Stille Wasser (Hörbuch)

 

 

 

 

Donna Leon, Stille Wasser. Commissario Brunettis sechsundzwanzigster Fall (Hörbuch), Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-80380-8

 

In ihren neuen, dem mittlerweile sechsundzwanzigsten Fall ihres venezianischen Commissarios Guido Brunetti, findet Donna Leon nach dem schon viel besseren letzten Fall wieder zu alter literarischer Stärke zurück. Zwar wird wieder, wie das in Italien eher die Regel zu sein scheint, der Schuldige nicht gefunden und verurteilt, aber daran hat man sich mittlerweile auch bei anderen Autoren wie etwa bei Camilleris Montalbano, schon gewöhnt.

 

„Stille Wasser“ zeigt Donna Leon, ihren Brunetti und auch die Lagune von Venedig von einer anderen, sehr nachdenklichen und philosophischen Seite.

 

Nachdem Brunetti bei einem Verhör eines hochrangigen Bürgers, der natürlich am Ende nicht für das Verantwortung übernehmen muss, was er offensichtlich getan hat, seinem Kollegen zur Hilfe kommt, der aus Wut kurz davor ist, dem Verdächtigen, dem Anwalt Antonio Ruggieri an den Kragen zu gehen, indem er einen Schwächeanfall vortäuscht. Das Verhör wird abgebrochen, Brunetti mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Klinik gebracht und von dort mit dem dringenden Rat für eine berufliche Auszeit wieder entlassen.

 

Da es seinem schon lange gespürten Bedürfnis entgegenkommt, nimmt Brunetti diesen Rat an, und verbringt unter Vermittlung seiner Frau Paola zwei Wochen in einem Haus von Paola Verwandten auf der Insel Sant`Erasmo in der Lagune von Venedig.

 

Dort wohnt auch der alte Davide Casati, ein Mann, mit den Brunettis Vater schon ruderte und ein legendäres rennen gewann. Brunetti und Casati kommen sich bei zahlreichen Rudertouren durch die Lagune näher. Auf diesen Touren erfährt er viel über das bedrohte und  schon stellenweise zerstörte Ökosystem der Lagune  und das rätselhafte Sterben von vielen von Casati Bienenvölkern, die er auf vielen verschiedenen Inseln der Lagune aufgebaut hat.

 

Man ahnt als jemand, der vor Jahrzehnten genau die Nachrichten verfolgt hat, schon etwas davon, dass es wahrscheinlich um irgendeinen Umweltskandal gehen wird.

 

Und als Casati, dessen Frau vor einigen Jahren an Krebs gestorben ist, wofür er sich die Schuld gibt, eines Tages nicht mehr auftaucht und verschwindet, überredet Brunetti seinen Kollegen Vianello, sich kran k schrieben zu lassen und sozusagen undercover mit ihm nach Casati zu suchen.

 

Und sie kommen auf ganz alte Spuren und einen unglaublichen Skandal.

 

Donna Leon betont schon in ihren letzten Romanen immer wieder, in welch schrecklichem Zustand Venedig und seine Umgebung durch immer mehr Touristen und Umweltsünden sich befinden. Man spürt ihrem Buch ab, wie sehr sie unter dieser immer negativeren Entwicklung leidet und sie lässt auch ihren Commissario an ihrer Skepsis teilhaben.

 

„Stille Wasser“ ist trotz seiner klug aufgebauten Spannung ein nachdenkliches Buch.

 

Die hier vorliegende ungekürzte Lesung von Joachim Schönfeld besticht durch ihren ruhigen Duktus und eine Stimme, die sich hervorragend in die handelnden Personen hineinversetzt und das Hörbuch so zu einem wirklichen Erlebnis macht.

 

 

 

 

 

 

Die Spur des Lichts (Hörbuch)

 

 

 

 

Andrea Camilleri, Die Spur des Lichts. Commissario Montalbano stellt sich der Vergangenheit (Hörbuch), Lübbe Audio 2017, ISBN 978-3-7857-5469-6

 

Der vorliegende Roman mit Commissario Montalbano aus Vigata in Sizilien ist der nunmehr 19. ins Deutsche übersetzte einer Reihe, die ihr Schöpfer Andrea Camilleri, mittlerweile 92 Jahre alt, in Italien schon auf 24 Bände ausgeweitet hat.

 

Ich habe alle bisher erschienenen Bände vom ersten Band „Die Form des Wassers“ bis zum dem aktuellen vorliegenden in Italien zuerst 2011 erschienenen gelesen, und ich muss sagen, dass ich selten in einer Krimireihe (die meisten mit deutlich weniger Bänden) so wenig qualitative Unterschiede gesehen habe wie bei Camilleri.

 

Obwohl die Besetzung bis auf unwesentliche Veränderungen in seinem Ermittlerteam immer gleich bleibt, ist es jedes Mal ein Genuss zu lesen, wie Montalbano etwa seinen Vorgesetzten mit dessen eigenen Mitteln austrickst oder wie sein tolpatschiger Assistent Catarella jeden Namen verwechselt, der ihm unter die Nase kommt.

 

In den letzten Bänden spielt Camilleri immer wieder mit dem Thema Alter. Montalbanos Zwiegespräche mit seinem Alter Ego deren sich immer mehr um seine Vergesslichkeit und seine abnehmende Energie.

Doch dann zeigt sich der auf sie sechzig zugehende Commissario wieder wie im vorliegenden Band von seiner besten Seite, lässt sich von ermittlungstechnischen Sackgassen nicht entmutigen und stellt wieder einmal fest, dass seine Libido noch nicht erloschen ist.

 

Lange habe ich mich in den letzten Jahren gefragt, warum Montalbano  immer noch jeden Abend mit seiner Freundin Livia telefoniert, obwohl er jedes Mal mit ihr in einen  Streit gerät. Man spürt, dass Montalbano sie durch die Zeiten aufrichtig liebt. Und nach der Lektüre dieses Buches, in dem Camilleri viel Einblick gibt in Montalbanos Vergangenheit, auch seine Geschichte mit Livia, weiß man auch warum. Ich glaube jedenfalls mittlerweile nicht mehr daran, dass Camilleri an dem Beziehungsstand der beiden in den insgesamt fünf in Italien schon erschienenen, aber noch nicht ins  Deutsche übersetzte Bände, etwas ändern wird, auf die  sich alle Freunde dieses Commissarios, der nach wie vor gutes Essen und guten  Wein goutiert, in den nächsten Jahren freuen können.

 

Wider mit viel Sprachwitz hat der Schauspieler Bodo Wolf auch dieses Hörbuch eingelesen und begeistert seine Hörer erneut mit seinem Gespür für die lauten und die leisen  Zwischentöne Andrea Camilleris.

 

 

Wetter macht Liebe

 

 

 

Axel Bojanowski, Wetter macht Liebe, DVA 2017, ISBN 978-3-421-04763-2

 

„Wie Wind und Wolken unsere Gefühle verändern und anderen rätselhafte Phänomen der Erde“ – das soll nach dem Untertitel das Thema dieses Buches des Wissenschaftsjournalisten Axel Bojanowski sein.

 

Doch der Einfluss des Wetters auf unsere Gefühle wird in den insgesamt 50, jeweils nur wenige Seiten umfassenden Kapiteln des Buches, nur an einigen Stellen beschrieben, was dem Lesegenuss aber keinen Abbruch tut. Man darf sich nur nicht vom Cover in die Irre führen lassen.

 

Bojanowski beschreibt interessante Phänomene über die Erde, den Klimawandel, das Wetter, die Eiszeiten und vielen anderen verwunderlichen wettertechnischen Dingen auf der Erde.

 

Dabei erzählt er immer kurzweilig und mit Humor, präzise und tiefschürfend,  auch die Sache mit dem Wetter und der Liebe kommt zur Sprache, wenn auch nicht so ausführlich, wie das Buchcover vorgeben mag. Hier wird Naturwissen spannend und geistreich vermittelt. Man kann das Buch von vorne bis hinten lesen, aber auch einfach blättern und sich einzelne Themen heraussuchen. Fündig wird man sicher.

Cuba Cars

 

 

 

 

Harri Morick, Rainer Floer, Cuba Cars. Oldtimer in der Karibik, Delius Klasing 2017, ISBN 978-3-667-10837-1

 

 

Kuba ist für alle Automobilfreunde, erst recht für Liebhaber alter und besonderer amerikanischer Autos ein Mekka und ein regelrechtes Freilichtmuseum.

 

Harri Morick und Rainer Floer teilen diese Begeisterung und haben auf mehrerer Reisen in die Karibik nicht nur wunderbare Autos aufgespürt, sondern auch mit ihren Eigentümern gesprochen und mit Betreibern von Werkstätten, die mit viel Geschick und Phantasie alte Schlitten wieder auf Vordermann bringen.

 

Für Liebhaber alter amerikanischer Autos ist dieser schöne Fotoband ein Leckerbissen.

Berge unter Sternen

 

 

 

 

Bernd Willinger, Norbert Span, Berge unter Sternen, Knesebeck 2017, ISBN 978-3-95728-033-6

 

In mehr als 250 Nächten haben die beiden Alpenfreunde und Fotografen Bernd Willinger und Norbert Span  sich mit ihren Kameras in den Höhen der Alpen aufgehalten und dabei in verschiedenen Phasen der Nacht von der ruhigen Stimmung der goldenen Stunde, der Dämmerung mit ersten erkennbaren Sternbildern, der tiefen Nacht mit besonders hellen Sternen bis zur Morgendämmerung Aufnahmen von Bergen, Sternen und Lichtphänomenen gemacht, die einen beim Anschauen ein ganz ehrfürchtiges Gefühl machen.

 

Durch den Einsatz verschiedener besonderer Techniken (es gibt in diesem Buch auch Tipps für eigenes Fotografieren in den Bergen) sind Bilder von eine einzigartigen und berührenden Schönheit entstanden.

 

Ein Augengenuss der besonderen Art.

Eskapaden

 

 

 

Martin Walker, Eskapaden, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-24394-9

 

In seinen bisherigen Büchern mit dem sympathischen Bruno Courreges, dem Chef de Police in dem kleinen Städtchen St. Denis im Perigord ist es dem Engländer Martin Walker jedes Mal sehr gut gelungen, ein aktuelles Thema in einem konkreten Kriminalfall zu verbinden mit sehr aufschlussreichen Rückblicken in die dunklen Kapitel der französischen Geschichte.

 

Während es im letzten Band meines Erachtens zu viele verschiedene Handlungsebenen gab und das Buch deshalb etwas durcheinander wirkte, ist ihm im vorliegenden achten band wieder eine tolle Mischung aus aktuellen politischen Themen und in die Gegenwart reichender Hypotheken französischer Vergangenheit gelungen.

 

Da geht es zum einen um eine radikale Tierschützerin, die für viel Unruhe in St. Denis sorgt, zum anderen um die Rolle des legendären Kriegshelden Marco Desaix, einst ein Idol des jugendlichen Bruno und seine Verwicklungen in vergangenen  und aktuelle Geheimdienstaffären.

 

Und natürlich geht es wieder um viel leckeres Essen und große Weine und um das Liebesleben Brunos. Schon kurz nach Beginn des Buches beendet seine Freundin Isabelle die sich nun schon über mehrere Bände hinziehende Beziehung, weil sie unabhängig bleiben will und Brunos Traum von einer Familie mit Kindern nicht im Wege stehen will.

 

Wann und ob  Martin Walker seinem Bruno diesen Traum erfüllt, steht allerdings in den Sternen.

Eine leidenschaftliche Nacht, die Bruno mit einer der Hauptfiguren des Buches verbringt, kostet ihn fast den Job, den er dann doch in gewohnter Manier erfolgreich erledigt.

 

Diesen Band habe ich wieder mit großer Freude und fast ohne eine wesentliche Unterbrechung gelesen und freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung in 2017.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lass dich nicht im Stich

 

 

Pierre Stutz, Lass dich nicht im Stich. Die spirituelle Botschaft von Ärger, Zorn und Wut, Patmos 2017, ISBN 978-3-8436-0950-0

 

Gerade religiös und spirituell geprägte Menschen sidn oft mit der Botschaft groß geworden, dass Zorn, Wut und  Ärger zu den Charaktereigenschaften gehören, die einem frommen und gläubigen Menschen fremd sein sollten.

 

Pierre Stutz beschreibt in seinem neuen hier vorliegenden Buch, dass Ärger, Zorn und Wut zum Menschsein gehören, und entschlüsselt, welche spirituelle Botschaft sie bereithalten. Ob wohl sich gerade spirituelle Menschen diese „bösen Gefühle“ oft verbieten, gehören Wut und Zorn ebenso zur emotionalen Grundausstattung des Menschen wie die Liebe. Ebenso wie der »Eros« lässt sich auch die »Aggression« nicht einfach verdrängen, sondern prägt Denken und Fühlen, Seele und Körpererfahrung. Gefragt ist ein konstruktiver Umgang mit Aggression, der damit beginnt, Selbstvertrauen und den Mut zu entwickeln, sich nicht im Stich zu lassen, sondern sich zu wehren.

 

Es geht in diesem in sieben Schritten aufgeteilten Buch um die spirituelle Botschaft und die spirituellen Wurzeln von Empörung und Wut. Sich nicht gewöhnen an Ungerechtigkeit, sondern die Kraft der Aggression freisetzen für die gewaltfreie Arbeit am Frieden – für diese Botschaft zitiert er sehr viele Zeugen, deren Bücher er in einem ausführlichen Verzeichnis aufführt.

 

Vielen Gedanken und Überlegungen drückt er in Gedichten aus, die er immer wieder in seine überzeugenden Texte einfügt. In diesem Buch kann der Leser zu folgenden Themen Wichtiges erfahren. Überlegungen, die ihn weiterbringen bei:

  • Selbstvertrauen entfalten
  • Mich wehren können
  • Authentisch werden
  • Selbstverantwortung übernehmen
  • Mich nicht an Ungerechtigkeit gewöhnen
  • Die Spirale der Gewalt durchbrechen
  • Gewaltfrei kommunizieren

 

Eingebettet in die biblische und christliche Tradition hat dieses Buch auch Menschen etwas zu sagen, die sich in dieser Tradition nicht beheimatet fühlen.

 

 

 

Sweet Occupation

 

 

 

 

 

Lizzie Doron, Sweet Occupation, DTV 2017, ISBN 978-3-423-26150-0

 

Die 1953 als Tochter einer Holocaustüberlebenden in Tel Aviv geborene israelische Schriftstellerin Lizzie Doron ist in Deutschland durch ihre ausnahmslos autobiographisch geprägten Bücher bekannt geworden, in denen sie das Lebensgefühl und die Probleme der sogenannten „zweiten Generation“ thematisierte. Nicht nur in ihrem letzten Buch „Das Schweigen meiner Mutter“  versuchte sie sehr eindrucksvoll das Schweigen zu brechen. Es gibt niemand sonst, der in der Lage ist, die widerstrebenden Gefühle der Nachkommen der Überlebenden tiefer und schmerzhafter auszuloten. Man spürt den jeweils sehr sensiblen und gelungenen Übersetzungen Mirjam Presslers ab, welche unsagbare Anstrengung das Schreiben dieser Bücher für Lizzie Doron bedeutet.

 

Lizzie Doron ist zutiefst davon überzeugt, dass die beiden verfeindeten Völker, die Juden und die Palästinenser, wollen sie eine Chance haben zu überleben, das Unverständnis füreinander überwinden müssen. Gleichzeitig ist sie sich mit David Grossmann und vielen anderen einig, dass ohne die israelische Armee das Land schon längst nicht mehr existieren würde, und die Juden, wie es Nasser zuerst formulierte, von den Arabern ins Meer getrieben worden wären. Dennoch hat sie schon in ihrem letzten Buch „Who the Fuck ist Kafka“, das ebenso wie das neue hier vorliegenden in Israel nicht erscheinen konnte, sich auf neue  Wege begeben und begonnen, nicht nur literarisch, sondern in tatsächlichen Begegnungen mit Menschen von der anderen Seite, „dem Feind“, auszuloten, wie das wäre, sich einander anzunähern, der Gewalt abzuschwören und sich dem jeweiligen Leid und Schicksal des anderen zu anzunehmen.

 

Das Buch und seine Autorin sind voller Widersprüche. Da ist zu einem die Hoffnung, und zum anderen die tief sitzenden Vorurteile und Ängste. Und man spürt eine in den letzten Jahren stärker gewordene Ratlosigkeit, die auch andere Schriftsteller und Intellektuelle ergriffen hat. Einer von ihnen, Amos Oz, lässt in seinem letzten Roman „Judas“ einen alten weisen Juden sagen: „Die Wahrheit ist, dass alle Macht der Welt den Feind nicht in einen Freund verwandeln kann. Man kann den Feind zum Sklaven machen, aber nicht zu einem Liebenden. Mit aller Macht der Welt kann man einen Fanatiker nicht zu einem aufgeklärten Menschen machen. Und mit aller Macht der Welt kann man aus einem Rachedurstigen keinen Freund machen. Und genau da liegen die existentiellen Probleme des Staates Israel: einen Feind zum Liebenden zu machen, einen Fanatiker zu einem Gemäßigten, einen Rachsüchtigen zu einem Freund.“

 

Während Lizzie Doron noch in „Who the Fuck is Kafka“ immer wieder deutlich machte, dass die militärische Macht und ihr Einsatz notwendig sind, um den schnellen Tod Israels und seiner jüdischen Bevölkerung zu verhindern, hat sie nach den Gesprächen mit den insgesamt fünf Mitgliedern der „Combatants for Peace“ auch daran immer mehr Zweifel.

 

Lizzie Doron hat gegen erhebliche innere Widerstände diesen fünf Männern, drei Palästinensern und zwei Israelis, über ein ganzes Jahr lang in regelmäßigen Begegnungen zugehört und sich dabei immer wieder an Begebenheiten aus ihrem eigenen Leben erinnert. Entstanden ist dabei ein ergreifendes literarisches und persönliches Dokument einer Autorin, die sich und ihr ganzes bisheriges Leben und Erleben aussetzt einer neuen Erfahrung. Ein Buch über einst Radikale, die dem sinnlosen Hass eine Alternative entgegensetzen, von Mirjam Pressler, der langjährigen Freundin und Weggefährtin wieder sensibel ins Deutsche übersetzt

 

Es ist eine verzweifelte Zwickmühle, die da mit großer literarischer Kunst beschrieben wird.

Beim Lesen dieses Buches spürt der Leser geradezu körperlich die Qual, die Intellektuelle wie Doron, Oz oder Grossmann nicht erst seit gestern aushalten. Ich kann es allen Menschen sehr empfehlen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, weigern, die Hoffnung für dieses Land und seine Menschen aufzugeben.  Dass es auch in Deutschland ein neues Verständnis dafür gibt, dass trotz einer sich nach innen abschottenden israelischen Politik mit Siedlungsbau und anderen den Friedensprozess verunmöglichenden Aktionen, zeigen die letzten Besuche von Außenminister Gabriel und Bundespräsident Steinmeier in Israel.

 

Auch die Wiederauflage des 1970 zum ersten Mal auf Deutsch erschienen Buches von Amos Oz und Avraham Shapira mit Gesprächen mit israelischen Soldaten nach dem Sechstagekrieg unter dem Titel „Man schießt und weint“, das soeben im Westend Verlag erschienen ist, kann zu diesem neuen Verstehens- und Verständigungsprozess jenseits der alten Frontlinien beitragen.

 

„Sweet Occupation“ ist ein Buch, das eine große Weisheit vermittelt: die Tragödie des anderen zu verstehen ist die Voraussetzung, um einander keine weiteren Tragödien mehr zuzufügen.

 

Ob dieses Buch jemals in Israel selbst veröffentlicht wird, scheint im Augenblich fraglich.

 

 

 

Custom Bike Life

 

 

 

 

Ramp (Hg.), Custom Bike Life, Te Neues 2017, ISBN 978-3-8327-6922-2

 

Dieses wunderschöne Buch ist ein Muss für jeden Motorradfan. Es ist ein Buch über die Kraft und Schönheit von selbstgebauten Maschinen. Eine Bildreise hinein in eine  Tradition, die tief verwurzelt ist im Freiheitsgefühl der 1960er-Jahre mit seinem Drang, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Individualisierte Geschichten werden präsentiert über individuelle Bikes und ihre Macher. Opulente bildgeprägte Geschichten und Reportagen sind das, die mitten hinein in das aktuelle Custom-Bike-Leben und die Motorradkultur eintauchen. Ein Roadmovie zum Miterleben. Alle Facetten sind vorhanden, die die Faszination Motorrad ausmachen, das ist Bike Life. Cafe Racer, Scrambler, Chopper. Dazu die großen Kulturveranstaltungen wie Wheels & Waves oder Pure & Crafted.

Der Leser erlebt die Atmosphäre auf Rennveranstaltungen, bei Wochenendevents in Kalifornien, er ist dabei bei Abenteuertouren durch die Berge von Südafrika und besucht die Werkstätten, in denen Custom Bikes entstehen. Die herausragenden Fotografen der Szene liefern ihre besten Produktionen.

Unterhaltsam-informativ führt der Text die Geschichten zu den Ereignissen und den Bildern. Ihr Verhältnis ist ausgewogen.

 

Ein tolles Geschenk für jeden Motorradfan.

Eine Hütte zum Glück. Die schönsten Hideaways in den Bergen

 

 

 

 

Ingrid Schindler, Winfried Heinze, Eine Hütte zum Glück. Die schönsten Hideaways in den Bergen, Knesebeck 2017, ISBN 978-3-86873-929-9

 

Vor den Augen die beeindruckenden Gipfelzüge der Alpen, blühende Wiesen und fantastisches Panorama. Menschen, die die Berge lieben, kennen auch den Traum und die Vorstellungen, wenigstens einmal in ihrem Leben für eine längere Zeit dort oben zu bleiben und dort zu leben und zur Ruhe zu kommen. Es gibt Menschen, nicht alle haben viel Geld, aber es hilft, die sich diesen Traum erfüllt haben und zum Teil mit großem Aufwand und Luxus alte Hütten aufgemotzt haben und dort jedenfalls zeitweise leben und arbeiten.

 

Ihre Hütten werden in diesem traumhaften Buch von Ingrid Schindler und Winfried Heinze beschrieben. Man erfährt ihre Geschichte, wie sie zum Teil gegen viele Widerstände zu ihren Hütten gekommen sind und wie sich ihr Leben und ihr Alltag dort gestalten.

 

Beeindruckende Menschen und beeindruckende Leistungen, die es auch normalen Wanderern und Bergfreunde möglich machen, dort einzukehren. Wie man jeweils dort hinkommt und was es in der jeweiligen Region sonst noch alles zu sehen und zu erleben gibt, wird jeweils am Ende eines Kapitels beschrieben.  Das macht das Buch nicht nur zu einer optischen Freude beim Anschauen, sondern auch zu einem praktischen Ratgeber für eigene Touren.