Jeden Morgen um 10

 

 

 

 

Christine Nöstlinger, Katharina Sieg, Jeden Morgen um 10, Nilpferd 2016, ISBN 978-3-7074-5189-4

 

Katharina Sieg hat in diesem feinen Bilderbuch eine lustige und nachdenkliche Geschichte der Geschichtenerzählerin Christine Nöstlinger mit eindrucksvollen und charakterstarken Bildern illustriert.

 

Christine Nöstlinger, die seit Jahrzehnten nichts lieber tut, als Geschichten zu erzählen für Kinder, hat für dieses Bilderbuch eine Geschichte erfunden über diese wundervolle Tätigkeit.

 

Sie beginnt mit einer Zeitungsmeldung, nach der ein Hund jeden Tag um 10 Uhr allein mit der Fähre von der Insel Maddalena nach Palau übersetzt. Jeden Morgen läuft er zur Stadt hinauf, spaziert ein wenig durch die Gassen und legt sich dann vor der Kirche in den Schatten. Kurz vor der Abfahrt der letzten Fähre macht er sich auf zu Hafen und fährt zurück.

 

Die Leute, die den Hund Max getauft haben, glauben, er warte auf irgendetwas. Die Schneiderin, der Pfarrer, die Gemüsefrau, der Bäcker, die Wirtin und der Baumeister überlegen jeden Abend vor der Bar beim Apero, worauf der Hund wohl warten könnte.

 

Und sie erhalten nacheinander von dem Hund völlig unterschiedliche Erklärung, die jeder von ihnen für die wahre Geschichte hält. Doch Gina, die kleine Tochter der Wirtin, ist nicht überzeugt und fragt Max am Sonntag selbst. Der erzählt ihr von seinem Beruf und vom Unterschied zwischen Lügen und Geschichten.

 

Ein wunderbares Bilderbuch über die Freude an und in Geschichten. Und weil Kinder Geschichten lieben, werden sie dieses Buch mögen, und vielleicht selbst anfangen wie Max.

 

Hör mal, wer da miaut und bellt

 

 

 

 

Kerstin M. Schuld, Hör mal, wer da miaut und bellt, Coppenrath 2017, ISBN 978-3-649-62272-7

 

In insgesamt fünf Bildern wird in diesem schönen Bilderbuch für kleine Kinder zwischen 18 und 24 Monaten das Sprechen und Entdecken geübt.  Mit einem Fingerdruck auf ein Button mit einem entsprechenden Bild können sie die einzelnen Seiten zum Tönen bringen.

 

Abgebildet sind Szenen von Tieren. Entweder spielen Kinder mit ihnen wie bei den Katzen und Hund, oder sie beobachten sie, wie die Mäuse und die Hamster. Die Wellensittiche sind wie die Kinder auch eher gesellige Wesen, wie auf der fünften Seite zu sehen ist.

 

Das Geräusch der jeweiligen Tierstimmen, das die Kinder per Knopfdruck aktivieren können, ist echt und nicht zu laut, ebenfalls nicht zu lang und damit werden Hörsinn und der Sehsinn gleichermaßen gut angesprochen.

 

Rund um die Familie

 

 

 

 

 

Patricia Mennen, Melanie Brockamp, Wieso.Weshalb, Warum., Rund um die Familie, Ravensburger Verlag 2017, ISBN 978-3-473-32661-7

Dieses Buch aus der durchweg empfehlenswerten Sachbuchreihe Wieso? Weshalb? Warum? für Kinder von vier bis sieben Jahren aus dem Ravensburger Verlag gibt auf insgesamt acht Doppelseiten mit vielen Klappen, die Einblicke ermöglichen und  Bewegungen und Abläufe veranschaulichen, eine Einführung in die Welt und den Alltag von Familien unterschiedlichster Art. Ganz zu Beginn schreibt Patricia Mennen:

„Familie ist da, wo man sich geborgen fühlt. Sie gibt Sicherheit. Denn alle sind füreinander da. Es wird gelacht, geweint und auch mal gestritten. Das Besondere ist, dass immer jemand da ist, der einem hilft.“

 

Auf acht gut aufgebauten Doppelseiten, die von Melanie Brockamp einladend illustriert sind, geht es um Verwandtschaft, Veränderung, Herkunft, Geschwister, Streit und andere Gefühle, Trennung von Eltern, und Patchworkfamilien. Am Ende haben die beiden Autorinnen auf einer Doppelseite alle möglichen Familienformen in einem großen Wohnhaus untergebracht und erklärt.

 

Ein Sachbilderbuch für Kinder zwischen vier und sieben Jahren, dem es sehr gut gelungen ist, die Vielfalt des Themas altersgerecht darzustellen, ohne etwa eine bestimmte Familienform von vornherein zu präferieren.

 

Gesund beginn im Mund

 

 

 

 

Hubertus von Treuenfels, Gesund beginnt im Mund, Knaur 2017, ISBN 978-3-426-65900-0

 

 

Systemisches Denken hält nun auch Einzug in die Zahnmedizin. Der in Eutin praktizierende und in Basel lehrende Experte für Systemische Kieferorthopädie (SKFO) und Kiefergelenkserkrankungen Hubertus von Treuenfels zeigt in seinem hier vorliegenden Buch “Gesund beginnt im Mund“ die Ergebnisse der von ihm initiierten Systemischen Zahnmedizin.

So wie auch in anderen Bereichen des Körpers verschiedene Teilbereiche intensiv miteinander vernetzt sind, und deshalb in ihrer Funktion oder Fehlfunktion voneinander abhängig sind, so gibt es auch zwischen Mund, Seele und Körper ein bisher weitgehend unbekanntes Wechselspiel.

 

Hubertus von Treuenfels erklärt in seinem Gesundheitsratgeber diese Zusammenhänge sehr anschaulich und gibt viele interessante Fallbespiele.

 

Auf diese Weise ermächtigt er den Leser, selbst seine Gesundheitsvorsorge und ggf. Heilung in die Hand zu nehmen.

 

 

 

 

Liebe Prinzessin, ich bin`s, Dein Prinz !

 

 

 

 

Simak Büchel, Fides Friedeberg, Liebe Prinzessin, ich bin`s, Dein Prinz, Bohem 2016, ISBN 978-3-95939-034-7

 

Die Bilderbücher aus dem Bohem – Verlag sind ausnahmslos Geheimtipps für Freunde anspruchsvoller und künstlerisch wertvoller Bilderbücher, an denen auch Erwachsene ihre Freude haben.

 

Im vorliegenden Buch erzählt Simak Büchel die Geschichte des Prinzen Balthasar, der nach einem Besuch bei seiner Freundin Prinzessin Primula dort sein Schwert vergessen hat. Und ein Prinz ohne Schwert geht nun gar nicht.

 

Deshalb macht sich Primula, nachdem sie sorgfältig alles für die Reise Notwendige gepackt hat, auf den langen Weg über Berg und Tal, durch Ozeane und Sümpfe, um ihrem Freund dessen Schwert zu bringen.

 

Fides Friedeberg hat die Stationen dieser Reise in wunderbaren doppelseitigen Bilder gezeichnet, auf denen es wie in einem Wimmelbuch sehr viel zu entdecken gibt. Farbenfroh und verliebt ins Detail erzählen diese Bilder die von Simak Büchel geschriebene Geschichte auf ihre Weise.

 

Man kann einfach nicht glauben, dass das vorliegende Bilderbuch das erste ist, das Fides Friedberg illustriert hat. Ich bin sicher, nach diesen wunderbaren Bildern wird sie sich vor weiteren Aufträgen nicht retten können.

 

 

Kleine Verbrechen erhalten die Freundschaft

 

 

 

 

Elisabeth Kabatek, Kleine Verbrechen erhalten die Freundschaft, Droemer 2017, ISBN 978-3-426-30569-0

 

Nach den Bestsellern  „Laugenweckle zum Frühstück“, „Brezeltango“ und Spätzleblues“  und „Zur Sache, Schätzle“ hat sich Elisabeth Kabatek von ihrer Protagonistin Pipeline Praetorius verabschiedet und wagt mit ihrem neuen, hier vorliegenden Roman einen neuen Ansatz.

 

Wieder beginnt ihr unterhaltsamer und stellenweise fast philosophisch anmutender Roman in Stuttgart. Da ist Luise. Sie ist Mitte siebzig, wohnt seit Jahrzehnten mit ihrem Mann, einem erfolgreichen und überall vernetzten Bauunternehmer in der Stuttgarter Halbhöhenlage am Killesberg. Sie hat vor langer Zeit mit ihrem von ihren Eltern geerbten Vermögen den wachsenden Erfolg und Wohlstand ihres Mannes erst ermöglicht. Als der plötzlich stirbt und sie in seinen Unterlagen den Beweis findet, dass er sie über lange Zeit mir ihrer besten Freundin betrogen hat, packt sie ein paar Sachen zusammen und setzt sich in einen Fernbus nach Hamburg.

 

Und da ist Jan. Er steht kurz vor seinem fünfzigjährigen Geburtstag, und leidet unter einer ausgewachsenen Midlifekrise. Er will einfach weg und steht mit seinem Auto noch entscheidungsschwach auf einem Parkplatz im Pfaffenwald, als eine junge Frau an seine Scheibe klopft, weil sie eine Fahrradpanne hat und mitgenommen werden möchte. Auch Sabrina hat eine Krise. Sie hat gerade ihren Freund Oliver mit einem anderen betrogen und sieht ihre ganze Welt in sich zusammenstürzen.

 

Jan und Sabrina beschließen, erst mal loszufahren um Abstand zu gewinnen. Auf einer Autobahnraststätte verpasst derweil Luise ihren Fernbus, weil sie wegen eines offenbar psychisch bedingten Durchfalls nicht von der Toilette gekommen ist.

 

Jan und Sabrina gabeln sie auf und dann beginnt eine spektakuläre Flucht von drei sehr unterschiedlichen Menschen, die von Elisabeth Kabatek abwechselnd in die Erzählerrolle gebracht werden.  Sie haben kein Geld und müssen sich in der Folge auf eine immer kriminellere Weise Geld, Nahrung und Kleidung beschaffen. Sie kommen sich auf ihrer Reise quer durch die Republik bis in den hohen Norden immer näher und teilen ihre Probleme.

 

Als dann noch ein Stuttgarter Kommissar die Verfolgung der drei aufnimmt, wird deutlich, dass keiner drei Hauptpersonen vor seiner Vergangenheit fliehen kann. Und am Ende ist nichts mehr so, wie es war.

 

Ein wunderbares Buch voller Witz und Tiefgang.

Ayda, Bär und Hase

 

 

 

 

 

Navid Kermani, Ayda, Bär und Hase, Hanser 2017, ISBN 978-3-466-25481-7

 

Ayda ist 5 Jahre alt und wohnt im Kölner Viertel Eigelstein direkt hinter dem Dom. Ihre Eltern stammen aus dem Iran und haben sich in Köln während ihres Studiums kennen gelernt.  Aydas Vater, sie nennt ihn auf persisch „Baba“, ist ein großer und treuer Fan des 1. FC Köln, obwohl die Mannschaft oft verliert. Aber treue Fans stört das nicht. Ayda versteht zwar nichts von Fußball, aber Babas Treue zu seinem Verein imponiert ihr doch sehr.

 

Ayda ist ein intelligentes Kind. Sie besucht den Kindergarten, hat dort aber kaum Freunde. Paul und Lisa, mit denen sie am meisten zu tun hat und die beide ein ganzes Jahr älter sind als sie, nennen Ayda einen „Knirps“, obwohl Ayda doch bald zusammen mit den beiden in die Schule kommt.

 

Ayda fühlt sich unglücklich und allein. „Üzüntülü“, wie die türkische Ladenbesitzerin Frau Oztürk immer sagt, „betrübt in der Seele“. Sie erzählt abends ihrem Vater davon, und der versucht ihr klar zu machen, dass das Traurigsein zum Leben dazu gehört, und es eben nur manches Mal Momente reinen Glücks gibt. Ayda ist nicht ganz davon überzeugt, und als sie sich am nächsten Tag im Kindergarten wieder so allein fühlt, fährt sie, ohne jemand Bescheid zu sagen, mit ihrem kleinen Fahrrad bis zum Rhein und dort am Ufer entlang.

 

Sie passt -in Gedanken versunken- einen Augenblick nicht auf und stürzt. Blutend und verzweifelt liegt sie auf dem Asphalt des Fahrradwegs, als ein Hase und ein Bär vor ihr stehen, die im nahen Wäldchen wohnen. Sie bringen Ayda zurück, und nun beginnt die Geschichte einer großen Freundschaft.

 

Aydas Eltern sind von den beiden neuen tierischen Freunden ihrer Tochter begeistert, sie dürfen bei Ayda übernachten, Ayda darf sie mit in den Kindergarten nehmen, und als die Ferien beginnen, macht es Aydas Vater sogar möglich, daß die beiden in einem Wohnwagen mitfahren können nach Spanien, wo sich die Großfamilie einmal im Jahr trifft. Verwandte mit Onkeln, Tanten, Großeltern, Cousins und Cousinen kommen aus dem Iran und aus den USA.

 

Ayda verlebt einen glücklichen Sommer, zumal sie dort in Spanien noch einen Esel kennen lernen, der dann aber leider nicht nach Deutschland mit zurück kann.

Doch sie haben dem armen Esel zu einer neuen Unterkunft verholfen, und was Ayda dem Esel zum Abschied  sagt, ist die wunderbare Schlüsselbotschaft des ganzen Buches:

„Wenn man unglücklich ist, muss man sich nicht damit abfinden, sondern versuchen, es zu ändern!“

 

Zurück in Deutschland helfen die beiden Tiere Ayda, sich auch in der Schule durchzusetzen, indem sie bei einem Wettkampf die großen Jungs besiegen. Da Ayda besonders an den Wochenenden den Hasen und den Bären im Wäldchen besuchen kann, ist am Ende ihr Glück vollkommen. Obwohl ihr Vater sagt: „Wenn die nie ‚üzüntülü’ bist, dann weißt du auch gar nicht, was das Glück ist.“  Doch Ayda antwortet: „Aber wenn ich ganz fest daran glaube, dass es schöner wird, wirklich richtig mächtig dran glaube, dann kann es noch schöner werden, das Leben, oder ?“

 

Navid Kermani, 1967 in Siegen geboren, ist Orientalist und Islamwissenschaftler. Er besitzt die deutsche und die iranische Staatsbürgerschaft und lebt als freier Schriftsteller und Regisseur in Köln. Wichtige Themen seiner Werke sind das Verhältnis zwischen Westen und Orient, der Kampf bzw. der Dialog der Religionen, sowie die menschliche Ursuche nach dem Gottesbild und dem Sinn des Leids.

 

Navid Kermani hat  -wohl ganz speziell für seine Tochter, nehme ich an-

Schon 2006 ( damals erschien das Buch im Picus Verlag in Wien) ein schönes Kinderbuch der Hoffnung geschrieben, das Kindern Mut machen kann, sich für neue Erfahrungen zu öffnen, auch dort, wo sie fremd sind oder sich fremd fühlen.

Er erzählt viel von persischen Redewendungen und Sitten. Schön ist z.B. die Schilderung von „taarof“ jener persischen Form der Höflichkeit, die dem anderen immer seine Würde lässt, auch dann, wenn man ihn hart kritisiert.

 

Und er pflegt einen ganz eigenen Stil, als Autor mit seinen kleinen Lesern in einen lockeren und lustigen Dialog zu treten, bevor er dann unvermittelt mit der Geschichte fortfährt.

 

Ein sehr gelungenes Buch eines Autors, dessen Werke( viele sind seitdem erschienen)  für Erwachsene noch der weiteren Entdeckung und Würdigung warten.

 

Wir entdecken die Bibel

 

 

 

 

Andrea Erne, Wolfgang Metzger, Wieso.Weshalb, Warum., Wir entdecken die Bibel, Ravensburger Verlag 2017, ISBN 978-3-473-32663-1

Dieses Buch aus der durchweg empfehlenswerten Sachbuchreihe Wieso? Weshalb? Warum? für Kinder von vier bis sieben Jahren aus dem Ravensburger Verlag gibt auf insgesamt zwölf Doppelseiten mit vielen Klappen, die Einblicke ermöglichen und  Bewegungen und Abläufe veranschaulichen, eine Einführung in die Welt und in die Geschichten der Bibel. Ganz zu Beginn schreibt Andrea Erne:

„In der Bibel stehen Geschichten, Gedichte und Lieder, die von Gott und seiner Beziehung zu den Menschen handeln. Außerdem findest du in der sogenannten ‚Heiligen Schrift‘ auch Regeln, wie die Menschen miteinander leben sollen. Die Bibel der Christen besteht aus zwei Teilen, dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Manches, was in der Bibel steht, wirkt heute unverständlich. Aber wenn du weißt, wie die Menschen in biblischer Zeit lebten, kannst du die Geschichten besser verstehen.“

 

Die Auswahl der Geschichten, die Andrea Erne getroffen hat und die sie sehr verständlich erzählt und kindgerecht erklärt, deckt den Grundkanon ab:

 

  • Wie hat Gott die Welt erschaffen?
  • Warum leben wir nicht mehr im Paradies?
  • Warum baute Noah die Arche?
  • Warum zogen Abraham und Sara nach Kanaan?
  • Wieso hat Jakob seinen Bruder betrogen?
  • Warum wurde Josef verkauft?
  • Was geschah mit Josef in Ägypten?
  • Wer waren die großen biblischen Könige?
  • Was ist ein Prophet?
  • Wer war Jesus?
  • Wo ist Jesus aufgewachsen?
  • Wer waren die zwölf Jünger?
  • Mit welchen Menschen um gab sich Jesus?
  • Warum erzählte Jesus Gleichnisse?
  • Warum vollbrachte Jesus Wunder?
  • Was geschah an Jesus` letztem Abend?
  • Wie wurde Jesus verraten?
  • Warum musste Jesus am Kreuz sterben?
  • Was passierte nach Jesus` Tod?
  • Wie ist die Bibel entstanden?

 

Wolfgang Metzger, den ich seit mein Sohn vor 13 Jahren geboren wurde, als Illustrator vieler Bilderbücher über Fahrzeuge aller Art schätzen gelernt habe, hat dieses Sachbilderbuch feinfühlig illustriert. Seine Bilder geben den Kinder zwischen vier und sieben Jahren einen hervorragenden Eindruck über die Welt und das Leben der Menschen der jeweils beschrieben Epochen.

 

Hör mal rein, wer kann das sein ? Am Meer

 

 

 

 

 

Oliver Grieshammer, Hör mal rein, wer kann das sein. Am Meer, arsedition 2016, ISBN 978-3-8458-1820-7

 

 

In seiner Foto-Streichel- Soundbuchserie „Hör mal rein, wer kann das sein?“ legt der Kinderbuchverlag arsedition aus München hier ein von Oliver Grieshammer soundtechnisch bearbeitetes  Bilderbuch vor für alle kleinen Tierfreunde ab etwa 18 Monaten.

 

Es nimmt die Kinder mit ans Meer und zeigt ihnen mit vielen Fotografien auf der jeweils rechten Buchseite Seehunde, Möwen, Papageientaucher, Delfine und Walrösser.

 

Auf jeweils einem Bild der fünf Serien können die Kinder den Tieren über das Fell streicheln und damit, hat man auf Rückseite den Lautsprecher aktiviert,  die Originalstimmen der jeweiligen Meeres bzw. Strandbewohner hören.

 

Auf der linken Buchseite werden mit einfachen Worten das jeweilige Tier und sein Verhalten und seine Besonderheiten beschrieben.

 

Ein schönes erstes Sachbilderbuch aus einer sehr empfehlenswerten Reihe.

 

 

 

 

Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?

 

 

 

 

Lizzie Doron, Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen, DTV 2017, ISBN 978-3-423-14545-9

Helena kommt von „dort“, jenem für die Überlebenden unaussprechlichen Ort mit dem deutschen Namen Buchenwald. Sie hat das Vernichtungslager überlebt und ist unter großen Anstrengungen nach Israel gekommen. Hier ähnelt ihre Geschichte der von Aharon Appelfeld („Geschichte eines Lebens“ – 2005).
In Israel bekommt sie 1953 eine Tochter und gibt ihr den Namen Elisabeth. Und diese Elisabeth wird genau 45 Jahre später – Helena ist schon 8 Jahre tot – ihre Geschichte aufschreiben und sie veröffentlichen.
Lizzie Doron erzählt von ihrer Mutter in kleinen, zwischen 6 und 10 Seiten umfassenden Geschichten, die mit zu der dichtesten Literatur gehören, die ich je gelesen habe. In diesen Prosaminiaturen berichtet sie in einer wunderbaren, von Mirjam Pressler sehr sensibel ins Deutsche übersetzten Sprache von den Erfahrungen ihrer Mutter. Immer wieder will Helena, die von ihrer Umwelt auf den ersten Blick für verrückt gehalten wird, erzählen von dem, was sie im Lager erlebt hat. Und sie drückt es auf seltsam-eigenartig tiefgehende und die Seelen ihrer Mitmenschen ergreifende Art und Weise aus.
Während die Literatur der Überlebenden der Shoah in den letzten Jahren wieder eine Renaissance erlebt (vgl. die Bücher von Appelfeld), sind Bücher, die von der zweiten Generation geschrieben wurden, den Söhnen und Töchtern der Überlebenden, eher selten. „Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen“ zählt sicher zu den besten von allen.
Inzwischen zählt es zu dem für israelische Schulen empfohlenen Lektürekanon.
Hat man dieses Buch einmal in die Hand genommen, legt man es nicht mehr weg bis zur letzten Seite. Es ist ein Buch voller Witz und Trauer, das in wenigen Worten etwas begreiflich machen kann vom Überleben „trotz allem“.