Loyalitäten

 

 

 

 

Delphine de Vigan, Loyalitäten, Dumont 2018, ISBN 978-3-8321-8359-2

 

Das neue Buch von Delphine de Vigan hat mich tief beeindruckt und bewegt. Sie erzählt daran von Menschen, die allesamt eine Bürde mit sich herumtragen, die aber nicht offensichtlich werden darf. Ihr Leiden am Leben und ihrem Schicksal, ihre Scham, ihre Lügen anderen gegenüber und die Geschichten, die sie erzählen, um andere nicht zu verletzen, sie zu schützen und um selbst irgendwie zu überleben –all das sind „Loyaliäten“, denen sie sich unausgesprochen verpflichtet wissen und die sie an den Rand ihrer Kräfte bringen.

 

Die Hauptpersonen des kleinen Romans, dem es gelingt auf knappem Raum mehr zu erzählen als so mancher dicker Wälzer, sind der 12-jährige Theo, seine Lehrerin Helene, seine Mutter Cecile und sein Freund Mathis. Abwechselnd lässt de Vigan diese Personen in einer fortlaufenden, sich durchaus spannend zuspitzenden Handlung erzählen, wobei die beiden Erwachsenen in der Ich-Form berichten.

 

Helene, der Lehrerin, fällt der neue Schüler Theo Lubin bald auf. Sie spürt, dass mit dem Jungen irgendetwas nicht in Ordnung ist, und bemüht sich, in Gesprächen mit dem Schulleiter zu erklären, was sie spürt.  Auch einem befreundeten Kollegen namens Frederic öffnet sie sich, doch der, durchaus auch beunruhigt, hält ihren seelischen Zustand für „kurz vor dem Zerspringen“ und rät ihr, alles nicht so ernst zu nehmen.

Helene ist nicht überzeugt, zumal sie bei Theo die ganze Zeit der Handlung über immer mehr besorgniserregende Veränderungen feststellt. Doch sie scheint in den Loyalitäten ihrer Schulbürokratie gefangen und als sie endlich durchbricht, scheint es zu spät.

 

Auch mit den Eltern hat Helene gesprochen, aber die sind geschieden und scheinen nur mit sich selbst beschäftigt. Theo indes, ein ruhiger und guter Schüler, kümmert sich (Loyalitäten!) um die unglückliche Mutter und den vereinsamenden und verwahrlosenden Vater.

 

Theo ist mit allem überlastet und trinkt heimlich Alkohol. Der wärmt ihn und schützt ihn vor der ihm als unwirtlich erscheinenden Welt. Nur sein Freund Mathis weiß von Theos immer stärker werdendem Alkoholkonsum, schweigt aber. Theo weiß genau, was der Alkohol schlussendlich mit ihm machen wird, doch er ist hilflos. Er spürt, dass seine Lehrerin Helene ihm helfen möchte, aber er kann doch nicht seine Eltern verraten!

Auch Mathis würde gerne seiner Mutter von seiner Angst um Theo erzählen, doch er ist doch sein einziger Freund. Außerdem würde er dann seinen älteren Bruder bloßstellen, der den Alkohol für Theo und andere Minderjährige besorgt.

 

Immer mehr spitzt sich die Lage zu, keiner wagt wirklich einzugreifen, zu viele Loyalitäten stehen dagegen. Und als Mathis` Bruder ein Spiel im schneebedeckten Park vorschlägt, ist Theo bereit, seinen eigenen Tod in Kauf zu nehmen und zu suchen.

 

Das Spiel läuft aus dem Ruder und als die endlich von Mathis informierte Helene im Park ankommt, und zwei Mal zu dem leblosen Theo sagt: „Ich bin da“, weiß man nicht, ob es nicht schon längst zu spät ist.

 

Delphine de Vigans Roman dieselt wie auch ihrer früheren Bücher sehr lange im Leser nach. Er geht ihm unter die Haut. Man kann das Buch und vor allen Dingen die Personen lange nicht vergessen. Wie viele Theos und Mathisse sitzen da in unseren Klassenzimmern und wie viele Lehrer nehmen überhaupt noch wahr, was mit ihnen los ist?

Mira

 

 

Sabine Lemire, Rasmus Bregnhoi, Mira, Klett Kinderbuch 2018, ISBN 978-3-95470-189-6

 

Franziska Gehm, selbst bekannt durch zahlreiche witzige Bilderbücher hat diesen Comic für alle neugierigen Mädchen zwischen 9 und 12 Jahren aus dem Dänischen übersetzt. Dort erschien das Buch 2017, in dem Sabine Lemire und Rasmus Bregnhoi von Mira erzählen, einem Mädchen etwa im zehnten Lebensjahr. Sie lebt mit ihrer Mutter zusammen, die als Werbetexterin arbeitet. Ihren Vater kennt sie nicht, weil er schon vor ihrer Geburt ihre Mama verlassen hat. Sie würde ihn aber gerne einmal kennenlernen.

Mehr als das aber quält sie derzeit etwas anderes. Miras beste Freundin Jette hat mit Beate, einem Mädchen, das gerade neu in die Klasse gekommen ist, einen Club der Verliebten gegründet und Mira dabei ausgeschlossen. Sie darf deshalb nicht mitmachen, weil sie angeblich noch nie verliebt war. Mira würde gerne verliebt sein, und hofft, dass es mit ihrem Schulfreund Louis geschieht, wenn sie sich beide entsprechend anstrengen.

 

Und sie fragt sich, warum sich ihre Mutter im Verlauf eines Jahres (der Comic umfasst diesen Zeitraum) mehrmals verliebt, und es bei ihr selbst so gar nicht klappen will.

 

Auf eine witzige und für Mädchen in diesem Alter wohl sehr nachvollziehbare Weise erzählt Mira vom Aufwachsen in Zeiten von Instagram und Twitter. Ein Buch, das handelt von Freundschaft und Eifersucht, den ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, dem eigenen Körper und einem Gefühl, das schon früh zu Beziehungen dazuzugehören scheint: der Eifersucht.

 

Und davon, wie es ist, wenn man eine coole Mutter hat, die einem aber manches Mal peinlich ist.

Die Comicform wird helfen, das Buch für viele Mädchen, die sonst nicht so gerne das Handy weglegen und ein Buch lesen, nutzbar zu machen.

Es ist witzig getextet und gezeichnet.

 

 

 

 

Sehen, hören , fühlen

 

 

 

Guiliano Ferri, Sehen, hören , fühlen, minedition 2018, ISBN 978-3-86566-292-7

 

Guiliano Ferri ist ein begnadeter italienischer Bilderbuchautor, dem es mit seinen oft Tiere darstellenden Illustrationen und seinen in der Regel knappen Texten gelingt, schon kleine Kinder in ihren Gefühlen und Sinnen anzusprechen.

In seinem neuen hier vorliegenden Buch geht es um die Wahrnehmung, das Funktionieren und die Bedeutung der fünf Sinne.

Die Blumen, die man riechen kann, die Augen, mit denen man Mond und Sterne am Himmel sehen, die Ohren, mit den man hören kann, wie die Vögel singen, die Zunge und der Mund, mit denen man köstliche Früchte schmecken kann und die Hände, die die warmen Hände der Mutter fühlen können. Und das Fuchskind, das auch auf dem Umschlag mit seiner Mama abgebildet sagt am Ende zu ihr, wie sich all seine Sinne auf sie richten und was das für es bedeutet:

„Mit meine fünf Sinnen kann ich deine Augen sehen, deine Gutenachtgeschichten hören, deinen Duft riechen, dein gutes Essen schmecken, deine Umarmungen fühlen – und ich weiß, dass du mich lieb hast.

 

Ein zauberhaft schönes kleines Bilderbuch, mit mehreren Klappen zum Entdecken und mit einem kleinen Fuchsfell zum Streicheln und Fühlen.

Für kleine Kinder, für die dieses Buch gedacht ist, sind die Sinne zunächst ausschließlich auf seine Mutter gerichtet. Später entdeckt es mit ihnen die Welt, aber die ersten Wahrnehmungen bleiben. Bindung und Liebe. Darum geht es.

 

Die Bücher Ferris kann man ausnahmslos empfehlen.

Namibia

 

 

 

 

Michael Poliza, Namibia, teNeues 2018, ISBN 978-3-96171-128-4

180 Länder hat er nach eigenen Angaben mittlerweile bereist, der international bekannte und erfolgreiche Fotograf Michael Poliza. Auf allen Kontinenten ist er gewesen und dabei ist Afrika nach wie vor sein Favorit. Und auf dem afrikanischen Kontinent selbst bleibt Namibia einer seiner Favoriten.

 

Schon in dem schwergewichtigen Fotoband „Eyes over Africa“ hatte er seine persönliche Liebeserklärung an einen Kontinent, seine Natur und seine Menschen dokumentiert. Eine große Mehrzahl der Bilder war aus der Luft aufgenommen, was ihren besonderen Reiz ausmachte und eine ganz ungewöhnliche Perspektive warf auf eine Natur voller Gegensätze und Extreme.

 

Auch der hier vorliegende Band „Namibia“ ist ein absolutes Schmuckstück und ein Beispiel dafür, wie ein Fotograf mit seinen Bildern dem Betrachter viel mehr vermitteln kann  als ein bloßes Abbild dessen, was er durch sein Objektiv gesehen hat.

Atemberaubende Landschaften und natürliche Denkmäler wie die höchsten Sterndünen der Welt um das Sossusvlei, das NamibRand-Naturreservat, die Kalahari-Wüste und die Spitzkoppe, um nur einige zu nennen, reihen sich hier aneinander . Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft und vom Boden präsentieren die namibische Natur- und Tierwelt, ergänzt durch Porträts der Ureinwohner, die dort ein traditionelles Leben als Viehzüchter und Kleinbauern führen. Dass auch die Wüste lebt, wird hier eindrucksvoll vor Augen geführt: Insbesondere nach den selten auftretenden Regenfällen. Oryxantilopen, Schakale und Erdmännchen, Strauße und Springböcke sind da, wo die Pflanzen dann sprießen und locken wiederum ihre Feinde an. Die im Jägerjargon betitelten Big Five Löwen, Leoparden, Elefanten, Büffel und Nashörner sind in diesem Gebiet ebenfalls heimisch und teilen sich das Wenige, was vorhanden ist, stets im ökologischen Gleichgewicht.

 

Dieses wertvolle Buch, das seinen teuren Preis aber wert ist, eignet sich als repräsentatives Geschenk für Freude der Fotografie einerseits und für Liebhaber des afrikanischen Kontinents andererseits.

 

Vielleicht ist es aber auch für den Betrachter Anlass einmal über einen Urlaubsaufenthalt in diesem touristisch gut erschlossenen Land nachzudenken.

 

Gamers Edition 2019

 

 

Guinness World Records, Gamers Edition 2019, Ravensburger Verlag 2018, ISBN 978-3-473-55461-4

 

Mit diesem Buch einer neuen Reihe des Ravensburger Verlags können Gamer aller Sparten sich stundenlang verweilen. Denn mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren ist die Gamer’s Edition das ultimative Jahrbuch für jeden Gamer! Randvoll mit herausragenden Rekorden, fantastischen Statistiken und verblüffenden Fun Facts zu den beliebtesten Spielen, bietet die neue Ausgabe mehr Spannung und Action als jede andere vor ihr. Diesmal ist natürlich alles über den Smash-Hit POKÉMON GO dabei, außerdem die erfolgreichsten Pro-Gamer und die größten YouTube-Stars, dazu fantastische Bilder und exklusive Interviews. Egal ob Super Mario, Skylanders oder Spider-Man, die GWR Gamer’s Edition hat sie alle!

 

Auch die Edition 2019, nun von Hoffmann und Campe zu Ravensburger gewandert, präsentiert faszinierende Leistungen, tolle Rekorde, Wissenswertes und Witziges rund um die beliebtesten, coolsten und viralsten Computerspiele des Jahres und stellt die Menschen vor, die sie spielen.

 

 

 

 

Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Väter und Mütter

 

 

 

Konrad H. Jarausch, Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Väter und Mütter, Wbg Theiss 2018, ISBN 9878-3-8062-3787-0

 

Mit diesem Buch legt der Historiker Konrad Jarausch nach „Aus der Asche. Eine neue Geschichte Europas im 20.Jahrhundert“  eine deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts vor unter dem Titel „Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Mütter und Väter“.

 

Er hat dazu die Lebensgeschichten und Autobiographien von über 80 Zeitzeugen ausgewertet und in ihrem Spiegel versucht, die Generation der Mütter und Väter der heutigen Leser zu verstehen. Alle diese Menschen, darunter sehr bekannte wie Joachim Fest, Fritz Stern, Dorothee Sölle und Ruth Klüger sind während der Weimarer Republik geboren. Diese Generation hat die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg erlebt, aber auch die Nachkriegszeit in der BRD oder der DDR bis hin zur Wiedervereinigung.

 

Ganz verschiedene Lebensläufe hat Jarausch zusammengetragen, ihre Spannweite geht von glühenden Nazis bis zu jüdischen Holocaust-Opfern, von politischen Wendehälsen bis zu unpolitischen Zeitgenossen. Es sind meist gebrochene Biographien aus denen der Autor in vielen Mosaiksteinen eine Art kollektive Biographie des 20. Jahrhunderts entstehen lässt. Wie haben diese »ganz normalen Deutschen« das 20. Jahrhundert erlebt, erlitten und verarbeitet?

Die Mosaiksteine sind gebildet aus praktisch allen Bevölkerungsgruppen. Männer, Frauen, Arbeiter, Bürger, Arme und Reiche. Es finden sich Katholiken, Protestanten und Juden. Täter, Opfer und Mitläufer während der NS-Zeit, Bürger der BRD und Bürger der DDR.

 

Es ist diese Mischung, die das Buch von Konrad Jarausch zu einem faszinierenden und sehr gut lesbaren Geschichtsbuch macht. Ein Buch, das den einen oder anderen seine Vorfahren, Eltern und Großeltern näher bringen kann, weil es verstehen will und nicht verurteilen.

 

Das ganze Leben in einem Tag

 

 

 

 

Andreas Salcher, Das ganze Leben in einem Tag, Ecowin 2018, ISBN 978-3-7110-0164-1

Andreas Salcher ist mit seinen Büchern zu einem leidenschaftlichen Anwalt für mehr Achtsamkeit im Umgang der Menschen miteinander und mit sich selbst geworden. Seine im Salzburger Ecowin-Verlag erschienenen Werke sind auch einem deutschen Publikum seit einigen Jahren ein Begriff geworden.

 

In seinem Buch „Der talentierte Schüler und seine Feinde“ schrieb er etwa an gegen eine massenhafte Talentvernichtung an unseren Schulen. Auch „Der verletzte Mensch“ und „Meine letzte Stunde“ waren Bücher von hoher Intensität, in denen sich Salcher ausführlich und bis in Tiefen seiner eigenen Seele und Persönlichkeit mit seinen Themen befasste. „Meine letzte Stunde“ etwa war ein flammendes und lebendiges Plädoyer dafür, die Unachtsamkeit gegenüber unserem eigenen Leben aufzugeben, es endlich wertzuschätzen und sich dann eben auch mit seinem Ende auseinanderzusetzen. „Machen Sie sich die letzte Stunde zum Freund, anstatt ihr unvorbereitet als Fremder zu begegnen.“

 

Sein letztes 2012 erschienenes Buch richtete sich an seinen Enkel, dem er am Ende folgende Worte mitgab:

„Am Ende des Tages bleibt von uns nur der Tropfen im Ozean. Dieser Tropfen muss keine Träne sein. Du hast Deine Geschichte, für die Du verantwortlich bist. Dein Leben kann gelingen. Wer will nicht Teil von etwas Bedeutendem sein. Wer will nicht auf der richtigen Seite gestanden sein. Wie gut wäre das Gefühl, wenn Du eines Tages auf die Frage nach Deiner Verantwortung antworten kannst: Ich habe es gesehen, ich habe getan, was ich konnte, und das Schöne war, ich bin nicht allein geblieben.“

 

Nun widmet er „allen neugierigen und lernenden Menschen“ ein neues Buch, dem er den Titel gab“ Das ganze Leben in einem Tag“. Getreu der Devise von Marcel Proust „Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit neuen Augen zu sehen“, ermöglicht er es seinen Lesern aller Altersstufen mit in 24 Stunden beschriebenen Lebensthemen wie ein Forscher auf ihr eigenes Leben zu schauen. Er empfiehlt seinen Lesern zunächst sich mit der Stunden zu beschäftigen und dem Lebensalter, in dem sie sich im Augenblick befinden, bevor sie zu den anderen Tagen gehen.

Immer geht es darum, die ungeahnte Möglichkeiten dieser Methode zu nutzen: denn man kann jeden Tag neu entscheiden, wohin man sich selbst weiter entwickeln will.

 

Salcher beschreibt immer wieder den erkennenden Menschen, der seinen Verstand zu nutzen weiß. Über den suchenden Menschen, der über seine eigene Existenz hinausdenkt, den verzeihenden Menschen, der mit sich und anderen im reinen ist, den neugierigen Menschen, der nie aufhört zu lernen und den verletzbaren Menschen, der zu Liebe und Mitgefühl fähig ist.

 

Wer die bisherigen Bücher von Andreas Salcher kennt, die er im 1-2 Jahresrhythmus geschrieben hat, wird vieles in diesem neuen Buch wiedererkennen.  Es liest sich wie eine Art Zusammenfassung seiner Philosophie, wie ein persönliches Vermächtnis.

 

 

 

 

Wilde Tiere

 

 

 

 

 

 

 

Guinness World Records, Wilde Tiere, Ravensburger Verlag 2018, ISBN 978-3-473-55462-1

 

Mit diesem Buch einer neuen Reihe des Ravensburger Verlags können junge Tierfreunde bekannte und weniger bekannte Wildtiere ganz neu erleben.

Gleich ob es die größten oder die kleinsten, die schnellsten oder langsamsten, die tödlichsten oder die merkwürdigsten Tiere sind – dieses Buch von Guinness World Records präsentiert die coolsten Kreaturen der Welt.

Interessant und abwechslungsreich aufgebaut können junge Leser diese Kreaturen mit ihren Höchstleistungen, Eigenheiten und besonderen Kräften bestaunen.

Von sanften Ozeanriesen zu Killerkäfern, von mächtigen Räubern zu listigen Beutetieren, von Wildtieren im eigenen Garten bis zu Exoten aus fernen Ländern – GUINNESS WORLDS RECORDS Wilde Tiere  ist ein faszinierendes Handbuch all dieser Stars der Tierwelt.

 

 

 

Was ein Mann ist

 

 

 

 

David Szalay, Was ein Mann ist, Hanser 2018, ISBN 978-3-446-25824-2

 

In seinem in England nach seinem Erscheinen 2016  hochgelobten Buch „Was ein Mann ist“ begibt sich der Schriftsteller David Szalay auf die Suche nach dem, was männlich ist.

Dabei porträtiert er mit entsprechenden unterschiedlich langen Geschichten insgesamt neun Männer im Alter von siebzehn  bis siebzig Jahren. Von April bis Dezember stellt er jeden Monat einen von ihnen vor. Sie leben irgendwo in Europa, und jeder ist jeweils einige Jahre älter als der vorherige. Sie und ihre Lebensgeschichten haben nichts miteinander zu tun und doch ähneln sie sich.

 

Alle verbindet, und wer kennte das nicht als Mann, dass sie permanent denken, sich beweisen zu müssen, entweder mit oder vor Frauen oder mit anderen Dingen, an denen sie hängen oder denen sie verfallen sind. Alle eint, und auch das kennt jeder Mann, dass sie gerne stark sein würden, vor und für sich selbst, hauptsächlich aber um andere zu beeindrucken. Stärke als Identitätselixier, als Selbstbestätigungsdroge, von der sie nicht lassen können. Aber die meisten der Männer sind feige. Sie stolpern unbeholfen durch ihr Leben, sind eitel, manche sogar regelrecht widerwärtig und abstoßend.

 

Und doch habe ich bei fast allen neun porträtierten Männern aller Altersstufen so etwas gespürt wie Mitleid, ich fühlte mich ihnen in manchen Dingen nah in ihrer reumütigen Zerbrechlichkeit.

 

Bei etlichen Männern, die Szalay beschreibt, hat man den Eindruck, er kennt sie aus irgendeiner Phase seines eigenen Lebens sehr genau.  Es sind übrigens genau die, bei denen bei mir immer wieder eine Lampe der Erinnerung aufblitzte, ich eine Art verfremdetes Deja-Vu erlebte. Anderen Charakteren indes, die von seiner eigenen Lebenswirklichkeit und  Biographie weit weg sind, nähert Szalay sich mit einer bewundernswerten Virtuosität und Einfühlsamkeit.

 

Es sind zärtliche und warmherzige Porträts durchweg einsamer Männer. Sie kämpfen um Liebe, hadern mit ihrer Vergänglichkeit, verachten  ihre Schwächen und lassen sich immer wieder verführen von ihrer eigenen Eitelkeit.

 

Man könnte sagen, für Szalays Protagonisten findet sich ihr Mannsein in ihren Krisen und ihrem Umgang damit. Männer geraten in Krisen, wenn sie es nicht schaffen, mit den Veränderungen, mit denen sie das Leben konfrontiert, Schritt zu halten.  Manchmal kommen sie, sich selbst neu erfindend, wieder heraus, andere zumindest dämmert die Erkenntnis, dass sie genau das „eigentlich“ tun müssten.

Szalays Porträts sind Geschichten, die quasi im Schnelldurchgang sich an einer Psychoanalyse des modernen Mannes versuchen. In diesem Buch können Männer, so wie der Rezensent es für sich beschrieben hat,  sich wiedererkennen. Und Frauen, falls sie das Buch lesen, können Männer besser kennenlernen.

 

 

Die Schwalbe, die den Winter sehen wollte

 

 

 

Philip Giordano, Die Schwalbe, die den Winter sehen wollte, Knesebeck 2018, ISBN 978-3-95728-180-7

 

Aus dem Französischen von Ingrid Ickler feinfühlig übersetzt handelt das vorliegende Bilderbuch von Philip Giordano von einer kleinen Schwalbe namens Iris, die nach einem herrlichen Frühling und einem strahlenden Sommer eines Abends kurz vor dem gewohnten Abflug in den Süden zu ihren anderen Vogelfreunden sagt: „Was geschieht eigentlich im Wald, wenn wir nicht da sind?“

 

Niemand weiß die Antwort, außer dass nach dem Herbst der Winter kommt. Iris ist neugierig und beschließt in diesem Jahr zu bleiben. Sie lässt sich auch von Bedenken der älteren und erfahrenen Schwalben nicht abbringen. Eine alte Schwalbe schenkt ihr eine Eichel als Anhänger.

 

Und dann sind sie alle weg und Iris erlebt die sich verändernde Natur, was Philip Giordano in prächtigen Farben gezeichnet hat. Und als dann die Blätter fallen und kaum noch Insekten in der Luft sind, die sie satt machen könnten, hat die kleine Schwalbe zum ersten Mal in ihrem Leben „das Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein.“

 

Als viel Schnee gefallen ist und Iris begeistert im Schnee gespielt hat, den sie zum ersten Mal sieht, landet sie kurze Zeit später erschöpft unter einem Baum und schläft im Schnee ein. Sie wird beobachtet von Sam, dem Eichhörnchen, das auf Nahrungssuche sofort die Eichel in Iris` Federkleid bemerkt hat. Er rettet sie aus dem Schnee und bringt sie in seine Höhle. Dort erzählt Sam ihr von der Härte des Winters. Und sie freunden sich an. Gemeinsam machen sie sich jeden Tag auf die Suche nach den Eicheln, die Sam im Herbst versteckt hat.

 

Sie verbringen den ganzen Winter zusammen und auch als im Frühling die anderen Schwalben wieder aus dem Süden zurückkommen, sehen sie sich oft. Iris indes wird mit den anderen dieses Mal wieder in den Süden fliegen. Aber im nächsten Frühjahr wartet Sam schon auf sie.

 

Ein zauberhaft und farbenprächtig  illustriertes Bilderbuch über die Jahreszeiten und die Gesetze der Natur. Und ein schönes Beispiel einer ungewöhnlichen Freundschaft.