Verliebt in sieben Stunden

 

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Giampaolo Morelli, Verliebt in sieben Stunden, Deuticke 2015, ISBN 978-3-552-06281-8 nicht amazon

 

Paolo ist ein glücklicher Mann. Als erfolgreicher Wirtschaftsredakteur arbeitet er beim „Il Mattino“. Verlobt ist er mit Giorgia, einer außergewöhnlich schönen Frau. Sein Leben ist geradezu perfekt. Doch dann – wegen eines überbuchten Fluges kann er eine Dienstreise nicht antreten – ertappt er Giorgia im Bett mit Alfonso, seinem Boss. Mit einem Schlag geht sein ganzes Leben in die Brüche.

Die Frau ist weg, Job ist weg und Paolo komplett orientierungslos. Lediglich sein Freund Ciro steht treu an seiner Seite. Als Ciro ihm verrät, dass Giorgias und Alfonsos Affäre schon lange kein Geheimnis mehr ist, stürzt Paolo sich von einer Terrasse – und fällt auf das Dach eines Smart Cabrio.

Als er wieder aus dem Krankenhaus kommt, entscheidet er, dass er sein Leben neu ordnen muss und erst mal einen neuen Job braucht. Doch keine der Wirtschaftszeitungen ist interessiert und so landet er schließlich beim „Macho Man“, einem Männermagazin. Nach anfänglichem Widerstand sieht Paolo ein, dass er diesen Job nehmen muss, will er jemals wieder auf die Beine kommen – und er fügt sich in sein Schicksal.

Sein erster Auftrag ist ein Artikel über das Thema „Frauen abschleppen“. Er belegt einen Kurs und schreibt Artikel darüber – zunächst sehr widerwillig, doch sein Artikel kommt an. So gut, dass er eine dauerhafte Kolumne bekommt und die Leiterin des Kurses, Valeria für „Macho Man“ engagiert wird und fortan mit ihm arbeitet.

Langsam findet Paolo gefallen an seiner Arbeit, denn Valeria verspricht ihren Schülern, dass sie jede Frau in sieben Stunden erobern können. Und Paolo beschließt, Giorgia zurückzuerobern. Er wird Valerias Musterschüler, trainiert, stylt sich um und wird langsam tatsächlich der Mann, nachdem sich die Frauen umdrehen. Und endlich kommt die Gelegenheit, sein Können an Giorgia zu testen – und er gewinnt sie zurück – um am Ende festzustellen, dass er sie gar nicht mehr will…

Ein wirklich amüsantes Buch. Die Handlung ist vorhersehbar, aber auch originell und vor allem sehr charmant geschrieben. Eine nette und leichte Sommerlektüre.

Damit du dich im Viertel nicht verirrst

 

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Patrick Modiano, Damit du dich im Viertel nicht verirrst, Hanser 2015, ISBN 978-3-446-24908-0

 

Patrick Modiano, der 2014 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, was nur die überraschen konnte, die sein Werk nicht oder nur unzureichend kannten, ist ein Schriftsteller, der sich in seinen Büchern mit mehr oder weniger autobiographischem Hintergrund der von ihm perfektionierten Kunst des Erinnerns widmet. Immer wieder geht es um die Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich, in der unzähligen Juden um ihr Leben bangen mussten. Modiano, selbst jüdischer Abstammung, verfolgt ihre Spuren und kümmert sich in seinen Büchern auf diese Weise auch um seine eigenen Wurzeln. In dem Buch „Ein Stammbaum“ hat der zurückgezogen lebenden und die öffentlichkeitsscheue Schriftsteller schon 2007 seine Kindheirt beschrieben, eine Zeit, wie sie trostloser, einsamer und unglücklicher kaum hätte sein können. Seine Eltern leben in einer Welt, die mit ihren Sohn nichts zu tun hat. Es ist als gäbe es den kleinen Patrick gar nicht. Die Mutter ist permanent abwesend und kalt, der Vater ist von grausamer Härte und Lieblosigkeit. Ablehnung, Einsamkeit und Bindungslosigkeit- so sieht seine Kindheit und Jugend aus.

Eher teilnahmslos bringt Modiano etwas Licht in die Dunkelheit seiner Herkunft. Erschütternd, das kein einziger Mensch auftaucht, der ihm mit Liebe oder Zuneigung begegnen würde. Umso erstaunlicher, wie sich sein Schaffen dennoch entwickeln konnte. Nicht ohne Grund endet „Ein Stammbaum“ mit der Veröffentlichung seines ersten Buches.

Auch das hier vorliegende neue Buch „Damit du dich im Viertel nicht verirrst“ erinnerte mich wieder an Susanna Tamaros Lebensbericht „Ein jeder Engel ist schrecklich“, wo sie schreibt:
„Weil ich mit dem Feind in mir lebe, mit dem Nebel, der Nacht, der Verwirrung. Weil ich den Schmerz sehe und nichts dagegen tun kann. Weil ich das Unvollkommene sehe, die Leere, das Scheitern, und deren Sinn nicht begreife. Weil ich allein bin, weil mir keiner zuhört, mich niemand an der Hand nimmt. Weil ich irgendwo in mir eine immense Harmonie und ein immenses Licht erahne, und ich mich von diesem Licht und dieser Harmonie entferne wie ein Schiff, das in See sticht. Was zu Anfang der Sinn jedes Atemzugs war, wird mit der Zeit zum Blinken eines Leuchtturms in der Ferne. Ich weine, weil ich Angst habe vor der Leere und der Einsamkeit, die mich erwarten.“

Vorsichtig, unsicher tastend, immer wieder überprüfend und zweifelnd sucht er auch im neuen Buch nach Erinnerungen. Es hat den Anschein, als könne er ohne sie nicht überleben, als gäbe die stückweise Rekonstruktion er eigenen Kindheit und Jugend, bis zu dem Zeitpunkt, als er anfing zu schreiben über eben diese, seinem Leben einen Halt und eine Sicherheit ohne den er vergehen müsste, ohne die er sich als eigene Existenz sozusagen auflösen würde.

Auch im neuen Buch sucht er in unzähligen Rückblenden die Zeit seiner Kindheit auf. Jean Daragne, ein einsam und alleinlebender Schriftsteller ist sein Alter Ego. Als Daragne eines Tages Besuch erhält von Gilles Ottolini und Chantal Grippay, die ihm ein von ihnen gefundenes Notizbuch zurückgeben, tut dieser das nicht selbstlos. Er erhofft sich von Daragne Informationen zu einem Kriminalfall, den er gerade in einem Buch bearbeitet. Doch der kann sich nicht erinnern und macht sich af die Suche nach Orten und Personen, die wichtig waren in seinem Leben als er etwa sieben Jahre alt war. Doch es bleibt bei nebulösen Andeutungen. Bis hin zu einer Flucht nach Rom, an der der kleine Jean Daragne mit Annie Astrand, einer Freundin seiner Mutter beteiligt ist.

„Und ich schwöre dir, in Rom werden sie uns nie finden.“ Modiano lässt den Leser im Unklaren, was die Gefahr nun genau ist und wovor die beiden flüchten. Oft wird nur von Schatten gesprochen. Wie schon im „Stammbaum“ und in etlichen anderen Büchern beschriebt Modiano ein Leben, das sich selbst fremd ist: : „Dieses Kind, von vielen Jahrzehnten in so graue Ferne gerückt, dass ein Fremder aus ihm wurde, nun musste er sich’s eingestehen, das war er.“

Wieder ist der unendliche Schmerz zu spüren über den Verlust der Kindheit, die traumatisierenden Erfahrung des Alleingelassenwerdens. Modiano schreibt dagegen an, als der einzigen Möglichkeit, die ihm zu bleiben scheint, will er sein Leben nicht verlieren. Er setzt so mit jedem Buch die Rekonstruktion seiner eigenen Geschichte aus Fragmenten zusammen.

Wenn man als Leser für die eigene Lebensgeschichte, insbesondere für die Brüche und Abbrüche darin, genügend sensibel und offen ist, wird man auch in diesem Buch vieles finden, was einen tief berühren und öffnen kann.

 

 

Bergfieber

 

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Daniela Schwegler, Bergfieber. Hüttenwartinnen im Porträt, Rotpunktverlag 2015, ISBN 978-3-85869-668-7

 

12 Frauen im Alter zwischen 32 und 79 Jahren werden in diesem außergewöhnlichen Buch porträtiert. Frauen, wie es sie wohl nur in der Schweiz gibt. Sie alle eint ihre zum Teil schon jahrzehntelange Tätigkeit als Hüttenwartin. Sehr pur, immer direkt und mit einer gehörigen Portion Humor erzählen sie von ihrem Leben mit Wind und Wetter, beschreiben immer wieder unterschiedlich und doch wieder ähnlich ihre große Freiheit drt oben am Berg und reden von der Demut, die er sie gelehrt hat.
Porträts ganz eigenwilliger und beeindruckender Frauen haben die beiden Autorinnen durch ihre sensiblen Interviews und Fotografien geschaffen, die die Hüttenwartinnen durch einen Tourentipp ergänzt haben, der von ihrer Hütte seinen Anfang nimmt oder dort sein Ende findet.

Ein ganz besonderes Buch für Liebhaber magischer Orte und außergewöhnlicher Menschen.

Wie wir uns morgen bewegen werden

 

 

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Christoph Markmann, Wie wir uns morgen bewegen werden, Redline 2015, ISBN 978-3-86881-595-5

 

Dieses Buch versammelt die Darstellung vieler Innovationen auf technischem Gebiet. Auf jeweils einigen wenigen Seiten werden spannende Techniktrends vorgestellt. Es ist beeindruckend zu sehen, welches Innovationspotenzial sich durch „Erfinder“ und Forscher ergeben, die über Netzwerke miteinander verbunden sind.
Neben großem technischem Knowhow gehört auch eine gehörige Portion an Ideenreichtum dazu, um Überraschendes und wirklich im besten Sinne etwas „Innovatives“ zu schaffen. Aber es wird auch von der Akzeptanz der Kunden (Einzelkunden aber auch Industriezweige) abhängen, ob sich solche Trends verkaufen und durchsetzen. Dabei gibt es durchweg unterschiedliche Innovationsgrade, die von Verbesserungen bereits existierender Technologien bis an völlige Neuerfindungen reichen, die geradezu revolutionäre Meilensteine der Technologie bedeuten würden wenn sie sich durchsetzen. Dies zeigen die Autorin und die beiden Autoren sehr eindrücklich und mit großer Überzeugungskraft. Die Themen reichen dabei von „intelligenter Kleidung“ über „Bergbau im Weltall“ bis hin zur „Fabrik im heimischen Wohnzimmer“. Dabei werden neue Produktionsmethoden genauso in den Blick genommen wie wirklich revolutionäre Erfindungen, die uns Menschen oder/und der Umwelt von großem Nutzen sein können – wenn sie tatsächlich unseren Alltag erobern sollten.

Magie der Leidenschaft

 

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Milena Agus, Magie der Leidenschaft, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14392-9

 

Zwei intensive Geschichten und zwei kurze, aber aufschlussreiche Essays von Milena Agus präsentiert diese kleine Band. In der ersten Erzählung geht es um einen Jungen, der erst durch die Kraft der Freundschaft das Sprechen lernt und mit der ihn umgebenden Welt kommunizieren lernt.

In der zweiten Geschichte geht es um eine Frau, deren vorher sehr tristes und dunkles Leben plötzlich aufleuchtet und einen Sinn für sie selbst ergibt, als jemand sie eines Tages mit einem unvollendeten Kunstwerk vergleicht.

Es geht in beiden Erzählungen um die Fragilität des menschlichen Glücks, von der kaum tragbaren Last des Lebens und der Sehnsucht nach Liebe, die leider so oft ungestillt bleibt. In den beiden Essays gewährt sie einen überraschend persönlichen Einblick in ihre Welt und lotet den Raum aus, in dem sich die Magie ihrer sparsamen Geschichten entfaltet. Über Ihr Schreiben sagt sie: „Ich schreibe aus reiner Freude an der Sache und im Verborgenen, wobei ich immer Gewissensbisse habe, dass ich der Wirklichkeit die Zeit stehle. Wenn ich jenes Kribbeln verspüre und das Gefühl habe unbedingt schrieben zu müssen, und jemand möchte etwas mit mir unternehmen, hüte ich mich zu sagen wie es ist.“

Schreiben, so sagt sie, habe eine erlösende Wirkung: „Zum Beispiel kann ich einen Menschen, der in Wirklichkeit von niemanden geliebt wird, in eine Romanfigur verwandeln, die die große Liebe erfährt. Daher schreibe ich über ungeliebte und unglückliche Menschen, in der Hoffnung, dass sie wenigstens bei den Lesern Glück haben werden; in einer wunderbaren Welt der Einbildungskraft.“

Sparsame, seltsam magische Geschichten über den schmalen Grat zwischen Hoffnung und Tristesse.

 

 

 

 

Herr Eichhorn und der König des Waldes

 

 

 

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Sebastian Meschenmoser, Herr Eichhorn und der König des Waldes, Thienemann 2015, ISBN 978-3-522-43800-1

 

Die Bilderbücher von Sebastian Meschenmoser sind sprachlich und künstlerisch vom Feinsten, was Bilderbücher bieten können.,

Besonders seine Reihe mit und über Herr Eichhorn haben schon viele Kinder und auch die vorlesenden Erwachsenen begeistert. In seinem neuen Buch erführt Herr Eichhorn eines Tages vom stolzen Steinbock vom König des Waldes, der in vielerlei Gestalt erscheinen kann. „Einmal in hundert Jahren steigt er aus dem Nebel herauf und streift durch Wald und Flur. Was der König sagt, ist Recht und Gesetz. Er bringt alles in Ordnung und lehrt uns ein besseres Leben.“

Herr Eichhorn ist beeindruckt von dieser messianischen Vision des Steinbocks und fragt sich gerade, ob er diesem König jemals begegnen wird, da riecht er etwas. Ein aus einem Campingwagen entlaufener kleiner Hund, der beim Jagen nach Schmetterlingen in einen Haufen alter Äste fällt von denen danach zwei wie ein Geweih in seinem Halsband steckenbleiben, kommt Herrn Eichhorn vor wie die Erscheinung des sagenumwobenen Königs.

Der erteilt den Tieren im Wald seine einzige und wichtigste Lebensregel: hinterlasse überall deinen Duft. Es stellt sich heraus, nachdem er bald wieder verschwunden ist, dass diese Regel alles andere als königlich ist und die Tiere und große Verwirrung stürzt….

Wie Meschenmoser diese Geschichte erzählt und illustriert ist große Bilderbuchkunst.

 

 

 

Was ist eigentlich evangelisch?

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Okko Herlyn, Was ist eigentlich evangelisch, Neukirchener Verlag 2015, ISBN 978-3-7615-6241-3

 

Okko Herlyn, der als Pfarrer und Professor für Ethik, als Liedermache rund Kleinkabarettist in seinem langen Leben schon viele der Religion fremd gewordene Menschen für Theologie und theologisches Denken begeistern konnte, ist von einem überzeugt: „Wir müssen wieder lernen, auch über das zu reden, was wir glauben, und das, was uns am Glauben schwer fällt.“ Wie das gehen kann, zeigt er auf eine überzeugende Weise in dem vorliegenden Buch.

Menschen treten aus der evangelischen Kirche aus, weil sie sich über den Papst ärgern. Andere halten evangelisch für das „kleinere Übel“. Manches ist von Halbwissen, Vorurteilen oder Tabus umnebelt. Gerade unter protestantischen Menschen regiert in Glaubensfragen nicht selten eine gewisse Rat- und Sprachlosigkeit.

Mit „Was ist eigentlich evangelisch?“ gibt Okko Herlyn eine erste Orientierung: von den biblischen Wurzeln über die geschichtlichen Entwicklungen bis hin zu aktuellen Gegenwartsbezügen. Sie machen Mut, sich selbst mit einem wachen, Gott und der Welt zugewandten, Protestantismus auseinanderzusetzen. Das alles in einer allgemeinverständlichen, unverbrauchten und mitunter auch unkonventionellen Sprache, die dem Autor in den letzten Jahren eine immer größer werdende Leserschaft eingebracht hat.

 

Theologie als Lesegenuss? Geht das ? Lesen Sie selbst.

Versöhnt sterben

 

 

 

 

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Angelika Daiker, Versöhnt sterben, Patmos 2014, ISBN 978-3-8436-0531-1

 

Was brauchen Sterbende, um zufrieden und versöhnt Abschied zu nehmen? Die beiden Autorinnen des vorliegendenb Buches, die seit vielen Jahren in der Hospizarbeit tätig sind, haben in den sieben letzten Worte Jesu am Kreuz eine Art Programm für eine „palliative care“ gefunden.

Sie glauben, dass diese biblisch bezeugten Worte eine tiefe innere Wahrheit enthalten, dass sie Menschen unabhängig von ihrer religiösen Weltanschauung ansprechen und bewegen können. In sieben Schritten entlang der sieben letzten Worte Jesu entfalten sie deren spirituelle und existentielle Bedeutung und verbinden sie mit ihren Erfahrungen im Hospizalltag:

 

  1. Erkennen und vergeben
  2. Zuwendung und Verheißung
  3. Sorge und Vermächtnis
  4. Gottverlassenheit und Vertrauen
  5. Bedürftigkeit und Fürsorge
  6. Fragment und Vollendung
  7. Hingabe und Öffnung

Das Buch kann nicht nur allen, die mit Sterbenden arbeiten, wertvolle Impulse geben für die eigene Praxis, sondern kann auch theologisch interessierten Lesern wichtige Impulse geben für ihre Reflexionen über das eigene Leben und den eigenen Tod.

Die Biene die sprechen konnte

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Al MacCuish, Die Biene, die sprechen konnte, Orell Füssli 2014, ISBN 978-3-280-03478-1

 

Voller Charme kommt die von einer wahren Geschichte des französischen Biologen Bernhard Chevilliat inspirierten Geschichte daher. Elegant und leicht erzählt, ist sie sowohl unterhaltsam für die Kinder und vermittelt dazu noch Wissen über die Natur.

 

Belle, ein französisches Mädchen, lebt in Paris. Sie kennt die Stadt ganz genau. Jeden Sommer fährt sie mit ihren Eltern zu den Großeltern aufs Land. Dort bekommt sie ein Geschenk vom Opa, das sie den Sommer lang begleitet und eine wichtige Rolle spielt. Dieses Mal ist es das alte Fahrrad ihrer Mutter, mit dem sie sofort einen Ausflug unternimmt. Typisch für ein Stadtmädchen verfährt sich Belle sofort und stürzt zu allem Unglück auch noch. Hoffnungslos ist sie, als eine Biene zu ihr kommt. Es ist eine besondere Biene, denn sie kann sprechen. Sie hilft Belle und zeigt ihr das Land, den Wald, die Blumen, die Bienen, die Natur. Ein zauberhafter Sommer erlebt Belle.

„La nature est bien faite“, sagt die Biene mitten in der Geschichte zu Belle („Die Natur ist perfekt gemacht.“). Es ist ein Schlüsselsatz für diese wunderbare Erzählung. Leicht und mit französischem Charme macht Al MacCuish den Kindern beim Lesen Lust auf die Natur. „Geht raus, hört genau den Tieren und Pflanzen zu. Beobachtet sie. Erlebt Abenteuer“ ruft er nicht nur seiner Figur Belle zu, sondern allen Kindern.

Gleichzeitig zeigt er den Lesern, wie wichtig die Bienen für die Natur sind. Ohne sie gäbe es nur sehr wenig. Das Reizvolle am Kinderbuch ist die leichte Erzählung, die Vermeidung jeglicher mahnender, störender pädagogischer Hinweise.

Rebecca Gibbon illustrierte das Bilderbuch in genau der richtigen Art und Weise. Die an die 50iger Jahre erinnernden Bilder zaubern einen französischen Sommer auf dem Lande herbei. Frisches Grün und fröhliches Gelb erfreuen Herz und Auge. Immer wieder findet man einfache und dennoch gut zu erkennende Tiere und Pflanzen, die man gut bestimmen kann.

Wer ein Sommerbilderbuch sucht, das leicht-charmant Lust auf Natur macht, dem empfehle ich von ganzem Herzen das wunderbare Kinderbuch „Die Biene, die sprechen konnte“ von Al MacCuish.

 

Kalte Fährte

 

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Susanne Mischke, Kalte Fährte, Bloomsbury 2015, ISBN 978-3-8270-1248-7

Ein Mann, Steffen Plate, wird tot in einem Brunnen gefunden. Jemand hat ihn dort lebend eingesperrt und dann eine Horde hungriger Ratten zu ihm geworfen.

Kommissar Jessen und seine Kollegin Francesca Dante nehmen die Ermittlungen auf und erfahren schnell, dass der Tote vor über 10 Jahren eine Familie zerstörte. Es sieht so aus, als wäre jemand auf Vergeltung aus, der tötet mit der Geduld einer Katze.

Die beiden Hauptprotagonisten sind einem gleich sympathisch. Jessen, der eine schwere Kindheit hatte und deshalb eher ruhig und verschwiegen rüberkommt und als Gegenstück Francesca Dante, leicht vorlaut, temperamentvoll, weil italienisch und mit einer Großfamilie gesegnet. Die beiden ergänzen sich gut. Hinzu kommen noch Appel und Graham, die das Ermittlerteam komplettieren und tolle Arbeit leisten. Nach den ersten Ermittlungen stellt sich heraus, dass es sich hier nicht nur um einen Mord, sondern um mehrere Morde handelt. Das Team arbeitet auf Hochtouren und Francesca begibt sich sogar unwissend selbst in Gefahr.

Der Autorin, Susanne Mischke, ist es mit „Kalte Fährte“ gelungen, mich zu fesseln, so dass ich diesen Krimi nicht mehr aus der Hand legen konnte. Das Cover hat mich als erstes begeistert, da dort, wo der Brunnen abgebildet ist, der Umschlag richtig rau gemacht wurde, einfach klasse.

Der Schreibstil ist flüssig und klar, man ist sofort in der Geschichte drin, die Charaktere der Protagonisten sind authentisch und klar beschrieben, die Handlung ist spannend, fesselnd und großartig und trotz der Ernsthaftigkeit der Fälle mit Humor versehen, was hervorragend zusammenpasste.

Ein Krimi, wie man ihn sich als Krimiliebhaber nur wünschen kann. Mich hat dieser Krimi begeistert und gefesselt.