Der karierte Uhu. Gute-Nacht-Geschichten

 

 

 

 

 

Erwin Moser, Der karierte Uhu. Gute-Nacht-Geschichten, Beltz & Gelberg 2017, ISBN 978-3-407-822076-9

 

Dieser Gute-Nacht-Klassiker von Erwin Moser erscheint nach 1992, 2000, 2004 nun 2017 in einer neuen Auflage für eine neue Generation von Kindern und vorlesenden Eltern.

 

Es sind durchweg phantasievolle Geschichten mit entsprechenden Welten und Wesen, in die Erwin Moser Kinder ab 4 Jahren hier mitnimmt.

 

Einfach zum Davonträumen.

Die Prinzessin auf dem Kürbis

 

 

 

 

Heinz Janisch, Linda Wolfsgruber, Die Prinzessin auf dem Kürbis, Jungbrunnen 2016, ISBN 978-3-7026-5901-1

 

Im Jahr 1998 zum ersten Mal erschienen, legt der Jungbrunnen Verlag dieses schöne Bilderbuch von Heinz Janisch und Linda Wolfsgruber noch einmal auf. Viele Male haben die beiden seither zusammengearbeitet bei zahlreichern Buchproduktionen.

 

In Anlehnung an das Märchen von der Prinzessin auf der Erbse wird in dieser Bildergeschichte nicht das Bild eines eher verweichlichten Mädchen gezeichnet, sondern ein selbstbewusstes Mädchen wird beschrieben, das weiß, was es will, und bei der Auswahl ihres zukünftigen Ehemannes ein kräftiges Wort mitspricht. Sie weiß genau, wie ihr Mann auszusehen hat und welche Qualitäten er mitbringen muss.

 

Dieses Bilderbuch zeigt beispielhaft, wie man auch schon in Bilderbüchern ein geschlechtergerechtes Rollenverständnis von Mann und Frau vermitteln kann. 1998 wegweisend, und heute noch aktuell.

 

 

 

Heiligenlegenden

 

 

 

 

 

Siegwart Knijpenga, Heiligenlegenden, Urachhaus 2017, ISBN 978-3-8251-5107-2

 

Vom Advent bis zum Ende des Kirchenjahres gegliedert, hat Siegwart Knijpenga in diesem von Christianen Lesch einfühlsam illustrierten Buch für Kinder ab etwa 7 Jahre die Legenden der wichtigsten Heiligen der Katholischen  Kirche nacherzählt.

Das Leben aller dieser Heiligen hat nicht nur in der verfassten Kirche, sondern auch in den Traditionen der Völkertiefe Spuren hinterlassen. In den hier vorliegenden Legenden kommt immer wieder mit einer anschaulichen und märchenhaften Sprache  die Kraft zum Ausdruck, aus der heraus diese Menschen wirkten.

 

Eine Kraft, die normal Menschliches übersteigt. Im Handeln dieser Heiligen werden Werte vermittelt, die vielleicht noch nie so nötig waren wie heute.

Regen

 

 

 

Sam Usher, Regen, Annette Betz 2017, ISBN 978-3-219-11727-1

 

Von Meike Blatnik aus dem Englischen übersetzt, erzählt dieses Bilderbuch von Sam Usher in der Ich-Form von einem kleinen Jungen. Als er eines Morgens aufwacht, regnet es draußen und er möchte gerne raus spielen. Er erklärt es auch seinem Opa, doch der muss einen Brief schreiben und  rät, lieber zu warten, bis es aufgehört hat zu regnen. Doch es regnet immer weiter, der Junge schaut sehnsüchtig aus dem Fenster und denkt sich immer neue Phantasiespiele aus, die er machen würde, könnte er raus.

 

Endlich, Stunden später, ist der Brief fertig und es hat aufgehört zu regnen.  Der Junge geht, Gummistiefel an den Füßen und Regenschirm in der Hand, mit dem Opa zum Briefkasten.

 

Da beginnt es erneut zu regnen und eine phantastische Reise in  Gondeln mit Drachen, Seeungeheuern, Clowns und  anderen wunderbaren Gestalten beginnt.

 

Ein zauberhaft illustriertes Bilderbuch über den Regen und wieviel Spaß es machen kann, mit der nötigen Ausrüstung auch im Regen draußen zu sein.

Großer kleiner Tiger

 

 

 

 

 

Jan Birck, Großer kleiner Tiger, Ravensburger Verlag 2017, ISBN 978-3-473-43629-3

 

Mitten im Ozean auf einer kleinen Insel lebt ein sehr kleiner Tiger. Er sitzt einsam auf einem Bambusrohr, während auf den nächsten Seiten von 1 Dinosaurier, 2 Elefanten, 3 Giraffen bis hin zu 10 Flamingos (ideal zum Zählen lernen!) seine Mitbewohner vorgestellt werden.

 

Doch obwohl der sehr kleine Tiger auf seinem Bambusrohr mit allen Kräften versucht sich bemerkbar zu machen, beachtet ihn niemand der insgesamt 10 verschiedenen Tierarten. Er ist einfach zu leise. Missmutig versteckt er sich im Bambusrohr und hofft, dass es auffällt, wenn er weg ist. Er wartet und wartet – nichts geschieht.

 

Vor lauter Wut brüllt er erneut, dieses Mal enorm verstärkt. Und der Effekt ist phänomenal. Und die Tiere haben von nun an großen Respekt.

 

Was wohl die kleinen Lesetiger sich für Verstärker ausdenken, nachdem Ihnen dieses Buch vorgelesen wurde?

Truggestalten

 

 

 

 

 

Rudolph Herzog, Truggestalten, Galiani 2017, ISBN 978-3-86971-148-5

Nichts ist in den hier vorliegenden sieben Geschichten, dem literarischen  Debüt des bekannten Filmregisseurs Rudolph Herzog, so wie zu zunächst zu sein scheint.  Den Protagonisten der sieben Episoden, die sich gegenseitig kommentieren und vervollständigen, begegnen in ihrem Berliner Alltag Phänomenen und „Truggestalten“, die sie sich nicht erklären können. Diese unterschiedlichen Menschen, die alle im modernen Berlin der Gegenwart leben und arbeiten, werden, für sie zunächst unverständlich und von Herzog dem Leser sukzessive offen gelegt, mit Phänomen und Geschehnissen aus der Vergangenheit konfrontiert.

Da sieht eine amerikanische Künstlerin Blutflecken am Boden. Ei n Manager hat einen Fiebertraum, der sich gespenstisch mit vergangenen Begebenheiten deckt. Und wir erfahren in einer Episode, warum der neue Berliner Flughafen immer noch nicht eröffnet wurde.

 

Es sind Geschichten voller Absurditäten und Überraschungen, die mich immer wieder an die Forschungen von Lloyd de Mause und Ludwig Janus zur Psychohistorie erinnert haben, Aspekte, die man auch in den Büchern von Alice Miller findet.

 

Wie die Vergangenheit weiter wirkt, in Menschen, in Wohnungen, an Plätzen, wie sich die Geschichte Bahn bricht und manifestiert in zunächst unerklärlichen Phänomenen, das hat der Filmregisseur Rudolph Herzog in seinem Debüt auf eine weniger gruselige als unterhaltsam – nachdenkliche Weise erzählt. Man kann sich diese Geschichte ausnahmslos als Kurzfilme vorstellen.

 

 

 

„Was ist los mit dir, Europa?“

 

 

 

 

Friedhelm Hengsbach, „Was ist los mit dir, Europa“, Westend 2017, ISBN 978-3-86489-166-3

 

Die Frage, die Papst Franziskus 2016 bei der Verleihung des Karlspreises den anwesenden Vertretern der EU gestellt hat, ist der Titel des neuesten politischen Hoffnungsbuchs  des katholischen Sozialethikers Friedhelm Hengsbach, in dem er für ein sich neu erfindendes Europa plädiert, in dem mehr Gerechtigkeit, Frieden und Solidarität einfordert.

 

Er traut Europa und seinen Völkern viel zu, auch wenn er konzediert, dass für ein Wandel hin zu einem gerechteren und solidarischen Europa als Teil einer Weltgemeinschaft Zeit von Nöten ist. Doch er ist auf eine Weise optimistisch, wie sie einem aufrechten Christen ansteht, optimistisch und deshalb radikal. Er schreibt in seinem Buch:

„In einer globalisierten Welt wächst die Solidarität über nationale und kontinentale Grenzen hinaus. Innerhalb einer Nation braucht es Zeit, bis sich ein Bewusstsein aufgrund erlebter Geschichte oder gemeinsamer Interessen gebildet hat. Erst recht fremdeln Menschen, wenn supranationale oder internationale Solidarität eingefordert wird. Dass die gesamte Menschheit zunehmend in eine Solidargemeinschaft hineinwächst, ist dem wachsenden ökologischen Bewusstsein und der Einsicht geschuldet, dass alle Menschen relativ unterschiedslos Bewohner eines gemeinsamen Hauses, des blauen Planeten Erde sind, der ihnen den Raum zu leben bietet.“

 

Das sich diese Einsicht weiter verbreitet, hat aktuell wenig günstige Bedingungen. Doch wenn es keine visionären Menschen gäbe wie Hengsbach, müsste man das ganze Projekt Europa schon von vornherein verloren geben.

 

Und das kann keine christlich-politische Option sein.

 

 

Hoffnungsland

 

 

 

 

Kristin Steinsdottir, Hoffnungsland, C.H. Beck 2017, ISBN 978-3-406-70721-6

 

Es ist für mich eines der unbegreiflichsten und erstaunlichsten Phänomene an Island, wie ein doch kleines Land mit einer Einwohnerzahl von gerade einmal 320 000 Menschen immer wieder und das seit langer Zeit Schriftsteller hervorbringt von außerordentlicher Qualität und Reife. Kristin Steinsdottir, eine 1946 geborene Grund- und Gymnasiallehrerin, die seit 1988  auch als Kinderbuchautorin arbeitet (das erinnert ein wenig an die deutsche Schriftstellerin Gudrun Pausewang), hat nun mit „Hoffnungsland“ nach „Eigene Wege“ (2009) und „Im Schatten des Vogels“ (2009) einen neuen Roman vorgelegt.

 

Ähnlich wie in den früheren Romanen geht es in kleinen, kurzen Kapiteln um die Geschichte einer Frau aus Island. Erzählt wird von den beiden jungen Mädchen Guthfinna und Stefania. Beide stammen vom Land und träumen von einer Anstellung in einem feinen Haus in Reykjavik. 1871 kommen sie in die Hauptstadt und müssen sich als Tagelöhnerinnen durchschlagen, als Wachfrauen und Kohleträgerinnen. Ein  hartes Leben, das Stefanie sehr bald tödlich erkranken lässt.  Doch Guthfinna gibt nicht auf und ergreift am Ende ihre Lebenschance mutig und beherzt.

 

Basierend auf einer wahren Geschichte hat Kristin Steinsdottir einen historischen Roman verfasst, der einen atmosphärisch dichten Einblick gewährt in die Lebenswelt und die Gesellschaftsstruktur Islands im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Noch weit entfernt vom späteren Weg von einer Nation von Bauern und Fischern zu einer hochentwickelten modernen Gesellschaft, wie es in „Eigene Wege“ beschrieben wurde, ist das Leben der Menschen hier noch geprägt von patriarchalischen Strukturen in der Gesellschaft. Am Beispiel ihrer Protagonistin gibt sie mit einer wunderbaren poetischen Erzählweise einen Eindruck von den Hoffnungen auf ein besseres Leben.

 

Es ist ein schönes Buch; so bescheiden wie eindrucksvoll seine Protagonistin daherkommt, so ist die Sprache und der Stil von Kristin Steinsdottir. Ohne feministische Attitüde wird hier bescheiden ein Stück selbständiger Frauengeschichte geschrieben, ein Beispiel, wie mit knappen Mitteln  und mit benachteiligten Lebensvoraussetzungen ein Leben doch glücken und gelingen kann. In einer Zeit, in der nichts gut genug sein kann, und in der jeder klagt darüber, was in seinem Leben fehlt, eine Wohltat, findet ein von dem Buch sehr beeindruckter Rezensent.

 

 

Schlafen Fische?

 

 

 

Jens Raschke. Schlafen Fische, Mixtvision 2017, ISBN 978-3-95854-070-5

 

In 10 kurzen Kapiteln, die er von 10 bis 1 quasi rückwärts anordnet, lässt der Dramatiker Jens Raschke ein zehnjähriges Mädchen namens Jette erzählen von ihren vielen Fragen an das Leben, von ihrem Bruder Emil, der Zeit seines Lebens todkrank war und mit sechs Jahren gestorben ist. Er lässt sie erzählen von ihrer Trauer und ihren Hoffnungen, von ihren genauen und sensiblen Beobachtung der Erwachsenen und wie die umgehen mit dem Tod ihres geliebten Bruders.

 

Zart illustriert von Jens Rassmus ist dieser kurze Kinderroman ein gelungenes Beispiel für einen ehrlichen und die Gefühle von Kindern wahrnehmenden literarischen Umgang mit dem Thema Tod, Trauer und Hoffnung. Er beschreibt mit den Worten eines 10-jährigen Mädchens deren unverkrampften und direkt emotionalen Zugang und Umgang mit dem Tod des Bruders und die demgegenüber geradezu hilflosen und unsicheren Verhaltensweise der Erwachsenen, von den Eltern über den Onkel, der Lehrerin und dem Pfarrer auf der Beerdigung.

 

Ein berührendes Buch, das auch Kinder, die schon selbst lesen können, sicher gerne von mitfühlenden Erwachsenen vorgelesen bekommen.

Die Rosen in Annas Garten

 

 

Rainer Haak, Die Rosen in Annas Garten, Adeo 2017, ISBN 978-3-86334-134-3

 

Anna, die Hauptfigur in den hier vorliegenden „kleinen Geschichten über die Schönheit des Lebens“ des bekannten Autors vieler meditativer Geschenkbücher, Rainer Haak,  ist ein Mensch,  dessen hervorstechendste Eigenschaft die ist, dass sie anderen gut tut.

Ihr positives Auftreten, ihr gelassener Humor und ihre  ausgelassene Fröhlichkeit sind eine Bereicherung für die kleine Stadt, in der sie lebt, sodass sie oft Besuch von Menschen bekommt, die ihren Rat suchen. Sie liebt ihren Garten und dort insbesondere die Rosen, und besitzt die wunderbare Fähigkeit, in kleinen, unscheinbaren Dingen und Erlebnissen die Kostbarkeiten des Lebens zu entdecken.

 

Anna, eine schon etwas ältere Frau mit viel Lebenserfahrung, kann im Augenblick leben, jede Minute ihres Lebens bewusst erleben und genießen. Ihr Schöpfer Rainer Haak möchte mit den kleinen Geschichten, die er über sie erzählt, seine Leser und Leserinnen anstecken mit dieser Haltung und sie einladen, ähnliches in ihrem eigenen Leben zu probieren.

 

Die zarten und farbenprächtigen Illustrationen von Sabine Waldmann-Brun bereichern ein kleines Schmuckstück von Buch, das sich sehr gut als kleines Geschenk für alle möglichen Gelegenheiten eignet.