Als flögen wir davon. Über die letzte Wegstrecke

 

 

 

 

Nikolaus Schneider (Hg.) Als flögen wir davon. Über die letzte Wegstrecke, Kreuz Verlag 2017, ISBN 978-3-946905-10-3

 

Nikolaus Schneider war bis 2014 Ratsvorsitzender der EKD. Er trat von diesem Amt zurück, um sich ganz der Pflege seiner schwer an Krebs erkrankten Frau Anne zu widmen. Schon im Jahr 2005 war die gemeinsame Tochter Meike an Krebs gestorben. Seit dieser Zeit beschäftigt sich Nikolaus Schneider mit Fragen des Sterbens, der Sterbehilfe und der spirituellen Vorbereitung auf den eigenen Tod.

 

Obwohl sich durch eine viel längere Lebenserwartung der Tod für die meisten Menschen viele Jahre nach hinten verschoben hat, wird er nach wie vor von den meisten verdrängt. Dennoch kommt niemand wirklich daran vorbei, der Erkenntnis, den Zenit des eigenen Lebens überschritten zu haben, ins Auge zu blicken.

Wer auf ein langes Leben zurückblickt, wird seine/ ihre je eigenen Schlüsse ziehen: Würde ich es noch einmal so machen? Wie gestalte ich den Rest meines Lebens? Bereite ich mich auf den Tod vor oder verdränge ich die Tatsache meiner Sterblichkeit?

 

Nikolaus Schneider, der wie kaum ein anderer in den letzten Jahren auch ganz persönlich vom Sterben gesprochen  und geschrieben hat, hat für das vorliegende Buch insgesamt 18 Weggefährten und Gesprächspartner eingeladen, auf jeweils 10-12 Seiten davon erzählen, wie und wie bewusst sie sich auf „die letzte Wegstrecke“ machen.

 

Dabei schreibt zum Beispiel der von mir sehr geschätzte Fulbert Steffensky: „Was wird nach meinem Tod sein? Ich weiß es nicht, und ich muss es nicht wissen. Aber wenn Gott lebt, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass unsere Tränen umsonst geweint wurden und dass die Opfer ungetröstet bleiben.“

 

Und Bärbel Wartenberg-Potter spricht wie ihre jüngst verstorbene Freundin Luise Schottroff vom “Sterbeglück“, eine Gedichtzeile von Dorothee Sölle zitierend: „Schmerzlos flöge ich in dich, mein immer dunklerer Himmel.“

 

 

Ein ehrliches, ein wahrhaft frommes Buch, das einlädt, sich mit der eigenen letzten Wegstecke auseinanderzusetzen.

Was kann einer schon tun?

 

 

 

 

Peer Martin, Was kann einer schon tun, Oetinger 2017, ISBN 978-3-7891-0867-9

 

Peer Martin ist ein Schriftsteller, der für sein Romandebüt „Sommer unter schwarzen Flügeln“ 2016 den Jugendliteraturpreis erhalten hat. Mittlerweile lebt er mit seiner Frau, seinen drei Kindern und seinem Hund Lola in Quebec in Kanada, wo wohl auch das kleine hier vorliegende verstörende und verunsichernde Buch entstanden ist.

 

In etlichen fiktiven Gesprächen unter anderem mit seinem Hund Lola geht er mit seinen Gesprächspartner der ihn quälenden Frage nach, was, angesichts der vielen ungelösten Probleme in der Welt ein Einzelner schon tun kann.

 

Man hat schon an einzelnen Stellen das Gefühl, dass das alles schon arg konstruiert daherkommt und mit viel Moral gesättigt. Dennoch: man mag vielleicht über die Verzweiflung, die Martin quält lächeln, doch man nimmt ihm ab, dass ihn  diese Fragen wirklich umtreiben, Fragen, die ich jedenfalls sehr oft denke, aber dann verdränge und nicht weiter verfolge, weil sie mir schlechte Laune machen.

 

Ein Buch für junge Menschen, das zum echten Nachdenken und kritischen Bewusstsein einlädt.

Nachtwächter und Türmer damals und heute

 

 

 

 

Ulrich Metzner, Nachtwächter und Türmer damals und heute, Verlag Anton Pustet, ISBN 978-3-7025-0877-7

 

Die seit den 1980 er Jahren immer noch steigende Beliebtheit des Mittelalters und das Entstehen einer entsprechende Szene und unzähligen Events und Märkten hat auch einen neuen Fokus gebracht auf die Nachtwächter und Türmer, die in früheren Zeiten eine wichtige Arbeit verrichteten. „Leben wie im Mittelalter“ ist mittlerweile eine weit verbreitete Freizeitgestaltung, die in manchen Gegenden für den Tourismus eine große Bedeutung hat.  In Eggenburg in Niederösterreich etwa findet die “Zeitreise ins Mittelalter” seit mehr als 20 Jahren statt. Die Waldviertler Stadtgemeinde, Bewohner und Besucher verkleiden sich wie vor Jahrhunderten, rund 300 Künstler und 200 Händler spielen mit. So verwundert nicht, dass hier auch abseits des Events ein Nachtwächter unterwegs ist, der den Gästen auf einsamen und dunklen Wegen die Geheimnisse der Stadt nahebringt

 

Das vorliegende Buch von Ulrich Metzner aus den Verlag Anton Pustet, der schon viele ähnliche kulturgeschichtlich interessante Werke verlegt hat, widmet sich dem Phänomen der Nahtwächter und Türmer in Vergangenheit und Gegenwart in vielen bunten Mosaiksteinen. Die Geschichten sind in kleine, leicht lesbare Häppchen mit zügigen Titeln unterteilt. Es sind nicht nur amüsante Geschichten. Man erfährt viel über Beruf und Pflichten der Nachtwächter. Noch als das Mittelalter längst vorbei war, sollten sie Vermögen und Gesundheit der Bürger schützen, indem sie für Ruhe sorgten, Feuer, Diebstahl und Raub verhinderten und die Stunden „abzublasen und abzurufen“ hatten. Der Autor konnte eine Reihe von Liedern und Sprüchen – wie das bekannte „Hört ihr Leut‘ und lasst euch sagen. unsere Glock‘ hat Zwölf geschlagen“ – zusammentragen. Er stellt die Ausrüstung, die armselige Besoldung und das geringe Ansehen der Wächter vor, obwohl sie Respektspersonen sein sollten. Darstellungen in Kunst und Literatur kommen nicht zu kurz.

 

Eine lange Liste gegenwärtiger Nachtwächter und Türmer (etwa 150) überall in Deutschland und Österreich) ermöglicht es dem Leser, Kontakt aufzunehmen mit einem von ihnen in seiner Nähe und ggf. mit seiner Familie oder eine Gruppe von Freunden und Interessierten einen Ortstermin zu vereinbaren.

Ein aufschlussreiches kulturhistorisches Buch.

Die Entstehung der Arten. Illustrierte Edition

 

 

 

 

Charles Darwin, Die Entstehung der Arten. Illustrierte Edition, Theiss 2017, ISBN 978-3-8062-3585-2

 

Darwins „Entstehung der Arten“ ist nicht bloß irgendein Werk. Mit seinem Erscheinen 1859 löste es eine kopernikanische Wende in den Natur- und Geisteswissenschaften aus, die allein mit der Wende vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild vergleichbar ist.
Was ist die bedeutende Leistung Darwins?
Sie liegt nicht darin, eine Evolutionstheorie entwickelt zu haben – das vor ihm schon anderen (u.a. Lamarck) gelungen. Nein, ihm gelang es, einen Mechanismus anzugeben, mit dem eine Entwicklung von einfachen zu immer komplexeren Arten möglich schien. Diese Möglichkeit begründete er in seinem Werk so gewissenhaft, dass daraus eine wissenschaftliche Hypothese erwuchs, die bis heute die Grundlage der modernen Evolutionstheorie darstellt. Darwins Hebel war die natürliche Zuchtwahl (Selektion), die unter ganz bestimmten Umständen ein besser geeignetes Lebewesen gegenüber einem weniger gut geeigneten Lebewesen vorzieht. Damit löst sich Darwin von der Schöpfungslehre und stellt an die Stelle göttlicher Planung, den blinden Zufall.
Dabei geht Darwin in seiner „ Entstehung der Arten“ nur in einem Nebensatz auf den Menschen ein, der aber auf jene, die sein Buch gelesen haben äußerst erhellend wirkt. So schreibt er gegen Ende seiner Ausführungen: „Licht wird auch fallen auf den Menschen und seine Geschichte.“

So ist Darwins Werk ein Meilenstein der Wissenschaft. Seine Wirkungsgeschichte ist grandios. Darwins Gedankengut beeinflusste nicht nur die moderne Biologie und Anthropologie, sondern findet auch in den Sozial- und Geisteswissenschaft seinen Niederschlag.

 

Die hier vorliegende illustrierte Edition aus dem Theiss Verlag bietet interessierte Menschen die einzigartige Möglichkeit, das Original einmal selbst zu lesen, sic einzulassen auf seine akribische Arbeitsweise, seinen wissenschaftlicher Anspruch und  viele stilistische Feinheiten.

 

Diese Ausgabe hat einem der wichtigsten Bücher der modernen Wissenschaft eine großartige und sehr gut lesbare Generalüberholung verschafft.
 

Maus, Maus, komm heraus

 

 

 

 

 

 

Helga Bansch, Maus, Maus, komm heraus, Tyrolia 2017, ISBN 978-3-7022-3638-0

 

Schon in ihrem letzten Buch „Was macht die Maus?“ hat die österreichische Künstlerin und Kinderbuchautorin Helga Bansch die Figur einer kleinen Maus eingeführt, die kleinen Kindern helfen sollte bei ihrer Sprachentwicklung.

 

Nun hat sie mit ihren ganz typischen Illustrationen, die wir schon von vielen anderen Bilderbüchern von ihr kennen, die sie zum Teil mit anderen Autoren wie etwa Heinz Janisch veröffentlicht hat, die Maus wieder lebendig werden lassen. Sie steckt in vielen verschiedenen Büchern und die Kinder können sie herauslocken, damit sie ihnen  etwas vorliest von Geschichten aus der ganzen Welt.

 

In schönen und lustigen Reimen entführt Helga Bansch mit ihren Bildern die Kinder in ferne und nahe Welten, nach Spitzbergen, in den Dschungel, auf den Rummel und „vielleicht auch noch ein kleines Stück von Freundschaft und vom Glück.“

 

Ein Bilderbuch, das schon kleinen Kindern etwas vermittelt vom Zauber des Lesens und der Bücher und ihrer Geschichten.

 

 

 

 

 

Das schwarze Schaf

 

 

 

 

Italo Calvino, Lena Schall, Das schwarze Schaf, Mixtvision 2017, ISBN 978-3-95854-101-6

 

Der italienische Schriftsteller Italo Calvino (1923-1985) hat diese kleine Geschichte schon vor vielen Jahrzehnten geschrieben. Es geht ihm um die Beantwortung der Frage, wie eigentlich Reichtum und Armut auf die Welt gekommen sind. Er entwickelt dabei eine ganz eigene Theorie.

 

Es war einmal eine Stadt, in der alle Einwohner Diebe waren. Jeder bestahl jeden und so hatte jeder etwas. Doch irgendwann kann ein ehrlicher Mensch in die Stadt und machte dabei nicht mit. So brachte er das bisherige Gleichgewicht durcheinander und das Chaos begann zu regieren.

 

Auf eine komische und satirische Art gelingt es  Calvino die Absurdität des Lebens zu beschreiben. Lena Schall hat dieses philosophische Kleinod mit einer Vielzahl von Techniken und Stilen illustriert und es so auch für Kinder interessant gemacht.

 

Das schöne bei Mixtvision erschienene Bilderbuch ist für Kinder und Erwachsene geeignet.