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Der Wolf, der aus dem Buch fiel

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Thierry Robberecht, Der  Wolf, der aus dem Buch fiel,  Ravensburger Buchverlag 2015, ISBN 978-3-473-44668-1

 

Das ist ein wunderbares Bilderbuch aus Frankreich für alle Kinder, die Bücher lieben und in deren Zimmern es nicht nur Kuscheltiere gibt, sondern auch richtige Regale mit all den vielen Büchern drin, die ihnen die Eltern seit ihrer Geburt gekauft und hoffentlich auch immer wieder vorgelesen haben.  Unser Sohn hat so ein Regal, das aber irgendwann während der Grundschule wegen Überfüllung in ein anderes Zimmer ausgelagert werden musste, dessen Inhalt er aber auch im sechsten Schuljahr noch verteidigt, obwohl er all die schönen Bilderbücher, die ich vom Vorlesen fast auswendig kenne, nicht mehr anschaut. Sie gehören zu einer früheren Phase seiner Kindheit und die will er sich bewahren.

Vor dem Hintergrund eines solchen Kinderbuchregals spielt sich die Geschichte dieses von Gregoire Mabire beeindruckend illustrierten Bilderbuches ab. Als eines Tages aus dem vollen Regal in einem Kinderzimmer (sein Bewohner ist wohl gerade im Kindergarten) ein Buch herausfällt, da purzelt ein Wolf heraus, von dem es handelt. Schon während er sich verdutzt umschaut, entdeckt er eine Katze im Regal, die es schnell auf ihn abgesehen hat. Als er in sein Buch zurück will, wird er von einem Schaf vertrieben, weil er in eine der ersten Seiten geschlüpft ist und deshalb noch lange nicht dran ist.

Auch in vielen anderen Büchern findet er auf der Flucht vor der Katze kein Obdach. Erst als er in einem dicken Märchenbuch die richtige Stelle erwischt und in der Geschichte von Rotkäppchen landet,  scheint er gerettet. Denn das Mädchen weint, weil es in seiner Geschichte auf den Wolf wartet, der aber bisher nicht gekommen ist. Der Wolf tröstet das Mädchen und begleitet es den Weg zu seiner Großmutter. Aber kurz zuvor trennen sie sich  „um den Kindern den Spaß nicht zu verderben.“

Eine schöne Reise durch die Welt der Bücher und Märchen mit einer lustigen Geschichte, die die Kinder zum Mitmachen und Erzählen einlädt.

 

Die Weltenträumerin

 

 

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Dirk Steinhöfel, Die Weltenträumerin, Oetinger 2015, ISBN 978-3-7891-7179-6

 

Mit den Landschaftsaufnahmen des Fotografen Andreas Pflitsch hat Dirk Steinhöfel ein wunderbares Buch gemacht, das völlig ohne Worte auskommt und vielleicht gerade deswegen eine ganz besondere Aussagekraft hat.

Da ist ein Mädchen. Sie ist vielleicht zehn Jahre alt. Sie sitzt in einem Zimmer vor einer Bücherwand und dann mit einem aufgeschlagenen Buch an einem Tisch. Warum sie sitzt, wird am Ende des Buches erklärt, ist aber für die Aussage des Buches nicht unbedingt wesentlich.

Ergriffen von dem, was sie in dem Buch gelesen hat, schaut das Mädchen sehnsuchtsvoll zum Fenster, und dann beginnt eine Reise durch Landschaften von unberührter Schönheit und geheimnisvoller Magie. Sie bewegt sich durch die Elemente und gelangt an die unglaublichsten Orte – ganz allein durch die Macht ihrer Phantasie.

Es sind die Bücher, die das Mädchen immer wieder in fremde Welten führen und sie dort verweilen lassen. Und so kann sie vielleicht ertragen, dass das Schicksal beschlossen hat, dass sie nie wirklich diese Welten jemals sehen wird.

„Die Weltenträumerin“ ist ein wunderbares Buch über die Macht der Bücher. Und eine Hymne an die magische Kraft der Phantasie.