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Die Geschichte des Regens

 

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Niall  Williams,  Die  Geschichte des Regens,  DVA 2015, ISBN  978-3-421-04687-1

 

Dieser den Leser in seiner dichten Poesie und Schönheit  geradezu  betörende neue Roman des irischen  Schriftstellers  Niall  Williams stand im Jahr seines Erscheinens in London 2014 auf der Longlist  des Man Booker  Prize.  Unter dem auch im Original  so lautenden  Titel „Die  Geschichte des Regens“ lässt er die schwer kranke 19- jährige Ruth Swain  nicht nur die Geschichte  ihrer Familie über  mehrere  Generationen  hinweg erzählen, sondern er entfaltet vor dem Leser eine faszinierende Kulturgeschichte Irlands,  in dem der Regen eine zentrale  Bedeutung hat und der Lachs eine geradezu  mythische  Rolle spielt. Ruth schreibt mit ihrem  eigenen Stil  und einer Rechtschreibung,  in der sie alle ihr  wichtig scheinenden Worte groß  schreibt :

„Wir sind ein Volk  des Anderswo. Deswegen  bringen wir die besten  Heiligen,  die besten  Dichter, die besten  Musiker  und die schlechtesten  Banker  der Welt hervor. Und  deswegen findet man auch  überall ein paar von uns  – und dabei  kann es sich auch um einen sanften, warmen, wunderschönen Ort  handeln,  an dem wirklich  niemand  auch nur  irgendetwas  aussetzen kann, es ist doch immer etwas da,  was Jimmy  der Ami So Eine  Sehnsucht nennt. Man sieht es in den Augen.  Die Vorstellung der besseren  Heimat.  Bei manchen ist es schlimmer als bei anderen. Mein Vater war ganz davon durchströmt. “

Dieser Vater hat Ruth nicht nur eine fast 4000 Bände umfassende  und durchnummerierte Bibliothek hinterlassen, durch die sie sich all die  Jahre  ihrer Bettlägerigkeit hindurchliest,  sondern auch eine unbändige und leidenschaftliche Liebe  zur Literatur  und ihren immer wiederkehrenden Themen. Die literarischen  Figuren, die sie in diesen Büchern findet, inspirieren Ruth zur eigenständigen und kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte  ihrer Familie,  vor allen Dingen mit dem Zweig des Vaters, der eines Tages am Shannon aufgetaucht war, dessen gemächlicher Lauf direkt am Elternhaus von Ruth vorbeiführt, und dessen stetiges Fließen wie ein Sinnbild ist für den gesamten Stil und die wunderbare Sprache  des Buches.

Da geht es um den Urgroßvater  und den Großvater,  recht skurrile Männer, wie man sie in dieser Form nur in Irland hat finden können.  Und natürlich um Virgil,  ihren geliebten Vater, der als Bauer scheitert, aber ein passionierter  Poet ist,  der sogar seinen  Kühen Werke von William Blake vorliest. Natürlich kann man damit keine Reichtümer  erwirtschaften,  aber Virgil wird deshalb von seiner Frau und seinen beiden Kindern Ruth und Aeney  nicht weniger geliebt. Sie beschreibt das so:

„Ich bin ja keine Expertin,  doch wenn ein Mann  in einer Frau Den  Sinn findet, scheint mir zweierlei doch ganz sicher zu sein.  Zum einen, dass die Sache Tief Geht,  und zum anderen, dass es sich dabei um die riskanteste  Form von Liebe handelt,  die  es überhaupt geben kann.“

Nachdem ihr Vater früh gestorben ist und auch ihr Zwillingsbruder  Aeney  nicht mehr lebt, hält sie sich an den Büchern ihres Vaters fest und erzählt Geschichten. Immer  wieder, trotz aller Erschütterungen und Krisen: „Wir erzählen  um den Schmerz des Lebens zu lindern,  um am Leben zu bleiben.“

Und das tut sie, berichtet vom Alltag und dem vom permanenten  Regen  durchtränkten Leben an der Mündung des Shannon,  immer wieder gespickt mit klugen und hintersinnigen Bemerkungen zur anglo -irischen  Literaturgeschichte. Ihr Erzählen steckt voller  Witz und Ironie,  man spürt die unbändige Lust an Wortspielen, die Freude an Bildern und Metaphern.

Und mit dieser an den großen literarischen Vorbildern Dickens,  Dickinson und Yeats geschulten Sprache erzählt Niall Williams durch seine Hauptfigur eine stellenweise tragische, oft aber auch amüsante  Geschichte einer Familie aus Irland, voller Anekdoten, interessanten literarischen Beobachtungen und voller teilweise sehr berührender Gedanken  über Leben und Tod, und wie Literatur es dem Menschen ermöglicht, in diesem Labyrinth einen Sinn zu finden.

Ein Roman wie der Fluss, in dessen Nähe er entstanden ist.

 

 

 

Irlands schönste Gärten

 

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Jane Powers, Irlands schönste Gärten, DVA 2015, ISBN 978-3-421-03839-5

 

Dieser wunderbare Bildband, der durch die ausgewogene Balance zwischen aufschlussreichen Texten und geradezu magischen Bildern besticht, entführt den Leser in die fantastische Welt der irischen Gärten.

Jane Powers, die Autorin dieses beeindruckenden Buches wurde in Irland als Tochter amerikanischer Eltern geboren und verbrachte ihre Kindheit in Irland und den USA. Sie schreibt seit über 20 Jahren über Gartenthemen, Umweltfragen, Kunsthandwerk und anderes mehr in irischen und englischen Zeitschriften und Gartenmagazinen wie Gardens Illustrated und The Garden Design Journal; mehr als 15 Jahre war sie gardening correspondent der irischen Sunday Times. Ihre große Liebe gehört den Gärten und dem Gärtnern sowie den damit verbundenen Menschen, Pflanzen und Schauplätzen. Jane Powers lebt in Dún Laoghaire, einem kleinen Küstenort in der Nähe von Dublin; ihren eigenen Garten pflegt sie nach ökologischen Gesichtspunkten.

Etwa 60 Gartenrefugien umfasst die Reise, auf die sie zusammen mit ihrem Fotograf Jonathan Hession ihre Leser mitnimmt. Sie führt von den großen Anwesen berühmter Adelsfamilien über die der Natur abgetrotzten ummauerten Gärten von Klöstern und Herrenhäusern bis hin zu den blühenden Paradiesen passionierter Pflanzensammler. Allesamt Gärten voller Blumenvielfalt und mit einer berauschenden Farbenpracht, wie sie Irlandliebhaber schon lange von ihren Besuchen kennen.

Natur, die begeistert.