Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Zwölf Leben

 

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Ayana Mathis, Zwölf Leben, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14436-0

 

Von der amerikanischen Kritik schon mit der ersten schwarzen Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison verglichen, ist das Romandebüt von Ayana Mathis tatsächlich ein erstaunlich reifes und tiefes Buch.

Es erzählt in einzelnen Geschichten von der Afroamerikanerin Hattie und ihren elf Kindern. Jeder dieser zwölf Personen hat sie ein Kapitel gewidmet, die in einem Zeitrahmen zwischen 1925 und 1980 angesiedelt sind. Immer mehr, je weiter die Erzählungen schreiten, ergibt sich ein Bild einer Familie, ihren verschiedenen Charakteren und der Entwicklung der einzelnen Personen in einer Gesellschaft, die den Afroamerikanern ihre Rechte verweigert und durchsetzt ist von verdecktem und offenem Rassismus.

Erschütternd sind sie oft, die Schicksale der einzelnen Personen und lassen den Leser mehr als einmal regelrecht sprachlos zurück. In einer verzaubernden und mitreißenden Handlung wird mit einer poetischen und an Bildern reichen Sprache erzählt von Hoffnung und Liebe und von Schuld und Vergebung.

Mit großer Spannung dürfen die Leser in den USA und dann auch in Deutschland ihr zweites Buch erwarten, von dem zur Zeit nicht bekannt ist, wann es erscheinen wird. Dann wird sich auch zeigen, ob die schnellen Vergleiche mit Toni Morrison standhalten.

Melodie d`amour

 

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Margriet de Moor, Melodie d`amour, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14440-7

 

In vier in einem inneren Zusammenhang stehenden, doch jede für sich abgeschlossenen Geschichten erzählt die große niederländische Schriftstellerin Margriet de Moor von dem Gefühl, das wir Liebe nennen und seinen unzähligen Spielarten.

Die Protagonisten, die sie erfunden hat dafür, sind keine besonderen Figuren, sondern eher Menschen wie du und ich. Schon in ihrem Romandebüt „Erst grau dann weiß dann blau“ hatte Margriet de Moor 1991 die jetzige Form mit vier Kapiteln aus vier Perspektiven genutzt, zu dem sie nun zurückkehrt.

In allen vier Teilen dieses sprachlich vorzüglichen Romans geht es um ein zentrales Unterthema, das Verschweigen. Die Verschwiegenheit ihrer Protagonisten und seine kurz- und langfristigen Folgen sind typisch für Margriet de Moors Stil und Erzählhaltung. Sie braucht keine psychologischen Erkenntnisse und Interpretationen um die Macht und die Skurrilitäten der Liebe zu erklären.

Immer wieder respektiert sie die Liebe als ein letzten Endes unergründliches Gefühl, das nicht rational erklärt werden kann. Deshalb urteilt sie auch nicht über ihre Figuren, sondern schildert deren Gefühle und Handlungen mit einem aus Sympathie geborenen Abstand. In vielfältigen Wendungen und Schleifen, in denen es geht um Leidenschaft und Verrat, beschreibt sie sowohl erfüllte als auch zerstörende Varianten der Liebe zwischen Frauen und Männern. Sie zeigt, wozu die Liebe fähig ist, und was sie aus früher besonnenen Menschen machen kann.

Eine schöne, angenehme und sprachlich anspruchsvolle Lektüre.

Der Geschmack der Sehnsucht

 

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Kim Thuy, Der Geschmack der Sehnsucht, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14446-9

 

In ihrem ersten 2010 in Deutschland erschienenen epigrammatischen Buch „Der Klang der Fremde“ schreibt die in Vietnam geborene und als Zehnjährige mit ihren Eltern in den Westen geflohene Kim Thuy, die nun mit ihrem Mann und zwei Kindern in Montreal lebt:
„Man glaubt immer, das Leben von Einwanderern sei nur schwer. Und vergisst dabei, dass ihre Erfahrungen auch wunderbare, lustige, bewegende und oft ganz absurde Momente einschließen“.

Dieses kleine Erstlingswerk war ein bewegendes und eindrückliches Buch, durchzogen von einer tiefen Dankbarkeit an das Leben, das es bei allem Leid und allem erlebten Schrecklichen doch gut mit ihr gemeint hat.

Diese Haltung und diese Stimmung durchziehen auch ihren neuen hier vorliegenden Exilroman „Der Geschmack der Sehnsucht“. Er erzählt in kurzen Geschichten und Epigrammen die Geschichte eines jungen Mädchens, das in den Wirren des vietnamesischen Bürgerkriegs verloren geht und von einer „Mutter“ an die nächste gegeben wird. Erst die dritte Frau, die sich um das Mädchen kümmert, trifft eine Entscheidung. Um ihr eine gute Zukunft zu sichern, wie sie glaubt, arrangiert sie eine Ehe mit einem älteren Vietnamesen, der vor langer Zeit schon nach Kanada ausgewandert ist und der dort eine Suppenküche betreibt.

Es ist ein zunächst sehr ungleiches Paar, das nun ein Zusammenleben versucht. Die junge Frau, die in der ersten Zeit die Suppenküche nicht verlässt und permanent arbeitet, erinnert sich an den „Geschmack der Sehnsucht“, an die Kunst des Kochens, das Alphabet der Gewürze und ihre Sprache, und an die unzählige Kräuter und Ingredienzen, von denen jede einzelne eine Bedeutung hat und eine Geschichte erzählen kann. All das hat ihre leibliche Mutter sie einst gelehrt. Das, was sie zunächst vor den mehr und mehr begeisterten Kunden noch verborgen da kocht und zusammenmischt, spricht sich herum, so gut schmeckt und bekommt es. Das Ehepaar wird bekannt und die Leute rennen ihnen den Laden ein. Mit ihrem Erfolg, und das ist der Kern des Buches, entdeckt die junge Frau sich selbst, und findet eine eigene Sprache, in der sie endlich auch Wünsche und Sehnsüchte formulieren kann und darf. Und dann schreibt sie so wunderbar poetische Sätze wie den über das Glück (hanh phuc) und seine Farbe Rot:
„Aus Aberglauben muss jedes Geschenk in dieser Glücksfarbe verpackt sein, denn Eheleute brauchen sehr viel Glück, um jene Balance zu finden, die es zwei Menschen ermöglicht, ein einziges Leben zu schaffen, das wiederum andere Leben tragen muss.“

Und genau das begegnet ihr eines Tages selbst. Sie entdeckt überraschend eine starke Liebe, die ihr ungeahnte Möglichkeiten neuen Lebens aufzeigt.

Ein wunderbar poetisches Buch über die Kraft der Sehnsucht und der Liebe, und wie sie über ungeahnte Weiten und Hürden tragen kann, auch in einem neuen Leben in der Fremde.

Das Blutbuchenfest

 

 

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Martin Mosebach, Das Blutbuchenfest, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14441-4

 

Fällt in Literaturkreisen der Name des Büchnerpreisträgers Martin Mosebach, da scheiden sich gleich die Geister. Und das nicht etwa wegen unterschiedlicher Vorstellungen von der Qualität seiner Romane und Essays, sondern hauptsächlich wegen dem, wofür Martin Mosebach steht. Als überzeugter konservativer Katholik, der den lateinischen Ritus verteidigt, ist er für eine mehrheitlich religionskritische Kultur- und Literaturkritik ein Ärgernis.

Doch er, immer korrekt gekleidet mit Fliege und Einstecktuch, lässt sich davon nicht beirren. Er verfügt seit Jahren über ein beeindruckendes polemisches Temperament und wird auch mit seinem neuen Buch die Geister scheiden. Und das nicht nur, weil er Sofa mit ph schreibt und die deutsche Sprache in ihrer wunderbaren Vielfalt beherrscht wie kaum ein anderer. Sondern einfach deshalb, weil es ein Buch ist von Martin Mosebach.

Den Rezensenten hat der neue Roman mit dem Titel „Das Blutbuchenfest“ gefesselt von der ersten Seite an. Es ist ein Buch voll hintergründigem Witz und es zeugt in der Schilderung seiner unterschiedlichen Protagonisten von einer tiefen und reflektierten Menschenkenntnis seines Autors.

Der Roman spielt in Frankfurt. Es ist die Zeit Anfang der neunziger Jahre. Kaum war die Berliner Mauer gefallen und die Welt begann von einem neuen friedlichen Zeitalter zu träumen, da beginnen im zerfallenden Jugoslawien Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Ethnien und religiösen Gruppen, die man in Europa so nie mehr für möglich gehalten hätte.

Es ist die weibliche Protagonistin des Buches, Ivana, die, seit vielen Jahren schon illegal Frankfurt lebend, für viele andere Figuren aus dem illustren Kabinett Martin Mosebachs putzt, die die Verbindung herstellt zwischen dem einen Handlungsort Frankfurt und den teilweise ins Lächerlich-Absurde gezogenen Spleens seiner dort sich tummelnden Figuren und der demgegenüber fast archaisch anmutenden Heimat Ivanas in den bosnischen Bergen.

Die meisten Figuren, auch der namenlose Ich-Erzähler, ein gescheiterter Kunsthistoriker, der bisher nicht viel aus seinem Leben gemacht hat, treffen sich mehrfach in der Woche in einem angesagten Restaurant, bei Merzinger. Dort fröhnen sie an verschiedenen Tischen ihren aufgeblasenen und hohlen Ideen. Unter anderem der sich intellektuell gebende Wereschnikow. Er hat schon einmal mit Henry Kissinger gesprochen und er kennt Boutros Ghali. Mit deren Unterstützung will er mit einem internationalen Kongress über Menschenwürde insbesondere das Werk von Mestrovic, dem Michaelangelo Bosniens in einer Ausstellung zeigen.

Hier zeigt Mosebach seine politische Polemik gegenüber einer damals im Westen herrschenden Stimmung, die sich gegenüber dem atavistischen Geschehen des Bosnienkriegs völlig hilflos zeigte. Insbesondere die Kapitel, in denen Ivana, eine entfernte Verwandte des Bildhauers, und der Erzähler nach Bosnien reisen, zeigen in einer auch sprachlich beeindruckenden Weise, wie entfernt die beiden Welten voneinander sind.

Und dass, während dort der Krieg ausbricht, hier ein Fest gefeiert wird, bei dem es nur um Fressen und Saufen geht, spricht für sich.

Jede seiner vielen anderen Figuren, die hier nicht erwähnt werden, hat Mosebach meisterhaft gezeichnet. In einer Sprache und mit einer Grammatik, die mich jedenfalls auf jeder Seite neu gefangen genommen und begeistert hat. Mosebachs anspruchsvoller Stil macht sein Buch nicht zum Pageturner, dennoch kann man es kaum aus der Hand legen vor lauter stiller Begeisterung.

Kirche überlebt

 

 

 

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Reinhard Marx, Kirche überlebt, Kösel 2015, ISBN 978-3-466-37152-5

 

In seinem neuen Buch präsentiert der Münchner Kardinal und enge Berater von Papst Franziskus, Reinhard Marx ein Plädoyer für die Erneuerung der katholischen Kirche. Keiner oberflächlichen Anpassung an die Moderne redet er das Wort, sondern einer geistlichen Offensive und einer radikalen Öffnung zur Welt. Das Buch ist, obwohl es wohl in sehr kurzer Zeit geschrieben worden, alles andere als oberflächlich. Es ist eine tiefgehende Analyse der schwierigen gegenwärtigen Situation der Kirche und ein kraftvoller Appell für eine glaubwürdige und zukunftsorientierte Kirche

Die globalisierte Welt und die kulturell vielfältige Gesellschaft brauchen „ das Evangelium und die Kirche als kritische Wegbegleiterin, die sich nicht zurückzieht und sich nur an der Vergangenheit orientiert“. All denen, die dadurch die Substanz gefährdet sehen, sagt er: „Das Alter und die Autorität einer Institution schützen weder vor dem Niedergang noch reichen sie aus als Quelle der Erneuerung. Wer darauf baut, sollte sich eher bemühen, die Kirche zum Weltkulturerbe zu erklären.“ Kirche als Institution sei kein Selbstzweck. Sie sei eine Gemeinschaft, die sich auf die ganze Welt hin richtet, auf alle Menschen. Ihre Aufgabe: diesen Menschen die befreiende Botschaft des Glaubens nahe zu bringen.

Diplomatisch sehr geschickt versucht er durch seine Formulierungen möglichst viele Kritiker mit ins Boot zu nehmen und die Laien zu stärken:

„Der Weg der Erneuerung kann nur in einem neuen Miteinander, im Hören auf das Evangelium und in einer verstärkten, synodalen Suchbewegung gefunden werden.“

Er plädiert für eine größere Dezentralisierung, mehr Eigenständigkeit der Ortskirchen (die keine Filialkirchen Roms seien), bessere Verwaltungen und moderne Personalführung. „Der Umgang mit dem Missbrauchsskandal hat uns da aufgerüttelt und sensibel gemacht für eine ordentliche, stringente Personalverwaltung und Personalführung.“

Alles in allem glaubt Marx fest daran, dass seine Kirche lebt und auch „über“ lebt. Die Familiensynode im Oktober wird zeigen, wie groß die Unterstützung des Klerus in den Fragen ist, die Marx so sehr umtreiben.

Ein wichtiges Buch, das ich als evangelischer Theologe mit großen Interesse und viel Zustimmung gelesen habe.

 

 

Stark wie ein Phönix

 

 

 

 

 

 

 

 

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Michaela Haas, Stark wie ein Phönix, O.W. Barth 2015, ISBN 978-3-426-29240-2

 

Schon seit vielen Jahren hat sich in der psychologischen Forschung ein Begriff etabliert, mit dem die Forscher eine immer wieder bei einigen ihrer Patienten und Klienten beobachtete Kraft bezeichnen, mit Hilfe derer sie aus einer deprimierenden Situation oder nach einem erlebten Trauma wieder in das normale und volle Leben zurückkehren konnten. Mit der sie Widerstand leisten konnten gegen die sie bisher krank machenden Zumutungen ihrer Umwelt und mit der sie wieder optimistisch ihren Blick nach vorne richten und ihr eigenes Leben im Griff behalten konnten.

Die Schweizer Paar-, Familien- und Organisationsberaterin Rosmarie Welter-Enderlin hat Resilienz schon früh ein „Gedeihen trotz widriger Umstände“ genannt. Es bezeichnet eine psychische Fähigkeit von Individuen, die durch verschiedene Gründe vielen Menschen in der heutigen Zeit abhanden gekommen ist, beziehungsweise sie waren gar nicht der Lage, sie in ihrer Kindheit und Jugend zu entwickeln.

Die Psyche besitzt eine Art Schutzschirm, die den Menschen krisenfest macht. Der Kern der Resilienz ist das unerschütterliche Vertrauen in die Fähigkeit, sein eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Dieses Vertrauen stützt sich auf sieben Säulen unserer inneren Stärke: Optimismus, Bewältigungsorientierung, Verlassen der Opferrolle, Akzeptanz, Verantwortung, aktive Zukunftsplanung, Netzwerke und Freundschaften.
Neue Forschungen zum posttraumatischen Wachstum eröffnen eine revolutionäre und überraschende Sicht auf das Thema Trauma. Menschen können auch nach schwersten Krisen Weisheit und Kraft schöpfen, um sich ihr Leben wieder neu aufzubauen. Mit den richtigen Strategien sind sie sogar in der Lage, an den Krisen innerlich zu wachsen und ihre Erfahrung an andere weiterzugeben.
Michaela Haas erklärt das Phänomen in dem vorliegenden Buch anhand von zwölf eindrucksvollen Porträts. Sie interviewte unter anderem die Menschenrechtslegende Maya Angelou, die erfolgreiche Autistin Temple Grandin, den Auschwitz-Überlebenden Coco Schumann und trommelte mit Def Leppard-Schlagzeuger Rick Allen
Die aufbauenden Erkenntnisse dieser von Schicksalsschlägen gezeichneten Menschen werden durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigt, und sie zeigen: Diese Fähigkeiten stecken in uns allen! Wie wir sie aktivieren können, zeigt Michaela Haas zusätzlich durch effektive Übungen zum Aufbau von Resilienz.

Denn Resilienz als das unerschütterliche Vertrauen in die Fähigkeit, sein eigenes Leben in den Griff zu bekommen ist etwas, das man nicht einmal erwirbt und dann immer behält, sondern dieses Vertrauen und diese Fähigkeit müssen immer wieder „genährt“ und geübt werden.

Es ist eigentlich gleich, an welchem Punkt man beginnt. Hilfreich ist es jedoch immer, wenn man so etwas wie eine spirituelle Haltung und Lebenspraxis besitzt. Und vor allen Dingen immer für sich selbst entscheidet, was einem gut tut: „Stärke ist immer eine Kombination von vielen Faktoren“.

Diesen Faktoren der eigene Stärke auf die Spur zu kommen und sie dann schrittweise einzuüben und Sie auch in die Erziehung der eigenen Kinder zu integrieren, dazu hilft das vorliegende Buch auf ganz hervorragende Weise.

 

 

 

 

The Alpina Book

 

 

 

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Paolo Tumminelli, The Alpina Book, Delius Klasing 2015, ISBN 978-3-667-10312-3

 

In Buchloe im Ost-Allgäu ist Deutschlands kleinster und nach der Meinung vieler Autofans auch feinster Autohersteller beheimatet: das auf der Grundlage von BMW-Automobilen operierende Fabrikat Alpina des Firmengründers Burkhard Bovensiepen . BMW Alpina feiert in diesem Jahr sein 50jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass ist dieser voluminöse Band erschienen, für dessen Herausgabe der Professor für Automobildesign Paolo Tumminelli verantwortlich zeichnet. Tumminelli, der sich nicht zuletzt durch seine dreiteilige Buchreihe zum „Car Design“ einen Namen gemacht hat, ist jedoch nicht der alleinige Autor; vielmehr ist durch weite Teile des Buchs auch die prägnante und pointierte Handschrift Burkhard Bovensiepens erkennbar.

Der 50jährigen Historie entsprechend ist der Band in 50 Kapitel gegliedert, nicht streng chronologisch, sondern themenorientiert. Nach den Vorworten von Axel Milberg und Norbert Reithofer folgt eine Einführung durch den Herausgeber, die die Bezeichnung „Bedienungsanleitung“ trägt. Es geht darum, dass das Alpina-Buch im Wesentlichen ein Porträt des Firmengründers, geworden ist.

Um dem Leser die Struktur und die Gestaltung des Buchs näher zu bringen, schreibt Tumminelli : „Die chronologisch nicht lineare und stilistisch schizophrene Sammlung von 50 Geschichten bemüht sich, dieser Vielschichtigkeit gerecht zu werden……Der Austausch mit Burkhard Bovensiepen – der nach wie vor ein begnadeter Texter ist – war dabei essenziell für das Resultat“. Natürlich drängt sich da, insbesondere auch unter Berücksichtigung des in den Firmenfarben von Alpina gehaltenen Layouts, der Verdacht eines Promotion-Bandes auf. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass sich Tumminelli trotz eindeutigen Lobes und großer Bewunderung für das Lebenswerk Bovensiepens den kritischen Blick für die eine oder andere „diplomatische Ungeschicklichkeit“ des Firmenpatriarchen bewahrt hat.
Die Geschichte von Alpina beginnt mit dem von Otto Rudolf Bovensiepen gegründeten Unternehmen zur Herstellung von Büromaschinen, bevor sich dessen Sohn Burkhard Bovensiepen 1963 erstmals mit der Leistungssteigerung von BMW-Automobilen durch seine „Alpina-Anlagen“ beschäftigte. Das Buch beschreibt die Entwicklung vom anfänglichen Tuning-Betrieb über die Zulassung als Hersteller von Automobilen 1983 bis zum weltweit anerkannten Produzenten von leistungsstarken Luxusfahrzeugen auf der Grundlage von BMW-Automobilen. Durch die enge Einbindung Burkhard Bovensiepens ist es gelungen, wirklich zahlreiche Hintergrundgeschichten und bisher im Verborgenen gebliebenen Informationen zu verarbeiten. Besonders interessant ist die Beschreibung des Kontakts von Alpina zur jeweiligen Leitung von BMW – von Paul G.Hahnemann bis zu Norbert Reithofer. Waren diese Verbindungen in der Regel auch sehr konstruktiv, so gab es doch durchaus auch Konflikte, in denen Bovensiepen sein Geschick, seine Überzeugungskraft und seine Durchsetzungsfähigkeit nachdrücklich unter Beweis stellte

Der auf edlem Papier produzierte Band ist mit 310 Abbildungen reichhaltig illustriert. Besonders beeindruckend sind die doppelseitigen Ablichtungen von 14 besonders prägnanten Alpina-Automobile vom 1800 TI bis zum gegenwärtigen 5er, die Aufnahmen von der handwerklichen Herstellung der Fahrzeuge und von der Bearbeitung der Motoren. Auch die Bilder von den Renneinsätzen der Alpina-Tourenwagen sind gelungen. Allerdings ist bei der Illustration auch Kritik angebracht: Es erscheint wenig sinnvoll, ausgerechnet kleine Fotos mittig im Buchknick über zwei Seiten zu platzieren, so dass man sich bemühen muss, zu erkennen, was dort überhaupt abgebildet ist.

Insgesamt ist dieser sehr repräsentative und zweisprachig verfasste Band eine angemessene Würdigung zum Jubiläum von BMW-Alpina.

Der Zauberlehrling

 

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Marko Simsa, Doris Eisenburger, Der Zauberlehrling, Annette Betz 2015, 32 Seiten, ISBN 978-3-219-11651-9

 

In seiner sehr erfolgreichen und durchweg empfehlenswerten Reihe „Musikalische Bilderbücher“ veröffentlicht der Annette Betz Verlag aus Wien in diesem Jahr unter anderem „Der Zauberlehrling“, eine von Paul Dukas vertonte Ballade von Johann Wolfgang von Goethe.

 

Das von Doris Eisenburger sehr ansprechend illustrierte Bilderbuch und die dem Buch beigefügte CD ergänzen sich, können unabhängig voneinander gelesen und gehört werden. Es empfiehlt sich jedoch, an den im Buch angeführten Stellen den jeweiligen Abschnitt auf der CD zu hören, von Marko Simsa einfühlsam gesprochen, da im Text immer wieder auf die Musik von Dukas Bezug genommen wird.

 

Kinder können auf diese Weise gut an die klassische Musik herangeführt werden und bekommen sie gleichzeitig auch noch gut erklärt. Ich kann das Buch ebenso empfehlen wie die anderen aus dieser schönen Reihe.

Die Stunde der Kurden

 

 

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Hans- Joachim Löwer, Die Stunde der Kurden, Styria 2015, ISBN 978-3-222-13493-7

 

Noch vor einigen Monaten war der Widerstand der Kurden gegen das Vorrücken des IS in allen Medien präsent. Nahe der türkischen Grenzen (Kobane) und im Irak selbst. Nach der letzten Wahl hat der Erfgolg der kurdischen HDP eine absolute Mehrheit von Erdogans Partei verhindert und dazu geführt, dass der türkischen Staat die Verhandlungen mit der PKK abbrach und diese zu ihre blutigen Anschlägen zurückkehrte.

Löwer bietet in seinem gut lesbaren Buch eine lebendige Darstellung, nah an den Menschen, interessant im Stil, ein „Blick aus der Nähe“ auf eine Region und ein Volk, dessen Name zwar geläufig ist, über dessen konkrete Geschichte und über dessen aktuelle Vision eines freien, eigenen Staates, in dem dann auch demokratische Freiheit selbstverständlich sein soll, relativ wenig Wissen herrscht Bekanntheit vorliegt.

Ein Jahrhundert der Repressalien in der Türkei, in Syrien, im Irak und im Iran haben eine ganz eigene Geschichte geschrieben, in der deutlich wird: Geduld und Beharrungsvermögen beginnen, sich in labilen Verhältnisses des Umfeldes langsam auszuzahlen.
Dennoch kann man die aktuelle Entwicklung nur als einen weiteren Rückschlag in dieser Entwicklung ansehen, den Löwer, als er das Buch schrieb, so nicht voraussehen konnte. Den Kampf um einen eigenen Staat wird das aber nicht schmälern
 

 

 

 

 

Vom Schmerz

 

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Gustav Dobos, Vom Schmerz, Elisabeth Sandmann 2015, ISBN 978-3-945543-11-5

 

Dieses Buch ist ein Plädoyer für einen ganzheitlichen Ansatz der Schmerztherapie. Mit konkreten Fallbeispielen und Patientengeschichten Patientengeschichten wird eine Vision deutlich einer Medizin mit Hand und Herz
Vielen Menschen, die unter Schmerz leiden, kann nicht geholfen werden, weil die seelischen Zusammenhänge und Kausalketten von Ärzten nicht gesehen oder zu wenig beachtet werden. Die Mind-Body-Medizin von Professor Gustav Dobos setzt genau hier an und stellt den Patienten ganzheitlich in den Mittelpunkt. In diesem Buch werden anhand vieler konkreter Patientengeschichten neue Sichtweisen und Behandlungskonzepte aufgezeigt, die zu seinem überaus erfolgreichen Therapieprogramm gehören. Dieses Buch erscheint zu seinem 60. Geburtstag und ist ein Plädoyer, sich mit chronischen Krankheiten anders auseinander zu setzen.

„13 Millionen Menschen leiden in Deutschland an chronischen Schmerzen. Sie verkrampfen sich unter Stress..“ heisst es in der Einleitung des handlichen Buches des Autorenteams Prof. Dr. Gustav Dobos und Dr. Petra Thorbrietz. Dort findet sich zum Stress auch eine überzeugend anschauliche Strukturskizze. Sie zeigt links einen ‚Stress-Stausee‘ mit folgenden Austritten aus dem Stauseedamm: Diese austretenden, betroffenen ‚Stressstrahlen‘ benennt das Autorenteam mit Schlaf, Bewegung, Ernährung, Entspannung, Verhaltensänderung, Medikamente, soziale Beziehungen, Humor, Spiritualität und ‚gebirgiges Naturumfeld‘. Als Lösungsfeld zum Schmerz stuft der Naturheilkundler Dobos das Thema Schmerz als ein schwieriges Syndrom ein, und bittet die „Einbahnstrasse Medikamente“ zu verlassen. Wichtig sei, den Körper so zu behandeln, dass dabei die  Seele berührt wird. Dazu verhilft die Mind-Body-Medizin zur Erfahrungsänderung. Als Quintessenz sieht er die Integrative Medizin als Heilmethode der Zukunft. Es ist ein schlüssiger Weg zum Ertragen und Heilen.