Null K

 

 

 

 

 

 

 

Don DeLillo, Null K, Kiepenheuer & Witsch m2016, ISBN 978-3-462-04945-9

 

Dieser neue Roman des fast 80 –jährigen Don DeLillo, seit Jahren immer wieder für den Nobelpries gehandelt, lässt sich nicht einfach so lesen. Verstörend und irritierend, wie viele seiner letzten Romane, lässt er einen stolpern, sich immer wieder neu für das Weiterlesen motivieren. Der Leser fühlt sich vom Autor auf eine ganz eigene Art wie auf Abstand gehalten und gleichzeitig angezogen und verstört von seiner Thematik.

Fragen des Protagonisten über das Leben und den Tod schleichen sich regelrecht in den Kopf und die Seele des Lesers ein und zwingen ihn zur Auseinandersetzung. Es geht um Leben und Tod, nichts weniger.

 

Jeffrey Lockhart erzählt, wie er, der Sohn des New Yorker Millionärs Ross Lockhart, irgendwann von diesem zu dessen Institut in der russischen Steppe Asiens gerufen wird. Artis, die viel jüngere zweite Frau von Ross und Stiefmutter von Jeffrey, liegt dort im Sterben und soll durch das Einfrieren ihres Körpers direkt nach ihrem Tod für eine neue Zukunft und ein neues Leben dereinst konserviert werden. Die uralte, aus der Angst vor dem Tod und dem Sterben geborene Hoffnung der Menschen auf unendliches Leben scheint mit dieser kyronischen Technik wahr zu werden. Das Nanotechnologie-Laboratorium bietet Menschen, die es sich leisten können, die Hoffnung, dass es in der Zukunft technische und medizinische Möglichkeiten gibt, sie wieder zu erwecken und, womöglich unendlich, weiterleben zu lassen.

 

Jeffrey soll von Artis Abschied nehmen, genauso wie zwei Jahre später auch von seinem eigenen Vater, der seiner jungen Frau auf diese Weise in die Ewigkeit nachfolgen will. Die Schilderung des Vater-Sohn-Verhältnisses fand ich gelungen, aber die dem Thema durchaus angemessene Kälte des ganzen Romans fand ich schwierig und kaum zu ertragen.  Jeffrey, der immer wieder darauf besteht, dass es die Bestimmung des Menschen sei, im Hier und Jetzt zu leben, hatte meine ganze Sympathie, doch die dem Roman von vielen Kritikern angedichtete philosophische Tiefe habe ich nicht wirklich entdecken können.

 

 

 

 

Wie Johanna wieder fröhlich wurde

 

 

 

 

 

 

Philipp Kauthe, Wie Johanna wieder fröhlich wurde, Goldegg 2016, ISBN 978-3-903090-60-6

 

In seinem hier vorliegenden Mutmachbuch erzählt der als Kabarettist und Nachrichtenmoderator einem größeren Publikum bekannte Journalist Philipp Kauthe insgesamt 41 unterhaltsame und nachdenkliche Kurzgeschichten über eine junges Mädchen namens Johanna.

 

Mitten aus dem Alltag gegriffene Szenen beschreiben in immer neuen Schleifen, wie man, bei allem was einem geschieht, sein eigenes Leben auch einmal aus einer optimistischen Haltung heraus betrachten und einordnen kann.

 

Mit kleinen, aber feinen philosophischen Weisheiten lädt Philipp Kauthe nicht nur seine Hauptfigur Johanna, sondern auch seine Leser immer wieder dazu ein, einen anderen, einen positiven Blick auf ihren Alltag zu werfen. Es ist nämlich die Einstellung, die ein Mensch zu seinem Leben hat, es ist die Art und Weise, wie er die Welt anschaut, in der er lebt, auf die es ankommt.

 

Ein neuer, positiver, optimistischer Blick auf die Welt macht nicht nur fröhlicher, sondern eröffnet ungeahnte neue Möglichkeiten und Perspektiven.

 

Das kleine Geschenkbuch eignet sich hervorragend als Präsent für Freunde, die immer jammern und bei denen das Glas immer halb leer ist.  Das Buch ist für Erwachsene gedacht, eignet sich aber wegen der jugendlichen Hauptperson auch als Lektüre für Kinder ab etwa 10-12- Jahren.

Was sitzt im Wald und winkt?

 

 

 

 

 

Jörg Mühle, Moni Port, Was sitzt im Wald und winkt, Klett Kinderbuch 2016, ISBN 978-3-95470-144-5

 

Alle Kinder lieben in einem bestimmten Alter Scherzfragen. Je blöder und alberner sie sind, desto besser. Moni Port hat lange auf Pausenhöfen und bei Grundschulkindern solche Scherzfragen gesammelt, eigene Kreationen hinzugefügt und sie in diesem witzigen Bilderbuch veröffentlicht.

 

Jörg Mühle, der zuletzt  mit seinem Bilderbuch „Nur noch kurz die Ohren kraulen?“ großen Erfolg hat, hat die Antworten auf die Scherzfragen mit hintersinnigen Bilder illustriert.

 

Ein Beispiel gefällig: „Was schwimmt im Meer und addiert? Ein Oktoplus.“

Erst die genialen Illustrationen Jörg Mühles geben den Nonsensfragen und den auf dem Kopf abgedruckten Antworten von Moni Port ihren richtigen Pep.

 

Lustig und zum Schieflachen.

 

 

Engel an deiner Krippe

 

 

 

 

 

 

Uwe Wolff, Engel an deiner Krippe, Kösel 2016, ISBN 978-3-466-37179-2

 

Mit einer wunderbaren Sammlung von Gedichten, Bibelversen und Meditationen vermittelt der Theologe und Publizist Uwe Wolff seinen Lesern seine Form der Weihnachtsbotschaft.

 

Er, der die Engelforschung zu einem seiner Schwerpunkte gemacht hat, identifiziert sieben Engel, die er an der Krippe Platz nehmen lässt. Die Krippe und das Geschehen, das sie symbolisiert, stehen für das Leben jedes einzelnen Menschen und Stufen bzw. Etappen, die er dabei bewältigen muss und in denen er geistlich und persönlich reifen soll:

  • Engel der Geburt
  • Engel der Kindheit
  • Engel der Jugend
  • Engel der Liebe
  • Engel der Berufung
  • Engel des Kampfes
  • Engel der Vollendung

 

Auch wenn man in seiner eigenen Spiritualität mit den Engeln nicht so viel anfangen kann, geben doch die Texte, die Wolff ausgesucht bzw. verfasst hat, wunderbare Hilfestellungen  und  Anregungen sein eigenes Leben und seine eigenen Erfahrungen im Licht einer spirituellen Dimension zu spiegeln und zu reflektieren.

 

Das ganze Leben geht es darum, was Paul Gerhardt in seinem wunderbaren Lied so gedichtet hat:

„Wie soll ich dich empfangen

und wie begegne ich dir,

o aller Welt Verlangen,

o meiner Seelen Zier?“

Ich bin -einfach ich

 

 

 

 

 

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Kai Lüftner, Yayo Kawamura, Ich bin – einfach ich, Coppenrath 2016, ISBN 978.3.649-61791-4

 

Wenn kleine Kinder größer werden, dann gefallen sie sich darin, zu zeigen und auszusprechen, was sie schon alles können. Sie bei dieser Ausbildung ihres Selbstbewusstseins zu unterstützen und sie zu fördern, ist in dieser Phase wichtig. Gelingt dies, wird es den Kindern in späteren Jahren helfen, ihre Stärken und Schwächen selbstkritisch einzuschätzen.

 

Das vorliegende wunderbare von Kai Lüftner getextete und von Yayo Kawamura illustrierte Bilderbuch für Kinder ab etwa zwei Jahren will, dabei helfen.

 

Mit zahlreichen großen Klappen versehen, können die Kinder sich mit dem im Buch abgebildeten Kind ( es kann ein Mädchen oder ein Junge sein) identifizieren und stark wie ein Bär, schlau wie Fuchs, fleißig wie eine Biene sein, brüllen wie ein Löwe und vieles mehr. Aber am Ende kann das Kind auch anders: „Für Mama bin ich trotzdem immer das allerliebste Kuscheltier!“

 

Ein Bilderbuch, das Ihre Kinder immer wieder ansehen wollen und das auch Sie zum Schmunzeln bringt.

Familienbild mit dickem Kind

 

 

 

 

 

 

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Margherita Giacobino, Familienbild mit dickem Kind, Kunstmann 2016, ISBN 978-3-95614-119-5

 

Um die insgesamt vierbändige „Napolitanische Saga“ der Napolitanerin  Elena Ferrante, deren zweiter Band im Januar 2017 bei Suhrkamp erscheint (die Bände drei und vier folgen noch im Jahr 2017) gab es in den letzten Monaten eine erregte Debatte, die sich leider manchmal mehr um die Aufdeckung des Pseudonyms drehte, unter dem die Autorin schreibt als um die literarische Qualität der Bücher.

Die ganze Reihe ist von der Literaturkritik gelobt worden, wie ich finde zu Recht. Ich halte es für ein mit großer Kraft geschriebenes Meisterwerk über die große Macht und Kraft einer lebenslangen Freundschaft.

Ich war atemlos begeistert von diesem auch sprachlich anspruchsvollen Buch.

 

Doch nicht weniger begeistert – und deshalb setze ich es in eine Beziehung – war ich von dem hier anzuzeigenden Buch der in Turin lebenden Schriftstellerin und Regisseurin Margherita Giacobino, das unter dem Titel „Familienbild mit dickem Kind“ bei Kunstmann erschienen ist.

 

Ebenso autobiographisch geprägt und authentisch wie Ferrantes Saga, erzählt sie eine mehr als ein Jahrhundert umspannende Familiengeschichte aus Piemont. Ein altes Familienbild steht am Anfang:

„Ich sehe dieses Bild wie durch fließendes Wasser. Wer waren diese Frauen und Männer wirklich? Waren sie so rau und streng, wie sie aussahen? Liebten oder ertrugen sie sich? Was würden sie erzählen, wenn sie die Gewohnheit hätten, von sich zu erzählen, die ihnen gewiss fehlt?“
Immer waren da die Frauen, die Margherita schon als Kind um sich hatte und die sie ausdrucksvoll charakterisiert, Tanten und Großtanten, die die Familie am Laufen hielten, während die Männer oft weit weg waren um Geld zu verdienen. Da ist die sanfte Polonia, die als Hebamme alle im Dorf auf die Welt gebracht hat, Michin, die Seelenverwandte mit dem scharfen Witz, die schon als junges Mädchen mit ihren Schwestern in die Fabrik arbeiten geht, und vor allem Ninin.

Großtante Ninin ist die Konstante in dieser Familiensaga. Ihr setzt die Autorin ein besonderes Denkmal, da sie drei Generationen erzogen hat und eine prägende Gestalt in ihrem eigenen Leben war. Nach dem Tod der Mutter hatte Ninin für ihre Geschwister gesorgt.

Nachdem Ninins Schwester in die USA ausgewandert war und deren Tochter Maria, die spätere Mutter der Autorin, als Waise in das Heimatdorf ihrer Eltern zurückkehrte, nahm sich Ninin auch dieses Kindes an. Auch die Autorin selbst wird hauptsächlich von Ninin groß gezogen, weil die Mutter – bei einem spiel- und alkoholsüchtigen Vater – für die Familie sorgen muss. Die Autorin erzählt die verschiedenen Abschnitte ihres Lebens jeweils passend aus der Sicht des Kindes, der Heranwachsenden und später aus der Rückschau der Erwachsenen, die über ihre Heimat und die Menschen, die sie prägten, dankbar nachdenkt.

 

Das Buch ist eine Hommage der Autorin an die emanzipierten Frauen ihrer Familie und an das Bergdorf im Piemont ihrer Kindheit. Aus der Begegnung mit diesen Frauen und auch ihren Eltern, für die sie ein urteilsfreies Verständnis zu finden sucht, rekapituliert sie ihr eigenes Leben heute.

Ein leider bisher viel zu wenig beachteter Roman, der den Vergleich mit Ferrantes Büchern nicht zu scheuen braucht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das schönste und größte Bildwörterbuch der Welt

 

 

 

 

 

 

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Tom Schamp, Das schönste und größte Bildwörterbuch, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5934-6

 

Dieses wunderbare, wie ein Wimmelbuch gemachte Bildwörterbuch des Niederländers Tom Schamps ist eine von Birgit Erdmann ins Deutsche übertragene wahre Schatzgrube der Sprache und der Bilder. Geeignet durchaus auch schon in Auszügen für kleinere Kinder ist dieses Buch besonders gedacht für Kinder ab 5 Jahren bis in das Grundschulalter und soll nach dem Autor „zur Lehre und zur Belustigung“ dienen.

Und das tut es auf 60 prachtvoll illustrierten  Seiten. Auf der linken Innenseite des Buches werden etwa dreißig Figuren vorgestellt, die in dem Buch immer wieder vorkommen und die Kinder durch die auf der rechten Innenseite vorgestellten 25 Themenbereiche begleiten.

 

Ein wunderbarer Bilderbuchspaß in voluminösem Doppel A 4 Format und fest gebunden.

Best of interior

 

 

 

 

 

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Nicole Knaupp, Best of Interior. Wohnideen aus dem wahren Leben, Callwey 2016, ISBN 978-3-7667-2232-4

 

Die Welt der Blogs lässt mittlerweile kaum ein Thema aus. Überall auf der Welt lassen, vorwiegend jüngere Menschen die Web-Öffentlichkeit teilhaben an eigenen Ideen und Texten, aber auch an Bildern und anderen Kreationen.

 

Der vorliegende Band mit „Inspirationen der Wohnblogger“ in insgesamt acht Kapiteln die besten von einer Jury ausgewählten Ideen und Wohndesigns aus den „Interior Blogs“ dieser Welt. Hatten bisher viele Bücher mit Wohnideen und Innenarchitektur bei aller Schönheit und Faszination den unabweisbaren Nachteil für mich, dass sich die meisten Menschen mit normalem Durchschnittsverdienst und – vermögen die dort abgebildete riesigen Wohnungen und deren hochgestylte Einrichtungen niemals werden leisten können, ihre Freude also nur im Betrachten (und Kauf!) dieser Bücher steckenbleibt, so hatte ich bei diesem Buch auf fast jeder Seite den Eindruck, ja, auf so eine Idee oder eine ähnliche Dekoration ist meine Frau in den letzten zehn Jahren auch schon gekommen. Sie hat es nur nicht in einem Blog gepostet.

 

Die „Werke“ dieser Wohnblogger sind einfach, voller Anmut und Stil und erzählen oft eine eigene Geschichte oder ein eigenes Gefühl ohne Worte. Sie laden deshalb den Betrachter des Buches an vielen Stellen ein, Mut zu haben zur eigenen Kreativität und abseits von IKEA et.al. Wohnräume, Ecken und ganz persönliche Nische zu gestalten.

 

Eine Vielzahl von Fotos zeigt wie es gehen kann und die Links zu den einzelnen Blogs geben die Möglichkeit noch mehr zu erfahren und noch mehr Anregungen für die eigenen vier Wänden  sich zu holen.