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Aron und der König der Kinder

 

 

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Jim Shepard, Aron und der König der Kinder, C.H. Beck 2016, ISBN 978-3-406-68959-8

Schon des Öfteren in der Vergangenheit ist das Leben und Leiden der Juden im Warschauer Ghetto literarisch bearbeitet worden, und auch vom Leben und Wirken Janusz Korczaks gibt es zahlreiche Bücher.

Der amerikanische Schriftsteller Jim Shepard hat nun einen Roman geschrieben, in dem er einem neunjährigen polnisch-jüdischen Jungen namens Aron seine Stimme leiht und seine Geschichte erzählen lässt. Indem er diese Perspektive einnimmt, kann er sich mehr mit der menschlich-alltäglichen Lage im Warschauer Ghetto befassen, als mit den politischen Ereignissen, obwohl die an einigen Stellen, wo es zum Beispiel um den Judenrat geht, gestreift wird.

Das Charakteristikum dieses Buches ist der mal ergreifende, mal entwaffnende, dann wieder komische und oft auch wütende Ton, in dem dieser Junge seine Geschichte erzählt. Aron kommt mit seiner Familie vom Land in die Stadt, dort ins Ghetto. Vom Ghetto kommt er, von seiner Familie getrennt, schließlich ins Waisenhaus und wird von da mit den anderen Kindern ins Konzentrationslager gebracht.

Dabei kreuzt sein Weg den einer realen historischen Figur, dem polnischen Arzt und Pädagogen Dr. Janusz Korczak (Henryk Goldszmit), der in Polen eine neue kinderfreundliche Pädagogik etablierte und schon 1912 sein erstes Waisenhaus übernahm. Als dieses Haus 1940 ins Warschauer Ghetto verlegt wurde,  zog er mit und weigerte sich zusammen mit seiner Mitarbeiterin Stefanie Wilcynska, die Kinder ihrem Schicksal zu überlassen. Genauso entschieden die beiden, am 5. August 1942, ihre Kinder nach Treblinka zu begleiten.

Die Geschichte, die Aron erzählt, handelt von Liebe, Freundschaft, Verrat und Tod. In einer Gruppe von Jugendlichen kämpft er mit Schmuggel um das Überleben zuerst seiner Familie und später um sein eigenes. Aron und seine Mitstreiter, und auch der „König der Kinder“, den er später näher kennenlernt (Shepard lässt ihn zu so etwas wie seiner rechten Hand werden), sind in einem sinnlosen Kampf gefangen und geben sich dennoch nicht geschlagen.  Sie sind wie ein Leuchtturm von Menschwerdung und Überleben in einer inhumanen Welt und überstrahlen mit ihrer Menschlichkeit das tiefste Dunkel.

David Safier hat in „28 Tage lang“ eine ähnliche Geschichte erzählt und ebenfalls 2015 haben Irene Cohen-Janca hat mit beeindruckenden und bewegenden Illustrationen von Maurizio Quarello die Geschichte von Janusz Korczak letzten Jahren in dem Kinderbuch „Die letzte Reise“ erzählt.

Beide sind ebenfalls sehr empfehlenswerte Bücher zum Thema.