Faceless

 

 

 

 

 

Alyssa Sheinmel, Faceless, Hanser 2017, ISBN 978-3-446-25703-0

 

Maisie, die ich-erzählende Hauptperson dieses 2015 in New York erschienenen Jugendbuches von Alyssa Sheinmel, ist eine sportbegeisterte 16- jährige, die bei guten und besorgten Eltern aufwächst, eine sehr gute, fleißige und ehrgeizige Schülerin und erfolgreiche Sportlerin. Seit einiger Zeit ist sie mit Chirag befreundet und es steht fest, dass sie bald mit ihm zum Abschlussball gehen wird.

 

Doch eines Tages verändert sich ihr Leben von einer Sekunde auf die andere. Während sie morgens Laufen geht, wird Maisie von einem Gewitter überrascht und ein Blitz trifft die Oberleitung, unter der Maisie gerade durch läuft. Der entstehende Funkenregen verbrennt ihren Körper und besonders ihr Gesicht auf eine furchtbare Weise.

 

Als sie dick verpackt im Krankenhaus aufwacht, spürt sie vor allem an der Reaktion ihrer Eltern, dass etwas Furchtbares passiert sein muss und langsam kommt ihre Erinnerung zurück.  Wer ist sie nun noch, nachdem ihr das Kinn, die Nase und eine Wange fehlen, wie ihr vor allem ihr Vater offenbart. Ihre Mutter versucht ihr dauernd zu vermitteln, sie habe bei allem noch Glück gehabt. Glück nennt sie auch einige Zeit später die Entscheidung der Ärzte, ihr ein Spendergesicht, bzw. Elemente davon zu transplantieren. Maisie stimmt notgedrungen zu und muss sich damit auseinandersetzen, dass sie, um die Abstoßung des fremden Gewebes zu verhindern, ihr Leben lang starke und mit vielen Nebenwirklungen behaftete Medikamente nehmen muss.

 

Bei aller Einsicht, dass ihr die Transplantation wohl das Überleben gerettet hat, empfindet Maisie ihre OP nicht als Glück. Im Spiegel, den ihr der Vater auf ihr flehendes Bitten reicht, kann sie sich nicht mehr erkennen. Ihr Freund Chirag hält zu ihr, obwohl sie immer mehr spürt, dass er eigentlich nur aus Mitleid bei ihr bleibt.

 

Als sie nach vielen Monaten so weit hergestellt ist, dass sie wieder in die Schule gehen kann, beginnt für sie eine schwere Zeit, von der sie zunächst nicht glaubt, dass sie sie überleben wird. Und immer strahlt jener Satz vom Anfang des Buches nach: „Zerstört. Was für ein unpassendes Wort. Zerstört sind Dörfer, über die ein Tsunami hereingebrochen ist. Oder Gebäude, die von einer Bombe getroffen wurde. Schiffe, die auf den Meeresgrund sinken. Aber etwas so Kleines, Unbedeutendes wie das Gesicht eines einzelnen Menschen kann doch nicht zerstört werden.“

 

Ihre beste Freundin versucht ihr Bestes, doch auch diese Freundschaft leidet an der Situation. Wer bin ich noch, wenn sich mein Äußeres so verändert hat, dass ich weder für mich noch für andere noch erkennbar bin?

 

Alyssa Sheinmel beschreibt mit einer beeindruckenden und unter die Haut gehenden Sprache ein junges Mädchen auf der Suche nach ihrer alten Identität und beim schwierigen Entdecken einer neuen. Und sie hat dazu mit den Eltern, den Freunden und Lehrern Figuren geschaffen, deren jeweilige und unterschiedliche Auseinandersetzung mit dem, was passiert ist, überzeugend und bewegend dargestellt wird.

 

Ich dachte auf den ersten Seiten zunächst, so etwas wie eine mehr oder minder vollständige Gesichtstransplantation gäbe es gar nicht, doch ein Blick ins Internet konfrontierte mich mit Bildern, die ich dann beim weiteren Lesen nicht mehr aus dem Kopf bekam, die mir aber eine intensive und plastische Vorstellung davon gaben, vor welche enormen psychischen Leistungen die Hauptfigur Maisie sich gestellt sieht.

 

Erst als sie vermehrt Menschen trifft zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe, die ihr früheres Gesicht nicht kennen, lernt sie Schritt für Schritt, sich auch mit anderen Augen zu sehen und ihr neues Ich zu akzeptieren.

 

Ein wunderbares Buch, ein anspruchsvolle Lektüre nicht nur für Jugendliche mit einer wichtigen Botschaft. Es ist nicht unser Äußeres, das definiert, wer wir wirklich sind.

 

 

 

 

Anatomie. Das faszinierende Innenleben des Menschen

 

 

 

Helene Druvert, Anatomie. Das faszinierende Innenleben des Menschen, Gerstenberg 2018, ISBN 978-3-8369-5989-6

 

Einmal einen Blick in den menschlichen Körper werfen – dieses Buch macht es ganz ohne Röntgengerät möglich.  Zwar ist das für Kinder gedachte Buch vor allem für Grundschulkinder in seinen Erklärungen noch etwas schwer zu verstehen, aber sie bekommen einen guten Einblick. So sind etwa die Nieren und die Fortpflanzungssysteme  verständlich und angemessen dargestellt. Die Klappensysteme wecken die Neugierde und helfen dabei, unter der Oberfläche zu forschen, was sich im menschlichen Körper so alles tut.  Das allmähliche Verstehen wird dann mit der weiteren Beschäftigung der Kinder mit Buch wachsen.

 

Dem Buch gelingt es mit Lasercutschnitten das Innenleben eines Menschen darzustellen, den Aufbau des Skeletts vor Augen zu führen,  sie veranschaulichen Atmung, Verdauung und das Herzkreislaufsystem. Unter den großzügigen Klappen verbergen sich Organe, Muskeln und Knochen und geben ein Bild davon, wie das Herz schlägt, wie Hören und Sehen funktionieren und was in unseren Köpfen vor sich geht.

 

Ein lehrreiches Buch, dessen Nutzung für jüngere Kinder manchmal vielleicht die Unterstützung von Erwachsenen nötig macht. Ein Buch, das helfen kann, mit dem eigenen Körper und dem von anderen achtsamer umzugehen.
 

Hangman

 

 

 

„Hangman“ ist nach „Ragdoll“ der zweite Roman aus der „William Fawkes“-Reihe von Daniel Cole, auch wenn der im ersten Band am Ende spurlos verschwundene „Wolf“ im zweiten Band erst ganz am Ende im Epilog auftaucht, und für den nächsten Band eine wieder tragendere Rolle verspricht. Cole schriebt im Nachwort, man müsse „Ragdoll“ nicht unbedingt gelesen haben, um „Hangman“ zu verstehen ( was er auch durch zahlrieche Rückblicke zu unterstützen versucht), ich jedoch fand es hilfreich, dass ich beide Bücher innerhalb einer Woche hintereinander gelesen habe.

 

Nachdem Emily Baxter schwer verletzt den ebenfalls verletzten „Wolf“ im Gerichtssaal laufen ließ, ist sie mittlerweile befördert worden zum Detective Chief Inspector und hat acht Monate bevor die Handlung von „Hangman“ beginnt, mit dem Anwalt Thomas einen Mann kennengelernt, der ihr auf ihr bisher unbekannte Art Sicherheit gibt durch sein sanftes und verständnisvolles Wesen. Auch die Freundschaft zu Edmunds und seiner Frau Tia hat sich intensiviert. Dennoch ist Emily keine andere geworden. Sie kämpft weiter mit den Dämonen aus ihrer Vergangenheit, die Daniel Cole auch im zweiten Buch für kurze Momente lüftet.

 

Eben noch bei einem gemütlichen Abend mit Thomas, Edmunds und Tia zusammen, wird Emily mit einem neuen Fall konfrontiert, der nicht nur sie an die „Ragdoll“ erinnert.

In New York wurde ein Toter an der Brooklyn Bridge aufgehängt, das Wort „Köder“ tief in seine Brust geritzt. Das lässt für die FBI-Ermittler nur einen Schluss zu: Ein Killer kopiert den berühmten Londoner Ragdoll-Fall. Chief Inspector Emily Baxter wird sofort von den US-Ermittlern angefordert. Wenig begeistert, fliegt Baxter in die USA und macht sich zusammen mit den FBI Agents Curtis und Rouche an einen Wettlauf gegen die Zeit. Denn der Druck der Medien in den USA ist groß, erst recht  als ein zweiter Toter entdeckt wird, dieses Mal mit dem Wort „Puppe“ auf der Brust.

 

Und dann geschehen in schneller Abfolge abwechselnd grausame Morde in London und New York, die das zunächst sehr ungleiche Ermittlertrio DCI Emily Baxter von New Scotland Yard, FBI Agentin Eliot Curtis und CIA Agent Damien Rouche  vor fast unlösbare Aufgaben stellen. Sie fühlen sich wie ein Spielball eines grausamen Mörders, der sie jeweils unterschiedlich mit ihren eigenen Schatten aus der Vergangenheit konfrontiert.  Die Beschreibungen und Andeutungen dieser aus den jeweiligen Lebensgeschichten der Ermittlerpersonen herrührenden Persönlichkeiten machten für mich eine der vielen Stärken des Buches aus.

 

Sie raufen sich zusammen, überwinden ihr gegenseitiges Misstrauen und versuchen, auch mit Edmunds tatkräftiger Hilfe auf der anderen Seite des Atlantiks, das immer undurchsichtiger werdende Netz an Mordfällen aufzuklären. Wer steckt hinter diesem mörderischen Wahnsinn m? Und was hat er für ein Motiv?

So wie „Ragdoll“ ist auch „Hangman“ ein – vielleicht zu schnell auf den ersten Band folgender-  spannend geschriebener Thriller, der mit jeder Seite an Spannung gewinnt und zum Schluss in einem Showdown mit viel Action endet. Daniel Cole führt seinen Leser lange immer wieder in Irre bis zu einem dann doch völlig überraschenden Ende.

 

Ich wünsche Daniel Cole, dass er sich mit den nächsten Band mehr Zeit lässt, und so besser an der sprachlichen Gestalt seiner Geschichten feilen kann. Denn hier ist noch Luft nach oben.

 

 

 

Glanz und Elend in der Weimarer Republik

 

 

 

 

Ingrid Pfeiffer (Hg.), Glanz und Elend in der Weimarer Republik, Hirmer 2017, ISBN 978-3-7774-2932-8

 

Nach dem Ende des verheerenden Ersten Weltkriegs, der das Ende des deutschen Kaiserreichs bedeutete, bildete sich mit der später so genannten Weimarer Republik die erste Demokratie auf deutschem Boden, der aber wegen vieler innenpolitischer Konflikte und zunehmender Radikalisierungen links und vor allen rechts des politischen Spektrums keine gute Zukunft beschieden war, sondern die schlussendlich in einem totalitären Regine endete, wie es die Welt so vorher noch nicht erlebt hatte. Graue und brutale politische Wirklichkeit traf sich damals mit einer glanzvollen Zeit für Kunst und Kultur.

 

Dieser Diskrepanz hat sich die bis zum 28.2.2018 in der Frankfurter Schirn zu sehenden Ausstellung „Glanz und Elend in der Weimarer Republik“ zum Thema gemacht, deren Katalog hier bei Hirmer vorliegt.

Mit rund 200 Arbeiten von 62 bekannten und wenig beachteten Künstlern/innen der Weimarer Republik, etwa George Grosz, Max Beckmann oder Lea Grundig, verdeutlicht sie die Risse in der damaligen Gesellschaft

Die aufschlussreichen und informativen Texte weisen immer wieder darauf hin, wie die Künstler auf die gesellschaftlichen Entwicklungen, ab er auch auf die Probleme der Weimarer Republik reagiert haben: realistisch, direkt, ironisch, wütend, humorvoll, oder verhalten und voller innerer Symbolik. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Stile – vom Expressionismus über Dadaismus, verschiedene Formen des Realismus bis hin zu geometrisch-abstrakten Tendenzen nicht immer klar voneinander abgrenzen. Der Fokus der Ausstellung (und damit des Katalogs) liegt jedoch bei Künstlern, die eher einen kritischen, oft einen sezierenden Blick auf ihre Epoche geworfen haben. Durch ihre Arbeiten sehen wir heute die Weimarer Republik in zugespitzter Form und in manchen Aspekten auch seltsam aktuell.

 

Dennoch lehrt die Ausstellung, dass man mit vorschnellen Vergleichen zur gegenwärtigen politischen Entwicklung in Deutschland vorsichtig sein sollte.

 

Adele Spitzeder. Der größte Bankenbetrug aller Zeiten

 

 

 

 

 

Julian Nebel, Adele Spitzeder. Der größte Bankenbetrug aller Zeiten, Finanzbuchverlag 2017, ISBN 978-3-95972-048-9

 

Julian Nebel erzählt in dem vorliegenden Buch in einer spannenden und lockeren Weise von Adele Spitzeder, einer Frau die in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts in München mit einer später als Schneeballgeschäft bezeichneten Geschäftsidee Furore machte und schließlich  mindesten 30.000 Menschen aus München und ganz Bayern in den Ruin trieb.

 

Ursprünglich als Sängerin und Schauspielerin tätig, hatte sie eines Tages eine lukrative Idee. Sie lieh sich Geld von Freunden sozusagen als Startkapital. Dann ging sie an die Öffentlichkeit und versprach für Einlagen bei der „Spitzeder`schen Privatbank“ monatliche Zinsen von bis zu 10%. Die zahlte sie auch gleich für die ersten zwei Monate aus (von dem Geld, das die Leute in immer größeren Mengen zu ihr brachten). Und so kamen immer mehr und ein richtiger Hype brach aus, obwohl es an kritischen Stimmen nicht fehlte.

 

Als sie selbst, von Zweifeln geplagt, bei den Behörden nachfragte, ob ihr Handeln denn rechtmäßig sei, bekam sie den Bescheid, alles sei rechtens. Solange die Geldzufuhr andauerte, konnte sie dieses Geschäftsmodell fortführen, bis es schließlich im November 1872 zusammenbrach und Adele Spitzeder verhaftet und zu drei Jahren Haft verurteilt wurde.

 

Auf lockere und sehr unterhaltsame Weise erzählt Julian Nebel die Lebensgeschichte dieser Frau, bei deren Lektüre man mehr als einmal geneigt ist, Parallelen zu heutigen Finanzphänomen zu ziehen.

 

 

Die Geschichte des Kinderbuches in 100 Büchern

 

 

 

 

 

Roderick Cave, Sara Ayad, Die Geschichte des Kinderbuches in 100 Büchern, Gerstenberg 2017, ISBN 978-3-8369-2123-7

 

Wer als Freund von Kinder- und Bilderbüchern, zu denen sich der Rezensent seit der Geburt seines Sohnes 2003 begeistert zählt,  dieses voluminöse Buch in die Hand bekommt, wird es so schnell nicht wieder aus der Hand geben. Ein Buch hat der Gerstenberg Verlag in Hildesheim verlegt, das in ganz besonderer Weise in Texte und grafischer Gestaltung die lange Geschichte des Kinderbuches verfolgt. Viel mehr als die im Titel genannten 100 Bücher werden vorgestellt: „In diesem Buch erwähnen wir neben den hundert ausgewählten noch viele andere Bücher und Autoren.“

 

Die beiden Autoren, Roderick Cave , der als Bibliothekar und Spezialist für historische Bücher die Texte verantwortet und Sara Ayad, eine gefragte Bildrechercheurin beginnen mit mündlichen und vorschriftlichen Traditionen. Sie gehen zurück bis in die Zeit um 2500 v.Chr. mit einem in Stein gemeißelten Schlaf- und Heillied der Sumerer. Eine Mutter bittet darum, ihr Kind möge wieder gesund und stark werden. Schon lange bevor im 18. Jahrhundert die ersten speziell für kleine Kinder verfassten Bücher erschienen, standen Wiegenlieder, Kinderreime, Fabeln und Mythen, die mündlich überliefert wurden.

Auf 275 Seiten schildert dieser repräsentative Band sehr anschaulich und unterhaltsam, wie Erwachsene auf der ganzen Welt Kinder mit Geschichten unterhalten, gebannt, belehrt und zuweilen auch verängstigt haben. Die ältesten sind die Äsop-Fabeln, Tausendundeine Nacht und das indische Panchatantra, jüngeren Datums sind die Märchen der Brüder Grimm und Abenteuer wie Gullivers Reisen. Doch nicht nur Klassiker und Bestseller werden hier präsentiert, sondern auch Erfindungsreichtum: Das erste Fühlbuch etwa wurde bereits 1940 veröffentlicht. Roderick Cave hat erstaunliche Fakten über die Entstehung und Entwicklung des Kinderbuches zusammengetragen.

 

Dieses Buch gehört in die Bibliothek jedes Freundes von Kinderbüchern.

 

 

 

Herr Hase und Frau Bär. Immer Ärger mit Frau Bär

 

 

 

 

Christa Kempter, Frauke Weldin, Herr Hase und Frau Bär. Immer Ärger mit Frau Bär, Nord Süd Verlag 2018, ISBN 978-3-314-10419-0

 

Sie wohnen nun schon seit insgesamt sechs Bilderbüchern zusammen in dem alten und schiefen, aber sonst ganz netten Häuschen mitten im Wald. Bei allem, was sie bisher zusammen erlebten oder taten, hatten der Herr Hase, dem das Haus gehört und seine im oberen Stock wohnenden Mitbewohnerin Frau Bär unterschiedliche Vorstellungen.

 

Wie das halt so ist bei Lebewesen, die miteinander leben (wollen). Insbesondere die Frage der Sauberkeit und der Ordnung ist immer wieder Thema bei den beiden und Anlass zu zum Teil heftigen Auseinandersetzungen. Doch irgendwie fanden sie bisher immer eine Lösung, die das jeweilige Vorhaben am Ende doch gelingen ließ.

 

In dem neuen Buch „Immer Ärger mit Frau Bär“ droht der Streit über Sauberkeit und Ordnung zum ersten Mal ohne Lösung zu eskalieren. Nachdem der Hase wieder wie üblich über nicht weggeräumte Honigtöpfe und verstreute Kekskrümel sich beschwert hat, platzt Frau Bär der Kragen. Mit den Worten „Bist und bleibst ein alter Miesepeter! Such dir eine neue Mieterin!“ packt sie ihre Sachen und verlässt tief beleidigt das Haus.

 

Doch wie fast vorherzusehen: ohne seine Mitbewohnerin ist es Hasen langweilig. Er fühlt sich einsam ohne die gewohnten Geräusche und auch ohne die Streitigkeiten. Er fasst sich ein Herz und ruft Frau Bärs Bruder an. Aber dort ist sie nicht. Doch auch am Abend ist Frau Bär noch nicht wieder zurückgekommen, wie es der Bruder vermutet hatte. Her Hase ist sehr besorgt und macht sich in der Nacht noch auf die Suche. Er ruft in den Wald und kehrt unverrichteter Dinge bei strömendem Regen wieder nach Hause zurück. Dort findet er Frau Bär frierend im Schuppen, wohin sie sich zurückgezogen hat.  Nachdem Herr Hase ihr versichert hat, es gebe keine neue Mieterin, versöhnen sie sich wieder und kehren ins gemeinsame Haus zurück, Das mit den Töpfen du den Kekskrümel ist nicht so wichtig wie ihre Freundschaft.

Ein schönes Bilderbuch, das Kindern zeigt, wie man bei aller Unterschiedlichkeit von bestimmten Vorstellungen und Eigenschaften doch miteinander klar kommen kann im Zusammenleben und auch bei gemeinsamen Unternehmungen  und Spielen.

 

Alle sehen eine Katze

 

 

 

 

 

Brendan Wenzel, Alle sehen eine Katze, Nord Süd Verlag 2018, ISBN 978-3-31410405-3

 

Der amerikanische in New York lebende, vorzugsweise Tiermotive bevorzugende Illustrator Brendan Wenzel, hat im letzten Jahr im Nord Süd Verlag unter dem Titel „Leben“ zusammen mit Cynthia Rylant sein erstes auf Deutsch übersetztes Bilderbuch vorgelegt, dem der Verlag nun ein 2016 in Kalifornien erschienenes Bilderbuch folgen lässt, für das Brendan Wendell alleine verantwortlich zeichnet.

 

Und wie er zeichnet!  Seine Hauptfigur ist eine Katze, die mit „ihren Schnurrhaaren, Ohren und Pfoten“ durch die Welt geht und dabei nicht nur einem Kind begegnet, sondern auch vielen anderen Tieren wie Hund, Fuchs, Fisch, Maus, Biene, Vogel, Floh, Schlange, Stinktier, Wurm und Fledermaus.

Alle kennen sie die Katze, und die Katze kennt sie. Doch das Erstaunliche ist: alle sehen sie zwar eine Katze, wie der Titel sagt, doch sie nehmen sie unterschiedlich wahr.

 

Brendan Wenzel feiert mit seinen eindrucksvollen Bildern ein wahres Fest der Beobachtung, der Neugierde und der Fantasie. Er spielt mit den verschiedenen Perspektiven und führt die das Buch betrachtenden Kinder von einem Staunen zum anderen. Mit diesem Buch gelang Brendan Wenzel der internationale Durchbruch als Illustrator.

 

Mein großes Buch der Stadt

 

 

 

 

 

Anne –Sophie Baumann, Didier Balicevic, Mein großes Buch der Stadt, Gerstenberg 2018, ISBN 978-3-8369-5987-2

Solche Bücher hat mein Sohn  als er klein war, geliebt. Baustellen, Fahrzeuge, die dort gebraucht werden, Menschen, die dort die unterschiedlichsten Bauwerke errichten und vor allen Dingen viele Informationen über den Ablauf der Arbeiten und über deren Techniken.

 

Und wenn dann noch, wie in dem vorliegenden Buch von Anne-Sophie Baumann und Didier Balicevic, unzählige Aufklappen und  Drehräder mit weiteren Entdeckungen dazukommen, dann ist der Buchgenuss für einen kleinen Jungen vollkommen.

 

Gezeigt werden in diesem in Frankreich zuerst 2016 erschienen Buch über die verschiedenen Lebens-, Arbeits-, Wohn- und Freizeitbereiche einer großen Stadt auf je einer Doppelseite, die verschiedenen Arten, wie Menschen in einer Stadt unterwegs sind, ein Büroviertel mit seinen Hoch- und Parkhäusern, es gibt einen aufschlussreichen Blick unter die Erde mit all den Rohren und  Kabeln, die das Leben über der Erde versorgen und aufrechterhalten, einen großen Park, in dem sich Große erholen und Kleine spielen können, ein großes Einkaufszentrum mit verschiedenen Geschäften, eine Zentrale, in der Polizei, Feuerwehr und ein Krankenhaus untergebracht sind und ein Blick in ein Wohnviertel während des Karnevals.

 

Auf der letzten Seite stellen sich Gebäudereihen auf, mit denen man nachvollziehen kann, wie sich eine Stadt im Laufe der Jahrzehnte städtebaulich verändert.

Ein Buch, mit dem sie jedem Jungen eine Freude machen werden, die lange anhält. Denn über viele Jahre wird er dieses Buch immer wieder in Hand nehmen, immer mehr verstehen und immer wieder Neues entdecken. Vor allen Dingen durch die 55 Spielelemente zum Ziehen, Schieben und Drehen, mit denen er interaktiv die Stadt entdecken und erforschen kann.

 

Für Jungen ab etwa vier Jahren ein ideales Geschenk.

 

 

 

Psychotherapie. Eine Gebrauchsanweisung

 

 

 

 

Gitta Jacob, Psychotherapie. Eine Gebrauchsanweisung, Beltz 2017, ISBN 978-3-407-86465-9

 

Viele Menschen leiden wegen unterschiedlicher Gründe unter psychischen Problemen und benötigen eigentlich dringend psychologische Hilfe. Einmal angesehen davon, dass viele, haben sie sich einmal dazu entschlossen, sich professionelle Hilfe zu holen und zu einem Arzt ihres Vertrauens gegangen sind, der ihnen eine Therapie verschreibt, mit oft monatelangen Wartezeiten rechnen müssen, erleben sich viele von Depressionen und anderen psychischen Krankheiten betroffene Menschen als unsicher, uninformiert darüber, was bei einer eventuellen Therapie auf sie zukommen wird, wie es sie und ihre persönliche Umgebung verändern wird.

 

Viele fürchten sich zunächst vor den möglichen Veränderungen und den fantasierten Umbrüchen durch eine Therapie so sehr verängstigt, dass sie die nötigen Schritte nicht wagen.

 

Das hier vorliegende Buch der bekannten Psychotherapeutin und Lehrtherapeutin Gitta Jacob will hier im Vorfeld informieren, ermutigen und Ängste abbauen. Denn je besser man vor den ersten Schritten  hin zu einer Therapie informiert ist, desto nachhaltiger wird die später einsetzende psychologische Hilfe wirken können.

 

Gitta Jacob erzählt aus ihrer reichen Erfahrung und hilft betroffenen Menschen, einen Einstieg zu finden und ihre ganz persönliche Chance auf Veränderung optimal zu nutzen. Dabei behandelt und beantwortet sie folgende wichtige Fragen immer mit Beispielen aus ihrer Praxis:

 

  • Woran erkenne ich ernsthafte psychische Störungen?
  • Wo finde ich den für mich richtigen Therapeuten?
  • Wer ist in einer Therapie für was verantwortlich?
  • Worauf beruhen die therapeutischen Ansätze?
  • Wie wirken die psychologischen Techniken?

 

Für jeden, der selbst oder dessen Angehöriger unter einem psychischen Problem schon länger leidet, und sich Hilfe holen möchte, ist dieses Buch sehr gut geeignet zur Ermutigung, Information und Vorbereitung.