Der Gedanke daran quält ihn jahrelang.

Skip steckt in einer veritablen Identitätskrise. Dazu gehört, dass er sich immer weiter von seiner Frau entfernt. So nahe ihm die fremden Sterbenden kommen, so hypersensibel er auf ihr Leiden reagiert, so distanziert geht er mit ihr um, als sie unheilbar an Krebs erkrankt. Er spricht kaum mit ihr, nicht über ihre Krankheit und nicht über den Tod. Während sie stirbt, hat er sogar noch eine Affäre.

Immer wieder beschreibt Katharina Hacker historische Ereignisse, die in den neunziger Jahre (als sie selbst dort lebte) den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern geprägt haben. Attentate und immer wieder Tote. Der Tod ist in Israel bis auf den heutigen Tag nie abstrakt. Immer wieder denkt Skip über den Tod und seien mystischen Erlebnisse nach, doch mehr noch quält seine Gedanken das Leben: „Ich denke über den Tod nach, um über das Leben nachzudenken“, weil es mir noch schwieriger erscheint, über das Leben nachzudenken“.

„Wir wollen unser Leben, unsere Geschichte wie ein Haus“, sagt der Architekt Skip. „Von Zimmer zu Zimmer wollen wir gehen und begreifen, wo die Türen sind, aus den Fenstern wollen wir hinausschauen, um zu sehen, in welcher Stadt das Haus ist und wer vorübergeht“.

Doch während er durchaus erfolgreich, zuerst in Tel Aviv, später dann in Berlin, Häuser und Wohnungen baut und umbaut, bekommt er die Statik seines eigenen Lebens nicht recht in den Griff. Er ist sich selbst abhandengekommen.

„Vielleicht versucht man mit jedem Erzählen überhaupt herauszufinden, was der innere Zusammenhang von Dingen ist“, sagt er. Es ist ein Versuch, der scheitert.

Mit einem Stil, der dem Leser allerhöchste Konzentration abfordert, dringt Katharina Hacker mitten in den Kern Israels vor. Sie verbindet eine persönliche Geschichte mit selbst erlebter Zeitgeschichte der neunziger Jahre, und ist dennoch aktuell. Denn es hat sich nicht viel verändert in diesem Land. Zusammen mit Sheruya Shalevs „Schmerz“ ist „Skip“ das Buch in diesem Herbst, das die mörderische Gegenwart Israels spiegelt und wie sie den Menschen zu schaffen macht.

„Skip“ ist auch meines Wissens der erste Roman einer deutschen Schriftstellerin, der in Israel spielt. Wenn man das Buch lesen würde, ohne die Autorin zu kennen, würde man sicher sein, der Roman stammte von einem israelischen Autor oder Autorin.

Ein wichtiges Buch von hoher literarischer Qualität.

 

 

Mythos Überforderung

 

 

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Michael Winterhoff, Mythos Überforderung, Gütersloher Verlagshaus 2015, ISBN 978-3-579-06620-2

 

Die Rede von der persönlichen Überforderung in Beruf und Alltag ist überall laut zu vernehmen. Immer mehr Burn-Out in der Arbeitswelt, schlechte Leistungen und Schulprobleme bei Schülern, immer mehr Beziehungen, die scheitern – alles wird von den Betroffenen und von der Gesellschaft in der sie leben zurückgeführt auf die immer weiter Steigenden Überforderung der Individuen. Die fühlen sich ausgebrannt, erschöpft und leer. Der Druck, ständig erreichbar bzw. online zu sein, neuen Medien, immer mehr Termine und eine wachsende Flut von Informationen, die auf uns einprasseln, machen viele Menschen regelrecht fertig. Es reduziert die Lebensqualität und mit dem steigenden Tempo unserer Umgebung und offenbar immer neuen Krisen, die unser Leben möglicherweise bedrohen, wächst eine diffuse Angst und bestimmt den Alltag.

Das Ergebnis der Analyse von Winterhoff: Die Welt ist härter geworden, doch wir Menschen schwächer. Viele Erwachsene resignieren heute in unserer Gesellschaft, sie vermeiden regelrecht, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Immer mehr Menschen sehen sich in einer Opferrolle und geben jede Verantwortung ab, flüchten sich in Erschöpfung, Krankheit und Burn-out. Winterhoff nennt das den Überforderungs-Mythos, der nicht wahrer werde, wenn er von den Medien immer wieder beschworen wird. Dieser Mythos sei grundfalsch und lenkt uns vom Eigentlichen ab, sagt er. „Das Problem sind nicht die anderen – das Problem liegt in uns selbst.“

Der verhängnisvolle Mechanismus dieser Opferrolle wird entlarvt. Erwachsen werden, Verantwortung für sich selbst und das eigene Leben übernehmen, sich nicht mehr als notwendig fremdbestimmen lassen und endlich wieder eigene Entscheidungen treffen, darum geht es.

Vom Opfer der Verhältnisse zur erwachsenen Persönlichkeit, das ist der Weg den Winterhoff an vielen Beispielen aufzeigt. Ich bin sicher, dass sich jeder Leser an der einen oder anderen Stelle wieder erkennt und für sich und seinen Alltag das eine oder andere Positive aus diesem Buch mitnehmen kann.

Winterhoff jedenfalls ist optimistisch: Ich bin aber überzeugt, dass es nur noch wenige Jahre dauern wird, bis wir aus dieser Sackgasse herausgefunden haben. Wir werden lernen, die digitale Revolution zu beherrschen. Wir werden lernen, für uns selbst zu sorgen. Denn wir Menschen verfügen über eine Fähigkeit, die uns zum großen Teil ausmacht und die uns hunderttausend Jahre lang überdauern ließ: Wir können uns auf neue Bedingungen einstellen – und das schon ab morgen.“

 

 

Die Sprache der Vögel

 

 

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Norbert Scheuer, Die Sprache der Vögel, C.H. Beck 2015, ISBN 978-3-406-67745-8

 

Der Sanitätsobergefreite Paul Arimond kommt 2003 zu einem Einsatz in Afghanistan, in ein Land, das auch schon sein Vorfahr Ambrosius einst, auf der Suche nach der Universalsprache der Vögel, einst bereist hatte. Auch Paul liebt es, Vögel zu beobachten und Aufzeichnungen über sie zu machen. Paul hat von zu Hause einen Packen Schuldgefühle mitgenommen, die ihn plagen, weil er einen Autounfall mit verursacht hat.

Norbert Scheuer versieht Pauls Tagebuchnotizen mit Erinnerungsgeschichten und Geschehnissen aus der Heimat in der Eifel. Seine Beobachtungen bei der Vogelschau sind so scharf justiert wie das Fernglas von seinem Vater, das er dabei benutzt.

Ob Paul seine Schuld in dem Land der Vögel mit dem einzigartig blauen Himmel abladen kann?

Scheuers neues Buch besticht durch eine schlichte Sprache. Im Laufe der Tagebuchnotizen und eingestreuten Rückbesinnungen baut sich ein Spannungsfaden der Lebensgeschichte des Soldaten Paul auf, der den Leser mit seiner Poesie und seiner tragischen Schwere immer weiter lesen und das Buch kaum aus der Hand legen lässt.

Aus der Flucht vor einer persönlichen Last und Schuld in die Freiheit, die Paul bei der Vogelobservation erlebt, wird ein emotionaler Kriegsbericht vom Hindukusch, der in seltsamer Weise über dem Leben zu schweben scheint. Norbert Scheuers „Die Sprache der Vögel“ wirkt wie eine Passionsgeschichte, die noch lange, nachdem man das Buch aus der Hand gelegt hat, nachklingt in der Seele.

 

Die Karmann-Story

 

 

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Bernd Wiersch, Die Karmann – Story. Haute Couture aus Osnabrück, Delius Klasing 2015, ISBN 978-3-667-10330-7

 

Wie der Autor bereits im Vorwort erwähnt, stand ihm das Unternehmensarchiv nicht zur Verfügung. Um so mehr ist anzuerkennen, wieviel historisches Material und Fakten Bernd Wiersch, ein profunder VW-Kenner, zusammentragen konnte. Wer allerdings eine Aufstellung aller jemals von Karmann gebauten Fahrzeuge und Prototypen in Form eines Catalogue Raisonée erwartet, wird enttäuscht sein. Hauptziel des Buches ist die Darstellung der über 100-jährigen Geschichte des Hauses.

Entsprechend beginnt das Werk mit dem Lebensweg des Gründers Wilhelm Karmann senior (1871-1952), der bereits 1901 eine Wagenbaufabrik übernahm und damit selbständig wurde. Hauptgeschäftszweig war der Kutschenbau, aber bereits 1902 entstand die erste Automobilkarosse auf einem Dürkopp-Fahrgestell. Es ging schnell aufwärts, selbst die Folgen des Ersten Weltkriegs wurden durch geschickte Produktwahl wie Handwagen, Pferdekarren und ähnliches überbrückt. In den zwanziger Jahren reiste Wilhelm Karmann in die USA. Die dort aufgenommenen Impulse führten zu einer starken Modernisierung seiner Werke. In den dreißiger Jahren prägte die Zusammenarbeit mit Adler in Frankfurt die Produktion, außerdem übernahm der Sohn Wilhelm Karmann junior zunehmend Verantwortung im Unternehmen.

Auch von Hanomag und Ford konnte man Aufträge bekommen. Leider zerstörte der Zweite Weltkrieg und seine Folgen erst einmal jegliche Hoffnung. Aber man gab nicht auf, kam über Ford zu einer Verbindung mit dem Volkswagenwerk und damit zu einem großen Auftragsvolumen über viele Jahre. Käfer Cabrio, Karmann Ghia, Golf Cabrio, Scirocco und Corrado wurden in erheblichen Stückzahlen produziert.

Aber auch für die Auto Union, Porsche, BMW, Mercedes und Opel, um nur einige zu nennen, fertigte man Karosserien und ganze Autos. Weitere Standbeine waren die Werkzeugfertigung, die Konstruktion von Cabrioverdecken, Wohnmobile und der Prototypenbau. So war man eigentlich bestens aufgestellt, zusätzlich existierten noch Betriebe im Ausland, Karmann do Brasil wurde bereits 1960 gegründet, in den 90ern und später kamen noch Werke in den USA, Mexiko, Portugal und Polen aufgebaut. Das 100-jährige Jubiläum feierte man 2001, die Zeichen standen noch voll auf Erfolg. Hauptaufträge waren zu dieser Zeit das Mercedes SLK Cabrio, das Audi Cabrio und das Renault Mégane Cabrio. Leider war man nicht erfolgreich beim Akquirieren von Neuaufträgen, die Produktion sank dramatisch, was im April 2009 zum Insolvenzverfahren führte. Verhandlungen mit VW führten im November des gleichen Jahres zur Gründung der Volkswagen Osnabrück GmbH, so dass immerhin rund 2.000 Mitarbeiter im neuen Unternehmen Beschäftigung fanden, wenn auch zu schlechteren Bedingungen.

Bernd Wiersch hat diese Geschichte gut nachrecherchiert und das Buch lässt sich flüssig lesen. Statt streng chronologisch vorzugehen, wird in manchen Kapiteln das Geschehen parallel nach Themen dokumentiert, so zum Beispiel die Zusammenarbeit mit verschiedenen Automarken. Auch der zeitliche und wirtschaftliche Kontext wird gut erklärt.

 

 

 

 

 

 

Die schönsten Hüttentouren für Mountainbiker

 

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Armin Herb, Die schönsten Hüttentouren für Mountainbiker, Delius Klasing 2015, ISBN 978-3-667-10140-2

 

Für eine Alpenüberquerung oder ein ganze Woche Bikeurlaub benötigt man viel Zeit und Organisation. Auf Tagestouren sitzt man allerdings oft mittags auf einer schönen Hütte und würde gerne bleiben. Zwei Tage Zeit allerdings etwa über ein Wochenende finden sich immer und mit einer Hüttenübernachtung kann man den Alltag schon weit hinter sich lassen. Wenn die meisten Biker und Wanderer von ihrer Eintagestour schon wieder im Tal sind, wird es auf der Hütte erst richtig urig und gemütlich, vor allem, wenn man unter der Woche auf Tour geht.

Die Tourenauswahl in diesem Buch ist besonders Die Hütte sollte eine besonders schöne Lage haben, die Route zudem interessant sein. Auch die Strecke sollte vernünftig fahrbar sein (auch für Normalbiker) und die Höhenmeter und Kilometer sollten gut verteilt sein. Die Touren sind hervorragend beschrieben und die vielen Bilder der wunderbaren Natur, durch die die Touren führen, tun ihr Übriges , um jedem Biker so richtig Lust auf eine oder mehrere solcher Touren zu machen.

Und was die Hütten betrifft: Die Zeiten, als auf Hütten nur Erbsensuppe und Dosenwürstchen die Speisekarte bestimmten, gehören längst der Vergangenheit an. Initiativen der Alpenvereine wie “So schmecken die Berge“ bewirken, dass das Essen auf Berghütten heute oft besser schmeckt als in vielen Gasthäusern im Tal. Was den Schlaf im Gebirge betrifft, so finden mittlerweile selbst Empfindliche, die im Matratzenlager kein Auge zubekommen, eine gute Lösung. Viele Alpenvereinshütten und private Berghäuser bieten auch Zwei- und Drei-Bett-Zimmer an. Mit diesen beiden Argumenten – mehr Komfort und gute regionale Küche – überzeigt das Buch auch alte Hüttenmuffel.

Bald ist Weihnachten. Hier haben Sie ein ideales Geschenk für Ihren Bikerfreund.

 

Zwölf Leben

 

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Ayana Mathis, Zwölf Leben, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14436-0

 

Von der amerikanischen Kritik schon mit der ersten schwarzen Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison verglichen, ist das Romandebüt von Ayana Mathis tatsächlich ein erstaunlich reifes und tiefes Buch.

Es erzählt in einzelnen Geschichten von der Afroamerikanerin Hattie und ihren elf Kindern. Jeder dieser zwölf Personen hat sie ein Kapitel gewidmet, die in einem Zeitrahmen zwischen 1925 und 1980 angesiedelt sind. Immer mehr, je weiter die Erzählungen schreiten, ergibt sich ein Bild einer Familie, ihren verschiedenen Charakteren und der Entwicklung der einzelnen Personen in einer Gesellschaft, die den Afroamerikanern ihre Rechte verweigert und durchsetzt ist von verdecktem und offenem Rassismus.

Erschütternd sind sie oft, die Schicksale der einzelnen Personen und lassen den Leser mehr als einmal regelrecht sprachlos zurück. In einer verzaubernden und mitreißenden Handlung wird mit einer poetischen und an Bildern reichen Sprache erzählt von Hoffnung und Liebe und von Schuld und Vergebung.

Mit großer Spannung dürfen die Leser in den USA und dann auch in Deutschland ihr zweites Buch erwarten, von dem zur Zeit nicht bekannt ist, wann es erscheinen wird. Dann wird sich auch zeigen, ob die schnellen Vergleiche mit Toni Morrison standhalten.

Melodie d`amour

 

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Margriet de Moor, Melodie d`amour, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14440-7

 

In vier in einem inneren Zusammenhang stehenden, doch jede für sich abgeschlossenen Geschichten erzählt die große niederländische Schriftstellerin Margriet de Moor von dem Gefühl, das wir Liebe nennen und seinen unzähligen Spielarten.

Die Protagonisten, die sie erfunden hat dafür, sind keine besonderen Figuren, sondern eher Menschen wie du und ich. Schon in ihrem Romandebüt „Erst grau dann weiß dann blau“ hatte Margriet de Moor 1991 die jetzige Form mit vier Kapiteln aus vier Perspektiven genutzt, zu dem sie nun zurückkehrt.

In allen vier Teilen dieses sprachlich vorzüglichen Romans geht es um ein zentrales Unterthema, das Verschweigen. Die Verschwiegenheit ihrer Protagonisten und seine kurz- und langfristigen Folgen sind typisch für Margriet de Moors Stil und Erzählhaltung. Sie braucht keine psychologischen Erkenntnisse und Interpretationen um die Macht und die Skurrilitäten der Liebe zu erklären.

Immer wieder respektiert sie die Liebe als ein letzten Endes unergründliches Gefühl, das nicht rational erklärt werden kann. Deshalb urteilt sie auch nicht über ihre Figuren, sondern schildert deren Gefühle und Handlungen mit einem aus Sympathie geborenen Abstand. In vielfältigen Wendungen und Schleifen, in denen es geht um Leidenschaft und Verrat, beschreibt sie sowohl erfüllte als auch zerstörende Varianten der Liebe zwischen Frauen und Männern. Sie zeigt, wozu die Liebe fähig ist, und was sie aus früher besonnenen Menschen machen kann.

Eine schöne, angenehme und sprachlich anspruchsvolle Lektüre.

Der Geschmack der Sehnsucht

 

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Kim Thuy, Der Geschmack der Sehnsucht, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14446-9

 

In ihrem ersten 2010 in Deutschland erschienenen epigrammatischen Buch „Der Klang der Fremde“ schreibt die in Vietnam geborene und als Zehnjährige mit ihren Eltern in den Westen geflohene Kim Thuy, die nun mit ihrem Mann und zwei Kindern in Montreal lebt:
„Man glaubt immer, das Leben von Einwanderern sei nur schwer. Und vergisst dabei, dass ihre Erfahrungen auch wunderbare, lustige, bewegende und oft ganz absurde Momente einschließen“.

Dieses kleine Erstlingswerk war ein bewegendes und eindrückliches Buch, durchzogen von einer tiefen Dankbarkeit an das Leben, das es bei allem Leid und allem erlebten Schrecklichen doch gut mit ihr gemeint hat.

Diese Haltung und diese Stimmung durchziehen auch ihren neuen hier vorliegenden Exilroman „Der Geschmack der Sehnsucht“. Er erzählt in kurzen Geschichten und Epigrammen die Geschichte eines jungen Mädchens, das in den Wirren des vietnamesischen Bürgerkriegs verloren geht und von einer „Mutter“ an die nächste gegeben wird. Erst die dritte Frau, die sich um das Mädchen kümmert, trifft eine Entscheidung. Um ihr eine gute Zukunft zu sichern, wie sie glaubt, arrangiert sie eine Ehe mit einem älteren Vietnamesen, der vor langer Zeit schon nach Kanada ausgewandert ist und der dort eine Suppenküche betreibt.

Es ist ein zunächst sehr ungleiches Paar, das nun ein Zusammenleben versucht. Die junge Frau, die in der ersten Zeit die Suppenküche nicht verlässt und permanent arbeitet, erinnert sich an den „Geschmack der Sehnsucht“, an die Kunst des Kochens, das Alphabet der Gewürze und ihre Sprache, und an die unzählige Kräuter und Ingredienzen, von denen jede einzelne eine Bedeutung hat und eine Geschichte erzählen kann. All das hat ihre leibliche Mutter sie einst gelehrt. Das, was sie zunächst vor den mehr und mehr begeisterten Kunden noch verborgen da kocht und zusammenmischt, spricht sich herum, so gut schmeckt und bekommt es. Das Ehepaar wird bekannt und die Leute rennen ihnen den Laden ein. Mit ihrem Erfolg, und das ist der Kern des Buches, entdeckt die junge Frau sich selbst, und findet eine eigene Sprache, in der sie endlich auch Wünsche und Sehnsüchte formulieren kann und darf. Und dann schreibt sie so wunderbar poetische Sätze wie den über das Glück (hanh phuc) und seine Farbe Rot:
„Aus Aberglauben muss jedes Geschenk in dieser Glücksfarbe verpackt sein, denn Eheleute brauchen sehr viel Glück, um jene Balance zu finden, die es zwei Menschen ermöglicht, ein einziges Leben zu schaffen, das wiederum andere Leben tragen muss.“

Und genau das begegnet ihr eines Tages selbst. Sie entdeckt überraschend eine starke Liebe, die ihr ungeahnte Möglichkeiten neuen Lebens aufzeigt.

Ein wunderbar poetisches Buch über die Kraft der Sehnsucht und der Liebe, und wie sie über ungeahnte Weiten und Hürden tragen kann, auch in einem neuen Leben in der Fremde.