No Man‘ s Land. Zwischen Utopie und Wirklichkeit verlassener Orte

 

 

Henk van Rensbergen, No Man‘ s Land. Zwischen Utopie und Wirklichkeit verlassener Orte, Knesebeck 2018, ISBN 978-3-95728-153-1

 

Der belgische Fotograf Henk van Rensbergen legt mit „No Man’s Land“ ein Buch vor, das zunächst scheinbar an die nur im Englischen erschienene Reihe Abandoned Places anknüpft. In „No Man‘ s Land“ zeigt er eine ansprechende und Neugier erweckende Melange aus postapokalyptisch anmutenden Szenen, die er meisterhaft festgehalten hat mit seiner Kamera. Der Verhaltensforscher Desmnd Morris hat ein nachdenkliches Vorwort beigesteuert. „Logbuch“ eine fpür dieses Buch verfasste Kurzgeschichte des flämischen Dichters Peter Verhelst steht am Ende eines beeindruckenden Buches.

 

Ein Buch, in dem Palazzi, stillgelegte Fabriken und leerstehende Krankenhäuser zu einer faszinierend-unheimlichen Gegenwelt sich wandeln, in der sich Tiere das zurückerobern, was einst der Mensch dominierte.

Ungewöhnlich komponierte Bilder voll meditativer Ruhe, die zur Besinnung und zum Nachdenken über den Zustand und die Zukunft der Erde einladen.

 

 

 

 

Das andere Achtundsechzig. Gesellschaftsgeschichte einer Revolte

 

Christina von Hodenberg, Das andere Achtundsechzig. Gesellschaftsgeschichte einer Revolte, C.H.Beck 2018, ISBN 978-3-406-71971-4

 

Schon zum 40. Jahrestag von „68“ haben sich vor allem die männlichen Protagonisten der „Bewegung“ in zahllosen Büchern und Interviews geäußert, immer mit dem Ziel ihre eigene Rolle genau zu definieren und unsterblich zu machen.

 

Nun in diesem Jahr, der 50. Wiederkehr von Achtundsechzig sind etliche dieser Bücher noch einmal aufgelegt worden, aber auch andere sind erschienen, die eine differenzierten und neuen Blick auf das Geschehen des Jahres 1968 werfen und seine Bedeutung neu definieren. Nennen will ich hier außer dem vorliegenden Buch das von dem Psychoanalytiker Claus Koch, der das Jahr 1968 in einer Geschichte von drei Generationen analysiert und beschreibt. Seine Frage:

„Die Eltern legten das Land in Schutt und Asche. Dann bauten sie es wieder auf, bis ihre Kinder 1968 in Berlin und anderswo es noch einmal anzünden wollten. Um damit die Vergangenheit endlich zum Schweigen zu bringen. Und ihre Kinder? Können sie, jenseits von Stillstand und trügerischer Ruhe das Land noch einmal zu neuem Leben erwecken?“

Seine Antwort: Die Phantasie und die Kraft der jungen Generation, in die Koch viel Hoffnung setzt, wird nötig sein, diese Welt besser zu machen und die Hoffnung darauf nicht aufzugeben.

 

Christina von Hodenberg hat nach dem Blick auf erstmal ausgewertete Quellen den Eindruck, dass das bisherige Bild der 68 er sehr unvollständig und verzerrt ist. Denn die vor allem männlichen Chronisten haben die prägende Rolle der Frauen damals unterschlagen.

 

Die Frauen fehlen in dem herkömmlichen Bild von 68. Sie kommen in der großen Erzählung der revolutionären Männer nicht vor. In ihrem Buch „Das andere Achtundsechzig“ füllt Christina von Hodenberg diese Leerstelle, erinnert an vergessene Aktivistinnen und zeigt: 1968 war weiblich.
 

 

Türme und Plätze

Niall Ferguson, Türme und Plätze, Propyläen 2018, ISBN 978-3-549-07485-5

 

In seinem neuen hier vorliegenden umfangreichen Buch weist der renommierte Historiker Niall Ferguson, dass „Netzwerke, Hierarchien und der Kampf um die globale Macht“ keine neuen Phänomene der Neuzeit des 21. Jahrhunderts sind, sondern er zeigt, wie die Welt schon immer vernetzt war.

 

In einer gut lesbaren und faszinierenden Analyse beschreibt er die sozialen Netzwerke seit der frühen Neuzeit und erklärt, welche politische und wirtschaftliche Rolle sie seit dieser Zeit bis in die aktuelle Gegenwart in der Weltgeschichte spielen.

 

Vor allem die Erfindung des Buchdrucks erweiterte den Horizont der Menschen. In der frühen Neuzeit begann damit die Hoch-Zeit der Netzwerke. Ferguson erzählt von den Freimaurern und Illuminaten bis zu Google, Facebook und Co., den sozialen Netzwerken der Gegenwart. Sie verbreiteten revolutionäre Ideen und trugen zum Umsturz von Regierungen und Herrschaftssystemen bei.

 

Spione, Banker, Wissenschaftler oder gar Freimaurer forderten die politischen Machthaber heraus. Niall Ferguson zeigt, dass solche Vernetzungen unterhalb der Machtebene der lang übersehene Schlüssel zum Verständnis der Geschichte sind, analysiert aber auch moderne Netzwerke wie Facebook, Google oder den „IS“. Sein Fazit: Hierarchisch organisierte Staaten und Institutionen können sich nur dann dauerhaft halten, wenn sie es schaffen, sich mit den modernen Netzwerken zu arrangieren.

 

 

 

 

Das Böse, es bleibt (Hörbuch)

 

 

 

 

Luca D‘ Andrea, Das Böse, es bleibt (Hörbuch), Der Hörverlag 2018, ISBN 978-3-8445-2873-2

„Das Böse, es bleibt“ ist der zweite Thriller des Südtirolers Luca D’Andrea. Wieder hat er die spannende Handlung in die raue Bergwelt Südtirols verlegt, in der er sich zweifellos gut auskennt und die er liebt.

Das Buch beginnt mit der dramatischen Flucht von Marlene. Sie ist die Frau eines Kriminellen, den sie verlassen hat und vor dessen furchtbarer Rache sie in ein hoffentlich neues Leben flüchtet. Mitten in den Südtiroler Bergen ist sie mit ihrem Auto in einem Schneesturm unterwegs. Bei sich hat sie einen Beutel mit wertvollen Saphiren, den sie quasi als Entschädigung ihrem Mann aus seinem Safe gestohlen hat. Sie sollen die Versicherung ihres neuen Lebens sein. Wegener, so heißt der Mann, älter als Marlene ist der Chef einer Mafiabande, die mit Erpressungen ihr Geschäft macht. Er wird seine Killer auf sie ansetzen, das ist sicher.

Marlene stürzt im Schneesturm mit ihrem Auto in eine Schlucht. Als sie in einer abgelegenen Berghütte des Alten der sie in der Schlucht gefunden und gerettet hat, erwacht, glaubt sie sich zunächst bei dem wortkargen alten Mann und seinen Schweinen sicher. Simon heißt der kräuterkundige Kauz, der den Hof seiner verstorbenen Eltern bewirtschaftet.

 

Zwischen Marlene und Simon entwickelt sich in den ersten Tagen ihres Aufenthaltes auf dem einsamen Hof ein fast freundschaftliches Verhältnis, bis sie tief im Keller des Hauses Simons Schweine entdeckt und eine immer angsterregendere Ahnung von seinem besonderen Verhältnis zu diesen Tieren, insbesondere zu „Lissy“ bekommt.

 

Doch Marlenes Mann hat schon jemand auf sie angesetzt und er ist schon auf dem Weg zu ihr…

 

Luca D’Andrea nutzt immer wieder wechselnde Erzählperspektiven um zum einen die extrem spannende Handlung ganz langsam und gegen Ende immer schneller voranzubringen, sondern auch um dem Leser die einzelne Charaktere und ihre Vergangenheit vorzustellen. Dies hilft dem Leser, sich mehr und mehr ein Bild zu machen, wie die einzelnen Menschen zu dem geworden sind, was sie heute sind und zu dem kamen, was sie heute antreibt, sie aber auch quält.

 

Es ist, neben den wunderbaren Naturschilderungen, gerade jene besondere Atmosphäre, die dunkle, sich bedrohlich steigernde Ahnung von etwas ganz Bedrohlichem und Schrecklichem, die den Leser das Buch einfach nicht aus der Hand legen lässt, aber auch die Art und Weise, wie sich das Verhältnis zwischen den beiden Hauptfiguren Simon und Marlene langsam aber sicher in eine Richtung verändert, die nichts Gutes ahnen lässt.
Doch es geht nicht nur um Marlene und Simon oben auf dem Berghof. Immer wieder wird auch erzählt von Simon, der seine Edelsteine zurückhaben will und einem sogenannten im Dunkel bleibenden  „Konsortium“, von dem Simon abhängig ist. Und schicken auch sehr schnell ihren besten Mann auf die Spuren von Marlene. Er hat keinen Namen, man nennt ihn „Mann des Vertrauens“ und trotz aller hervorragender Manieren ist dieser Mann, der nie versagt, ein Ungeheuer mit ungeheuerlicher Vergangenheit.

 

Es ist eine Geschichte voller Kobolde und Märchen, Traditionen und altem Wissen. Eine Reise in Gedanken und Erinnerungen, in Träume und Wahnvorstellungen.
„Entweder hatte man Vertrauen, oder man hatte es nicht. Etwas dazwischen gab es nicht.“

 

Es gelingt Luca D’Andrea ganz hervorragend, seine Leser sofort mit hineinzuziehen in diesen Bann und atemlos in der Lektüre fortzuschreiten, die ihn mit immer neuen ungeahnten Wendungen, völlig gefangen nimmt.

 

Ein wirklich empfehlenswerter Thriller, der in 30 Sprachen gleichzeitig erscheint.

 

Matthias Koeberlin, einer der bekanntesten deutschen Schauspieler (er hat unter anderem überzeugend Jan Seghers Kommissar Marthaler verkörpert) leistet mit seiner hier im Hörverlag vorliegenden gekürzten Lesung der dem Buch schon innewohnenden Spannung noch Vorschub, weil er sich perfekt in die handelnden Personen hineinversetzten kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

Cornell und der Toaster

 

 

Robert Scheffner, Cornell und der Toaster, Oetinger 2018, ISBN 978-3-7891-0907-2

 

Cornell ist eine Figur, von der man nicht genau weiß, wie alt er wohl ist. Jedenfalls scheint er alleine zu leben. Im Buch wird erzählt , dass er schon lange nicht mehr mit Menschen sprach. Deshalb mag man annehmen, dass er schon erwachsen ist. Cornell frühstückt gerne und dabei lebt er seinen Toaster über alles.

 

Eines Tages hört er ein Klopfen aus der Nachbarwohnung und schließt nicht gerade begeistert daraus, dass ein Neuer neben ihm wohnt. Auch dieser Unbekannte geht niemals aus, das findet er schnell heraus.

 

Als dann am nächsten Tag sein geliebter Toaster Feuer fängt und kaputt geht, is Cornell sehr traurig und beerdigt seinen Toaster in der nächsten Nacht in seinem Garten. Als er am frühen Morgen wieder ins Haus geht, sieht er hinter seiner Gardine den neuen Nachbar mit finsterer Miene lauern.

 

Nach einer kurzen Nacht mit wenig Schlaf, denkt Cornbell am Frühstücktisch noch nach, wie er denn zu einem neuen Toaster kommt, als er mit Schrecken wahrnimmt, dass im Garten ein großes Loch ist und der Toaster gestohlen wurde.  Nach großer Überwindung klopft er beim Nachbarn, der ihm öffnet. Nach einigen Missverständnissen wird klar: der Nachbar hat den Toaster repariert.

„So wundert es kaum, dass sie bald schon beschlossen:

Ab jetzt wird das Frühstück zu dritt nur genossen.“

 

Ein schönes, ungewöhnliches Bilderbuch, mit einer liebevoll in Stop-Motion-Optik inszenierte Geschichte über Freundschaft, für Kinder und erwachsene Trickfilmliebhaber.

 

 

 

 

Eine Stimme in der Nacht. Commissario hört auf sein Gewissen (Hörbuch)

 

 

Andrea Camilleri, Eine Stimme in der Nacht. Commissario hört auf sein Gewissen (Hörbuch), Lübbe Audio  2018, ISBN 978-3-7857-5678-2

Der vorliegende Roman mit Commissario Montalbano aus Vigata in Sizilien ist der nunmehr 20. ins Deutsche übersetzte einer Reihe, die ihr Schöpfer Andrea Camilleri, mittlerweile 93 Jahre alt, in Italien schon auf 25 Bände ausgeweitet hat.

 

Ich habe alle bisher erschienenen Bände vom ersten Band „Die Form des Wassers“ bis zum dem aktuellen vorliegenden in Italien zuerst 2011 erschienenen gelesen, und ich muss sagen, dass ich selten in einer Krimireihe (die meisten mit deutlich weniger Bänden) so wenig qualitative Unterschiede gesehen habe wie bei Camilleri.

 

Obwohl die Besetzung bis auf unwesentliche Veränderungen in seinem Ermittlerteam immer gleich bleibt, ist es jedes Mal ein Genuss zu lesen, wie Montalbano etwa seinen Vorgesetzten mit dessen eigenen Mitteln austrickst oder wie sein tolpatschiger Assistent Catarella jeden Namen verwechselt, der ihm unter die Nase kommt.

 

In den letzten Bänden spielt Camilleri immer wieder mit dem Thema Alter. Montalbanos Zwiegespräche mit seinem Alter Ego deren sich immer mehr um seine Vergesslichkeit und seine abnehmende Energie.

Doch dann zeigt sich der auf sie sechzig zugehende Commissario wieder wie im vorliegenden Band von seiner besten Seite, lässt sich von ermittlungstechnischen Sackgassen nicht entmutigen und stellt wieder einmal fest, dass seine Libido noch nicht erloschen ist.

 

Wider mit viel Sprachwitz hat der Schauspieler Bodo Wolf zusammen mit anderen auch dieses Hörbuch eingelesen und begeistert seine Hörer erneut mit seinem Gespür für die lauten und die leisen  Zwischentöne Andrea Camilleris.

 

 

Lange habe ich mich in den letzten Jahren gefragt, warum Montalbano  immer noch jeden Abend mit seiner Freundin Livia telefoniert, obwohl er jedes Mal mit ihr in einen  Streit gerät. Man spürt, dass Montalbano sie durch die Zeiten aufrichtig liebt. Und nach der Lektüre dieses Buches, in dem Camilleri viel Einblick gibt in Montalbanos Vergangenheit, auch seine Geschichte mit Livia, weiß man auch warum. Ich glaube jedenfalls mittlerweile nicht mehr daran, dass Camilleri an dem Beziehungsstand der beiden in den insgesamt fünf in Italien schon erschienenen, aber noch nicht ins  Deutsche übersetzte Bände, etwas ändern wird, auf die  sich alle Freunde dieses Commissarios, der nach wie vor gutes Essen und guten  Wein goutiert, in den nächsten Jahren freuen können.

 

Wider mit viel Sprachwitz hat der Schauspieler Bodo Wolf auch dieses Hörbuch zusammen mit anderen eingelesen und begeistert seine Hörer erneut mit seinem Gespür für die lauten und die leisen  Zwischentöne Andrea Camilleris.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Revanche (Hörbuch)

 

Martin Walker, Revanche (Hörbuch), Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-80392-1

 

In seinen bisherigen Büchern mit dem sympathischen Bruno Courreges, dem Chef de Police in dem kleinen Städtchen St. Denis im Perigord ist es dem Engländer Martin Walker jedes Mal sehr gut gelungen, ein aktuelles Thema in einem konkreten Kriminalfall zu verbinden mit sehr aufschlussreichen Rückblicken in die dunklen Kapitel der französischen Geschichte.

 

Auch im zehnten Band einer Reihe, die an Unterhaltungsqualität nicht nachlässt, lässt Martin Walker seinen Bruno nicht nur wieder einer Menge Menschen begegnen ( man muss sich wirklich konzentrieren beim Lesen, dass man mit den vielen Namen nicht durcheinander kommt), sondern erfreut den Leser mit einer Menge an historischen Informationen, die er erneut hervorragend recherchiert hat. Dieses Mal gehen die Zusammenhänge zum einen weit zurück in die Zeit des Mittelalters und dem legendären Schatz der Templer und ihn direktem Zusammenhang damit geht es um ein geheimnisvolles Dokument mit möglichen und erheblichen Auswirkungen auf den Nahostkonflikt um die Frage, wem Jerusalem historisch gehört.

 

Als auf der alten Burg Commarque in der Nähe von St. Denis  eine Frau von einer Mauer zu Tode stürzt, nachdem dort eine seltsame Inschrift hinterlassen wurde. Es stellt sich heraus, dass diese Archäologin zusammen mit anderen auf der Suche nach einem höchst explosiven historischen Dokument war, das die politisch höchst aktuelle Frage um Jerusalem völlig neu stellen würde.

 

Schon ganz am Anfang der Ermittlungen stellt sich eine schöne, attrakrti8be Frau bei Bruno vor, die für das Justizministerium in Paris arbeitet und bei Bruno zwei Wochen lang sozusagen eine Art Praktikum machen soll. Im Verlaufe des Buches wird sie nicht nur den in digitaler Hinsicht eher unbedarften Bruno in die Tricks der digitalen Welt einführen, sondern damit auch wesentlich zur Aufklärung beitragen. Auch ein israelischer Agent namens Jacov wird neben dem aus den anderen Büchern schon bekannten Brigadier vom französischen Geheimdienst und Brunos großer Liebe Isabel in die Ermittlungen eingeschaltet (eine arabische Terrorgruppe ist auch hinter dem sagenumwobenen Dokument her), mit dem Amelie sehr schnell eine amouröse Beziehung aufnimmt.

 

Dies feststellend und seiner Isabel nachtrauernd (sie hat in einem der früheren Bücher ein Kind von Bruno abgetrieben, weil sie sich für die Karriere in Brüssel und Paris entschied), lässt Martin Walker seinen Bruno angesichts dieser neuen Beziehung und angesichts der Heirat der beiden Archäologen Horst und Clothilde( auch sie kennen wir aus dem letzten Buch) sich fragen:

„Ob ihm auch einmal eine Frau begegnen würde, die mit ihm zu leben bereit war, ihm Kinder schenkte und mit ihm alt werden möchte, während Enkel nachwuchsen?“  Und der Leser fragt sich erneut, ob ihm Martin Walker in einem der nächsten Bücher wohl diese Gnade erweisen wird?

Ich liebe diese Bücher mit ihrer Fülle von Beziehungen der Dörfer untereinander, ihrer Liebe zu gutem Essen und guten Wein. Dem Perigord jedenfalls haben sie in den letzten Jahren eine deutlich gestiegene Zahl an Touristen gebracht. Der Rezensent bedauert, es immer noch nicht dorthin geschafft zu haben.

Johannes Steck hat auch das neue Buch von Martin Walker wieder in einer ungekürzten Lesung für die Hörbuchfreunde zu einem ganz besonderen Hörerlebnis gemacht.

Sie ist auch nach der ersten Lektüre des gedruckten Buches auf jeden Fall zu empfehlen. Sie ist aber auch ein adäquater Ersatz für das Buch, weil es ihr gelingt, jene ganz besondere Atmosphäre der Bruno-Romane und der Region, in der sie spielen, wunderbar einzufangen.

 

 

 

 

Living in Style. The New Art Deco

 

Claire Bingham, Living in Style. The New Art Deco, teNeues 2018, ISBN 978-3-96171-093-5

 

Das neue in ansprechendes ockerfarbenes Leinen gebundene Buch der Interior-Journalistin Claire Bingham beschäftigt sich mit einem neuen Trend in der Inneneinrichtung, deren schwelgerischer Stil sehr stark beeinflusst ist vom Design des Art Deco zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

Claire Bingham präsentiert eine erstaunliche Ansammlung extrem glamouröser Interieurs mit einer Reise durch Privathäuser, schicke Hotels, ­sty­lische Restaurants und trendige Bars. In „Living in Style The New Art Deco“ dreht sich alles um die Welt der vom Art déco inspirierten Inneneinrichtung. Geschliffen, selbstbewusst und voller Leben präsentiert sich der moderne Glamour. Seite an Seite mit Vintage-Fotografien, in denen die Art-déco-Ära als glücklicher Augenblick der Geschichte verewigt ist, umfasst dieses Buch glänzende Designtalente von damals und heute.

Dieser anspruchsvolle Stil beschwört einen Geist, der ebenso modern und erstrebenswert wie luxuriös und außergewöhnlich ist.

 

 

Margot Käßmann. Folge dem, was Dein Herz Dir rät

 

 

Uwe Birnstein, Margot Käßmann. Folge dem, was Dein Herz Dir rät, Bene Verlag 2018, ISBN 978-3-96340-000-1

 

Obwohl Uwe Birnstein, der Autor der von Margot Käßmann autorisierten Biografie, die hier im neuen christlichen Bene Verlag innerhalb der Droemer Gruppe vorliegt, über eine lange Zeit immer wieder eng mit Margot Käßmann zusammengearbeitet und dieser auch freundschaftlich verbunden ist, ist es ihm gelungen, eine wirklich unabhängige und kritische Würdigung des Lebens und Wirkens dieser außergewöhnlichen Frau zu verfassen, die man „die Bischöfin der Herzen“ nannte.

 

Aus der intensiven Zusammenarbeit der beiden, zu denen auch die Besuche vieler originale Schauplätze gehörte, stammen auch die vielen bisher unveröffentlichten Fotos aus dem Privatarchiv der engagierten Theologin.

 

Wie wurde Margit Käßmann zu einer populärsten und angesehensten Persönlichkeiten Deutschlands? Was sind die sie bis heute prägenden Kindheitserfahrungen ?  Wie lernte sie Toleranz und Courage, woher stammen ihre Geradlinigkeit, ihr Mut und ihre Friedensliebe? Wie bringt sie Familienleben und Beruf unter einen Hut? Und vor allem: Welche Rolle spielt der christliche Glaube in ihrem Leben, wie schenkt er ihr Trost und Bestärkung?
 

All diesen Fragen geht Uwe Birnstein, selbst Theologe, in seiner über 200 Seiten langen Spurensuche nach und beschreibt ein ganz außergewöhnliches Frauenleben und ein Glaubensleben und eine Lebenspraxis, die Respekt hervorruft. Feinfühlig porträtiert er eine Frau, die oft im Scheinwerferlicht steht.

 

Eine beeindruckende und gelungene Biografie.

 

 

Das Böse es bleibt

 

 

Luca D‘ Andrea, Das Böse es bleibt, DVA 2018, ISBN 978-3-421-04806-6

„Das Böse, es bleibt“ ist der zweite Thriller des Südtirolers Luca D’Andrea. Wieder hat er die spannende Handlung in die raue Bergwelt Südtirols verlegt, in der er sich zweifellos gut auskennt und die er liebt.

Das Buch beginnt mit der dramatischen Flucht von Marlene. Sie ist die Frau eines Kriminellen, den sie verlassen hat und vor dessen furchtbarer Rache sie in ein hoffentlich neues Leben flüchtet. Mitten in den Südtiroler Bergen ist sie mit ihrem Auto in einem Schneesturm unterwegs. Bei sich hat sie einen Beutel mit wertvollen Saphiren, den sie quasi als Entschädigung ihrem Mann aus seinem Safe gestohlen hat. Sie sollen die Versicherung ihres neuen Lebens sein. Wegener, so heißt der Mann, älter als Marlene ist der Chef einer Mafiabande, die mit Erpressungen ihr Geschäft macht. Er wird seine Killer auf sie ansetzen, das ist sicher.

Marlene stürzt im Schneesturm mit ihrem Auto in eine Schlucht. Als sie in einer abgelegenen Berghütte des Alten der sie in der Schlucht gefunden und gerettet hat, erwacht, glaubt sie sich zunächst bei dem wortkargen alten Mann und seinen Schweinen sicher. Simon heißt der kräuterkundige Kauz, der den Hof seiner verstorbenen Eltern bewirtschaftet.

 

Zwischen Marlene und Simon entwickelt sich in den ersten Tagen ihres Aufenthaltes auf dem einsamen Hof ein fast freundschaftliches Verhältnis, bis sie tief im Keller des Hauses Simons Schweine entdeckt und eine immer angsterregendere Ahnung von seinem besonderen Verhältnis zu diesen Tieren, insbesondere zu „Lissy“ bekommt.

 

Doch Marlenes Mann hat schon jemand auf sie angesetzt und er ist schon auf dem Weg zu ihr…

 

Luca D’Andrea nutzt immer wieder wechselnde Erzählperspektiven um zum einen die extrem spannende Handlung ganz langsam und gegen Ende immer schneller voranzubringen, sondern auch um dem Leser die einzelne Charaktere und ihre Vergangenheit vorzustellen. Dies hilft dem Leser, sich mehr und mehr ein Bild zu machen, wie die einzelnen Menschen zu dem geworden sind, was sie heute sind und zu dem kamen, was sie heute antreibt, sie aber auch quält.

 

Es ist, neben den wunderbaren Naturschilderungen, gerade jene besondere Atmosphäre, die dunkle, sich bedrohlich steigernde Ahnung von etwas ganz Bedrohlichem und Schrecklichem, die den Leser das Buch einfach nicht aus der Hand legen lässt, aber auch die Art und Weise, wie sich das Verhältnis zwischen den beiden Hauptfiguren Simon und Marlene langsam aber sicher in eine Richtung verändert, die nichts Gutes ahnen lässt.
Doch es geht nicht nur um Marlene und Simon oben auf dem Berghof. Immer wieder wird auch erzählt von Simon, der seine Edelsteine zurückhaben will und einem sogenannten im Dunkel bleibenden  „Konsortium“, von dem Simon abhängig ist. Und schicken auch sehr schnell ihren besten Mann auf die Spuren von Marlene. Er hat keinen Namen, man nennt ihn „Mann des Vertrauens“ und trotz aller hervorragender Manieren ist dieser Mann, der nie versagt, ein Ungeheuer mit ungeheuerlicher Vergangenheit.

 

Es ist eine Geschichte voller Kobolde und Märchen, Traditionen und altem Wissen. Eine Reise in Gedanken und Erinnerungen, in Träume und Wahnvorstellungen.
„Entweder hatte man Vertrauen, oder man hatte es nicht. Etwas dazwischen gab es nicht.“

 

Es gelingt Luca D’Andrea ganz hervorragend, seine Leser sofort mit hineinzuziehen in diesen Bann und atemlos in der Lektüre fortzuschreiten, die ihn mit immer neuen ungeahnten Wendungen, völlig gefangen nimmt.

 

Ein wirklich empfehlenswerter Thriller, der in 30 Sprachen gleichzeitig erscheint.