Die Brücke

 

 

Heinz Janisch/ Helga Bansch, Die Brücke, Jungbrunnen 2019, ISBN 978-3-7026-5929-5

 

 

Schon viele wunderbare, tiefsinnige wie humorvolle Bilderbücher haben die beiden schon zusammen gemacht, der Schriftsteller Heinz Janisch und die Künstlerin Helga Bansch.

 

Das schon unter dem Titel „Die Brücke“ 2010 erstmals bei Jungbrunnen in Wien veröffentlichte Buch handelt von einem Konflikt, bei dem jeder auf seiner Position besteht und nicht nachgeben will, und dem immer wieder erstaunlichen Phänomen, dass es Wege zur Konfliktlösung geben kann, an die vorher niemand zu denken gewagt hätte.

 

Der Text beginnt geheimnisvoll und zieht Vorleser und zuhörendes Kind sofort in seinen Bann: „Der Fluss kennt viele Geschichten. Er kennt auch die Geschichte von der großen  Brücke…“

 

Auf dieser einfachen Hängebrücke begegnen sich eines Tages ein Bär und ein Riese, denen man schon von vornherein unterstellt, dass sie ihren Willen durchsetzen werden. Sie wollen beide die Brücke überqueren und gehen aufeinander zu. Schon hier sieht man die Brücke im Geist herunter krachen – klar ist auf jeden Fall, auf dem schmalen Steg werden sie nicht aneinander vorbeikommen. Und dann beginnt das übliche verbale Gerangel, bei dem jeder seinen Willen deutlich macht und darauf besteht der erste sein zu müssen.

 

Das geht so eine ganze Zeit, bis die Brücke gefährlich zu schaukeln beginnt und beide es uneingestandenerweise mit der Angst zu tun bekommen. Und sie kommen auf eine geniale, fantasievolle und schöne Idee …

 

 

Ein wunderbares Bilderbuch über Konflikt, Kompromiss und die Weisheit des Nachgebens.

 

Nun hat der Jungbrunnen Verlag eine Neuausgabe vorgelegt, die die Texte der Originalausgabe auch in den Sprachen Arabisch und Farsi wiedergibt. In einer Zeit, in der der innere Frieden unserer Einwanderungsgesellschaften davon abhängt, ob untereinander solche Brücken gebaut werden können, wie in diesem Buch, ist diese Neuausgabe sehr zu begrüßen.

 

 

 

 

Hochamt in Neapel

 

 

 

 

Stefan von der Lahr, Hochamt in Neapel, C.H. Beck 2019, ISBN 978-3-406-73133-4

 

Auch in seinem zweiten Roman, der nun bei C.H. Beck erscheinen darf, verbindet der im selben Verlag arbeitende Lektor und Historiker Stefan von der Lahr ein unglaublich scheinendes aktuelles Verbrechen mit einem von ihm erfundenen Geschehen in der Vergangenheit (hier ein verschollen geglaubter Brief von Johann Joachim Winckelmann). Wie schon in seinem ersten Buch „Das Grab der Jungfrau“ spielt sich ein Teil der Handlung in der Verwaltung der katholischen Kirche ab. War es im ersten Buch die Vorbereitung eines angenommenen Dritten Vatikanischen Konzils, sind es im neuen Roman Bischöfe und Priester des Bistums in Neapel.

 

Hauptperson hier ist der sehr sympathisch geschilderte neue Weihbischof, der seit einem Jahr im Amt ist und wegen dieser Berufung in seine Heimatstadt Neapel zurückgekehrt ist. Gian Carlo Montebello hat die Altertumswissenschaftlerin Jacky Neapolitano mit der Neudokumentation der Geschichte des Bistums beauftragt.

 

Im Zuge ihrer Arbeit fällt ihr auf, dass wichtige Dokumente aus der Amtszeit eines Bischofs aus dem 18. Jahrhundert verschwunden sind. Der  persönliche Referent von Montebello, Padre Luis , löst das Rätsel, und sie erkennen aus einem bisher verschollen geglaubten Brief des berühmten Wissenschaftlers Winckelmann, dass möglicherweise die sterblichen Überreste von Alexander dem Großen im Dom von Neapel versteckt sind.

 

Parallel dazu wird Commissario Bariello in Rom in die Handlung eingeführt, der in einem tödlichen Verkehrsunfall ermittelt, bei dem ein Mann offensichtlich absichtlich überfahren wurde. Schon bald stößt Bariello in ein Wespenest aus dunklen Geschäften von angeblich seriösen und vom Staatspräsidenten ausgezeichneten Firmen, die mit radioaktiven Transporten von medizinischen Geräten aus Osteuropa dunkle und lukrative Geschäfte machen.

 

Und da ist noch ein aus der ehemaligen Sowjetunion stammender reicher Oligarch, der einer geheimen Loge vorsteht von angesehenen Bürgern, die alle ihre Verehrung von Alexander dem Großen verbindet.

Dieser Oligarch ist in die gefährlichen Transporte verwickelt und wird sich bald schon mit seinen Mitteln in die Suche nach den sterblichen Überresten des großen Alexander einmischen. Er will mit ihnen ausgestattet glorreich in seine Heimat zurückkehren.

 

In der Zwischenzeit hat Bariello Unterstützung von einem Kollegen aus Neapel erhalten und führt nach seiner schnellen Suspendierung durch seine Vorgesetzten, die die Hand über die mafiösen Geschäfte halten, seine Ermittlungen im Stillen weiter.

 

In Neapel indes wächst die Suche nach Alexander den Kirchenmännern bald über den Kopf, zumal der Verdacht immer offensichtlicher wird, dass auch hochrangige Kirchenmänner verwickelt sind in einen Skandal, der das Wasser vieler Brunnen in Neapel vergiftet und schon vielen Menschen, auch Kindern, das Leben gekostet hat. Doch mutig und entschlossen stellen sie sich dem Verbrechen in den Weg und riskieren dabei viel. Immer mehr Zusammenhänge werden deutlich.

 

Stefan von der Lahr hat einen spannenden Krimi geschrieben mit vielen Informationen über Kunstgeschichte und Kirchengeschichte. In einem ausführlichen Anhang erklärt er Begriffe und Personen, die in dem Buch erwähnt werden. Hat man sich einmal eingelesen und ist das Interesse des Lesers an den historischen Hintergründen geweckt, entwickelt sich das Buch zu einem regelrechten Politthriller, den man nicht ehr aus der Hand legen möchte.

 

Natürlich ist Handlung und sind alle Personen erfunden, aber der Eindruck, das alles könnte so oder ähnlich einmal Realität werden, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

 

Die ausführlich beschriebenen Hintergründe der Kirchengeschichte Neapels und seines Heiligen Gennaro und dessen Blutwunder, das in die Handlung eingebaut ist, sind aufschlussreich und interessant.

 

Die Personen, insbesondere der Weihbischof Montebello und sein Sekretär Padre Luis sind sympathisch und meiner Meinung, vielleicht wieder zusammen mit dem mutigen Commissario Bariello aus Rom, gut für einen weiteren Fall.

 

Stefan von der Lahr ist es auch mit diesem Buch hervorragend gelungen, ein ungewöhnliches Krimigenre zu entwickeln aus Kirchen- und Kunstgeschichte und krimineller Gegenwartshandlung.

 

 

 

 

 

Anne Frank

 

 

 

Isabel Thomas, Paolo Escobar, Anne Frank, Laurence King Verlag 2019, ISBN 978-3-96244-060-2

 

In seiner Reihe „Kleine Bibliothek Großer Persönlichkeiten“ in der schon Bücher über Nelson Mandela und Marie Curie erschienen sind, versucht der Laurence King Verlag in Berlin Kindern im Grundschulalter kindgerecht und verständlich die Lebensgeschichte berühmter und einflussreicher Menschen, die ihnen Vorbilder werden können, nahezubringen.

 

In dem vorliegenden kleinen Buch, das Paola Escobar eindrucksvoll illustriert hat, erzählt Isabel Thomas, die Geschichte von Anne Frank, deren Tagebuch zu einem der berühmtesten Literaturerzeugnisse der Nachkriegszeit werden sollte.

Sehr behutsam bringen Bilder und Text den Kindern die Geschichte dieses Mädchens bei.

 

Mit einer gelungenen  Mischung aus informativer und berührender Erzählung mit eindrucksvollen Illustrationen lässt dieses kleine Buch Kinder die Welt von Anne Frank verstehen. Sie wäre am 12. Juni 2019 90 Jahre alt geworden.
Ein Glossar am Ende hilft beim Verstehen  einiger schwieriger Wörter und Sachverhalte und die vier zum Weiterlesen genannten Bücher sind alle zu empfehlen.