Schlagwort-Archive: Bilderbuch

Zehn kleine Burggespenster gingen auf die Reise

 

 

 

 

 

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Susanne Göhlich, Zehn kleine Burggespenster, Orell Füssli 2016, ISBN 978-3-280-03518-4

 

In vielen Fassungen begegnet der klassische Zähl- und Reimspaß von „zehn kleinen….“  seit Jahrzehnten Kindern als erste Begegnung mit den Zahlen von 1 bis 10.

 

Susanne Göhlich hat passend zum Herbst und der Zeit von Halloween und Novembernebeln zehn kleine Burggespenster gewählt und lustig gezeichnet, die sich von der Scheune ihrer Burg, in der sie schlafen, nach dem Weckerklingen auf den Weg machen.

 

Sie machen Sachen und unternehmen Dinge, die Kinder auch kennen, und jedes Mal bleibt eines zurück. Doch es endet gut:

„1 kleines Burggespenst blieb nicht lang allein. Kurz vor Sonnenuntergang trafen alle wieder ein.“

 

Ein lustiger Spaß mit Gespenstern, die sympathisch sind und einem keine Angst machen.

 

Das Gute daran

 

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Anne Rickert, Sabine Heine, Das Gute daran, Tyrolia 2016, ISBN 978-3-7022-3519-2

 

Immer mehr Kinder sind davon betroffen, wenn sich ihre Eltern trennen oder scheiden lassen. In den meisten Fällen wird entschieden, dass sie bei der Mutter bleiben und etwa alle 14 Tage ein Wochenende beim Vater sein können. Für die Ferienzeiten gelten separate Regelungen.

 

Da die Trennung der Eltern für jedes Kind in jedem Alter ab etwa dem Kindergarten ein heftiger Einschnitt in ihrem Leben ist, den sie nur schwer verdauen können und dessen Folge nicht selten ein Leistungsabfall in der Schule und Verhaltensveränderungen sind, wird allenthalben viel darüber räsoniert, wie sehr die Kinder darunter leiden müssen.

 

Nun kann man aber die Tatsache, dass sich Ehepaare und Eltern trennen und scheiden lassen nicht aus der Welt schaffen und es gibt auch viele gute Ratgeber und Erfahrungsberichte aus Patchworkfamilien.

 

Doch die betroffenen Kinder müssen irgendwie damit klarkommen. Anne Rickert (Text) und Sabine Heine (Illustrationen) haben deshalb ein Bilderbuch gemacht, in dem ein Kind (es geht noch in den Kindergarten) anderen Kindern, die dieses Buch betrachten und vorgelesen bekommen, erzählt, was das Gute daran ist, dass Mama und Papa nun in zwei getrennten Wohnungen leben. Zunächst: sie sind wieder glücklich und streiten nicht mehr, wenn sie sich begegnen. Das Kind hat zwei Kinderzimmer.  Sein Papa hat, wenn er bei ihm ist, viel mehr Zeit als früher. Das Kind genießt und schätzt die unterschiedlichen Lebensweisen und Regeln von Papa und Mama und spürt, dass beide stolz auf es sind.

 

Das Bilderbuch nimmt die Tatsache der Trennung ernst, bewertet sie nicht und betont mit viel Humor und Einfühlungsvermögen, dass es immer auf die Geborgenheit ankommt, und auf die Perspektive, aus der man die Dinge sieht.

Pips spielt Verstecken

 

 

 

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Olivier Dunrea, Pips spielt Verstecken, Coppenrath 2016, ISBN 978-3-649-66839-8

 

Pips ist eine kleine Gans und hat vier allerbeste Freunde, ebenfalls Gänse, die aber genau zu unterscheiden sind. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist Verstecken, also das, was kleine Kinder ab 2 Jahren, für die dieses schöne Bilderbuch gedacht ist, auch gerne tun.

 

Und mit vielen Klappen und Schiebern, die zum Entdecken und Mitspielen einladen, können die Kinder, die dieses Buch in Händen halten, das auch tun. Sie können den kleinen Gänsen auf ganz unterschiedliche Weise beim Suchen helfen und sich sicher an ihren Entdeckungen freuen.

 

Eine schöne Bilderbuchidee des bekannten britischen Bilderbuchautors Olivier Dunrea, der schon mehr Bücher über diese lustige Tierfigur gezeichnet hat.

Das Mädchen von weit weg

 

 

 

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Annika Thor, Maria Jönsson, Das Mädchen von weit weg, Oetinger 2016, ISBN 978-3-7891-0422-9

 

Eine schöne bewegende Geschichte erzählt Annika Thor in diesem schon 2014 in Schweden veröffentlichten Bilderbuch, das Maria Jönsson mit eindrucksvollen und zarten Bildern illustriert hat.

 

Ein kleines Mädchen stapft abends durch den Schnee, angelockt vom Licht eines kleinen einsam in der Landschaft stehenden Hauses. Schon lange ist sie alleine unterwegs und sucht einen Ort, wo sie bleiben kann. Nach ihrem unermüdlichen Klopfen öffnet eine Frau, die die Graue genannt wird und auch so aussieht. Sie macht dem Kind klar, dass es nicht bleiben kann, weil das ihr Haus sei und sie am liebsten allein sei.  Doch durch die Fragen und das Wesen des Mädchens beginnt die harte Schale der Grauen langsam aufzuweichen. Sie gibt ihr zu essen und zu trinken und lässt sie schließlich auch im Haus übernachten, zum Ende der Nacht sogar in ihrem eigenen Bett.

 

Doch am Morgen schickt sie sie wieder hinaus in den Schnee. Doch die Nähe des Mädchens  und die Tatsache, dass dieses Kind ein neues Leben sucht, lassen ihr ihr eigenes Leben auf einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen. Sie sehnt sich nach Neuem, nach Farbe und Lebendigkeit.  Sie macht sich mitten durch den Schnee auf die Suche nach dem Mädchen und dann  brechen sie gemeinsam auf zu neuen Ufern.

 

Eine wunderbare Geschichte darüber, was man gewinnen kann, wenn man sich dem Unbekannten öffnet.

Kommt die Kuh aus Kuba?

 

 

 

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Hubert Schirneck, Ina Hattenhauer, Kommt die Kuh aus Kuba, Annette Betz 2016, ISBN 978-3-219-11697-7

 

Wenn ein Kind aufwächst und mit jedem Lebensjahr mehr seine Muttersprache lernt und seinen Sprachschatz erweitert, dann kommt es irgendwann immer wieder mal ins Nachdenken darüber, wie so manches der Wörter, die es verwendet, überhaupt entstanden sind, und auch darüber, was wäre, wenn es sie nicht gäbe.

 

Wie ist es zum Bespiel zu dem Wort Wetter gekommen, oder Kuh oder Sommer?  Hat sie jemand erfunden und warum?

Mit wunderbaren und witzigen Bildern von Ina Hattenhauer illustriert, geht Hubert Schirneck auf lustige und hintersinnige Weise  insgesamt zwölf  Begriffen nach und beschreibt, warum jeder von ihnen eine tolle Erfindung ist und was uns alles fehlen würde, wenn es diesen Begriff nicht gäbe.

 

Das Buch vermittelt, wie reich an Bedeutung unsere Sprache ist und lädt Vorleser und Kinder ein, mit anderen neuen Begriffen ähnliche sprachliche Entdeckungsreisen zu unternehmen wie Hubert Schirneck. Bilder dürfen ruhig auch gerne dazu gemalt werden.

 

Der kleine Bär möchte schlafen

 

 

 

 

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Caroline Nastro, Vanya Nastanlieva, Der kleine Bär möchte schlafen, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10350-6

 

Dieses wunderschön von Vanya Nastanliva illustrierte Bilderbuch aus den USA erinnert etwas an Sabine Bohlmanns und Kerstin Schoenes „Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte“  und ist gleichzeitig eine Hommage an Caroline Nastros Heimatstadt New York City, die Stadt, die nie schläft.

 

Sie erzählt von einem kleinen Bär, der im Winter nicht einschlafen kann. Alles ist schon für den Winterschlaf bereit, auch seine Nachbarn ruhen, aber er findet keinen Schlaf. Da macht der kleine Bär sich auf durch den Schnee bis er in eine große Stadt kommt. Dort schläft niemand und es gibt so viel zu entdecken. Eine Parade, die Freiheitsstatue, die Oper, das Metropolitan Museum, Schwartz & Schwartz, den Laden voller Spielzeug.

Mittlerweile sehr müde geworden, sucht er sich bald Orte, wo er glaubt schlafen zu können. Doch eine Bank am Broadway wird bald nicht nur wegen der lauten Taxis zu unbequem, auch aus dem Naturhistorischen Museum und aus dem Central Park wird er verwiesen. Und so läuft er weiter und weiter, bis es wieder im Wald in seiner Höhle bei seiner Mutter angelangt ist.

Jetzt „gab es nur den kleinen Bären und seine tiefen Träume – und  die leisen Geräusche des Winters.“

Kwik & Kwak

 

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Nikolai Popov, Kwak & Kwik, Minedition 2016, ISBN 978-3-96566-305-4

 

Kinder sind unterschiedlich. Da gibt es die, die schon bevor sie laufen können, ihre Welt entdecken, dauernd auf der Suche nach etwas Neuem, was es zu erfahren und zu lernen gibt. Diese Kinder, wenn sie denn die nötige Unterstützung durch ihre Eltern erfahren, werden später hoffentlich als lebenslustige und -hungrige Optimisten ihr Leben gestalten.

 

Und da gibt es oft schon von sehr früh an Kinder, die ängstlich in der Ecke sitzen, schwer Freunde finden und bald schon bei allem ein Problem sehen. Nicht immer, aber oft genug, ist ein solches Verhalten das traurige Produkt von Eltern, die selber so viel Angst im Leben haben, dass sie ihre pessimistische Lebenseinstellung ihren Kindern weiter geben.

 

Nikolai Popov hat mit seinen beiden Fröschen Kwak und Kwik zwei Figuren geschaffen, die diese beiden Einstellungen verkörpern. Dem einen ist langweilig und er hat an allem etwas auszusetzen, der andere sieht das Leben voller Abenteuer und überredet seinen Freund zu einer abenteuerlichen Bootsfahrt. Natürlich geht auch einiges dabei schief, was Kwak mit den entsprechenden Bemerkungen kommentiert. Doch Kwik findet für alles eine Lösung und hat am Ende einen guten Rat parat. „Gib niemals auf, egal was passiert!“

 

Eine wunderbare Geschichte über eine Optimisten und einen Pessimisten.

 

 

Die kleine Schusselhexe und der Drache

 

 

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Anu Stohner, Die kleine Schusselhexe und der Drache, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-25310-0

 

Anu Stohner und Henrike Wilson sind als Autorenduo aus der Welt der Bilderbücher nicht mehr wegzudenken. Schon viele und auch erfolgreiche Bücher haben sie zusammen gestaltet und mit ihnen kleinen Kindern und ihren vorlesenden Eltern viel Freude bereitet.

 

Vor drei Jahren veröffentlichten sie das Bilderbuch „Die kleine Schusselhexe“  mit einer neue sehr sympathischen Figur, die ihnen sehr gut gelungen ist. Sie erzählen darin die Geschichte einer kleinen Hexe, der nicht immer alles gelingt und die auch beim Zaubern etliches verschusselt. Die alten Hexen (natürlich sind es drei!) nennen sie Schussel und machen sich über ihr schief geratenes Häuschen und ihren wenig passenden Besen lustig. Manchmal klappen ihre Hexensprüche, manchmal nicht. Die kleine Schusselhexe reagiert nicht auf das Lachen der großen Hexen, „weil sie sich mit niemandem streiten wollte. Sie fand, vom Streiten kriegte man nur schlechte Laune und an das Kichern hatte sie sich mit der Zeit gewöhnt.“

 

Das zauberhafte Buch hat viele Kinder und Eltern begeistert und nicht anders wird es mit der hier vorliegenden Fortsetzung der Geschichten von der Schusselhexe sein. Dieses Mal herrscht im  Hexenwald große Aufregung, weil ein Drache über dem Wald schwebt und gefährliches Feuer speit, als ihn die Hexen verjagen wollen.

 

Weil danach alle Besen der Hexen unbrauchbar geworden sind, ist guter Rat teuer. Doch zufälligerweise ist der – wir wissen es aus dem ersten Band- eigentlich unpassende Besen der kleinen Schusselhexe heil geblieben.

 

Mit dem nötigen Hexenspruch wird sie den Drachen ganz alleine in die Flucht schlagen – wenn sie ihn nicht verschusselt.

 

Seht selbst in eine wiederum „zauber“haften Bilderbuch

 

 

Wer will den blauben Raben haben?

 

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Edith Schreiber-Wicke, Carola Holland, Wer will den blauen Raben haben, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45831-3

 

In diesen Zeiten, wo Millionen Menschen nicht nur in Europa auf der Flucht sind und auf der Suche nach einem neuen, sicheren Zuhause, nachdem ihr altes mit Gewalt zerstört wurde, erfahren auch schon kleine Kinder im Kindergarten und auf dem Spielplatz, dass es da Kinder gibt, die anders aussehen, sprechen und sich verhalten als sie selbst.

 

Da ist es gut, dass es Bilderbücher gibt wie das hier vorliegende, die das Thema des Unterwegsseins und des Ankommens auf eine verfremdete, den Kindern leicht zugängliche Weise ansprechen und bearbeiten.

 

Das bekannte und bewährte Autorenduo Edith Schreiber-Wicke und Carola Holland erzählt die Geschichte eines blauen Raben, der durch Brandrodung seine geliebte Heimat im Regenwald verliert und mit vielen anderen Vögeln in letzter Minute fliehen kann vor dem tödlichen Rauch und Staub.

 

Als er ans Meer kommt, hilft ihm ein freundlicher Blauwal, der ihm eine ermutigende Gute-Nacht-Geschichte erzählt und den er dafür am nächsten Tag von Muscheln und Algen säubert. An Land angekommen sucht er einen Ort wo er bleiben kann, doch zwei Mal wird er von anderen Tieren ziemlich schroff abgewiesen.

 

Endlich kommt  er an einen Wald, in dem eine Schar Nebelkrähen wohnen,  die ihn freundlich aufnehmen  und gespannt seinen Geschichten aus dem Regenwald lauschen.

 

Ja, vielleicht ist es auch das Geschichtenerzählen, was fremde und einheimische Kindern einander näher bringen wird. Mit den Erwachsenen wird es schwieriger werden, aber auch hier liegt im Teilen von Geschichten und Geschichte meiner Meinung nach der Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis und Annahme.

Die Flucht

 

 

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Francesca Sanna, Die Flucht, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10361-2

 

Dieses ausdrucksstarke Bilderbuch der in der Schweiz lebenden Sardinierin Francesca Sanna ist, wie sie in einem Nachwort schreibt, entstanden nach unzähligen Gesprächen, die sie in einem Flüchtlingslager in Italien mit erwachsenen Flüchtlingen und ihren Kindern geführt hat.

 

Es erzählt am Beispiel einer Flucht also von vielen Fluchten. Erzählt wird die Geschichte von einem Kind, das in einer nicht näher genannten Stadt in einem nicht näher genannten Land mit seiner Familie am Meer lebt. Bis der Krieg ausbricht und ihnen schnell den Vater nimmt. Voller Sorgen beschließt die Mutter irgendwann, mit ihren beiden Kindern aus dem Land zu fliehen. Sie informieren sich genau über das Land, in das sie reisen wollen: „Da gehen wir hin, da müssen wir keine Angst mehr haben“, sagt die Mutter. Sie packen alles, was sie besitzen in Koffer, verabschieden sich von ihren Freunden und fahren los.

 

Immer mehr Gepäck müssen sie unterwegs zurücklassen und als sie vor der durch eine hohe Mauer und grimmige Wächter geschützten Grenze stehen, haben sie fast nichts mehr. Gegen Bezahlung bringt sie ein Mann über die Grenze.

 

Doch dann ist noch die gefährliche Überfahrt über das Meer, die sie glücklich überstehen. Und dann fahren sie tage- und nächtelang mit dem Zug und überqueren dabei viele Grenzen. Das Kind beobachtet die Vögel aus dem Zug und sagt:

„Sie sind unterwegs wie wir. Auch ihre Reise ist lang, doch für sie gibt es keine Grenzkontrollen. Ich hoffe, eines Tages anzukommen wie diese Vögel. In einer neuen Heimat, wo wir in Sicherheit sind und neu anfangen können.“

 

In einer Zeit, wo in fast jeder Kindergartengruppe und fast jeder Grundschulklasse eines oder mehrere Flüchtlingskinder aufgenommen worden sind, hilft dieses mit dem der Goldmedaille der Society of Illustrators in New York ausgezeichnete Bilderbuch auf eine sehr sensible Weise Verständnis zu schaffen und Mitgefühl zu entwickeln.