TipToi Mathe 2. Klasse

 

 

 

 

 

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Eva Odersky, Mathe 2. Klasse, Ravensburger Verlag 2016, ISBN 978-3-473-41807-7

Das Lesen und interaktive Verstehen von Büchern für Kindern mit dem tip toi- Stift ist eine sensationelle Neuheit, die das Lernen für Kinder mit Büchern schon jetzt nach einigen Jahren revolutioniert hat. Einmal angeschafft, passt der Stift zu immer mehr Produkten aus dem Ravensburger Verlag, wie zum Beispiel das Buch „Mathe 2. Klasse“, mit dem Ravensburger einen lukrativen Markt betritt, denn das System ermöglicht es Kindern auch ohne Nachhilfe ihren Stoff zu bewältigen.
Tip Toi ist ein audiovisuelles Lernsystem für Bücher und Spiele, mit dem die Kinder die Welt spielerisch entdecken. Tippt das Kind mit dem Stift auf ein Bild oder einen Text oder ein entsprechendes Symbol, erklingen passende Geräusche, Sprache oder auch Musik. Eine intelligente Elektronik ermöglicht Kindern, Bücher und Spiele völlig eigenständig immer wieder neu zu erleben.
Ich kann das System nur empfehlen. Die TipToi Büchern sind etwa ein Drittel teurer als die herkömmlichen Wissensbücher bei Ravensburger, aber diese Investition in das Lernen und vor allem die Lernfreude ihres Kindes lohnt sich.
Auch bei dem vorliegenden Buch für Kinder der 2.Klasse. Insbesondere für Kinder, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist, scheint es mir sehr geeignet.

Alles außer Arbeit

 

 

 

 

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Boris von Brauchitsch (Hg.), Alles außer Arbeit. Berliner Lust in den Zwanziger Jahren, Edition Braus 2016, ISBN 978-3-86228-141-1

In seiner kurzen Einleitung zu dem vorliegenden Buch beschriebt der Herausgeber Boris von Brauchitsch die Jahre, die die dann abgebildeten Fotos einfangen wollen. Die Alltagswelt der Zwanziger Jahre, die entstehende Freizeitkultur und ihre bevorzugten Etablissements: das Varieté, die Kneipe, der Lunapark, das Strandbad und die Wälder. Die Weimarer Jahre waren geprägt durch die neu entstehende Massenkultur, medial begleitet von Radio und Film.
Berlin war 1920 die drittgrößte Stadt der Welt, nach New York und London. 1925 übersprang die Einwohnerzahl die 4-Millionen-Marke. Das Berliner Leben zeichnete sich vor allem durch sein hohes Tempo aus: Hier musste alles sofort erledigt werden; Stillstand bedeutete schon damals Rückstand. Wer nicht mitmachte, fiel hinten runter. So ging es vielen damals.
Die Dynamisierung nahezu aller Lebensbereiche machte auch vor der Freizeitkultur nicht Halt. Schon damals kannte man die Vergnügungspflicht und den Anspruch, in der zur Verfügung stehenden Zeit möglichst viel zu erleben — ein Gefühl, dass uns auch heute nicht ganz unbekannt ist.
In Berlin gab es wirklich alles — „Alles außer Arbeit“, denn die gab es tatsächlich nicht für jeden, und viele blieben auf der Strecke. Doch der Aufbau einer kapitalistischen Warenwirtschaft im modernen Stil führte zur Herausbildung eines neuen Standes: den Angestellten. Das Heer dieser kleinen Ladenmädchen, Büro-Angestellten und Arbeitnehmern im Dienstleistungssektor ließ auch ganz neue Arbeitsbedingungen entstehen, die plötzlich neben der Arbeitszeit auch eine „Frei-Zeit“ ermöglichten.
Berlin war eine Stadt im Umbruch. Die alten Mietskasernen wurden nach und nach abgerissen, und neue Bauten wurden errichtet, mit mehr Raum, mehr Luft und Sonne. Die Stadt wechselte ihr Gesicht. Und doch gab es noch viele dunkle Ecken, wo im sechsten, siebten, achten Hinterhof das Licht kaum bis zum Boden kam.

All die politischen Kämpfe und Zuspitzungen in den Zwanziger Jahren sind in diesem Buch nicht oder nur in Andeutungen dokumentiert. Es geht hier weniger um die akribische Dokumentation des Großstadtlebens, als um ein Nachspüren des Lebensgefühls jener Zeit. Dieses Lebensgefühl lässt sich erahnen, wenn man die Bilder in diesem Buch auf sich wirken lässt.

Die ganze Wahrheit über alles

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Sven Böttcher, Mathias Bröckers, Die ganze Wahrheit über alles, Westend 2016, ISBN 978-3-86489-122-9

„Wie wir unsere Zukunft doch noch retten können“ – mit diesem Versprechen wenden sich die beiden Autoren des vorliegenden Buches vor allem an die Generation der 20-30 Jährigen, um ihnen von wie Arbeit bis zu Z wie Zuwanderer nicht nur das Phänomen und seine Problematik in seiner Geschichte und seiner Gegenwart zu erläutern, sondern auch machbare Alternativen anzubieten, für die es sich zu engagieren und zu leben lohnt.

Aufgebaut wie ein Lexikon werden insgesamt über 50 Themen genau analysiert. Doch trotz der langen Literaturliste und den Anmerkungen am Ende des Buches liest es sich sehr gut, wie man das von den früheren Büchern der beiden auch hat erwarten können. Mal engagiert, mal launig und dann wieder empört erheben sie ihre Stimme, ohne an einer einzigen Stelle in jene Endzeitstimmung zu verfallen, die man bei den meisten Büchern und Statements dieser Art schon lange nicht mehr hören kann.

Immer folgt die Erläuterung des jeweiligen Begriffs oder Phänomens einer klaren Dreiteilung. Zunächst wird beschrieben, was einmal damit gemeint war. Dann wird die gegenwärtige Realität mit all ihren Defiziten und Mängeln beschrieben und am Ende folgt unter der Überschrift „Was ihr daraus machen werdet“ eine optimistische “Zumutung“ an die jungen Leser. Das Buch versteht sich also als Ermutigung, Dinge zu ändern, von denen es sonst heißt, sie seien zu kompliziert und sowieso nicht mehr zu retten.

Ein Zitat des lateinamerikanischen Schriftstellers Eduardo Galeano am Ende des Buches ist Zusammenfassung und Motto zugleich:
“Die verkehrte Welt bedeutet uns, die Wirklichkeit zu ertragen, anstatt sie zu verändern, die Vergangenheit zu vergessen, anstatt ihr zuzuhören, und die Zukunft hinzunehmen, anstatt sie uns vorzustellen.”

Blühende Beete

 

 

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Nick Bailey, Blühende Beete. 365 Tage Gartenglück, Callwey 2016, ISBN 978-3-7667-2208-9

 

Einen Garten zu haben und ihn so zu gestalten, dass dort das ganze Jahr über irgendeine Pflanze blüht: das ist der Traum jedes Gärtners, auch und gerade wenn er im Winter im Garten nicht arbeiten möchte. Denn meist ist es doch so, dass sich die Blütenpracht in allen möglichen Farben auf wenige Wochen im Frühsommer reduziert. Ab August bietet sich dann bis zum Winter ein eher trostloses Bild.

Dieses aus England stammende Buch zeigt mit vielen praktischen Beispielen, wie man harmonische Pflanzungen so plant und ausführt, dass der Garten sozusagen das ganze Jahr über blüht. Es gibt Auskunft darüber, wie man mit der Gestaltung der Farben Formen und Texturen umgeht und die unterschiedlichen Blütezeiten der Pflanzen einbezieht in eine kluge und phantasievolle Kombination.

Zahlreiche Pflanzenporträts und Checklisten der am besten für ein solches Projekt geeigneten Pflanzen machen das Buch ebenso zu einen praxistauglichen Ratgeber wie Ideen und Vorschläge für besondere schwierige Standorte und für Topfpflanzen.

So blüht auch Ihr Garten das ganze Jahr über.

 

Unterleuten

 

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Juli Zeh, Unterleuten, Luchterhand 2016, ISBN 978-3-630-87487-6

 

Sie selbst ist vor vielen Jahren aus der Stadt in ein kleines Dorf in Brandenburg gezogen, die Schriftstellerin Juli Zeh, die für ihren neuen Roman ihren bisherigen kleinen Verlag Schöffling & Co. verlassen hat und unter den großen Schirm eines Randomhouse – Verlages geschlüpft ist. Eine ganze Menge an Erfahrungen, die sie in ihrem Dorf gemacht hat, ist sicher in den Roman „Unterleuten“ eingeflossen. Diesen Namen hat sie dem fiktiven Dorf gegeben und er ist sozusagen die Summe dessen, was über es sagen kann. Denn dort ist man andauernd „unter Leuten“, hier gibt es keine Anonymität, hier kennt jeder jeden. Es gibt eine ganz besondere Währung in diesem Dorf, das sämtliche Umbrüche seit dem Zweiten Weltkrieg seltsam unverändert überstanden hat. Es wird bezahlt mit Hilfestellungen und Dienstleistungen. Dann hat man bei dem oder dem „etwas gut“. Und das kollektive Gedächtnis es Dorfes bilanziert besser als jeder Buchhalter.

Das müssen auch die neuen Bewohner des Dorfes erst lernen, so wie es sicher auch die Autorin selbst über die Jahre erfahren hat. Da sind zunächst einmal Jule und Gerhard Fließ. Nach einem eher enttäuschenden Berufsleben als wissenschaftlicher Assistent ist er ausgestiegen und hat die Stelle eines Vogelschützers in der Unterleutner Heide übernommen. Ein Naturschutzgebiet, in dem die letzten 32 geschützten Kampfläufer (einer von Ihnen ziert das Cover des Buches), „fleckige Vögel von Größe und Statur einer Mülltüte“, leben und jährliche tausende von Vogelkundlern anziehen. Den Auseinandersetzungen an der Uni und auch der sonstigen Realität eher nicht gewachsen, versucht Gerhard Fließ mit seiner Frau und dem Baby sich in dem Haus, das sie liebevoll restaurieren, eine Idylle zu schaffen. Doch da gibt es einen skurrilen Nachbarn namens Schaller auf dem Nachbargrundstück, der dort einen Schrottplatz und eine Autowerkstatt betreibt und dessen komplizierte, mit der Geschichte des Dorfes eng verwobene Geschichte Juli Zeh über die 640 Seiten  des Buches langsam aufblättert. Er setzt Juli und Gerhard immer wieder unter Qualm, indem er alte Reifen auf seinem Grundstück verbrennt.

Der Zweck ist offensichtlich. Man will Fließ weghaben. Der sucht, ganz der Analytiker, nach Gründen, weil er bald eingesehen hat, dass die Polizei Teil des komplizierten Sozialgeflechtes in Unterleuten ist, das sich ihm und dem Leser langsam aufschlüsselt. Da gibt es alte Streitigkeiten und Feindschaften zwischen den alten Einwohner, die bis weit in die Zeit der Bodenreform in der DDR zurückreichen. Insgesamt elf echte Hauptfiguren hat Juli Zeh in diesem Roman eingeführt und jeder von ihnen bringt Kinder, Verwandte und Freunde mit in die Handlung ein.

Frederik, einer der Zugezogenen, sagt an einer Stelle, wenn er unter der Woche in Berlin sei, „verwandele sich das Dorf in einen Dostojewski-Roman, bei dem jede Figur von der Frage begleitet werde: Wer war das denn noch mal?“. Frederik ist der Partner von Linda, einer Frau deren Mover-Qualitäten (davon später noch mehr) es Juli Zeh offenbar besonders angetan haben und die auf dem gekauften Hof eine Pferdezucht begründen will.

Den aus dem Bayrischen stammenden Investor Meiler, der, nachdem er eher zufällig etwas zwanzig Hektar Land um Unterleuten herum gesteigert hat, und dann, als dort Windräder gebaut werden sollen, diese auf seinem Land bauen will und dafür zwei Hektar von Linda braucht, lässt Juli am Beispiel von Frederik und Linda seine Sicht eine ganzen Generation beschreiben:.

„Die beiden gehörten zu einer fremden Spezies. Nichts an ihnen war gedämpft. Nichts an ihnen war unsicher, zurückhaltend, zweiflerisch oder bescheiden. Diese jungen Menschen, in Meilers Augen halbe Kinder, agierten als Repräsentanten eines neuen Jahrhunderts. Sie arbeiteten nicht mehr für Vorgesetzte. Sie kannten keine überheizten Büros, keine grauhaarigen Sekretärinnen und keine Telefone, die über Kabel mit der Wand verbunden waren (…) Sie waren selbstständig, selbstsicher, selbstsüchtig, wandelnde Selfies, zwei dauerbewegte Selbstporträts. Wenn sich Meiler die neue Genration vorstellte, sah er eine Armee von jungen Leuten mit ausgestrecktem rechten Arm, nicht zum Führergruß, sondern um das eigene Gesicht mit dem Smartphone aufzunehmen.“

Solche luziden Beobachtungen und Analysen über Menschen und soziale Phänomene gibt es massenhaft in einem Roman, in dem Juli Zeh im ersten Drittel nicht nur das Thema einführt, um das alles kreist, den geplanten Bau der Windräder, sondern auch kapitelweise die Hauptpersonen und ihre jeweilige Vorgeschichte.

Alles kreist um zwei Hauptantipoden, die seit Jahrzehnten einen erbitterten Kampf gegeneinander führen. Der ehemaligen Großgrundbesitzer Gombrowski, der das Land seines Vaters in die neue LPG überführt hat und schon lange vor der Wende davon geträumt hat, es wieder eigenständig zu bewirtschaften. Gegen die Interessen der Treuhandanstalt schafft er es, alle davon zu überzeugen ihr Land in eine GmbH namens „Ökologica“ einzubringen, als deren Geschäftsführer er fungiert bis zum Jahr der Handlung des Buches 2010. Und da ist sein Erzfeind Kron. Er hat damals den Hof des Vater von Gombrowski angezündet und  war Brigadeführer in der LPG, die Gombrowski leitete.

Doch was hier durch die vielen Figuren, eine komplizierte und bis in den aktuellen Streit um die Windräder hineinragende vielfach vernetzte Vorgeschichte nach großer Unübersichtlichkeit aussieht, entwickelt sich durch Juli Zeh literarisches und dramaturgisches Geschick zu einem spannenden Thriller, einem packenden Roman über menschliche Konflikte um altes und neues Unrecht, um Untreue, Eifersucht und verpasstes Glück und über Träume und Phantasien von neuem Glück und Idylle.  Für letzteres stehen eher die neu Zugezogenen wie Jule  und Gerhard und Frederik und Linda.

Ich halte „Unterleuten“ für einen gelungenen Roman. Als „Gesellschaftsroman über die wichtigsten Fragen unserer Zeit“ wird er im Klappentext beworben. Eher würde ich ihn ein komplexes und sensibles Kaleidoskop menschlicher Konflikte, Hoffnungen und Charaktere in diesen Zeiten beschreiben.

Ich konnte mit dem Lesen nicht aufhören. Das Buch hat über drei Tage mein Leben bereichert.

Etwas liegt mir allerdings noch auf der Seele zu erwähnen. Schon zu Beginn sozusagen als Prolog zitiert Juli Zeh einen Satz von Manfred Gortz. „Alles ist Wille“. Immer wieder kommt sie in Kapitelüberschriften und im Text auf diesen Manfred Gortz zurück und seine Unterscheidung der Menschen in Killjoys und Mover. Wobei Gerhard Fließ als der idealtypische Killjoy und Linda als echte Moverin beschrieben wird.

Nirgends wird ein Hinweis auf diesen Manfred Gortz gegeben. Ich habe nachgesehen und ein kleines Buch entdeckt mit dem Titel „Dein Erfolg“ (Portobello Verlag 2015), das Juli Zeh wohl sehr genau gelesen hat.

Denn dort trifft der Berater Manfred Gortz nicht nur die von Juli Zeh immer wieder zitierte Unterscheidung, sondern sondert auch irritierende Sätze ab wie: „Groß ist es, Großes zu wollen. Und wer nichts will, bekommt auch nichts.“ Oder: „Moral war schon immer ein Herrschaftsmittel, und heute liegt sie in  den Händen von Leuten, die für den echten Erfolg zu faul zu schwach oder zu feige sind.“

Als ich „Dein Erfolg“ las, war ich sehr erstaunt, die Vorlage für fast ein halbes Dutzend Hauptfiguren aus Juli Zeh Roman zu finden. Frederik, Linda, Gerhard Fließ und der junge Agent der Windradbetreibergesellschaft sind dort beschrieben. Menschen, von denen sich Juli Zeh hat inspirieren lassen.

Dass sie es nicht in einem Nachwort erwähnt hat, hat mich irritiert. Ich weiß nicht, wie ich diesen Vorgang bewerten soll. Der Qualität des Buches jedoch tut das keinen Abbruch.

Der Junge muss an die frische Luft

 

 

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Hape Kerkeling, Der Junge muss an die frische Luft, Osterwold Hörbuch Hamburg 2015, ISBN 978-3-86952-246-3

 

In seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ hat Hape Kerkeling auf eine unnachahmlich authentische und unprätentiöse Weise erzählt, wie er zu sich selbst und zu Gott gefunden hat.

Einige Jahre später, quasi als ein Geburtstagsgeschenk zu seinem 50. Geburtstag legt er nun ein zweites Buch vor. „Meine Kindheit und ich“ heißt es im Untertitel und Hape Kerkeling erzählt von seinem Aufwachsen in einer großen Familie. Von dem, was da schon früh in ihm schlummerte und dem, was die Verhältnisse und das Schicksal seiner Mutter aus ihm gemacht haben. Man weiß als Leser schon recht früh, dass der kleine Hape Zeuge nicht nur der fortschreitenden psychischen Erkrankung seiner Mutter wurde, von der er sie mit allerlei Späßen abzulenken versuchte, sondern auch, dass er eine ganze Nacht neben ihr lag, als ihr Körper nach der Einnahme von Schlafmitteln schon erkaltet war.

Er erzählt von seinen beiden wunderbaren Großmüttern, die ihn am Leben hielten und zu ihm standen, auch davon, wie eine auf ihrem Sterbebett ihm quasi seine Karriere voraussagte.

Das Buch ist bewegend von der ersten bis zur letzten Seite und erzählt zwischen den Zeilen von der unglaublichen Kraft, die ein Mensch entwickeln kann, trotz furchtbarer Schicksalsschläge. Resilienz nennen das die Psychologen.

In aller Bescheidenheit erzählt Hape Kerkeling davon, ohne missionarischen Impetus, aber immer mit der leisen Hoffnung, dass er mit seinem Beispiel anderen Menschen Mut machen kann, nicht aufzugeben, wenn einen unendliche Schwere niederdrücken will, niemals die Hoffnung aufzugeben, auch wenn es dunkel wird im Leben, und niemals den Glauben zu verlieren an Gottes Liebe und Segen und auch nicht an sich selbst.

Ein wunderbares Buch über das Glück des Lebens vom Autor selbst auf eine Weise gelesen, die einen vom ersten Moment an gefangen nimmt und den Eindruck vermittelt, Hape Kerkeling  erzählt Dir und nur Dir seine Geschichte ganz persönlich.

 

Morkels Alphabet

 

 

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Stian Hole, Morkels Alphabet, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-25100-7

 

Seine drei Bücher über den kleinen Jungen Garman haben den Norweger Stian Hole nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt, auch in Deutschland sehr bekannt gemacht. Hier bei uns hat sich der Hanser Verlag seiner Kunst angenommen, von der ein ganz stiller Zauber ausgeht. Eine farbenfrohe Welt aus einer Mischung aus Fotografie und Gemälde ist das, was einem da entgegenstrahlt.

Man hat seinen Stil des Kinderbuches eine „neue, aufregende künstlerische Handschrift“ genannt, und tatsächlich sind seine, Fotomontagen ähnlichen, Verbindungen zwischen klassischen Zeichnungen und Menschengesichtern, die aussehen wie Fotografien neu und so noch nicht in Bilderbüchern gesehen worden.

In seinem vierten Buch „Annas Himmel“ erzählte er 2014 die Geschichte von Anna und ihrem Vater. Annas Mutter ist gestorben. Die Trauer von Vater und Tochter ist groß, aber unterschiedlich. Die Mutter fehlt an allen Ecken und Enden und sie wissen nicht, wie sie mit ihrem Schmerz und ihrer Trauer umgehen sollen. „Annas Himmel“ war ein wunderbares, feinfühliges und zartes Buch über die Trauer, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist. Ein gelungener, auch spirituell gelungener Versuch, sowohl Trauer zu verstehen als auch Hoffnung zu fassen und beiden einen Ort zu geben.

Diese Anna, die ihre Mutter verloren hat an einen  frühen Tod ist auch die Hauptperson des neuen fünften Buches von Stian Hole. Eine Tages findet sie auf dem Feld vor ihrem Haus einen Zettel mit einer Botschaft. Sie schreibt auch einen Zettel und bekommt heraus, dass der erste von Morkel stammte, einen stillen, verträumten Jungen aus ihrer Klasse.

Morkel hat ein Baumhaus, in das er sich immer wieder zurückzieht. Als Anna ihn dort besucht, kommen sie sich näher, unterhalten sich darüber, was um sie herum geschieht, und finden eine besondere Freude daran zu schauen, was mit den Buchstaben  geschieht, wenn sie zu Wörtern oder Sätzen werden.

Eines Tages kommen keine Zettel mehr von Morkel, doch Anna hat einen von ihm entworfenen Plan. Mit dessen Hilfe macht sie sich auf Morkels Suche.

Es ist eine zarte und feinfühlige Geschichte von zwei Außenseitern, die gemeinsam einen Weg finden, um sich einander vertraut zu machen und ihr Glück zu finden. Sie will Kinder ermutigen, ihr Leben immer in die eigenen Hände zu nehmen und es mit Sinn zu erfüllen.

 

Gestalten mit Pflanzen

 

 

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Matt James, Gestalten mit Pflanzen. Das grosse Handbuch, Callwey 2016, ISBN 978-3-7667-2207-2

 

Pflanzen sind ein, wenn nicht d a s  wichtigste Gestaltungselement in dem jedem Garten. Sie sind sozusagen das A und O jeder bewusst gestalteten Grünfläche. Ohne sie funktioniert jede noch so schöne Idee nicht. Die richtige Planung ist hierbei ausschlaggebend: Welche Pflanzen passen in welchen Garten? Welche Pflanzenkombinationen sind am besten geeignet, und was muss ich zur Pflanzung und Pflege wissen?

Anhand von konkreten Beispielen zeigt dieses schöne Praxisbuch, welche Pflanzen wo am besten wachsen und welche Aufgabe sie in der Gestaltung erfüllen.

Der Ratgeber erläutert die Planungsgrundlagen und Voraussetzungen von verschiedenen Gärten umfassend und stellt alle Pflanzengruppen im Überblick vor. Er präsentiert unterschiedliche Gartenstile und erklärt, wie sich diese mit den richtigen Pflanzen verwirklichen lassen.

Auch auf  Farben, Formen, Strukturen und Pflanzenkombinationen wird ausreichend eingegangen, denn sie spielen eine wesentliche Rolle.

Für den Praktiker von großer Bedeutung: Die schönsten Beispiele in verschiedenen Stilrichtungen mit konkreten Pflanzplänen werden zur Umsetzung vorgestellt. Tipps, auf die es beim Kauf, beim Pflanzen und der Pflege ankommt sowie eine Checkliste, um die eigenen Wünsche umzusetzen, runden ein Buch ab, das auch für Nutzer kleinerer Gartenflächen etwa in Neubaugebieten sehr viele Anregungen bietet.

Das Buch über uns

 

 

 

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Mo Willems, Das Buch über uns, Klett Kinderbuch Verlag 2015, ISBN 9783-95470-126-1

 

Schweinchen und Elefant Gerald machen eine spektakuläre Entdeckung. Vor ihren Buchseiten, die die beiden bewohnen, ist jemand: Ein Leser. Der erweckt sie zum Leben indem er liest. Aber auch die beiden Figuren können ihn manipulieren; z.B. wenn sie etwas sagen, das der Vorleser dann ja auch sprechen muss. Der Spaß ist groß und die Freude auch, bis Gerald die Schattenseite des Bilderbuchheldendaseins erkennt – das Buch endet. Bei aller Panik fällt den beiden dann aber doch noch eine gute Lösung ein, bevor das Buch zu Ende ist. Das muss man aber selbst herausfinden.

Der amerikanische Bilderbuchmacher Mo Willems zeigt in diesem Buch sein ganzes Können. Minimalistisch, und dennoch mit durchschlagender Wirkung inszeniert er eine herrlich skurrile Episode. Viele grundlegende Vorstellungen von Fiktionalität werden hier auf den Kopf gestellt; dabei aber mit großem Spaß und in einem Format, das typisch für Bücher für kleine Kinder ist.

Viele Hinweise im Buch erschließen sich erst beim mehrmaligen Lesen. Das Buch verführt zum eigenen Manipulieren und Verändern. Ein großer, literarischer Spaß, der nur auf den ersten Blick ganz unbedarft wirkt.

Neustart

 

 

 

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Oliver Gaw, Neustart, Adeo 2016, ISBN 978-3-86334-085-8

 

Immer wieder, mehrmals im Jahr erreicht mich die traurige Nachricht, dass ein Mensch aus unserem Ort in einem Alter, in dem man normalerwiese noch nicht ans Sterben denkt, plötzlich nach einen  schweren Herzinfarkt gestorben ist. Etwa ein Drittel aller Menschen, insgesamt sind es etwa 250 000 im Jahr, die einen Herzinfarkt erleiden, sterben daran.

Ich kenne Menschen, zähle sie zu meinen Freunden, die ein Herzinfarkt erlitten haben in den vergangenen Jahren und die danach ohne wesentliche Veränderung ihrer Lebensgewohnheiten einfach weitergemacht haben. Sie nehmen die Warnung ihres zentralen Organs nicht ernst. Bis zum nächsten Infarkt oder bis zum frühen Tod.

Der Autor des vorliegenden Buches, Oliver Gaw erlitt gleich zwei Herzinfarkte – und überlebte. Um all das, was er dabei und danach erlebte, insbesondere innerlich, zu verarbeiten, startete er ein Jahr später einen Blog, der viele Menschen ansprach,  berührte und großes Interesse weckte. Betroffene, Angehörige und auch Neugierige finden in seinen Schilderungen Antworten und Unterstützung. Viele fühlen sich nach einem Herzinfarkt und dessen Folgen von ihrem Umfeld unverstanden und wissen oft selbst nicht, was mit ihnen los ist.

Nun hat er ein Buch darüber geschrieben, in dem er offen und mit viel Humor beschreibt, was in widerfahren ist. Er will ermutigen, einen Neustart zu wagen, ohne sich zu verbiegen, das eigene Leben mit seinen Chancen und Begrenzungen anzunehmen wie es ist, und vor allen Dingen sich nicht der Angst zu überlassen, das es wieder passieren könnte. Sein Rat: mit einer angemessenen, gesunden Lebensweise jeden Tag des Lebens genießen.