Der Junge muss an die frische Luft

 

 

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Hape Kerkeling, Der Junge muss an die frische Luft, Piper 2016, ISBN 978-3-492-32000-9

 

In seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ hat Hape Kerkeling auf eine unnachahmlich authentische und unprätentiöse Weise erzählt, wie er zu sich selbst und zu Gott gefunden hat.

 

Einige Jahre später, quasi als ein Geburtstagsgeschenk zu seinem 50. Geburtstag legt er nun ein zweites Buch vor. „Meine Kindheit und ich“ heißt es im Untertitel und Hape Kerkeling erzählt von seinem Aufwachsen in einer großen Familie. Von dem, was da schon früh in ihm schlummerte und dem, was die Verhältnisse und das Schicksal seiner Mutter aus ihm gemacht haben. Man weiß als Leser schon recht früh, dass der kleine Hape Zeuge nicht nur der fortschreitenden psychischen Erkrankung seiner Mutter wurde, von der er sie mit allerlei Späßen abzulenken versuchte, sondern auch, dass er eine ganze Nacht neben ihr lag, als ihr Körper nach der Einnahme von Schlafmitteln schon erkaltet war.

 

Er erzählt von seinen beiden wunderbaren Großmüttern, die ihn am Leben hielten und zu ihm standen, auch davon, wie eine auf ihrem Sterbebett ihm quasi seine Karriere voraussagte.

 

Das Buch ist bewegend von der ersten bis zur letzten Seite und erzählt zwischen den Zeilen von der unglaublichen Kraft, die ein Mensch entwickeln kann, trotz furchtbarer Schicksalsschläge. Resilienz nennen das die Psychologen.

 

In aller Bescheidenheit erzählt Hape Kerkeling davon, ohne missionarischen Impetus, aber immer mit der leisen Hoffnung, dass er mit seinem Beispiel anderen Menschen Mut machen kann, nicht aufzugeben, wenn einen unendliche Schwere niederdrücken will, niemals die Hoffnung aufzugeben, auch wenn es dunkel wird im Leben, und niemals den Glauben zu verlieren an Gottes Liebe und Segen und auch nicht an sich selbst.

 

Ein wunderbares Buch über das Glück des Lebens.

 

Mord im Herbst

 

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Henning Mankell, Mord im Herbst, DTV 2016, ISBN 978-3-423-25377-2

 

Alle Freunde von Henning Mankells Kommissar  Kurt Wallander, den er in seinem letzten, die erfolgreiche Reihe abschließenden Roman 2009 in einem Zustand zunehmender Demenz zurückließ, werden sich freuen über dieses kleine Buch, das einen weiteren Fall für Kurt Wallander bereithält. Es spielt im Herbst des Jahres 2002, also etwa ein Jahr nach „Vor dem Frost“, in dem Wallanders Tochter Linda zum ersten Mal als Polizeianwärterin eine Rolle spielt und „Der Feind im Schatten“, als zwischen Januar und Mai 2007 Wallander, schon deutlich von seiner Krankheit behindert, seinen letzten Fall löst.

 

Immer wieder war, auch von Mankell selbst, die Spekulation genährt worden, es gäbe bald weitere Romane mit Linda Wallander und ihrem Freund Stefan Lindman, doch nun ist ein relativ kurzer, alter Roman erstmals auf Deutsch erschienen, von dem bisher nur wenige Buchfreaks wussten. Das Buch ist vor vielen Jahren geschrieben worden und in Holland gratis verteilt worden, an jeden, der damals in einem „Monat des spannenden Buches“ einen Kriminalroman kaufte. Mit Kenneth Branagh in der Hauptrolle wurde die Handlung für das BBC erfolgreich verfilmt. Nachdem Mankell diesen Film gesehen und gespürt hatte, „dass die Geschichte immer noch Leben hatte“ stimmte er einer neuen Veröffentlichung zu.

 

Die Handlung des spannenden Buches, das mit vielen kurzen Sätzen und Dialogen arbeitet, und in dem in kurzen, oft versteckten Anmerkungen auf die sich anbahnende Krankheit, die dann etliche Jahre später nicht mehr zu übersehen ist, angespielt wird, sei kurz angerissen.

 

Es ist Herbst 2002. Wallander lebt noch immer in Ystad. Auch seine Tochter wohnt noch im Haus, und es gibt immer wieder Anlass zu Reibereien zwischen einem zunehmend vereinsamenden Vater und einer selbstbewussten Tochter, die ihm unverblümt sagt, er brauche eine Frau und solle mal wieder vögeln. Kurt Wallander träumt schon davon, nicht mehr allein zu sein und er träumt auch von einem Haus auf dem Land, lange schon. Als sein langjähriger Kollege Martinsson ihm das Haus eines verstorbenen Verwandten von ihm anbietet, rafft sich Wallander auf und besichtigt es. Es sagt ihm durchaus zu, doch als er im Garten um das Haus herumgeht, ragt etwas aus der Erde, das ihm auffällt. Es stellt sich heraus, dass es eine skelettierte menschliche Hand ist.

 

Ein neuer Fall beginnt. Obwohl bald klar ist, das das ganze Skelett, das zu der Hand gehört, schon mehr als 60 Jahre dort gelegen hat, wird der Fall nicht gleich zu den Akten gelegt, sondern Wallander und Martinsson ermitteln. Das ist schwierig, weil viele Zeitzeugen nicht mehr leben. Doch durch das Wühlen in Archiven, bei dem Stefan Lindman eine große Hilfe ist und durch den Kommissar Zufall, aber auch durch Wallanders bekannte Kombinationsgabe und Geduld finden sie immer mehr heraus, bis zu einer ganz überraschenden Lösung…

 

Das Buch selbst hat man sehr schnell ausgelesen und am Ende hält Mankell eine weitere Überraschung bereit. Meines Wissens so zum ersten Mal erzählt er in einem längeren Nachwort seine Geschichte mit seiner Figur Kurt Wallander: „Wie es anfing, wie es endete und was dazwischen geschah“.

 

Aufschlussreich auch für die, die vor vielen Jahren alle Bücher der Wallander- Reihe so wie der Rezensent verschlungen haben.  Alle diese Bücher sind mit einer kurzen Inhaltsangabe in chronologischer Reihenfolge ganz am Ende des Buches noch einmal aufgeführt. Vielleicht eine Ermutigung zu einer relecture einer erfolgreichen Reihe aus einem historischen Blickwinkel?

 

Der hier vorliegenden TB Ausgabe hat Henning Mankell ein lesenswertes Nachwort angefügt.

 

Phishing für Fools

 

 

 

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George A. Akerlof, Robert J. Shiller, Phishing für Fools. Manipulation und Täuschung in der freien Marktwirtschaft, Econ 2016, ISBN 9783-430-20206-0

 

Spätestens seit dem grandiosen Scheitern des Realsozialismus im ehemaligen Ostblock gilt die alte Maxime von Adam Smith als bewiesen, dass ein freier Markt und ein freier Wettbewerb die besten Voraussetzungen sind für allgemeinen Wohlstand.

George Akerlof und Robert Shiller, beide in unterschiedlichen Jahren mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet, zeigen in dem vorliegenden Buch überzeugend auf, dass Märkte nicht von sich aus gut sind und es auch nicht  immer die besten Produkte sind, die sich am Markt durchsetzen.

 

Anhand von vielen Beispielen beschreiben sie, in welchem Ausmaß in der Wirtschaft die Täuschung und die Manipulation herrschen, auf welche Weise wir als Konsumenten verleitet werden, mehr Geld auszugeben, als wir besitzen.

 

Sie zeigen den Einfluss der Werbung auf die Konsumenten und klagen die Macht der Wirtschaft gegenüber der Politik an.

Die Lehre von  den sich selbstregulierenden Märkten ist also falsch. Für viele sicher nichts Neues, aber dass sie von zwei Nobelpreisträgern widerlegt wird, schon.

 

Robert Shiller glaubt dennoch an einen regulierten Kapitalismus. Auf die Frage: „Sie zeichnen ein düsteres Bild vom Kapitalismus. Ist es das richtige Wirtschaftssystem, wenn alle betrügen?“  antwortet er in der ZEIT: „So düster ist es nicht, und es ist immer noch besser als alle Alternativen. Ich glaube an einen regulierten Kapitalismus. Deutschland ist darin stark. Regulierungsbehörden sind hier höher angesehen als in den USA. Deutschland war auch Vorreiter bei den Sozialversicherungen. Wir haben unser Buch ursprünglich für ein amerikanisches Publikum geschrieben. Amerikaner neigen dazu, zu glauben, dass Mitarbeiter der Regulierungsbehörden Versager sind…. Mein Vater war Unternehmer und ich habe seine Mentalität gewissermaßen übernommen. Den Glauben daran, dass jeder etwas bewegen kann. Du musst niemanden um Erlaubnis bitten. Mach es einfach. Und wir brauchen Freiheit, um das zu tun. Unter kommunistischen Regimen war alles zentriert, und was für ein Mist war das bitte?“

 

Die beiden Autoren zeigen in ihrem Buch nicht nur, wie Märkte außer Wohlstand auch Manipulation, Täuschung und Krisen erzeugen, sondern sie beschreiben auch, was jeder einzelne Konsument dagegen tun kann.

 

 

 

 

 

 

 

Gilead

 

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Marilynne Robinson, Gilead, S. Fischer 2016, ISBN 978-3-10-002459-6

 

Im vergangenen Jahr veröffentlichte S. Fischer den Roman „Lila“ der in den USA hochgelobten Schriftstellerin Marilynne Robinson, der auch in Deutschland von den Kritikern höchstes Lob erfuhr. So nannte Elke Heidenreich „Lila“ „ein erschütternd schönes Buch“ und die Autorin Zsusza Bank schrieb:

„Etwas zutiefst Tröstliches liegt in dem Wissen, das zwei sich nicht nur finden können – sondern auch schützen und halten. Diese Annäherung wird so zurückgenommen, so tastend behutsam erzählt, dass man sich ein wenig schämt, wenn man Lila und John weiter beobachtet, während sie reden, sich öffnen und bekennen.“

 

Es erzählte als dritter Teil einer Trilogie davon, wie die junge Frau Lila nach Gilead kam und dort die Frau des Pfarrers John Ames wurde.

 

Nun hat S. Fischer den ersten Band der Trilogie veröffentlicht, „Gilead“. In den USA schon 2004 erschienen, erzählt hier der Pfarrer John Ames sein Leben.

Er weiß, dass er bald sterben muss, deshalb schreibt er seinem siebenjährigen Sohn einen Brief. Dieses Kind, das ihm Lila schenkte als er schon fast siebzig Jahre alt war, ist für ihn ein Geschenk Gottes.

Und deshalb will er ihm möglichst viel erzählen, vom harten und entbehrungsreichen Leben seiner Vorfahren, von seinem Glauben, den er ein ganzes Leben lang mit seinem Freund Boughton diskutierte, warum er nach dem Tod seiner ersten Frau fast fünfzig Jahre allein lebte, bis ihm der Herr Lila schickte und seinen Traum erfüllte, Vater zu werden.

 

Vieles von dem war er da über die amerikanische Geschichte schreibt, interessiert ein Kind wenig. Doch er geht davon aus, dass seine Mutter irgendwann seinem dann erwachsenen Sohn den Brief zu lesen gibt und der daraus lernt.

„Gilead“, dessen zweiter Teil „Home“ vermutlich nächstes Jahr erscheinen wird, ist, so wie die gesamte Trilogie, in den USA ein literarischer Klassiker. Völlig unverständlich, dass es über ein Jahrzehnt gedauert hat, bis diese Trilogie einen deutschen Verlag fand. Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass hier viel von Theologie und Glauben die Rede ist und ihrer Bedeutung dabei, die Ungeheuerlichkeit des Lebens zu begreifen, was immer nur in der Rückschau funktioniert.

Zwar hat der Prediger John Ames, so wie seine Schöpferin Marilynne Robinson auch Zweifel, doch das Buch atmet eine tiefe Glaubensgewissheit, die tröstet.

 

Robinsons Romane haben über ihre hohe literarische Qualität hinaus wie nur wenige Bücher eine große visionäre Kraft. Und das hängt mit der Zeitlosigkeit oder Ewigkeit des Glaubens an einen Schöpfer zusammen, aus dem der Ich-Erzähler John Ames sein ganzes Leben seine Kraft und seinen Trost gezogen hat und von dem auch die Autorin tief durchdrungen scheint.

 

Mir hat dieser erste Teil noch viel besser gefallen als der dritte Teil und er ist mir als 62-jähriger Vater eines 13- jährigen Sohns tief unter die Haut gegangen. Ich freue mich sehr auf den zweiten Band der Trilogie.

Der Metzger

 

 

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Thomas Raab, Der Metzger, Droemer 2016, ISBN 978-3-426-28136-9

 

Das vorliegende neue Buch von Thomas Raab schließt sich nahtlos an die bisherigen durchweg lesenswerten Fälle des Restaurators Willibald Adrian Metzger an, der als Hobbydetektiv immer wieder in mysteriöse Fälle schlittert und sie mit seiner eigenwilligen Art der Durchdringung der Materie und immer wieder mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau löst.

 

 

Mit seinem Restaurator Willibald Adrian Metzger und dessen Lebenspartnerin Danjela Djurkovic aus Kroatien hat Thomas Raab literarische Figuren erschaffen, die nun nach sechs Bänden nicht nur zu den originellsten der deutschsprachigen Krimiszene gezählt werden müssen, sondern auch zu den erfolgreichsten. Mit seinem speziellen Spürsinn und in einer wie selbstverständlichen, oft völlig sprachlosen Kooperation mit seiner Herzensdame Danjela nimmt Willibald Adrian Metzger, auch kurz nur „der Metzger“ genannt, randständige Phänomene seines Alltags wahr und spürt sensibel ihre Unstimmigkeit.
Dann verfolgt er zielstrebig die zunächst noch lockeren und unzusammenhängenden Fäden und stößt mit großer Regelmäßigkeit ziemlich bald in die Mitte eines kriminellen Geschehens vor, das für Thomas Raab immer auch ein Stück seiner österreichischen Heimat und Kultur ist, die er dann mit scharfem und bissigem Humor beschreibt.
Thomas Raab hat einen Stil, in den man sich verliebt, er spielt mit den Worten, hat einfach Freude an ungewöhnlichen Formulierungen und Sprachspielen, mit denen er nicht selten seine Kritik ummantelt.

Thomas Raabs Sprache ist wie immer zunächst gewöhnungsbedürftig. Mit vielen Bilder, seltsamen Satzkonstruktionen fordert er dem Leser zunächst einiges ab, bis der sich an diese Form der Poesie gewöhnt hat und dann richtig Freude daran findet.

 

In seinem neuen Buch geht es gleich hoch her. Da gibt es einen Angriff auf eine Würstchenbude. Nicht nur die Bude ist hin, sondern auch ein sehr bekannter und von vielen gehasster Literaturkritiker kommt zu Schaden.

 

Da gibt es den Hansi Woplatek, Kinderfreund von Willibald Adrian Metzger und Sohn seiner Stammfleischerei. Dieser Hansi will nicht die Nachfolge des Vaters antreten, sondern lieber Schriftsteller sein.

 

Und kurz darauf zwischen den Schweinehälften in der Metzgerei ein menschlicher Kadaver.

 

Und wer ist der Autor jener Manuskriptauszüge, die Thomas Raab immer wieder in kursiver Schrift einstreut und die voller Gewaltphantasien sind?

 

Wie immer dauert es wieder ziemlich lange bis dem Hobbydetektiv eine zündende Idee kommt, nachdem er all die viele Fäden, die Raab auslegt, sortiert hat und die Lösung auf einmal klar auf dem Tisch liegt …

 

Absolut lesenswert und köstliche Unterhaltung.

 

 

 

 

 

 

Der Rhein

 

 

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Manfred Fenzl, Der Rhein, Delius Klasing 2016, ISBN 978-3-667-10007-8

 

Der Rhein war schon in meiner Kindheit der Fluss, an dem ich nicht nur aufgewachsen bin, sondern der mich mit seinen Schiffen und den unterschiedlichen Wasserständen schon sehr früh magisch anzog. Schwimmen, Paddeln, mit dem Motorboot des Onkels mitfahren – das alles ist aus meiner Kindheit nicht wegzudenken.

 

Später lebte ich meistens in Orten direkt am Rhein oder in schnell erreichbarer Nähe. Unvergessen sind mir mehrere lange  Fahrradtouren mit Jugendlichen vom Oberalppass bis in das heimische Rhein-Main Gebiet in den 1980 ern.

 

So zog mich das vorliegende Buch ganz besonders an, obwohl es verfasst ist für Sportbootfahrer. Es umfasst den Rhein vom Rheinfall in Schaffhausen bis zu seiner Mündung in Holland und bietet neben allen wichtigen für die Boots- und Streckenführung wichtigen Informationen und Anleitungen auch interessante und schöne Fotografien von den Sehenswürdigkeiten an Landseite.

 

Auch der Neckar bis Heidelberg und die Lahn bis Limburg sind beschrieben. Das Buch beinhaltet neben den gesetzlichen Bestimmungen für die Sportschifffahrt auch Hinweise auf Brücken und Schleusen, Sliprampen, Häfen, Marinas, Tankstellen und geeigneten Campingplätzen am Ufer.

 

Traumstrecken für jeden passionierten Sportbootfahrer.

Faller

 

 

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Ulrich Biene, Faller. Kleine Welt ganz gross, Delius Klasing 2016, ISBN 978-3-667-10694-0

 

Nicht nur, weil mein Großvater den gleichen Namen besaß, sondern weil man mit den Faller-Sachen wunderbar spielen konnte, nachdem man sie zusammen- bzw. aufgebaut hatte, waren Ende der fünfziger Jahre Faller-Spielzeuge aus meiner Kindheit nicht wegzudenken. Sie passten sich zum Teil wunderbar in meine Modelleisenbahnanlage ein und waren immer wieder willkommener Grund, mich stundenlang aus der Wirklichkeit zu verabschieden und in die Faller-Welt einzutauchen und mich im Spielen zu verlieren.

 

Der vorliegende repräsentative Band von Ulrich Biene erzählt, mit unzähligen farbigen Bilder versehen, die spannende und einzigartige Unternehmensgeschichte dieses Familienbetriebes aus dem Schwarzwald, der seit 70 Jahren nicht nur Kinderherzen erfreut, sondern auch über die ganzen Jahrzehnte bis in die heutige Zeit viele Erwachsene begeistert, die sich dem Modellbau verschrieben haben und die gespannt immer wieder auf die neuesten Modelle warten. Denn im Unterschied zu anderen Firmen ist Faller stets auf der Höhe der Zeit geblieben und zählt nach wie vor zu den Innovationstreibern im Modellbau, der immer wieder neue Impulse mit Hightech- Charakter setzt und damit seine früher eher starre Landschaftsszenerien damit faszinierend belebt.

 

Die Geschichte eines ganz besonderen Familienbetriebes.

Pips spielt Verstecken

 

 

 

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Olivier Dunrea, Pips spielt Verstecken, Coppenrath 2016, ISBN 978-3-649-66839-8

 

Pips ist eine kleine Gans und hat vier allerbeste Freunde, ebenfalls Gänse, die aber genau zu unterscheiden sind. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist Verstecken, also das, was kleine Kinder ab 2 Jahren, für die dieses schöne Bilderbuch gedacht ist, auch gerne tun.

 

Und mit vielen Klappen und Schiebern, die zum Entdecken und Mitspielen einladen, können die Kinder, die dieses Buch in Händen halten, das auch tun. Sie können den kleinen Gänsen auf ganz unterschiedliche Weise beim Suchen helfen und sich sicher an ihren Entdeckungen freuen.

 

Eine schöne Bilderbuchidee des bekannten britischen Bilderbuchautors Olivier Dunrea, der schon mehr Bücher über diese lustige Tierfigur gezeichnet hat.

Stilvoll

 

 

 

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Marlene Sorensen, Stilvoll. Inspirationen von Frauen, die Mode lieben, Callwey 2016, ISBN 978-3-7667-2219-5

 

Jeder Mann kennt das das von seiner Frau oder Partnerin und hat, wenn sie Glück hat, Verständnis dafür. Die oft tägliche Frage: „Was soll ich anziehen?“ ist für viele Frauen nicht nur so dahingesagt, sondern ein echtes Problem.

Jede Frau möchte gut aussehen und einen eigenen zu ihr passenden, ganz individuellen Stil entwickeln, der sie unverwechselbar macht. Das einer dies gelingt, ist nicht immer eine Frage des Geldes und der Tatsache, wieviel Auswahl der Kleiderschrank bietet. Es gibt Frauen, die haben ganze Schränke voller Textilien und ein ganzes Zimmer mit Schuhen und rufen dennoch: „Ich habe nichts Gescheites zum Anziehen!“

 

Hier will das vorliegende Buch Abhilfe schaffen, in dem angesagte deutsche Fashionistas zu wichtigen Modefragen Anregungen und Tipps geben. Es geht darum, seinen eigenen Stil zu finden.

 

Alle gezeigten Beispiele sind versehen mit Links, wo man sie erwerben kann.

 

Auch Frauen, die von sich sagen würden, sie haben schon lange ihren eigenen Stil gefunden, werden in diesem Buch Anregungen finden, da bin ich sicher.

Das Leben ist gut

 

 

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Alex Capus, Das Leben ist gut, Der Hörverlag 2016, ISBN 978-3-8445-2351-5

In seinem neuen Roman lässt der in der Schweiz lebende Schriftsteller Alex Capus seinen Ich-Erzähler einfach und in ruhiger Sprache erzählen, davon, wie es sich anfühlt mit sich und seinem Leben zufrieden, im Reinen zu sein. Eher ungewohnt in der ganzen Reihe der zeitgenössischen Romane, die oft Lebensschicksale beschreiben, die gestört oder unglücklich verlaufen. Vielleicht rühren daher auch die Verwunderung so manches Rezensenten und die oft benutzte Abwertung des Buches als belanglos.

 

Alex Capus hat in seinen früheren Büchern bewiesen, dass er ein hervorragender Erzähler ist. Das stellt er in „Das Leben ist gut“ erneut unter Beweis. Sein Ich-Erzähler Max, dem er offenbar viele eigene Beobachtungen und Lebenseindrücke geschenkt hat, und der wie ein Alter Ego von Capus gelesen werden kann, hat vor einigen Jahren mit einem dicken Roman viel Geld verdient. Statt danach weiter zu schreiben, hat er von der Gemeinde, in der er wohnt, ein Haus gekauft, dessen bewegte Geschichte er eindrucksvoll beschreibt. Er richtet dort eine Bar ein, die vom späten Nachmittag an zum  Treffpunkt sehr unterschiedlicher Menschen wird, die er liebevoll beschreibt. Morgens sieht man ihn das Altglas entsorgen und in seiner Bar das eine oder andere reparieren.

 

Er ist mit sich im Reinen und hat die außergewöhnliche Fähigkeit, alles das wahrzunehmen und auch engagiert zu verteidigen, was in der Hektik des Alltags gerne übersehen wird.

 

Als seine Frau Tina zu einem Aufenthalt nach Paris aufbricht (sie hat dort eine Gastprofessur erhalten), schläft Max seit 25 Jahren zum ersten nicht mit seiner Frau in einem Bett. Die Tage, bis sie zum ersten Mal für ein Wochenende wieder nach Hause kommt, verbringt er damit, über sein Leben nachzudenken und zu erzählen davon, was ihm im Leben wirklich wichtig ist.

 

Und obwohl er am Ende von einem Aufenthalt in der Everglades träumt, wo Tom Stark wohnt, den er in seiner Bar kennengelernt hat, möchte er doch nie woanders sein als in seiner Stadt, seiner Bar, mit seiner Frau und Familie und mit seinen vielen Freunden.

 

Max erzählt von Freundschaften und vom Leben, wie er es sich vorstellt. Er ist zufrieden mit seinem Alltag. Da passiert nichts Spektakuläres. Indem er jeden Tag vielen seiner Kunden zuhört, indem er mit seiner Bar Menschen die Gelegenheit zur Begegnung gibt, erfährt er Sinn. Und im Leben mit seiner geliebten Frau. Eng verbunden, lassen sich die beiden die Freiheit, die sie zum glücklichen Leben brauchen.

 

Ich habe das unaufgeregte, viele kleine Alltagsbeobachtungen in den Mittelpunkt stellende Buch gerne gelesen.

 

Beim Hören des hier anzuzeigenden Hörbuchs tat ich mich zunächst mit der Stimme des Autors schwer, der die Einspielung selbst vorgenommen hat. Die ersten Minuten fand ich das wegen der schwerfälligen, akzentbehafteten Stimme eher misslungen, doch mit weiterem Zuhören erschloss sich mir immer mehr die tiefe Übereinstimmung mit dieser Stimme und dem was der Autor da an selbst Verfasstem vorträgt. Aus Alex Capus` Lesung schwingen diese Einstellung zum Leben, die Zufriedenheit mit ihm und der kleine Schalk mit dem er die Beobachtungen seiner Mitmenschen schildert, in jeder einzelnen Minute mit.

 

Den Roman eines anderen Autors würde ich Capus allerdings nicht lesen lassen.