Schlagwort-Archive: Helen Fitzgerald

Ex

 

41778778n

 

 

Helen Fitzgerald, Ex  , Galiani 2015, ISBN 978-3-86971-081-5

 

Sie hat eine bipolare Störung und auch ihre Kindheit war offenbar nicht die beste. Die Rede ist von der Hauptperson des hier vorliegenden Thrillers, die den größten Teil der Geschichte selbst erzählt. Catriona Marsden aus Schottland hat immer wieder Blackouts, die ihre Erinnerung trüben und verwischen.

Zu Beginn des Buches findet sie sich im Gefängnis, weil sie im Verdacht steht, drei ihrer Ex-Freunde umgebracht und schrecklich verstümmelt zu haben. Zuvor war sie nach Lucca in der Toskana gefahren, wo sie zusammen mit ihrem Traummann, dem Arzt Joe, ihre Hochzeit vorbereitet hatte. In einer seltsamen Entscheidung geben die beiden sich in der Woche vor ihrer Hochzeit noch einmal völlige, vor allem sexuelle Freiheit.

Cats Mutter ist der Überzeugung, man müsse seine Vergangenheit richtig abschließen. Catriona legt das so aus, dass sie mit allen ihren vier bisherigen Partnern noch einmal ins Bett geht.
Sie schläft mit Johnny, Rory und mit Achmed und kann sich nicht erklären, wieso diese jeweils kurz danach mit abgeschnittenem Penis tot aufgefunden werden. Die Geschlechtsteile selbst findet man an anderen Orten, Orten, die für Catriona eine wichtige Bedeutung haben und die nur sie offenbar kennt. Schwache Fetzen an eine Handtasche und deren Inhalt geistern im Gefängnis durch ihre Erinnerung und auch der Leser spürt die Ungereimtheiten, ohne ihnen allerdings auf die Spur kommen zu können.

Eine Schriftstellerin, zunächst Cat sehr zugewandt, schreibt ein Buch darüber, über das Cat sehr schockiert ist, weil sie ganz anders dargestellt wird, als sie sich selbst sehen möchte.
Nur Cats Mutter und ihre beste Freundin schon seit den gemeinsamen Schulzeiten, Anna (sie begehrt Cat seit langem) halten bedingungslos zu ihr. Eine sehr verzwickte Lage wird da von Helen Fitzgerald aufgebaut. Sie wird sich in immer wieder neuen überraschenden Wendungen ändern. Rückblicke auf Cats Vergangenheit und ihre Geschichte mit den Männern wechseln sich ab mit spannenden Geschehnissen und Aktionen in der Gegenwart und führen zu für den Leser lange undurchschaubaren Verwicklungen. Was ist mit Joes Großmutter, die er so verehrt. Wo ist die Tatwaffe, eine Gartenschere abgeblieben? Ist Cat verrückt, und gestört, oder sagt sie die Wahrheit?

Lange Zeit gelingt es Helen Fitzgerald, den Leser im absoluten Dunkel zu lassen bis zu einem sehr überraschenden Ende. Er hat sich in der Zwischenzeit gut unterhalten und ein spannendes Buch gelesen, das in Sprache und Aufbau über dem Durchschnitt liegt, von einem großen Buch aber doch etwas entfernt ist.