Das dauert noch ein bisschen

 

 

 

 

Jan Kaiser, Karin Lindermann, Das dauert noch ein bisschen, Urachhaus 2019, ISBN 978-3-8251-5180-5

 

Pia stellt ihren kleineren Bruder an Rätsel. Und weil der Rätsel liebt, ist er auch gleich mit Begeisterung dabei. „Was ist das?“ fragt sie. „Es ist rund. Es ist weich. Und es dauert noch ein bisschen.“

 

Und Bo macht sich auf die Suche. Und er entdeckt auch viele Dinge, auf die die Beschreibung zutreffen könnte. Der Kuchen im Backofen, den Strumpf, den die Oma strickt, Papa Po, der auf dem Klo sitzt . Immer ist er nahe dran, denn alle diese Sachen brauchen noch ein bisschen.

 

Doch schließlich klärt ihn Pia auf, als sie ihn ins Wohnzimmer führt, wo die ganze Familie versammelt ist. Mama hat ein rundes weiches Kissen auf den Baum. Und sofort denkt er, jetzt hat er es.

 

Aber als die Mutter das Kissen wegnimmt, sieht er ihren dicken und runden Bauch. Hat seine Mama zu viel gegessen? Aber nein! Sie bekommt ein Baby. Und Bo springt vor Freude in die Luft.

 

Ein lustiges Bilderbuch für große und kleine Geschwister und solche, die es werden wollen. Und für alle Familien, die ein rundes und weiches Geheimnis haben, das gelüftet werden will.

 

 

Wenn man weiß, wo der Verstand ist, hat der Tag Struktur

 

 

Alexander Unzicker, Wenn  man weiß, wo der Verstand ist, hat der Tag Struktur, Westend Verlag 2019, ISBN 978-3-86489-244-8

 

Eine dringend nötige „Anleitung zum Selberdenken in verrückten Zeiten“ hat der Physiker, Jurist und Kognitionspsychologe Alexander Unzicker in diesem Buch vorgelegt. Sehr überzeugend beschreibt er ein Phänomen, das mich persönlich als ein politisch seit meiner frühen Jugend interessierter Mensch schon lange umtreibt. Obwohl ich wie ehedem die Nachrichten verfolge, ausführlich jeden Donnerstag die „ZEIT“ lese und mich täglich über die Onlineversionen der klassischen Tageszeitungen wie FAZ, SZ, sowie dem Onlineportalen von NTV und HR über das Tages- und Weltgeschehen informiere, habe ich seit langem den Eindruck, im Gegensatz zu früheren Zeiten mit kein objektives Bild mehr vom Geschehen in der Welt machen zu können, nicht mehr die verwickelten Zusammenhänge zu erkennen und mir zunehmend schwerer eine eigene Meinung und Haltung bilden zu können. Immer schnellere und häufiger „Breaking News“ auf dem Smartphone lenken ab von den Entwicklungen, die im Hintergrund laufen und die nur selten mit Hintergrundinformationen kritisch beleuchtet werden.

 

Alexander Unzicker analysiert all diese Herausforderungen für unser Denken im postfaktischen Zeitalter und schafft mit seinem Buch Orientierung im großen Durcheinander. Vor allem aber fordert er von uns allen mehr Mut, den eigenen Verstand zu gebrauchen – auch ohne fremde Anleitung.

 

Immer wieder plädiert er mit vielen anschaulichen Beispielen dafür, sich von der Flut der News nicht verrückt machen zu lassen, sondern in Ruhe selbständig über das Wesentliche in der Welt und in meinem eigenen Leben nachzudenken.

 

Ohne fremde Anleitung den eigenen  Verstand gebrauchen, das wäre mal eine Alternative zu dem unendlichen Nachrichtenkonsum und der Lektüre des x-ten Kommentars.

 

Seine Idee, wenigstens zeitweise mal auf Medienkonsum zu verzichten und sich den permanenten Breaking News für eine gewisse Zeit zu verweigern, hat mir gefallen und ich werde es vielleicht einmal probieren.

 

Ein „Nachrichtenfasten“ wäre vielleicht auch eine Idee für die nächste Aktion „40 Tage ohne“ der Kirchen.

 

Backstage. Von PUR, Popstars und den Zehn Geboten

 

 

Dieter Falk, Backstage. Von PUR, Popstars und den Zehn Geboten, Bene Verlag 2019, ISBN 978-3-96340-0934-6

 

Dieses Buch ist eine der authentischsten und ehrlichsten Autobiographien, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Der Vollblutmusiker, Komponist und Musikproduzent Dieter Falk, der seit einigen Jahren auch als Professor für Popmusik an zwei Hochschulen tätig ist, erzählt seine bewegte und vom christlichen Glauben geprägte Lebensgeschichte.

 

Es sind viele bewegende Geschichten dabei, von denen er da erzählt, und die unzähligen sinnstiftenden Momente, die er beschreibt, wirken im Leser tief nach.

 

Mit vielen bekannten Künstlern hat er zusammengearbeitet und seine Lieder und Auftritte bleiben nicht nur für ihn unvergessen.

 

Mit großem Interesse habe ich seine Berichte gelesen von Situationen, in denen er zwischen den Erfordernissen des Musikbusiness und den Imperativen seines Glaubens einen Spagat machen musste. Dass und wie ihm das immer wieder gelungen ist, kann man in einem wirklich empfehlenswerten Buch nachlesen.

 

Die Lebensgeschichte eines außergewöhnlichen Musikers.

 

Herbst-Wörter-Wimmelbuch

 

Rotraut Susanne Berner, Herbst-Wörter-Wimmelbuch, Gerstenberg 2018, ISBN 978-3-8369-5657-4

 

Viele Jahrgänge von Kindern sind seit etwa 2004 mit den schlussendlich fünf Bänden der Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner aufgewachsen, haben mit ihnen erkennen und benennen gelernt, konnten mit Hilfe der mit ihnen die großen Bücher immer wieder betrachtenden Eltern die in den Wimmelbüchern verborgenen Geschichten identifizieren und mit ihrer eigenen Phantasie weitererzählen.

Unser Sohn hat über viele Jahre, seit er etwa eineinhalb war, diese Bücher geliebt und kannte die Namen aller auftretenden Personen. Denen, die von Rotraut Berner ohne Namen gelassen worden waren, gab er welche und die Geschichten, die er um sie herum erfand, waren jedes Mal lustig und lebendig.

 

Als ich das neue Herbst-Wörter-Wimmelbuch in die Hände bekam, habe ich mich gern an diese schöne Zeit erinnert. Berner hat aus dem alten Herbstwimmelbuch ein hochkantiges Buch gemacht, das auf jeder Doppelseite verkleinert die alten Bilder zeigt, aber im unteren Fünftel ein kleines Wörterbuch gezeichnet mit den Objekten, die auf der jeweiligen  Seite zu sehen sind. Die Kinder können deshalb neben dem Betrachten der Bilder und dem Erfinden von Geschichten auch die Objekte und Dinge, die unten abgebildet und benannt sind, suchen, finden und ihren Namen aussprechen lernen.

 

Eine schöne Idee. Bei dieser ganz neuen Art, die Welt von Wimmlingen zu entdecken, lernen die Kinder spielerisch, wie die Dinge heißen und wie ihre Namen geschrieben werden.
 

 

 

 

Abenteuer Seidenstraße. 12.000 Kilometer von Venedig bis Xi`an

 

 

 

Alfred de Montesquiou, Abenteuer Seidenstraße. 12.000 Kilometer von Venedig bis Xi`an, Knesebeck 2019, ISBN 978-3-95728-237-8

 

Immer wieder ist den letzten Monaten von der sogenannten „neuen Seidenstraße“ in den Medien die Rede, mit der die chinesische Regierung mit europäischen Ländern den wirtschaftlichen Austausch befördern möchte.

 

Angelehnt ist diese Bezeichnung an die alte Seidenstraße, eine insgesamt 12.000 Kilometer lange Strecke von Venedig bis nach China, die der legendäre Marco Polo zum ersten Mal befahren hat.

 

Auf dessen Spuren hat der Krisenreporter und Orientexperte Alfred de Montequiou eine abenteuerliche Reise unternommen, die er in diesem wunderbaren, reich bebilderten und überaus lehrreichen Buch beschreibt.

 

Von Venedig über die Türkei, durch den Iran und Usbekistan bis nach China folgt er den Spuren, die der wirtschaftliche Handel und der durch ihn bedingte kulturelle und religiöse Austausch über Jahrtausende hinterlassen haben.

 

Die sehr informativen, kulturgeschichtlich und religionsgeschichtlich bedeutsamen Texte, die er neben beeindruckende Fotografien gestellt hat, erzählen nicht nur von dem Ursprung der Weltreligionen und frühen Hochkulturen, sondern beschreiben auch den unermesslichen Reichtum Asiens und uralte Kulturtechniken.

 

Ergänzt werden diese geschichtlichen Informationen von vielen Anekdoten und Geschichten, die er auf seiner spannenden Reise erlebt hat. Sie machen zusammen ein reiches Buch aus, das für jeden Abenteurer und für alle kulturgeschichtlich Interessierten zu empfehlen ist.

 

 

Dornröschen

 

 

Christina Laube, Mehrdad Zaeri, Dornröschen, Knesebeck 2019, ISBN 978-3-95728-186-9

 

In diesem prächtig ausgestatteten Bilderbuch hat Christina Laube das bekannte Märchen vom Dornröschen mit wenigen Worten ansprechend nacherzählt.

Ihr sensibler Text passt sich hervorragend den wunderbaren Scherenschnitten und magisch-schönen Illustrationen des in Mannheim lebenden Exiliraners Mehrdad Zaeri an, die eine Augenweide sind, und einen das wertvolle Buch nur ganz vorsichtig anfassen und umblättern lassen.

Staunend und ehrfürchtig wie ein Kind schaut man als Erwachsener dieses Buch an, ein ganz besonderes Kunstwerk, das seinen stolzen Preis wert ist.

 

Es ist nicht nur für Kinder geeignet, sondern ziert auch das Regal jedes Liebhabers besonderer Bücher. Die ist mit Sicherheit eines davon.

 

Echte Kerle. Die 50 besten Abenteuer für Jungs

 

Michael Birnthaler, Echte Kerle. Die 50 besten Abenteuer für Jungs, Verlag Freies Geistesleben 2019, ISBN 978-3-7725-2828-6

 

Die meisten Jungs und ihre natürlichen Entwicklungsbedürfnisse kommen schon seit vielen Jahren in den Konzeptionen und der Praxis von Kindertagesstätten, Schule und sozialen Einrichtungen nicht mehr in dem Maße vor, wie Jungs es im Unterschied zu Mädchen, die viel mehr im Fokus der Pädagogik stehen, brauchen würden.

 

Diese Fehlentwicklung hat eklatante negative Folgen, weil sich die Bedürfnisse der Jungs dann irgendwann an anderen Stellen meist ziemlich für sie und andere zerstörerische Ventile suchen.

 

Das vorliegende Buch von Michael Birnthaler will in dieser Situation mit seiner Vorstellung beliebter Gelände-und Teamspiele, Bauprojekten, Expeditionen, Abenteuern, Naturerlebnisse und Mutproben für Jungs von acht bis achtzehn einen Beitrag leisten zu einer zeitgemäßen Arbeit mit Jungen.

 

Alle vorgestellten Aktionen sind erprobt, haben sich in der Praxis bewährt und sich für Freizeit, Schule, Erlebnispädagogik und Jugendarbeit hervorragend geeignet.

 

Man kann den vielen in der Jugendarbeit Tätigen nur mehr Mut wünschen, sich an eine reine Jungenarbeit zu wagen.

Die kleine Raupe Nimmersatt

 

 

 

Eric Carle,Die kleine Raupe Nimmersatt, Gerstenberg 2019, ISBN 978-3-83696000-7

 

Seit nunmehr 50 Jahren wachsen Kinder auf mit der Raupe Nimmersatt, mit jeder neuen Generation von Kindern werden es mehr. Seit dem Erscheinen des ersten Buches, in der eine Raupe immer dicker wird, indem sie sich durch allerlei Obst frisst, kennt jedes Kind diese Figur und sie wird auch den neuen Kindern in den Kindergärten des Landes nicht lange verborgen bleiben, nachdem sie dort aufgenommen worden sind.

 

Nun hat der Gerstenberg Verlag, der von Anfang an die Raupe Nimmersatt verlegerisch begleitet hat auf ihrem Erfolgsweg in Deutschland zum 50. Jahrestag eine limitierte Geburtstagsedition vorgelegt, die hier angezeigt werden soll.

 

An den Text und die Bilder der Originalausgabe ist unter der Überschrift „Die Raupe ist immer noch nicht satt“ ein Text angehängt, der die Entstehungsgeschichte des Buches beschreibt und mit dem schönen Satz endet:

„Die kleine Raupe spricht jede Altersstufe an, jede Nationalität, jeder kann sie verstehen, Sie ist wie das Kind in uns allen, immer hungrig, die Welt zu erkunden, voller Neugier darauf, was noch in uns stecken könnte.“

 

Auf weitere erfolgreiche 50 Jahre.

 

 

 

Die Honigbiene

 

Kirsten Hall, Isabelle Arsenault, Die Honigbiene, Nord Süd Verlag 2019, ISBN 978-3-314-10474-9

 

 

Aus dem Englischen übersetzt von Anna Schaub präsentiert der NordSüd Verlag in Zürich in seinem Frühjahrsprogramm 2019 ein empfehlenswertes Sachbildbuch über die Honigbiene, das die Kinderbuchautorin Kirsten Hall geschrieben und die in Kanada sehr renommierte Künstlerin Isabelle Arsenault in den Körperfarben der Bienen angelehnten pastelligen Farbtönen anspruchsvoll illustriert hat.

 

In schönen Sprachreimen, die das Vorlesen dieses Bilderbuches zu einem Erlebnis machen, werden das Leben und die Aufgaben der Bienen anschaulich beschrieben.

 

Die Bienen sind überall auf der Welt durch Umweltveränderungen, die der Mensch verantwortet, etwa durch intensive Landwirtschaft, zu einer ernsthaft gefährdeten Art geworden. Darauf weist Kirsten Hall die Kinder und ihre erwachsenen Vorleser in einem einseitigen Text nachdrücklich hin und gibt ihnen wettvolle Hinweise, wie sie durch einfache eigene Handlungen schon dazu beitragen können, dass der Lebensraum der Bienen geschützt bleibt:  „Lasst uns gemeinsam Fürsprecher der Bienen sein!“

Hannas Elefant

 

 

 

 

 

Randall de Seve, Pamela Zagarenski, Hannas Elefant, Knesebeck 2019, ISBN 978-3-95728-258-3

 

Dieses wunderschöne Bilderbuch ist zuerst in New York erschienen. Gundula Müller-Wallraff hat es für den Knesebeck Verlag aus dem Amerikanischen übersetzt.

 

Es erzählt von einem kleinen Mädchen, in dessen Nachbarschaft ein neues Mädchen eingezogen ist, das Hanna heißt. Die Mütter der beiden sind sich schon begegnet und haben beschlossen, dass die beiden Mädchen Freundinnen werden sollen. Doch für das schüchterne Mädchen ist das nicht so leicht. Sie hat nämlich beim Einzug von Hanna eine große Kiste gesehen und vermutet, dass sich darin ein Elefant verbarg. Hanna hat also schon einen  Freund. Davon ist das Mädchen überzeugt und kommt lange nicht von dieser Vorstellung runter.

 

Und nun interpretiert sie einzelne Geräusche, die sie aus der Nachbarwohnung hört, immer wieder vermischt mit eigenen Fantasien, dahingehend, dass Hanna für eine weitere Freundschaft gar keine Zeit und keinen  Platz hat, weil sie sich ja um den Elefanten kümmern muss.

 

Das Mädchen ist traurig, weil sie immer wieder Entschuldigungen dafür findet, dass sie gerade jetzt nicht rübergehen kann, um sich mit Hanna bekannt zu machen. Doch dann schafft sie es mit einem weiteren Bild ihrer Fantasie, endlich an die Tür des Nachbars zu klopfen.

 

Natürlich hat Hanna keinen Elefanten, aber dafür jetzt eine neue  Freundin. Das Mädchen hat erkannt, dass ein klein wenig Mut schon meistens reicht, um zu ganz neuen Abenteuern und Freundschaften zu führen.

 

Das Schönste an diesem Bilderbuch sind die traumhaft schönen Illustrationen von Pamela Zagarenski,  die die Kinder in eine Traumwelt entführen, in der sich das Mädchen auch bis kurz vor dem Ende befindet. Von dieser amerikanischen Künstlerin möchte man bei uns gerne mehr Bücher illustriert sehen.