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Liebesgedichte

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Mascha Kaleko, Liebesgedichte, DTV 2015, ISBN 978-3-423-28063-1

 

Diese in einem wunderbaren Einband gebundene schmale Gedichtausgabe umfasst Liebesgedichte der Lyrikerin Mascha Kaleko aus insgesamt 50 Schaffensjahren.

Ein sehr aufschlussreiches Nachwort der Herausgeberin Gisela Zoch-Westphal gibt dem Leser, der Mascha Kalekos Leben und Schaffen noch nicht so gut kennt, wichtige Hinweise und Hilfen, die einzelnen Gedichte einzuordnen.

Sie sind eine Ode an die unendliche Kraft der Liebe, die auch über schwere Lebenszeiten, wie sie die Lyrikerin durchgemacht hat, trägtt und hält.

Eines ihrer bekannteren Gedichte sei hier noch einmal zitiert:

„Was man so braucht

 

Man braucht nur eine Insel

Allein im weiten Meer.

Man braucht nur einen Menschen.

Den aber braucht man sehr.“

Das Buch ist ein literarisches Kleinod für alle Lyrikfreunde.

 

 

fünfter sein

 

 

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Ernst Jandl, Norman Junge, fünfter sein, Beltz & Gelberg 2015, ISBN 978-3-407-76005-0

Ein Gedicht des Wortkünstlers und Sprachspielers Ernst Jandl und farbenfrohe Zeichnungen von Norman Junge: sie kommen in einem Bilderbuch zusammen, das seit seinem ersten Erscheinen 2001 mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Im Gedicht selbst deuten die Worte zunächst nur an, worum es geht bis mit der letzten Zeile: „tagherrdoktor“ endgültig klar ist, dass es um eine allen Menschen bekannte Situation geht: man sitzt im Wartezimmer einer Arztpraxis und wartet bis man dran kommt. Mit einem unruhigen Gefühl rutscht man in der Warteschlange immer weiter, bis man selbst aufgerufen wird.

Die Zeichnungen Norman Junges sind witzig, spielen mit Licht und Schatten und fangen die Atmosphäre eines Wartezimmers perfekt ein. Mit den lustig gezeichneten Spielzeugtieren als Patienten können sich die Kinder gut identifizieren. Ihr wechselndes Mienenspiel ist genial gezeichnet und der witzige Arzt, der auf der letzten Seite zu sehen ist, setzt allem die Krone auf.

Ein schönes Buch, das sicher von vielen Erwachsenen goutiert wurde und wird. Es ist auch nicht ungeeignet dazu, kleine Kinder auf einen langweiligen Arztbesuch vorzubereiten. In diesen Praxen sollte das Buch übrigens überall ausliegen.

Großer Ozean

 

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Hans-Joachim Gelberg (Hg.), Großer Ozean. Gedichte für alle, Beltz & Gelberg 2015, ISBN 978-3-407-74631-3

 

Dieses wunderbare Buch, das Hans-Joachim Gelberg in seinem eigenen Verlag herausgegeben hat, ist ein ganz besonderes seiner Art. Und das nicht nur, weil es sich mit Gedichten befasst, für Kinder und für Erwachsene. Ein Buch für alle Lebensalter, und auf keinen Fall von vorne nach hinten zu lesen. Eher, so empfiehlt Gelberg, sollte man es lesen nach dem Prinzip der Flaschenpost, einfach lesen, was man zufällig findet.

Gelberg hat schon in früheren Anthologien Gedichte vor allem für Kinder zugänglich gemacht. Seine neue Anthologie „Großer Ozean“ bietet einen breitgesteckten Überblick über neue, aber auch ältere Kindergedichte. Hinzu kommen Texte der modernen Lyrik und ein Streifzug durch die Weltpoesie, die bislang kaum für Kinder genutzt wurde. In einem aufschlussreichen Nachwort über den Umgang mit Gedichten erläutert mit dem Titel „Klopfzeichen der Kinderpoesie“ spricht er vor allem die Erwachsenen an, ohne die Kinder wohl kaum einen Zugang zu dieser umfassenden Sammlung bekommen werden. Mehr als 350 Gedichte von über 160 Dichtern und Dichterinnen sind ein „großer Ozean“, bei dem man einige Navigationskenntnisse braucht.

Die akribisch ausgesuchten Illustrationen lockern die Texte auf. Texte, die einen schier unerschöpflichen Poesievorrat darstellen für eine lange Zeit. Ein Buch, dem zu wünschen ist, dass es kleine und große Menschenkinder in die Welt der Gedichte einführt und sie dort heimisch werden lässt. Ihr Leben wird reicher dadurch.

 

Nis Randers

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Otto Ernst, Hans Krejtschi, Nis Randers, Kindermann Verlag, 2015, ISBN 978-3-934029-65-1

 

Otto Ernst (1862-1926) war nach seiner Tätigkeit als Lehrer ab 1900, als er sich ganz seiner schriftstellerischen Arbeit widmete, ein nicht nur in Norddeutschland bekannter Autor und Theatermann.

„Nis Randers“ ist eine seiner bekanntesten Balladen, die erzählt von dem jungen Nis Randers, der wie selbstverständlich bei den Vorgängern der Seenotrettung arbeitet und mit dem Ruderboot aufs stürmische Meer hinaus fährt um einen Menschen von einem Schiff zu retten, den er durch seinen Feldstecher erspäht hat.

Seine Mutter weint und will ihn davon abhalten, ist doch der ältere Sohn Uwe schon seit drei Jahren auf dem Meer verschollen. Doch Nis sagt nur: „Und seine Mutter? “ und springt mit sechs anderen mutigen jungen Männern ins Boot.

„Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer

Die menschenfressenden Rosse daher;

Sie schnauben und schäumen.“

Und sie retten einen Mann. Es ist Uwe, sein seit langem verschollener Bruder.

Hans Krejtschi, mehrfach prämierter Bilderbuchillustrator, hat diese eindrucksvolle Ballade mit faszinierenden Bildern, die die Gewalt des Meeres und die Entschlossenheit der Männer der Seenotrettung gelungen einfangen, illustriert.

Wieder ein ganz besonderes Bilderbuch aus dem Kindermann Verlag in seiner anspruchsvollen Reihe „Poesie für Kinder.“