Neuland

 

 

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Eshkol Nevo, Neuland, DTV 2016, ISBN 978-3-423-145107

 

Man wird diesen monumentalen neuen Roman des israelischen Schriftstellers Eshkol Nevo nicht ganz verstehen bzw. ihn auf eine reine romantische Liebesgeschichte oder einen dramatischen Familienroman reduzieren ohne den Hinweis auf die gewollte Nähe zu Theodor Herzls utopischem Roman „Altneuland“, der im Jahr 1902 erstmals erschien und in dem er sechs Jahre nach seinem sachlich-konzeptuellen Buch „Der Judenstaat“  seine Utopie einer jüdischen Gesellschaftsordnung in Palästina beschrieb.

 

Nun ist seit 1948 der Staat Israel ein zwar von vielen seiner Nachbarn nach wie vor bekämpftes Faktum, doch von den ursprünglichen Utopien oder Ideen, wie sie in der Kibbuzbewegung lebendig wurden, ist im heutigen Staat Israel nicht mehr viel zu spüren. Nicht nur durch die Besetzungspolitik, auch durch viele Kriege ist die israelische Demokratie angeschlagen. Viele israelische Schriftsteller haben in ihren Romanen der letzen Jahre immer wieder dieses Thema behandelt und versucht, neue Szenarios zu entwerfen, wie Juden und Palästinenser ohne den religiösen Einfluss der Orthodoxen auf beiden Seiten in Zukunft friedlich miteinander leben könnten. Dieser Rekurs auf die Vergangenheit und ihre Bedeutung für die Zukunft einzelner Menschen und Familien, aber auch des ganzen Landes zieht sich durch Eshkol Nevos Buch wie ein roter Faden. Der Roman überspannt mehrere Generationen, von der Flucht Lillis, die jetzt eine alte, von Demenz bedrohte Frau ist, 1939 aus Warschau, wo sie ihren Vater zurücklassen musste, was sie nie verwunden hat, über Rumänien bis nach Palästina, bis zu einer eher freiwilligen Flucht im Jahr 2006, als der etwa sechzig Jahre alte Meni Peleg, ein ehemaliger, im Jom Kippur Krieg dekorierter Offizier plötzlich seinen Rucksack packt, und seinem Sohn Dori und seiner Tochter Zeela mitteilt, er wolle nun eine längere Zeit in Südamerika verbringen. Ähnlich wie die vielen jungen Israelis, die, nicht selten an ihrer Seele verwundet, nach ihrem Militärdienst, sich eine Auszeit nehmen und als Backpacker in exotische Gegenden, oft nach Südamerika gehen.

 

Als Berater war Meni Peleg nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch in Israel ein sehr bekannter Mann. Als seine Frau stirbt, mit der er glücklich verheiratet war, kommt er aus der Spur, zumal sich über Jahrzehnte verdrängte und vergessene Traumata aus dem Krieg bemerkbar machen.

 

Seine Familie akzeptiert notgedrungen diesen Entschluss, doch als  kurz nach seiner Abreise seine Telefonate immer merkwürdiger werden und er schließlich mitteilt, er werde sich nun eine lange Zeit nicht mehr melden, bricht sein Sohn Dori mit der Unterstützung seiner Frau auf, um seinen Vater mit Hilfe eines professionellen einheimischen Vermisstensuchers, den sie im Internet entdeckt haben, zu finden und nach Hause zu holen. Dori ist ein sehr engagierter Geschichtslehrer und ein liebevoller Vater dem es schwer fällt, seinen sehr auf ihn  fixierten Sohn zurückzulassen.

 

In Peru, nicht lange nachdem er zusammen mit Alfredo, dem menschlichen Spürhund, seine Suche begonnen hat, trifft Dori auf die junge Israelin Inbar. Die erfolgreiche Radiomoderatorin ist, nachdem sie ihre Mutter in Berlin besucht hat, die dort mit einem Deutschen zusammenlebt, kurz entschlossen nicht nach Israel zurückgekehrt, sondern hat den erstbesten Flug nach Lateinamerika gebucht. Auch sie ist „verwundet“, wie Meni Peleg das später beschreiben wird. Sie hat den Tod (war es ein Selbstmord?) ihres jüngeren Bruders beim Militär nicht verwunden. Inbar ist die Enkeltochter jener oben erwähnten Lilli, die sich auf dem Schiff, das sie 1939 von der Schwarzmeerküste nach Palästina brachte, in einen Mann namens Jizchak Fimstein verliebte, der später der Großvater von Dori Peleg werden sollte. Und sie ist zusammen mit Eijtan, einem Mann, der in der Folge ein ungewöhnliches und beeindruckend liebevolles Verständnis aufbringen wird für die Flucht seiner Partnerin.

 

Doch all das erfahren Dori und Inbar erst zu einem späteren Zeitpunkt ihrer gemeinsamen Reise. Denn Inbar schließt sich Dori und Alfredo an bei der Suche nach Meni Peleg. Eine abenteuerliche Reise wird dort geschildert über mehrere lateinamerikanische Länder. Immer wieder unterbrochen durch Rückblicke in das schwierige Beziehungsgeflecht der beiden Familien und ihrer Geschichte, die eng bezogen wird auf die bis in den frühen Zionismus reichende Geschichte Israels. Dori und Inbar nähern sich einander an, ohne dass es zu einer von beiden phantasierten Liebesbeziehung kommt.  Als sie schließlich in Argentinien erfahren, wo der Vater steckt, was mit ihm geschehen ist und was ihn bewegt, da wird die Bezugnahme von Eshkols „Neuland“ zu Herzls „Altneuland“ überdeutlich, ohne die man den ganzen Roman nicht verstehen kann.

 

„Neuland“ ist ein Roman über Israel, seine Kriege und die vielen Wunden seiner Bürger. Alte aus der Shoah und viele neue aus den zahlreichen Kriegen, ohne die Israel längst nicht mehr existierte. Ein Roman, der zeigt, wie diese Wunden schwären und schmerzen und wie sie rufen nach einer Alternative für die Zukunft, für das Land und für seine Menschen.

 

„Neuland“ ist ein großer Roman, der wie kaum ein anderer Roman zuvor mit deutlicher Stimme den Ruf  nach einer Erneuerung der israelischen Gesellschaft erschallen lässt. Es ist ein sehr jüdisches Buch, trotz seiner unübersehbaren israelischen Züge, weil es seine Figuren um keinen Preis entkommen lässt. Dabei geht es Eshkol Nevo niemals um richtig oder falsch, sondern immer um menschliches Empfinden. Eine wunderbare poetische Fiktion.

 

 

Die erste Liebe

 

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John Green, Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen), Hanser 2016, ISBN 978-3-446-25313-1

 

Das vorliegende Buch war 2006 nach seinem fulminanten Debüt “Eine wie Alaska“ John Greens zweites Buch, das 2008 auch zum ersten Mal bei Hanser in München verlegt wurde. Nach den großen Erfolgen seiner letzten Romane „Margos Spuren“ (2010) und „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (2012) hat der Hanser Verlag dieses frühe Werk in diesem Herbst noch einmal neu aufgelegt.

 

Es ist die Geschichte von Colin, dem hyperintelligenten Sohn jüdischer Eltern, der schon sehr früh als kleiner Junge als Genie gehandelt wurde, später sich selbst aber zum Wunderkind herabstuft, als seine Entwicklung ins Stocken gerät. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass er sich im Laufe seiner Kindheit bis zum Zeitpunkt der Erzählung als 16/17- Jähriger  insgesamt 19 Mal in verschiedene Mädchen verliebt, die alle den Namen Katherine tragen. Während er permanent lernt und höchstkomplizierte Bücher liest, frönt er seinem Tick und bildet in Sekundenschnelle aus allen Wörtern und Sätzen Anagramme. Und er beherrscht etwa ein Dutzend Sprachen, die er sich selbst beigebracht hat. Und er versucht, seine Erfahrung des Sitzengelassenwerdens in eine mathematische Formel und eine Kurve zu bringen, um sich für die Zukunft besser gewappnet zu wissen.

 

Gott sei Dank hat dieser bedauernswerte Junge einen Freund namens Hassan, einen libanesischen Moslem (…“ ich bin aber kein  Terrorist!“ ), der kaum zur Schule geht und Colin ins Herz geschlossen hat. Er überredet ihn auch, einmal auszuspannen und eine Urlaubsfahrt ins Blaue zu unternehmen. Colins Eltern stimmen schweren Herzens zu (sie erkennen, dass er auch ein normales Leben braucht) und so fahren die beiden mit Hassans altem Oldsmobil, den er „Satans Leichenwagen“ nennt, los ins Blaue.

 

Sie landen, angelockt von einem Schild, dass auf das Grab Erzherzogs Franz Ferdinands von Österreichs, dessen Ermordung den Ersten Weltkrieg auslöste, hinweist, in dem kleinen Kaff Gutshot. Dort lernen sie das Mädchen Lindsay und ihre nette Mutter kennen. Sie leitet eine Fabrik, die Fäden für Damentampons herstellt. Sie bietet den beiden Jungs einen Sommerjob an. Sie sollen die aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter der Fabrik interviewen.  Warum, wird später deutlich. Währenddessen bastelt Colin weiter an seiner Formel, mit der er vorhersagen will, wer in einer Partnerschaft wen verlassen wird und wann.

 

Lindsay interessiert ihn zunächst nicht. Erstens heißt sie nicht Katherine und zweitens ist sie schon befreundet mit einem anderen Colin. Wie sich im Laufe von wenigen Wochen diese Ausgangslage ändert, und Colin langsam erkennt, dass sich die Zukunft nicht mit Mathematik berechnen lässt, vor allem nicht die Liebe, beschreibt John Green auf eine wunderbar witzige und stellenweise schräge Weise. Der Kontrast von Colin und Hassan etwa ist genial ausgemalt. Und etwas, was wir aus anderen Büchern Greens kennen: es geht viel um Philosophie, den Sinn des Lebens, die Faszination jugendlicher Liebe und immer wieder um die Bedeutung von Geschichten.

 

Die, die er selbst erzählt, ist wunderbare Unterhaltung, auch wenn die Mathematik mir manchmal zu viel wurde.

 

 

 

 

bleiben

 

 

 

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Judith W. Taschler, bleiben, Droemer 2016, ISBN 978-3-426-28132-1

 

Zwanzig Jahre ist es her, dass sich die Cellistin Juliane und die drei jungen Männer auf einem überfüllten Bahnsteig des italienischen Bahnhofs Roma Termini für kurze Zeit begegneten. Es war eine Begegnung von vier jungen Menschen, die alle an unterschiedlichen Wendepunkten ihres Lebens standen. Juliane war immer noch schwer traumatisiert durch den tödlichen Unfall ihres kleinen Bruders, an dem sie sich die Schuld gab. Paul war frisch geschieden nach einer unglücklichen Ehe, Felix auf der Suche nach der Lebensgeschichte seiner Mutter in Südtirol und Max träumte davon, Maler zu werden.

 

Die Skizzen, die Max damals auf dem Bahnsteig von der Cello spielenden Juliane machte, bildeten die Grundlage für ein Bild, das zwanzig Jahre später das Leben aller damals Beteiligten gehörig in Unordnung bringen wird.

 

Juliane hat den älteren Paul geheiratet, der um sie geworben hat und sie mit seinem tiefen Verständnis zu einer Form der inneren Heilung von ihrem Trauma brachte. Sie haben zwei Kinder und Juliane ist mit ihrer Familie und Paul glücklich.

 

Dennoch beginnt sie mit Felix, zu dem sie sich damals schon hingezogen fühlte, zwanzig Jahre später eine heftige Affäre, nachdem die beiden sich in einer Gemäldeausstellung, in der Julianes Porträt zu sehen ist, zufällig begegnen. Sie verlieben sich ineinander, und treffen sich heimlich über ein halbes Jahr lang.

 

Juliane ist voller Schuldgefühle, kann aber dennoch nicht von Felix lassen. In wechselnden Abschnitten mit Datumsangabe (von Juni 2015 bis Dezember 2015) erzählen die vier beteiligten Personen jeweils anderen, die lange unbekannt bleiben und mit deren Identität sich der Leser lange herumplagt, die aktuelle und die vergangenen Geschichte. Diese jeweiligen Ich-Erzählungen sind als eine Art Dialog komponiert, der allerdings nur in manchmal gestelzten Rückfragen des Erzählers an seinen stillen Zuhörer als solcher deutlich wird. Mir hat das nicht so gut gefallen, ich habe den Sinn nicht verstanden. Judith Taschler wäre besser bei der reinen Ich-Erzählung ihrer Protagonisten geblieben, zumal die jeweiligen Zuhörer für die ganze Geschichte wenig Bedeutung haben.

 

Nach einer längeren Reise, von der er sich nicht bei Juliane meldet, bricht Felix den Kontakt zu ihr plötzlich ab. Sie fühlt sich schlecht, verletzt und gedemütigt. Ausgerechnet von Paul, der mehr weiß, als sie annahm, erfährt sie nicht nur den Grund, sondern wieder einmal bedingungslose Annahme und Liebe.

 

Mit leichter Sprache auf hohem literarischem Niveau hat Judith Taschler einen Roman geschrieben über Liebe und Verrat, Freundschaft und Vertrauen und über den Tod.

Ich habe ihn  bis auf die erwähnte kleine Irritation über ein Kompositionsmittel gerne und mit innerer Anspannung gelesen.

Immer lustig in Bullerbü

 

 

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Astrid Lindgren, Immer lustig in Bullerbü. Mit Bildern von Katrin Engelking, Oetinger 2016, ISBN 978-3-78910393-3

 

„Immer lustig in Bullerbü“ ist der dritte Band der Bullerbü Reihe von Astrid Lindgren, der 1952 zum ersten Mal im Original erschienen ist, und seither zusammen mit allen anderen früheren und späteren Büchern dieser großartigen Schriftstellerin bei Oetinger in Hamburg erscheint.

 

Es liegt hier in einer Neuausgabe vor, die die in Hamburg lebende Künstlerin Katrin Engelking neu illustriert hat. Ihre zarten Bilder schmücken einen Band, der in Papierqualität und Ausstattung wertvoll  genannt werden darf, und auch nach ein hundert Mal Lesen oder Vorlesen keinen wesentlichen Schaden nimmt und das Buchregal jedes Kinderzimmers ziert.

Das letzte Tabu

 

 

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Annelie Keil, Henning Scherf, Das letzte Tabu, Herder 2016, ISBN 978-3-451-34926-3

 

Das vorliegende Buch von Henning Scherf und Annelie Keil, die beide schon seit langer Zeit über dieses Thema nachdenken und auch veröffentlicht haben, ist ein weiterer großer Stein, der aus einer großen Mauer entfernt wird. Eine Mauer, über eine lange Zeit aufgebaut worden, die um den Tod herumgezogen wird. Eine Mauer, die den Tod tabuisiert und ins Anonyme von Sterbezimmern, Altenheimen und Krankenhäusern zwingt. In einer Gesellschaft, die das Junge preist, den Erfolg, die der Leistung und der Schönheit huldigt, hat der Tod keinen Platz.

 

Doch es gibt schon seit vielen Jahren eine Bewegung, die nicht nur in Büchern, sondern auch ganz praktisch in immer mehr Hospizen und den Gruppen, die sie tragen, haupt- und vor allen Dingen ehrenamtlich, versucht, eine Kultur zu etablieren, in der man über das Sterben und den Tod wieder reden und den Abschied leben lernen kann.

 

Das vorliegende Buch ist ein wichtiger Beitrag dazu. Offen und authentisch erzählen Henning Scherf und Annelie Keil in unterschiedlichen Beiträgen von persönlichen Erfahrungen mit dem Thema, reflektieren es aber immer auch auf eine erfrischende und verständliche Art philosophisch, politisch und kulturell.

 

Es ist bewegendes Buch, das keinen unberührt lässt, der sein  eigenes Sterben und seinen Tod nicht immer noch mit Macht verdrängt (dann greift er wohl nicht zu diesem Buch). Ein Buch für Menschen, die für sich selbst und dann vielleicht auch im Gespräch mit denen, die ihnen lieb und wert sind, lernen wollen, sich in dieser Tabuzone freier zu bewegen Dazu wollen die beiden Autoren ermutigen. Sie schreiben dazu:

 

„Alles Leben ist endlich. Wir möchten Mut machen, sich darauf wieder zu besinnen. Gerade im Sterben, wenn wir unsere Verletzlichkeit besonders stark erfahren, brauchen wir Professionalität und Phantasie, Eigensinn und gegenseitigem Respekt, vor allem aber persönliche menschliche Zuwendung. Wenn wir Ängste und Sorgen gemeinsam annehmen, bleibt niemand ausgeschlossen; so kann eine Kultur der Menschlichkeit am Lebensende gelingen.“

 

Gute Nacht, Gorilla

 

 

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Peggy Rathmann, Gute Nacht , Gorilla, Moritz Verlag 2016, ISBN 978-3-89565-325-4

 

1994 in den USA erschienen und 1996 zum ersten Mal in Deutschland veröffentlicht, hat sich dieses lustige, fast ganz ohne Worte auskommende Bilderbuch von Peggy Rathmann zu einem Gute-.Nacht-Klassiker für Kinder ab etwa 2-3 Jahren entwickelt.

 

Die unveränderte hier vorliegenden Neuauflage aus 2016 wird dazu beitragen, dass eine ganz neue Generation von Eltern und Kindern dieses witzige und originelle Buch kennen- und lieben lernt.

 

Ein Gorilla entwendet dem Wachmann in einem Zoo seinen großen Schlüsselbund, nachdem der ihm freundliche eine gute Nacht gewünscht hat. Das tut er auch an weiteren Käfigen. Der Gorilla immer heimlich hinterher, lässt ein Tier nach dem anderen frei. Sie folgen dem Wachmann nach Hause, der von seiner Frau ein freundliches „Gute Nacht, mein Schatz hört.“ Freundlich antworten alle Tiere im Schlafzimmer mehrstimmig: „Gute Nacht!“

Die Frau des Wächters wacht auf und bringt alle Tiere wieder in den Zoo zurück. Doch der Gorilla ist schlau …

 

Ein witziges Einschlafbuch, das Kinder lieben werden. Eltern müssen, wenn sie dieses Buch kaufen, damit rechnen, dass ihr Kind manchmal unter die Decke des elterlichen Bettes kriechen wird. Warum? Sehen Sie selbst.)

Wer lächelt hier?

 

 

 

 

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Yusuke Yonezu, Wer lächelt hier, Minedition 2016, ISBN 978-3-86566-282-8

 

Ganz erstaunliche und überraschende Entdeckungen können schon ganz kleine Kinder mit diesen schönen und lustigen Klappbilderbuchs des 1982 geborenen japanischen Illustrators Yusuke Yonezu machen.

 

In „Wer lächelt hier?“ wird auf der linken Seite insgesamt sieben Mal mit wenigen Strichen oder Punkten ein zu erratendes Tieres angedeutet. Dann dürfen die Kinder die nächste aus stabilem Kartonpapier hergestellten Buchseite hochklappen und jeweils zwei überraschende Lösungen finden.

 

Eine schöne Idee schon für die allerkleinsten Buchliebhaber.

 

 

Armstrong

 

 

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Torben Kuhlmann, Armstrong, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10348-3

 

Torben Kuhlmanns ausdrucksstark illustrierte Bilderbücher bilden eine eigene Kategorie,  in der er eine Tiergeschichte verbindet mit der kindgerechten Darstellung von Technik- und Wissenschaftsgeschichte.

In „Maulwurfstadt“ hatte er 2015 als eine Art Spiegelbild unserer modernen Welt eine unterirdische Maulwurfstadt entworfen,  das sich las und anschaute wie ein Streifzug durch die Geschichte des Fortschritts übertragen auf die Welt und Entwicklung bei Maulwürfen.

 

Nun hat er für sein  drittes Buch, die schon aus seinem ersten, in 20 Sprachen übersetzten Werk „Lindbergh“ bekannte Maus wieder hervorgeholt und  die Geschichte der Mäuseluftfahrt weiter erzählt.

 

Er versetzt seine jungen Leser zurück in das Amerika in den 1950er Jahren. Eine kleine, wissbegierige Maus beobachtet jede Nacht den Mond durch ein Fernrohr, während ihre Artgenossen einem höchst unwissenschaftlichen Käsekult verfallen sind. Kann der Mond wirklich aus Käse sein? Angespornt durch die Pionierleistungen der Mäuseluftfahrt, beschließt die kleine Maus, der Frage auf den Grund zu gehen. Sie fasst einen großen Entschluss: Sie wird als erste Maus zum Mond fliegen!

 

Torben Kuhlmann erzählt mit wunderbaren und eindrucksvollen Bildern eine spannende Geschichte einer sympathischen Maus und wie nebenbei vermittelt er wichtige Daten der menschlichen Raumfahrt.

Wie er das miteinander verbindet ist genial.

 

Zwerg Zwirbels magisches Märchen-ABC

 

 

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Silke Leffler, Zwerg Zwirbels magisches Märchen ABC, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10155-7

 

Silke Leffler, die seit 1998 als Illustratorin arbeitet, gilt mittlerweile als eine der bekanntesten und originellsten Gestalterinnen von Kinder- und Bilderbüchern. Sie hat viele Preise bekommen für ihre Arbeiten und legt nun mit „Zwerg Zwirbels magisches Märchen ABC“ ein neues Bilderbuch bei NordSüd vor.

 

Dafür hat sie den Zwerg Zwirbel erfunden, der auf der ersten Seite am Märchen(buch)see sitzt und Buchstaben angelt. Und für einen nach dem anderen, beginnend mit A und endend mit Z  sucht er sich ein Märchen aus und denkt sich lustige Sätze dazu aus.

 

Sätze, deren Wörter soweit es geht immer mit demselben Buchstaben anfangen. Etwa:

„Aladin achtet unterm Abendstern auf Aschenputtels Abendkleider und Ausgehschuhe.“

Oder:

„Hänsel holt heimlich hundert himmlische Honigkuchenherzen aus dem Hexenhäuschen“

 

Und Silke Leffler hat zu jedem dieser fantasievollen Sätze ein ausdrucksstarkes Bild gemalt, in ihrem unverwechselbaren Stil.

 

So macht das Lernen des ABCs und der Sprache Freude.