Die neue Psychologie des Alterns

 

 

 

 

 

Hans-Werner Wahl, Die neue Psychologie des Alterns, Kösel 2017, ISBN 978-3-466-34637-0

 

Der Autor des vorliegenden sich an ein breites Lesepublikum richtenden Buches, Hans-Werner Wahl, zählt zu auch international renommiertesten Gerontologen Deutschlands.

 

Während nicht nur in Deutschland die Bevölkerung immer älter wird, die Lebenserwartung des Einzelnen steigt, wird vor allem in der Sozialpolitik heftig darum gestritten, wie dieser Wandel zu gestalten ist. Die bisherigen Vorschläge, die allerdings vorgelegt wurden, bleiben bei der alten Linie, den Wohlstand der alten Menschen und Rentner auf Kosten der jüngeren Generationen zu sichern, weil diese mehr Wählerstimmen besitzen.

 

Doch diese Dimension des Alters interessiert den Gerontologen nur am Rande, wenn auch eine sozial abgesicherte Existenz im Alter mir als eine fast notwendige Bedingung dafür scheint, was Wahl dann sein ganzes Buch über nachweist.

 

Viele Forschungen haben  ergeben, dass wir Menschen uns bis ins hohe Alter weiterentwickeln können und dass viele das auch schon erfolgreich tun. Wahl zitiert Langzeitstudien, die belegen, dass sich Menschen, die etwa kurz vor dem Ruhestand stehen, sich für das Älterwerden bestens gerüstet sehen können. Denn:

  • Ältere fühlen sich meist deutlich jünger, als sie sind und leben dadurch länger
  • Sie können sich erstaunlich gut anpassen und altersbedingte Einschränkungen bewältigen, sind deshalb zufrieden und fühlen sich wohl
  • Trotz vieler Meldungen die wachsende Zahl von Demenzkranken: Ältere sind kognitiv und mental überraschend stabil

An vielen Beispielen wird deutlich: Man kann seinem Alter entspannt entgegensehen, wenn man bereit ist und lernt, es auch aktiv zu gestalten.

 

 

 

Dass wir uns haben

 

 

 

 

 

Luise Maier, Dass wir uns haben, Wallstein 2017, ISBN 978-3-8353-3045-0

 

Dieser kleine Roman der 1991 geborenen, nun in der Schweiz lebenden Luise Maier ist ein kraftvolles, ein bewegendes und ein den Leser tief erschütterndes Buch. Es handelt in kurzen Abschnitten, teilweise wie aus einem Notizbuch, vom Familienleben der namenlosen Erzählerin. Zusammen mit den Eltern und dem großen Bruder lebt sie in einem grünen Haus in einem kleinen Dorf vermutlich in Bayern, wie man aus einigen Hinweisen entnehmen kann.

 

Es geht in dieser Familie vorrangig um gegenseitigen Terror durch Gewalt und durch Schweigen. Schon gleich zu Beginn des Buches fesselt der Vater den Bruder und misshandelt ihn übel, weil der wiederum seine Schwester geschlagen hatte. Mutter und Tochter, die gleiches ebenfalls oft erleben in diesen grausamen Erinnerung versuche n ihn zu trösten:

„Er weinte den restlichen Nachmittag. Mutter und ich saßen abwechselnd an seiner Bettkante und streichelten über seinen Rücken. Der Rücken hörte nicht auf zu zucken. Ich streichelte nur ganz vorsichtig, dort, wo ich auch am liebsten gestreichelt werde, wenn ich weine.“

 

Diese widersprüchliche Gleichzeitigkeit zwischen erbarmungsloser Brutalität gegeneinander und beeindruckender Zärtlichkeit füreinander, zieht sich durch die ganzen 150 Seiten des Buches, das man deshalb mehr als einmal aus der Hand legen möchte, weil man diese Schilderung kaum aushalten kann, auch deshalb, weil die Ätiologie dieser familiären Gewalt im Unklaren bleibt.

Die enorme erzählerische Kraft und sprachliche Wucht, mit der Luise Maier diese wohl biographisch konnotierte Familiengeschichte erzählt, lässt vermuten und hoffen, dass diese junge Frau mit ihrem Debüt einen ersten Schritt aus dieser verhängnisvollen Gewaltgeschichte heraus getan hat und der Beginn, wo sie wie in Rage immer wieder auf einen Notizzettel schreibt: „Ich darf keine Kinder haben“ irgendwann in ihrem Leben keine Bedeutung mehr haben wird.

 

Ich hoffe, sie meldet sich bald mit einem zweiten Roman zurück. Denn Schreiben kann  tatsächlich heilen.

 

Punkte

 

 

 

 

 

Giancarlo Macri, Carolina Zanotti, Punkte, Gabriel 2017, ISBN 978-3-522-30471-9

 

Wie kann man Kindern, die schon im Kindergarten anderen Kindern mit diesem Schicksal begegnen, erklären, was passiert und welche Erfahrung man macht, wenn man flüchten muss?

 

Diesem Bilderbuch aus Italien gelingt es hervorragend all die schwierigen Fragen von Migration, Arm und Reich, Integration und Solidarität mit Punkten zu visualisieren und mit knappen Texten zu begleiten. Es gibt sogar ein Parlament aus Punkten, das über das Schicksal vieler Flüchtlinge entscheidet.
Der Präsident des Deutschen Bundestages Norbert Lammert schreibt in seinem Vorwort zu diesem Buch:

„Flucht, Fluchtursachen und der Umgang mit Ihnen sind schwer zu erklären. Dieses Buch bringt sie trotzdem leicht verständlich auf den Punkt. Ein Buch für ganz junge Leser, aber auch für alle, die solche Erfahrungen vermitteln wollen!“

 

Mit den Symbolen der schwarzen Punkte, denen die in Sicherheit und Wohlstand leben und den schwarzen Kringel, denen es schlecht geht und zu den schwarzen auf die andere Seite wollen stellen die Autoren den Vorgang der Flucht da. Sie zeigen den Kindern, dass es nur mit Zusammenarbeit gelingen kann, fliehende Menschen und Menschen, die in ihrer Heimat aufgewachsen sind, zusammenzubringen.

 

Eine sicher vereinfachte, aber kindgerechte Darstellung.

 

 

 

 

 

Wie Europa die Welt eroberte

 

 

 

 

 

Philip T. Hoffman, Wie Europa die Welt eroberte, Theiss 2017, ISBN 978-3-8062-3476-3

 

Wie kam es, dass Europa, bis zum 15. Jahrhundert ein eher trostloser armer Kontinent, ab etwa Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine Entwicklung nahm, die ihm in fast jeder Hinsicht eine Weltmachstellung brachte?

 

Der amerikanische Professor für Wirtschaft und Geschichte Philip T. Hoffman geht in seinem in den USA hoch gelobten Buch dieser Frage nach und identifiziert permanente Spannungen und militärische Auseinandersetzungen der einzelnen europäischen Reiche und selbst kleiner Fürstentümer untereinander als Ursache eines enormen Wettrüstens, während dem sie neben dem Schießpulver auch viele andere Technologien entdeckten, als Ursache dafür, dass Europa immer mehr an auch globalem Einfluss gewann. Dieser innereuropäische militärische Wettbewerb verschaffte den Europäern im Gegensatz zu anderen Weltmächten jener Zeitspanne, den „entscheidenden Vorteil“. Doch mit dem Ersten und erst recht mit dem zweiten Weltkrieg ging dieser Vorteil verloren.

 

Mit dieser Ausgangsthese zeichnet Hoffman in seinem lesenswerten und informativen Buch die „Eroberungsgeschichte“ Europas nach und erwähnt auch die Schattenseiten dieser Entwicklung.

 

Mich persönlich regte dieses Buch an, nachzudenken über das, was Europa heute, im 21. Jahrhundert, auszeichnet. Darüber, wie die in diesen Tagen besonders deutlich sichtbare politische Notwendigkeit der Rückbesinnung auf die eigenen Stärken und Ressourcen, Europa einigen und ihm einen neuen, eigenen Platz in der globalisierten Welt verschaffen könnte.

 

 

 

 

Wenn dir das Leben in den Hintern tritt, tritt zurück

 

 

 

 

 

Katja Porsch, Wenn dir das Leben in den Hintern tritt, tritt zurück, Goldegg Verlag 2017, ISBN 978-3-903090-81-1

 

Was ist eigentlich Erfolg im Leben und wie definiert man ihn? Insbesondere dann, wenn man auf ganzer Linie gescheitert ist in einem bestimmten Lebensabschnitt. Wie kommt man wieder auf die persönliche und  auch wirtschaftliche Erfolgsspur zurück?

 

Auf eine sehr persönliche und authentische Weise umkreist Katja Porsch, erfolgreiche und bekannte key-note speakerin dieses Thema. Mit ihrer auch emotional geprägten, offen und direkten Weise gibt sie nicht nur Auskunft über ihre ganz persönliche von Tiefen und Höhen geprägten Lebensgeschichte, sondern sie gibt ihren Lesern viele Tipps und Hinweise, wie man im Leben das bekommt, was man wirklich will.

Wichtig ist ihr, immer wieder zu betonen: es kommt überhaupt nicht darauf an, ob man scheitert, sondern es geht immer darum, aus den Niederlagen des Lebens zu lernen, es zu wagen, neu anzufangen, immer weiter zu machen und sich zu verbessern.

 

Gegen eine weit verbreitete Haltung des Jammerns und Klagens über das eigene Schicksal, setzt sie die eigene kreative und mutige Gestaltungsfreude. In einer gut lesbaren Mischung aus Autobiographie und Ratgeber, der weder belehrt noch verurteilt, ermutig sie den Leser, auch dem eigenen Leben eine zweite und wenn nötig auch eine dritte Chance zu geben und immer nach vorne zu schauen, gleichgültig wie hart einen das Leben auch treffen und niederdrücken mag.

 

 

 

Wo ist MH 370 ? Ein Rätsel und der Mann, der es löst

 

 

 

 

Bastian Berbner, Wo ist MH 370. Ein Rätsel und der Mann, der es löst, Dumont Reiseverlag 2017, ISBN 978-3-7701-6973-3

 

Eine neue Reihe mit dem Titel „True Tales“ , wahre Geschichten, bietet der Dumont Reiseverlag in diesem Sommer all jenen an, die gerne Abenteuer- und Reisegeschichten lesen, dabei aber keine großen Wälzer mögen sondern Spaß haben an einer kurzen, spannenden und vor allen Dingen  wahren Geschichte, die sie mitnimmt in die große weite Welt.

 

In dem vorliegenden Band, wie alle anderen etwa 80 Seiten mit vielen Bilder und Fotografien umfassend, erzählt der ZEIT- Redakteur Bastian Berbner die Geschichte von dem US-Amerikaner Blaine Gibson, einem 59- jährigen Globetrotter, der etwas schafft, was millionenschwere internationale Suchaktionen nach dem Verschwinden des Flugs MH-370 nicht schafften. Er löst das angebliche Rätsel.

500 einmalige Erlebnisse in Deutschland

 

 

 

 

 

Lonely Planets, 500 einmalige Erlebnisse in Deutschland, Mairdumont 2017, ISBN 978-3-8297-2663-4

 

Dieser Band beschreibt in kurzen, aber äußerst informativen Texten 500 besondere Orte oder Veranstaltungen in Deutschland und illustriert sie mit schönen, eindrucksvollen Bildern. Es zeigt eindrucksvoll, dass man keine weiten Reisen unternehmen muss, um etwas Besonderes oder gar Abenteuerliches zu erleben.

 

Gegliedert sind die verschiedenen „Erlebnisse“ nach Themenbereichen und nicht nach Regionen. Doch über das Ortsverzeichnis, in dem auch die einzelnen Bundesländern genannt werden, kann man auch durchaus Ziele in der Nähe des eigenen Wohnortes finden.

 

Das Buch mit unzähligen wirklich außergewöhnlichen Zielen verführt zum Entdecken und zum Ausprobieren. Mal was ganz Anderes!

 

Tanz der Tiefseequalle

 

 

 

 

Stefanie Höfler, Tanz der Tiefseequalle, Beltz & Gelberg 2017, ISBN 978-3-407-82215-4

 

Stefanie Höfler weiß wovon sie schreibt. Selbst  als Lehrerin arbeitend, kann sie sich auf eine bewegende und überzeugende Weise in die jugendlichen Protagonisten ihres hier vorliegenden preisgekrönten Romans hineinversetzen.

 

Es ist eine Geschichte, in der es geht um Vorurteile, Mut und strake Charaktere, eine Geschichte von Jugendlichen mitten in den Wehen der Pubertät. Spannend und mit einer überzeugenden und nüchternen Sprache lässt sie die hübsche Sera und den dicken Niko aus deren Sicht erzählen, wie sie nach etlichen  Mobbingerfahrungen vorsichtig eine gewissen Faszination füreinander entdecken und sich näherkommen.

 

Stefanie Höfler schenkt den beiden Jugendlichen eine eigene Sprache, in der sie warmherzig und gefühlvoll eine Geschichte erzählt, die wie gemacht ist für jugendliche Leser. Vielleicht wird dieses Buch in einigen Jahren ebenso als Unterrichtstoff in der 8. Klasse verwendet, wie zum Beispiel Bauers „Nennt mich nicht Ismael“ und andere.

 

 

Systemisch unterrichten

 

 

 

Johannes Schwehm, Systemisch unterrichten, Carl Auer Verlag 2017, ISBN 978-3-8497-01809-2

 

Das vorliegende Buch eignet sich für alle Lehrer, die sich für den systemischen Ansatz als einen für ihre Unterrichtspraxis hilfreiche Methode interessieren. Je nach Vorkenntnissen ist allerdings wohl einigen Zeit nötig, um sich in dieses grundlegenden Buch einzuarbeiten, das nach einem Eingangskapitel über die Bedeutung des systemischen Denken und Handelns, das die erkenntnistheoretischen Grundlagen setzt, sich im zweiten Kapitel mit diesem Denken und Handeln im pädagogischen Kontext befasst.

 

Insgesamt zwölf praktisch erprobte Moderationsverfahren für ein  systemischeres Unterrichten führen in die Praxis ein und laden zum Erproben ein.

 

Überlegungen für die Förderung von systemischen Denken im jeweiligen Schulsystem vor Ort beenden ein anspruchsvolles Buch, das als Motivation für eine weitere, intensivere Beschäftigung mit systemischen Denken geeignet ist. Auf seine Webseite bietet der Autor zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen an, die man nutzen kann um weiterzukommen.

Magnus und der Nachtlöwe

 

 

 

 

Sanne Dufft, Magnus und der Nachtlöwe, Urachhaus 2017, ISBN 978-3-8251-5113-3

 

Mit einem warmherzig und einfühlsam geschriebenen knappen Text und sehr realistischen Aquarellbildern nähert sich Sanne Dufft in den vorliegenden Bilderbuch aus dem Urachhaus Verlag dem Thema kleinkindlicher Angst vor der Nacht und ihren phantasierten Gestakten wie Räubern oder Monstern unter dem Bett.

 

Es handelt von dem kleinen Magnus, der gerne Ritter spielt. Eines Nachts träumt er von einem bösen Räuber, der ihm sein Schwert und seinen Hut wegnehmen will. Seine Mutter muss den weinenden Magnus trösten als er aufwacht.

Natürlich hört seine Großmutter davon und bringt ihm am nächsten Tag einen kleinen Stofflöwen mit, den er sofort mit ins Bett nimmt. Als er erneut von dem Räuber träumt, sagt der „Nachtlöwe“ zu ihm: „Sei kein Hasenfuß. Du bist doch ein Ritter. Setz deinen Hut auf, nimm dein Schwert und schwing dich auf meinen Rücken“.

Gemeinsam verjagen sie den Räuber, was mit einigem Lärm verbunden ist. Als der Vater nachschaut, erklärt ihm Magnus, wie sein Löwe und er den Räuber verjagt haben, und nun die Eltern ihn Ruhe schlafen können…

 

Eines der schönsten „Nachtangst“ – Bilderbücher, die ich in den letzten zehn Jahren gelesen habe.