Schlagwort-Archive: Fotografie

Enjoy your life

 

 

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Jürgen Teller, Enjoy your life. Mit dem Teller nach Bonn, Steidl 2016, ISBN 978-3-95829-221-5

Der 1964 in Süddeutschland geborenen Jürgen Teller zählt spätestens seit seinen 1991 veröffentlichten Bilder der Kultband Nirwana mit ihrem Chef Kurt Cobain zu den bekanntesten Fotografen der Gegenwart. Auch international oft angefragt, bewegen sich seine oft in Serien veröffentlichten Fotografien zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie. Über seine Arbeiten sagt er selbst:

„Alles ist im weitesten Sinne eine Art Selbstportrait. Es ist einfach die Art, wie Du die Dinge siehst, und wie gewisse Dinge Dich neugierig machen und Dich einfach mitreißen.“

 

Die hier versammelten Fotografien, meist sind es Porträts, sind zwischen dem 10 Junin und dem 25. September 2016 in der Bundeskunstgalle in Bonn, vom 15. Dezember 2016 bis zum 19. März 2017 in der Galerie Rudolfinum in Prag und vom 20. April 2017 bis 3. Juli 30217 im Martin Gropius Bau in Berlin zu sehen.

 

Jürgen Tellers Fotografie irritiert die normalen Sehgewohnheiten, fokussiert Brüche und lieben eine nicht perfekte Schönheit, bei der man schon mehrmals hinsehen muss, um sie als solche zu erkennen.

On the Set of James Bond`s Spectre

 

 

 

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Anderson & Low, On the Set of James Bond`s Spectre, Hatje Cantz 2016, ISBN 978-3-7757-4198-9

 

Die Fotografien des englischen Künstlerpaars Anderson & Low aus dem Set des letzten James Bond Films „Spectre“ enttäuschen geliebte und eingespielte Sehgewohnheiten von James Bond Fans. Denn es ist kein Making-Of- Buch, sondern ein Projekt über die Nähe von Fiktion und Realität und über verlassene Drehorte.

 

Ein instruktives Vorwort des Kulturtheoretiker Scott Bukatman führt in die Hintergründe der 37 großformatigen Bilder ein. Diese sind neben anderen auch bis Ende August 2016 auch in der Ausstellung „Welcome tot he World of Anderson & Low“ in der CWC Gallery in Berlin zu sehen. Dort kann man auch an anderen Werken sehen, wie die beiden Künstler immer wieder mit der Spannung  zwischen Fantasie und Wirklichkeit spielen. Die verlassenen Pinewoood Studios waren für sie deshalb ein willkommenes Thema.

Alles außer Arbeit

 

 

 

 

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Boris von Brauchitsch (Hg.), Alles außer Arbeit. Berliner Lust in den Zwanziger Jahren, Edition Braus 2016, ISBN 978-3-86228-141-1

In seiner kurzen Einleitung zu dem vorliegenden Buch beschriebt der Herausgeber Boris von Brauchitsch die Jahre, die die dann abgebildeten Fotos einfangen wollen. Die Alltagswelt der Zwanziger Jahre, die entstehende Freizeitkultur und ihre bevorzugten Etablissements: das Varieté, die Kneipe, der Lunapark, das Strandbad und die Wälder. Die Weimarer Jahre waren geprägt durch die neu entstehende Massenkultur, medial begleitet von Radio und Film.
Berlin war 1920 die drittgrößte Stadt der Welt, nach New York und London. 1925 übersprang die Einwohnerzahl die 4-Millionen-Marke. Das Berliner Leben zeichnete sich vor allem durch sein hohes Tempo aus: Hier musste alles sofort erledigt werden; Stillstand bedeutete schon damals Rückstand. Wer nicht mitmachte, fiel hinten runter. So ging es vielen damals.
Die Dynamisierung nahezu aller Lebensbereiche machte auch vor der Freizeitkultur nicht Halt. Schon damals kannte man die Vergnügungspflicht und den Anspruch, in der zur Verfügung stehenden Zeit möglichst viel zu erleben — ein Gefühl, dass uns auch heute nicht ganz unbekannt ist.
In Berlin gab es wirklich alles — „Alles außer Arbeit“, denn die gab es tatsächlich nicht für jeden, und viele blieben auf der Strecke. Doch der Aufbau einer kapitalistischen Warenwirtschaft im modernen Stil führte zur Herausbildung eines neuen Standes: den Angestellten. Das Heer dieser kleinen Ladenmädchen, Büro-Angestellten und Arbeitnehmern im Dienstleistungssektor ließ auch ganz neue Arbeitsbedingungen entstehen, die plötzlich neben der Arbeitszeit auch eine „Frei-Zeit“ ermöglichten.
Berlin war eine Stadt im Umbruch. Die alten Mietskasernen wurden nach und nach abgerissen, und neue Bauten wurden errichtet, mit mehr Raum, mehr Luft und Sonne. Die Stadt wechselte ihr Gesicht. Und doch gab es noch viele dunkle Ecken, wo im sechsten, siebten, achten Hinterhof das Licht kaum bis zum Boden kam.

All die politischen Kämpfe und Zuspitzungen in den Zwanziger Jahren sind in diesem Buch nicht oder nur in Andeutungen dokumentiert. Es geht hier weniger um die akribische Dokumentation des Großstadtlebens, als um ein Nachspüren des Lebensgefühls jener Zeit. Dieses Lebensgefühl lässt sich erahnen, wenn man die Bilder in diesem Buch auf sich wirken lässt.

Leica and Zagato

 

 

 

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Der italienische Karosseriegestalter Zagato präsentiert im Vorfeld seines 100-jährigen Bestehens eine außergewöhnliche und aufwändige Bildband-Trilogie. Leica and Zagato – USA Collectibles ist das erste von drei Coffee-Table-Books und stellt berühmte Zagato-Design-Kunstwerke, die derzeit in den USA zu Hause sind, vor. Die USA bietet mit ihren vielen unterschiedlichen Landschaften auch die Bühne, auf der Fotograf Winston S. Goodfellow die Zagato-Autos mit seinen Leica-Kameras festhält.

Zusätzlich zu den emotionalen Fotoreportagen widmet das Buch den gemeinsamen Design-Projekten von Leica und Zagato ein Kapitel. Und auch die Geschichte des Familienunternehmens Zagato wird anhand der porträtierten Autos beleuchtet. 1919 von Ugo Zagato gegründet, im Jahr 2016 von Andrea Zagato geführt, ist Zagato vor allem für seine Karosseriedesigns für die großen italienischen Marken wie Lancia, Fiat und Alfa Romeo bekannt.

Für historisch oder technisch interessierte Leser ist das Buch nicht geeignet, es geht letztlich nur um schöne Autos im interessanten Ambiente. Sozusagen im Vorgriff auf das 100-jährige Jubiläum von Zagato, das in drei Jahren fällig ist, hat man die Zusammenarbeit mit der renommierten Marke Leica als Anlass genommen, diese Reihe zu produzieren. Winston Goodfellow hat 33 in den USA existierende Zagato-Schöpfungen ausgewählt und an diversen Schauplätzen fotografiert. Die schönsten Alfa Romeo, Aston Martin, Ferrari, Lancia, Lamborghini, Maserati, aber auch je ein Jaguar, Abarth oder AC wurden abgelichtet. Jeweils ein Foto mit viel Landschaft sowie zwei Bilder, die näher am Auto sind, ergeben einen faszinierenden Bildband. Die meisten Fotos sind von größter Qualität,. Garniert ist das Ganze von Zitaten mehr oder weniger wichtiger Menschen ohne wirklichen Zusammenhang. Wie gesagt, meist tolle Bilder, wenig Text (in Englisch), kein Buch für Historiker, aber für Ästheten, die Freude an schönen Büchern von tollen Autos haben. Zwei weitere Bände werden sich Zagtao-Creationen in Europa und Japan widmen.

 

 

Dieux du stade

 

 

 

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Fred Goudon, Dieux du stade, Te Neues 2015, ISBN 978-3-8327-3286-8

 

Seit 15 Jahren wird der Kalender „Dieux du stade“ (Götter des Stadions) veröffentlicht. Hauptsächlich die Rugbyspieler des legendären französischen Klub Stade Francais sind dort in ihrer ganzen körperlichen und unbekleideten Pracht abgebildet.

 

Die Bilder der Ausgabe 14 und 15 dieses mittlerweile in der ganzen Welt berühmten Kalenders für männliche Aktfotografie hat der französische Fotograf Fred Goudon gemacht. Sie werden hier in einem Bildband gezeigt, der eine fotografische Hommage an die Schönheit und die Ästhetik männlicher Körper ist. Sie erinnern an die Abbildungen antiker griechischer Götter und sind nicht nur für Frauen oder Homophile ein wahrer ästhetischer Genuss.