Das Menschenhaus. Gedächtnis der Zeiten

 

 

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Hubertus Halbfas, Das Menschenhaus. Gedächtnis der Zeiten, Patmos 2016, ISBN 978-3-8436-0682-0

Eine Einführung in  die Theologie durch theologiekritische Literatur – nichts weniger versucht der emeritierte Religionspädagoge Hubertus Halbfas in seinem neuen  großen Werk. Auf drei Bände ist es angelegt.

Im ersten Band „Das Christenhaus“ geht es um literarische Anfragen an die christliche Religion, im zweiten hier vorliegenden Band „Das Menschenhaus“ um Geschichten und Gedichte und im letzten Band „Das Welthaus“ um wichtige Texte der Menschheit.

Hubertus Halbfas richtet sich mit diesem Werk an einen breiten Leserkreis ohne weltanschauliche Einschränkungen. Er wünscht sich als Leser sowohl die „religiös Musikalischen wie die Unmusikalischen“.  Er will aber hauptsächlich etwas erreichen, was die Praktischen Theologen der Gert-Otto-Schule schon in den siebziger Jahren in Mainz lehrten. Er will Religionslehrer, Pfarrer und anderes kirchliches Personal heranführen an die Literatur. Denn nur in ihr und durch sie könne „der Atem der Welt wahrgenommen“ werden.

Im Unterschied zu herkömmlichen Anthologien wird in diesem Buch mehr getan: es gibt Angaben über den Autor, die Entstehungsgeschichte, geschichtliche Hintergründe und literarische Eigenarten des Textes und Interpretationshilfen anderer bedeutender Autoren. Nur so kann ein literarisches Verständnis gewonnen werden. Für das theologische Verständnis dienen  jeweils Einführungen in zentrale Fragen und Positionen.

Das Buch ist eine wertvolle und reiche Sammlung, in der deutlich wird, dass ohne eine Auseinandersetzung mit der Literatur eine zeitgemäße Theologie nicht mehr möglich ist.

Wer will den blauben Raben haben?

 

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Edith Schreiber-Wicke, Carola Holland, Wer will den blauen Raben haben, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45831-3

 

In diesen Zeiten, wo Millionen Menschen nicht nur in Europa auf der Flucht sind und auf der Suche nach einem neuen, sicheren Zuhause, nachdem ihr altes mit Gewalt zerstört wurde, erfahren auch schon kleine Kinder im Kindergarten und auf dem Spielplatz, dass es da Kinder gibt, die anders aussehen, sprechen und sich verhalten als sie selbst.

 

Da ist es gut, dass es Bilderbücher gibt wie das hier vorliegende, die das Thema des Unterwegsseins und des Ankommens auf eine verfremdete, den Kindern leicht zugängliche Weise ansprechen und bearbeiten.

 

Das bekannte und bewährte Autorenduo Edith Schreiber-Wicke und Carola Holland erzählt die Geschichte eines blauen Raben, der durch Brandrodung seine geliebte Heimat im Regenwald verliert und mit vielen anderen Vögeln in letzter Minute fliehen kann vor dem tödlichen Rauch und Staub.

 

Als er ans Meer kommt, hilft ihm ein freundlicher Blauwal, der ihm eine ermutigende Gute-Nacht-Geschichte erzählt und den er dafür am nächsten Tag von Muscheln und Algen säubert. An Land angekommen sucht er einen Ort wo er bleiben kann, doch zwei Mal wird er von anderen Tieren ziemlich schroff abgewiesen.

 

Endlich kommt  er an einen Wald, in dem eine Schar Nebelkrähen wohnen,  die ihn freundlich aufnehmen  und gespannt seinen Geschichten aus dem Regenwald lauschen.

 

Ja, vielleicht ist es auch das Geschichtenerzählen, was fremde und einheimische Kindern einander näher bringen wird. Mit den Erwachsenen wird es schwieriger werden, aber auch hier liegt im Teilen von Geschichten und Geschichte meiner Meinung nach der Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis und Annahme.

Die Unvollkommenheit der Liebe

 

 

 

 

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Elizabeth Strout, Die Unvollkommenheit der Liebe, Luchterhand 2016, ISBN 978-3-630-87509-5

 

In ihrem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Roman „Mit Blick aufs Meer“ war es der erst spät zum Schreiben gekommenen Schriftstellerin Elizabeth Strout 2010  auf leise, sensible Weise gelungen, hinter die Oberfläche menschlicher Schwächen und Sehnsüchte zu blicken und in ihnen durch die Hauptperson Olive Knitterigde das zu sehen, was sie sind: Menschen, die kämpfen um ihr Leben und ihr Glück, so wie jeder andere in jede anderen Stadt der Welt.

 

Auf eine andere Weise greift sie in dem vorliegenden in den USA 2016 unter dem Titel „My name is Lucy Barton“ erschienenen Roman ein ähnliches Thema wieder auf.  Auch dieses Mal geht es um nicht weniger als den Sinn eines Menschenlebens herauszufinden. Die Geschichte, die Elizabeth Strout ihre Ich-Erzählerin Lucy Barton erzählen lässt, handelt von einer Mutter-Tochter-Beziehung und von der Liebe. So groß die Liebe, die wir in uns tragen auch sein mag, so die Erkenntnis von Lucy, sie kann immer nur unvollkommen sein.

 

Lucy Barton ist eine Schriftstellerin, die seit langem in New York City wohnt. Nach einem Routineeingriff muss sie wegen einer unerklärlichen aber lebensbedrohenden Infektion für längere Zeit im Krankenhaus bleiben. Sie hat viel Zeit zum Nachdenken, über ihr Leben, was sie geprägt hat in der Vergangenheit und was ihr entgegen allen Annahmen immer noch keine Ruhe lässt.

 

Als eines Tages plötzlich ihre Mutter, mit der sie lange keinen Kontakt hatte, neben ihrem Bett sitzt, und diesen Ort fünf Tage und Nächte nicht verlassen wird. Seit Lucy jenen kleinen Ort in Illinois, in dem sie aufwuchs, verließ, hat sie ihre Mutter nicht gesehen.

 

Sie freut sich sehr über ihren Besuch, doch ihr Anblick, ihre Gegenwart, was sie ihr erzählt und was sie nicht erwähnt – alles zusammen führt dazu, dass Lucys gesamte Lebensgeschichte wieder hoch steigt. Eine Armut, die zum Himmel schrie, der Mangel an Liebe und Zuneigung in der Familie. Ihr Traum eine Schriftstellerin zu werden, ihre Ehe mit ihrem Mann und deren Abgründe, das Glück über die beiden Töchter ….

 

Viele Jahre später erinnert sich Lucy Barton an ihren Krankenausaufenthalt und den Besuch ihrer Mutter. All, ihre Erinnerungen aufschreibend, gelangt sie nicht nur zu der befreienden Erkenntnis, dass alle Liebe und sei sie noch so groß und tief, immer unvollkommen bleiben wird, sondern auch zu so etwas wie einer gefestigten Identität: „Diese Geschichte hier, das ist meine. Meine. Und ich bin Lucy Barton“.

Sie beendet ihr Nachdenken mit dem Satz: „Leben, denke ich manchmal, heißt Staunen.“

 

Wie wahr.

 

 

Geronimo

 

 

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Leon de Winter, Geronimo, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-06971-6

 

Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter, der für seine klare Haltung gegenüber den radikalen Islam nicht nur in seiner Heimat oft angefeindet wurde, gehört zu den Autoren, die mit jedem weiteren Roman nicht nur literarisch besser werden, sondern sich mit ihren Themen mutig immer weiter vorwagen.

 

So hat er in seinem neuen Roman in einer wahnsinnigen Mischung aus Realität und Fiktion jene Aktion des amerikanischen CIA hinterfragt, bei der am 2.Mai 2011, fast zehn Jahre nach dem Anschlag auf das World Trade Center, eine Eliteeinheit Usama Bin Laden (im Buch nur UBL genannt) in seinem Unterschlupf im pakistanischen Abbottabad getötet hat.

Weltweit gab es klammheimlichen Beifall für diese Aktion, doch es kamen auch immer wieder Fragen auf, warum man den gesuchten Chef von Al Kaida nicht lebend gefangen nahm bzw. warum man seinen Leichnam so schnell über dem Arabischen Meer in der Tiefe verschwinden ließ?

 

Ohne jegliche Verschwörungsmethaphern hat Leon de Winter sich diesen Fragen mit einer genial erzählten Geschichte genähert. Hauptpersonen sind der amerikanische ehemalige Agent Tom Johnson, der nach einer schlimmen Verletzung in Afghanistan nicht mehr im Kampf eingesetzt werden kann. Dort hatte er auch das afghanische Flüchtlingsmädchen Apana kennengelernt und sie gleichsam adoptiert. Die Musik Bachs, insbesondere die Goldberg-Variationen, die das Mädchen durch Tom kennenlernt, verändert das Leben des Kindes radikal. Ihr schreckliches Schicksal und die Verantwortung, die Tom für das Kind übernimmt bis an die Grenzen seiner Kraft, ist ein wesentlicher, sehr bewegender und theologisch interessanter Strang der Handlung. Hier wird etwas deutlich von der Phantasie des jüdischen Autors, wie es sein könnte, wenn die Religionen der Welt jene Vorstellung und Dimension des Göttlichen, die in den Goldberg-Variationen aufscheint, annehmen und aufnehmen würden.

 

Ein zweiter Strang erzählt von den Vorbereitungen und der Durchführung der Aktion „Neptune`s Spear“, von der Begegnung Apanas mit UBL in Abbottabad, und gibt einen angedeuteten Hinweis darauf, warum UBL nicht am Leben gelassen wurde.

 

Der Roman ist spannend erzählt und entwickelt sich bald für den Leser zum regelrechten Pageturner. Das angedeutete Geheimnis, mit dem UBL angeblich Obama bedrohte, ist nach einigem Nachdenken über bestimmte Auswüchse im gegenwärtigen Wahlkampf in den USA so ganz abwegig nicht.

 

Wie es wirklich gewesen ist, wird die Welt nie erfahren. Leon de Winter hat aber aus einem historischen Geschehen eine lesenswerte Geschichte gemacht, deren menschliche und spirituelle Dimensionen lange in mir nachgewirkt haben.

 

 

 

 

Hochland

 

 

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Steinar Bragi, Hochland, DVA 2016, ISBN 978-3-421-04697-0

 

Ich war durch die Buchbeschreibung und die Verlagsankündigungen auf dieses Buch sehr gespannt, zumal ich normalerweise kaum Thriller lese, dem Lektorat von DVA aber eine sichere Hand zutraue bei der Auswahl der Bücher, die es in sein üblicherweise anspruchsvolles Programm nimmt. Ich habe das Buch auch tapfer bis zum Ende gelesen, weil es ihm zumindest gelingt eine Form von Spannung aufzubauen und man dann doch wissen möchte, was da wirklich los ist draußen in der menschenfeindlichen Berg- und Wüstenwelt des isländischen Hochlandes.

 

Dorthin sind zwei Paare mit einem Hund aufgebrochen. Alle vier haben ihre je eigene ziemlich gestörte Lebensgeschichte. Eingeflochten in die Handlung des Buches erzählt Bragi von diesen Lebensschicksalen und den vergeblichen Versuchen, sie hinter sich zu lassen. Diese Passagen habe ich gerne und mit Gewinn gelesen, während mich die fortlaufende Geschichte zunehmend mehr irritiert und verwirrt hat.

 

Diese vier jungen Menschen geraten auf ihrer Fahrt im Nebel vom Weg ab, und fahren mit ihrem Jeep in ein Haus hinein. Das wird bewohnt von zwei alten Leuten, ein  ziemlich verschrobenes altes Paar, das ihr Haus wie eine Festung verbarrikadiert. Vor was haben sie Angst, fragen sich die vier Gestrandeten, die zunächst dort unterkommen?  Was ist da draußen in der Sandwüste?  Die beiden Paare, deren Verhältnis zueinander völlig ungeklärt ist, was in dieser Ausnahmesituation sofort aufbricht, geraten mehr und mehr in Streit und versuchen  panisch ihre Rückkehr zu organisieren. Da geschehen unerklärlich Dinge, seltsame Wesen streifen nachts vor dem Haus umher. Aber leider ist das weder schlüssig erzählt, noch gruselt es einen.

 

Lange nachdem ich das Buch ausgelesen aus der Hand gelegt habe, habe ich mich gefragt, wieso „Hochland“ von der Kritik in Nordeuropa gefeiert wurde und man Bragi schon mit Stephen King vergleicht. Vielleicht würde, so dachte ich, der erzählte, mich verwirrende Stoff in einer filmischen Bearbeitung mehr zur Geltung kommen.

 

Als Buch jedenfalls, als angeblicher Thriller, hat „Hochland“ mich sehr enttäuscht und ich kann es nicht weiter empfehlen. Oder, natürlich auch möglich:  ich habe den ganzen Ansatz nicht verstanden.

 

 

 

Die Flucht

 

 

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Francesca Sanna, Die Flucht, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10361-2

 

Dieses ausdrucksstarke Bilderbuch der in der Schweiz lebenden Sardinierin Francesca Sanna ist, wie sie in einem Nachwort schreibt, entstanden nach unzähligen Gesprächen, die sie in einem Flüchtlingslager in Italien mit erwachsenen Flüchtlingen und ihren Kindern geführt hat.

 

Es erzählt am Beispiel einer Flucht also von vielen Fluchten. Erzählt wird die Geschichte von einem Kind, das in einer nicht näher genannten Stadt in einem nicht näher genannten Land mit seiner Familie am Meer lebt. Bis der Krieg ausbricht und ihnen schnell den Vater nimmt. Voller Sorgen beschließt die Mutter irgendwann, mit ihren beiden Kindern aus dem Land zu fliehen. Sie informieren sich genau über das Land, in das sie reisen wollen: „Da gehen wir hin, da müssen wir keine Angst mehr haben“, sagt die Mutter. Sie packen alles, was sie besitzen in Koffer, verabschieden sich von ihren Freunden und fahren los.

 

Immer mehr Gepäck müssen sie unterwegs zurücklassen und als sie vor der durch eine hohe Mauer und grimmige Wächter geschützten Grenze stehen, haben sie fast nichts mehr. Gegen Bezahlung bringt sie ein Mann über die Grenze.

 

Doch dann ist noch die gefährliche Überfahrt über das Meer, die sie glücklich überstehen. Und dann fahren sie tage- und nächtelang mit dem Zug und überqueren dabei viele Grenzen. Das Kind beobachtet die Vögel aus dem Zug und sagt:

„Sie sind unterwegs wie wir. Auch ihre Reise ist lang, doch für sie gibt es keine Grenzkontrollen. Ich hoffe, eines Tages anzukommen wie diese Vögel. In einer neuen Heimat, wo wir in Sicherheit sind und neu anfangen können.“

 

In einer Zeit, wo in fast jeder Kindergartengruppe und fast jeder Grundschulklasse eines oder mehrere Flüchtlingskinder aufgenommen worden sind, hilft dieses mit dem der Goldmedaille der Society of Illustrators in New York ausgezeichnete Bilderbuch auf eine sehr sensible Weise Verständnis zu schaffen und Mitgefühl zu entwickeln.

Der leise Atem der Zukunft

 

 

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Ulrich Grober, Der leise Atem der Zukunft, Oekom 2016, ISBN 978-3-86581-807-2

 

Von insgesamt sechs Wanderungen erzählt der Publizist Ulrich Grober, die er in den letzten Jahren quer durch Deutschland unternommen hat. Ulrich Grober ist bislang mit Veröffentlichungen zum Thema Nachhaltigkeit und Ökologie bekannt geworden und um dieses Themenfeld geht es auch in dem hier vorliegenden Buch. Auf all diesen Wanderungen begab er sich auf die Spur von Menschen und Projekten, die für die wichtigen ökologischen und gesellschaftlichen Problemfelder der Gegenwart Lösungsansätze versprechen.

 

Seine Entdeckungen und Beschreibungen belegen, dass es wirklich möglich ist, eine andere Welt nicht nur zu denken, sondern zu schaffen. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy sagte dazu: „An stillen Tagen hört man sie atmen“.

 

Auch in Deutschland hat diese Zukunft schon begonnen, die Arbeit an einer nachhaltigeren Welt. Grobers Buch, Reiseberichte, die sein Unterwegssein auch sprachlich abbilden, macht Mut und Hoffnung, eine begründete Hoffnung (docta spes wie Ernst Bloch das nannte), dass es zur fortlaufenden Zerstörung unserer Welt tatsächlich Alternativen gibt, lebenswerte und nachhaltige Alternativen, an denen schon viele Menschen bauen und sich miteinander vernetzen.

 

 

 

Terror in Frankreich

 

 

 

 

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Gilles Kepel, Terror in Frankreich, Kunstmann 2016, ISBN 978-3-95614-129-4

 

Die Terroranschläge im Januar und November 2015 und im Juni und Juli 2016 haben Frankreich und Europa schwer erschüttert. Der renommierte Soziologe Gilles Kepel sucht in seinem Buch Erklärungen dafür, warum sich eine so enorme gesellschaftliche Kluft aufgetan hat und die Lage derart eskalieren konnte.

 

Auf der einen Seite identifiziert er die Kriege im Nahen Osten und das junge Alter der meisten postkolonialen Immigranten als einen wichtigen ideologischen Faktor für die Rekrutierung junger Muslime durch Dschihadisten. Es geht immer gegen das angebliche ungläubige Abendland, den Westen mit seinen Werten und seiner Kultur. Auf der anderen Seite werden in ganz Europa die rechten Parteien und Bewegungen immer stärker. So kommt es zu einer Polarisierung der Gesellschaft, und ihre über Jahrzehnte gebauten Fundamente werden sozusagen von zwei Seiten bedroht. Es droht ein katastrophaler Bruch. (Diesen Titel trägt übrigens Kepels nächstes Buch, das im November in Frankreich erscheint, und das seine hier vorgelegte Analyse fortsetzt.)

 

Wie diese Entwicklung ausgehen wird, das kann Kepel nicht sagen, er liefert lediglich die genaue Analyse. Und die zeigt, dass es das erklärte Ziel der Dschihadisten ist, die Gesellschaft zu spalten und die bisher noch loyale Mehrheit der Muslime zu radikalisieren. Dies führt dann  dazu, dass auch Menschen, die bisher dem Islam wohlwollend bis gleichgültig gegenüber standen, zu Gegner bzw. Feinden dieser Religion werden, rechte Bewegungen wie den Front National in Frankreich oder die AfD in Deutschland immer stärker machen und so wiederum die Begründung für immer neue Attentate und Attentäter schaffen. Ein bürgerkriegsähnliches Szenario, das mir jedenfalls große Angst macht.

 

Kepels Thema ist die Situation Frankreich, die sich von der deutschen noch einmal wesentlich unterscheidet. Doch mit der hohen Zahl mehrheitlich junger moslemischer Flüchtlinge in unserem Land haben wir einen möglichen Nährboden für eine ähnliche Entwicklung. Die Auseinandersetzungen der letzten Tage in Bautzen sind dann wahrscheinlich nur ein  Vorgeschmack dessen, was unserer Gesellschaft bald bevorsteht. Vernünftig zu argumentieren und zu differenzieren fällt immer schwerer.

 

 

 

 

 

 

Die geheimen Zeichen der Natur lesen

 

 

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Tristan Gooley, Die geheimen Zeichen der Natur lesen, Riva 2016, ISBN 978-3-86883-915-9

 

Tristan Gooley ist Autor und Naturexperte. Er schrieb bereits für die New York Times, das Wall-Street-Journal und BBC. Gooley hat Expeditionen auf fünf Kontinenten geleitet, Berge bestiegen, in einem kleinen Flugzeug Afrika und die Arktis überquert und die Verhaltensweisen von Nomadenvölkern in den entlegensten Winkeln der Erde studiert. Jetzt hat er ein sehr unterhaltsames Buch über seine Naturerfahrungen geschrieben, das Menschen, die gerne zu Fuß oder mit den Fahrrad in der Natur unterwegs sind (es sollen immer mehr werden hört man), dazu verhelfen soll, weniger auf ihre Wetter-App oder ihr GPS zu vertrauen beim Finden des richtigen Weges, sondern die „geheimen Zeichen der Natur“ wieder deuten zu lernen.

 

Wissen Sie zum Beispiel, dass Objekte umso heller erscheinen, je weiter entfernt sie sind? Oder dass man mit Efeu genau die Himmelsrichtung bestimmen kann? Oder dass man mithilfe der Sterne auch die Uhrzeit und das Datum errechnen kann?

Das Buch offenbart längt vergessenes Wissen unserer Vorfahren und hilft dabei, allein durch das Deuten natürlicher Zeichen das Wetter vorherzusagen, Spuren zu lesen oder sich im Freien zu orientieren. So öffnen sich die Blüten einiger Blumen zuerst an der südlichen Seite, Zirruswolken gefolgt von Zirrostratus kündigen eine Warmfront mit Regen an und nachts zeigt die Sichel des Mondes die Himmelsrichtung an. Zusätzlich gibt dieses Buch verblüffende Einblicke in die Auswirkungen natürlicher Vorgänge auf die Kultivierung unserer Landschaft und den Bau beziehungsweise die Planung unserer Städte – immer garniert mit unterhaltsamen Storys des Autoren. Fazit: Wer die Natur lesen möchte, muss dieses Buch lesen.

 

Eine unterhaltsame und informative Lektüre , nach der man seine Umwelt mit anderen Augen sieht.

 

Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben

 

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Pamela Zagarenski, Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben, Knesebeck 2016, ISBN 978-3-86873-942-8

 

Dieses zuerst in  New York erschienene und von Gundula Müller-Wallraf ins Deutsche übertragene Bilderbuch von Pamela Zagarenski ist  eine wahre Liebeserklärung an die Macht und Kraft der (kindlichen) Phantasie.

 

Es erzählt von einem kleinen Mädchen, das sich von ihrer Lehrerin, die seine Vorliebe für Bücher entdeckt und sein Interesse fördern will, ein wunderschönes magisches Buch voller Geschichten ausleiht. Leider fallen auf dem Weg nach Hause alle Buchstaben aus dem Buch heraus, ohne dass das Mädchen es merkt. Doch ein Fuchs, der auf allen weiteren Seiten auftaucht, hat sie mit einem Netz vorsorglich eingefangen.

 

Als das Mädchen nach dem Essen in ihrem Zimmer das Buch aufschlägt, sind nur noch die wunderschönen Bilder zu sehen. Tief enttäuscht hört sie gleich darauf im Rauschen des Windes ein Flüstern, das ihr vorschlägt, selbst die Geschichten zu den Bildern zu erzählen und zu erfinden.

 

Tolle Geschichten fallen ihr ein, und am nächsten Morgen ist sie noch ganz bewegt von den Figuren, die darin vorkamen. Auf dem Weg zur Schule trifft sie den Fuchs, der ihr die eingefangenen Buchstaben überreicht und einen  ganz besonderen Wunsch hat, der am Ende des Buches verraten wird.

 

In der Schule angekommen, kann das Mädchen es gar nicht erwarten, ihrer Lehrerin ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

 

Zauberhafte und magische Illustrationen bebildern ein Buch, das Kinder ermutigt zu ihren eigenen Geschichten, ihnen vermittelt, dass sie nicht  nur Freude am Lesen fremder Erzählungen haben können, sondern dass auch ureigene in ihnen schlummern.