Maschinen wie ich,(Hörbuch)

 

 

Ian McEwan, Maschinen wie ich,(Hörbuch) Diogenes 2019, ISBN 978-3-257-80405-8

 

Ian McEwan, der 1948 geborene britische Erfolgsschriftsteller, von dem zwei Romane (zuletzt „Kindeswohl“ mit Emma Thompson) erfolgreich verfilmt wurden, hat mit seinem neuen Roman „Maschinen wie ich“ eine literarische Dystopie vorgelegt, in der er sich neben vielen anderen Themen, die er anschneidet, mit der Frage der künstlichen Intelligenz beschäftigt.

 

Sein Ich-Erzähler ist Charlie, ein durchaus sympathischer junger Mann Anfang dreißig, der in seinem bisherigen Leben neben einem Studium der Anthropologie so manche, meist gescheiterte berufliche Stadien hinter sich gebracht hat. Er interessiert sich schon lange für künstliche Intelligenz. Als nun im 1982 (McEwan verlegt die Handlung seines Buches in dieses Jahr, warum blieb mir unklar) die ersten echten lebensechten Androiden verkauft werden, investiert er sein ganzes Erbe und kauft sich einen „Adam“. Die ebenfalls angebotenen „Eves“ waren schon ausverkauft.

 

Charlie hat eine jüngere Nachbarin namens Miranda. Gerade als Adam geliefert wird, ist Charlie dabei, sich in Miranda zu verlieben, und so kommt es, dass es in ihrer jungen Beziehung von Anfang an einen Dritten gibt: Adam.

 

Kann, so überlegen die beiden, eine Maschine (nichts anderes ist ja Adam doch wohl)denken, kann sie leiden, ja kann sie auch lieben? Bald stellt sich heraus, dass sie das sehr wohl kann, und Adams Gefühle und moralische Prinzipien, auf die Charlie ihn vorher nach einem dicken Handbuch programmiert hat, bringen das junge Liebespaar Charlie und Miranda in viele ungeahnten und auch verhängnisvolle Situationen.

 

Adam lernt schnell, weil er auf sämtliches Wissen zugreifen kann, das in den vielen Online-Datenbanken verfügbar ist, auf die er mit seinem fast unbegrenzten Speicher zugreift. Schon nach kurzer Zeit ist Adam kaum noch von einem Menschen zu unterscheiden und hat seinen nicht dummen Besitzer sowohl intellektuell als auch kräftemäßig überflügelt.

 

Soweit so gut. Als jedoch Adam sich in Miranda verliebt, beginnen unlösbar scheinende Probleme.

 

Wie schon in früheren Romanen hat Ian McEwan auch in „Maschinen wie ich“ neben seinem Hauptthema, dem Zusammenleben zwischen fehlbarem Mensch und unfehlbar logisch handelnder Maschine, noch viele andere Themenstränge in seinen Roman hineingepackt.  Es geht unter anderem um den Falkland-Krieg, um Margaret Thatcher und um viele weitere philosophische und literarische Themen, die er oft nur in Anspielungen erwähnt.

 

Der Roman wirkt dadurch im Gegensatz zu früheren Werken  leicht überladen, liest sich bei aller sprachlichen Brillanz des Autors etwas schwerfällig.  Was er mit seiner Dystopie wirklich zum Ausdruck bringen möchte, die Botschaft des Romans also, ist mir an vielen Stellen unzugänglich geblieben, was den Lesegenuss seines neuen Buches für mich geschmälert hat. „Maschinen wie ich“ kommt meiner Meinung nach nicht an seiner früheren Werke heran.

 

Der bekannte und vielbeschäftigte Schauspieler Wanja Mues hat das von Bernhard Robben ins Deutsche übersetzte Buch ungekürzt als Hörbuch eingelesen. Auf eine sensible Art ist es ihm gelungen, die sprachliche Brillanz von Ian McEwan ebenso lebendig werden zu lassen, wie auch die beiden menschlichen Hauptfiguren Charlie und Miranda.

 

Wie er die sprechende Maschine Adam interpretiert hat, ist ganz große Kunst.

 

 

 

 

Menu surprise. Der elfte Fall für Bruno, Chef de police,(Hörbuch)

 

 

 

Martin Walker, Menu surprise. Der elfte Fall für Bruno, Chef de police,(Hörbuch), Diogenes 2019, ISBN 978-3-257-80403-4

 

Auch der neue, mittlerweile elfte Roman über den sympathischen Chef de police Bruno Corregues aus dem kleinen Städtchen St. Denis im südfranzösischen  Perigord ist eine gelungene Mischung aus verschiedenen Erzählsträngen.

Da ist die Geschichte der jugendlichen Rugbyspielerin Paulette, die Bruno seit ihrer Kindheit trainiert und ausgebildet hat und die nun vor dem Sprung in die französische Nationalmannschaft steht, als sie eine unverhoffte Schwangerschaft daran zu hindern droht.

 

Brunos Freundin Pamela, die neben ihrer Reitschule in den Sommermonaten auch eine Kochschule betreibt, hat neben anderen schon aus den früheren Romanen bekannten Figuren auch Bruno zur Unterstützung gewonnen. Er soll Pamelas Feriengäste in die lokale Küche einführen und sie auch auf verschiedenen Exkursionen auf Märkte und Weingüter begleiten.

 

Doch noch bevor der nächste Kochkurs beginnen kann, wird eine Teilnehmerin vermisst. Die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers ist nicht zusammen mit den anderen Gästen in Bergerac gelandet. Bruno macht sich auf die Suche nach ihr und findet sie tot zusammen mit einem ebenfalls toten Mann in einem abgelegenen Haus im Wald.

 

Bruno ist kurz zuvor befördert worden und ist jetzt für den ganzen Bezirk zuständig. Neben aus den früheren Büchern bekannten Kollegen von Bruno hat er es jetzt noch mit weiteren Polizeikräften zu tun.  Bald stellt sich heraus, dass die beiden Todesfälle einen hochpolitischen Charakter haben. Die Geschichte wird schnell zum Fall internationaler Ermittlungen und führen weit in die Geschichte der IRA zurück.

 

Bruno zeigt sich auch diesen weit über seine sonstigen Befugnisse hinausgehenden Ermittlungen gewachsen und trifft auch dieses Mal wieder auf seine große Liebe Isabelle, die zusammen mit anderen Geheimdienstlern aus verschiedenen Ländern zur Lösung des Falles nach St. Denis kommt.

 

Nebenbei erfährt der Leser wieder sehr viel über Rezepte, leckeres Essen und erlesene Weine, traumhafte Landschaftsbeschreibungen wecken seine Sehnsucht, nun doch endlich einmal nach so vielen Bruno-Bänden selbst das Perigord zu besuchen und ein dramatisches Finale sorgt für Spannung in einem Roman, der ansonsten unterhaltsam sich dahinbewegt.

 

Ich fand den politisch geprägten Fall, den Bruno dieses Mal zusammen mit anderen zu lösen hat, mit seinen vielen historischen Informationen sehr aufschlussreich.  In das in der Regel ruhige und von vielen Freundschaften geprägte Leben Brunos mit jedem neuen Band wieder einzutauchen, mich entführen zu lassen in eine Landschaft und ihren unverwechselbaren menschlichen Charakteren, schenkt mir jedes Mal eine angenehme und unterhaltsame, leider wieder viel zu kurze Lesezeit. Zu kurz, weil man immer weiter liest, seltsam verzaubert von der Mischung aus verschiedenen Handlungssträngen, die Martin Walker auch dieses Mal wieder gut gelungen ist.

 

Es deutet sich am Ende an, dass Brunos Liebesleben nach wie vor ungeklärt bleiben wird. Eigentlich, lieber Herr Walker, hat Ihr Bruno das nicht verdient. Wäre es nicht mal Zeit für eine Klärung? Vielleicht schon im nächsten Buch?

 

Ich liebe diese Bücher mit ihrer Fülle von Beziehungen der Dörfer untereinander, ihrer Liebe zu gutem Essen und guten Wein. Dem Perigord jedenfalls haben sie in den letzten Jahren eine deutlich gestiegene Zahl an Touristen gebracht. Der Rezensent bedauert, es immer noch nicht dorthin geschafft zu haben.

Johannes Steck hat auch das neue Buch von Martin Walker wieder in einer ungekürzten Lesung für die Hörbuchfreunde zu einem ganz besonderen Hörerlebnis gemacht.

Sie ist auch nach der ersten Lektüre des gedruckten Buches auf jeden Fall zu empfehlen. Sie ist aber auch ein adäquater Ersatz für das Buch, weil es ihr gelingt, jene ganz besondere Atmosphäre der Bruno-Romane und der Region, in der sie spielen, wunderbar einzufangen.

 

 

 

Die Familie

 

 

 

 

Andreas Maier, Die Familie, Suhrkamp 2019, ISBN 978-3-518-42862-7

 

Mit dem vorliegenden siebten Band seines autobiographischen Romanprojekts „Ortsumgehung“ hat der in Friedberg in der Wetterau geborene und aufgewachsene Schriftsteller Andreas Maier nicht nur schon weit über die Hälfte des auf angeblich elf Bände angelegten Werkes vollendet, sondern die schon in dem letzten Roman „Die Universität“ und auch schon in „Der Kreis“ angelegte Wende in seiner Entwicklung, die Geburt eines Künstlers und einer Idee von der Welt und seiner Aufgabe in ihr wird weiter entwickelt.

 

Inspiriert von Thomas Bernhard, über den er auch promovierte, entwickelte Andreas Maier schon in den Bänden „Das Zimmer“, „Das Haus“, „Die Straße“, „Der Ort“  und „Der Kreis“ seit 2010 von Buch zu Buch das autobiographische Erzählen als Kunstform und erweiterte sukzessive sein Beobachtungsspektrum. Quasi wie in konzentrischen Kreisen erzählt er immer wieder von seiner Kindheit und Jugend und setzt mit jedem Buch immer wieder neu an, bezieht sich auf Bekanntes, fügt Neues hinzu und begleitet als erwachsener Intellektueller mit großem Einfühlungsvermögen sich selbst als Kind und Jugendlicher auf dem Weg in die Welt und ins künstlerische, ästhetische und politische Bewusstsein.

 

In dem neuen hier vorliegenden Band „Die Familie“ ist meiner Erinnerung nach (ich habe alle Bände mit großer Begeisterung gelesen, nachdem sie erschienen waren) zum, ersten Mal jene „Ortumgehung“ genannt, die um Friedberg herum gebaut werden soll. Im Unterschied zum letzten Buch allerdings ist dieses Mal kein Datum der Handlung genannt. Damals hatte ich vermutet, dass das ganze Projekt schon längst geschrieben ist und nur nach und nach veröffentlicht wird.

 

Andreas Maier beschreibt von seinen frühen ersten Erinnerungen als dreijähriger Junge bis zu einer nicht mit einem Datum versehenen Gegenwart, in der er als Schriftsteller gerade an „Die Familie“ arbeitet und mit Hilfe seiner ehemaligen Freundin, der Buchhändlertochter, ein bisher gut gehütetes und verborgenes Familiengeheimnis lüftet, seine Familie. Die leicht esoterisch angehauchte Mutter, den als Anwalt und Lokalpolitiker der CDU erfolgreichen Vater, seinen behinderten Onkel J. und seine geliebte Großmutter, an deren Schreibtisch er seine Büchern schreibt, sie alle kennen wir aus den früheren Bänden. Wer im neuen Buch eine relativ große Rolle spielt, ist Maiers 5 Jahre älterer Bruder und dessen frühe, meist erfolgreichen Versuche, gegen die Eltern und deren Regeln zu opponieren.

 

Dieser Bruder, der schließlich abtaucht und sich nicht mehr meldet, ist für den jungen Andreas Maier schon früh der Anlass, sich mit der Unterscheidung von wahr und falsch und der Lüge im privaten und im öffentlichen Leben zu befassen, was ihn im Studium in Frankfurt dazu führt, sich mit Wahrheitstheorien auseinanderzusetzen (vgl. „Die Universität“).

 

Die Beschreibung seiner Familie und ihrer Geschichte ist von dieser Suche geprägt. Immer wieder spürt er den Widersprüchen nach und spürt die Risse, die die Welt durchziehen, fast körperlich am eigenen Leib.

 

Als am Ende eines jahrelangen Nachfragens nach den Ursprüngen des großen Besitzes der Familie mit Hilfe der Buchhändlertochter, die in der Friedberger Lokalgeschichte geforscht hat, herauskommt, dass der Reichtum der Familie jüdischen Ursprungs ist, den seine Vorfahren sich 1939 von einem wohlhabenden Juden namens Seligman  unter ungeklärten Umständen angeeignet haben, ist er nicht wirklich überrascht. Und er erkennt: „Meine Familie ist eine Familie, die immer Grabsteine gemacht hat. Auch ihre eigenen.“

 

Ich bin sehr gespannt, wie der sein Leben reflektierende Andreas Maier mit dieser Erkenntnis im nächsten Band seiner „Ortsumgehung“ umgehen wird. Auch darauf, wie er ganz persönlich mit seiner spirituellen Suche weiterkommt, die er in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen 2006 schon so beschrieben hatte:

 

„Ich bin nur ein Mensch auf der Suche nach Worten, die längst schon gefunden sind, die im Matthäusevangelium schon alle dastehen, in perfekten logischen Sequenzen, schärfer, als Wittgenstein es je gekonnt hätte, eine erschöpfende Analyse dessen, warum wir falsch sind und warum wir dadurch schuldig werden vor allem und vor jedem, nämlich bloß kraft unseres wahrheitsfernen Tuns. Eine literarische Form dafür zu finden ist sehr schwer, ich glaube, man kann keine Form dafür finden, daß wir falsch sind, keine ernste, denn eine Form, die sich vom Einverständnis des Lesers verabschiedet, ist keine Form, sondern für den Leser eine Zumutung, wie ja auch das Matthäusevangelium. Das größte philosophische Werk des Abendlandes. Das uns nichts sagt als bloß: Seid nicht. Das uns sagt: Wenn ihr aufhört, zu sein, dann seid ihr. Meine Damen und Herren ,wenn wir uns im Matthäusevangelium wieder finden, dann immer nur auf der Seite der Hohepriester, immer auf der Seite der Kleingläubigen, der Rechthaber, der Schriftgelehrten und Sophisten. Also auf Seiten derer, die sich verteidigen, die verteidigen, was sie haben, als sei das richtig, das ist unser tägliches Brot, die Selbstverteidigung, aber dieses Brot hat uns Gott nicht gegeben, und übrigens auch die Philosophie nicht, und die Literatur auch nicht. Und Sie begreifen vielleicht gar nicht, was das ist. Die Sie alles, was Sie haben und tun und wollen und erlangen, für natürlich und gut halten, und wenn Sie kurz nachdenken würden, aber im Ernst nachdenken, kehrten Sie um, aber das werden Sie nicht tun.“

 

Für Literatur hat das eine wichtige Bedeutung, auch für seine eigene:

„Ich wüsste nichts anderes, als dass Literatur den Zweck hat (meine Literatur, die ich lese und die ich schreibe), die Wahrheit zu sagen, nicht explizit, sondern anders. Auch wenn die explizite Wahrheit vielleicht im Schweigen liegt und vielleicht sogar darin, dass ich immer nur erkenne, daß sie so niemand richtig sagen kann, und vor allem ich nicht. Die Wahrheit ist, dass wir falsch sind und richtig sein könnten und falsch allein kraft unseres eigenen Entschlusses, oder nennen wir es meinetwegen auch Trägheit, sind. Die Wahrheit ist, dass wir uns alle als moralische Wesen darstellen, aber faul sind, roh, verschlagen und brutal noch in den unbeachtesten Momenten. Aber alles das lässt sich in der Literatur kaum sagen, das kann ich Ihnen sagen.“

 

Übrigens: Maier hat einmal verraten, dass der letzte Band seiner „Ortsumgehung“ sich mit dem lieben Gott befassen wird. Darauf darf man sehr gespannt sein.
 

 

Maschinen wie ich

 

 

 

 

 

Ian McEwan, Maschinen wie ich, Diogenes 2019, ISBN 978-3-257-07068-2

 

Ian McEwan, der 1948 geborene britische Erfolgsschriftsteller, von dem zwei Romane (zuletzt „Kindeswohl“ mit Emma Thompson) erfolgreich verfilmt wurden, hat mit seinem neuen Roman „Maschinen wie ich“ eine literarische Dystopie vorgelegt, in der er sich neben vielen anderen Themen, die er anschneidet, mit der Frage der künstlichen Intelligenz beschäftigt.

 

Sein Ich-Erzähler ist Charlie, ein durchaus sympathischer junger Mann Anfang dreißig, der in seinem bisherigen Leben neben einem Studium der Anthropologie so manche, meist gescheiterte berufliche Stadien hinter sich gebracht hat. Er interessiert sich schon lange für künstliche Intelligenz. Als nun im 1982 (McEwan verlegt die Handlung seines Buches in dieses Jahr, warum blieb mir unklar) die ersten echten lebensechten Androiden verkauft werden, investiert er sein ganzes Erbe und kauft sich einen „Adam“. Die ebenfalls angebotenen „Eves“ waren schon ausverkauft.

 

Charlie hat eine jüngere Nachbarin namens Miranda. Gerade als Adam geliefert wird, ist Charlie dabei, sich in Miranda zu verlieben, und so kommt es, dass es in ihrer jungen Beziehung von Anfang an einen Dritten gibt: Adam.

 

Kann, so überlegen die beiden, eine Maschine (nichts anderes ist ja Adam doch wohl)denken, kann sie leiden, ja kann sie auch lieben? Bald stellt sich heraus, dass sie das sehr wohl kann, und Adams Gefühle und moralische Prinzipien, auf die Charlie ihn vorher nach einem dicken Handbuch programmiert hat, bringen das junge Liebespaar Charlie und Miranda in viele ungeahnten und auch verhängnisvolle Situationen.

 

Adam lernt schnell, weil er auf sämtliches Wissen zugreifen kann, das in den vielen Online-Datenbanken verfügbar ist, auf die er mit seinem fast unbegrenzten Speicher zugreift. Schon nach kurzer Zeit ist Adam kaum noch von einem Menschen zu unterscheiden und hat seinen nicht dummen Besitzer sowohl intellektuell als auch kräftemäßig überflügelt.

 

Soweit so gut. Als jedoch Adam sich in Miranda verliebt, beginnen unlösbar scheinende Probleme.

 

Wie schon in früheren Romanen hat Ian McEwan auch in „Maschinen wie ich“ neben seinem Hauptthema, dem Zusammenleben zwischen fehlbarem Mensch und unfehlbar logisch handelnder Maschine, noch viele andere Themenstränge in seinen Roman hineingepackt.  Es geht unter anderem um den Falkland-Krieg, um Margaret Thatcher und um viele weitere philosophische und literarische Themen, die er oft nur in Anspielungen erwähnt.

 

Der Roman wirkt dadurch im Gegensatz zu früheren Werken  leicht überladen, liest sich bei aller sprachlichen Brillanz des Autors etwas schwerfällig.  Was er mit seiner Dystopie wirklich zum Ausdruck bringen möchte, die Botschaft des Romans also, ist mir an vielen Stellen unzugänglich geblieben, was den Lesegenuss seines neuen Buches für mich geschmälert hat. „Maschinen wie ich“ kommt meiner Meinung nach nicht an seiner früheren Werke heran.

 

 

 

Menu surprise. Der elfte Fall für Bruno, Chef de police

 

 

 

Martin Walker, Menu surprise. Der elfte Fall für Bruno, Chef de police, Diogenes 2019, ISBN 978-3-257-07063-7

 

Auch der neue, mittlerweile elfte Roman über den sympathischen Chef de police Bruno Corregues aus dem kleinen Städtchen St. Denis im südfranzösischen  Perigord ist eine gelungene Mischung aus verschiedenen Erzählsträngen.

Da ist die Geschichte der jugendlichen Rugbyspielerin Paulette, die Bruno seit ihrer Kindheit trainiert und ausgebildet hat und die nun vor dem Sprung in die französische Nationalmannschaft steht, als sie eine unverhoffte Schwangerschaft daran zu hindern droht.

 

Brunos Freundin Pamela, die neben ihrer Reitschule in den Sommermonaten auch eine Kochschule betreibt, hat neben anderen schon aus den früheren Romanen bekannten Figuren auch Bruno zur Unterstützung gewonnen. Er soll Pamelas Feriengäste in die lokale Küche einführen und sie auch auf verschiedenen Exkursionen auf Märkte und Weingüter begleiten.

 

Doch noch bevor der nächste Kochkurs beginnen kann, wird eine Teilnehmerin vermisst. Die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers ist nicht zusammen mit den anderen Gästen in Bergerac gelandet. Bruno macht sich auf die Suche nach ihr und findet sie tot zusammen mit einem ebenfalls toten Mann in einem abgelegenen Haus im Wald.

 

Bruno ist kurz zuvor befördert worden und ist jetzt für den ganzen Bezirk zuständig. Neben aus den früheren Büchern bekannten Kollegen von Bruno hat er es jetzt noch mit weiteren Polizeikräften zu tun.  Bald stellt sich heraus, dass die beiden Todesfälle einen hochpolitischen Charakter haben. Die Geschichte wird schnell zum Fall internationaler Ermittlungen und führen weit in die Geschichte der IRA zurück.

 

Bruno zeigt sich auch diesen weit über seine sonstigen Befugnisse hinausgehenden Ermittlungen gewachsen und trifft auch dieses Mal wieder auf seine große Liebe Isabelle, die zusammen mit anderen Geheimdienstlern aus verschiedenen Ländern zur Lösung des Falles nach St. Denis kommt.

 

Nebenbei erfährt der Leser wieder sehr viel über Rezepte, leckeres Essen und erlesene Weine, traumhafte Landschaftsbeschreibungen wecken seine Sehnsucht, nun doch endlich einmal nach so vielen Bruno-Bänden selbst das Perigord zu besuchen und ein dramatisches Finale sorgt für Spannung in einem Roman, der ansonsten unterhaltsam sich dahinbewegt.

 

Ich fand den politisch geprägten Fall, den Bruno dieses Mal zusammen mit anderen zu lösen hat, mit seinen vielen historischen Informationen sehr aufschlussreich.  In das in der Regel ruhige und von vielen Freundschaften geprägte Leben Brunos mit jedem neuen Band wieder einzutauchen, mich entführen zu lassen in eine Landschaft und ihren unverwechselbaren menschlichen Charakteren, schenkt mir jedes Mal eine angenehme und unterhaltsame, leider wieder viel zu kurze Lesezeit. Zu kurz, weil man immer weiter liest, seltsam verzaubert von der Mischung aus verschiedenen Handlungssträngen, die Martin Walker auch dieses Mal wieder gut gelungen ist.

 

Es deutet sich am Ende an, dass Brunos Liebesleben nach wie vor ungeklärt bleiben wird. Eigentlich, lieber Herr Walker, hat Ihr Bruno das nicht verdient. Wäre es nicht mal Zeit für eine Klärung? Vielleicht schon im nächsten Buch?

 

Powerfrauen. Was Beyonce mit Michelle Obama und Anne Frank verbindet

 

 

Kate Hodges, Powerfrauen. Was Beyonce mit Michelle Obama und Anne Frank verbindet, wbgtheiss 2019, ISBN 978-3-8062-3878-5

 

 

In diesem von Gisella M. Vorderobermeier aus dem Englischen übersetzten Buch hat Kate Hodges insgesamt 85 Frauen porträtiert, die sie Powerfrauen nennt und deren versteckte Verbindungen untereinander sie aufspüren will.

 

Es sind sehr bekannte Frauen darunter, aber auch viele, von denen ich noch nie gehört hatte. Kate Hodges enthüllt die überraschenden Verbindungen zwischen 85 beeindruckenden Frauen aus Showbiz, Sport, Mode, Kunst, Wissenschaft und Politik. Ihre Lebensgeschichten sagen vor allem eins: »Zusammen sind wir stark«. Denn hinter jeder großen Frau steht eine andere große Frau.

 

Die Botschaft an die Leserinnen dieses Buches, junge und auch ältere ist klar: Kate Hodges will zeitgenössische Frauen dazu ermutigen, sich an den porträtierten Frauen zu orientieren, immer wieder Neues zu wagen und ihre Welt nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Es schwebt ihr so etwas wie ein weltweites Netz von Frauenfreundschaften vor, die sich gegenseitig ermutigen und unterstützen.

 

Oprah Winfrey schreibt dazu: „Wenn Frauen ihre Köpfe zusammenstecken, können sie unglaublich viel bewirken!“  Ich finde, es sind auf einen  Schlag etwas viele Vorbilder, die da vor allen jungen Frauen vorgestellt werden. Doch bei genauen Hinsehen wird jede Leserin vielleicht eine oder zwei Frauen finden, deren Beispiel sich nachzueifern lohnt.

 

Wirklich interessant und teilweise überraschend fand ich die Verbindungen zwischen den vorgestellten Frauen, die Hodges aufspürt und die von Sarah Papworth wunderbar illustriert wurden.

 

 

 

Vive la cuisine. Kulturgeschichte der französischen Küche

 

 

Peter Peter, Vive la cuisine. Kulturgeschichte der französischen Küche, C. H. Beck 2019, ISBN 978-3-406-72624-8

 

 

Nach seinen sehr erfolgreichen und in mehrere Auflagen gegangenen Bücher über die Kulturgeschichte der deutschen, italienischen und österreichischen Küche, die allesamt im C.H. Beck Verlag erschienen sind, legt der Münchner Restaurantkritiker Peter Peter nun das lange erwartete Buch über die französischen Küche vor.

 

Wie schon in den anderen Büchern verbindet Peter Peter wieder die Besonderheiten der jeweiligen Kochkunst meisterhaft mit der zugehörigen Kulturgeschichte. Wieder hat er seine „kulturhistorische Schatztruhe“ geöffnet und beschriebt, warum die französische Küche über viele Jahrhunderte hinweg bis auf den heutigen Tag ihre unangefochtene Spitzenstellung behauptet hat.

 

Prächtig illustriert und mit insgesamt 20 Originalrezepten versehen, macht sein hier vorliegendes Buch nicht nur großen Appetit darauf, die Finesse und Vielfalt der Küche unserer Nachbarn zu erkunden, sondern vermittelt so ganz nebenbei eine Menge Wissenswertes über das Land, seine bewegte Geschichte und seine Kultur, die schon immer unlösbar mit dem Essen und Trinken verbinden war.

 

Seine Geschichte der französischen Küche spannt den Bogen von keltischen Anfängen und griechischen Kolonisten bis zur Erfindung des modernen Restaurants in der Ära der Revolution und zur heutigen Sterneküche. Die römische Eroberung Galliens, die Landwirtschaft und Küche romanisierte, und die kulinarische Verfeinerung am Hof des Sonnenkönigs sind zwei der immer noch tragenden Säulen dieses 2010 von der Unesco anerkannten Weltkulturerbes der Grande Nation. Das vibrierende Zentrum Paris, die Vielfalt der Regionalküchen und die handwerkliche Qualität der Weine und Lebensmittel zeichnen dieses Erbe aus.

 

Mit einen umfangreichen  Anhang versehen, ist das Buch ein wunderbares Geschenk für jeden Freund französischen Essens und Trinkens und seiner Kultur. Sehr zu empfehlen.

 

 

 

AutoModellGeschichte

 

 

 

Jörg Walz, AutoModellGeschichte, Delius Klasing 2019, ISBN 978-3-667-11568-3

 

In über 250 perfekt inszenierten Abbildungen nimmt Jörg Walz den Betrachter und Leser des vorliegenden Buches für Autofreunde mit auf eine einzigartige Zeitreise durch die Geschichte des Autos.

 

Mit seiner privaten umfangreichen Sammlung von  Modellautos von den ersten (im Übrigen oft elektrisch betriebenen) Autos, von Oldtimern und Traumautos von Mercedes, Citroën, Jeep, VW, Porsche und vielen anderen Automarken bis zum Tesla Modell S hat er mit jedem dieser kleinen Modellfahrzeuge eine geeignete Umgebung gesucht und sie dann mit seinem Smartphone so abgelichtet, dass die Illusion für den Betrachter fast perfekt ist und er das abgebildete Autor für ein echtes Fahrzeug hält.

Er fotografiert die Kleinen so, dass sie wie ganz Große wirken: in realer Umgebung und mit einer einzigartigen Bildsprache. Damit erschafft er ein Automuseum in Bildern – nur mit Modellautos!

 

Dier Texte, die er dazu schreibt, erzählen neben vielen Informationen technischer Art auch oft von der sich mit den Autos verändernden Kultur in den verschiedenen Ländern.

 

Für alle Freunde des Automobils ein schönes Buch. Auch ein für solche Menschen geeignetes Geschenk. Damit machen sie einem Autoliebhaber Freude.

 

 

 

 

Spiel des Lebens

 

Alice Roberts, Spiel des Lebens, wbgtheiss 2019, ISBN 978-3-6062-3883-9

 

Dieses sehr empfehlenswerte und  auch für wissenschaftliche Laien sehr verständliche Buch erzählt davon „wie der Mensch die Natur und sich selbst zähmte“ und ist als Lektüre ein perfekter Einstieg in eine viel umfangreichere Geschichte des Menschen.

 

Es geht anhand von zehn Arten, die vor langer Zeit, dadurch dass der Mensch sie „zähmte“ und sie sich zu Nutzen machte, die gesamte Kultur des Menschen auf den Kopf stellte. Aus Jäger und Sammler wurden seßhafte Hirten und Bauern, nachdem sie ehedem wilde Tiere gezähmt und danach als Nutztiere verwendeten und züchteten.  Aus Wildpflanzen züchteten sie Getreide und Erdfrüchte (Weizen, Mais und Kartoffeln), die für die Menschen, die sich in der Seßhaftigkeit erheblich vermehren konnten, sehr wichtig wurden. Tiere und Pflanzen zusammen bildeten die Grundlage für die weitere menschliche Kultur.

 

Alice Roberts erzählt bei ihrer spannenden Reise in die Vergangenheit unserer Art nicht nur davon, wie sich die Pflanzen und die Tiere verändert haben, als der Mensch sie zähmte, sondern auch an vielen Beispielen davon, wie diese Arten dann wiederum den Menschen verändert und geprägt haben bis in die moderne Zeit.

 

Das Buch ist für alle Leser zu empfehlen, die sich für die Geschichte des Menschen interessieren, für seine Seßhaftwerdung, die Bildung seiner Kultur und das Zusammenspiel von Mensch und Natur.

 

Wer wissen möchte, wer und warum wir sind – der findet in diesem aufschlussreichen Buch wichtige Antworten.

 

 

Frankreich

 

 

 

Jürgen Schmude, Frankreich, wbg academic 2019, ISBN 978-3-534-25201-5

 

Jürgen Schmude, der Autor dieses sehr empfehlenswerten Länderkundebuchs über Frankreich ist Professor für Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung am Department für Geographie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Diese Schwerpunkte seiner Tätigkeit kommen auch in seinem Buch zum Tragen, das in der Reihe  „wbg-Länderkunde“ erscheint. In dieser Reihe hat es sich der Verlag zur Aufgabe gemacht, Länder und Regionen der Erde zeitgemäß zu präsentieren und dem Leser nahezubringen. Der Leser kann diese Bücher nutzen als informative Vorbereitung für eigene Reisen, zur Wissensvermittlung oder zur Vorbereitung von Referaten oder Vorträgen im Rahmen von Schule oder Universität.

 

Frankreich, das Land, um das es in dem vorliegende Band der Reihe geht, ist als Nachbarland Deutschlands mit unserer Geschichte so eng verwoben wie mit kaum einem anderen Land. Unser westlicher Nachbar ist nach langer Feindschaft im letzten und vorletzten Jahrhundert heute nicht nur ein wichtiger politischer Partner in der EU, sondern auch der wichtigste wirtschaftliche Partner.

 

Mit unzähligen Tabellen und Karten bietet das systematisch gegliederte Buch einen ganz vorbildlichen Überblick mit vielen Informationen zu Geographie, Geschichte, Wirtschaft und Politik.

Von den naturräumlichen Bedingungen über die wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Entwicklungen bis hin zu den kulturellen und gesellschaftlichen Besonderheiten werden alle Bereiche abgedeckt, die eine moderne Länderkunde ausmachen.

 

Einprägsame Zusammenfassungen bieten auch dem schnellen Leser genug Informationen.

 

Das farbige Layout, die vielen Fotos, Karten, Abbildungen  und Tabellen haben mich mit diesem schönen Buch stundenlang verweilen lassen. Seine Besonderheit ist die ausführliche Berücksichtigung der französischen Überseegebiete, von denen ich bisher wenig wusste, besonders was deren Geschichte und wirtschaftliche Situation betrifft.

 

Das Buch ist interessant für Frankreichfreunde und für alle öffentlichen Bibliotheken.