Das Cafe der kleinen Wunder

 

 

 

 

 

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Nicolas Barreau, Das Cafe der kleinen Wunder, Hörbuch Hamburg 2016, ISBN 978-3-86952-336-1

 

Der neue Roman von Nicolas Barreau ( mir ist es gleich, ob das ein Pseudonym ist oder nicht) erzählt wieder einmal von einer jungen Frau, die durch viele Widrigkeiten hindurch ihre Angst und Zurückhaltung überwindet und nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu ihrer großen Liebe findet. Barreaus Romane sind für Leser großer „wertvoller“ Literatur sicher wenig geeignet. Aber wer sich, wie der Rezensent, zwischendurch gerne einmal von einem durchaus anspruchsvollen Liebesroman entführen und unterhalten lassen will, findet immer wieder großen Gefallen an ihnen.

 

Der neue Roman mit dem Titel „ Das Cafe der kleinen Wunder“ hat es mir schon von Anfang an angetan, weil Barreau seine Protagonistin, die Philosophiestudentin Nelly, sich mit den Theorien des Franzosen Paul Virilio beschäftigen lässt und sie dem Leser auch auf eine verständliche Weise nahe bringt.

In ihren Professor, ein Virilio-Spezialist, ist sie schon lange heimlich verliebt. Als sie ihre Masterarbeit über Virilio, seine Wissenschaft von der Dromologie und seine Theorie vom Rasenden Stillstand abgibt, will sie ihm seine Liebe gestehen. Doch noch bevor sie einen langen Brief übergibt, erzählt der ihr, dass er ihr die versprochene Stelle nicht geben könne, das er sich in eine italienische Kollegin verliebt habe und nach Italien gehe.

 

Nelly ist am Boden zerstört, kauft sich spontan die begehrte rote Handtasche, an der sie schon tausend Mal vorbeigelaufen ist und flieht in ihre Wohnung. Dort findet sie eine Kiste mit zahlreichen Büchern ihrer verstorbenen Großmutter. In einem der Bücher und auf einem Granatring, den ihr die Großmutter überlassen hat, findet sie eine Gravur, die sie berührt: Amor vincit omnia.  Überzeugt davon, dass ihre Flugangst Schuld daran ist, das ihr Professor mit eben dieser italienischen Wissenschaftlerin nach New York geflogen ist, statt mit ihr, die zunächst eingeladen war,  hebt sie ihr Erspartes ab, mietet sich über das Internet eine Wohnung in Venedig und begibt sich auf sie Suche nach den Spuren dieser Widmung.

Dort trifft sie durch Zufall den Italiener Valentino, der ihr mehrfach aus der Patsche hilft und sich sofort in Nelly verliebt. Doch die zögert und halt ihn für einen Gigolo.

 

Dennoch kommen sie sich näher, erst recht, als Nelly im Cafe von Valentinos Vater sich den Spuren ihrer Großmutter nähert und deren Liebesgeschichte.

 

Als sich Valentino fast zwei Wochen für Nelly ziemlich rar macht, um mit Hilfe von Freunden an einer Riesenüberraschung zu arbeiten, mit der er ihr seine Liebe gestehen will, glaubt Nelly schon das auch bei ihr keimende zarte Pflänzchen verloren. Doch dann muss sie sich ihrer größten Angst stellen…

 

Mit vielen Wendungen, die immer wieder neue Geheimnisse hervorbringen, die dem Leser erst allmählich deutlich werden, erzählt Barreau eine romantische Liebesgeschichte voller wunderbarer Reminiszenzen an die beiden Städte, die immer wieder mit der Liebe in Verbindung gebracht werden: Paris und Venedig.

 

Das von Steffen Groth eingespielte Hörbuch mit seiner ungekürzten Lesung besticht durch ein sehr sensibles Gespür für die einzelnen Personen dieses Buches. Mit einer ganzen Palette voller phantasievoller Stimmakzentuierung macht er dieses schöne Buch zu einem ganz besonderen und seltenes Hörerlebnis.

 

 

 

 

 

Wir

 

 

 

 

 

 

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Dietrich Grönemeyer, Wir. Vom Mut zum Miteinander. Ein Manifest, Ecowin 2016, ISBN 978-3-7110-0109-2

 

Armut, Kriege, Hungersnöte und Terror- man hat den Eindruck, diese Themen beherrschen die Medien in der letzten Zeit mehr als jemals zuvor. Und die Umfragen zeigen, dass auch immer mehr Menschen diese Entwicklungen als eine Bedrohung ansehen für sich und ihre Kinder und Enkel.

 

Der bekannte Arzt und Autor Dietrich Grönemeyer plädiert in dem vorliegenden kleinen Manifest mit dem Titel „Wir. Vom Mut zum Miteinander“ dafür, sich in schwieriger werdenden Zeiten wieder auf das zu besinnen, was alle Menschen verbindet und dabei Herkunft , Hautfarbe, ihre religiösen, philosophischen und kulturellen Vorstellungen außen vor zu lassen.

 

Er fordert das Recht eines jeden Menschen, als einmalige Persönlichkeit respektiert und mit Würde behandelt zu werden. War lange die Zeit die Gesundheit der Menschen sein Hauptthema, geht es ihm nun um das Zusammenleben verschiedener Kulturen, dem Respekt vor der Natur und vor allen Dingen um eine neue Lebenshaltung, mit der jeder Einzelne Eigenverantwortung übernimmt für sein Leben und seine Umgebung. Er schreibt: „Wenn sieben Milliarden Menschen gleichberechtigt und in Würde auf diesem Planeten leben wollen, geht das nur mit Achtung und Respekt voreinander.“

 

Für eine Kultur des Herzens und der Herzlichkeit untereinander wirbt er in einem flammenden Appell, den er mit den Worten schließt:
„Ganz oben auf der Agenda der Menschheit muss stehen: WIR wollen diese EINE WELT, JETZT!“

 

Die Forderung und Aufforderung, den Verstand mit dem Herzen und den wissenschaftlich-technischen Fortschritt mit dem fühlenden Geist zu verbinden, hat mir eingeleuchtet. Ich habe das Buch kurz vor Weihnachten, mitten in Gedanken über die Aktualität der Botschaft der Krippe, gelesen und habe viel Jesuanisches und Neutestamentliches darin gefunden. Ja, es mag naiv sein, aber die Christen aller Zeiten haben dem herrschenden Wahnsinn schon immer nur die Liebe Gottes zu allen Menschen entgegengehalten. Dass so wenige die Botschaft hören wollen, spricht nicht gegen ihre Wahrheit.

Du hättest gehen sollen

 

 

 

 

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Daniel Kehlmann, Du hättest gehen sollen, Rowohlt 2016, ISBN 978-3-498-03573-0

 

Über Daniel Kehlmanns letzte größere literarische Veröffentlichung, den 2013 erschienenen Roman „F“ schrieb ich kurz nach dessen Erscheinen in einer Rezension:

„So weit, so gut. Aus diesem Stoff hätte man vor zwei drei Jahren ein gutes Buch machen können. Aber die Handlungsstränge sind wenig durchdacht, die Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Geschichten der drei Brüder, die sich am Ende des Buches auftun, bleiben banal. Auch hier hätte man mehr damit machen können. Niemand entwickelt sich wirklich in diesem Buch. Es herrscht ein immer langweilig werdender Stillstand in einer Umgebung, die doch in permanenter Veränderung ist.

 

Für mich ein erneuter Hinweis darauf, dass dieses Manuskript schon vor langer Zeit begonnen wurde, dann liegen geblieben ist, und nun auf eine auch handwerklich schlechte Weise zu einem unbefriedigenden Abschluss gebracht worden ist.

 

Ich wünsche Daniel Kehlmann von Herzen, dass er dieses Buch schnell hinter sich lassen kann und sich an einen neuen Roman setzt. Vielleicht gibt das Leben als Familienvater und der tägliche Kontakt mit einem Kind neuen Stoff.“

 

Als ich nun sah, dass Daniel Kehlmann ein neues Buch veröffentlicht hat, freute ich mich darauf, war aber schon im ersten Augenblick, als ich es in Händen hielt, enttäuscht. Eine kurze, mit gerade einmal neunzig mit wenig Text beschrieben Seiten dann auch nicht abgeschlossenen Erzählung las ich da, die mich, wenn ich ehrlich bin, erschütterte. Denn der ich-erzählende Schriftsteller, der sich mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in ein einsam gelegenes Ferienhaus in  den Bergen zurückgezogen hat, gibt ein bemitleidenswertes Zeugnis seiner Unfähigkeit ab, in der Gegenwart auch nur irgendetwas zu schreiben, was einen Sinn machen könnte und legt dem Leser schon bald nahe, in dieser Figur den Autor selbst gespiegelt zu sehen.

 

Es ist mir vollkommen unverständlich, warum die offizielle Literaturkritik in diesen sprachlichen Versatzstücken mit schwachen Reminiszenzen an Stephen King und anderen Autoren große Literatur sieht.  Am ehesten trifft es noch das zurückhaltend höfliche, aber interpretationsfähige Zitat von Sandra Kegel aus der FAZ:

„Die subtil gewirkte Selbstauskunft eines Schriftstellers, dem seine Sache ernst ist.“

 

Ich kann mir Folgendes vorstellen: wenn sich Daniel Kehlmann für zwei Jahre einmal vollständig aus dem offiziellen und internationalen Literaturbetrieb zurückziehen würde, und sich ganz auf einen neuen Roman konzentrieren würde, dann würde er mit Sicherheit an seine früheren literarischen Qualitäten anknüpfen können. Mit dieser Erzählung, die mitten drin abbricht, jedenfalls, hat er sich noch weiter als in „F“ davon entfernt.

 

Das ist sehr schade.

 

 

Die Spionin

 

 

 

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Paulo Coelho, Die Spionin, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-06977-8

 

Mit seinem neuen Roman „Die Spionin“ betritt der Erfolgsautor Paulo Coelho ein vollkommenes Neuland. Er nähert sich in einer teilweise fiktiven Erzählung der Person und dem Leben und Schicksal der Mata Hari, um die sich bis heute ein seltsamer Mythos rankt.

 

Was ihn an dieser Frau so fasziniert hat, dass er ihr ein Buch widmete, das so ganz anders als seine früheren fast völlig auf die spirituelle Dimension verzichtet, ist mir auch durch sein Nachwort nicht ganz ersichtlich geworden.

 

Er lässt Mata Hari, geboren als Margarethe Zelle 1876 in den Niederlanden, kurz vor ihrer Hinrichtung am 15. Oktober 1917 in Vincennes bei Paris einen fiktiven Brief schreiben, den sie an ihren Anwalt richtet und in dem sie relativ sachlich und fast völlig frei von Emotionen versucht, die Wahrheit über ihr Leben und über das, wessen man sie angeklagt hat, zu Wort kommen zu lassen.  Der Anwalt soll diesen Brief dann ihrer Tochter zukommen lassen, wenn sie alt genug dafür ist.

 

Dieser Verteidiger seinerseits kommt am Ende des Buches zu Wort, als er schildert, was er unternommen hat, um sie zu retten.

 

Ohne selbst sich zu positionieren, wird aus der nüchternen Beschreibung Paulo Coelhos deutlich, wie schwer es bis auf den heutigen Tag ist, beim Leben von Mata Hari den Mythos von der Wahrheit zu trennen.

 

Quellennachweise am Ende des Buches dokumentieren, wo sich Coelho informiert hat. Mir persönlich jedoch ist weder klar geworden, was Coelho an dieser historischen Figur so angesprochen hat außer vielleicht ihrem Freiheitsdrang und ihrer selbstbestimmten Sexualität, noch hat mich ihre teilweise fiktive Geschichte wirklich angesprochen.

 

Das Buch bietet eine unterhaltsame Lektüre, aber es fordert nicht zum Nachspüren oder zur Innenschau heraus wie so viele andere eher spirituelle Texte von Paulo Coelho, außer vielleicht bei einem Satz, den Coelho Mata Hari auf Seite 165 in den Mund legt:

„Es musste viel Wasser unter der Brücke meines Lebens hindurchfließen, bis ich begriff, dass die Liebe ein Akt des Vertrauens in einen anderen Menschen ist und ihr Antlitz verhüllt bleiben muss. Die Liebe muss jeden Augenblick gelebt und genossen werden, aber immer, wenn  wir versuchen, sie zu begreifen, verliert sie ihren Zauber.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Weihnachtskarpfen

 

 

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Marit Törnquist, Der Weihnachtskarpfen, Urachhaus 2016, ISBN 978-3-8251-7986-1

 

Der kleine Thomas verbringt in diesem Jahr Weihnachten bei seinem Großvater in Prag. Der ist seit kurzem Witwer und immer noch traurig. Er hofft, dass mit dem Enkel das Fest fröhlicher wird. Die Vorbereitungen nehmen viel Raum ein und so teilen sich Thomas und der Großvater die Einkäufe auf. Der Großvater schleppt den großen Weihnachtsbaum und Thomas kümmert sich ganz allein um den Kauf des traditionellen Karpfens. Aus Angst vor dem scharfen Messer des Fischhändlers trägt Thomas den Karpfen lieber lebendig in der Plastiktüte nach Hause, und passt dabei gut auf ihn auf. Zuhause kippt er den Karpfen ruhig in die volle Badewanne. Er weiß zu dieser Stunde nicht, dass der Fisch Teil eines Menüs werden soll.

 

Der kluge Großvater spürt Thomas Zuneigung zu dem Fisch. Sie verzichten darauf, ihn zu essen entlassen ihn irgendwann in die Moldau und essen stattdessen Plätzchen in Fischform.

 

„Der Weihnachtskarpfen“ ist eine moderne Weihnachtsgeschichte. Hier wird „eine alte Welt und eine neue Einstellung stimmungsvoll lebendig“ nacherzählt und liebevoll illustriert von einem der bekanntesten Mutter-Tochter-Gespanne der Kinder- und Jugendliteratur.

Kühn hat zu tun

 

 

 

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Jan Weiler, Kühn hat zu tun, Rowohlt 2016, ISBN 978-3-499-26682-9

 

Dieser Roman von Jan Weiler erzählt von einem ganz normalen Polizisten namens Kühn. Er lebt mit seiner Frau Susanne, seinem Son Niko und seiner Tochter Alina in einem kleinen Haus mit großer Hypothek auf der Weberhöhe. Die Weberhöhe ist eine Neubausiedlung nahe München, die auf einem Gelände gebaut wurde, auf dem vor und während des Zweiten Weltkrieges eine Munitionsfabrik stand.

 

Über deren Geschichte und über ihren Eigentümer Rupert Baptist Weber, und den zweifelhaften Ruf, der ihm nach dem Krieg zu Teil wurde, informiert Jan Weiler seine Leser ganz zu Anfang des Buches. Es ist so etwas wie eine Rahmenhandlung, die aber nicht bis zum Ende fortgeführt wird.

 

Kühn hat auf seiner Dienststelle nette Kollegen, vor allem Steierer, mit dem ihn so etwas wie eine gute Männerfreundschaft verbindet. Was ihn täglich umtreibt, sind die Sorgen um das Geld, denn nach Abzug aller Kosten bleibt ihm nur ein sehr kleiner Restbetrag zum Leben, der hinten und vorne nicht reicht, um die Bedürfnisse und Wünsche seiner Familie  zu befriedigen.

 

Seine Tochter Alina will ein Pferd, sein Sohn redet nicht mit ihm und auch seine Frau verschließt sich ihm immer mehr.  Weiler gelingt es zu Beginn und auch im späteren, immer spannender werdenden Verlauf des Buches ganz hervorragend, die Kultur und das nachbarschaftliche Klima in einer solchen Neubausiedlung, in der alle in schönen Häusern, aber auf erdrückenden Schuldenbergen sitzen, einzufangen und zu beschreiben.

 

Als eines Tages ein alter Mann erstochen auf einem Weg gleich hinter Kühns Garten aufgefunden wird, muss Kühn für eine schwierige Zeit der Ermittlungen versuchen, seine Alltagssorgen zu vergessen, doch auf eine sympathische Weise schleppt er sie andauernd mit in seinem Kopf.

 

Der alte Mann weist ganz eigenartige Schnittwunden auf, die der Täter ihm mit einem scharfen Gegenstand zugefügt hat, nachdem er ihn getötet hatte.   Weiler hat wieder eine Figur erfunden, die dem Leser menschlich ganz nahe kommt, er hat seine Geschichte eingebunden in den normalen Alltag von Kleinbürgern in einer Münchener Vorstadt und seinen ermittelnden Kommissar mit einer Täterstruktur konfrontiert, die Kühn alle ihm zu Verfügung stehende Intuition abfordert und ihn dennoch an die Grenze bringt. Eine Grenze, an der nicht nur den Fall löst mit einem total überraschende Ende, sondern an der er auch Energie gewinnt und Neuanfänge entdeckt in seinen privaten Krisen. Bis zu nächsten ….

 

Sind wir bald da?

 

 

 

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Guido van Genechten, Sind wir bald da. Frosch und Igel auf großer Reise, Annette Betz 2016, ISBN 978-3-219-11693-9

 

Dieses wunderschöne Bilderbuch des belgischen Kinderbuchautors Guido van Genechten hat sein österreichischer Kollege Heinz Janisch ins Deutsche übertragen. Es erzählt von  den beiden Freunden Frosch und Igel, die sehr unterschiedlich sind. Während Frosch sein kleines Dorf noch nie verlassen hat, ist der Igel ein unternehmungslustiger Geselle, der mit seinem roten Auto gerne die Welt erkundet.

 

Eines Tages kommt Igel bei Frosch vorbei und nimmt ihn auf eine Reise mit. Gleich nachdem sie losgefahren sind, weist der Idel auf einen bedeutenden Unterschied hin. Als der Frosch fröhlich sagt: „Wir machen eine Reise“, erwidert der Igel richtigstellend: „Wir sind auf einer Reise.“

 

Sie fahren durch wunderschöne Landschaften und über hohe Berge, durch einen langen Tunnel und eine hohe Brücke bis an das Meer. Immer wieder fragt der Frosch, wann sie denn endlich ankommen, obwohl er sichtlich die Reise mit jeder weiteren Station immer mehr genießt. Und immer wieder antwortet der Igel. „Wir sind auf einer Reise“.

 

Der Frosch lernt immer mehr, das gemeinsame Unterwegssein als solches zu genießen und als nach der Rückkehr im Dorf der Igel dem Frisch eine Muschel schenkt, in der er das Meer hören kann, formulieren beide je eiregenwichtige Erkenntnis. Der Igel sagt, der Frosch habe sich verändert auf dieser Reise und der Frosch hat erkannt, dass er immer auf einer Reise ist.

 

Guido van Genechten hat ein wunderschönes Bilderbuch geschrieben und illustriert über das Unterwegssein mit anderen, das Teilen von neuen Erfahrungen und das Staunen darüber, welche Wunder diese Welt für uns bereithält.

Das Ende der Lebensversicherung

 

 

 

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Michael Grandt, Das Ende der Lebensversicherung, Finanzbuch Verlag 2016, ISBN 978-3-89879-991-1

 

Die Folgen der Finanzkrise, die 2008 begann und deren Auswirkungen noch lange zu spüren sein werden – Rückschläge (siehe Italien) nicht ausgeschlossen – haben die Altersvorsorge und die Lebenssparpläne von Millionen Bürgern über den Haufen geworfen.

 

Die seit Jahren anhaltende und sich wohl auch nicht so bald ändernde Niedrigzinspolitik haben nicht nur das normale Sparen ad absurdum geführt, sondern auch die Renditen von langfristigen Lebensversicherungen so nach unten getrieben, dass es mir manchmal, wenn ich meine jährlichen Berichte der Versicherung anschaue, so vorkommt, als erlebe ich so etwas ähnliches, was meine Großeltern zweimal erleben mussten: die Vernichtung ihres hart erarbeiteten Vermögens.

 

Zwar befeuert die Nullzinspolitik der EZB seit Jahren den privaten Konsum und rettet damit immer wieder ein beachtliches Wachstum und führt zu niedrigen Arbeitslosenzahlen, doch irgendwann sind die Rücklagen, mit denen viele Verbraucher nun Investitionen und Käufe vornehmen, aufgebraucht.

 

Der vorliegende Ratgeber von Michael Grandt, einem überaus erfolgreichen Journalisten und  Autor greift diese Situation  auf und gibt wertvolle Tipps über krisensichere Alternativen zur Lebensversicherung.

In einer von ihm entwickelte 6- Schritte- Strategie erläutert er überzeugend und verständlich, wie man auch mit wenig Geld sich individuelle eine eigene die Rente ergänzenden Altersvorsorge aufbauen kann.

 

Für alle Menschen, die sich Sorgen um ihre Altersvorsorge machen  und die bei der Anlage ihres Geldes (auch wenn es nur wenig sein sollte) kein Risiko eingehen, wollen, ist dieser Ratgeber ein geeigneter Helfer.

 

 

Überall & Nirgends

 

 

 

 

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Bette Westera, Sylvia Weve, Überall und Nirgends, Susanne Rieder Verlag 2016, ISBN 978-3-946100-09-6

 

Ein wirklich außergewöhnliches Buch ist hier anzuzeigen, das der kleine Susanne Rieder Verlag für das deutsche Publikum zugänglich gemacht hat. Es ist gedacht für Kinder ab etwa acht Jahren und beschäftigt sich mit dem Thema Sterben und Tod, mit Begräbnis-und Trauerritualen, aber es erzählt auch immer wieder vom Leben, das jeweils einzigartige Lebern, das mit dem Tod zu Ende geht und das Leben, das die Zurückgebliebenen weiter leben müssen und auch können.

 

Das Besondere an den Texten von Bette Westera ist, dass sie in Gedichtform verfasst sind. Für den Übersetzer Rolf Erdorf, der sie aus dem Niederländischen übertragen hat, sicher eine große Herausforderung, die er aber mit Bravour gemeistert hat. Viele Facetten hat der Tod und zahlrieche davon werden mit Gedichten angesprochen. Der Tod wird in seiner Alltäglichkeit begreifbar.

Es sind Gedichte zu ganz verschiedenen Anlässen und Situationen, denen Kinder und Erwachsene begegnen können, Gedichte, die langsam erst wirken, mehrmals gelesen oder vorgelesen werden sollten.

 

Auch die Illustrationen von Sylvia Weve sind nicht sofort eingängig, auch sie wollen „gelesen“ und verstanden werden.

 

In den Niederlanden hatte dieses Buch einen großen Erfolg und wurde mit dem Preis des besten Kinder- und Jugendbuchs ausgezeichnet. Vielleicht hat es ja in Deutschland einen ähnlichen Erfolg. Dem kleinen Susanne Rieder Verlag wäre es zu wünschen.

 

 

 

Das Cafe der kleinen Wunder

 

 

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Nicolas Barreau, Das Cafe der kleinen Wunder, Thiele Verlag 2016, ISBN 978-3-85179-368-0

 

Der neue Roman von Nicolas Barreau ( mir ist es gleich, ob das ein Pseudonym ist oder nicht) erzählt wieder einmal von einer jungen Frau, die durch viele Widrigkeiten hindurch ihre Angst und Zurückhaltung überwindet und nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu ihrer großen Liebe findet. Barreaus Romane sind für Leser großer „wertvoller“ Literatur sicher wenig geeignet. Aber wer sich, wie der Rezensent, zwischendurch gerne einmal von einem durchaus anspruchsvollen Liebesroman entführen und unterhalten lassen will, findet immer wieder großen Gefallen an ihnen.

 

Der neue Roman mit dem Titel „ Das Cafe der kleinen Wunder“ hat es mir schon von Anfang an angetan, weil Barreau seine Protagonistin, die Philosophiestudentin Nelly, sich mit den Theorien des Franzosen Paul Virilio beschäftigen lässt und sie dem Leser auch auf eine verständliche Weise nahe bringt.

In ihren Professor, ein Virilio-Spezialist, ist sie schon lange heimlich verliebt. Als sie ihre Masterarbeit über Virilio, seine Wissenschaft von der Dromologie und seine Theorie vom Rasenden Stillstand abgibt, will sie ihm seine Liebe gestehen. Doch noch bevor sie einen langen Brief übergibt, erzählt der ihr, dass er ihr die versprochene Stelle nicht geben könne, das er sich in eine italienische Kollegin verliebt habe und nach Italien gehe.

 

Nelly ist am Boden zerstört, kauft sich spontan die begehrte rote Handtasche, an der sie schon tausend Mal vorbeigelaufen ist und flieht in ihre Wohnung. Dort findet sie eine Kiste mit zahlreichen Büchern ihrer verstorbenen Großmutter. In einem der Bücher und auf einem Granatring, den ihr die Großmutter überlassen hat, findet sie eine Gravur, die sie berührt: Amor vincit omnia.  Überzeugt davon, dass ihre Flugangst Schuld daran ist, das ihr Professor mit eben dieser italienischen Wissenschaftlerin nach New York geflogen ist, statt mit ihr, die zunächst eingeladen war,  hebt sie ihr Erspartes ab, mietet sich über das Internet eine Wohnung in Venedig und begibt sich auf sie Suche nach den Spuren dieser Widmung.

Dort trifft sie durch Zufall den Italiener Valentino, der ihr mehrfach aus der Patsche hilft und sich sofort in Nelly verliebt. Doch die zögert und halt ihn für einen Gigolo.

 

Dennoch kommen sie sich näher, erst recht, als Nelly im Cafe von Valentinos Vater sich den Spuren ihrer Großmutter nähert und deren Liebesgeschichte.

 

Als sich Valentino fast zwei Wochen für Nelly ziemlich rar macht, um mit Hilfe von Freunden an einer Riesenüberraschung zu arbeiten, mit der er ihr seine Liebe gestehen will, glaubt Nelly schon das auch bei ihr keimende zarte Pflänzchen verloren. Doch dann muss sie sich ihrer größten Angst stellen…

 

Mit vielen Wendungen, die immer wieder neue Geheimnisse hervorbringen, die dem Leser erst allmählich deutlich werden, erzählt Barreau eine romantische Liebesgeschichte voller wunderbarer Reminiszenzen an die beiden Städte, die immer wieder mit der Liebe in Verbindung gebracht werden: Paris und Venedig.