Wir entdecken Märchen

 

 

 

Susanne Gernhäuser, Marion Kreimeyer-Visse, Wir entdecken Märchen, Ravensburger Verlag 2018, ISBN 978-.3-473-32938-0

 

Mit  dem vorliegenden von Susanne Gernhäuser getexteten und von Marion Kreimeyer-Visse liebevoll illustrierten Sachbilderbuch über die Welt der Märchen legt der Ravensburger Verlag den nunmehr 68. Band seiner beliebten Sachbuchreihe für Kinder zwischen vier und sieben Jahren vor, die unter dem Reihennamen WiesoWeshalbWarum in den letzten Jahrzehnten jeden Kind mindestens einmal zuhause, im Kindergarten  oder in der Bibliothek begegnet ist.

 

„Wir entdecken Märchen“ haben die Autorinnen das Buch genannt, in dem sie viel Wissenswertes über Märchen aufarbeiten:

  • Was ist das Besondere an Märchen?
  • Wo kommen Märchen her?
  • Wer hat Märchen aufgeschrieben?
  • Warum werden Märchen erzählt?
  • Welche Rolle spielen Tiere im Märchen?
  • Warum gibt es im Märchen Magie?
  • Wer verwandelt sich im Märchen?
  • Welche Rolle spielen Hexen im Märchen?
  • Wer erfüllt Wünsche?
  • Welche Zwerge und Riesen gibt es im Märchen?
  • Welche Fabelwesen gibt es noch?
  • Warum glaubten Menschen an Drachen?
  • Wie werden Märchen lebendig?

 

Wie immer in dieser Reihe, die sehr spielerisch Sachwissen vermittelt, laden einzigartige Klappen zum Entdecken ein.

 

Mit diesem Buch können Kinder ab 4 Jahren bis zum ersten Lesealter die Märchen, die sie gerne hören und erzählt bekommen besser verstehen. Auf diese Weise bekommen sie eine erste und frühe Einführung in das was sie später im Deutschunterricht als Literaturkritik kennenlernen werden.

 

Die Mittelmeerreise

 

 

 

 

Hanns- Josef Ortheil, Die Mittelmeerreise, Luchterhand 2018, ISBN 978-3-630-87535-4

 

Über Hanns-Josef Ortheils Kindheits -Roman „Die Erfindung des Lebens“ schrieb ich vor vielen Jahren:

„Ortheil hat es in seinem wohl persönlichsten Buch auf eine meisterhafte Weise verstanden, das Gestern und das Heute zu verbinden und zu einer einmaligen Leseerfahrung zu machen.

Schon lange hat kein Buch mehr so mitfühlend vom Leben und der Liebe geschrieben. Ortheils Roman ist ohne jeden Kitsch und ohne jedes Pathos ein Buch, dessen wahre Geschichte noch das härteste Leserherz erweichen wird. Ein Buch über die heilende Kraft der Musik und die lebensrettende Wirkung des Schreibens und der Literatur. Denn niemand wird dieses Buch nach atemlosem und gebannt – mitfühlendem Lesen aus der Hand legen, ohne so etwas wie wirklichen Trost und Ermutigung für sein eigenes Leben gespürt zu haben, wie immer es auch aussehen mag.

Ein großes Buch, ein wahrhaft meisterhafter Roman.“

Vielen Menschen ist es bei der Lektüre dieses wunderbaren Buches ähnlich gegangen, und viele werden, so wie ich, danach auch  „Die Moselreise“ zur Hand genommen haben, quasi der Vorläufer des gleich anzuzeigenden Buches. Von Hanns-Josef Ortheil als Elfjähriger nach der ersten Reise, die er allein mit seinem Vater unternahm, aufgeschrieben und hier zum ersten Mal, mit begleitenden Essays des Autors ergänzt, veröffentlicht, füllt es eine Lücke über entscheidende Tage im Leben von Ortheil, die in „Die Erfindung des Lebens“ nur ganz nebenbei erwähnt worden sind.

Es war diese Reise, der dann viele weitere folgen sollten, die der kluge und umsichtige Vater organisiert hatte, um seinem Sohn aus seiner inneren Gefangenschaft herauszuhelfen. Das Buch ist nicht nur ein schöner Reisebericht, in dem sich das schriftstellerische Talent des späteren Autors schon andeutet, sondern auch ein einzigartiges bewegendes und eindrückliches Dokument einer wunderbaren Vater-Sohn-Beziehung.

 

Nach Vater und Sohn 1964 in Berlin waren  (vgl. Die Berlin-Reise, Luchterhand 2014), unternehmen sie 1967 eine weitere, sehr große „Mittelmeerreise“ auf einem schwer beladenen Frachter, von Amsterdam, durch die Meerenge von Gibraltar bis nach Griechenland und Istanbul.

 

Ähnlich wie schon das Manuskript der „Moselreise“ wanderten auch die Aufzeichnungen des 16- jährigen Johannes, wie ihn sein Vater nennt, in das Familienarchiv, wo sie Hanns-Josef Ortheil wo er es erst vor einiger Zeit wiederentdeckte und mit wachsendem Erstaunen. Er hat sie abgetippt und hat sie zu einem „Roman eines Heranwachsenden“ collagiert.

 

So leicht verändert, wird dieses Buch nun wie die beiden anderen Reiseromane vorher veröffentlicht. Wie schon „Die Moselreise“ das große literarische Talent des gerade Zwölfjährigen zeigte, dem es sehr sensibel gelingt, feine Stimmungen aufzufangen und in Worte zu fassen, zeigt er sich vier Jahre später als gereifter junger Mann, der eine große Odyssee ins Erwachsenenleben beschreibt.

 

 

Wieder beobachtet die Menschen, die er trifft, ganz genau und ihm gelingt es meisterhaft, die Atmosphäre auf dem Frachter zu beschreiben. Er macht sich seine eigenen Gedanken zu Dingen, die er sieht oder Begriffen, die er hört.

 

Ich habe mich nach der Lektüre dieses faszinierenden Buches gefragt, ob im Jahr 1967 irgendein deutscher Verlag dieses Buch eines gerade Sechzehnjährigen veröffentlicht hätte, und welche Wirkung dessen genaue und feinfühlige Beobachtungen gehabt hätte bei der Kritik.

 

Allen Freunden von Ortheil sei dieses Buch sehr empfohlen. Und wer seinen oben beschriebenen und wertgeschätzten Roman noch nicht kennt und die Beschreibung der ersten beiden Reisen – man sollte es nachholen.

 

Trotzdem allem freue ich mich auf den Altersroman von Ortheil.

 

Geniale Giganten. Die Weisheit der Wale und Delfine

 

 

 

 

Janet Mann, Geniale Giganten. Die Weisheit der Wale und Delfine, wbgtheiss 2018, ISBN 978-3-8062-3790-0

 

Dass neben den nächsten Verwandten des Menschen, den Menschenaffen, seit langer Zeit auch Wale und Delfine als die intelligentesten Lebewesen auf der Erde gelten, das ist nicht nur den Liebhabern dieser außergewöhnlichen Tiere bekannt.

 

Schon frühe Aufzeichnungen von Naturbeobachtern haben notiert, dass Wale und Delfine keine gewöhnlichen Fische sind, sondern dass sie außergewöhnlich kluge und intelligente Tiere sind, die Werkzeuge benutzen können, miteinander mittels komplizierter Gesänge kommunizieren und sich selbst erkennen können. Ihre vielschichtigen sozialen Beziehungen sind phänomenal.

 

All das ist bekannt und auch schon in vielen Büchern und Filmen gezeigt worden. Nun hat die Professorin für Biologie und Psychologie an der Georgetown University, Janet Mann, ein Buch geschrieben, das nicht nur mit 150 beeindruckenden Fotografie diese Erkenntnisse zusammenfasst, sondern auch die neueste Forschungen vorstellt, die zeigen, zu welchen Sinnesleistungen Wale und Delfine fähig sind. Es sind „geniale Giganten“, die für das Selbstverständnis des Menschen unverzichtbar sind. Sie schreibt dazu:

„Es ist wichtig, die Kultur der Wale zu verstehen. Nur so können wir nachvollziehen, warum sich Wale auf eine bestimmte Art und Weise verhalten und wie sie sich entwickelt haben. Dies hat Auswirkungen auf den Naturschutz, denn ihre Kultur bedingt, wie sie auf menschliche Einwirkungen – von Fischerei über Walfang bis hin zu durch den Klimawandel veränderten Lebensräumen – reagieren. Wenn wir verstehen, wie sich Kultur im Ozean entwickelt hat, können wir möglicherweise Licht auf unsere eigene Herkunft werfen. Wenn wir Wale als kulturelle Wesen wahrnehmen, könnte dies die Art, wie wir mit ihnen und anderen nichtmenschlichen Kulturen umgehen, beeinflussen.“

 

 

An der Geige: Hugo, der Hund

 

 

 

David Litchfield, An der Geige: Hugo, der Hund, Bohem Verlag 2018, ISBN 978-3-95939-063-7

 

Viele Kinder, aber auch Erwachsene waren 2015 begeistert von dem „Bär am Klavier“ , jener wunderbaren Geschichte eines Bären, der vom Wald auf die Bühnen der Welt kommt und dort sagenhaften Erfolg hat.

 

In der hier vorliegenden Fortsetzung taucht der Bär wieder auf, doch zunächst wird die Geschichte von Hector und Hugo erzählt. Hector ist ein alter Musiker, der schon lange zusammenlebt mit seinem besten Freund, dem Hund Hugo. Im Laufe der Jahre hatten die beiden gute und schlechte, aber auch ziemlich verrückte Zeiten erlebt.

 

Doch nun, da alle nur dem klavierspielenden Bär lauschen wollen, ist sein Geigenspiel nicht mehr gefragt und Hector hört auf die spielen. Doch Hugo holt die Geige heimlich aus dem Versteck und fängt an zu spielen. Zunächst nur auf der nächtlichen  Dachterrasse zur Freude der Nachbarn und zum Erstaunen von Hector, den das Spiel aus seinem Dämmer aufgeweckt hat, in der er sich all die Zeit geflüchtet hatte.

 

Hector lehrt seinem Hund alles Tipps und Tricks und immer mehr Leute wollen Hugos Spiel hören. Die Nachricht über den Hund an der Geige verbreitet sich in Windeseile und kommt auch dem berühmten Bär zu Ohren. Der bietet ihm an, in seiner neuen Band mitzuspielen. „Es ist die Chance deines Lebens.“

 

Hugo packt seine Koffer, aber Hector schafft es nicht, ihm beim Abschied seinen Segen zu geben. Ist es Trauer, ist es Eifersucht?

 

Die Nachricht vom Erfolg der Bären Big Band auf den Bühnen der Welt und dem Spiel des Hundegeigers Hugo kommt auch Hector zu Ohren und als die Band eines Tages in seiner Heimatstadt auftritt, kauft er sich eine Karte und wird von Hugo auf die Bühne gerufen. Er soll selbst noch einmal spielen. Und da wird Hector klar, dass sie für immer Freunde bleiben würden, auch wenn sie nun getrennt waren: „Denn gute Freundschaft währt – wie gute Musik- ein Leben lang.“

 

Ein Bilderbuch, das viel mit Licht und Schatten spielt und wunderbar erzählt vom Zauber der Musik und die Kraft lebenslanger Freundschaft, die sie zu stiften vermag.

 

 

Das Bären-Buch. Zu Besuch bei Bären aus aller Welt

 

 

Katie Viggers, Das Bären-Buch. Zu Besuch bei Bären aus aller Welt, Laurence King Verlag 2018, ISBN 978-3-96244-036-7

 

Jedes Kind weiß, was ein Bär ist. Sie kommen in vielen Märchen und Bilderbüchern vor. Die bekanntesten sind sicher der Braunbär, der noch größere Eisbär und der putzige, aber seltene Pandabär aus China.

 

Doch es gibt in der großen Bärenfamilie der Welt noch fünf weitere Arten: den Lippenbär, den amerikanische Schwarzbär, den Brillenbär, den asiatischen Schwarzbär und den kleinen Sonnenbär.

 

Sie alle werden nacheinander von Katie Viggers auf je einer Doppelseite mit allen wichtigen Informationen über Lebensraum, Größe und Nahrung vorgestellt.

 

Im zweiten Teil des Buches sind, obwohl das in der Natur so nie vorkommt, alle acht Bärenarten jeweils unter einem Stichwort auf einer sehr lustig gezeichneten Doppelseite abgebildet. Da geht es um Nahrung, ums Schwimmen, ums Klettern, das Laufen, um die Winterruhe.

 

Auf der letzten Seite wird relativ kurz angedeutet, dass der Mensch durch den Klimawandel und die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensgrundlagen das Überleben vieler Bärenarten auf das Spiel setzt.

 

Viele interessante und lustige Fakten kombiniert mit den schönen Illustrationen von Katie Viggers machen dieses Sachbilderbuch zu einer guten Einführung in die Welt der Bären.

Wo leben die Tiere unserer Welt

 

 

Thomas Müller, Wo leben die Tiere unserer Welt, Gerstenberg 2018, ISBN 978-3-8369-5986-5

 

Durch seine bisherigen  Bücher, in denen er mit großer Sachkenntnis und wunderbaren Zeichnungen unter anderen die Eule, die Schwalben, Spatzen und Störche durch das Jahr begleitete und ihren jeweiligen Lebensrhythmus und ihre Ernährungs- und Fortpflanzungsgewohnheiten beschrieb, ist Thomas Müller zu einem der besten Sachbuchautoren für Kinder geworden.

 

Nun zeigt er in einem großformatigen Sachbilderbuch im Gerstenberg Verlag de große Bandbreite der Tierwelt auf unserem Planeten. E hat sein Buch in zehn  Lebensräume aufgeteilt, denen er jeweils zwei Doppelseiten widmet (Wald, Antarktis, Bauernhof, Korallenriff, Feld und Wiese, der tropische Regenwald, die Stadt, die Meeresküste, der Teich und die afrikanische Savanne).

Jedem Lebensraum ist eine liebevoll und detailgetreu illustrierte Panoramaseite gewidmet, auf der es für die das Buch betrachtenden Kinder viel zu entdecken gibt. Danach wird auf einer folgenden Übersichtsseite jedes auf der Panoramaseite abgebildete Tier no9ch einmal gezeigt und kurz beschrieben.

Wer ein bestimmtes Tier sucht, kann dieses in einem Register mit farbig gestalteten Tier-Icons finden. Die Farben helfen dabei den Kindern beim Suchen: Wo leben die Tiere unserer Welt?

 

Durch die wunderbaren Zeichnungen lernen die Kinder eine Menge Tiere kennen und unterscheiden.

Ein beispielhaftes und schönes Sachbilderbuch für Kinder ab etwa 5 Jahren zum Vorlesen und Anschauen geeignet.

 

 

 

 

 

Henry bei den Dinosauriern

 

 

The Tjong-Khing, Henry bei den Dinosauriern, Moritz Verlag 2018, ISBN 978-3-89565-365-0

 

Henry lebt mit seinen Eltern auf einer Farm im US-Bundesstaat Montana. Seit langer Zeit werden dort zum Teil, spektakuläre urzeitliche Funde und ausgegraben. Nicht nur deshalb ist Henry seit er ein ganz kleiner Junge war, ein Fan von Sauriern.

 

Welch eine Freude ist es für ihn, nachdem seine Eltern auf ihrer Farm eine großen Knochen ausgegraben haben,  die von weither angereisten Forscher und Archäologen zu beobachten, die schon bald nach dem Fund ihre wissenschaftliche Arbeit aufgenommen haben.

 

Nachts, als er nach einem aufregenden Tag in seinem Zimmer schläft, verwandelt er sich im Traum in einen Magic Man. Mit seinem Zauberstab kann er die Dinos bändigen und sogar ein kleines Dinobaby aus den Fängen eines anderen räuberischen Sauriers retten. Und er erlebt, wie eine enorme Schlammlawine die Urtiere verschlingt.

 

Tatsächlich war es  wohl eine Schlammlawine, die den auf der Farm ausgegrabenen T-Rex vor Urzeiten rasend schnell im Schlamm begraben hat, wie Henrys Vater später stolz den Journalisten der „Montana Times“ erzählt.

Anlässlich der Ausgrabung eines T-Rex-Skelettes für das niederländische Naturkundemuseum in Leiden hat sich Thé Tjong-Khing diese Geschichte ausgedacht und pendelt darin zwischen Fiktion und Fantasie. Kleine Dinoexperten werden von diesem Bilderbuch begeistert sein. Es gibt mehr davon, als man denkt.

 

 

 

Von Hass erfüllt. Warum Menschen zu Terroristen und Amokläufern werden

 

 

 

 

Nils Böckler, Jens Hoffmann, Von Hass erfüllt. Warum Menschen zu Terroristen und Amokläufern werden, mvgverlag 2018, ISBN 978-3-86882-691-3

 

Nach jedem neuen Anschlag in Europa (die unzähligen Selbstmordattentate im Irak etc. bekommen wir ja schon gar nicht mehr mit) fragt sich die Öffentlichkeit, was in einem Menschen vorgehen muss, dass er sich selbst im Namen einer Religion (meist der Islam) oder Ideologie opfert und oft Dutzende von Menschen mit in den Tod reißt.

 

Wie wird ein Mensch zum Terroristen? Ist das die in den letzten zehn Jahren zunehmende schnelle Radikalisierung durch das Internet, sind es Elemente einer unversöhnlichen Religion, die alle Nichtgläubigen als Todfeinde erachtet, ist es, wie im Falle von Anders Breivik, der in dem vorliegenden Buch auch diskutiert wird, eine rechtsextreme Ideologie, die in allem Fremden eine Bedrohung des eigenen, natürlich als rein und edel imaginierten Volkes sieht?

 

Die beiden Autoren des vorliegenden Buches gehen nicht nur dem Attentat von Anders Breivik nach, sondern erklären auch die Gedankenwelt von jugendlichen Syrien-Reisenden. Sie behandeln die Aktionen des NSU ebenso wie die psychologischen Hintergründe der Anschläge von Brüssel und Paris.

 

Interessant ist, dass sie auch zeigen, dass das Phänomen terroristischer Einzeltäter nicht unbedingt ein neuzeitliches ist. Schon seit vielen Jahrzehnten stellen diese Attentate eine erhebliche Bedrohung demokratischer Gesellschaften dar.

 

Mein Fazit nach einer ziemlich ernüchternden Lektüre: wir müssen lernen mit solchen Attentaten zu leben und unsere Ängste davor nicht die Oberhand gewinnen lassen. Das betrifft auch den Umgang der Politik damit. Wir müssen aufpassen, dass die Reaktionen auf solche Anschläge nicht genau das befördern, was die Terroristen wollen.

 

 

Der Insasse (Hörbuch)

 

 

 

Sebastian Fitzek, Der Insasse (Hörbuch), Argon 2018, ISBN 978-3-8398-1636-3

 

In seinem neuen Psychothriller, der mit seinem Aufbau, seiner Thrillerqualität und seinen tollen Überraschungseffekten seinen Vorgängern in nichts nachsteht, begibt sich Sebastian Fitzek in die geschlossene Welt einer psychiatrischen Anstalt, in der in einem besonderen Hochsicherheitstrakt Täter inhaftiert sind, für die das Gericht eine solche Verwahrung angeordnet hat.

 

Zu ihnen gehört auch Guido Tramitz, ein gefühlloser Mann, der nach etlichen anderen Kindern auch vor einem Jahr den kleinen Max, den Sohn  von Till Berghoff entführt und wohl auch getötet hat. Doch während Tramitz der Polizei zu den Leichen seiner früheren Opfer geführt hat, verweigert er auf Anraten seiner Anwältin, die sich in ihn verliebt hat, jegliche Auskunft.

 

Nachdem Till Berghoffs Ehe gescheitert ist und er durch seine aufbrausende Art auch seinen Job verloren hat, glaubt er keine andere Wahl zu haben, als sich mit Hilfe seines bei der Polizei arbeitenden Schwagers als „Insasse“ in die Klinik einwiesen zu lassen, in der Tramitz sich befindet.

So will er herausfinden, was mit seinem Sohn geschehen ist und wo seine Leiche zu finden ist.
Kaum in der Klinik angekommen, tut sich für Till Berghoff ein Alptraum auf, der den Leser gleich von Anfang an regelrecht gefangen nimmt. In dieser Klinik ist nichts so, wie es sein sollte, Abgründe von Hass, Bosheit und Korruption tun sich auf, die es Till zunächst fast unmöglich machen, an Tramitz heranzukommen. Als er dies endlich geschafft hat, geht das Drama aber erst richtig los.

 

Eine atemberaubende Handlung zwingt den Leser atemlos in seine Couch oder seinen Lesesessel, gerne übersieht er auch Stellen, wo es mit der Logik und der Wahrscheinlichkeit der geschilderten Ereignissen eher hapert. Das geht sich stiegrend so wieter bis zu einem Ende, mit dem, wie immer bei Fitzek, nicht zu rechnen war.

 

Auch seine Danksagung fällt dieses Mal aus dem Rahmen.

 

Ein Thriller, mit zum Teil sehr brutalen Stellen, die mir einige Male sofort auf den Magen geschlagen sind.

 

Simon Jäger, der bisher alle Thriller von Sebastian Fitzek in autorisierten Lesefassung auf Hörbücher gebannt hat, hat auch dieses neue Buch so eingelesen, dass der Hörer eine plastische Vorstellung davon bekommt von dem, was da beschrieben wird. Insbesondere die Zustände in der psychiatrischen Klinik werden so lebendig, dass sich der Hörer mittendrin wähnt und ihm manches Mal schon der Schauer über den Rücken läuft.

 

 

Nicht schon wieder stöhnt das Grubenpony und macht sich auf den Weg

 

 

 

Renate Habinger, Nicht schon wieder stöhnt das Grubenpony und macht sich auf den Weg, Tyrolia 2018, ISBN 978-32-7022-3697-7

 

Einen außergewöhnlichen Titel und eine außergewöhnliche Hauptperson hat die Künstlerin und Illustratorin Renate Habinger für ihr neues Bilderbuch im Tyrolia Verlag ausgewählt.

 

Es ist eine ganz eigene Welt, die Renate Habinger hier aufbaut – nicht zuletzt im wortwörtlichen Sinn. Aus den verschiedensten Materialien erstellt sie in beeindruckender Kleinarbeit Kulissen und Figuren, arrangiert und fotografiert sie und kombiniert diese Fotos letztlich wieder mit Illustrationen. So entstehen faszinierend vielschichtige Bilder: idealer Schauplatz für all die ungewöhnlichen Figuren, die sich hier mitten in der Nacht im Ort Unterdachsberg treffen, obwohl ja eigentlich ganz Unterdachsberg schläft – so mehr oder weniger.

 

Eine lustige und stellenweise skurille Geschichte wird da erzählt über ein schlafwandelndes Haus, ein müdes und frierendes Grubenpony, das sein Haus sucht und seine drei Begleiter: seine liebe Lore, der arme, schwarze Kater und Aua, der es liebt, krank zu sein.

 

Es ist ein ungewöhnliches Bilderbuch, abseits der sonstigen Standards von Figuren und Ausführung. Es fördert die Kreativität und die Phantasie der Kinder und ermutigt zum Selberbasteln. Nicht nur als Gute-Nacht-Buch geeignet.