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Flüchtige Seelen

 

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Madeleine Thien, Flüchtige Seelen, Luchterhand 2014, ISBN 978-3-630-87384-8

Wo kommen wir her ? Wer waren meine Vorfahren, welche Geschichte haben sie erlebt und was hat sie mit mir zu tun ? Welche Kräfte, mir bewusste und noch mehr meinem Bewußtsein nicht zugängliche, wirken aus der Vergangenheit auf mich ein ? Besonders aus den Teilen der Vergangenheit, die unklar, mit Schuld beladen und dunkel sind.

Schon in ihrem Erstlingsroman „Jene Sehnsucht nach Gewissheit“ 2008 hat die die mit asiatischen Wurzeln in Kanada geborene Schriftstellerin Madeleine Thien immer wieder diese Fragen gestellt.

Auch in ihrem neuen Roman „Flüchtige Seelen“ geht es um dieses Thema. Thien folgt den Erinnerungen, Verletzungen und Träumen ihrer Figuren aus dem Kanada der Gegenwart in die tropischen Wälder des Dschungels Kambodschas in den siebziger Jahren, als dort die Roten Khmer mit brutalen Terror und der Ermordung von Millionen von Menschen eine neue Gesellschaftsordnung errichten wollten.

Hauptperson ist Janie, eine vor vielen Jahren aus Kambodscha geflohene Neurologin an der Universität in Montreal. Als mitten im Winter ihr alter Mentor Hiroji Matsui spurlos verschwindet, ist sie sehr verstört und versucht herauszubekommen, wo er steckt

Offenbar hat er sich auf die Suche nach seinem lange verschollenen Bruder gemacht hat, der als Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Kambodscha gelebt hat. Diese Hinwiese lassen mit Macht alte, schmerzhafte Erinnerungen in Janie hochkommen. Erinnerungen, wie sie als kleines Mädchen mit ihrer Familie die Hauptstadt verlassen musste, an die Deportation ihres Vaters, an die Fronarbeit der Mutter mit den Kindern auf dem Land. Die ganze Schreckensherrschaft der Roten Khmer ist präsent.

Doch indem sie die Suche nach ihrem Mentor fortsetzt, der seinerseits auf einer schmerzhaften Suche ist kann sie die Bruchstücke ihrer Vergangenheit wieder zusammensetzen und ihr Leben in der neuen Heimat noch einmal neu beginnen.

Ein wunderbarer, berührender Roman, der erzählt vom schmerzhaften Verlust der Menschlichkeit und von dem Glück, sie wiederzufinden.