Allmen und die Erotik

 

 

 

Martin Suter, Allmen und die Erotik, Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-07033-0

 

Das hier vorliegende  Buch „Allmen und die Erotik“  ist der mittlerweile fünfte Band einer Serie von Martin Suter, einem extrem vielseitigen Schriftsteller. Johann Friedrich von Allmen ist eigentlich kein richtiger Adliger. Im neuen Buch erzählt er an einigen Stellen von seiner Kindheit auf einem Bauernhof. Doch irgendwie hat er es zu großem Reichtum gebracht, der ihm aber durch seinen aufwendigen und verschwenderischen Lebensstil immer wieder unter den Fingern zerrinnt. So musste er vor längerer Zeit schon seine große Villa verkaufen und sich ein lebenslanges Wohnrecht in dem zur Villa gehörenden Gartenhaus sichern.

 

Dort lebt er auf relativ engem Raum zusammen mit seinem Diener Carlos, einem illegal in der Schweiz lebenden Guatemalteken und dessen Partnerin Maria. Carlos ist für Allmen unersetzbar und mittlerweile zum Teilhaber der Firma Allmen International Inquiries aufgestiegen, einer Agentur, deren Spezialität es ist, wertvolle Kunstgegenstände wieder zu beschaffen. Dass sie diese nicht selten vorher selbst auf unterschiedlich phantasievolle Weise entwendet und in ihren Besitz gebracht haben, ist unverzichtbarer Bestandteil des Geschäftsmodells der Firma.

 

Im neuen Buch ist Allmen wieder einmal pleite. Beim Diebstahl eines kleinen Faberge-Eis wird er von einem Kunsthändlerkollegen namens Krähenbühler gefilmt und dann von diesem erpresst. Es geht um eine große Sammlung erotischer Porzellanstücke, die der ehemalige Antiquar Sterner nach seinem Eintritt in eine Sekte in einem Lagerhaus eingelagert hat.

 

Allmen und Carlos sollen sich dort Zutritt verschaffen, vorher das Vertrauen des für Sterner sprechenden Sektenchefs erschleichen und dann die gestohlenen wertvollen Skulpturen an Hehler verkaufen. Selbstverständlich streicht Krähenbühler die Hälfte des Erlöses ein.

 

Allmen und Carlos gelingt der Coup recht gut. Die ebenfalls im Haus der Sekte lebenden Tochter des alten Sterners, den bald das Zeitliche segnet, hat es Allmen angetan. Er will ihr näher kommen, doch er wird sich über die junge, so unschuldig daherkommende Frau noch wundern. Der Titel hat dieses Mal eine Doppelbedeutung. Zum einen geht es um erotische Figurinen aus dem Rokoko, zum anderen um die erotische Anziehung, die die zwanzig Jahre jüngere Jasmin auf Allmen ausübt.

 

Auch in diesem Band kommen der nüchterne Carlos und der verschwenderische Allmen in heikle Situationen, die ihren finanziellen Erfolg immer wieder gefährden. Doch schließlich scheint sogar, wie beim letzten Mal, ein ganz schöner Batzen für die beiden dabei herauszuspringen, aber ein wirklich überraschender Schluss zwingt den von Suters witziger Sprache faszinierten Leser, den nächsten erscheinenden sechsten Band unbedingt zu lesen.

 

Vielleicht überrascht uns Martin Suter aber auch zunächst mal wieder mit etwas ganz anderem.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das schlaflose Buch

 

 

Moni Port, Das schlaflose Buch, Klett Kinderbuch 2018, ISBN 978-3-95470-192-6

 

Kennst Du das? Du liegst im Bett, bist auch rechtzeitig schlafen gegangen. Du schließt die Augen, wartest, bis du eingeschlafen bist und es geht nicht. Der Schlaf will einfach nicht kommen.

 

Stattdessen kommen Gedanken, seltsame Gedanken. Wie Meereswellen rauschen sie durch Deinen Kopf – vor und zurück und auch wieder ganz woandershin.

 

So geht es auch dem Mädchen in dem neuen wieder außerordentlich witzig gezeichneten Buch von Moni Port, das sie in ihrem Hausverlag Klett Kinderbuch in Leipzig veröffentlicht hat.

 

Wenn man dem nächtlichen Gedankenstrom des überaus klugen und belesenen Mädchens folgt, erfährt man viel Wissenswertes über Menschen, Tiere und andere Phänomene, aber auch relativ Belangloses etwa über die Fußballer ihres Lieblingsvereins schießt ihr durch den Kopf.

 

Das Buch wird vom Verlag für alle Tag- und Nachträumer ab 5 Jahren empfohlen. Zum Vorlesen vor dem Einschlafen halte ich es weniger geeignet als zum Selbstlesen ab  dem Grundschulalter.

 

Ein Konzert im Park

 

Kazuaki Yamada, Ein Konzert im Park, Minedition 2018, ISBN 978-3-86566-334-4

 

Dieses wunderschöne und warmherzig illustrierte Bilderbuch von Kazuaki Yamada erzählt von der Kraft und Schönheit der Musik und wie sie Menschen verbindet und zum Mitmachen motiviert.

 

Der ich-erzählende namenlose kleine Junge verabschiedet sich, seine Mundharmonika in der Hand, von seiner Mutter an der Haustür und teilt ihr mit, er gehe jetzt in den nahen Park. Als er gerade beginnen will, seine ersten Töne auf der Harmonika zu blasen, hört er eine unbestimmte Melodie, die aus dem Park kommt. Er geht dem nach und trifft einen Hasen, der einsam an einem Klavier spielt. Er fragt, ob er mitmachen kann und schon spielen sie gemeinsam eine sanfte Melodie.

 

Mit jeder der immer größer werden Seiten kommt ein weiteres Tier mit einem Instrument dazu und das Spiel wird immer flotter und lauter. Schließlich scheint der ganze Park zu beben. Als sie am Ende zu sechst harmonieren, setzt sich ein weinender Vogel auf das Klavier. Er hat kein Instrument. „Aber du hast doch eine Stimme. Das würde perfekt zu unserer Musik passen“, lädt der Junge den Vogel zum Mitmachen ein.

 

Und eine wunderbare Musik erfüllt den ganzen Park, bis der Junge nach Hause zum Abendessen muss. Seine Mutter hat die Musik gehört aus dem nahen Park und glaubt, das sei ihr Junge  gewesen.

 

Und als der Junge in seinem Bett liegt, träumt er davon, am nächsten Tag wieder mit seinen Freunden zu spielen.

 

Ein schönes Bilderbuch über die gemeinschaftsstiftende Kraft der Musik und über Freundschaften  die sie begründen kann. Die an dem Konzert beteiligten Instrumente sind auf der letzten Doppelseite des Buches noch einmal abgebildet und werden erklärt.

 

Möge es viele Kinder zum Musikmachen anstiften.

Stille Nacht. Heilige Nacht

 

 

Werner Thuswaldner, Robert Ingpen, Stille Nacht. Heilige Nacht, minedition 2018, ISBN 978-3-86566-356-6

 

Es ist eines der bekanntesten Weihnachtslieder, „Stille Nacht“, ein Lied, das Menschen in aller Welt verbindet und bis heute in mehr als 300 Sprachen gesungen wird, immer dann wenn die Feier der Geburt Jesu Menschen in Kirchen, Häusern und Hütten zusammenbringt. Als ich zu Beginn der 80 er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in einem Dezember meine erste Pfarrstelle übernahm und am Heiligen Abend in den Gottesdiensten dieses Lied mit der Gemeinde singen wollte, musste ich Kopien herstellen, denn das Lied war im Gesangbuch nicht zu finden. Über eine sehr lange Zeit hatte zumindest die protestantische Theologie dieses wunderbare Lied als kitschig denunziert und ihm die Aufnahme in die Gesangbücher verweigert. Wie froh war meine neue Gemeinde, als sie endlich in der dunklen, nur von den Lichtern des Weihnachtsbaums erleuchteten Kirche ihr beliebtes Lied singen konnten. Ich werde diese Stimmung nie vergessen und habe dieses schöne Lied seitdem an jedem Heiligen Abend in die Liturgie eingebaut.

 

In dem vorliegenden von Robert Ingpen mit zarten Bildern illustrierten Bilderbuch erzählt Werner Thuswaldner  sehr kindgerecht die spannende und bewegende Entstehungsgeschichte dieses berühmten Weihnachtslieds.

 

Als am Heiligen Abend 1818 in einem bitter kalten Winter in Oberndorf in Österreich die Orgel ausgefallen ist, haben der junge Hilfspriester Joseph Mohr und der Lehrer Franz Xaver Gruber die Idee, ihre Gemeinde, die unter bitterer Armut leidet, in diesem Jahr bei der Christmette mit einem neuen Lied zu erfreuen.

 

Schon an diesem ersten Weihnachten bei der Premiere haben die Menschen gespürt, was das Besondere an diesem Lied ist, wie es ihre Herzen wärmt und ihre Seelen tröstet. Und später, als durch den Orgelbauer Carl Mauracher und die Zillertaler Familien Strasser und Rainer das Lied zunächst in ganz Tirol bekannt wurde und später in der ganzen Welt gesungen wurde, spürten immer mehr Menschen das gleiche.

 

Ich habe hartgesottene Männer bei diesem Lied am Heiligen Abend weinen sehen, und immer wieder in die strahlenden Augen der Kinder blicken dürfen, wenn wir dieses Lied gesungen haben.

 

Es ist ein Stück gelebter Volksfrömmigkeit, die trotz heftiger Missachtung durch die etablierte Theologie auf eine wunderbare Weise lebendig geblieben ist. Es Kindern nahezubringen ist wichtig, denn dieses Lied wird sie später trösten können.

 

 

 

 

Die Nacht vor Weihnachten

 

 

 

Clement Clarke Moore, Lisbeth Zwerger, Die Nacht vor Weihnachten, minedition 2018, ISBN 978-3-86566-357-3

 

Am Weihnachtsabend des Jahres 1822 hat Clement Clarke Moore dieses wunderschöne und klassisch gewordene Gedicht für seine Familie geschrieben. Der große Erich Kästner hat es 1947 für deutsche Kinder übersetzt und damals unter dem Titel „Als der Nikolaus kam“ veröffentlicht.

Nun legt Michael Neugebauer in seiner classic-minedition eine kleine Neuausgabe vor, die Lisbeth Zwerger in ihrer unnachahmlichen Art auf eine überraschend neue Weise illustriert hat.

Herausgekommen ist ein poetisches Kleinod, ideal zum Vorlesen auf Englisch und Deutsch und ein schönes Geschenk für die Weihnachtszeit nicht nur für Kinder.

Familie Babar

 

 

 

Jean de Brunhoff, Familie Babar, Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-00605-6

 

Dieser alte Bilderbuchklassiker ist nach dem Tod von  Jean de Brunhoff 1938 posthum in Frankreich erschienen. Eine erste deutsche Ausgabe erschien erst 1958, bevor das Buch dann im Diogenes Verlag ab 1979 eine Heimat fand, und nun in einer großformatigen Ausgabe neu veröffentlicht wird. Es erzählt von Babar, dem König im Elefantenland. Der kann sein Glück kaum fassen, denn eine Frau, die Königin Céleste, erwartet ein Baby! Doch wie immer bei Babar läuft nicht alles so, wie es soll. Eine Überraschung folgt der nächsten, und Babar, seine Familie und seine Freunde müssen abermals viele Abenteuer bestehen. Die Geschichten um den liebenswerten Elefanten Babar des französischen Autors Jean de Brunhoff sind Klassiker auf dem Kinderbuchmarkt.

 

Ob die Kinder heute die von Kurt Jenny gezeichnete Schrift noch selbst lesen können?

Ein schönes Buch über die Freude, Kinder zu haben und groß zu ziehen. Kinder werden es auch heute lieben, wie schon seit Generationen.

Das Wimmelbuch der Weltreligionen

 

 

 

Anna Wills, Nora Tomm, Das Wimmelbuch der Weltreligionen, Beltz & Gelberg 2017, ISBN 978-3-407-82202-4

 

Das vorliegende großformatige und farbenfroh illustrierte Wimmelbuch von Anna Wills und Nora Tomm ist der gelungene Versuch, die fünf großen Weltreligionen für Kinder ab dem Grundschulalter, aber auch für alle Erwachsenen bis in hohe Alter auf eine ganz besondere Weise anschaulich darzustellen und zu erklären.

 

In den Buchdeckel eingelassen ist ein herausnehmbares Heft mit Infografiken, mit denen man dann die Wimmelbilder besser verstehen kann.

Auf jeweils einer übersichtlichen Doppelseite werden dann die fünf Religionen vorgestellt. Die Wimmelbilder geben einen Einblick und erzählen aus dem Alltag, von fröhlichen Festen und wichtigen Lebensereignissen, von Bräuchen und Ritualen.

 

Dabei spannen sie einen Bogen um die ganze Welt und zeigen, wie vielfältig religiöses Leben heute aussieht.

 

Es ist ein im besten Sinne „ökumenisches“ Sachbilderbuch mit großem Spaßfaktor.

 

 

Hurtigruten 2019

 

 

 

 

 

Hurtigruten 2019, Delius Klasing 2018, ISBN 978ö-3-667-11132-6

 

Jedes Jahr im Oktober lockt die legendäre Hurtigruten aus Norwegen potentielle Passagiere mit attraktiven Frühbucherrabatten und der Einladung, den „Traum“ jetzt Realität werden zu lassen.

Der hier vorliegende Kalender kann alle, die in den nächsten Jahren eine solchen Reise planen, auf eine wundervolle Art einstimmen und für diejenigen, die diese Reise aus welchen Gründen auch immer nicht machen wollen oder können, sind die Fotografien dieses Kalenders eine tägliche Augenweide, an der sie sich erfreuen können.

 

Die Reise von Bergen nach Kirkenes und zurück ist ein einzigartiges Erlebnis, aber im Vergleich etwa zu Angeboten anderer Schiffe ist sie sehr teuer. Ich wollte mit meiner Familie (3 Personen) im letzten Jahr diese Route buchen, habe sie aber für etwa die Hälfte mit einer tollen Balkonkabine auf der ARTANIA von Phoenixreisen bekommen.

Klaus, wir retten dich, halt aus. Eine lustige Weihnachtsgeschichte

 

 

Andrea Schomburg, Igor Lange, Klaus, wir retten dich, halt aus. Eine lustige Weihnachtsgeschichte, arsedition 2018, ISBN 978-3-8458-2522-9

 

„Für alle Kleinen, die großen Mut entwickeln“ hat Andrea Schomburg ihre hier vorliegenden lustige und in tollen Reimen verfasste Weihnachtsgeschichte geschrieben, die Igor Lange witzig und originell illustriert hat.

 

Die Tiere des Waldes wollen sich an einem Tag kurz vor Weihnachten bei Klaus im Mäusehaus treffen. Doch er ist nicht da. Aber er ist nicht spurlos verschwunden, sondern große Spuren führen vom Mäusehaus weg in den Wald. Seine Freunde denken, ein großes Untier habe Klaus geklaut und nehmen die Verfolgung auf. Eine abenteuerliche Suche beginnt. Als sie endlich Klaus finden und auch das Rätsel der tiefen „Monsterspuren“ gelöst ist, gehen sie fröhlich und dankbar nach Hause und einige Tage später feiern sie Weihnachten mit einem großen Festessen.

 

Ehrensache, dass sich Freunde nicht im Stich lassen, besonders nicht in der Weihnachtszeit.

Winter im Wichtelwald

 

 

 

 

 

 

Outi Kaden, Winter im Wichtelwald, arsedition 2018, ISBN 978-3-8458-2649-3

 

Outi Kaden führt ihre kleinen Betrachter und die großen Vorleser mit diesem schönen Bilderbuch in einen  verschneiten Winterwald, der jeweils mit Originalfotografien abgebildet ist. Auf jeder neuen Doppelseite begegnet der witzig in die Fotografie gezeichnete kleine Waldwichtel einem anderen Tier. Der Meise, der er ein paar Kerne bringt, dem hustenden Fuchs, dem er Hustensaft und eine Wurst schenkt. Das Eichhörnchen bekommt Nüsse und Rosinen, weil es im tiefen Schnee seine Vorräte nicht mehr findet. Mit dem großen Braunbär macht er eine lustige Schneeballschlacht und den Rentieren zeigt er eine Stelle, wo sie gut Moose zum Fressen finden.

Eine einzigartige Kombination aus hochwertigen Fotografien und warmherzigen Illustrationen. Der Text ist in schönen Reime abgefasst, was Kinder besonders lieben, weil sie nach mehrfachem Vorlesen auch selbst nachsprechen bzw. die Sätze vollenden können.