Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Warum gibt es uns. Die Entwicklung des Lebens vom Urknall bis zu dir

 

 

 

 

 

Johan Olsen, Warum gibt es uns. Die Entwicklung des Lebens vom Urknall bis zu dir, Beltz & Gelberg 2019, ISBN 978-3-407-75468-4

 

 

Irgendwann fangen die meisten  Kinder an zu fragen, wo sie herkommen. Die familiären Beziehungen und Ursprüngen sind dabei meist schnell und leicht und verständlich erklärt. Bald werden die Fragen aber grundsätzlicher und weiten sich aus auf die Welt, in der sie leben. Woher kommen wir Menschen und warum gibt es uns eigentlich? Wie ist das alles entstanden?

 

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde diese Frage sehr oft mit religiösen Erklärungen beantwortet. Gott, der Schöpfer als Ursache und Beweger alles dessen, was lebt. Seit der Urknall in das naturwissenschaftliche Allgemeinwissen weiter Teile der Bevölkerung eingesickert ist, wurde der Schöpfer auch als dessen Anstifter und Begründer identifiziert.

 

Das vorliegende Buch von Johan Olsen allerdings verzichtet völlig auf solche überkommenen Erklärungen und erklärt mit zum Teil witzigen, aber immer verständlichen Beispielen die Entstehung des Lebens vom Urknall bis zum Menschen und den Molekülen des Lebens.

Da wird die Schwerkraft  mit einer Tasse und einer Sahnetorte erklärt und die Relativitätstheorie mit dem Bauch einer dicken Katze.  Es sind viele solcher plausiblen Erklärungen, die das Buch für an solchen Fragen interessierte Kinder ab etwa 10 Jahren zu einem Erlebnis machen können.

 

Olsen behandelt in 11 Kapiteln verständlich und aufeinander aufbauend folgende Themen in einer Sprache, die auch Kinder verstehen können, ohne viel Fachbegriffe und wissenschaftliche Fremdwörter:

  • Die Atome
  • Der Anfang von allem
  • Die Sonne
  • Die Erde
  • Das Universum
  • Quantenmechanik
  • Relativitätstheorie
  • Das Leben
  • Der Mensch
  • Die Moleküle des Lebens
  • Die Wirklichkeit

 

Und am Ende schreibt er folgende wichtigen Sätze: „Die Geschichte der Welt, wie sie uns die naturwissenschaftliche Forschung vermittelt, endet nie. Das Ergebnis der naturwissenschaftlichen Forschung ist nämlich nicht die Wahrheit. Es ist nur die einfachste Erklärung für das, was wir beobachten können.“

 

Ein absolut empfehlenswertes Buch für alle neugierigen und naturwissenschaftlich interessierten Kinder.

Der Tierigent

 

Cornelia Boese, Manuela Olten. Der Tierigent, Gerstenberg 2019, ISBN 978-3-8369-6025-0

 

 

„ …wenn man etwas wirklich will,
mit Herz und Seele, Kopf und Bauch,
dann, dacht‘ ich störrisch, schafft man’s auch!“

Das ist die Selbstbeschreibung der Autorin des hier vorliegenden Bilderbuches, die man auf Ihrer Homepage nachlesen kann. Dort erfährt man auch etwas über ihre Liebe zur Musik.

 

Und so findet man in ihren Werken aus den letzten Jahren viele Bücher für Erwachsene und Kinder, die Gereimtes aus der Musik- und Märchenwelt erzählen.

 

Auch ihr neues Bilderbuch bei Gerstenberg in Hildesheim „Der Tierigent“ verbindet das Reimen und die Musik, gepaart mit großer Leidenschaft für kindliche Traumwelten.

 

Im Stadtpark gibt das Tierorchester ein Konzert. Alle packen ihre Instrumente aus, man hört schon die ersten Übungstöne.

„Doch einer findet keinen Platz

Am Podium: der kleine Spatz

Wie gerne will er mit den Tieren

Zusammen fröhlich musizieren.“

 

Da spielt der Affe Cello, die Giraffe Kontrabass, der Bär Fagott, der Tiger Klarinette. Und der Spatz bettelt:

„..darf ich Geiger sein?

Der Affe sagt: Du bist zu klein.“

Für die Tuba reicht seine Puste nicht und fürs Schlagzeug hat er nicht genügend Kraft. Traurig setzt der Spatz sich ins Publikum. Das Konzert beginnt und es ertönt ein ohrenbetäubendes Fiedeln, Tuten und Trällern. Eines ist klar: Die Musiker brauchen jemanden, der den Takt angibt.

Und so wird aus dem Spatzen ein großer Tierigent.

Farbenfrohe Bilder von Manuela Olten, die alle beteiligten Tiere liebevoll und mit großen erwartungsvollen Augen gezeichnet hat  und lustige Reime stellen die Instrumente des Orchesters vor und laden ein zu einem fröhlichen Konzert.

 

Ein schönes Bilderbuch mit zauberhaften Bildern und sprachlich gelungenen Reimen über ein tierisches Orchester, bei dem am Ende jeder seinen Platz findet, auch der kleine Spatz.

 

 

 

 

 

 

Die goldene Funkelblume

 

 

 

Benjamin Flouw, Die goldene Funkelblume, Kleine Gestalten 2018, ISBN 978-389955-803-6

 

Das vorliegende Bilderbuch des 1986 bei Avignon in Frankreich geborenen und heute in Paris lebenden Illustrators Benjamin Flouw ist eine gelungene Mischung von einem Bilderbuch mit einer spannenden Geschichte und Handlung und einem Sachbilderbuch zu Phänomenen  der Natur.

 

Mit eindrucksvollen, leicht kubistisch anmutenden Illustrationen erzählt Flouw von Fuchs. Fuchs sitzt abends gerne gemütlich in seinem Sessel und liest in alten Pflanzenbestimmungsbüchern. Er sucht nach einer neuen Pflanze, die sein Haus verschönern soll.

 

Dann schlägt er eine neue Seite auf, auf der kein Bild oder Zeichnung zu sehen ist nur eine Beschreibung:

„Die goldene Funkelblume ist eine Blume aus der Familie der Gutversteckten. Sie ist sehr selten und wächst nur auf hohen Bergen. Wie sie wirklich aussieht, weiß keiner. Bis heute hat sie noch niemand beschreiben können.“

 

Nun ist die Neugier des Hobbybotanikers gepackt. Mit entsprechender Ausrüstung macht sich Fuchs nun auf eine Reise, die ihn durch Wälder und Wiesen hinauf in die Berge führt. Er will diese seltene und geheimnisvolle Pflanze finden!

 

Doch als er sein endlich findet, ist er mit einer schweren Entscheidung konfrontiert. All die Pflanzen, die er auf seinem langen Weg hinauf in die Berge sieht, sind zwischen den Seiten, die die Erzählung voranbringen, extra abgebildet und beschrieben. Auf diese Weise lernen die Kinder viel Pflanzen kennen und benennen.

 

Benjamin Flouw erzählt in seinem Buch von Entdeckerlust und dem Respekt vor der Natur, während seine liebevollen und reduzierten Illustrationen die Ruhe der unberührten Natur einfangen.

 

Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch mit kunstvollen Illustrationen.
 

 

Wenn ich einmal groß bin. Das Zahlenbuch der großen Träume

 

 

 

Maria Dek, Wenn ich einmal groß bin. Das Zahlenbuch der großen Träume, Knesebeck 2019, ISBN 978-3-95728-276-7

 

 

Dieses schon 2016 in Frankreich erschienene und von Theresa Scholz ins Deutsche übersetzte Bilderbuch von Maria Dek verbindet zwei Themen der frühen Kindheit auf vorbildliche Weise.

 

Zum einen geht es um die Phantasie kleiner Kinder und die Pläne, die sie sich in ihren geheimen  Vorstellungen davon machen, wenn sie einmal groß sind. Und zum anderen geht es darum, was Kinder schon sehr früh lernen wollen: zählen, soweit es geht.

 

Auf diese Weise werden die kleinen Kinder, die dieses Buch betrachten, eingeladen, ihre Träume zu spinnen und so ganz nebenbei die Zahlen zu lernen, wenn sie wollen sogar bis 25 !

Der Junge träumt zunächst davon, einmal so groß wie 1 Riese zu sein, Er wird ein Fahrrad haben mit 2 Hupen. Zum Mittagessen verputzt er 5 Kugeln Eis, sein Beruf wird Tiersitter sein und er wird 8 Tieren Kunststücke beibringen.

 

Er wird eine Trompete mit 11 Tasten spielen und seine Band hat 12 Mitglieder. In einem Baumhaus mit 13 Fenster und 14 Ästen wird er mit 15 Bären Unterschlupf finden. Und er wird immer erst um 25 Uhr ins Bett gehen.

 

Dieses schön illustrierte Bilderbuch nimmt die Kinder nicht nur mit in die Welt der Zahlen, sondern auch auf eine phantasievolle Erzählreise und lädt zum Träumen ein von der magischen Welt der Erwachsenen.

 

 

Mein Papa ist der größte der Welt

 

Daan Remmerts de Vries, Marije Tolman, Mein Papa ist der größte der Welt, Gerstenberg 2019, ISBN 978-3-8369-6004-5

 

Lynn wird wie jeden Morgen von ihrem Papa in den Kindergarten gebracht. Sie fahren mit dem Fahrrad und der Wind zerwühlt Papas Haare. Das findet Lynn lustig und die Bäume auch. Lynn wird von Frau Merklebach, ihrer Erzieherin in Empfang genommen du Papa muss schnell los.

 

Während Lynn zuerst im Stuhlkreis und dann an einem Tisch sitzt und malt, denkt sie in gereimten Versen darüber nach, was ihr Papa eigentlich tut, während sie im Kindergarten ist. Ihr ist schnell klar: ihr Papa rettet die Welt, denn er ist der größte Held der Welt. Zuerst besiegt er in Afrika ein Gruselmonsterbiest, das aussieht wie eine Kuh. Dann fliegt er nach Mexiko, wo er vom dortigen Präsidenten schon dringend erwartet wird, der seine Hilfe braucht. Und dann ist da noch ein Dieb auf einem Hochhausdach…

 

Lynns gereimte Phantasie ist schier grenzenlos und die preisgekrönte Künstlerin Marije Tolman lässt in traumhaften Bildern Realität und kindliche Vorstellungswelt fließend ineinander übergehen. Doch Lynns Papa ist natürlich rechtzeitig am Kindergarten zurück um sie nachmittags wieder abzuholen.

 

Das Bilderbuch ist eine Hommage an die kindliche Phantasie und ein schönes Beispiel für die Bedeutung, die Väter für ihre kleinen Kinder haben.

 

 

 

Kein Platz für uns. Jede Geschichte hat zwei Seiten

 

Kate & Jol Temple, Terri Rose Baynton, Kein Platz für uns. Jede Geschichte hat zwei Seiten, Annette Betz Verlag 2019, ISBN 978-3-219-11793-6

 

Kate und Jol Temple schreiben Bilder- und Kinderbücher, die in Australien bereits mehrfach ausgezeichnet wurden. Das Paar lebt mit seinen Söhnen und seinem Hund in Sydney. Zusammen mit der Illustratorin Terri Rose Baynton haben die beiden ein von der seit Jahren aktuellen Debatte über Flucht und Heimat inspiriertes Bilderbuch gemacht, das Bernd Stratthaus ins Deutsche übersetzt hat und das handelt über das Ausschließen und das Aufnehmen.

Der Clou des Buches ist es, dass die Handlung, je nachdem ob man es von vorne nach hinten oder von hinten nach vorne liest, zwei völlig unterschiedliche Verläufe nimmt.

 

Da sitzen drei Seehunden auf ihrem Felsen. Wie lange dieser Felsen schon ihr Zuhause ist, wissen wir nicht, klar ist nur, sie betrachten ihn als ihr Eigentum. Als andere Seehunde angeschwommen kommen und sagen, hier sie doch noch viel Platz für andere, sagen die einheimischen Seehunde: das ist unser Platz. Ihr wollt hier nur stören. Ihr seid nicht willkommen. Sie wollen ihren Platz nicht mit anderen teilen.

 

So geht die Geschichte, wenn man sie von vorne nach hinten anschaut. Doch auf der letzten Seite werden die das Buch betrachtenden Kinder aufgefordert, das Buch noch einmal von hinten nach vorne zu lesen. Und wenn man das tut, nimmt die Geschichte eine ganz andere Wendung.

 

Jede Geschichte hat also zwei Seiten, immer gibt es auch die andere Möglichkeit. Man kann sich verschließen und man kann sich öffnen.

 

Ein Bilderbuch, das anregt über Gespräche zu Themen wie Teilen und Mitgefühl, aber auch zu aktuellen Parallelen über Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen und bei uns einen Ort suchen, wo sie und ihre Kinder sicher sind.

 

 

Blödes Bild

 

 

 

 

Johanna Tydell, Emma Adbage, Blödes Bild, Kunstmann Verlag 2019, ISBN 978-3-95614-327-4

 

Die in Schweden sehr bekannte und erfolgreiche Schriftstellerin für Jugend- und Kinderbücher hat in ihrem hier in der deutschen Übersetzung von Maike Dörrie vorliegenden zweiten Bilderbuch eine schöne Geschichte erzählt, die allen kleinen Schwestern, größeren Brüdern und allen anderen Kindern, die manchmal etwas so richtig blöd finden, sicher gefallen wird.

 

Dazu tragen auch die witzigen und originellen Illustrationen von Emma Adbage bei, die die Geschichte auf ihre eigene Weise erzählen.

 

Das Buch handelt von der kleinen Minze. Wir wissen nicht ganz genau, wie alt sie ist, nur eins steht fest: ihr Bruder Max ist drei Jahre älter als sie. Und deshalb kann er auch vieles besser und schöner als Minze, zum Beispiel Malen.

 

Minze möchte auch so schön malen wie ihr Bruder, doch als sie, wohl an einem Wintertag, zusammen am Küchentisch sitzen, fällt ihr noch nicht einmal etwas ein, während ihr Bruder konzentriert an seinem Bild arbeitet, um das er seinen Arm wie eine Mauer legt, dass Minze nichts abschauen kann.

 

Doch dann hat Minze eine Idee: sie könnte doch Schnee malen. Doch weiß auf weiß geht nicht. Und dann geht alles schief. Kater Klas springt auf den Tisch und stösst die Blumenvase um. Während Max sein Bild rechtzeitig weggenommen hat, ist das von Minze klatschnass. Nachdem Minze es mit dem Fön getrocknet hat, sieht es furchtbar aus und aus lauter Wut knüllt sie es zusammen und schneidet mit ihrer Schere in den Papierball hinein.

 

Sie findet alles blöd, und schaut wütend aus dem Fenster, als ihr Bruder sie ruft und ihr zeigt, was aus dem zerschnittenen Papierball geworden ist: eine perfekte Schneeflocke. Max zeigt ihr sein Bild, ein schönes Porträt von Minze.

 

Und dann machen sie noch mehr Schneeflocken, die sie ans Fenster hängen. Und Minze zeigt ihren großen Bruder, wie es geht.

 

„Blödes Bild“  ist nicht nur eine warmherzig erzählte und witzig illustrierte Geschichte über Lust und Frust des kreativen Schaffens, sondern auch das wunderbare Porträt einer kleinen Schwester, die gerne alles so gut können möchte wie ihr Bruder und die sehr, sehr wütend wird, wenn nichts so gelingt, wie sie sich das vorstellt. Und es ist das sympathische Beispiel eines älteren Bruders, der seine Schwester sehr lieb hat und ihr am Ende ein große Freude macht, indem er ihr zeigt, dass sie viel mehr kann, als sie glaubt.

 

 

 

Bei mir zu Hause wohnt ein Tiger. Kleine Geschichten zum Vorlesen

 

 

 

Charlotte Inden, Bei mir zu Hause wohnt ein Tiger. Kleine Geschichten zum Vorlesen, Hanser 2019, ISBN 978-3-446-26215-7

 

Charlotte Inden hat für ihr neues Kinderbuch bei Hanser die Figur des kleinen dreijährigen Oskar erfunden. Oskar geht in den Kindergarten, hat eine größere Schwester namens Klara und hat immer seinen Plüschtiger Theo dabei, den er zu seinem zweiten Geburtstag bekam.

 

Charlotte Inden lässt den kleinen Oskar in kurzen Sätzen in insgesamt 42 kleinen Geschichten erzählen, was er in dem Jahr zwischen seinem dritten und vierten Geburtstag alles erlebt. Es sind Alltagsgeschichten ohne besondere Botschaft. Sie erzählen einfach aus dem Leben eines kleinen Jungen. Vom ungeliebten Haarewaschen, vom Puppentheater mit seinem Papa, von besonderen Ereignissen im Kindergarten, von seinem Roller, seinem Bett, seinen Großeltern und dem unvergesslichen Urlaub mit den beiden in den Bergen. Und von vielem mehr.

 

Viele alltägliche Tätigkeiten beschreibt Oskar und viele Erlebnisse auf dem Weg zum Kindergarten und zurück. Er besucht den Zoo, die Bibliothek und isst gerne Eis, leidet unter der Hitze im Sommer und freut sich auf Weihnachten und über Silvester.

 

Und bald wird er schon vier! Deshalb schläft er schon lange nicht mehr im Kindergarten, denn er ist ja kein Baby mehr. Nein, sondern ein sympathischer kleiner Junge, dessen Geschichten Kinder in seinem Alter im Kindergarten und zu Hause gerne hören werden.

 

Die lustigen Illustrationen von Pe Grigo tun ihr Übriges, dass Kinder immer wieder aus diesem Buch vorgelesen haben wollen. Und sie werden sich nicht mit nur einer Geschichte zufrieden geben, denn sie können sich gut mit diesem kleinen Jungen, seiner Familie und seinem Alltag identifizieren.

 

 

 

 

 

 

Keine halben Sachen

 

 

 

 

Antje Herden, Keine halben Sachen, Beltz & Gelberg 2019, ISBN 978-3-407-81248-3

Die in Darmstadt als freie Autorin lebende Schriftstellerin Antje Herden hat für ihren hier vorliegenden ersten Jugendroman den Peter-Härtling-Preis 2019 erhalten.

Die ich-erzählende Hauptfigur in diesem knappen, aber dicht erzählten Jugendroman ist der fünfzehnjährige Robin. Er lebt allein mit seiner Mutter, pubertiert heftig und findet ansonsten sein Leben und die Schule extrem langweilig. Er fühlt sich einsam, hat keine Freunde und auch keine richtigen Plan für sein Leben. Langweilig und „grauschwarz“ ziehen sich seine Tage dahin.

 

Dann trifft Robin den coolen und selbstsicheren Leo, der mit seinem Auftreten und seiner Art all das verkörpert, wie Robin auch gerne wäre. Leo fällt es nicht schwer, den labilen und unsicheren Robin bald schon zum Rauchen, Kiffen und zum Saufen zu verführen. Sie verbringen nach der Schule viel Zeit zusammen in einem Park, und unterhakten sich über ihre Zweifel, Ängste, Hoffnungen und Träume. Wobei es immer Robin ist, der spricht, während Leo nur zuhört und von sich kaum etwas preisgibt.

Als die beiden Anna und Karla kennenlernen, erfährt Robin mit Karla, in die er sich verliebt auch den körperlichen Rausch. Während Robin immer mehr abstürzt, bleibt Leo scheinbar cool und gelassen.

 

Schonungslos lässt Antje Herden ihre Hauptfigur Robin die Geschichte seines Absturzes erzählen. Obwohl er nicht unbedingt sympathisch für den jungen Leser rüberkommt, fühlt man doch gespannt mit ihm und glaubt bald, das dramatische Ende schon zu kennen.

 

Die Jury des Peter-Härtling-Preises schreibt treffend zu diesem von ihr preisgekrönten Buch:

„Meisterhaft und äußerst glaubwürdig erzählt Antje Herden, wie sich ein Junge auf der Suche nach dem richtigen Leben in einer Parallelwelt verliert. Diese Erzählung vermeidet glücklicherweise jeden pädagogischen Eifer. Sie nimmt ihre Protagonisten ernst und konfrontiert sie zugleich mit einer klaren Haltung, die aus der Geschichte heraus erwächst. Ungeheuer nuanciert und konsequent aus der Sicht von Robin erzählt, der seine Selbstironie nie verliert, führt Antje Herden den Leser durch ein echtes Leben – mit einem glänzend entworfenen, fulminanten Ende, das alles auf den Kopf stellt.«

 

Ein starkes Jugendbuch, das seine Leser sehr schnell in einen regelrechten Sog zieht und ihn in seinem Spannungsbogen bis zu einem sehr überraschenden Ende nicht mehr los lässt.

Helden der Meere

 

 

 

York Hovest, Helden der Meere, teNeues 2019, ISBN 978-3-96171-214-4

 

Seit es Menschen gibt, haben sie sich angezogen gefühlt von der Kraft, der Gewalt und der Schönheit des Meeres. Es gab ihnen Nahrung und bot ihnen Wege zu anderen neuen Kontinenten. Immer aber löste das Meer im Menschen so etwas wie Ehrfrucht aus.

 

Doch seit längerer Zeit schon sind unsere Weltmeere bedroht und die Bedrohung nimmt mit jedem Jahr zu. Zunächst war es die Überfischung, die lange im Zentrum der Kritik stand. Mittlerweile ist es die grassierende und alle Meereslebewesen bedrohende Verschmutzung der Meere durch Plastik, die die Meere in den Fokus weltweiter Aufmerksamkeit rücken. Und dazu kommt unaufhaltbar: Die Erderwärmung und der daraus resultierende Klimawandel führen zu immer größeren Schäden im marinen Ökosystem.
York Hovest, erfolgreicher Fotograf, Abenteurer und Autor, hat sich zur Aufgabe gemacht, dieser Entwicklung entgegenzutreten. Er hat die unterschiedlichsten „Helden der Meere“ begleitet,  Menschen, die der oben beschriebenen Entwicklung etwas entgegensetzen wollen. Hoivest hat mit ihnen gesprochen und ihre Lösungen beschrieben. Da sind  Wissenschaftler, Aktivisten und Visionäre, die Projekte entwickelt haben, wie unsere Ozeane gerettet werden können.  Doch auf diesen Reisen in alle Teile der Welt hat er auch wunderbare Bilder gemacht, Bilder, die die Schönheit und die Bedrohung des Meeres gleichermaßen zeigen über und unter Wasser.

 

Der Dalai Lama hat für dieses Buch ein Vorwort geschrieben, in dem er die Bedeutung von Mitgefühl ausweitet auf die gesamte Schöpfung, auch auf die bedrohten Meere.

 

Ein beeindruckender Band, der betroffen  macht, aber auch durch die Beschreibung der Arbeit der „Helden der Meere“ Hoffnung macht.