Weit über das Land

 

 

 

43998156z

 

 

Peter Stamm, Weit über das Land, S. Fischer 2016 , ISBN 978-3-10-002227-1

 

Warum verlassen Menschen von einem Tag auf den anderen alles, was sie haben, ihre ganze Familie und verschwinden einfach? Was macht das mit ihnen selbst, und wie geht es denen, die zurückgelassen werden?

Mit dieser Frage beschäftigt sich der neue kleine Roman von Peter Stamm. Er handelt von Astrid und Thomas. Die beiden haben zwei Kinder und nennen ein Haus ihr Eigen, führen ein ganz normales Leben. Bis offensichtlich für beide überraschend, Thomas eines Tages abends das Haus verlässt und nicht mehr wiederkommt.

Dass Menschen ihre Lieben auf diese Weise zurücklassen ohne sich ihnen zu erklären, geschieht öfter, als man denkt und ist deshalb auch in der Literatur ein bekanntes Thema. Pascal Mercier hat es in „Nachtzug nach Lissabon“ vor vielen Jahren beschrieben und Stefan Slupetzky hat in diesem Jahr in „Der letzte große Trost“ eine sehr interessante Version vorgelegt.

Peter Stamm erzählt von den Tagen und Monaten nach Thomas` Verschwinden in zwei Strängen. Zum einen beschreibt er mit den für ihn bekannten ausufernden Naturbeschreibungen umrankt, den Weg und die Gedanken von Thomas und zum anderen die Gefühlswelt und die Gedanken seiner zurückgelassenen Frau Astrid. Ohne wörtliche Rede beschreibt Peter Stamm in einer sehr emotionslosen und nüchternen Sprache den Weg von Thomas und wie das Leben von Astrid weitergeht. Dem Leser bleibt eigentlich bis zum Ende unklar, warum er gegangen ist und es bleibt ebenso irritierend, dass und wie Astrid zu dem ermittelnden Polizisten Patrick eine ganz besondere Beziehung entwickelt.  Auch die zahlreichen Rückblenden bringen da wenig Aufklärung, machen aber die Figuren plastischer. Dennoch kommen sie einem beim Lesen nie wirklich nahe.

Im letzten Drittel des Buches verschwimmen die Handlungsstränge von der Realität hin zu einer möglichen oder fantasierten Zukunft. Auch hier, wie in den ersten Teilen des Buches bleibt dem Leser erheblicher Interpretationsspielraum, den Peter Stamm offensichtlich bewusst so beabsichtigt.

Keine der Figuren wächst dem Leser wirklich ans Herz. Sie bleiben in ihrem Handeln fremd und kühl. Ihr Leben geht weiter aber die Ungewissheit bleibt. „Weit über das Land“ ist ein Buch über die Rätselhaftigkeit des Lebens. Ein Leben, in dem sich über Nacht Abgründe auftun können, die auf immer unverständlich bleiben.

Ein Buch, das mich jedenfalls ein wenig ratlos zurückgelassen hat.

 

 

Die Rückkehr

 

 

 

 

41881489z

 

Natalia Chernysheva, Die Rückkehr, Atlantis 2015, ISBN 978-3-7152-0695-0

 

Ein Bus in der Großstadt, ein Bus, der aufs Land fährt. Mitten in der scheinbaren Einöde steigt eine junge Frau aus. Sie geht zu einem Hof, der nur so groß wie ein Damenschuh ist, bewirtschaftet von einer alten Frau, so groß wie ein Daumen. Doch die beiden scheinen sich zu kennen, sehr herzlich ist das Wiedersehen und als der Hut der Alten auf dem Kopf der Jungen landet, ist alles plötzlich ganz anders. Nun ist die Junge so winzig, dass sie gar nicht vom Stuhl auf den Tisch schauen kann und die Alte wird zur Riesin. Gleich geblieben ist nur die stille Freude der beiden, sich zu haben.

Es geht in diesem bezaubernden Bilderbuch , das völlig ohne Worte auskommt, um die Rückkehr in die Heimat, zur Oma, aber auch die Rückkehr in die Kindheit, in alte Beziehungsmuster, das Paradies der Kindheit,  in eine fremdgewordene Welt.

Deshalb ist es nicht nur für Kinder zu empfehlen, auch die Erwachsenen, die es zusammen mit ihren Kindern anschauen und darüber mit ihnen sprechen, werden spüren, dass es vielfältige Emotionen in ihnen auslöst. Denn Rückkehr ist im Leben vieler Menschen ein wundes Thema.

Mach dein Leben zum Abenteuer

 

 

 

44214015z

Joachim von Loeben, Mach dein Leben zum Abenteuer, Goldegg 2016, ISBN 978-3-903090-28-6

Wer kennt diese Gedanken und diese Sehnsucht nicht? Allen äußeren und inneren Zwängen entfliehen, frei sein. Mit Selbstbewusstsein Altes verlassen und  Neues wagen, anderen helfen und sie unterstützen, einfach leichter, kreativer und vor allen Dingen  gelassener leben ?

Joachim von Loeben hat getan, wovon andere nur träumen: Er brach aus seinem Alltag aus, bereist seitdem die Welt, lernte Neues kennen, erlebte viele Abenteuer und stellte sich den Herausforderungen seiner neuen Zukunft.

Mit seinem Motivationsbuch reflektiert er seine Erlebnisse, erzählt, was sich für ihn verändert hat, und ermutigt andere dazu, ihre Komfortzone ebenfalls zu verlassen und Neues zu wagen. In seinen spannenden Reisegeschichten verknüpft er jedes Land mit einer Erkenntnis, die er gewonnen hat.
1.    Suchen Sie die Veränderung – und Sie werden Ihr Glück finden.
2.    Denken Sie positiv – Sie können Ihr Leben steuern.
3.    Entscheiden Sie sich- und machen Sie es sich bei Ihren Entschlüssen einfach mal leicht
4.    Keine Angst vor Fehlern mehr
5.    Entdecken Sie Ihre Kreativität und finden Sie heraus, was Sie eigentlich wollen
6.    Ziele schnell und sicher erreichen
7.    Lernen Sie das Unvermeidliche zu akzeptieren
8.    Lösen Sie Ihre Konflikte – mit Intelligenz, Diplomatie und Humor
9.    Mut ist ein Muskel, der trainiert werden kann
10.    Sein statt Haben – warum weniger manchmal mehr ist
11.    Schweigen ist die beste Art, sich selbst kennenzulernen
12.    Helfen Sie anderen, dann helfen Sie sich selbst zu einem erfüllten Leben

Das Buch nimmt den Leser zwar mit auf eine spannenden Reise um die Welt, führt ihn aber auch ohne das er selbst eine solches Abenteuer unternimmt, zu sich selbst, zu den kleinen Veränderungen im Alltag, die das Leben frei, sinnvoll und auch abenteuerlustig und mutig machen.

Ganz schön super

 

 

 

44190408z

 

 

Nanna Prieler, Ganz schön super, Nilpferd 2016 , ISBN 0978-3-7074-5177-1

 

In diesem außergewöhnlichen Bilderbuch hat die Graphikerin Nanna Prieler alle Register ihres Könnens gezogen und ein farbenfrohes Werk vorgelegt, das nicht nur die Kinder ab 3 Jahren ansprechen wird, für die es empfohlen wird, sondern sicher den vorlesenden Erwachsenen Freude bereiten wird.

Erzählt wird die Geschichte des eingebildeten Katers Kalle. Er hält sich für den Größten  und findet alle andern Tiere nur doof. Der Elefant ist ihm zu groß, die Katze viel zu dünn, der Pinguin zu dick, der Affe zu bunt und so weiter. Echt alles doof, findet Kalle.

Und so sondert er sich immer mehr von den anderen Tieren ab und wird bald alleine dastehen, wenn nicht die anderen Tiere eine blendende Idee hätten – sie halten Kalle einen Spiegel vor…

Ein schönes, in der Gestaltung absolut außergewöhnliches Bilderbuch zum Thema Vielfalt und Toleranz.

 

Das vergessliche Eichhörnchen

 

 

 

44324438z

 

Susanne Timbers, Das vergessliche Eichhörnchen, Minedition 2016, ISBN 978-3-86566-267-5

 

Die ist ein schönes und feinfühliges Buch, das den Kindern am Beispiel einer Geschichte aus der Tierwelt das Phänomen von Demenz und Alzheimer bei Menschen nahebringen soll. Ein Phänomen, das immer mehr Kinder bei ihren eigenen Groß- oder Urgroßeltern erleben und damit klarkommen müssen.

Das Buch erzählt die Geschichte von Eichhörnchen, das alt und vergesslich geworden ist. Es weiß nicht mehr, wo es seine Nüsse als Vorrat für den langen Winter versteckt hat. Zum Glück hat das Eichhörnchen Freunde, die ihm dabei helfen, mit einem Gedächtnistraining die Nüsse wiederzufinden

So weit so gut. Die Tiere bereiten sich auf den Winterschlaf vor. Nicht so der clevere Eichelhäher, der versucht, dem Eichhörnchen den Nussvorrat abzuluchsen. Vor lauter Aufregung im Kopf wird das Eichhörnchen ohnmächtig, und der Eichelhäher bekommt es mit der Angst zu tun und ruft die anderen Tiere um Hilfe.

Mit einem gemeinsamen Nussmahl besiegeln sie ihre zukünftige Freundschaft, denn der Eichelhäher verspricht, dem Eichhörnchen in Zukunft zu helfen.

Im Anhang hat die Biologin Tanja Dietrich alle wichtige Informationen gesammelt „ wie Tiere den kalten Winter überstehen.“

Ein schönes, lehrreiches und sensibles Bilderbuch.

 

Hector und die Suche nach dem Paradies

 

44090954z

 

Francois Lelord, Hector und die Suche nach dem Paradies, Piper 2016, ISBN 978-3-492-05627-4

 

In seinem neuen, dem siebten Band seiner erfolgreichen Reihe um den Arzt Hector geht Francois Lelord in der Lebensgeschichte Hectors weit zurück bis in sein 25. Lebensjahr. Wir schreiben das Jahr 1978 und Hector arbeitet als Assistenzarzt in einem Krankenhaus. Er ist noch jung, auf der Suche, und schwere Lebens- und Sinnfragen beschäftigen ihn. Besonders als ein kleiner Patient, der ihm anvertraut war, stirbt, quält er sich mit der Frage so vieler Menschen und Philosophen: wie kann Gott, wenn es ihn gibt, so etwas Grausames zulassen?

Und er ist zum ersten Mal in seinem Leben richtig verliebt und zwar in die unnahbare Clotilde, eine Kollegin aus dem Krankenhaus. Mit ihr, einer überzeugten und der Mystik zugeneigten Christin, die mit einem Leben als Nonne liebäugelt, kann Hector über all diese Fragen gut reden.

Mit ihr bricht er auch im Auftrag ihres Chefs in der Klinik in den Himalaya auf, als mehrere Patienten der Klinik apokalyptische Wahnvorstellungen ausbildeten, nachdem sie einen besonderen Tee getrunken haben.

Sie sollen Doktor Chin, den Eigentümer des Tees aufspüren, der sich dorthin geflüchtet hat. Mit in diesem spannenden Spiel ist auch der Arzt Armand aus der Klinik, der im Auftrag einer Arzneimittelfirma gute Geschäfte wittert.

Immer wieder werden Fragen zu Gott und Jenseits aufgeworfen, und in Nepal erfährt nicht nur Hector,  sondern vermittelt über ihn auch der Leser, mögliche Antworten des Buddhismus und anderer Religionen darüber, was die Welt im Innersten zusammenhält.

Eingebettet in eine durchaus spannende Rahmenhandlung, erfährt der Leser von Francois Lelord wieder sehr viel über wichtige Fragen des Lebens, über den Sinn von Leiden und über die Liebe, die Liebe zu einem anderen Menschen und die zu Gott.

Eine leichte und dennoch anspruchsvolle Lektüre für alle, die die Bücher über Hector lieben und die nicht aufhören Fragen zu stellen, auch die, auf die sie nie eine Antwort erhalten werden.

 

 

 

 

 

 

Sündigen erlaubt

 

44208734z

Elisabeth Polster, Sündigen erlaubt. Zum Wohlfühlgewicht ohne Diät, Goldegg 2016, ISBN 978-3-903090-19-4

Die Lebensmittelexpertin Elisabeth Polster versucht in ihrem hier vorliegenden Buch mit dem bezeichnenden Titel „Sündigen erlaubt“ einen Weg der Ernährung aufzuzeigen, der weg führt vom Diätwahnsinn hin zu einer langfristigen Ernährungsumstellung. Dabei ist sündigen erlaubt. Sie hält nichts von strengen Crash-Diäten und möchte zu einem neuen, gesunden Ernährungs-Bewusstsein anregen.

Sie zeigt überzeugend auf, dass Crash-Diäten oder andere extreme Reduktionskost-Kuren auf  Dauer keinen Sinn haben. Entspannung ist angesagt bei diesem Thema hineinbringen, denn Kalorien zählen oder sich etwas zu verbieten, das macht Stress und ist komplett kontraproduktiv. Bewusst gesund und vor allem artgerecht zu essen, das führt langfristig zum Wunschgewicht.

Sie plädiert für artgerechte Ernährung. Viel frisches Obst, Gemüse und Nüsse, Kräuter, Samen, Eier, Fisch, Fleisch, Geflügel – idealerweise biologischer Herkunft. Finger weg von industriell verarbeitetem Zucker oder Weißmehl und aus Weißmehl erzeugten Produkten. Und eine tägliche Bewegung tut not. Denn durch Bewegung kann überschüssiges Cortisol, welches in Stresssituationen vermehrt ausgeschüttet wird und ein Fettverbrennungshemmer ist, abgebaut werden. Nach Stress-Stunden soll man bewusst Ruhephasen einbauen.

Zum Sündigen sagt sie: Wir sollten diese Lebensmittel, die uns mehr schaden, als gut tun, bewusst ganz selten essen. Aber niemals ständig darauf verzichten. Ab und zu ist auch ein Schnitzel oder eine Portion Pommes vollkommen ok.
Ihre Faustregel: Dreimal am Tag bewusst gesund essen, so oft wie möglich frisch kochen und zu unverarbeiteten Lebensmitteln greifen, das macht auf Dauer schlank.

Anna, Anton, Augenstern

 

 

44098861z

 

 

 

 

 

Kristina Dumas, Anna, Anton, Augenstern oder wie man auf er ganzen Welt zu seinem Namen kommt, Annette Betz Verlag 2016, ISBN 978-3-219-11676-2

 

Viele fremde Namen lernen unsere Kinder in diesen Zeiten in unseren Kindergärten und Schule kennen. Denn unsere Gesellschaft ist bunter geworden, Kinder aus vielen unterschiedlichen Ländern besuchen die Einrichtungen selbst in kleineren Kommunen.

Jedes Kind hat einen Namen, von seinen Eltern wohlüberlegt ausgesucht. Einen Namen mit einer Geschichte und einer Bedeutung. Das vorliegende Sachbilderbuch geht diesen Namensursprüngen in vielen Ländern und Gegenden der Welt und erklärt sie. Es gibt aber auch viel Informationen über Modenamen, Spitznamen und ganz ausgefallene Namensgebungen.

Das Buch ist lehrreich, aber witzig. Ein wenig erinnern manche großflächige Bilder an ein Wimmelbuch und laden so zum Entdecken ein.

Das Buch sollte in keinem Kindergarten fehlen.

Einer für Alle – Alle für Einen

 

14513657z

 

Brigitte Weninger, Eve Tharlet, Einer für Alle- Alle für Einen, Minedition 2016, ISBN 978-3-86566-342-9

 

In diesem schönen Bilderbuch geht es um das wichtige Thema der Inklusion. Da wird erzählt von einer Maus namens Max, die körperbehindert ist. Sein einer Fuß ist kürzer als der andere. Deshalb stolpert er oft, steht aber immer wieder auf und macht weiter.

Unterwegs auf seinem Weg in die Welt (seine Mama hat ihn mit den schönen Worten verabschiedet: „Geh immer deinen Träumen nach und vergiss nie, dass du etwas Besonderes bist. Dann wirst du auch besonders gute Freunde finden!“) begegnet er einem Maulwurf, der nicht gut sehen kann, einem Frosch, der schlecht hört und spricht und einer Amsel und einem ängstlichen kleinen Igel.

Als ein Gewitter im Anzug ist, da spüren die Freunde etwas von ihrem Zusammenhalt und welche Kraft das ihnen gibt. Sie können ihre Angst vor dem Gewitter besiegen und sogar der kleine Igel trägt etwas dazu bei.

Jeder kann etwas Besonders und alle zusammen unendlich viel. Einer für Alle und Alle für Einen!

Ein schönes Bilderbuch zu einem wichtigen Thema.

 

 

 

Haltet den Die!

 

 

 

 

44190072z

 

Horst Klein, Haltet den Dieb, Klett Kinderbuch 2016, ISBN 978-3-95470-132-2

So kann man auch das ABC lernen. Und mit viel mehr Spaß! In Horst Kleins witzigem und frechem Bilderbuch für Kinder ab sechs Jahren taucht immer wieder ein Buchstabendieb auf. Die Polizei sucht ihn dringend und wirft ihm Wortspielerei und Buchstabenklau vor.

Die jungen Leser des Buches sind eingeladen, dabei mitzuhelfen. Sie können mitreimen (alle Texte sind in Reimen gefasst), miträtseln und vor allen Dingen – immer wieder mitlachen.

So wie in diesem Buch wird das Erlernen des ABC nicht nur eine reine Technik, sondern es vermittelt vom ersten Buchstaben an die Freude am Reichtum der Sprache und ihrer Ausdrucksmöglichkeiten.

Sehr zu empfehlen für alle, die in diesem Jahr die Schule beginnen werden.