Never say anything

 

 

 

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Michael Lüders, Never say anything, C.H.Beck 2016, ISBN 978-3-406-68892-8

 

Michael Lüders ist den Zuschauern vor allem des ZDF seit vielen Jahren als immer wiederkehrender Kommentator und Analyst zum Thema Terrorismus bekannt. Seine sachlichen Stellungnahmen und seine politische Unabhängigkeit habe ich seitdem immer geschätzt.

Was er dort im öffentlich-rechtlichen Fernsehen offenbar weniger einbringen kann, nämlich eine kritische Analyse des unkontrollierten Treibens westlicher Geheimdienste und vor allem der versteckten Drohnenkriege, die seit Obamas Amtsantritt noch zugenommen haben, das hat er nun in einer zwar fiktiven, dennoch aber sehr realistischen Handlung in einen Thriller gepackt, der sich spannend liest und einem über die Hintergründe so mancher politischen Strategie die Augen öffnet.

Protagonistin des Romans ist die deutsche Journalistin Sophie Schelling, die für ein linksliberales Berliner Blatt arbeitet. Für einen neuen Bericht hat sie recherchiert, dass es irgendwo im Hinterland von Marokko einen Mann und Künstler gibt, der an einer Himmelstreppe baut, einer freistehenden Treppe, die weit nach oben führt.

In Marokko trifft sie auf Hassan, der dort für ein anderes, kritisches Magazin arbeitet und sichert sich seine Unterstützung. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach dem Ort Gourrama. Warnungen, dort gäbe es die Gefahr von Anschlägen von Al-Khaida, schlagen sie nach kurzem Zögern in den Wind.

Die beiden nähern sich zaghaft aneinander an, doch bevor ihre Freundschaft enger werden kann, werden sie Opfer eines furchtbaren Angriffs auf den Ort. Er wurde, nicht wie später behauptet, von Al-Khaida Kämpfern durchgeführt, sondern von amerikanischen Drohnen und Blackwater – Söldnern im Auftrag der USA. Hassan wird zerfetzt, doch Sophie überlebt wie durch ein Wunder. Von Dorfbewohnern gesund gepflegt, kehrt sie nach Berlin zurück und will dort ihren Chefredakteur überzeugen, über all das, was sie dort gesehen und auch mit Fotos dokumentiert hat, in mehreren Artikeln zu berichten. Man glaubt ihr nicht, hat wahrscheinlich auch Angst vor den politischen Folgen für die Zeitung, und so entscheidet sich Sophie mutig, ihre Recherchen wie ein whistleblower ins Internet zu stellen. Mit sehr gefährlichen Folgen….

Einen anderen whistleblower auf der anderen Seite des Atlantiks, Marc Lindsay, dessen Geschichte Michael Lüders parallel zu Sophies Geschichte erzählt und sie erst im Verlauf des Buches mit Sophies Geschichte zusammenbringt, kostet sein Engagement schon bald das Leben.

Auch Sophie gerät bald unter Druck. Amerikanische Geheimdienste sperren ihr Konto, manipulieren ihren Wagen, bedrohen ihr Leben. Auf der einen Seite will sie die Wahrheit um jeden Preis ans Licht bringen, auf der anderen sehnt sich nach ihrem früheren Leben zurück.

Michael Lüders weiß, wovon er schreibt, er hat es in zahllosen Sachbüchern kompetent nachgewiesen. Hier aber er lässt seinen Leser im Unklaren, wieviel von dem, was er in seinem Thriller verarbeitet hat, auf tatsächlichen Gegebenheiten beruht und wo die literarische Fiktion beginnt.

 

Doch dem Leser beginnt, während er voller Spannung die Seiten dieses Buches regelrecht verschlingt, zu dämmern, dass es hinter den offiziellen Verlautbarungen und Nachrichten eine Welt gibt, die nach eigenen Interessen handelt. Für die der Kampf gegen den Terror nur die Maske ist, hinter der sich andere Interessen verstecken, und die auch vor massiven Opferzahlen bei der Zivilbevölkerung bei ihren Aktionen nicht zurückschrecken.

Jeremy Scahill hat schon 2008 in seinem immer noch lesenswerten Buch „Blackwater“ den Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt beschrieben. In einer Rezension nannte ich es „ein lesenswertes, gut recherchiertes Buch über die Zukunft des Krieges, die längst schon in vielen Teilen der Welt begonnen hat.“

Mittlerweile ist es Alltag geworden und die Öffentlichkeit wird darüber weiter in medialer Unkenntnis gehalten.

Michael Lüders Roman jedenfalls ist neben einer klassischen und guten Thrillerlektüre auch ein eminent politisches Buch.

 

 

 

 

Im Land der Verzweiflung

 

 

 

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Nir Baram, Im Land der Verzweiflung. Ein Israeli reist in die besetzten Gebiete, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-25046-8

 

Der mittlerweile 40 Jahre alte israelische Schriftsteller und Intellektuelle Nir Baram hat sich in den letzten Jahren nicht nur zu einem der schärfsten Kritiker der israelischen Besatzung des Westjordanlandes entwickelt, sondern zählt mittlerweile auch international zu den Schriftstellern, die in einem Atemzug mit Amos Oz oder David Grossmann genannt werden.

Doch ähnlich hart wie mit der israelischen Regierungspolitik geht er um mit der israelischen Linken und der liberalen Boheme in Tel Aviv. Sie, so sagt er, halten an überkommenen Friedensplänen fest, die vielleicht in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts so etwas wie Hoffnung versprachen, mittlerweile aber völlig obsolet geworden sind.

Dies zeigen sehr überzeugend seine Reportagen, die er bei Besuchen 2014 und 2015 in den besetzten Gebieten Westjordanlands geschrieben hat und die hier in einem Band gesammelt sind. Er kommt zu dem Schluss, „dass die überwiegende Mehrheit aller Israelis keine Ahnung hat, wie das Leben auf der Westbank aussieht. Die meisten sind noch niemals dort gewesen. Man könnte meinen, wir reden über einen theoretischen, nebulösen Ort, der in unserer politischen Vorstellung nur vage existiert, so, wie wir über die Bürgerkriegsschauplätze in Syrien oder Kongo reden.“

Auch direkt in Ost-Jerusalem, nur wenige hundert Meter entfernt von den Orten, an denen die Touristen sich gegenseitig auf die Füße treten, hinter einer 12 Meter hohen Mauer, sieht er sich in Ras Khamis mit einer Welt konfrontiert, die man in Israel nicht vermutet hätte:

„Ich habe bei meinen Recherchen Orte in Jerusalem gesehen, die waren schrecklicher als jeder andere Ort, den ich jemals in meinem Leben gesehen habe. Schlimmer als in jedem Drittweltland, das ich besucht habe. Vor allem in jenen Teilen Ost-Jerusalems, die hinter der Sperrmauer liegen. Niemand im restlichen Israel glaubt, dass Menschen dort unter solch grauenvollen Bedingungen leben müssen.“

In den Dörfern der Palästinenser begegnet er sowohl Menschen, die eine Versöhnung für illusionär halten, als auch welchen, die genau dafür arbeiten. Er erzählt davon, wie eng auf diesem Gebiet schon lange zusammengewachsen ist, was doch nach der Ideologie beider Seiten nie zusammengehören sollte. Ohne die wirtschaftlichen Verbindungen der Palästinensergebiete zu Israel würden diese binnen weniger Wochen kollabieren. Genauso verhält es sich mit den jüdischen Siedlungen:

„Sie sind überall, nicht nur in den großen Siedlungsblöcken, sie sind einfach überall, egal, über welche Straße man durch das Westjordanland fährt, überall sieht man die Siedlungen. Wir sind also nicht mehr in den 1990er-Jahren, wir haben es 2016 mit einer neuen Realität zu tun, in der sich hunderte und aberhunderte Siedlungen überall im Westjordanland finden. Und in denen leben hunderttausende Siedler. Juden und Palästinenser leben dort also miteinander total vermischt. Und ich kenne einfach keine politisch umsetzbare Idee, wie man diese Siedler aus dem Westjordanland wieder herausbekommen könnte.“

Zwei Völker, eine Heimat. Das ist eine Initiative in Israel, bei der Nir Baram mitarbeitet, und die auf kleine Modellprojekte für das gleichberechtigte Miteinander von Juden und Palästinensern baut und sie fördert und unterstützt. Eine hoffnungsvolle Alternative zu jener anderen Dystopie eines Apartheidmodells, von dem manche Hardliner träumen.

 

 

 

 

 

 

 

F.E.A.R.

 

 

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Elisabeth Zöller, F.E.A.R., Hanser 2015, ISBN 978-3-446-24937-0

 

„Fear“, Angst, hat Elisabeth Zöller ihren neuen Jugendroman genannt, der aber auch für Erwachsene unbedingt zu empfehlen ist. In Zeiten, in denen Grenzen wieder geschlossen werden, immer mehr Länder nach einer ersten Welle des Willkommens bzw., Durchwinkens (je nachdem) sich gegen die Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und dem Süden abschotten, und Brandstiftungen und Gewalt gegen Unterkünfte dieser Menschen bei uns fast schon zum Polizeialltag zählen – dieses Gefühl scheint sich zu verstärken. Angst greift um sich und droht unsere Gesellschaft zu spalten.

Es ist eine fiktive, wenngleich hervorragend auf dem Hintergrund realer Ereignisse unserer Gegenwart recherchierte Geschichte, die von der 16- jährigen Clara handelt. Ihr Alltag ist eher trist, die Eltern haben sich getrennt, ihre Mutter hat ein Verhältnis mit Claras eher linkem Geschichtslehrer, der so tut, als wäre er ihr Vater. Clara widert das alles an.

Umso offener ist sie für die Avancen von Joonas, einem etwa 18 – jährigen, gut aussehenden und unglaublich redegewandten Finnen, in den sie sich verliebt. Genervt von dem linken Einheitsbrei ihres Lehrers und ihrer Mutter, gefällt ihr die nationale Gesinnung von Joonas, die bald schon zu Tage kommt, nicht schlecht.

Doch bald schon streiten sich ihre Faszination für diesen Jungen und ihre Angst vor seinen Schatten in ihr heftig. Joonas wohnt bei einem alten Nazi, und spricht immer wieder von seinem Traum von einer Neuen Finnischen Armee. Um alles besser zu verstehen, recherchiert Clara in Netz. Dabei setzt sie ungewollt einen Journalisten auf seine Spur. Joonas flieht nach Finnland, nimmt Clara mit. Bald schon kommt es zu einer Katastrophe, als er mit zwei Freunden das Haus einer linken Gastronomin im Brand setzt.

Elisabeth Zöller erzählt von hinten und lässt den Leser durch den Polizeibericht, der erhebliche Teile des Romas einnimmt, an Claras Sichtweise, an ihren Gefühlen und Empfindungen teilhaben. Man kann sich gut in dieses Mädchen hineinversetzen, die nach der Trennung der Eltern nach einem Halt sucht und ihn zunächst in Joonas findet. Lange lässt Zöller dessen wahre Beweggründe im Dunkeln, sodass sich der erwachsene Leser mehr als einmal fragt, was man selbst als junger Mensch in sich einer Situation wohl getan hätte. Man erinnert sich an eigene Radikalisierungen, nur damals nach links, die einem heute die Schamröte ins Gesicht treiben.

Für Jugendliche ist Elisabeths Zöllers Roman eine Einladung zum Nachdenken. Es ist ein engagiertes Buch mit Ecken und Kanten, das sie stark machen möchte, den schnellen und leichten Erklärungen fremdenfeindlicher Gesinnungen Widerstand entgegenzusetzen. Von diesem wird die Generation der heutigen Jugendlichen in den ihres Erwachsenwerdens noch eine ganze Menge brauchen.

 

 

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag

 

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Elizabeth Laban, So wüst und schön sah ich noch keinen Tag, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-25082-6

 

„Lieber Duncan,

als ich hörte, dass du hier einziehst, konnte ich es einfach nicht glauben, ehrlich. Vielleicht ahnst du ja schon, was ich sagen will, aber ich sag`s trotzdem noch mal. Es ist wichtig, dass du weißt, warum und genau wie alles passiert ist. Irgendjemand muss es wissen – irgendwem könnten die Informationen nützen, damit er nicht dieselben Fehler macht wie ich. Vielleiht. Ich weiß es nicht. Hör dir meine Geschichte an. Was du hören wirst – die Worte, die Musik, mein Absturz sowie deine angenommene oder tatsächliche Rolle darin, wird dir mehr nutzen, als du dir vorstellen kannst.

Es grüsst dich

Tim“

Als Duncan zu seinem letzten Jahr an das renommierte Irving College nach den Ferien zurückkehrt, bezieht er ein neues Zimmer. Es ist dort seit langen Zeiten Tradition, dass die Vorgänger, die das Internat verlassen haben, ihren Nachfolgern dort irgendetwas hinterlassen. Neben einem Brief mit den oben zitierten Worten findet Duncan eine Sammlung von CD`s , die sein Vorbewohner Tim besprochen hat. Tim, mit dem Duncan viele widersprüchliche Erinnerungen aus dem letzten Jahr verbindet, war ein Albino, ein zurückgezogener und schüchterner Junge, der sich oft Anfeindungen und gnadenlosem Mobbing ausgesetzt sah.

Tim verliebt sich in die schöne Vanessa. Und er blüht auf, fühlt sich zum ersten Mal in seinem Leben nicht als Außenseiter. Dennoch hat er zu keinem Zeitpunkt den Mut, seiner angebeteten Vanessa seine Gefühle zu gestehen. Es ist auch der Mangel an Selbstbewusstsein, der schlussendlich zu einem tragischen Unglück führt. Eine Geschichte, die Duncan durchaus kennt, als er beginnt die CD`s zu hören, deren Hintergründe ihm aber bisher verdunkelt waren. Mit immer größerer Spannung wird Duncan und mit ihm auch der Leser in eine lebendige und bewegende Geschichte hineingezogen, die handelt von Freude und Enttäuschung, von Stolz und Liebe. Viele weise Botschaften, oft zwischen den Zeilen versteckt, laden zum Nachdenken ein, tiefgründige Dialoge zum Innehalten, witzige Passagen zum Lachen und Schmunzeln.

Für Duncan, der sich in vielem, was Tim erzählt, wieder erkennt, ist dessen tragische Geschichte der letzte Anstoß, in seinem Leben endlich den entscheidenden Schritt auf ein Mädchen zu tun, das er liebt.

Nicht nur weil das Buch in einem Internat spielt, weil Poesie eine große Rolle spielt und auch entsprechende Lehrpersonen auftreten, die man selbst gerne als Schüler gehabt hätte, fühlte ich mich in weiten Strecken des Buches erinnert an John Greens „Eine wie Alaska“

 

 

Steine im Bauch

 

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Jon Bauer, Steine im Bauch, Kiepenheuer & Witsch 2014, ISBN 978-3-462-04652-6

 

Ein außergewöhnliches Romandebüt des in England geborenen und seit 2009 in Australien lebenden Schriftstellers Jon Bauer ist hier anzuzeigen und vorzustellen. Aus der Sicht eines namenslos bleibenden Ich-Erzählers wird eine Familiengeschichte und eine Mutter-Sohn- Beziehung beschrieben, wie ich sie dichter und bewegender schon lange nicht mehr gelesen habe.

Nach vielen Jahren im Ausland kehrt der Erzähler, beinahe dreißigjährig zu seiner Mutter nach Hause zurück. Sie ist an einen Hirntumor erkrankt und hat nicht mehr lange zu leben. Im wechselnden Zeitebenen ist der Erzähler zum einen in der Gegenwart bei seiner kranken in hinfälligen Mutter und zum anderen mit seinen Erinnerungen in einer Phase seiner Kindheit, als er etwa sieben Jahre alt gewesen ist.

Die Erlebnisse in dieser Phase seiner Kindheit sind auch der Grund dafür, dass er seiner Mutter in der Gegenwart nur mit Wut und Zorn begegnen kann. Denn er hat nie verwunden, dass seine Familie, federführend die Mutter früher immer wieder Pflegekinder aufgenommen hat. Beim Ich-Erzähler, einem Einzelkind, führte das zu Eifersucht und dem bohrenden Gefühl, vernachlässigt zu werden.

Als irgendwann ein neuer Pflegejungen, der 12- jährige Robert, in die Familie kommt, nimmt die Eifersucht des Siebenjährigen obsessive Züge an. Dieser Zeitraum nimmt auch den größten Teil eines Buches ein, dessen Hauptfigur bis unter die Haut gehend nachvollziehbar geschildert wird als ein zerrissenes menschliches Wesen, voller Verzweiflung und Abscheu gegen sich selbst.

Jon Bauer hat mit „Steine im Bauch“ eine kindliche Seele ausgelotet und sie beschrieben bis in die Tiefen verzweifelter Abgründe. Eine bewegende, stellenweise kaum, auszuhaltende Lektüre, die einen gespannt auf den zweiten Roman dieses begabten Autors warten lässt.

 

 

 

 

 

Riesen, Zwerge, Schwergewichte

 

 

 

 

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Virginie Aladjidi, Emmanuelle Tchoukriel, Riesen, Zwerge, Schwergewichte, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5868-4

 

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie mich als kleiner Junge mit einem großen Faible für Bücher immer wieder in unserer Gemeinde-und später in der Stadtbibliothek Bücher fasziniert haben, die von Superlativen berichteten. Meist waren es Bücher über sportliche Leistungen, aber auch andere Phänomene aus der Natur oder der Gesellschaft konnten immer kein gespanntes Interesse wecken.

Deshalb glaube ich, dass es viele Kinder geben wird, die mit großen Interesse das vorliegende, zuerst in Frankreich erschienene Sachbilderbuch aus dem Gerstenberg Verlag zur Hand nehmen und immer wieder darin blättern und lesen werden.

Über einhundert Naturrekorde werden hier aufgelistet, mit wunderbaren feinen Zeichnungen versehen und mit vielen wissenschaftlichen, aber immer verständlichen Beschreibungen versehen.

Natürlich geht es um die größten, schwersten, schnellsten und gefährlichsten Tiere der Welt. Aber auch Phänomene wie der Vogel mit dem längsten Schnabel, oder das größte Insekt, der kleinste Fisch, und die langsamsten Tiere, der schwerste Samen und die süßeste Frucht werden genau beschrieben und abgebildet.

Verblüffende Meisterleistungen sind das allesamt aus der Welt der Natur, die kleine und auch große Leser aus dem Staunen nicht mehr herausbringen.

50 Jahre Basketball Bundesliga

 

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Sven Simon (Hg.) 50 Jahre Basketball Bundesliga, Verlag Die Werkstatt 2015, ISBN 978-3-7307-0242-0

 

Noch vor 50 Jahren ein wenig beachteter Amateursport, ist der Basketball, nicht erst seit Dirk Nowitzki, aber durch ihn natürlich, befördert, zu einer der beliebtesten Sportarten aufgestiegen, mit vielen Sendezeiten im Fernsehen und einer Bundesliga, die den internationalen Vergleich und die Konkurrenz bei den europäischen Wettbewerben nicht zu scheuen braucht,

Das hier vorliegende Buch aus dem renommierten Sportverlag ‚Die Werkstatt‘ präsentiert auf rund 220 Seiten die Helden dieser Liga von heute und erinnert gleichzeitig ausführlich auch an die Stars von gestern.

Zahlreiche (teilweise bisher noch unveröffentlichte) Fotos dokumentieren die größten Momente der Ligageschichte und die damit verbunden Personen, Sportler und Trainer.

Interviews, Porträts und Kolumnen verschaffen dem Basketballfan und auch dem, der sich lediglich peripher für diesen wunderbaren Sport interessiert, einen Blick hinter die Kulissen dieser Sportart.
Die Stars jeder Epoche (das Buch ist in insgesamt vier Epochen eingeteilt) sprechen über Anekdoten, Rivalitäten, über Aufstiege und Abschiede. Triumphe und Tragödien. Ein ausführlicher Statistikteil ergänzt das ‚Kompendium des deutschen Basketballs‘ , das einen Sport würdigt, der in unserem Land noch eine große Zukunft hat, auch wenn eine bestimmte Körpergröße dafür erforderlich ist und schon allein deshalb nicht jeder dafür geeignet ist.

 

 

Badetag für Hasenkind

 

 

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Jörg Mühle, Badetag für Hasenkind, Moritz Verlag 2016, ISBN 978-3-89565-315-5

 

Im vergangenen Jahr hat der Kinderbuchautor Jörg Mühle im Moritz Verlag ein sehr erfolgreiches und originelles Bilder- und Einschlafbuch für Kinder ab etwa zwei Jahren vorgelegt. Ein kleines sympathisches Hasenkind muss ins Bett und die Kinder sind eingeladen durch Berührungen und eigene Aktivitäten sich das Buch anzueignen. Da muss der Schlafanzug angezogen werden, das Kissen wird zurecht geklopft. Und dann – wunderbar: noch kurz die Ohren kraulen und ganz sanft den Rücken streicheln.

Das Hasenkind zudecken und ihm einen Gute-Nacht-Kuss geben und nicht vergessen: das Licht ausschalten.

Es war wohl der große Erfolg und vielleicht auch die Freude an weiteren Geschichten mit seinem Hasenkind, die Jörg Mühle bewegte, einen Nachfolgeband zu zeichnen, in dem das Hasenkind gebadet wird. Und wieder sind die das Buch betrachtenden Kinder eingeladen, das Hasenkind bei der ganzen Prozedur, die sie ja selbst allzu gut kennen, zu begleiten. Sie sollen ihm das Shampoo auf den Kopf machen, dann den Schaum vom Kopf abbrausen und die entsprechenden Geräusche dazu machen, ihm dann die Nase abtupfen, es trocken rubbeln, nachdem es aus der Wanne herausgeklettert ist und zum guten Ende, weil der Fön defekt ist, es trocken pusten.

Und bitte nicht am Ende die Creme vergessen für das zarte Gesicht. Ein Buch, das ähnlich wie das erste ein Einschlafritual, nunmehr ein hilfreiches Baderitual begründen kann. Kinder und Eltern werden es schätzen und lieben.

 

 

Ohne Haar und ohne Namen

 

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Sarah Helm, Ohne Haar und ohne Namen. Im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, Theiss 2016, ISBN 978-3-8062-3216-5

 

Viele Jahre hat die Londoner Journalistin für dieses nach seinem Erscheinen in England hochgelobte Buch recherchiert. Herausgekommen ist eine über 800 Seiten starke Geschichte des einzigen Konzentrationslagers der Nazis für Frauen in Ravensbrück. Mehr als 130 000 Frauen waren dort in Haft und wurden teilweise bestialisch gequält. Zehntausende von ihnen fanden dort den Tod. Zwangsarbeit, Prügelstrafen, die Heinrich Himmler selbst eingeführt hatte und bei seinen zahlreichen Besuchen auch persönlich überwachte, Folter und Experimente an Leib und Seele waren dort an der Tagesordnung.

„Es gab spezielle Methoden der Disziplinierung und Bestrafung. Ravensbrück war das Zentrum der Verbrechen gegen Frauen“, schreibt Sarah Helm in ihrem Buch. Mit ihrer bewegenden und trotz allem Leid auch hoffnungsvollen Sprache gibt sie den Frauen von Ravensbrück eine Stimme. Kommunistinnen waren darunter und sogenannte Asoziale, Prostituierte, Zeuginnen Jehovas und Jüdinnen, Sinti und Roma. All diejenigen Menschen für die im „deutschen Volkskörper“ kein Platz sein sollte.

 

„Wenn man der Geschichte von Ravensbrück folgt“, so Helm, „sieht man, wie das Ausmaß der Gräueltaten zunimmt und wohin diese Brutalität führt. Man bekommt einen Eindruck, wie Menschen sich unter solchen Bedingungen verhalten und auch verändern – in alle Richtungen.“

 

Nach jahrelangen Recherchen und zahllosen Gesprächen mit Überlebenden, die dem Buch seine Authentizität verleihen und es trotz allem Leid, das darin geschildert wird, auch zu einem Buch der Hoffnung und Menschlichkeit machen, fast Sarah Helm zusammen:

„Viele dieser Frauen hatten nie über ihr Schicksal gesprochen – und als ich dann bei ihnen saß, um mir ihre Geschichte erzählen zu lassen, setzten sich oft ihre Kinder und Enkelkinder dazu und hörten staunend zu. Sie hatten keine Ahnung, was ihre Großmütter erlebt hatten. Diese Frauen hatten immer weitergekämpft – erst an der Front und dann im Lager. Dort kämpften sie darum, sich ihre Menschlichkeit zu erhalten.“

 

Und Zeichen und Taten der Menschlichkeit und Solidarität gab es viele unter den Frauen. Unter Lebensgefahr nach draußen geschmuggelte Aufzeichnung von gequälten Frauen schildern nicht nur unglaubliche Menschenversuche, sondern atmen einen unbedingten Glauben an die Kraft der Gerechtigkeit, die sie hofften dereinst zu erfahren.

 

Der Titel des Buches ist dem Buch von Primo Levi „Ist das ein Mensch?“ entnommen, wo er schreibt:

„Denket, ob dies eine Frau sei,

Die kein Haar mehr hat und keinen Namen,

Die zum Erinnern keine Kraft mehr hat,

Leer die Augen und kalt der Schoß

Wie im Winter die Kröte.

Denket, dass solches gewesen.

Es sollen sein diese Worte in eurem Herzen.“