Der neunte Fall für Bruno Chef de police (Hörbuch)

 

 

 

 

Martin Walker, Grand Prix. Der neunte Fall für Bruno Chef de police (Hörbuch) Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-80382-2

 

In seinen bisherigen Büchern mit dem sympathischen Bruno Courreges, dem Chef de Police in dem kleinen Städtchen St. Denis im Perigord ist es dem Engländer Martin Walker jedes Mal sehr gut gelungen, ein aktuelles Thema in einem konkreten Kriminalfall zu verbinden mit sehr aufschlussreichen Rückblicken in die dunklen Kapitel der französischen Geschichte.

 

Auch im neunten Band einer Reihe, die an Unterhaltungsqualität nicht nachlässt, lässt Martin Walker seinen Bruno nicht nur wieder einer Menge Menschen begegnen ( man muss sich wirklich konzentrieren beim Lesen, dass man mit den vielen Namen nicht durcheinander kommt), sondern erfreut den Leser mit einer Menge an historischen Informationen, die er erneut hervorragend recherchiert hat.

 

Bei einer Oldtimer-Rallye, die Bruno im Auftrag seines Chefs, des Bürgermeisters organisiert hat, kommen nicht nur etliche Liebhaber alter Autos aus der Region zusammen, sondern auch zwei besessene Sammler. Wie sich langsam herausstellt, sind sie auf der Suche nach einem legendären Auto, dem Bugatti Type 57 SC Atlantic. Insgesamt vier von ihnen sind je gebaut worden und einer von ihnen scheint während des Zweiten Weltkriegs irgendwo im Perigord verloren gegangen zu sein.

 

Doch da die beiden Männer auch wegen anderer den Geheimdienst um den Brigadier und Brunos ehemaliger Geliebten Isabelle bei Eurojust interessierenden Delikten in Verdacht geraten sind, begegnet Bruno bei seinen Recherchen nicht nur Isabelle wieder. Sie hat im sechsten Band das gemeinsame Kind abtreiben lassen, was Bruno immer noch quält und auch in diesem Buch wieder erwähnt wird.  Doch Bruno, der insgeheim immer noch träumt von der Gründung einer ganz normalen Familie, verliebt sich in diesem Buch wieder in eine Frau, der ihre eigene Karriere über alles geht.

 

Neben den positiven Ermittlungen zu dem verschwundenen Bugatti nimmt Bruno als Vertretung an einem Rennen teil, vermittelt erfolgreich in Familienstreitigkeiten und führt zwei schwer erziehbare Jugendliche auf den Weg der Resozialisierung.

 

Was mir dieses Mal bei der sehr unterhaltsamen Lektüre besonders aufgefallen ist: Martin Walker beschreibt seinen Dorfpolizisten als einen durch und durch positiven Menschen, der kaum eine Schwäche hat, und außer den dunklen Gestalten, die bei verschiedenen Anlässen sein Dorf heimsuchen, auch keine Feinde.  Mir scheint, er ist so zufrieden mit seinem ausgefüllten Leben, dass er gar keine Familie mit Kind braucht.

 

Ich vermute jedenfalls, dass Martin Walker ihn in den folgenden Bänden noch in manche Affäre schicken, ihn  aber letztlich allein lassen wird.

 

Trotzdem: ich liebe diese Bücher mit ihrer Fülle von Beziehungen der Dörfer untereinander, ihrer Liebe zu gutem Essen und guten Wein. Dem Perigord jedenfalls haben sie in den letzten Jahren eine deutlich gestiegene Zahl an Touristen gebracht. Der Rezensent bedauert, es immer noch nicht dorthin geschafft zu haben.

 

Johannes Steck hat auch das neue Buch von Martin Walker wieder in einer ungekürzten Lesung für die Hörbuchfreunde zu einem ganz besonderen Hörerlebnis gemacht.

Sie ist auch nach der ersten Lektüre des gedruckten Buches auf jeden Fall zu empfehlen. Sie ist aber auch ein adäquater Ersatz für das Buch, weil es ihr gelingt, jene ganz besondere Atmosphäre der Bruno-Romane und der Region, in der sie spielen, wunderbar einzufangen.

 

 

 

Als Mama nur noch traurig war. Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt

 

 

 

 

Anja Möbest, Barbara Korthues, Als Mama nur noch traurig war. Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt, Coppenrath 2017, ISBN 978-3-649-62021-1

 

Viele Menschen gehen auch schon in jüngeren Lebensjahren durch eine Phase der Depression. Viele davon haben kleine Kinder, die das Geschehen, wenn etwa wie in diesem Buch die Mama nur noch traurig ist, nicht verstehen, es schnell auf sich beziehen und neben dem erkrankten Erwachsenen auch dringend Unterstützung benötigen.

 

Im Fall des kleinen Jan, dessen Mutter im ersten Teil des Bilderbuchs immer weiter in eine die ganze Familie erschütternde Depression hineinrutscht, ist es der Ritter, zu dem die Mutter endlich geht, nachdem es der überforderte Vater mehrmals vorgeschlagen hat. Jan, der mitkommen darf, rechnet mit einem echten Ritter, doch der ältere nette Psychotherapeut erklärt ihm und seiner Mutter genau, was er macht und wie er versucht, die Grummelgrame, die die Mutter immer traurig machen zu vertreiben.

 

Ich weiß nicht, ob Psychotherapeuten die Kinder ihrer Patienten ab und an mit hinzunehmen. In diesem Buch jedoch hilft diese Konstruktion, dem kleinen Jan, deutlich zu machen, was der Herr Ritter da mit seiner Mutter bespricht, dass es Zeit braucht, bis seine Mutter endgültig nicht mehr traurig ist und dass er keine Angst um sie haben muss, weil sie ihn über alles lieb hat, auch wenn sie das manchmal nicht zeigen kann.

 

Ein Nachwort an die Eltern, die ihren Kindern dieses Buch vorlesen, von der Kinder- und Jugendlichentherapeutin Ina Knocks, gibt wertvolle Hinweise zu Depressionen und wie man mit Kindern umgeht, in deren Familien ein Mitglied daran erkrankt ist.

 

Jans Geschichte in diesem schönen und gelungenen Bilderbuch zeichnet ein gefühlvolles Bild der Verlustängste und der Scham- und Schuldgefühle, mit denen Kinder im Falle einer Depression eines Elternteils zu kämpfen haben. Sie klärt bildhaft und kindgerecht über ie Erkrankung, ihre Folgen und ihre Behandlung auf. Und sie macht deutlich: Schuld trägt niemand. Schon gar nicht die Kinder.

Sei still mein Herz, die Bäume beten

 

 

Monika Herz, Sei still mein Herz, die Bäume beten… Nymphenburger Verlag 2017, ISBN 978-3-485-02880-6

 

Die als „Alpenschamanin“ einem größeren Kreis von Gleichgesinnten bekannt gewordene 1956 geborene Monika Herz hat mit der vorliegenden Sammlung von Heil- und Schutzgebeten, darunter sehr viele von Rainer Maria Rilke , Eduard Mörike und Rabindranath Tagore den Versuch unternommen, auch für Menschen, die ihre esoterische Grundeinstellung weniger teilen, einen Zugang zu schaffen zur Transzendenz von Gebeten und Gedichten.  „Manche Worte“ sagt sie,  „sind so schön, dass wir – auch ohne Not – in dem Moment, in dem wir sie sprechen oder denken, von einem Gefühl des Glücks erfasst werden. Und dies sind dann die kostbaren Augenblicke, in denen wir uns der eigenen Lebendigkeit erfreuen und uns zugleich bewusst sind, dass das JETZT die einzige Zeit ist, in der wir für uns und andere etwas bewirken können.“

 

Ich habe das Buch als eine kleine spirituelle Schatzkiste schätzen gelernt, deren Texte und Gedanken mich immer wieder in ein tiefes und dankbares Nachdenken bringen.