Artus. König auf Camelot

 

 

 

Ilka Sokolowski, Helmut Dohle, Artus. König auf Camelot, Gerstenberg 2019, ISBN 978-3-8369-5613-0

 

Die in dem vorliegenden Buch wunderschön nacherzählte Sage von König Artus und dem runden Tisch seiner Tafelrunde konnte trotz vielfältiger Suche und Forschung nie verifiziert werden. Dennoch lieferte sie die Vorlage für unzählige Bücher und Filme.

 

Die unsterblich scheinende Geschichte von Liebe und Verrat, Intrigen und Macht und die Suche nach dem Heiligen Gral hat Menschen, Schriftsteller und andere Kulturschaffende quer durch die Jahrhunderte immer wieder in Atem gehalten und fasziniert.

 

Das vorliegende Buch für Kinder ab 10 Jahren erzählt diese Sage lebendig nach. Immer wieder zwischendrin und besonders am Ende des Buches gibt es nähere Erläuterungen und die Illustration von Helmut Dohle entführen den jungen Leser in eine wahrhaft fantastische Welt.

 

Auch für Erwachsene bietet das Buch eine gute und knappe Einführung in diese klassische Sage und ihre Welt.

 

 

 

 

 

Walter Knoll. Möbelmarke der Moderne

 

 

Bernd Polster, Walter Knoll. Möbelmarke der Moderne, teNeues 2019, ISBN 978-3-96171-098-0

 

Den Kennern und Kulturhistorikern, den Innenarchitekten und den Freunden gehobenen Wohnens gilt der Name Walter Knoll als die klassische Möbelmarke der Moderne. Eine Marke, die unter verschiedenen Eigentümern nichts weniger als Klassiker und Ikonen der Avantgarde geschaffen hat. Diese Möbelfirma ist eine der erfolgreichsten der letzten 150 Jahre, auch und gerade weil ihre Möbelstücke sehr oft stilbildend wirkten und das Lebensgefühl der Menschen nachhaltig geprägt haben.

 

Das vorliegende schwergewichtige und reich illustrierte Buch des bekannten Sachbuchautors Bernd Polster schafft es auf unterhaltsame und informative Weise, dass der Leser die Geschichte des Unternehmens von 1865 bis heute nachvollziehen und auf diese Weise auch ein wichtiges Stück Zeit- und Kulturgeschichte nachvollziehen kann.

Über anderthalb Jahrhunderte wird die Entstehung dieser Möbeldynastie geschildert und eine umfassende Designgeschichte der Marke in Beziehung zu wichtigen kulturhistorischen Entwicklungen dargestellt.

 

Bernd Polster tut das in drei Abschnitten:

 

  • Erste Moderne 1865 bis 1945
  • Zweite Moderne 1945 bis 1993
  • Dritte Moderne 1993 bis heute

 

 

Das Buch ist für alle Menschen von Interesse, die sich für Möbel und Inneneinrichtungen aller Art begeistern können. Sie werden ihre Freude an den unzähligen Bildern und Zeichnungen haben. Menschen, die über Möbel hinaus ein kulturgeschichtliches Interesse an der Avantgarde der letzten 150 Jahre, insbesondere aber seit Ende des Zweiten Weltkrieges haben, finden in den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden und dennoch spannenden Texten von Bernd Polster eine anregende und informative Lektüre.

 

Das Buch lässt den Leser ein Stück Zeit-und Designgeschichte miterleben.

 

 

Die Frau im Musee d` Orsay, (Hörbuch)

 

 

 

David Foenkinos, Die Frau im Musee d` Orsay, (Hörbuch), Steinbach Sprechende Bücher 2019, ISBN 978-3-86974-364-6

 

Der neue Roman von David Foenkinos schließt sich in seiner literarischen Qualität nahtlos an seine Vorgänger und zeigt ihn nicht nur als einen der erfolgreichsten zeitgenössischen französischen Schriftsteller, sondern auch als einen besten. In einer dramatischen Liebesgeschichte, die er so geschickt aufgebaut hat, dass eine den Leser an das Buch fesselnde Spannung bis zum Ende erhalten bleibt, erzählt er feinfühlig und vollen Herzenswärme davon, wie ein Mensch selbst im tragischen Scheitern seinem Leben eine neue Wendung geben kann.

 

Zunächst wird der Leser mit dem unter seinen Studenten sehr beliebten Antoine Duris bekannt gemacht. Er ist die leidende und dennoch mutige Hauptfigur in einem sehr unterhaltsamen und auch bewegenden Roman, dessen Unterthema die Faszination und Schönheit der Kunst ist.

 

Denn Antoine Duris ist Professor für Kunstgeschichte an der Hochschule der Schönen Künste in Lyon. Seine abwechslungsreichen und originellen Vorlesungen und Seminare sind überlaufen und dennoch hat er ein Ohr für jeden einzelnen seiner Studenten.

 

Deshalb versteht es niemand, als Antoine sozusagen über Nacht eines Tages seine Stelle an der Hochschule kündigt, seine Wohnung auflöst und sein Hab und Gut einlagert. Hat es damit zu tun, dass seine Beziehung nach nur sieben Jahren gescheitert ist und seine Partnerin Louise ihn verlassen hat?

 

Nur mit einem Koffer bestückt, reist er nach Paris und bewirbt sich am dortigen Musee d`Orsay als Wärter. Als die Personalchefin des Museums, Mathilde, ihn trotz seiner Überqualifizierung einstellt, da spürt der Leser schon, dass zwischen diesen beiden Menschen sich im Verlauf der Handlung noch eine ganz besondere Beziehung anbahnen wird. Sie hat auch den deutschen, etwas unglücklich gewählten, Titel inspiriert, während es im französischen Original treffender um „Schönheit“ geht.

In vielen Rückblicken entfaltet David Foenkinos nun die genaue Vorgeschichte der dramatischen Entscheidung, die ihn nach Paris geführt hat. Nachdem Antoine am Ende des ersten Kapitels zusammen mit Mathilde, die sich da schon sehr angenähert haben, nach Lyon gefahren war, und ihr dort einen  Grabstein zeigte mit der Aufschrift „Camille Perrotin, 1997-2017“, wird in der Folge die Geschichte dieser überaus talentierten jungen Kunststudentin erzählt. Sie ist neben Antoine die eigentliche  Hauptfigur des Buches. Nachdem sie einer Vergewaltigung durch ihren privaten Kunstlehrer zum Opfer gefallen ist, versucht sie sich durch ihre Kunst von den furchtbaren seelischen Folgen dieser Tat zu befreien. Niemand, auch Antoine nicht, dem die Studentin schon lange in seinen Vorlesungen aufgefallen ist, ahnt, was geschehen ist und unter welchen Ängsten Camille leidet.

 

E stellt sich heraus, dass es letztlich Camilles Schicksal war, das er nicht verhindern konnte, dass Antoine letztlich aus der Bahn geworfen hat und ihn nach Paris gehen ließ.

 

Neben dem ernsten Thema des Buches baut Foenkinos aber auch immer wieder humorvolle Szenen ein und meldet sich oft in ironisch-hintergründigen Fußnoten zu Wort. Leicht und elegant geschrieben gelingt es David Foenkinos auch in diesem Buch wieder, eine Liebesgeschichte voller Schönheit und Tiefe zu erzählen, die den Leser von Beginn an in ihren Bann zieht und ihn mit ihrem Ende seltsam beglückt zurücklässt.

 

Der TV-Sprecher Erich Wittenberg hat mit der hier bei Steinbach Sprechende Bücher vorliegenden ungekürzten Hörbuchfassung David Foenkinos` Geschichte von der Kunst, dem Leben eine neue Wendung zu geben auf eine sehr ansprechende und fesselnde Art interpretiert. Seine ruhige und nachdenkliche Stimme lädt den Hörer vom ersten Ton an ein, einer wunderbaren Liebesgeschichte und eine dramatischen Schicksal einer jungen talentierten Künstlerin zu folgen.

 

Eine gelungene Hörbuchfassung eines Buches voller Herzenswärme.

 

 

 

 

 

 

 

Die einzige Geschichte (Hörbuch)

 

 

 

Julian Barnes, Die einzige Geschichte (Hörbuch), Argon 2019, ISBN 978-3-8398-1700-1

 

Julian Barnes neues Buch „Die einzige Geschichte“ ist ein sensibler und kunstvoller  Roman über eine sehr unkonventionelle erste Liebe, die für den jungen männlichen Ich-Erzähler Paul lebenslange Konsequenzen und Folgen haben wird und die ihn schließlich zu der an den Leser gerichteten Frage führt: “Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage.“

 

Paul ist gerade einmal 19 Jahre alt, als ihn seine Mutter Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in den traditionsreichen und auf strenge Sitten achtenden Tennisclub des Ortes schickt in der Hoffnung, er könne dort eine geeignete Partnern für sein Leben finden. Paul, der schon lange angeödet ist von dem prüden und langweiligen bürgerlichen Milieu, in dem er aufwächst und das ihm nach seinem ersten Semester an der Universität noch mehr auf die Nerven geht, sucht aus diesen Verhältnissen auszubrechen und rebelliert gegen seine Eltern.

 

Genau in dieser Situation lernt er im Tennisclub Susan kenne, eine verheiratete Frau, die dreißig Jahre älter ist er. Dass er sich sofort in sie verliebt und eine mehr und mehr sehr schwierige und komplizierte Beziehung mit ihr aufnimmt, die insgesamt sich über zwölf harte und lange Jahre hinzieht, ist mehr als nur Teil seines Protestes gegen gesellschaftliche Konventionen. Paul liebt Susan wirklich. Er ist sicher, in ihr die Frau für sein Leben gefunden zu haben. Sie ist so etwas wie der Gegenpart zum Spießerleben seiner Umgebung. Auch Susan, die zwei Töchter hat, die älter sind als Paul, erwacht zu neuem auch sexuellen Leben und Erleben, als sie spürt, dass Paul sie anziehend und liebenswert empfindet und sich für sie verzehrt.

 

Doch diese ersten Schmetterlinge sind bald verschwunden, und die Geschichte der beiden verwandelt sich in die Existenz einer eher tragischen Lebensform. Das ist schon spürbar, als sich Susan von Mann und Töchtern trennt und mit Paul zusammenzieht. Paul schließt sein Jurastudium ab, die Leidenschaft der ersten Zeit ist der Langeweile gewichen, zumal sich bei Susan mehr und mehr eine innere Veränderung zeigt, die sie bald völlig dem Alkohol verfallen lässt. Julian Barnes spürt dieser Entwicklung genau nach, versucht herauszufinden, wie es zu diesem menschlichen Absturz kommen konnte, doch dem Leser wird sie sich nicht erschließen, genauso wenig wie dem tapferen, mittlerweile als Anwalt arbeitenden Paul, der gewissenhaft und treu noch lange hilft, wo er kann, doch irgendwann nach zwölf meist dunklen und traurigen Jahren aufgibt.

 

Julian Barnes reichert wie oft in seinen Büchern seine Geschichte immer wieder an mit Erkenntnissen, Weisheiten, Reflexionen und der genauen Darstellung von Gefühlen.  Poetische Stimmungsbilder beleuchten äußere und innere Befindlichkeiten seiner Figuren. Man ist tief bewegt und angerührt darüber, wie Lebenswege verlaufen können. Was ist vorherbestimmt, und was ist selbst verschuldet? Doch die Frage nach der Schuld stellt sich ihm nicht.  Die ernüchternde, gleichwohl aber befreiende Erkenntnis von Barnes und seinem Erzähler Paul ist die: Lebensläufe werden von unerwarteten äußeren und inneren Entwicklungen mitbestimmt. Entwicklungen indes, die wie diese erste Liebe Pauls sein Leben über eine lange Zeit bestimmen werden. Und so verlässt der Leser den Erzähler und seine Geschichte am Ende, ohne zu wissen, was aus ihm werden wird. Er hat aber die leise Hoffnung, dass es auch für Paul noch einmal möglich sein wird, Liebe zu empfinden und zu geben.

 

Wer selbst in seinem Leben schon einmal von einer außergewöhnlichen Liebe aus der Spur geworfen wurde, wird in diesem Roman vieles wiederentdecken.

 

Dem Regisseur, Schauspieler und Dramaturg Frank Arnold, der für seine Lesung von Barnes` letztem Buch „Der Lärm der Zeit“ herausragende Kritiken erhielt, gelingt es auch in dieser ungekürzten Hörbuchfassung von „Die einzige Geschichte“, die Faszination und die Tragik der Liebesgeschichte zwischen Paul und Susan auf eine Weise hörbar und spürbar zu machen, die den Hörer tief bewegt.

 

Seine Einspielung ist ganz große Hörbuchkunst, wie man sie selten findet.
 

 

 

 

Karo Kanonenkugel und der Löwe

 

 

Grace Easton, Karo Kanonenkugel und der Löwe, Knesebeck 2019, ISBN 978-3-95728-234-7

 

Diese schöne und originelle Bilderbuch von Grace Easton, das Kathrin Köller aus dem Englischen übersetzt hat, verbindet mit kräftigen und außergewöhnlichen Illustrationen zwei Themen, die insbesondere für Mädchen interessant sein können. Zum entführt das Buch die es betrachtenden Kinder in die fantastische Welt des Zirkus und zum anderen ist es die Mut machende und anrührende Geschichte eines Mädchen, das in Vielem anders ist als die anderen Mädchen.

 

Karo, so heißt das Mädchen, ist besonders. Sie ist lustig und mutig, verrückt und auch ein bisschen komisch. Sie lebt im Wald, mag keine Regeln, und kann viele außergewöhnliche Kunststücke. Das Problem ist nur, dass es niemand gibt, der ihr dabei zuschauen könnte.

 

Eines Tages ziehen Akrobaten, Trompetenspieler, Trommler und Jongleure durch den Wald und sie haben auch einen Löwen dabei. Sie werben für einen Zirkus und Karo beschließt spontan, sich ihnen anzuschließen.

 

Am Zirkuszelt angekommen, freundet sie sich mit dem Löwen an, ganz ohne Worte. Auch mit einem Mann, der aussieht, als wäre er der Chef, redet sie ohne Scheu, sagt ihm, dass sie jede Menge Kunststücke könne und gerne mit dem Löwen befreundet wäre.

 

Sie darf ihre Kunststücke vorführen, der Löwe ist sprachlos begeistert, nicht so aber der Mann mit dem großen Hut. Er mag nicht, wenn andere Gefühle füreinander haben. Doch er kann sich Karo für eine ganz besondere Attraktion vorstellen. Sie soll als menschliche Kanonenkugel herhalten. Sie fürchtet sich ein wenig, doch mit dem Trost des Löwen wagt sie es. Es gelingt gut, doch der Mann mit Hut ist nicht zufrieden mit ihrem Auftritt, meckert rum und schickt sie weg.

 

Doch die anderen Künstler des Zirkus lassen sich das nicht gefallen und der Löwe pustet mit seinem Brüllen den strengen Direktor weg. Er zeigt Karo, dass sie genau so perfekt ist, wie sie ist. Und dann ziehen alle in den Wald. „Jetzt gibt es eine Gruppe von Freunden, die im Wald lebt und keine Regeln mag.“

 

Ein lustiges, leicht anarchistisches Bilderbuch aus der faszinierenden Welt des Zirkus, in dem ein Löwe und seine Freunde das Selbstbewusstsein eines Mädchens stärken.

 

 

 

 

50 Jahre Porsche 914

 

 

 

Jürgen Lewandowski, 50 Jahre Porsche 914, Delius Klasing 2019, ISBN 978-3-667-11586-7

 

Fünfzig Jahre ist es nun her, dass der erste der legendären Porsche 914 gebaut wurde. Seit dieser Zeit hat dieses außergewöhnliche Sportauto viele seiner Besitzer über die Jahrzehnte stolz über die Straßen fahren lassen, oft beneidet von den Nachbarn, bei denen nur ein VW oder ein Opel in oder vor der Garage stand. Ich habe Menschen kennengelernt, die sich ein solches Auto eigentlich nicht leisten konnten, die aber auf anderes verzichteten, nur um sich diesen kleinen Luxus zu gönnen.

 

Von diesen und von anderen Menschen berichtet dieses schöne Buch von Jürgen Lewandowski, das die gesamte Produktions- und Produktgeschichte des 914 er nachzeichnet. Mittlerweile wird dem zunächst eher belächelten 914 er die verdiente Anerkennung zuteil, auch als Design-Ikone.

 

Die spannende und mit vielen technischen Details versehene Geschichte eines Auto-Mythos.

 

Warum merke ich nicht, dass die Erde sich dreht

 

 

 

James Doyle, Warum merke ich nicht, dass die Erde sich dreht, Knesebeck 2019, ISBN 978-3-95728-253-8

 

Mit dem vorliegenden von Claire Goble witzig illustrierten Sachbuch für Kinder ab dem Grundschulalter, das Johanna Ellsworth aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt hat, gelingt es James Doyle auf eine interessante und lockere Weise, Kindern 22  spannende Fragen aus unterschiedlichen Bereichen der Naturwissenschaften zu stellen und sie zu beantworten.

 

Viele Fragen sind dabei, die sich das eine oder andere Kind, aber auch der interessierte Erwachsene schon gestellt hat. Etwa wie die Berge entstanden sind, warum das Meer blau ist oder woher das Internet kommt und wie es funktioniert.

Das empfehlenswerte Buch deckt auf lustige und interessante Weise alle wichtigen Gebiete der Wissenschaft ab, einschließlich Biologie, Chemie, Physik, Geografie, Technik und Psychologie und es gelingt ihm so, schon Grundschulkinder zu motivieren, die eher ungeliebten naturwissenschaftlichen  Fächer ernst zu nehmen und sich für die spannenden Fragen, die sie beantworten können und sich für die faszinierende Welt, die sie eröffnen, zu begeistern.

 

Auch für die Erwachsenen in der Familie bietet das Buch erstaunliche bisher unbekannte Einsichten.

 

Es zeigt, dass und wie man auch an Naturwissenschaften einen großen Spaß haben kann.

 

40 Supertrails in den Alpen. Epische Pfade für Mountainbiker

 

 

Gitta Beimfohr, Markus Greber, 40 Supertrails in den Alpen. Epische Pfade für Mountainbiker, Delius Klasing 2019, ISBN 978-3-667-11468-6

 

Während drei langen Sommern waren die Journalistin Gitta Beimfohr und ihr Fotograf Markus Greber mit ihren Mountainbikes in den Alpen unterwegs, haben unzählige Naturtrail-Abfahrten zwischen den Dolomiten und den Seealpen bei Nizza getestet und dann die 40 landschaftlich schönsten und fahrtechnisch aufregendsten Abfahrten für das vorliegende Buch ausgesucht. Beraten wurden sie dabei von prominenten  Fahrern der europäischen Enduro – Elite.

 

Für erfahrene Mountainbiker, aber auch für Durchschnittsfahrer ist in diesem Buch etwas dabei. Es enthält auf insgesamt 160 Seiten mit unzähligen traumhaften Fotografien:

  • Kulttrails für Mountainbiker in Österreich, Frankreich, Italien und der Schweiz
    • Mit einer Einstufung zu Kondition, Fahrtechnik, Landschaft und EMTB-Tauglichkeit
    • Höhenprofile, 3D-Karten und GPS-Daten erleichtern die Planung der MTB-Tour
    • Infos zur Anreise, Übernachtung und Tipps zum Einkehren

 

Für alle passionierten Mountain-Biker sind diese Kulttrails eine echte Versuchung. Auch für die erfahrenen unter ihnen bietet dieses Buch mit Sicherheit neue Strecken, die sie noch nicht kennen und die die Anschaffung des Buches rechtfertigen.

 

 

 

All das zu verlieren (Hörbuch)

 

 

Leila Slimani, All das zu verlieren (Hörbuch),  der Hörverlag 2019, ISBN 978-3-8445-3299-9

 

Nach ihrem großen Erfolg „Dann schlaf auch du“ hat sich der Luchterhand Verlag in München entschlossen, nun auch Leila Slimanis ersten in Frankreich schon 2015 erschienenen Roman unter dem deutschen Titel „Alles zu verlieren“ zu veröffentlichen. Schon in diesem Erstling zeigt sich die enorme erzählerische Kraft der 1981 in Rabat in Marokko geborenen und nun mit ihrer Familie in Paris lebenden Schriftstellerin.

 

Selten zuvor hat eine Schriftstellerin die weibliche Perspektive einer destruktiven und gewaltbreiten Sexualität mit ihren selbstzerstörerischen Folgen so überzeugend, aber schockierend zu Papier gebracht und beschrieben. Zu lesen, was sich die Protagonistin Adele in ihrem suchthaften Begehren, das man kaum mehr als solches akzeptieren mag, antut, ist  über weite Strecken verstörend.

 

Adele ist eine Journalistin, die den Job in ihrer Redaktion durch Beziehungen ihres Ehemannes bekommen hat. Ihr Arbeitsleben und auch ihr Ehe- und Familienleben öden sie an. In einer ärmlichen Arbeiterfamilie aufgewachsen, hat sie immer von dem geträumt, was sie jetzt hat. Einen erfolgreichen Arzt als Ehemann, einen süßen und gesunden kleinen Sohn und genug Geld, sich alle Träume zu erfüllen.

 

Doch sie langweilt sich hier wie dort und gibt sich einer selbstzerstörerischen Sexsucht hin. Sie muss zwanghaft mit möglichst vielen, oft ihr auch völlig fremden Männern schaffen, nicht selten brutal und ungeschützt und meist unter erheblichem Konsum von Alkohol. Sie tut das alles hinter dem Rücken ihres Mannes während dessen Nachtdiensten und unter erheblicher Vernachlässigung ihres kleinen Sohns. Was sie da treibt ist abstoßend und man fragt sich, wieso sie so geworden ist. Etliche Rückblicke in ihre Kindheit und Jugend geben aber für die Entstehung ihrer Sucht kaum Aufschluss.

 

Während Adele regelrecht läufig durch Paris streift auf der Suche nach dem nächsten beliebigen Mann, der sie benutzen darf, träumt ihr als Arzt sehr erfolgreicher Mann Richard davon, aufs Land zu ziehen und sich in eine Klinik einzukaufen und mit Adele ein weiteres Kind zu haben. Es ist ihm nicht klar, dass er seine Frau mit diesen immer wieder verbindlich vorgetragenen Plänen immer weiter in die Einsamkeit ihrer Sucht drängt.

 

Die Sucht wird stärker und stärker, der Sohn und die Arbeit lästig, das Lügenkonstrukt immer brüchiger und irgendwann  bricht es in sich zusammen. Alles fliegt auf.

 

Dann macht Leila Slimani in der Handlung einen radikalen Schnitt. Wo der Leser erwartet hatte, der Arzt hätte Adele den Laufpass gegeben, leben sie jetzt alle in einem schönen Haus auf dem Land und Adele bemüht sich, eine ordentliche Ehefrau zu sein. Er kontrolliert sie Tag und Nacht, was sie akzeptiert, weil sie Angst hat, „all das zu verlieren“, was ihr eben auch wichtig ist, ihren Sohn und ihre Familie.

 

Als ihr Vater stirbt, erlaubt Richard Adele, alleine zu dessen Beerdigung zu reisen. Schon als sie aufbricht, ahnt man, dass nichts vorbei ist, dass sie wieder rückfällig werden und den lange erfolgreichen Kampf gegen ihre Sucht verlieren wird.

 

Der Schluss des Buches lässt offen, wie das Leben von Adele weitergehen wird und deutet an, dass es auch in dieser Form der Sexsucht eine Co-Abhängigkeit gibt.

 

Zurückbleibt ein erschütterter Leser, der angesichts der Ausweglosigkeit des Schicksals der Protagonistin und ihrer Familie sich fragt, ob es für eine solche Sucht wirklich keine Heilung gibt.

 

Leila Slimani jedoch enthält sich jeglichen Urteils. Nüchtern und schmerzhaft beschreibt sie Adeles Schicksal aus einer streng weiblichen Perspektive. Das Porträt einer zerrissenen Frau. Wie viele von mögen unsichtbar unter uns leben?

 

Nora von Waldstätten hat das im Hörverlag erschienene Hörbuch dieses dramatischen Buches in einer vollständigen Lesung eingespielt. Ihre Interpretation von Adele und Richard ist überzeugend und zeigt dem Hörer sehr eindrücklich die Ausweglosigkeit eines Ehepaars, das alles hat und doch alles zu verlieren droht. Eine Frau, die nur in anonymem Sex mit fremden Männern ihre innere Leere für Minuten füllen kann und ein Mann, für den Sex keine große Rolle spielt und der nachdem die Sucht seiner Frau offenbar geworden ist, alles daran setzt, seine kranke Frau zu heilen.  Ob er Adele zu ihrem (Familien)glück zwingen kann, bleibt offen.

 

Eine sehr gelungene und auch stimmlich sehr überzeugende Hörbucheinspielung eines verstörenden Romans.

 

 

 

 

Ich umarme den Tod mit meinem Leben

 

 

Marianne Sägebrecht, Ich umarme den Tod mit meinem Leben, Gütersloher Verlagshaus 2019, ISBN 978-3-579-07319-4

 

Es ist schon ein sehr eigenwilliges und ungewöhnliches Buch, das die Autorin und Schauspielerin Marianne Sägebrecht hier im Gütersloher Verlagshaus als eine Art persönliches und spirituelles Vermächtnis vorlegt.

 

Erwachsen ist es unter anderem aus ihrer langjährigen ehrenamtlichen Arbeit in der Hospizbewegung und ihrem erstaunlich leidenschaftlichen Interesse für andere Menschen. So wie sie in vielen Filmen ungewöhnliche Rollen verkörperte und ihnen einen unverwechselbaren und nachdrücklich im Zuschauer nachwirkenden Charakter gab, so erzählt sie auch in diesem Buch in direktem Dialog mit ihren Lesern von ihren Erfahrungen, ihrer sehr spirituell geprägten Sicht auf das Leben und die Dinge.

 

Hat man sich einmal auf ihren eigenwilligen Stil eingelassen, wird man von Sägebrechts Worten regelrecht verzaubert. Wenn man offen dafür ist. Denn sie vertritt warmherzig und offen ihren unerschütterlichen Glauben an Gott, an die Unsterblichkeit der Seele, an das Gute im Menschen und an die große Kraft der Liebe.