Komm doch mal runter. Vom souveränen Umgang mit Ärger, Wut und Aggressionen

 

 

 

Evelyn Summhammer, Komm doch mal runter. Vom souveränen Umgang mit Ärger, Wut und Aggressionen, Goldegg 2019, ISBN 978-3-99060-101-3

 

Es ist ein zentrales Thema in unserer Gesellschaft, das immer wichtiger zu werden scheint. Überall, ob in den Beziehungen der Menschen zu Hause oder am Arbeitsplatz, in erschreckendem Maße im Straßenverkehr, in der Politik – überall ist ein aggressives, dem Anlass völlig unangemessenes Verhalten von Menschen häufig wahrzunehmen. Doch auch selbst sind wir dagegen nicht gefeit und erleben, dass unsere Reaktionen auf andere Menschen und ihr Verhalten völlig übertrieben sind.

Natürlich hat ein solches Verhalten oft erklärbare Ursachen. Die Menschen  leiden unter immer stärkerem Stress (nicht selten selbst induziert), unbestimmte Ängste machen sie unsicher und aggressionsbereiter, Konkurrenz- und Machtkämpfe beherrschen viele Szenarien des Alltags, privat wie beruflich. Kleinste Konflikte, die man locker durch Worte lösen könnte, enden dann in einer Spirale des Zorns, der Wut und immer mehr auch Gewalt.

 

Hinzu kommt bei vielen Menschen die Angst vor dem Fremden, ihrer unklaren Zukunft und der ihrer Kinder und Enkel. Das Ergebnis ist eine zunehmend aggressionsbeladenere Welt und auch ein entsprechendes (Wahl)- verhalten.

 

Ist das unabwendbares Schicksal oder können wir lernen mit Aggressionen umzugehen?

 

Das ist das Thema des vorliegenden Buches der österreichischen Wirtschaftspsychologin und Psychotherapeutin Evelyn Summhammer, das in dem auf solche Bücher spezialisierten Goldegg Verlag in Wien erschienen ist.

 

Die Autorin beschreibt mit vielen Beispielen aus ihrer therapeutischen und beraterischen Praxis, woher Aggressionen kommen, wie sie entstehen und warum sie für die gesunde menschliche Psyche sogar notwendig sind, wenn wir uns in unserem Leben und unserer Umwelt wirklich behaupten und nicht ausschließlich von anderen dominiert werden wollen.

 

Behutsam und verständlich leitet sie ihrer Leser an, ihr eigenes, oft verdecktes Potential an Ärger und Wut aufzuspüren. Der Leser kann seine emotionalen Trigger aufspüren, die dazu führen, dass man aggressiv handelt.

 

Weiterhin hilft sie dem Leser und der Leserin, genau die Situation für sich selbst zu entdecken, in der sich Wut und Ärger laut oder auch passiv entladen.  Wie schafft man es, solche Ausbrüche zu stoppen oder ihnen vorzubeugen?

 

Doch es geht nicht nur um die eigenen Aggression in diesem wichtigen Buch und ihr Verständnis und die Instrumente für den Umgang damit, sondern Evelyn Summhammer zeigt auch auf, wie man mit Menschen, die uns auf eine aggressive Weise begegnen, oder einfach nur schwierig im Umgang sind, umgehen kann.

 

Schon mit ihrem Buch „Nörgler, Besserwisser, Querulanten“ hatte sie sich solchem schwierigen Verhalten gewidmet.

 

Am Ende hat sie für ihre Leser einen ganz persönlichen Rat: “Lass dich nicht schikanieren und in einen Teufelskreis an Ärger, Wut und Aggression verfangen! Dein Leben ist keine Schlacht, sondern ein Ort, an dem wir unsere Möglichkeiten in Würde und guter Manier leben können. Vielleicht ist es nicht immer der Weg, den wir uns wünschen. Aber auf alle Fälle der Weg, den wir uns schulden und auf den wir gerne zurückblicken.“

 

Niemand ist anderen ausgeliefert. Es gibt Wege aus eigener und fremder Aggression. Das Buch zeigt begehbare und praktikable auf.

 

 

 

 

einmalig. Die skurrilsten concept cars der Autowelt

 

 

 

 

Jürgen Pander, einmalig. Die skurrilsten concept cars der Autowelt, Delius Klasing 2019, ISBN 978-3-667-11563-8

 

Jürgen Pander, Journalist bei Spiegel online hat sich für dieses ausgefallene Autobuch auf der Suche nach den „skurrilsten“ concept cars der Autowelt in viele Archive begeben und hat unzählige Liebhaber mit ihren seltenen Sammlungen besucht.

 

Concept Cars waren und sind seit jeher auf großen Automobilmessen und -ausstellungen die wahren Publikumsmagneten. Alle wollen sie sehen, denn sie sind nicht selten Wegweiser in  die automobile Zukunft, ohne dass sie selbst eine hätten und jemals in Serie gegangen wären. Meist verschwinden sie nach den Messen wieder dunklen Werksgaragen oder gar in der Schrottpresse.

 

In vier Kapiteln hat Jürgen Pander jeweils chronologisch seine „Funde“ eingeteilt und geordnet:

  • Technologie wie noch nie – Autos mit innovativen Ideen
  • Form folgt Faszination – Autos mit hinreißendem Design
  • Da wäre noch eine Kleinigkeit – Autos für Metropolen
  • Die Zukunft ist ein Klassiker – Autos mit berühmten Ahnen

 

In einer Zeit, in der manche schon das Ende des automobilen Zeitalters im Namen des Klimas einläuten wollen, scheint ein solches Buch antiquiert. Allen Kritikern von Hochleistungsautos aber sei gesagt, dass das Automobil der Zukunft, egal ob mit Strom oder Wasserstoff betrieben, auch erstmals als concept car entworfen werden muss.

 

Es muss ja nicht immer ein SUV mit 200 PS oder viel mehr sein, aber viele Menschen, besonders in den ländlichen Regionen werden auch in Zukunft auf ein Auto angewiesen sein.  Ein klimafreundliches Auto zu bauen und zu produzieren – es müsste doch möglich sein.

 

Das vorliegende Buch atmet ganz die Begeisterung für außergewöhnliche Autos mit ungewöhnlichem Design. Wo das Buch endet, mit dem Peugeot e-Legend wird irgendwann ein neues anfangen mit Prototypen energiefreundlicher Automobile.

Per Anhalter über den Atlantik. Raus aus der Schule, rein ins Abenteuer

 

 

Anna Haubrich, Christoph Vougessis, Per Anhalter über den Atlantik. Raus aus der Schule, rein ins Abenteuer, Delius Klasing 2019, ISBN 978-3-667-11580-5

 

 

Viele junge Menschen wollen sich nach dem erfolgreich bestandenen Abitur und dem damit verbundenen jahrelange Lernstress nicht sofort in den „Ernst des Lebens“ und die weitere Berufsausbildung begeben, sondern sie träumen davon, über einen gewissen Zeitraum (manche nehmen sich ein ganzes Jahr) die Welt oder einen Teil davon zu entdecken, Freiheit zu erleben und viele eigene Erfahrungen zu machen.

 

So erging es auch zunächst unabhängig voneinander den beiden Autoren des hier im Delius Klasing Verlag erschienenen Buches, Christoph Vougessis und Anna Haubrich. Sie haben beide diesen Traum gelebt und sind nach dem Abitur losgezogen. Christoph mit seinem vierzig Jahre alten Segelboot Shalom von Hamburg aus, Anna als Tramperin aus Süddeutschland mit dem groben Ziel Südamerika.

 

Auf der Insel La Gomera sind sie sich zufällig begegnet. Eine Begegnung mit Folgen. Sie lernen sich kennen, verlieben sich ineinander und beschließen, fortan gemeinsam weiter über den Atlantik zu segeln. Sie erleben auf dem alten Boot so manches Abenteuer, treffen unterwegs viele neue Freunde und lernen fremde Kulturen kennen.

 

Abwechselnd erzählen die beiden ihre gemeinsame Geschichte aus ihrer jeweiligen Perspektive. Als Anna nach vier wunderbaren gemeinsamen Monaten beschließt, ihren ursprünglichen Plan weiter zu verfolgen und allein nach Guatemala und Mexiko weiterzureisen, da weiß Christoph nicht, ob er seine Freundin jemals wiedersehen wird.

 

In einer wunderbaren Mischung aus Liebesgeschichte und Abenteuerroman erzählen zwei jungen Menschen von einer unvergesslichen Reise ins Unbekannte, bei der sie sich ganz am Ende wiedersehen. Es wird sicher nicht ihre letzte große Reise gewesen sein.

 

 

 

 

 

 

Drawdown. Der Plan. Wie wir die Erderwärmung umkehren können

 

 

 

 

 

 

Paul Hawken( Hg.), Drawdown. Der Plan. Wie wir die Erderwärmung umkehren können, Gütersloher Verlagshaus 2019, ISBN 978-3-579-01472-2

 

Der Herausgeber des vorliegenden in England schon 2017 erschienenen Buches, Paul Hawkins hat schon im Jahr 1997 in seinem weltweit viel beachteten Buch „The Ecology of Commerce“ die Kreislaufwirtschaft als eine Form des Wirtschaftens beschrieben, die geeignet ist, den drohenden Klimakollaps abzuwenden. Jüngst hat er in einem Interview in der SZ dazu Folgendes gesagt:

„Das, was wir Industrialisierung, nennen, ist ursprünglich ein Verfahren einer relativ überschaubaren Gruppe weißer Europäer, die sich weltweit Ressourcen aneignete … Die Ausbeutung dieser Ressourcen charakterisiert bis heute alle Industriesysteme … Das sehen wir beispielsweise deutlich in Afrika. Ein Kontinent ist im Begriff, daran zugrunde zu gehen… Wir zerstören nicht nur die biologischen Lebens Grundlagen, wir verlieren ja die Regulationsfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme, die kulturellen Sicherheiten, die Regierungsfähigkeit und schließlich auch die Leistungsfähigkeit im Gesundheitswesen. In kurzer Zeit wird unsere Form der Wirtschaftsweise kollabieren. Die Ineffektivität dieser Form der Industrialisierung wird zur Zeit noch maskiert durch ein Finanzsystem, das völlig falsche Informationen über den aktuellen Zustand gibt … Die Frage lautet heute nicht mehr: Wie können wir die Umwelt schützen? Sondern: Wie können wir die Wirtschaft retten? Parteien, Kirchen, das Bildungssystem werden nicht stark genug sein, den Anforderungen zu entsprechen und den fundamentalen Wandel umzusetzen. Allein die Wirtschaft ist stark genug. Sie muss allerdings Teil der Lösung werden, statt Teil des Problems zu sein.“

 

In dem vorliegenden Buch beschreibt er einhundert schon längst existierende Ansätze, die überall auf der Welt schon heute zur Verringerung von klimaschädlichen Gasen beitragen. Wenn man diese Ansätze vernetzen und ausbauen würde, könnte die durch den Klimawandel drohende Zivilisationskrise abgewendet werden, davon ist Hawken überzeugt.

 

Denn die in diesem Buch vorgestellten ideenreichen Menschen, cleveren Technologien und die durch sie vorhandenen vielen Möglichkeiten, die nötigen Entwicklungen einzuleiten und umzusetzen, lassen eine gut begründete Hoffnung entstehen, die der momentanen Panik, die bei diesem Thema herrscht, so etwas wie geduldige Zuversicht entgegen setzen kann.

 

Das Buch zeigt, dass es tatsächlich möglich ist, die Erderwärmung bis zum Jahr 2050 zurückzudrehen. Denn: „Allein die Wirtschaft ist stark genug. Sie muss allerdings Teil der Lösung werden, statt Teil des Problems zu sein.“

 

 

 

 

Im schlimmsten Fall geht alles gut

 

 

Titus Reinmuth, Im schlimmsten Fall geht alles gut, Adeo Verlag 2019, ISBN 978-3-86334-241-8

 

Der ehemalige evangelische Gemeindepfarrer Titus Reinmuth, seit 2008 freier Autor und Rundfunkredakteur, hat für dieses nachdenkliche und ermutigende Buch insgesamt 60 Beiträge versammelt, die er zwischen 2011 und 2018 in der Sendung Kirche in WDR 2 und im DLF vorgetragen hat.

 

Er hat sie „60 gute Gründe zu vertrauen“ genannt. Zwischen den einzelnen Beiträgen hat er immer wieder Songtexte eingeflochten, die er für seine Band „Kreuzweise“ geschrieben hat.

 

Es sind ermutigende und hoffnungsvolle Beiträge, Denkanstöße mitten aus Situationen des Alltags festgehalten. Die kurzen in knapper und lockerer Sprache formulierten Geschichten sind wohltuend zu lesen, weil sie eine grundlegende hoffnungsvolle und vertrauensvolle Haltung zum Leben ausdrücken.

 

Ein Leben, das sich gehalten weiß von Gott und im Vertrauen auf seine Liebe und Zuwendung jeden neuen Tag des eigenen Lebens als Geschenk annehmen und neugierig auf die Welt, andere Menschen und die Erfahrungen, die ich mit ihnen und mir selbst machen kann, leben kann, in allen Höhen und Tiefen.

 

Vertrauen als der Schüssel zu allem Guten –  darum geht es in diesen schönen und lebendigen Texten.

Maschinen wie ich,(Hörbuch)

 

 

Ian McEwan, Maschinen wie ich,(Hörbuch) Diogenes 2019, ISBN 978-3-257-80405-8

 

Ian McEwan, der 1948 geborene britische Erfolgsschriftsteller, von dem zwei Romane (zuletzt „Kindeswohl“ mit Emma Thompson) erfolgreich verfilmt wurden, hat mit seinem neuen Roman „Maschinen wie ich“ eine literarische Dystopie vorgelegt, in der er sich neben vielen anderen Themen, die er anschneidet, mit der Frage der künstlichen Intelligenz beschäftigt.

 

Sein Ich-Erzähler ist Charlie, ein durchaus sympathischer junger Mann Anfang dreißig, der in seinem bisherigen Leben neben einem Studium der Anthropologie so manche, meist gescheiterte berufliche Stadien hinter sich gebracht hat. Er interessiert sich schon lange für künstliche Intelligenz. Als nun im 1982 (McEwan verlegt die Handlung seines Buches in dieses Jahr, warum blieb mir unklar) die ersten echten lebensechten Androiden verkauft werden, investiert er sein ganzes Erbe und kauft sich einen „Adam“. Die ebenfalls angebotenen „Eves“ waren schon ausverkauft.

 

Charlie hat eine jüngere Nachbarin namens Miranda. Gerade als Adam geliefert wird, ist Charlie dabei, sich in Miranda zu verlieben, und so kommt es, dass es in ihrer jungen Beziehung von Anfang an einen Dritten gibt: Adam.

 

Kann, so überlegen die beiden, eine Maschine (nichts anderes ist ja Adam doch wohl)denken, kann sie leiden, ja kann sie auch lieben? Bald stellt sich heraus, dass sie das sehr wohl kann, und Adams Gefühle und moralische Prinzipien, auf die Charlie ihn vorher nach einem dicken Handbuch programmiert hat, bringen das junge Liebespaar Charlie und Miranda in viele ungeahnten und auch verhängnisvolle Situationen.

 

Adam lernt schnell, weil er auf sämtliches Wissen zugreifen kann, das in den vielen Online-Datenbanken verfügbar ist, auf die er mit seinem fast unbegrenzten Speicher zugreift. Schon nach kurzer Zeit ist Adam kaum noch von einem Menschen zu unterscheiden und hat seinen nicht dummen Besitzer sowohl intellektuell als auch kräftemäßig überflügelt.

 

Soweit so gut. Als jedoch Adam sich in Miranda verliebt, beginnen unlösbar scheinende Probleme.

 

Wie schon in früheren Romanen hat Ian McEwan auch in „Maschinen wie ich“ neben seinem Hauptthema, dem Zusammenleben zwischen fehlbarem Mensch und unfehlbar logisch handelnder Maschine, noch viele andere Themenstränge in seinen Roman hineingepackt.  Es geht unter anderem um den Falkland-Krieg, um Margaret Thatcher und um viele weitere philosophische und literarische Themen, die er oft nur in Anspielungen erwähnt.

 

Der Roman wirkt dadurch im Gegensatz zu früheren Werken  leicht überladen, liest sich bei aller sprachlichen Brillanz des Autors etwas schwerfällig.  Was er mit seiner Dystopie wirklich zum Ausdruck bringen möchte, die Botschaft des Romans also, ist mir an vielen Stellen unzugänglich geblieben, was den Lesegenuss seines neuen Buches für mich geschmälert hat. „Maschinen wie ich“ kommt meiner Meinung nach nicht an seiner früheren Werke heran.

 

Der bekannte und vielbeschäftigte Schauspieler Wanja Mues hat das von Bernhard Robben ins Deutsche übersetzte Buch ungekürzt als Hörbuch eingelesen. Auf eine sensible Art ist es ihm gelungen, die sprachliche Brillanz von Ian McEwan ebenso lebendig werden zu lassen, wie auch die beiden menschlichen Hauptfiguren Charlie und Miranda.

 

Wie er die sprechende Maschine Adam interpretiert hat, ist ganz große Kunst.

 

 

 

 

Menu surprise. Der elfte Fall für Bruno, Chef de police,(Hörbuch)

 

 

 

Martin Walker, Menu surprise. Der elfte Fall für Bruno, Chef de police,(Hörbuch), Diogenes 2019, ISBN 978-3-257-80403-4

 

Auch der neue, mittlerweile elfte Roman über den sympathischen Chef de police Bruno Corregues aus dem kleinen Städtchen St. Denis im südfranzösischen  Perigord ist eine gelungene Mischung aus verschiedenen Erzählsträngen.

Da ist die Geschichte der jugendlichen Rugbyspielerin Paulette, die Bruno seit ihrer Kindheit trainiert und ausgebildet hat und die nun vor dem Sprung in die französische Nationalmannschaft steht, als sie eine unverhoffte Schwangerschaft daran zu hindern droht.

 

Brunos Freundin Pamela, die neben ihrer Reitschule in den Sommermonaten auch eine Kochschule betreibt, hat neben anderen schon aus den früheren Romanen bekannten Figuren auch Bruno zur Unterstützung gewonnen. Er soll Pamelas Feriengäste in die lokale Küche einführen und sie auch auf verschiedenen Exkursionen auf Märkte und Weingüter begleiten.

 

Doch noch bevor der nächste Kochkurs beginnen kann, wird eine Teilnehmerin vermisst. Die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers ist nicht zusammen mit den anderen Gästen in Bergerac gelandet. Bruno macht sich auf die Suche nach ihr und findet sie tot zusammen mit einem ebenfalls toten Mann in einem abgelegenen Haus im Wald.

 

Bruno ist kurz zuvor befördert worden und ist jetzt für den ganzen Bezirk zuständig. Neben aus den früheren Büchern bekannten Kollegen von Bruno hat er es jetzt noch mit weiteren Polizeikräften zu tun.  Bald stellt sich heraus, dass die beiden Todesfälle einen hochpolitischen Charakter haben. Die Geschichte wird schnell zum Fall internationaler Ermittlungen und führen weit in die Geschichte der IRA zurück.

 

Bruno zeigt sich auch diesen weit über seine sonstigen Befugnisse hinausgehenden Ermittlungen gewachsen und trifft auch dieses Mal wieder auf seine große Liebe Isabelle, die zusammen mit anderen Geheimdienstlern aus verschiedenen Ländern zur Lösung des Falles nach St. Denis kommt.

 

Nebenbei erfährt der Leser wieder sehr viel über Rezepte, leckeres Essen und erlesene Weine, traumhafte Landschaftsbeschreibungen wecken seine Sehnsucht, nun doch endlich einmal nach so vielen Bruno-Bänden selbst das Perigord zu besuchen und ein dramatisches Finale sorgt für Spannung in einem Roman, der ansonsten unterhaltsam sich dahinbewegt.

 

Ich fand den politisch geprägten Fall, den Bruno dieses Mal zusammen mit anderen zu lösen hat, mit seinen vielen historischen Informationen sehr aufschlussreich.  In das in der Regel ruhige und von vielen Freundschaften geprägte Leben Brunos mit jedem neuen Band wieder einzutauchen, mich entführen zu lassen in eine Landschaft und ihren unverwechselbaren menschlichen Charakteren, schenkt mir jedes Mal eine angenehme und unterhaltsame, leider wieder viel zu kurze Lesezeit. Zu kurz, weil man immer weiter liest, seltsam verzaubert von der Mischung aus verschiedenen Handlungssträngen, die Martin Walker auch dieses Mal wieder gut gelungen ist.

 

Es deutet sich am Ende an, dass Brunos Liebesleben nach wie vor ungeklärt bleiben wird. Eigentlich, lieber Herr Walker, hat Ihr Bruno das nicht verdient. Wäre es nicht mal Zeit für eine Klärung? Vielleicht schon im nächsten Buch?

 

Ich liebe diese Bücher mit ihrer Fülle von Beziehungen der Dörfer untereinander, ihrer Liebe zu gutem Essen und guten Wein. Dem Perigord jedenfalls haben sie in den letzten Jahren eine deutlich gestiegene Zahl an Touristen gebracht. Der Rezensent bedauert, es immer noch nicht dorthin geschafft zu haben.

Johannes Steck hat auch das neue Buch von Martin Walker wieder in einer ungekürzten Lesung für die Hörbuchfreunde zu einem ganz besonderen Hörerlebnis gemacht.

Sie ist auch nach der ersten Lektüre des gedruckten Buches auf jeden Fall zu empfehlen. Sie ist aber auch ein adäquater Ersatz für das Buch, weil es ihr gelingt, jene ganz besondere Atmosphäre der Bruno-Romane und der Region, in der sie spielen, wunderbar einzufangen.

 

 

 

Die Familie

 

 

 

 

Andreas Maier, Die Familie, Suhrkamp 2019, ISBN 978-3-518-42862-7

 

Mit dem vorliegenden siebten Band seines autobiographischen Romanprojekts „Ortsumgehung“ hat der in Friedberg in der Wetterau geborene und aufgewachsene Schriftsteller Andreas Maier nicht nur schon weit über die Hälfte des auf angeblich elf Bände angelegten Werkes vollendet, sondern die schon in dem letzten Roman „Die Universität“ und auch schon in „Der Kreis“ angelegte Wende in seiner Entwicklung, die Geburt eines Künstlers und einer Idee von der Welt und seiner Aufgabe in ihr wird weiter entwickelt.

 

Inspiriert von Thomas Bernhard, über den er auch promovierte, entwickelte Andreas Maier schon in den Bänden „Das Zimmer“, „Das Haus“, „Die Straße“, „Der Ort“  und „Der Kreis“ seit 2010 von Buch zu Buch das autobiographische Erzählen als Kunstform und erweiterte sukzessive sein Beobachtungsspektrum. Quasi wie in konzentrischen Kreisen erzählt er immer wieder von seiner Kindheit und Jugend und setzt mit jedem Buch immer wieder neu an, bezieht sich auf Bekanntes, fügt Neues hinzu und begleitet als erwachsener Intellektueller mit großem Einfühlungsvermögen sich selbst als Kind und Jugendlicher auf dem Weg in die Welt und ins künstlerische, ästhetische und politische Bewusstsein.

 

In dem neuen hier vorliegenden Band „Die Familie“ ist meiner Erinnerung nach (ich habe alle Bände mit großer Begeisterung gelesen, nachdem sie erschienen waren) zum, ersten Mal jene „Ortumgehung“ genannt, die um Friedberg herum gebaut werden soll. Im Unterschied zum letzten Buch allerdings ist dieses Mal kein Datum der Handlung genannt. Damals hatte ich vermutet, dass das ganze Projekt schon längst geschrieben ist und nur nach und nach veröffentlicht wird.

 

Andreas Maier beschreibt von seinen frühen ersten Erinnerungen als dreijähriger Junge bis zu einer nicht mit einem Datum versehenen Gegenwart, in der er als Schriftsteller gerade an „Die Familie“ arbeitet und mit Hilfe seiner ehemaligen Freundin, der Buchhändlertochter, ein bisher gut gehütetes und verborgenes Familiengeheimnis lüftet, seine Familie. Die leicht esoterisch angehauchte Mutter, den als Anwalt und Lokalpolitiker der CDU erfolgreichen Vater, seinen behinderten Onkel J. und seine geliebte Großmutter, an deren Schreibtisch er seine Büchern schreibt, sie alle kennen wir aus den früheren Bänden. Wer im neuen Buch eine relativ große Rolle spielt, ist Maiers 5 Jahre älterer Bruder und dessen frühe, meist erfolgreichen Versuche, gegen die Eltern und deren Regeln zu opponieren.

 

Dieser Bruder, der schließlich abtaucht und sich nicht mehr meldet, ist für den jungen Andreas Maier schon früh der Anlass, sich mit der Unterscheidung von wahr und falsch und der Lüge im privaten und im öffentlichen Leben zu befassen, was ihn im Studium in Frankfurt dazu führt, sich mit Wahrheitstheorien auseinanderzusetzen (vgl. „Die Universität“).

 

Die Beschreibung seiner Familie und ihrer Geschichte ist von dieser Suche geprägt. Immer wieder spürt er den Widersprüchen nach und spürt die Risse, die die Welt durchziehen, fast körperlich am eigenen Leib.

 

Als am Ende eines jahrelangen Nachfragens nach den Ursprüngen des großen Besitzes der Familie mit Hilfe der Buchhändlertochter, die in der Friedberger Lokalgeschichte geforscht hat, herauskommt, dass der Reichtum der Familie jüdischen Ursprungs ist, den seine Vorfahren sich 1939 von einem wohlhabenden Juden namens Seligman  unter ungeklärten Umständen angeeignet haben, ist er nicht wirklich überrascht. Und er erkennt: „Meine Familie ist eine Familie, die immer Grabsteine gemacht hat. Auch ihre eigenen.“

 

Ich bin sehr gespannt, wie der sein Leben reflektierende Andreas Maier mit dieser Erkenntnis im nächsten Band seiner „Ortsumgehung“ umgehen wird. Auch darauf, wie er ganz persönlich mit seiner spirituellen Suche weiterkommt, die er in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen 2006 schon so beschrieben hatte:

 

„Ich bin nur ein Mensch auf der Suche nach Worten, die längst schon gefunden sind, die im Matthäusevangelium schon alle dastehen, in perfekten logischen Sequenzen, schärfer, als Wittgenstein es je gekonnt hätte, eine erschöpfende Analyse dessen, warum wir falsch sind und warum wir dadurch schuldig werden vor allem und vor jedem, nämlich bloß kraft unseres wahrheitsfernen Tuns. Eine literarische Form dafür zu finden ist sehr schwer, ich glaube, man kann keine Form dafür finden, daß wir falsch sind, keine ernste, denn eine Form, die sich vom Einverständnis des Lesers verabschiedet, ist keine Form, sondern für den Leser eine Zumutung, wie ja auch das Matthäusevangelium. Das größte philosophische Werk des Abendlandes. Das uns nichts sagt als bloß: Seid nicht. Das uns sagt: Wenn ihr aufhört, zu sein, dann seid ihr. Meine Damen und Herren ,wenn wir uns im Matthäusevangelium wieder finden, dann immer nur auf der Seite der Hohepriester, immer auf der Seite der Kleingläubigen, der Rechthaber, der Schriftgelehrten und Sophisten. Also auf Seiten derer, die sich verteidigen, die verteidigen, was sie haben, als sei das richtig, das ist unser tägliches Brot, die Selbstverteidigung, aber dieses Brot hat uns Gott nicht gegeben, und übrigens auch die Philosophie nicht, und die Literatur auch nicht. Und Sie begreifen vielleicht gar nicht, was das ist. Die Sie alles, was Sie haben und tun und wollen und erlangen, für natürlich und gut halten, und wenn Sie kurz nachdenken würden, aber im Ernst nachdenken, kehrten Sie um, aber das werden Sie nicht tun.“

 

Für Literatur hat das eine wichtige Bedeutung, auch für seine eigene:

„Ich wüsste nichts anderes, als dass Literatur den Zweck hat (meine Literatur, die ich lese und die ich schreibe), die Wahrheit zu sagen, nicht explizit, sondern anders. Auch wenn die explizite Wahrheit vielleicht im Schweigen liegt und vielleicht sogar darin, dass ich immer nur erkenne, daß sie so niemand richtig sagen kann, und vor allem ich nicht. Die Wahrheit ist, dass wir falsch sind und richtig sein könnten und falsch allein kraft unseres eigenen Entschlusses, oder nennen wir es meinetwegen auch Trägheit, sind. Die Wahrheit ist, dass wir uns alle als moralische Wesen darstellen, aber faul sind, roh, verschlagen und brutal noch in den unbeachtesten Momenten. Aber alles das lässt sich in der Literatur kaum sagen, das kann ich Ihnen sagen.“

 

Übrigens: Maier hat einmal verraten, dass der letzte Band seiner „Ortsumgehung“ sich mit dem lieben Gott befassen wird. Darauf darf man sehr gespannt sein.
 

 

Maschinen wie ich

 

 

 

 

 

Ian McEwan, Maschinen wie ich, Diogenes 2019, ISBN 978-3-257-07068-2

 

Ian McEwan, der 1948 geborene britische Erfolgsschriftsteller, von dem zwei Romane (zuletzt „Kindeswohl“ mit Emma Thompson) erfolgreich verfilmt wurden, hat mit seinem neuen Roman „Maschinen wie ich“ eine literarische Dystopie vorgelegt, in der er sich neben vielen anderen Themen, die er anschneidet, mit der Frage der künstlichen Intelligenz beschäftigt.

 

Sein Ich-Erzähler ist Charlie, ein durchaus sympathischer junger Mann Anfang dreißig, der in seinem bisherigen Leben neben einem Studium der Anthropologie so manche, meist gescheiterte berufliche Stadien hinter sich gebracht hat. Er interessiert sich schon lange für künstliche Intelligenz. Als nun im 1982 (McEwan verlegt die Handlung seines Buches in dieses Jahr, warum blieb mir unklar) die ersten echten lebensechten Androiden verkauft werden, investiert er sein ganzes Erbe und kauft sich einen „Adam“. Die ebenfalls angebotenen „Eves“ waren schon ausverkauft.

 

Charlie hat eine jüngere Nachbarin namens Miranda. Gerade als Adam geliefert wird, ist Charlie dabei, sich in Miranda zu verlieben, und so kommt es, dass es in ihrer jungen Beziehung von Anfang an einen Dritten gibt: Adam.

 

Kann, so überlegen die beiden, eine Maschine (nichts anderes ist ja Adam doch wohl)denken, kann sie leiden, ja kann sie auch lieben? Bald stellt sich heraus, dass sie das sehr wohl kann, und Adams Gefühle und moralische Prinzipien, auf die Charlie ihn vorher nach einem dicken Handbuch programmiert hat, bringen das junge Liebespaar Charlie und Miranda in viele ungeahnten und auch verhängnisvolle Situationen.

 

Adam lernt schnell, weil er auf sämtliches Wissen zugreifen kann, das in den vielen Online-Datenbanken verfügbar ist, auf die er mit seinem fast unbegrenzten Speicher zugreift. Schon nach kurzer Zeit ist Adam kaum noch von einem Menschen zu unterscheiden und hat seinen nicht dummen Besitzer sowohl intellektuell als auch kräftemäßig überflügelt.

 

Soweit so gut. Als jedoch Adam sich in Miranda verliebt, beginnen unlösbar scheinende Probleme.

 

Wie schon in früheren Romanen hat Ian McEwan auch in „Maschinen wie ich“ neben seinem Hauptthema, dem Zusammenleben zwischen fehlbarem Mensch und unfehlbar logisch handelnder Maschine, noch viele andere Themenstränge in seinen Roman hineingepackt.  Es geht unter anderem um den Falkland-Krieg, um Margaret Thatcher und um viele weitere philosophische und literarische Themen, die er oft nur in Anspielungen erwähnt.

 

Der Roman wirkt dadurch im Gegensatz zu früheren Werken  leicht überladen, liest sich bei aller sprachlichen Brillanz des Autors etwas schwerfällig.  Was er mit seiner Dystopie wirklich zum Ausdruck bringen möchte, die Botschaft des Romans also, ist mir an vielen Stellen unzugänglich geblieben, was den Lesegenuss seines neuen Buches für mich geschmälert hat. „Maschinen wie ich“ kommt meiner Meinung nach nicht an seiner früheren Werke heran.

 

 

 

Menu surprise. Der elfte Fall für Bruno, Chef de police

 

 

 

Martin Walker, Menu surprise. Der elfte Fall für Bruno, Chef de police, Diogenes 2019, ISBN 978-3-257-07063-7

 

Auch der neue, mittlerweile elfte Roman über den sympathischen Chef de police Bruno Corregues aus dem kleinen Städtchen St. Denis im südfranzösischen  Perigord ist eine gelungene Mischung aus verschiedenen Erzählsträngen.

Da ist die Geschichte der jugendlichen Rugbyspielerin Paulette, die Bruno seit ihrer Kindheit trainiert und ausgebildet hat und die nun vor dem Sprung in die französische Nationalmannschaft steht, als sie eine unverhoffte Schwangerschaft daran zu hindern droht.

 

Brunos Freundin Pamela, die neben ihrer Reitschule in den Sommermonaten auch eine Kochschule betreibt, hat neben anderen schon aus den früheren Romanen bekannten Figuren auch Bruno zur Unterstützung gewonnen. Er soll Pamelas Feriengäste in die lokale Küche einführen und sie auch auf verschiedenen Exkursionen auf Märkte und Weingüter begleiten.

 

Doch noch bevor der nächste Kochkurs beginnen kann, wird eine Teilnehmerin vermisst. Die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers ist nicht zusammen mit den anderen Gästen in Bergerac gelandet. Bruno macht sich auf die Suche nach ihr und findet sie tot zusammen mit einem ebenfalls toten Mann in einem abgelegenen Haus im Wald.

 

Bruno ist kurz zuvor befördert worden und ist jetzt für den ganzen Bezirk zuständig. Neben aus den früheren Büchern bekannten Kollegen von Bruno hat er es jetzt noch mit weiteren Polizeikräften zu tun.  Bald stellt sich heraus, dass die beiden Todesfälle einen hochpolitischen Charakter haben. Die Geschichte wird schnell zum Fall internationaler Ermittlungen und führen weit in die Geschichte der IRA zurück.

 

Bruno zeigt sich auch diesen weit über seine sonstigen Befugnisse hinausgehenden Ermittlungen gewachsen und trifft auch dieses Mal wieder auf seine große Liebe Isabelle, die zusammen mit anderen Geheimdienstlern aus verschiedenen Ländern zur Lösung des Falles nach St. Denis kommt.

 

Nebenbei erfährt der Leser wieder sehr viel über Rezepte, leckeres Essen und erlesene Weine, traumhafte Landschaftsbeschreibungen wecken seine Sehnsucht, nun doch endlich einmal nach so vielen Bruno-Bänden selbst das Perigord zu besuchen und ein dramatisches Finale sorgt für Spannung in einem Roman, der ansonsten unterhaltsam sich dahinbewegt.

 

Ich fand den politisch geprägten Fall, den Bruno dieses Mal zusammen mit anderen zu lösen hat, mit seinen vielen historischen Informationen sehr aufschlussreich.  In das in der Regel ruhige und von vielen Freundschaften geprägte Leben Brunos mit jedem neuen Band wieder einzutauchen, mich entführen zu lassen in eine Landschaft und ihren unverwechselbaren menschlichen Charakteren, schenkt mir jedes Mal eine angenehme und unterhaltsame, leider wieder viel zu kurze Lesezeit. Zu kurz, weil man immer weiter liest, seltsam verzaubert von der Mischung aus verschiedenen Handlungssträngen, die Martin Walker auch dieses Mal wieder gut gelungen ist.

 

Es deutet sich am Ende an, dass Brunos Liebesleben nach wie vor ungeklärt bleiben wird. Eigentlich, lieber Herr Walker, hat Ihr Bruno das nicht verdient. Wäre es nicht mal Zeit für eine Klärung? Vielleicht schon im nächsten Buch?