Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime

 

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Johannes C. Bockenheimer, Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime, Pantheon 2015, ISBN 978-3-570-55276-6

 

In vielen in den vergangenen Jahren erschienen Büchern haben Autoren versucht zu verstehen und zu beschreiben, was in Israel innenpolitisch und gesellschaftlich vor sich geht. Sie haben Ursprünge lebendig gemacht und Perspektiven für die Zukunft aufgezeigt. Von all diesen Büchern sei Carlo Strengers 2011 erschienenes Buch „Israel“ genannt. Darin wurde folgendes deutlich:

Israel geht seit einigen Jahren durch eine der schwersten Krisen seit der Staatsgründung 1948. Nach außen ist das Land isoliert, selbst bei wohlwollenden Politikern und Intellektuellen in Europa rufen die Entscheidungen der Regierung nicht nur großes Unverständnis, sondern mehr und mehr unverhohlene Ablehnung hervor.

Vom Friedensprozess mit den Palästinensern ist keine Rede mehr, Araber und Juden leben im Alltag mit gegenseitiger Verachtung nebeneinander her und der eskalierende, hier in Europa kaum wahrgenommene Kampf zwischen den religiösen und den säkularen Juden nimmt Formen an, die nicht erst seit gestern die Grundfesten der israelischen Gesellschaft bedrohen, die innerlich mehr und mehr zerreißt.

Mit Hilfe der Psychohistorie und mit unzähligen Beobachtungen aus dem Alltag versuchte Carlo Strenger in diesem nach wie vor lesenswerten Buch den deutschen Lesern Einsichten zu vermitteln in die auch historisch gewachsene Mentalität des Landes und sich damit jenseits der weltweit eingefahrenen Wahrnehmungen Israels zwischen Dämonisierung und Idealisierung zu verorten.

Er plädiert für die mentale Abrüstung der Projektionen auf allen Seiten, die er nachvollziehbar und transparent darstellt. Dabei versucht er, das menschliche Bedürfnis nach Sinnsuche nicht zu übersehen. Diese Kategorie taucht in seinem Buch immer wieder auf. Er kommt zu dem Schluss, dass nur eine Politik jenseits des Erlösungsbedürfnisses, die mit der Unvollständigkeit der menschlichen Existenz Frieden geschlossen hat, Israel und dem Nahen Osten Frieden bringen kann.

Ganz anders, aber mit dem gleichen leidenschaftlichen Impetus, Israel, das er durchaus auch als sein Land versteht, versucht der deutsche Journalist Johannes C. Bockenheimer das aktuelle Israel zu beschreiben und zu einem persönlichen, für den Leser nachvollziehbaren Verständnis zu kommen. Er begegnet Schriftstellern wie Amos Oz, führt Gespräche mit Politikern, Rabbis und Managern, aber auch mit ganz normalen Menschen, die sonst niemand um ihre Meinung bittet über ihr Land.

Er konfrontiert diese ernüchternden Bestandsaufnahmen immer wieder mit der Gründungsidee von Theodor Herzl und mit dem, was die vielen Menschen bewegte, die teilweise schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Palästina einwanderten und vor und nach der Staatsgründung das Land trotz immer stärker werdenden militärischen Bedrohungen durch die Araber und Kriege mit ihnen das Land zum Blühen brachten.

Doch Bockenheimer resümiert: „Der Staat Israel existiert zwar, Herzls Versprechen aber, dass mit dem Judenstaat auch der Judenhass Geschichte sein würde, hat sich als Märchen erwiesen. Herzl ist nicht an den Zionisten gescheitert, sondern an den Antisemiten.“

Johannes Bockenheimer ist mit einer lockeren Sprache ein Buch gelungen, das nicht nur ein wichtiges Panorama der gegenwärtigen israelischen Gesellschaft liefert, sondern auch eine unterhaltsame und stellenweise regelrecht witzige Lektüre ist.

 

Vorsicht Operation

 

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Meike Hemschmeier, Vorsicht Operation, Pantheon 2015, ISBN 978-3-570-55250-6

 

Die Journalistin Meike Hemschmeier legt mit diesem Buch die erschütternden Ergebnisse einer systematischen Investigation unserer Krankenhäuser ab und dem System, nach denen sie arbeiten. Sie legt überzeugend dar, „wie wir zu Kranken gemacht werden und was wir dagegen tun können“.

Weil Krankenhäuser Operationen sehr gut bezahlt bekommen im Gegensatz zu anderen Leistungen, die die Menschen vielleicht stattdessen bräuchten, steht Deutschland weltweit an der Spitze der Operationen pro Einwohner. Viele davon sind unnötig und setzen die Patienten hohen Risiken aus, von denen die meisten nichts ahnen. Meike Hemschmeier weist nach, dass man in der Regel sich vor solchen unnötigen Eingriffen, oft als Ergebnis einer regelrechten „Jagd auf operierbare Patienten“, auch schützen kann, in dem man sich rechtzeitig kümmert um Alternativen, Zweitmeinungen einholt und auch langwierigen therapeutische Heilverfahren als Alternative nicht scheut.

Der Rezensent, der in den letzten Wochen jeden Tag in einem Krankenhaus verbracht hat, hat in dieser Zeit vor allem die Qualität und die Kompetenz des ärztlichen und des Pflegepersonal zu schätzen gelernt. Auch dies, so will ich betonen, ist ein Teil unserer Gesundheitssystems, mit dem die meisten Ländern dieser Welt sofort tauschen würden. Die Missstände, die Meike Hemschmeier aufdeckt, haben andere Gründe. Die noch in staatlicher oder kirchlicher Trägerschaft befindlichen Kliniken stehen vor dem finanziellen Aus, immer mehr Fusionen knappern an der Qualität, vom Pflegeschlüssel bis zum Auslagern nicht nur der Raumpflege und die Übernahme dieser ehemals unabhängigen Häuser in privatwirtschaftliche Hände die Helios und andere setzt die Gewinnorientierung an erste Stelle. Die Heilung des Menschen rutscht dann nach hinten.

Am Ende ihres Buches kann die Autorin keine Aspekte der Besserung sehen. Sie hält es aber für wichtig, dass potentielle Patienten, und das sind alle Leser, ihre Sorglosigkeit verlieren, und ein Stück Kontrolle über ihr eigenes Leben wieder gewinnen.

Ein ernüchterndes Buch.

 

 

 

 

 

 

Muscle Cars

 

 

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Darwin Holmstrom, Muscle Cars. Die fettesten Karren der Sechziger, Delius Klasing 2015, ISBN 978-3-667-10309-3

 

 

Nie wieder wird es eine Zeit geben wie die, in der die Muscle Cars ihren Höhepunkt erlebten. Als John Zachary DeLorean und seine enthusiastischen Mitstreiter auf eigene Kappe die fetteste Pontiac-Maschine in eine Mittelklasse-Karosse fallen ließen, schufen sie etwas, was es nach dem Willen der Bosse niemals hätte geben dürfen. Und was es niemals wieder geben wird: das Muscle Car.

Wer diese Projektile auf Rädern liebt, ist froh, dass sich auch die Unvernunft einmal durchsetzen durfte. Und dass es jetzt dieses Buch gibt. „Muscle Cars. Die fettesten Karren der Sechziger“ feiert die besten und seltensten Muscle Cars.

Indem er unter verschiedenen Lichtverhältnissen entstandene Aufnahmen übereinanderlegte, erschuf der Fotograf Randy Leffingwell für dieses Buch mit dem sogenannten Light Painting großartige, multidimensional wirkende Aufnahmen – jedes seiner Bilder ein Kunstwerk, so wie die Autos selbst. Und Autor Darwin Holmstrom liefert dazu nicht nur die Geschichte und die technischen Daten der Muscle Cars, sondern vielmehr Maschinen-Portraits, die den Fotografien ebenbürtig sind. Was braucht es mehr?

Zwei absolute Cracks auf ihrem Gebiet zeigen unter anderem:

• von General Motors: 1970 Buick GSX STAGE 1, 1970 Chevrolet LS6 Chevelle SS454, 1968 YENKO SUPER Camaro, 1970 Oldsmobile 442 W-30 Convertible, 1969 Pontiac GTO JUDGE Convertible, …
• von MoPar (Chrysler): 1970 AMC Javelin TRANS AM, 1969 Dodge Charger DAYTONA, 1963 Plymouth Sport Fury 426 MAX WEDGE, 1971 Plymouth ’Cuda HEMI Convertible, …
• von Ford: 1966 Ford Lightweight 427 Fairlane, 1968 Shelby GT500KR, 1969 Ford Mustang BOSS 429, 1968 Mercury Cougar GT-E 427, …

Dieser Bildband enthält die seltensten, absoluten Top-Modelle, die heute kaum noch auf der Straße zu sehen sind.

Für Fans dieser Autos ist das Anschauen und das Durchblättern durch dieses Buch ein wahrer Genuss. Für den kritischen Zeitgenossen sind sie Symbole einer Zeit, in der das Benzin billig, der Gedanken an die Umwelt noch weit entfernt und das Fahren einer solchen Kanone noch nicht mit schlechtem ökologischem Gewissen verbunden war. Wie auch immer. Heute ist sind es die großen und kleinen SUVs , die den Zorn der Ökologen hervorrufen und insbesondere bei Frauen immer mehr Anhänger finden. Insofern bleiben die Spleens der Autonarren und die Kritik der Umweltschützer immer gleich. Es soll ja Leute geben, die die Autos ernsthaft abschaffen wollen ….

 

Was sich bewährt hat

 

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Inge Friedl, Was sich bewährt hat. Begegnung mit alter Lebensweisheit, Styria 2015, ISBN 978-3-222-13522-4

 

Je komplexer, schneller und krank machender unsere Gesellschaft und unser ganzer Lebensstil werden, je mehr wachsen oft unklare und naive Sehnsüchte nach einem einfachen Leben, oder mindestens einem einfacheren als dem, unter die Menschen ächzen und stöhnen.

Die Österreicherin Inge Friedl hat es sich seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, im Land herumzureisen und Menschen und Familien zu befragen nach ihrem Leben in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Für ganz unterschiedliche, ausnahmslos sehr interessante Buchprojekte hat sie diese Gespräche mit Menschen in ländlichen Gebieten geführt.

Wie sie selbst schreibt, ist in ihr im Laufe der Zeit eine tiefe Hochachtung gewachsen, für diese Menschen, ihre Kultur und ihre Lebensweise. In einer Zeit ohne Strom und fließendes Wasser, stammte fast jedes Kleidungsstück aus der eigenen Produktion. Die Menschen waren aufeinander angewiesen und verbrachten jede freie Zeit miteinander, weil es nichts anderes gab.

Bei aller Bewunderung für die Lebensweise ihrer vielen alten Gesprächspartner, stellt Inge Friedl fest, dass es die gute alte Zeit so nie gegeben hat und ihr ist die Zwiespältigkeit der Erinnerung daran auch durch ihre Bücher bewusst.

Aber sie geht davon aus, dass es vielleicht das eine oder andere gibt, was wir heute von den Alten lernen können, was sich lohnt wiederentdeckt zu werden und bewahrt.

Bewahren sollte man das, was sich bewährt hat. Dem geht Inge Friedl in ihrem neuen Buch nach. Da geht es um Gemeinschaft, die sich durch Reden konstituiert und erhält, um Zufriedenheit, die sich von Gelassenheit ernährt und um einen sorgfältigen Umgang mit der Zeit. Die Kraft der Sonntagsruhe wird beschrieben und die Fähigkeit, auch einmal auf etwas warten zu können.

Es geht um gesundes und bewusstes Essen jenseits zeitgenössischer Ernährungsideologien, um Bescheidenheit im Leben, um das Glück, das das gemeinsame Singen bereitet und um einen würdigen Umgang mit der Trauer und den Tod.

Ein empfehlenswertes und gar nicht reaktionär daherkommendes Buch über die Notwendigkeit und das Glück eines neuen Lebensstils, der sich nährt aus dem Erfahrungsschatz alten Wissens.

Schlaf der Vernunft

 

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Tanja Kinkel, Schlaf der Vernunft, Droemer 2015, ISBN 978-3-426-19967-1

Tanja Kinkel, geboren 1969, ist eine der erfolgreichsten zeitgenössischen Schriftstellerinnen in unserem Land.  In über ein Dutzend Sprachen übersetzt, feiern ihre Romane auch im Ausland große Erfolge. Thematisch hat sie bisher eine  große Bandbreite bewältigt: von der Gründung Roms bis hin  zum Amerika des 21. Jahrhunderts reicht ihr literarisches Spektrum.

Nun hat sie sich in ihrem neuen Roman „Schlaf der Vernunft“, einer Thematik gewidmet,  die sie wahrscheinlich auch persönlich schon lange umtreibt. Die Geschichte der Rote Armee Fraktion und ihres Terrors in der alten Bundesrepublik und die Debatten um die Begnadigung verurteilter Terroristen, die Ende der neunziger Jahre die innenpolitische Debatte in der Republik für eine kurze Zeit bestimmte.

Sie hat dazu Figuren erfunden, wie es sie in der Realität durchaus gegeben haben könnte. Geschickt verwebt sie hervorragend recherchierte historische Fakten und Geschehnisse mit einer intensiven Beziehungsgeschichte zwischen einer Tochter und ihrer Mutter.

Die Tochter, Angelika Limacher, hat, nachdem ihre Mutter Martina Müller in den siebziger Jahren nach dem Tod von Holger Meins in den Untergrund ging, jeglichen Kontakt mit ihr abgebrochen. Als Martina Müller nun im Jahr 1998, der Gegenwartsebene des Romans, im Rahmen einer innenpolitisch motivierten Initiative der Regierung begnadigt wird, hat das Folgen nicht nur für ihre Tochter, sondern auch für die ehemalige Sympathisantin und jetzige Bundestagsabgeordnete Renate, die bei den Grünen aufgestiegen ist und sich in der möglichen neuen rot-grünen Regierung ein Regierungsamt erhofft.

Folgen hat die Freilassung von Martina Müller aber auch für die Verwandten der Opfer jenes Anschlages auf den Staatssekretär Werder, für den Martina Müller verurteilt wurde und für den einzigen Überlebenden, den Personenschützer Steffen.

Tanja Kinkel hat ihren Roman so aufgebaut, dass die Frage, wie sich all diese Personen ihrer Vergangenheit stellen, wie so etwas wie Verarbeitung des damaligen und aktuellen Geschehens möglich ist, verknüpft wird mit der Rekonstruktion dessen, was damals geschehen ist. In zahlreichen Rückblicken erzählt sie Martinas und auch Renates Geschichte einer politischen Radikalisierung, die für die eine im bewaffneten Kampf und für die andere im Marsch durch die Institutionen endete.

Deutlich wird vor allem dem Leser, der diese bleierne Zeit nicht miterlebt hat, wie sich der RAF-Terror entwickelte und wie er lange, unverarbeitet, wie ein Schatten über dem ganzen Land lag. Vom Kaufhausbrand in Frankfurt, über die Befreiung Baaders u.a. bis hin zum Göttinger Mescaleroartikel im Jahr 1977 wird die Geschichte literarisch sehr gut aufbereitet und in eine dichte Rahmenhandlung eingewoben, in der das Verhältnis zwischen Angelika und ihrer Mutter im Mittelpunkt steht. Die vielen Gespräche, die sie nach ihrer Freilassung auf Sylt führen, wohin die beiden zunächst einmal auch gegen den Willen von Angelikas Mann Justus  gefahren sind, waren für mich der inhaltliche Schwerpunkt eines Buches, das versucht zu verstehen, wie aus einer normalen Frau eine Mörderin werden konnte, und wie alle Beteiligten nach 20 Jahren zum Teil verzweifelt versuchen, mit den Folgen dieser Tat in ihrem Leben fertig zu werden.

Gibt es so etwas wie Reue und Einsicht auf der einen Seite? Und gibt es  einen denkbaren Ansatz von Versöhnung und Neuanfang auf der anderen?  Das Buch gibt keine eindeutige Antwort, aber es stellt die richtigen Fragen.

Wer sich mit der Geschichte der RAF befassen will im Kleid eines spannenden und bewegenden Romans, dem sei dieses Buch sehr empfohlen.

Der Hund, den Nino nicht hatte

 

 

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Edward van den Vendel, Anton van Hertbruggen, Der Hund, den Nino nicht hatte, Bohem 2015, ISBN 978-3-85581-552-4

 

Mit kräftigen und tiefen Bildern, die der Phantasie ihrer kleinen Betrachter freien Raum lassen und sparsamen Worten erzählen die beiden Autoren dieses aus der normalen Reihe der Bilderbücher herausragenden Buches die Geschichte eines Jungen namens Nino.

Nino ist viel allein, sein Vater ist oft weit weg und er spricht mit ihm am Telefon. Doch in seiner Phantasie hat Nino einen treuen Kameraden, „den Hund, den Nino nicht hatte“. Dieser Hund begleitet ihn überall hin, er ist mutig und springt sogar der Uroma, vor der sich Nino etwas fürchtet auf den Schoß.

Nach einem Campingurlaub mit seiner Mutter geschieht etwas, was Nino nicht für möglich gehalten hätte: „Nino hatte den Hund, den er nicht hatte, plötzlich nicht mehr.“ Er bekommt einen echten Hund geschenkt. Weich ist der und lieb. Gehorsam, frech und klein. Und, was neu ist für Nino: alle können seinen neuen Hund sehen.

Der kann zwar all das nicht, was der Hund, den Nino nicht hatte, konnte, hat auch vor der Uroma Angst und weiß vor allen Dingen nicht, wie es mit dem Papa ist, der nur am Telefon weit weg ist, doch das ist alle nicht schlimm.

Denn in seiner Phantasie denkt Nino an viele Tiere, die er nicht hat, den Hirsch, das Zebra, das Nicht-Nilpferd und das Nicht-Nashorn. Und an andere Hunde, die er nicht hat.

Ein beeindruckendes Bilderbuch über einen einsamen Jungen, der seinen Vater vermisst und dessen Phantasie kräftige, teilweise doch sehr dunkel Bilder malt. Es hat mich etwas traurig zurückgelassen.

 

 

 

 

ABC der Tiere

 

 

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Celestino Piatti, ABC der Tiere, Nord Süd 2015, ISBN 978-3-314-10267-7

 

Sein letztes bei Nord Süd veröffentlichtes Bilderbuch „Eulenglück“ war eine wunderbare Parabel über Zufriedenheit und Glück im Leben, das auch Erwachsenen beim Vorlesen eine Menge zu sagen hatte.

Nun setzt der Nord Süd Verlag die Wiederauflage von Büchern des 2007 verstorbenen Celestino Piatti fort mit dem „ABC der Tiere“. Auch hier taucht selbstverständlich wieder eine Eule auf, denn, wie er einmal sagte: „Man kann eine Eule tausendmal zeichnen, an ihr Geheimnis kommt man nicht heran.“

Neben den beeindruckenden Aquarellzeichnungen der vorgestellten Tiere, die das jeweils Besondere an diesem Lebewesen einzufangen versuchen, sind die daneben abgedruckten Reime von Hans Schuhmacher gerade zum Vorlesen ein Leckerbissen für Vorleser und die kleinen Hörer.

Vom Alligator bis zum Zebra währt ein unterhaltsamer und lehrreicher Spaziergang durch die Welt der Tiere für alle kleinen Menschenkinder, die mit Eifer sich für die Schule vorbereiten und schon das ABC lernen wollen.

Ich kann auch die anderen Bilderbuchklassiker von Celestino Piatti im Nord Süd Verlag nur empfehlen. Ein Künstler, von dem, ein Kritiker einmal gesagt hat: „Gefühl, Handwerk und Phantasie waren in hoher Konzentration die Ingredienzien seiner Lebensarbeit.“

 

Wann ist endlich Weihnnachten?

 

 

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Mark Sperring, Wann ist endlich Weihnachten, Orell Füssli 2015, ISBN 978-3-280-03510-8

 

Papa Brumm und sein kleiner Sohn Klein-Pip sind ein wunderbares Team. Schon in dem Bilderbuch „Wann habe ich endlich Geburtstag?“, das im Frühjahr 2015 erschien, hatte der englische Bilderbuchautor Mark Sperring die beiden vorgestellt und die unendliche Geduld eines liebevollen Vaters mit seinem kleinen Sohn beschrieben.

Was nun noch viel schwieriger zu erwarten ist als der eigene Geburtstag ist das Weihnachtsfest. Zwar gibt es an beiden Tagen Geschenke, doch an Weihnachten gibt es einen Baum, den man schmücken kann, die Wohnung verändert sich durch entsprechende Dekorationen und Lichter und auch eine Menge Weihnachtskarten müssen geschrieben werden an Freunde und Familienmitglieder. Geschenke werden besorgt und verpackt, und wenn dann am Tag vor Heilig Abend auch noch Schnee fällt, dann ist die Welt des kleinen Bärs in Ordnung.

Als die beiden zum letzten Mal sich schlafen legen vor dem großen Tag, da ist sogar der Papa Brumm ein wenig aufgeregt. Und dann ist es endlich soweit. Papa Brumm und sein kleiner Sohn begrüßen den Tag, auf den sie so lange gewartet und auf den sie sich sorgsam vorbereitet haben.

Beim Vorlesen wäre jetzt die Gelegenheit, den Kindern auch zu erzählen, was Weihnachten bedeutet und was wir da eigentlich feiern.

Ein schönes Bilderbuch, von Sebastien Braun wunderbar illustriert.

Gustav ganz groß

 

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Hans de Beer, Gustav ganz gross, Nord Süd 2015, ISBN 978-3-314-10310-0

 

Hans de Beer ist vielen Generationen von kleinen Kindern bekannt durch seine wunderbaren Bilderbücher über Lars, den kleinen Eisbär. Der macht sich meist unfreiwillig in jedem neuen Band auf eine große Reise und kehrt dann nach vielen Abenteuer glücklich nach Hause in die Arme seiner Eltern am Nordpol zurück.

Hans de Beer scheint dieses Kindheitsthema des Aufbruchs in neue Welten, des Sammelns neuer Erfahrungen und der immer wieder glücklichen Rückkehr nach Hause zu lieben. Denn auch in seinem neuen, hier vorliegenden Bilderbuch erzählt er davon.

Sein Held dieses Mal ist der kleine Dackel Gustav. Eigentlich müsste der mit seinem Leben sehr zufrieden sein, denn er hat ein liebes Frauchen und Herrchen, die es ihm an nichts fehlen lassen.

Doch er findet sich zu klein. Immer sieht er die Welt von unten, nirgends kommt er mit seinen kurzen Beinen hinauf, um auch mal eine andere Aussicht zu genießen. Auch die rührende Unterstützung seiner größeren Hundefreunde im Park bringt ihn nicht weiter und so streunt er durch die Stadt, durchaus mit vielen schönen Erlebnissen und Erfahrungen, doch so richtig gut geht es ihm erst, als er über eine große Treppe, die er entdeckt hat, plötzlich auf einer riesigen Brücke steht und die großartige Aussicht genießt.

Doch da wird es schon dunkel, er verlässt die Brücken über die Treppe und steht dann im wahrsten Sinne des Wortes im Regen. Ein Kater hilft ihm bei Nachhauseweg.

Glücklich dort angekommen, scheint ihm sein Kleinsein nicht mehr ein so ganz großes Problem. Er beschließt abzuwarten und zu wachsen. Aber eines muss er morgen unbedingt tun: seiner Freundin Emma von dieser sagenhaften Brücke zu erzählen….

Eine schöne Geschichte über einen sympathischen Dackel, von dem man gerne bald noch mehr erfahren würde in einem neuen Bilderbuch.

 

 

 

 

 

Der blaue Tiger

 

 

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Nicolas Barreau, Der blaue Tiger, Thiele Verlag 2015, ISBN 978-3-85179-329-1

 

Viele Freude von Nicolas Barreau (mir ist es gleich, ob es ihn wirklich gibt oder ob das an Pseudonym von jemand anders ist – er oder sie schreibt wunderbare Bücher) werden sich bei dem Titel „Der blaue Tiger“ an seinen Roman „Paris ist immer ein gute Idee“ erinnern. Dort wurde die Geschichte einer zunächst aussichtslosen Liebe erzählt, wurden viele verschiedene Fäden ausgerollt und dann gegen Ende in einem lebendigen Finale wieder zusammengeführt. Kurz zur Erinnerung an den Inhalt:

Da ist zunächst die junge und hübsche Rosalie Laurent. Sie betreibt einen kleinen Postkartenladen „Luna luna“ in Paris, und ihre Spezialität ist es, auf den speziellen Wunsch ihrer Kunden Einzelkarten zu bestimmten Anlässen oder für bestimmte Menschen zu malen. Als eines Tages ein alter Mann in ihren Laden kommt und sofort einen Postkartenständer umwirft, stellt er sich als der berühmte Kinderbuchautor Max Marchais heraus, dessen Bücher Rosalie als Kind geliebt hat. Dieser Max Marchais ist von seinem Verleger zu seinem 70. Geburtstag genötigt worden, noch einmal ein Kinderbuch zu schreiben, und er hat Max eben jene Rosalie als Illustratorin seines Buches empfohlen.

Rosalie fühlt sich geehrt, sagt den Auftrag zu und die beiden sind sich gleich sympathisch. Das kann man von dem jungen Amerikaner Robert Sherman und Rosalie nicht sagen. Denn als der einige Zeit später in ihren Laden kommt, stolpert er zwar auch über den Ständer, doch er sieht das Manuskript von Marchais` Erzählung, die Rosalie mittlerweile illustriert hat, auf einem Tisch liegen. Der Titel „Der blaue Tiger“ kommt ihm bekannt vor, denn seine verstorbene Mutter hatte ihm diese Geschichte nicht nur als Kind immer vorgelesen, sondern kurz vor ihrem Tod auch geschenkt. Robert, der als gelernter Jurist eigentlich die Kanzlei seines ebenfalls verstorbenen Vaters übernehmen soll, aber sich lieber der Poesie Shakespeares widmet, ist außer sich vor Wut. Er wittert ein Plagiat.

Das nun bringt Rosalie auf die Palme, obwohl sie vom ersten Augenblick, als Robert ihren Laden betritt, von seinen Augen fasziniert ist. Sie erinnern sie an jemand, aber wen?

Viele Missverständnisse mussten damals in diesem schönen Liebesroman geklärt und etliche Geheimnisse gelüftet werden, bis die Liebe siegen konnte. Aber was sich hinter dem Titel jenes Buches verbarg, das die beiden zusammenführte, blieb im Dunkeln.

Dieses Dunkel lüftet Barreau nun mit einem von Simona Mulazzani wunderbar illustrierten Bilderbuch und einer traumhaft schönen Geschichte über Freundschaft und die große Macht der Phantasie.

Für Erwachsene und Kinder gleichermaßen zu empfehlen. Wer Barreau mit diesem Buch zum ersten Mal begegnet, dem seien auch seine Romane ans Herz gelegt. Sie werden es erwärmen. Da bin ich sicher.