Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Gott funktioniert nicht. Deswegen glaube ich an ihn

 

 

 

Thomas Frings, Gott funktioniert nicht. Deswegen glaube ich an ihn, Herder 2019, ISBN 978-3-451-38026-6

 

Vor drei Jahren hat Thomas Frings sein Pfarramt aufgegeben und ist zunächst in ein Kloster gegangen. Er hat darüber in einem erfolgreichen und vieldiskutierten Buch geschrieben.

 

Nun, nach einer langen Pause der Reflexion meldet er sich wieder mit einem neuen Buch zu Wort. Hatte sich das erste noch weitgehend damit beschäftigt, warum er in der gegenwärtigen katholischen Kirche nicht mehr als Pfarrer arbeiten kann, beschäftigt er sich nun mit der Vorstellung von Gott. Denn schon kurz nach seiner Weihe musste er bestürzt feststellen, dass er trotz Studium und Seminar zu Gott weder eine Beziehung hatte noch eine tiefe Vorstellung von ihm.

 

Er schreibt nun bewegend und beeindruckend von seinen Zweifeln, von  seinem ernsthaften Suchen, von seinem schmerzhaften Ringen um eine Vorstellung von Gott. Und er erzählt von dem Mut, den er dazu brauchte.

 

Denn er ist davon überzeugt, dass nur ein Glaube trägt, der Gott wirklich ernst nimmt. Ohne einen solchen Glauben als Fundament von allem weiteren wird die Kirche nicht überleben, von welcher Konfession auch die Rede ist.

 

Indem er von seiner eigenen Suche sehr persönlich erzählt, lädt er seine vielleicht ebenfalls auf der Suche befindlichen Leser ein auf einen Weg, der Glaubenserkenntnis verspricht.

 

Ob das die Strukturen der Kirche aufbrechen kann, wage ich zu bezweifeln. Vgl. hierzu das Buch von Marco Marzano, Die unbewegliche Kirche (2019), das ebenfalls bei Herder erschienen ist.

 

 

Der Nahe Osten geht nicht unter. Die arabische Welt vor ihrer historischen Chance

 

 

Daniel Gerlach, Der Nahe Osten geht nicht unter. Die arabische Welt vor ihrer historischen Chance, Edition Körber 2019, ISBN 978-3-89684-268-8

 

Seit vielen Jahrzehnten scheint der Nahe Osten als eine Weltgegend, die, von Kriegen, religiösen Konflikten und zunehmender Hoffnungslosigkeit geprägt, nicht selten als möglicher Ausgangspunkt eines großen Weltenbrandes gesehen wird.  Wohin man auch schaut in der Medienlandschaft, dem Mittleren und Nahen Osten wird keine große Zukunft vorausgesagt.

 

Doch für den Orientalisten und Journalisten Daniel Gerlach ist der von allen schon längst totgesagte arabische Frühling noch lange nicht zu Ende. Für ihn, wie er in dem hier vorliegenden Buch „Der Nahe Osten geht nicht unter“ immer wieder aufzeigt, hat 2011 etwas Irreversibles begonnen:

„In jedem Fall handelt es sich um eine epochale Entwicklung, die sich trotz etlicher Bemühungen autoritärer Kräfte in der arabischen Welt nicht mehr ungeschehen machen lässt. Denn sie hat gezeigt: Kein Diktator, kein Autokrat kann mehr sicher sein zu herrschen, bis er an Altersschwäche stirbt. Und absolute Macht ist eine Illusion.“

 

Er zeigt überzeugend optimistisch, dass die arabische Welt, auch wegen ihrer immer jünger werdenden Gesellschaften, Veränderungsprozesse historischen Ausmaßes erlebt, die hierzulande noch kaum angemessen wahrgenommen werden.

 

Gerlach erzählt in seinem Buch von Menschen, die er auf seinen vielen Reisen in die Region getroffen hat. Menschen, die mit ihrem Engagement Hoffnung  machen können auf eine bessere Zukunft. Eine heranwachsende Generation, der er zutraut, dass sie die großen Übel der Region an der Wurzel bekämpfen können. Den Sektarismus etwa, die Trennung zwischen Sunniten und Schiiten und den Konfessionalismus. Denn  „diese Geisteshaltung hat dem Nahen Osten großen Schaden zugefügt. Sie war nicht die Ursache, sehr wohl aber der Brandbeschleuniger für Kriege. Sie stellte die Betriebstemperatur für explosive Reaktionen her. Nach dem Despotismus ist der Sektarismus die zweite große Geißel der nahöstlichen Gesellschaften.“

 

Gerlach weist auf eine Tatsache hin, die bei uns beim Blick auf den Nahen Osten meist vergessen wird. Für ihn sind die jungen Menschen dort nicht nur Opfer, sondern können zu Herrinnen und Herren ihres eigenen Schicksals werden. Er traut ihnen zu, in naher Zukunft schon ihr Leben lebenswerter zu gestalten.

 

Ich muss gestehen, dass mich dieser Optimismus beeindruckt hat, aber nicht meine Skepsis vertreiben konnte, was die Zukunft der arabischen Gesellschaften betrifft

 

 

Zuversicht

 

 

 

Mira Magen, Zuversicht, DTV 2018, ISBN 978-3-423-28151-5

 

Mira Magén ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Schriftstellerinnen Israels. Sie ist Anfang der fünfziger Jahre in Kfar Saba  geboren und blieb der orthodoxen, ostjüdisch geprägten Welt ihrer Kindheit bis heute verbunden, was in ihren Romanen auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck kommt, wo die Auseinandersetzungen mit der jüdischen Tradition und dem Glauben meist eine bedeutende Rolle spielt.

 

Sie hat in ihrem Leben verschiedene Stationen durchlaufen, sich immer wieder verändert. So hat sie nach einem Studium der Psychologie und Soziologie als Lehrerin, Sekretärin und als Krankenschwester gearbeitet, bevor sie sich als Schriftstellerin selbständig machte. Sie gründete dazwischen eine Familie mit Kindern und hat auch diese Erfahrung in ihren Romanen immer wieder reflektiert.

 

In ihrem neuen Roman „Zuversicht“, der in Israel 2015 erschien und von ihrer treuen Übersetzerin Mirjam Pressler als eines der letzten Bücher vor ihrem Tod kongenial ins Deutsche übertragen wurde, erzählt die 39- jährige Nava eine Geschichte der Befreiung und Auferstehung in ein neues Leben.

 

Denn als Nava ihren Mann und ihren kleinen Sohn bei einem Autounfall verliert, gibt sie ihren Beruf als erfolgreiche Innenarchitektin auf. Sie kauft in einen Seniorenwohnanlage mit dem Geld, das ihr die Versicherung ausgezahlt hat, eine kleine Wohnung und arbeitet als Kassiererin in einem nahe gelegenen Supermarkt. Sie hat mit ihrem Leben abgeschlossen und versucht  mit aller Kraft, die ihr gebelieben ist, sich der Zukunft zu verweigern. Ein Altenheim als Wohnort, mitten unter alten Menschen ohne Zukunft, scheint ihr der geeignete Ort, um den Rest ihres Lebens zu verbringen.

 

Doch all ihre Versuche, sich vom Leben abzuschließen und den Kontakt zu anderen Menschen zu verweigern, bleiben relativ erfolglos. Denn die alten Bewohner der neuen Seniorenanlage suchen ihre Freundschaft, ein Kollege im Supermarkt lässt nicht locker, ihr sein Herz auszuschütten und da nähern sich ihr Männer, die sie verehren und zu ihrer eigenen  Überraschung ihre Begierde und Leidenschaft neu wecken.

 

Am wichtigsten ist jedoch Navas Bruder Chanan, ein stiller Tischler, der zusammen mit seiner Familie, die zu einer neuen Heimat für Nava wird, auf seine zurückhaltende aber wirksame Weise langsam und behutsam versucht, Nava ins Leben und seine Lebendigkeit zurückzuholen.

 

Alle miteinander zeigen ihr mit ihrer Herzenswärme und Güte zunehmend erfolgreich, dass es auch für sie eine Zukunft gibt und dass auch sie nicht allein ist.

 

„Zuversicht“ ist ein sensibler und berührender Roman über die große Kraft von Freundlichkeit, Liebe und Einfühlung, die es einer beeindruckenden Frau ermöglicht, dem Sog der Trauer zu entkommen und sich neu dem Leben und der Liebe zu öffnen. Mira Magen gelingt es mit ihrer einfühlsamen Sprache in ganz tiefe Ebenen der Leserseele vorzudringen  wenn der sich denn öffnet.

 

Ein Buch, das lange nachwirkt und viel Hoffnung ausstrahlt.

 

 

 

 

 

 

 

Der kleine Waschbär Waschmichnicht

 

 

Britta Sabbag, Igor Lange, Der kleine Waschbär Waschmichnicht, arsedition 2019, ISBN 978-3-8458-2538-0

 

So wie alle Mütter ist auch die Mama des kleinen Wachbären der Meinung, dass Sauberkeit an oberster Stelle steht: „Ein richtiger Waschbär wäscht sich täglich und für sein Leben gern“, sagt sie voller Überzeugung. Doch ihr kleiner Sohn weigert sich und versteckt sich im Bett. Sie nennt ihn „kleiner Waschbär Waschmichnicht“ und zieht ihn aus dem Bett.

 

Doch der will sich auf keinen Fall waschen und springt aus dem Fenster. Er sucht sich Verstecke bei den Schweinen, bei den Pferden, in der Mülltonne. Immer wieder kündigt seine Mutter ein immer größer werdendes Bad an, doch da haut der kleine Waschbär wieder ab. Doch als ein Stinktier ihm sagt, er rieche wie ein Stinktier und sei deshalb ganz bestimmt kein Waschbär, besinnt er sich eines anderen.

 

Ein Dauerthema aus dem Alltag von kleinen Kindern und ihren Eltern hat die „Hummel-Bommel“ – Autorin Britta Sabbag charmant umgesetzt. Igor Lange hat ihre Geschichte witzig und humorvoll illustriert.

 

 

 

Schottland. Die Highlands I. Von West bis Nordwest

 

 

Hans Jürgen Wiehr, Schottland. Die Highlands I. Von West bis Nordwest, Nünnerich-Asmus Verlag 2019, ISBN 978-396176-062-6

 

Das vorliegende Buch ist das erste in einer dreiteiligen Reihe von Reise-Bildbänden „zu den zauberhaften Plätzen eines aufregenden Landes“. Die Rede ist von Schottland und Hans Jürgen Wiehr, der selbst schon ein Leben lang Lust am Reisen und Entdecken verspürte, hat dazu das Format PREVIEW erfunden. Bücher, die ebenso zur Vorbereitung einer Reise dienen sollen, wie als Reisebegleiter.

Die Bücher sollen die  klassischen Reiseführer nicht ersetzen, sondern bildgewaltig ergänzen und eine Vorschau des Landes geben, das der Leser als sein nächstes Reiseziel gewählt hat.

 

Die Wege und die Ziele, die Wiehr beschreibt,(sie sind auch auf der hinteren Umschlagseite in einer Landkarte gezeigt) sind als Empfehlungen zu verstehen. Letztlich wird jeder Reisende seinen eigenen Präferenzen zu den gezeigten Orten, ob wilde Landschaften, brandungsumtoste Inseln, Burgen, Schlösser, Gärten oder Parks folgen.

 

Mit eindrucksvollen, durchgehend doppelseitigen Fotos gibt der Autor und leidenschaftliche Fotograf einen Vorgeschmack auf Orte und Inseln an der westlichen Atlantikseite Schottlands. PREVIEW liefert praktische Tipps aus Eindrücken und Erfahrungen des Autors für unterwegs, denn PREVIEW heißt Vorschau auf das, was auf Sie wartet.

 

Mir jedenfalls hat das Abschauen dieser wunderbaren Bilder und dem Folgen der Routen die Lust auf eine Schottland-Tour geweckt. Ich darf noch auf die beiden weiteren Bände „Highlands II und III“ hinweisen, die die Reise ergänzen oder eine zweite begründen können.

 

 

 

Widerworte. Gedanken über Deutschland

 

 

 

Alice Weidel, Widerworte. Gedanken über Deutschland, Plassen Verlag 2019, ISBN 978-386470-631-8

 

Wenn man als kritischer Zeitgenosse, der, die Bundestagsdebatten des letzten Jahres verfolgend, sich so oft über die unsäglichen Redebeiträge so manches AfD- Politikers geärgert hat, sich einmal genauer mit den politischen, ökonomischen und ideologischen Hintergründen der Grundlagen der gegenwärtigen AfD-Politik befassen will, ohne sich von vornherein dem grundsätzlichen Ausschluss dieser Partei und ihrer Wahler aus dem demokratischen und gesellschaftlichen Diskurs anzuschließen, dann ist das vorliegende Buch der Co-Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion eine gute Grundlage dafür. Denn meines Wissens ist es das erste gründlich geschriebene Buch eines AfD-Politikers der ersten Reihe, das neben den oft katastrophal schlechten und von Fremdenfeindlichkeit geprägten Reden der meisten Abgeordneten der Öffentlichkeit zugänglich ist.

 

Das, was Weidel da schriebt und die Vorschläge, die sie in ihrem konservativen Manifest macht für eine neue Politik in Deutschland haben mit Rechtsextremismus nichts zu tun. Wenn alle AfD-Politiker so reden würden, wie Alice Weidel schreibt (ihre Reden im Bundestag klingen aber leider oft anders), dann wäre vielleicht ein durchaus kontroverser Diskurs mit ihren Positionen denkbar. Denn ihre Thesen haben durchweg kein Alleinstellungsmerkmal. All das haben andere, des Extremismus unverdächtige Personen schon oft an anderen Stellen beschrieben.

 

Man muss mit solchen Positionen kompetent diskutieren und sie nicht von vornherein aus ideologischen Gründen ausgrenzen.

 

 

Wieso. Weshalb. Warum. Abenteurer und Entdecker

 

 

Susanne Gernhäuser, Peter Friedl, Wieso. Weshalb. Warum. Abenteurer und Entdecker, Ravensburger Verlag 2019, ISBN 978-3-473-32947-2

 

Dieses Buch aus der durchweg empfehlenswerten Sachbuchreihe Wieso? Weshalb? Warum? für Kinder von vier bis sieben Jahren aus dem Ravensburger Verlag gibt auf insgesamt acht Doppelseiten mit vielen Klappen, die Einblicke ermöglichen und  Bewegungen und Abläufe veranschaulichen, eine Einführung in ein Thema, das mich persönlich als Kind sehr interessiert hat, und mit dem sich auch heute Kinder schon im Kindergartenalter gerne beschäftigen, den Abenteurern und Entdeckern diese Welt.

 

Zunächst wird beschrieben, warum Menschen wie etwa die Wikinger schon im frühen Mittelalter ihre Heimat verlassen und sich auf den Weg nach neuen Ländern gemacht haben. Weitere Seiten beschreiben, wie diese Abenteurer neue und unbekannte Länder entdeckt haben, erklären das Leben an Bord der engen Schiffe und erzählen sehr kritisch von den schrecklichen Folgen für die die einheimischen Bewohner der eroberten Länder.

 

Weitere Seiten erklären die botanischen Entdeckungen von James Cook und vor allem Alexander von Humboldt, befassen sich mit der Entdeckung von Städten früherer Völker und der Frage, warum es so wenige Entdeckerinnen gab, bevor die Autoren sich neuzeitlichen Entdeckungen widmen, etwa die Erstexpeditionen zum Südpol und auf den Mount Everest und zum tiefsten Punkt des Meeres.

 

 

 

 

 

 

Die Frage, was es Zukunft noch alles zu entdecken gibt, etwa auf dem Mars, bildet den Abschluss eines Sachbilderbuchs für Kinder zwischen vier und sieben Jahren, dem es sehr gut gelungen ist, die Vielfalt des Themas altersgerecht darzustellen, das mit vielen Klappen zum Entdecken und Weiterfragen einlädt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So funktioniert dein Körper

 

John Fardon, Tim Hutchinson, So funktioniert dein Körper, Gerstenberg 2018, ISBN  978-3-8369-5996-4

 

Vollgepackt bis zum Rand mit Informationen für wissensbegierige Grundschulkinder ab etwa 8 Jahren ist dieses zuerst in England erschienene Sachbuch. Darunter könnte die Übersichtlichkeit leiden, aber ich denke, wenn die Kinder sich die jeweils auf einer Doppelseite beschriebenen Themen langsam und nacheinander vornehmen, haben sie etwas davon und können viel lernen

 

Hunderte kleine Helfer in Blaumännern helfen ihnen dabei und veranschaulichen den Kindern in diesem Buch, wie der menschliche Körper funktioniert: Sie bedienen den »Zentral-Computer« Gehirn, flitzen durch den Blutkreislauf und wagen sich selbst in die dunkelsten Regionen des Körpers vor: den Darm.

 

Das Buch ist eine rasante Tour durch die menschliche Körperfabrik und die detaillierten Illustrationen erklären in vielen Schritt-für-Schritt-Abbildungen die elementaren Vorgänge in unserem Körper. Vier Ausklappseiten und ein umfassendes Glossar runden das superwitzige aber immer faktentreue Sachbuch für an neuem Wissen interessierte Leser.

 

 

 

Wieso. Weshalb. Warum. Wir entdecken heimische Tiere

 

 

Patricia Mennen, Anne Ebert, Wieso. Weshalb. Warum. Wir entdecken heimische Tiere, Ravensburger Verlag 2019, ISBN 978-3-473-32948-9

 

Dieses Buch aus der durchweg empfehlenswerten Sachbuchreihe Wieso? Weshalb? Warum? für Kinder von vier bis sieben Jahren aus dem Ravensburger Verlag gibt auf insgesamt acht Doppelseiten mit vielen Klappen, die Einblicke ermöglichen und  Bewegungen und Abläufe veranschaulichen, eine Einführung in die heimische Tierwelt, die Kinder in ihrem Garten, im Wald und auf Wiesen bei Spaziergängen beobachten können.

 

 

Zunächst wird beschrieben, welche Tiere man sozusagen direkt vor der Haustür finden kann und im eigenen Garten. Dann werden die Kinder in den Wald geführt, wo die Tierwelt am Tag und in der Nacht beschrieben wird.

 

Die Bedeutung und die Wichtigkeit von Wiesen und aufgelockerten Feldfluren folgt, bevor eine Doppelseite sich einem relativ neuen Phänomen widmet, den Wildtieren in der Stadt und was sie dahin lockt.

 

Es folgen Informationen zu den Tieren in den Bergen, an der Küste  und an verschiedenen Wasserstellen an Seen, Teichen und Flüssen. Wieder neu bei uns heimisch gemachte Tiere wie der Luchs und die Ansiedlung von bei uns ausgestorbenen Tieren wie der Wisent bilden den Abschluss eines Sachbilderbuchs für Kinder zwischen vier und sieben Jahren, dem es sehr gut gelungen ist, die Vielfalt des Themas altersgerecht darzustellen, das mit vielen Klappen zum Entdecken und Weiterfragen einlädt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die unbewegliche Kirche. Franziskus und die verhinderte Revolution

 

 

 

Marco Marzano, Die unbewegliche Kirche. Franziskus und die verhinderte Revolution, Herder 2019, ISBN 978-3-451-38751-7

 

Wie groß waren die Hoffnungen auch von Menschen, die sich innerlich schon lange von ihrer Kirche gelöst hatten, als vor fünf Jahren der Argentinier Bergoglio zum Nachfolger des deutschen Papstes Ratzinger gewählt wurde.

 

Und gleich zu Beginn seines Pontifikats schienen sich diese Hoffnungen zu erfüllen. In seiner Sprache, in seinen Gesten, in seinen spirituellen und politischen  Botschaften, aber auch in seinen neuen theologischen Ansätzen zeigte sich bisher so nicht Gekanntes, stellenweise Unerhörtes.

 

Vielen auch nichtkirchlichen Menschen überall auf der Welt, besonders aber jenen sehnsüchtig auf Reformen ihrer geliebten katholischen Kirche wartenden Menschen galt er schnell als Hoffnungsträger, als ein Papst, der es mit seinem Schwung und seiner Freude vielleicht auch schaffen würde, nicht nur als Reformer nach außen zu wirken, sondern auch nach innen in die verkrusteten Strukturen des Vatikans erfolgreich hinein zu reichen.

 

Der Professor für Soziologie an der Universität Bergamo, Marco Marzano gilt durch viele Bücher in der letzten Jahren als ein profunder Kenner der inneren Strukturen des Vatikans und der katholischen Kirche. Er anerkennt in seinem neuen hier vorliegenden Buch durchaus die Leistungen von Franziskus, muss allerdings ernüchtert feststellen, dass der Papst nach hoffnungsvollem Beginn mittlerweile von innen her von seinen Gegnern, die er von Anfang an in großer Zahl hatte, schmachmatt gesetzt wurde. Hielten sie am Anfang des Pontifikats noch die Füße still, treten sie nun unverblümt auf die Bühne und hindern Franziskus an jeglichen inneren Reformen.

 

Marzano beschreibt kenntnisreich und für Kirchenlaien sehr aufschlussreich die zahllosen Gründe für die Blockade. Immer wieder, insbesondere in seinem zusammenfasenden Schlusskapitel zeigt Marzano, wohl auch persönlich ziemlich ernüchtert, auf, dass Franziskus zwar „die Meinungen innerhalb der Kirche in ihrer ganzen Vielfalt miteinander versöhnt und, zum Besten der Organisation, die konfligierenden Gruppen und Interessen zu einem stolzen identitären Gebilde zusammengefügt hat“,  sich aber ansonsten „als betagter, der traditionellen katholischen Identität denkbar zugetaner Priester, als treuer Diener der klerikalen Mentalität, als erste und größtes Hindernis auf dem Weg zu jeder echten strukturellen Reform der Institution erwiesen“ hat.

 

Übrigens: auch für die Zeit nach Franziskus sieht Marzano keine wesentlichen Änderungen am Horizont, ganz im Gegenteil geht er davon aus, dass sich Strukturen noch verfestigen.

 

Keine Hoffnung für aufrechte gläubige Katholiken?