Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Kleiner Fuchs. Großer Himmel

 

 

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Brigitte Werner, Kleiner Fuchs. Großer Himmel, Freies Geistesleben 2015, ISBN 978-3-7725-2793-7

 

Als sein geliebter Großvater gestorben ist, ist der kleine Fuchs sehr traurig. Seine Mutter tröstet ihn. Opa sei jetzt im Himmel und der GroßeLiebeFuchs passe dort gut auf ihn auf.

Der kleine Fuchs hört gut zu, aber traurig ist er immer noch, Das ändert sich ein wenig, nachdem er in der Nacht von seinem Großvater Fuchs und vom LiebenGroßenFuchs im Himmel geträumt hat.

Was den kleinen Fuchs auszeichnet, ist, dass er über seine Traurigkeit redet, auch mit anderen Tieren. Jedes Tier, dem er begegnet und mit dem spricht, zeigt ihm einen anderen hilfreichen Aspekt, den der kleine Fuchs dann jeweils nachts in seinen Träumen verarbeitet

Und jedes Mal ist das Füchslein „ein kleinkleinkleinesbisschen weniger traurig.“ Vor allen Dingen lernt es, dass auch die anderen Tiere Vorstellungen haben davon, was mit ihnen passiert, wenn sie einmal sterben. Alle vertrauen sie auf ein ihnen ähnliches höheres Wesen.

Als der kleine Fuchs abends nach Hause kommt und seinen Eltern von seinen vielen Gesprächen berichtet, werden sie ganz nachdenklich, denn so wie ihr Kind begreifen sie: der GroßeAllesAllesWasIst behütet nicht nur den verstorbenen Großvater Fuchs, sondern er hat alle lieb. „So wie den kleinen Fuchs. So wie dich.“

Ein von Claudia Burmeister zart und behutsam illustriertes Bilderbuch, dem es meiner Meinung nach hervorragend gelingt, Kinder in ihrer Trauer um einen geliebten Menschen zu unterstützen und ihnen mit religiösen Bildern eine Vorstellung davon zu geben, dass kein einziges Menschenleben verloren ist.

Ich habe gehört, dass es Mitarbeiter in der Hospizhilfe gibt, die mit diesem Buch arbeiten, wenn sie Sterbenden zur Seite stehen auf ihren letzten Weg.

So etwas wie Familie

 

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Pierre Chazal, So etwas wie Familie, Deuticke 2015 ISBN 978-3-552-06297-9

 

„Am Anfang war ich nicht so dafür. Ja, geradezu dagegen. Fabienne brachte mich dazu, ja zu sagen.“

So beginnt der ich – erzählende Gemüsehändler Pierre seine Lebensgeschichte, die ihn, den einsamen Wolf, von einem auf den anderen Tag zu einem Anderen macht. Denn als Helene, die Frau, die er so geliebt hat, die aber nur seine Freundin sein wollte, stirbt, hinterlässt sie einen achtjährigen Sohn.

Ihr letzter Wille: Pierre soll sich um den kleinen Marcus kümmern und ihn groß ziehen. Nicht erst seit dem plötzlichen Tod seiner Mutter ist Marcus ein schüchterner und eher schweigsamer Junge, zu dem der Zugang schwierig scheint. Deshalb auch zögert Pierre zunächst, diese große Verantwortung zu übernehmen.

In ersten Teil dieses Romans, der von der ersten bis zu letzten Seite eine tiefe Menschlichkeit ausstrahlt, erzählt Pierre, wie sich die beiden trotz ihrer Unterschiedlichkeit zusammenraufen und aus ihnen bald so etwas wie ein gutes Team wird. Pierre ist immer sicherer, dass ihm mit Marcus etwas gelingen könnte, was sein eigener Vater in seiner Kindheit versäumt hat.

Doch dann geschieht etwas, was alles in Frage stellt, und Pierre erzählt den Rest des Buches aus einer Haftanstalt heraus. Warum ? Und was geschieht mit seiner Beziehung zu Marcus?

Das wird dem Leser dieses berührenden Buches erst langsam deutlich. Ein wunderbares Leseerlebnis, bei dem der Autor seinen Leser an ganz unerwarteten Stellen zum Lachen bringt. Ein Roman, der erzählt von Liebe und von der Verantwortung, die man für die hat, die man liebt.

Ein Buch, das lange im Leser nachhallt.

 

Herr Hase und Frau Bär. Die lustige Schlittenfahrt

 

 

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Christa Kempter, Frauke Weldin, Herr Hase und Frau Bär. Die lustige Schlittenfahrt, NordSüd 2015 ISBN 978-3-314-10315-5

 

Sie wohnen nun schon seit insgesamt vier Bilderbüchern zusammen in dem alten und schiefen, aber sonst ganz netten Häuschen mitten im Wald. Bei allem, was sie bisher zusammen erlebten oder taten, hatten der Herr Hase, dem das Haus gehört und seine im oberen Stock wohnenden Mitbewohnerin Frau Bär unterschiedliche Vorstellungen.

Wie das halt so ist bei Lebewesen, die miteinander leben (wollen). Insbesondere die Frage der Sauberkeit und der Ordnung ist immer wieder Thema bei den beiden und Anlass zu zum Teil heftigen Auseinandersetzungen. Doch irgendwie fanden sie bisher immer eine Lösung, die das jeweilige Vorhaben am Ende doch gelingen ließ.

So auch bei ihrem Vorhaben in dem vorliegenden neuen Bilderbuch. Es ist Winter, und in der Nacht hat es heftig geschneit. Während der Hase kräftig schaufelt, damit die Wege vorschriftsmäßig begehbar sind, wälzt sich Frau Bär erst mal genussvoll im Schnee. Der Hase ist sauer, weil Frau Bär ihm nicht hilft. Auch ihr Plan, einen Schneemann oder, wenn der Hase möchte, einen Schneehasen zu bauen, stößt auf wenig Gegenliebe.

Doch bald schon kann sie ihn zu einer Schlittenfahrt überreden, bei der es zu einem Unfall kommt, weil der Schlitten unter dem Gewicht des Bärs zusammenbricht und der Bär gegen einen Baum knallt. Nachdem der Hase Frau Bär liebevoll(!) versorgt hat, ruft er (wie schon so oft) deren Brüder zu Hilfe, und ein großer stabiler Schlitten für den Bär entsteht. Den ziehen sie dann gemeinsam zur Abfahrt.

Ein schönes Bilderbuch, das Kindern zeigt, wie man bei aller Unterschiedlichkeit von bestimmten Vorstellungen und Eigenschaften doch miteinander klar kommen kann im Zusammenleben und auch bei gemeinsamen Unternehmungen und Spielen.

Ein zwei Wolken am Himmel

 

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Dörthe Binkert, Ein zwei Wolken am Himmel, Thiele Verlag 2015, ISBN 978-3-85179-333-8

 

Nina Mathis wohnt im Süden Deutschlands. Ähnlich wie ihr Lebenspartner Leo, arbeitet sie in der Buchbranche, er als leitender Angestellter eines Buchverlags, sie als selbständige Künstlerin, die recht erfolgreich mit dem Entwerfen von Buchumschlägen ist. Sie haben Kinderwünsche hinten angestellt und besonders Leo träumt von einem Haus im Süden, wo er seine Ferien verbringen möchte. Ein modernes Paar, das aber zusammen nur an der Oberfläche glücklich ist.

Das wird ganz schnell offenbar, als Nina die Nachricht erhält, dass sie Alleinerbin einer verstorbenen Tante ist. Den Kern des Erbes bildet ein altes Reethaus, in dem die Tante seit langem einen Dorfladen betrieben hat.

Nina fährt sofort gen Norden in den kleinen Ort Nordhült. Dort findet sie sehr schnell die glücklichen Sommer und die Unbeschwertheit ihrer Kindheit wieder und sie fühlt etwas, was sie mit Leo nicht kennt:

„Plötzlich fühlte ich so etwas wie Einverständnis mit meinem Leben. Hier oben gefiel es mir, ich war selbst überrascht, wie deutlich ich das spürte. Es war, als ob die weite, offene Landschaft mir in den Genen läge, meine Mutter, meine Großmutter mir ihre Liebe zu flachen Land vererbt hätten. Warum eigentlich sollte ich mich nicht hier niederlassen, wenigstens versuchsweise?“

Leo ist bei den immer distanzierter werdenden Telefonaten mit Nina entsetzt über solche Gedanken. Zumal er spürt, dass Nina sich auch auf andere Weise von ihm entfernt. Das liegt auch an Ninas Jugendfreund Malte, der in Kiel arbeitet und den Nina in Nordhült wiedertrifft. Der Leser spürt viel eher, als die beiden Jugendfreunde sich das eingestehen wollen, dass sich hier eine neue emotionale Heimat andeutet.

Und nach einigen Verwirrungen und Missverständnissen kommen sich die beiden näher, während die alte Beziehung immer fadenscheiniger wird…

Dörthe Binkert hat einen leichten, unterhaltsamen Liebesroman geschrieben ohne Kitsch, eine Liebesgeschichte, in die man eintaucht und sich in ihrem Zauber verlieren kann. Mit viel sprachlichem Witz und mit viel Liebe zur norddeutschen Kultur und Lebensart verfasst, hat mich das Buch an mehrere Aufenthalte auf Nordstrand erinnert, die nun aber auch schon 40 Jahre zurückliegen.

 

 

 

 

 

 

Die Rabenrosa

 

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Helga Bansch, Die Rabenrosa, Jungbrunnen 2015, ISBN 978-3-7026-5874-8

 

Schon in ihrem 2008 erschienenen Buch „Ein schräger Vogel“ hatte es die Künstlerin Helga Bansch mit den Raben und dem Anderssein. Die Geschichte von dem Raben Robert, der anders ist und auch anders sein will und damit den Unwillen seiner Artgenossen hervorruft, war ein wunderbares Bilderbuch über den Mut zur Individualität , den Zwang zum Konformen und darüber, wie das Bunte über das Schwarze siegt, die Lebenslust über den Lebensfrust, das Spontane über die strenge Ordnung, die Phantasie über die Disziplin.
Nun greift Helga Bansch das Rabenthema und das Anderssein wieder auf und erzählt die Geschichte von Rosa, die mit vier anderen Rabenkindern aus dem Ei schlüpft. Die Eltern nehmen ihre Andersartigkeit natürlich sofort wahr, aber sie nehmen sie wie sie ist und behandeln sie gleich. Sie nennen sie, die sich als kleines Menschenkind herausstellt, „unsere kleine Rabenrosa“. Sie kann natürlich nicht mit ihren vier Geschwistern fliegen lernen und so bleibt sie allein mit ihren Eltern im Nest zurück. Die nehmen sie mit auf ihre große Reise und bald schon wird Rabenrosa bei der Futtersuche für ihre neuen Geschwister helfen. Und der Frosch Rudi will ihr das Schwimmen beibringen….

 

Nachdem sie lange versucht, sich anzupassen, macht sie endlich einfach das, was ihr guttut. Sie entdeckt für sie ganz neue Fähigkeiten und lernt, einfach auf andere zuzugehen – mit ganz überraschenden Ergebnissen

fünfter sein

 

 

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Ernst Jandl, Norman Junge, fünfter sein, Beltz & Gelberg 2015, ISBN 978-3-407-76005-0

Ein Gedicht des Wortkünstlers und Sprachspielers Ernst Jandl und farbenfrohe Zeichnungen von Norman Junge: sie kommen in einem Bilderbuch zusammen, das seit seinem ersten Erscheinen 2001 mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Im Gedicht selbst deuten die Worte zunächst nur an, worum es geht bis mit der letzten Zeile: „tagherrdoktor“ endgültig klar ist, dass es um eine allen Menschen bekannte Situation geht: man sitzt im Wartezimmer einer Arztpraxis und wartet bis man dran kommt. Mit einem unruhigen Gefühl rutscht man in der Warteschlange immer weiter, bis man selbst aufgerufen wird.

Die Zeichnungen Norman Junges sind witzig, spielen mit Licht und Schatten und fangen die Atmosphäre eines Wartezimmers perfekt ein. Mit den lustig gezeichneten Spielzeugtieren als Patienten können sich die Kinder gut identifizieren. Ihr wechselndes Mienenspiel ist genial gezeichnet und der witzige Arzt, der auf der letzten Seite zu sehen ist, setzt allem die Krone auf.

Ein schönes Buch, das sicher von vielen Erwachsenen goutiert wurde und wird. Es ist auch nicht ungeeignet dazu, kleine Kinder auf einen langweiligen Arztbesuch vorzubereiten. In diesen Praxen sollte das Buch übrigens überall ausliegen.

Du schnarchst, Schubert

 

 

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Zachariah Ohora, Du schnarchst, Schubert, NordSüd Verlag 2015, ISBN 978-3-314-10309-4

 

Schubert ist eine kleine Otter. Er lebt zusammen mit anderen Ottern und weiteren Tiere im Zoo,. Er lebt gerne dort, doch besonders nachts gibt es ein großes Problem. Schubert schnarcht so laut, dass die anderen Ottern nicht schlafen können.

Und so wandert er nachts von einem Ort im Zoo zum anderen, überall dort, wo er etwas Wasser findet, doch bei den anderen Tieren wird er auch vertrieben, weil sie durch sein lautes Schnarchen nicht schlafen können: beim Krokodil, bei den Giraffen, bei den Elefanten:

„Schubert war traurig und einsam. Nach langem Suchen fand er ein verstecktes Plätzchen, rollte sich zusammen und schlummerte ein.“

Derweil vermissen ihn seine Otternfreunde schon sehr und sie suchen die ganze Nacht nach ihm. Als Schubert am Morgen aufwacht, sieht er hunderte von Fledermäusen an der Decke hängen, die ihn bitten, nun die Höhle zu verlassen. Sie seien die ganze Nacht draußen gewesen, aber nun müssten sie schlafen.

Traurig will Schubert schon den Zoo verlassen, als er die Rufe der anderen Ottern hört. Sie hätten ohne ihn nicht schlafen können und bitten ihn, doch zurückzukommen. Denn sie haben mit Ohrstöpseln eine Lösung gefunden.

Ein schönes Bilderbuch mit einfachen und minimalistischen Illustrationen, das eine wunderbare Geschichte erzählt über Eigenarten Einzelner in der Gruppe (Familie) und der Zusammengehörigkeit, die es schafft, immer wieder mit diesen Eigenarten umzugehen und Lösungen zu finden. Lösungen, die den Einzelnen bleiben lassen, was und wie er ist, und die doch die Gemeinschaft schützen.

 

Fünf Grundsteine für die Familie

 

 

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Jesper Juul, Fünf Grundsteine für die Familie, Kösel 2015, ISBN 978-3-466-31050-0

Als eine Einführung in die Familienpädagogik des Dänen Jesper Juul und als eine Zusammenfassung seiner Ideen gleichzeitig kann das vorliegende Buch gelesen werden. Jesper Juuls Erkenntnisse aus über 35 Jahren Beratungspraxis in Familientherapie fasst er hier in fünf Grundsteinen zusammen, auf deren Basis, so ist er sich sicher, ein Familienleben gelingt. Wie immer betont er dabei nicht die Schwierigkeiten, sondern er fokussiert auf die Ressourcen, die jede Eltern-Kind-Beziehung hat.

Dabei geht es um:

 

  • Kooperation und Integrität
  • Selbstvertrauen und Selbstgefühl
  • Persönliche Verantwortung
  • Die Kunst, Nein zu sagen
  • Eltern als Leuchttürme

 

Die eher theoretischen Ausführungen zu diesen fünf Grundsteinen werden ergänzt durch Auszüge von Gesprächen, die Juul in seine Therapiepraxis mit Eltern zu den jeweiligen Themen geführt hat.

Ob die Kinder erst ganz klein, im Grundschulalter oder schon in der Pubertät sind: das Buch ist ein hilfreicher Ratgeber zum Ausbau der eigenen Erziehungskompetenz, die Juul bei alle Eltern grundsätzlich annimmt, und die zu entwickeln er ihnen mit seinen Büchern helfen möchte.

 

 

 

Die großen Crashs 1929 und 2008

 

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Barry Eichengreen, Die großen Crashs 1929 und 2008, FBV 2015, ISBN 978-3-89879-890-7

 

Barry Eichengreen gilt als einer der renommierten Analytiker der Weltwirtschaft. In diesem sehr umfangreichen und für Laien nicht leicht zu lesenden Buch vergleicht er die große Depression und die anschließende Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1933 mit der jüngsten Finanzkrise von 2008, ausgelöst durch die Pleite der Lehmann Bank und bis heute nachwirkend.

Sicher haben die Erkenntnisse über die damaligen Ursachen die handelnden Personen nach 2008 beeinflusst. Eichengreen weist zum Beispiel darauf hin, das Ben Bernanke während seines Studium die Weltwirtschaftskrise 1929ff. ausführlich analysiert habe und deshalb mitverantwortlich zeichnete, dass 2008 ff. die Finanzmärkte in nie gekanntem Umfang mit Liquidität versorgt worden, quasi zum Nulltarif bis zum heutigen Tag.

Bei den Ursachen ähneln sich die beiden Krisen – wenn auch teilweise erst auf den zweiten Blick. So beschreibt Eichengreen den Immobilien- und Aktienboom mit ihren Auswüchsen von damals und heute und erläutert z. B., warum der Euro – wie damals der Goldstandard – die Probleme noch verstärkte und in andere Länder übertrug.
Eichengreen beschreibt aber auch die Unterschiede. So ist das Finanzsystem komplexer und globaler geworden, wobei z. B. das Schattenbankensystem der Hedgefonds und die Emittenten von Derivaten neue Probleme hervorgerufen haben, für die die Historie keine Lektionen bereithalten konnte. Daher warnt Eichengreen auch davor, die Vergangenheit zu vorschnell als Quelle bei der politischen Entscheidungsfindung heranziehen. Auch wenn in Krisen schnell gehandelt werden muss, bewahrt dies nicht vor sorgfältigen Analysen.

 

Ernest und Celestine. Celestines Entdeckungen

 

 

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Gabrielle Vincent, Ernest und Celestine. Celestines Entdeckungen, Carl Auer 2013, ISBN 978-3-8497-0015-7

 

 

Die Französin Gabrielle Vincent (1928-2000) gehört nach wie vor zu den bekanntesten Bilderbuchkünstlerinnen im französischsprachigen Raum. Vor allem mit ihren fast zwei Dutzend Bilderbüchern über den Bären Ernest und die Maus Celestine ist sie berühmt geworden und mehrfach ausgezeichnet worden.

Im letzten Buch der Reihe, das ursprünglich posthum 2001 im Original erschien, geht es um „Celestines Fragen“. Fragen, die der Bär Ernest seit vielen Jahren fürchtet und die er in diesem Buch so wahrheitsgetreu wie möglich beantwortet. Celestine will nämlich wissen, wie sie geboren ist.

Und Ernest stellt sich der schwierigen Aufgabe, von der er wusste, dass sie irgendwann auf ihn zukommen würde, und erzählt Celestine, wie er sie als kleines Baby in einem Mülleimer gefunden und dann aufgezogen hat.

Immer wieder muss er die Geschichte wiederholen und irgendwann im Laufe des Tages gehen sie auch beide zu der Stelle, wo er sie damals fand. Und Celestine sagt: „Was für ein Glück, das du mich gehört hast.“

 

In den hier vorliegenden aus der in Frankreich so erfolgreichen Reihe, nutzt Celestine Ernest Abwesenheit, um endlich auf die Spur der verschlossenen Schublade zu kommen. Und sie öffnet sie mit dem im Krug versteckten Schlüssel. Eine Menge Dinge sind da zu entdecken, vor allem, aber eine Vielzahl von Fotos von Ernest, als er noch klein, als Jugendlicher und junger Erwachsener. Doch dem ersten Entzücken über den Fund weicht bald eine große Wut, denn von ihr selbst ist kein einziges Bild dabei. Dafür aber von einer Menge anderer kleiner weisser Mäuse, die sich an Ernest kuscheln.

Groß ist die Enttäuschung, nicht die einzig Wichtige in Ernests Leben zu sein, Ein quälendes Gefühl der Eifersucht stellt sich ein. Celestine fühlt sich hintergangen. Zweifel ergreifen sie: Zweifel an Ernest, Zweifel an sich selbst, Zweifel am eigenen Wert. Kein einziges Foto von ihr!

 

Wie Ernest auf die veränderte und verschlossene Celestine nach seiner Rückkehr reagiert und wie er sich verhält, wird in einem Nachwort als auch für Eltern beispielhaftes Verhalten im Umgang mit kindlicher Eifersucht beschrieben

 

Welchen Segen für Eltern und Kinder das Erzählen von Geschichten darüber haben kann, zeigt das von Heidi Varin und Christel Rech-Simon übersetzte Buch. Letztere, analytische Kinder- und Jugendlichentherapeutin, hat auch das Nachwort verfasst und zeichnet als Herausgeberin für die hoffnungsvoll gestartete neue Reihe „Carl-Auer-Kids“ verantwortlich.