Das Meer in deinem Namen

 

 

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Patricia  Koelle,  Das Meer in deinem Namen,  Fischer Taschenbuch Verlag 2015, ISBN  978-3-596-03188-7

 

Dieses Buch ist der erste Teil der „Ostseetrilogie“ von Patricia Koelle.  Darin wird erzählt,  wie die in Berlin  lebende Carly innerhalb von vier Wochen ein geerbtes altes Reetdachhaus in dem Künstlerdorf Ahrenshoop an der Ostsee für einen Verkauf vorbereiten soll. Vielleicht, so hofft sie, kann sie in dieser Zeit nach einer unglücklichen Beziehung, nicht nur den Nachlass ihrer Tante Henny  ordnen,  sondern auch ihr  eigenes  etwas durcheinander geratenes Leben.

In zwei Erzählebenen gelingt es Patricia Koelle auf  der einen  Seite,  das Leben und die  Konflikte der jungen Carly zu beschreiben,  einer sympathischen  Frau, die ihren Platz  in ihrem  Leben  noch nicht gefunden hat und auf der anderen Seite das interessante und abwechslungsreiche Künstlerleben, das ihr aus Hennys Nachlass entgegenblickt. Eine warmherzige Künstlerin begegnet ihr da und ein zauberhafter  Ort, von dem Carly  mit jedem Tag ihres Aufenthaltes  in Ahrenshoop mehr angezogen  ist.

Und es stellt sich nach vielen unterhaltsamen Seiten  heraus, dass die beiden Frauen  mehr gemeinsam haben,  als zunächst  angenommen…..

Man darf auf die beiden anderen Teile der Romantrilogie  gespannt sein.

 

Das Aha-Erlebnis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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John Kounos,  Mark Beeman,  Das Aha-Erlebnis, DVA  2015, ISBN  978-3-421-04701-4

Die beiden Autoren des hier  anzuzeigenden von Nele  Junghanns  ins Deutsche übersetzten Sachbuches, John  Kounos und  Mark  Beeman gehören in den  USA zu den führenden Neurowissenschaftlern. In ihrem Buch „Das Aha-Erlebnis“ gehen sie der Frage nach,  „wie plötzliche Einsichten entstehen  und wie wir sie erfolgreich nutzen“.

Viele Menschen, nicht nur die mit den herausragenden  Geistesblitzen und Entdeckungen wissenschaftlicher oder künstlerischer Art, haben diese Erfahrung schon gemacht, dass sie, oft nach langem vergeblichen Nachdenken  über eine Sache oder ein zu  lösendes  Problem, eine urplötzliche  Einsicht  hatten,  an die  sie  vorher nie zu denken gewagt hätten. Ich bin sicher, dass es  in jedem Leben eine ganze Menge solcher  kreativer Momente gibt oder gegeben  hat, die von dem jeweiligen  Menschen aber entweder  gering geschätzt wurden oder aus Angst  vor den Folgen nicht umgesetzt worden sind. Wie viel reicher, wie viel erfüllter  könnte das Leben und der Alltag vieler Menschen sein,  hätten sie ihren Aha-Erlebnissen  mehr getraut  und sie ernst genommen.

Die Autoren  zeigen in einer auch für den wissenschaftlichen Laien verständlichen Sprache,  was bei solchen kreativen Prozessen  im Gehirn geschieht und beschreiben, wie jeder von uns diese Fähigkeit auch in kleinen Dingen  entdecken und für sich und andere sinnvoll  und erfüllend nutzen kann.

Viele Beispiele machen das Buch nicht nur zu einer lehrreichen, sondern auch zu einer regelrecht unterhaltsamen  Lektüre.

Das Jahrhundert verstehen

 

 

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Dan Diner,  Das Jahrhundert verstehen. 1917-1989, Pantheon 2015, ISBN  978-3-570-55274-2

 

Die Welt und das was in ihr vorgeht, ist auch für den gut informierten und kritischen Zeitgenossen immer schwieriger zu verstehen. Zu komplex und zu widersprüchlich erscheinen dem Beobachter die gegenwärtigen Entwicklungen und Brüche nicht nur in bisher weit entfernt scheinenden Teilen der Welt, sondern gerade in den ersten 15 Jahren des neuen Jahrhunderts zunehmend sozusagen vor unserer Haustür.

Die Geschichtswissenschaft  hat die Aufgabe, aus der Analyse  der Vergangenheit  Hinweise und Aufschlüsse zu geben über wahrscheinliche Zukunftsperspektiven. So hat auch einer der profiliertesten Historiker deutscher Sprache, der in Jerusalem lehrende und bis 2014 als Direktor  des Instituts  für jüdische Geschichte  an der Universität Leipzig fungierende Dan Diner, dem der Rezensent in den siebziger Jahren durch viele Aufsätze in der Zeitschrift  „links“ viel für sein politisches Leben verdankt, im Jahr 1999 ein umfangreiches Buch veröffentlicht,  mit dem er das 20. Jahrhundert  verständlich machen wollte. Es versuchte sich der 1989/90 abgebrochenen Gegenwart mittels eines  in weiter zurückliegende Vergangenheit  gerichteten  Blickes  zu versichern.

Nun legt er eine Neuauflage vor und schreibt dazu: „Die gegenwärtige  Entwicklung scheint ihm und dem damals  diagnostizierten Paradigmenwechsel  der historischen  Wahrnehmung  Recht zu geben: Der Blick in die Vergangenheit,  vornehmlich ins 19. Jahrhundert,  bietet auch den Zeitgenossen des fortschreitenden 21. Jahrhunderts so manche Orientierungshilfe  in Gegenwart und naher  Zukunft.“

Doch die Aussichten sind nicht rosig. Spricht Diner im aktuellen  Nachwort zur Neuauflage noch von der Wahl zwischen tieferer Integration  und dramatischer Desintegration insbesondere Europas,  lassen die Nachrichten und Entwicklungen der letzten Monate und Wochen keinen anderen Schluss  zu, als dass wir  vor dramatischen Veränderungen stehen, und die Menschen auf ihre Folgen überhaupt nicht vorbereitet scheinen. Es ist auch fraglich, ob die Politik  diesen Veränderungen  gewachsen ist.

Systematische und kritische Analyse ist vielleicht wichtiger als je zuvor. Dafür ist dieses nach wie vor aktuelle Buch ein hervorragendes  Beispiel.

 

Bedeutende Briefe

 

 

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Felicia Englmann (Hg.), Bedeutende  Briefe,  mvg 2016,ISBN  978-3-86882-627-2

 

Es scheint so zu sein, dass mit der abnehmenden und bald in Vergessenheit geratenen  Praxis des eigenhändigen Verfassens  und Versendens von persönlichen Briefen in Zeiten von SMS und WhatsApp das kulturelle und wissenschaftliche Interesse an historischen und zeitgenössischen Briefzeugnissen zunimmt. Helmut Karasek hat in den Jahren vor seinem Tod über ein halbes Dutzend Bände mit historischen Briefen  kommentiert herausgegeben und damit nicht wenig Erfolg gehabt.

Nun legt die in München lebende  Kulturhistorikerin Felicia Englmann im mvg Verlag einen schönen mit vielen Faksimiles versehenen Band vor mit „Bedeutenden Briefen“. Da finden sich aus verschiedenen Zeitaltern Briefe von wichtigen und berühmten Persönlichkeiten,  aber auch Briefzeugnisse von ganz gewöhnlichen Menschen, die sich geäußert haben zu etwas, was sie bewegt hat. Indem sie beschreiben,  was ihnen wichtig war, haben sie nicht selten das   jeweilige Weltgeschehen  widergespiegelt. Manche Briefe sind von herausragender Bedeutung für ihre Zeit und Umwelt gewesen, andere enthalten scheinbar nur Banales uns Belangloses.

Einzigartige Erlebnisse haben dennoch jedes ihre eigene Geschichte. In Zeiten großer  Umbrüche oder Krisen, wie etwa im Krieg, stehen sie jedoch für das Schicksal von vielen und weisen in ihrer Aussage und Botschaft weit über sich selbst hinaus. Sie stehen für das  Schicksal von Vielen,  die Ähnliches  erlebt haben.

Alle miteinander sind diese chronologisch  angeordneten Briefe wichtige Spiegelungen  deutscher Geschichte.

 

Zwei Herren am Strand

 

 

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Michael Köhlmeier, Zwei Herren am Strand, DTV 2016, ISBN 978-3-423-14468-1

 

„Mein Vater war als Kind Chaplin und Churchill begegnet, beiden in unserer kleinen Stadt, beiden zur gleichen Zeit; sie waren auf ihn aufmerksam geworden, hatten sich mit ihm abgegeben und hatten ihn gelobt.“

Sein ganzes Leben lang wird der Vater von Michael Köhlmeier sein Interesse und seine Begeisterung für Winston Churchill nicht verlieren. Er wird Englisch lernen um Churchills Biografie des 1. Duke of Marlborough zu lesen, für die dieser den Nobelpries für Literatur erhielt.
Und irgendwann wird er, früh verwitwet, eine eigene Biographie über Winston Churchill zu schreiben beginnen. Als Köhlmeiers Vater 1974 an einem Symposion zum 100 Geburtstag Churchill teilnimmt, lernt er William Knott kennen – „The very private Private Secretary to a very prime Prime Minister“- und beginnt in der Folge mit Knott eine zehn Jahre anhaltende Brieffreundschaft, die bis zum Tod Knotts hielt und insgesamt über 1000 Seiten umfasst.

Selbst lange Jahre als Clown neben seinem früheren Hauptberuf als Lehrer in einem Gymnasium insbesondere an Wochenenden tätig, entwickelte Michael Köhlmeier ein intensives Interesse an der Person und der Arbeit Charlie Chaplins und durch die Arbeit seines Vaters auch an dessen ungewöhnlicher Freundschaft zu Winston Churchill.
Ich nehme an, dass der nun vorliegende Roman über diese Freundschaft zweier berühmter Männer im Kopf von Köhlmeier schon in dem Augenblick Gestalt annahm, als er die gesammelte Dokumente der Brieffreundschaft seines Vaters mit William Knott gelesen hatte, nachdem sie ihm nach dessen Tod in die Hände gefallen waren

Nun, 2014, hat er die Idee umgesetzt und einen faszinierenden Roman geschrieben. Zwei berühmte Männer, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, freunden sich an und versprechen sich bei einem langen Spaziergang am Strand, immer für einander da zu sein, wenn der schwarze Hund nach ihnen schnappt. Den schwarzen Hund kannten sie beide. Immer wieder hatte sowohl Chaplin als auch Churchill mit Phasen schlimmer Melancholie und Depression zu kämpfen.

Michael Köhlmeier beschreibt in seinem Roman nicht nur die Phasen dieser Freundschaft bis zu ihrem Höhepunkt, als Chaplin in London an seinem Film „Der große Diktator“ zu verzweifeln droht, Churchills mutiger Kampf gegen Hitler durch eine schwere Depression bedroht ist, und sie beide sich zum wiederholten Mal gegenseitig vom schwarzen Hund retten.

Nein, er schildert auch das Leben und das Schaffen beider Männer von den zwanziger Jahren bis zum Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs. Mit einer wunderbaren und mit viel Phantasie ausgestatteten Sprache spannt Köhlmeier einen Bogen über das 20. Jahrhundert. In der Geschichte des ungleichen Paares Chaplin und Churchill und ihrer immer wieder bedrohten Freundschaft entwickelt er die Geschichte des 20.Jahrhunderts zwischen Kunst und Politik, zwischen genialer Komik und schrecklichem Ernst.

Es ist ein Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte, ein Roman, der handelt von zwei Männern, deren Größe und Tatkraft, deren Mut und Durchhaltevermögen, deren Kreativität und Hybris (ja, die kommt auch nicht zu kurz) man erst spät zu würdigen wusste. Er ist eine gelungene Mischung zwischen einer Doppelbiografie, einer Filmgeschichte und einer literarischen Dokumentation einer der zentralen Phasen des 20.Jahrhunderts. Zwei Männer, der Künstler und der Politiker, kämpfen mit ihren je eigenen Mitteln ihren Kampf gegen den inneren schwarzen Hund und gegen den äußeren Feind Hitler.

Das Buch hat zu Recht die Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2014 verdient.

Tante Brauns Geburtstag

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Elsa Beskow, Tante Brauns Geburtstag, Urachhaus 2015,ISBN 978-3-8251-7942-7

 

Elsa Beskow gehörte zu Beginn des letzten Jahrhunderts  in Schweden zu den bekanntesten Kinderbuchautoren. Besonders ihre Geschichten von Tante  Grün, Tante Braun und Tante  Lila waren damals große  Erfolge und jedes Kind kannte ihre Figuren.

Seit einigen Jahren macht es sich der Urachhaus-Verlag in Stuttgart zur verlegerischen Aufgabe, die Bilderbücher von Elsa Beskow wieder aufzulegen und sie einem Leserkreis heutiger Eltern und ihrer Kinder nahezubringen.

Das vorliegende  Bilderbuch aus der Reihe um die bunten Tanten erzählt die lustige und turbulente Geschichte von Tante Brauns Geburtstag,  wo nach einem normalen Beginn plötzlich alles drunter und drüber geht und am Ende sogar ein Dieb gefangen werden muss….

 

Wie die anderen  Bücher besticht auch dieses hier neben den  nachkolorierten Bildern durch seine schönen Scherenschnitte.

Sei mir ein Vater

 

 

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Anne Gesthuysen, Sei mir ein Vater, Kiepenheuer & Witsch 2015, ISBN  978-3-462-04832-2

 

Nach ihrem ersten sehr erfolgreichen und von der Kritik sehr gut aufgenommenen Roman „Wir sind doch Schwestern“ hat die mittlerweile als freie Schriftstellerin arbeitende  Anne Gesthuysen nun ihren zweiten Roman vorgelegt.  Wie sie im Nachwort  verrät, hat auch die bezaubernde  Geschichte dieses  Buches ihre  Anfänge und  Grundlage in ihrer eigenen  Biographie.

 

Auf zwei bzw. drei Zeitebenen  erzählt  sie eine Geschichte, in der es geht um Freundschaft, Vaterschaft und vor allen Dingen um das Leben von Künstlern.

 

Wichtiger aber sind die beiden Haupterzählstränge. Der eine, der im Jahr 2007, der Gegenwartsebene des Romans eine spannende und abenteuerliche  Suche des krebskranken Hermann  zusammen  mit Hanna und Lilie  beschreibt, die sie auf der Spur eines verschollenen Bildes nicht nur durch die halbe Welt führt,  sondern sie alle drei auch zum Wesentlichen ihres Lebens bringt und die andere, die den gespannten  Leser immer wieder zwischen 1887 und 1922 das Leben und auch Leiden von Lilie Vorfahren Georgette Agutte  und ihrem Mann,dem sozialistischen Politiker Marcel Sembat.

Insbesondere diese Abschnitte des Buches führen den Leser ein in das Leben und Wirken von vielen Künstlern und Intellektuellen der Pariser  Belle Époque. Anne  Gesthuysen gelingt  es dabei ganz hervorragend,  die bewegte  und tragische  Geschichte einer in Vergessenheit geratenen Künstlerin zu verbinden mit einer langen Reise des Abschieds von Menschen, die mehr füreinander waren als nur Freunde.

Ein berührender und gleichwohl sehr lehrreicher Roman über Kunst, Politik,  Freundschaft und das Glück einen väterlichen Freund zu haben.

 

 

Die Kunst eine glückliche Frau zu sein

 

 

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Katrin Zita,  Die Kunst, eine glückliche Frau zu sein,  Goldene Verlag 2015, ISBN  978-3-902991-75-1

 

Jenseits aller feministischen  Ideologie und völlig unberührt von der unsäglichen Genderdebatte legt Katrin Zita in ihrem neuen  nunmehr dritten Buch nach ihren insbesondere für Frauen gedachten Reiseführern einen Ratgeber vor, der in seiner Praktikabilität und Bodenständigkeit überzeugt und für Frauen aller Altersklassen oder Bildungsschichten wertvolle Anregungen und Mutmacher enthält.

Sie geht den für Frauen durch ihre jeweilige Erziehung bedingten typischen Gefühlen wie schlechtes Gewissen und innere Zerrissenheit nach, fragt nach der Herkunft weiblicher Unsicherheiten  und zeigt auf , wie Frauen diese heutzutage hinter sich lassen können. Dabei ist es völlig gleichgültig  in welcher Lebensform sie leben, ob sie Kinder haben oder nicht.  Wichtig ist, so sagt  sie, dass Frauen diese alten Gefühle hinter sich lassen  und gemeinsam die Wege beschreiten, die ihnen Erfüllung und Glück bringen.

Frech, frei und anders – und das gemeinsam, das ist ihr sympathisches  Credo:

„Ob Mutter oder  kinderlos,  alt oder jung, groß oder klein – wir Frauen  gehen zukünftig  gemeinsam durch durch dick und dünn.  Diese Parole  dürfen wir in unser Herz schreiben und jede sich selbst das Kleid  und Lebenskonzept schneidern, das ihr am besten steht.“

Der Rezensent  ist dabei aus eigener Erfahrung ziemlich sicher, dass die Männer von dieser femininen Selbstbefreiung  aus alten Gefühlskorsetten aus Herkunftsfamilie (Mutter) und Gesellschaft für ihre eigene Entwicklung, die mindestens  genauso  nötig ist, nur profitieren können.

Gott lässt grüßen

 

 

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Andrea Schwarz,  Gott lässt grüßen,  Patmos 2016, ISBN 978-3-8436-0709-4

 

Sie ist eine genaue und sensible Beobachterin ihrer Umwelt und der Menschen, denen sie dort begegnet und der Geschichten, die sie oft  unfreiwillig  erzählen. Andrea Schwarz zählt seit vielen Jahren  schon  zu den am meisten gelesenen christlichen  Schriftstellerinnen.

Wenn man ihr  neues Buch  mit Meditationen  und „Entdeckungen“ sorgfältig liest,  dann bekommt man auch eine Ahnung, warum das so ist. In kleinen Dingen des  Alltags  entdeckt  sie  immer wieder  wichtige Botschaften  Gottes an sie. Botschaften, die ihr etwas vermitteln, etwas  zeigen wollen  von  der Schönheit des Lebens, von ihrem gottebenbildlichen Menschsein, von ihrer Möglichkeit, jeden Tag neu anzufangen mit sich selbst,  mit anderen Menschen  und mit Gott. Gott, den sie leise verkündet als einen Freund und väterlichen  Begleiter,  der seine kleinen, oft unscheinbaren Grüße mitten in unseren Alltag  schickt. Diese Grüße lassen  kurz  innehalten, nachdenken  und eröffnen neue Sichtweisen auf  das eigene Leben. Sie  ermutigen zu Selbsterkenntnis  und zu eigenen Schritten.

Unaufgeregte  Schritte hin zu mehr Freiheit. Freiheit immer verstanden als eine, die aus der Bindung und  Verwurzelung in Gottes Segen und Verheißung sich speist.

Dieser spirituelle Begleiter durch jede Woche des Jahres setzt sich mit vielen wichtigen existenziellen  und spirituellen Themen auseinander und ist ein schönes Geschenk für Menschen, die sich in ihrer Tiefe  ansprechen lassen wollen.

 

 

 

 

 

Wir sehen uns am Ende der Welt

 

 

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Miek Zwamborn, Wir sehen uns am Ende der Welt,  Nagel & Kimche  2015, ISBN  978-3-312-00665-6

 

 

Auf eine ganz ungewöhnliche und literarisch an große  Vorbilder erinnernde Expedition führt die niederländische Schriftstellerin  Miek Zwamborn  ihren zunächst skeptischen  aber dann mit jeder weiteren Seite begeisterten Rezensenten. Das Buch einer persönlichen und wissenschaftlichen Spurensuche  ist dermaßen  dicht und authentisch geschrieben, dass man wohl nicht fehl in der Annahme geht, dass es jenen Freund namens Jens, nach dessen Lebenszeichen sie zunächst sucht, tatsächlich während Miek Zwamborns achtjährigem Aufenthalt im Engadin wirklich gegeben hat.

Die Ich-Erzählerin beginnt ihren Roman mit einem Bericht über eine gemeinsame Expedition mit ihrem Freund Jens in den Bergen. Von ihm erfährt sie von dem bedeutenden Alpengeologen  Albert Heim, von dessen Forschungen  und Entdeckungen Jens ganz  begeistert ist. Dieser

Albert Heim hatte keinen geringeren Anspruch an seine Arbeit, als aus den von ihm erforschten Gesteinsschichten der Alpen die ganze Geschichte  der  Menschheit herauszulesen.

Als Jens irgendwann spurlos verschwunden ist und die Ich-Erzählerin sich auf die Suche nach ihm macht und sie literarisch anspruchsvoll dokumentiert, da liefert sie dem Leser eine so noch nie gelesene Mischung aus autobiographischer Reiseerzählung einer jungen Bergsteigerin und Wissenschaftlerin, aus Forscherbiografie des legendären Alpengeologen Albert Heim und als eine faszinierende Landschaftsbeschreibung der Alpen. Immer auf dem psychologischen Hintergrund einer intensiven Liebesgeschichte zweier Menschen, die die gemeinsame Leidenschaft für die Natur verbindet.
Am beeindruckendsten sind die Landschaftsbeschreibungen und Schilderungen der existenziellen Wanderungen der Protagonistin des Romans, auf der Suche nach ihrem verschwundenen Freund, auf den Spuren Albert Heims und der frühen Alpenentdecker. Dass Zwamborn den Text mit historischen Fotografien anreichert, verstärkt den überwältigenden romantischen Eindruck des Romans, macht die Seelenlandschaft der Berge förmlich spürbar.

„Wir sehen uns am Ende der Welt“ (in der niederländischen Originalversion „De duimsprong“ erschienen 2013) ist viel mehr als nur ein gelungener Alpenroman.

Miek Zwamborn ist ein großes poetisches Werk geglückt, in dem naturwissenschaftliche Fakten und literarische Fiktion auf wunderbare Weise zusammenkommen und Genregrenzen spielerisch außer Kraft gesetzt werden.

Ein außergewöhnlicher Roman, der bei mir jedenfalls  lange  nachgewirkt hat.