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Die Bremer Stadtmusikanten

 

 

 

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Lisbeth Zwerger, Die Bremer Stadtmusikanten, Minedition 2015, ISBN 978-3-86566-225-5

Kinder lieben es, Freunde  zu haben und leiden darunter, wenn sie keine finden oder Probleme damit haben. Hier ist der tiefliegende Grund zu suchen, warum kleine Kinder von all den Märchen, die sie kennen, das von den Bremer Stadtmusikanten so lieben. Jene Geschichte der Gebrüder Grimm über den Esel, den Hund, die Katze und den Hahn, die sich, weil sie sich nicht damit abfinden wollen, bei ihren jeweiligen Herren ausgedient zu haben, gemeinsam auf den Weg nach Bremen machen, um etwas ganz Neues zu probieren.

Schon auf dem Weg dorthin können sie ihre Fähigkeiten und ihre Freundschaft unter Beweis stellen, als sie mit ihren Stimmen etliche Räuber aus einem Haus verjagen und sich dann dort gemütlich einrichten. Ob sie jemals nach Bremen gekommen sind?

Lisbeth Zwerger hat mit zarten, auf eine ganz besondere Weise den Betrachter ansprechenden Bildern, die sich doch sehr von den herkömmlichen Illustrationen dieses Märchens unterscheiden dieses kleine und handliche Büchlein Märchen wunderbar in Szene gesetzt.

Die Bremer Stadtmusikanten

 

 

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Gerda Muller, Die Bremer Stadtmusikanten, Moritz 2016, ISBN 978-3-89565-320-9

Alle haben sie an ihrem jeweiligen Ort für die Menschen, denen sie dienten über viele Jahre ausgedient und sollen getötet werden: zuerst der Esel, der beschließt, zu fliehen und in Bremen Stadtmusikant zu werden. Dann nacheinander die Katze, der Hund und der Hahn, die sich dem Esel anschließen, weil sie es für eine gute Idee halten, ein besseres Ziel als den Tod zu haben.

Wie sie dann mit ihrer „Musik“ die Räuber in einem Haus im Wald vertreiben und schlussendlich darauf verzichten, nach Bremen zu gehen, sondern in ihrem neuen Haus glücklich miteinander leben – all das hat Gerda Muller mit zarten und farbenfrohen Bildern für ein in der Form fast quadratisches Bilderbuch in Szene gesetzt und illustriert.

Gerda Muller ist 1926 in den Niederlanden geboren, lebt in Paris und hat im Moritz Verlag in den letzten Jahren zwei schöne Spuren-Bilderbücher veröffentlicht.

 

Der blaue Tiger

 

 

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Nicolas Barreau, Der blaue Tiger, Thiele Verlag 2015, ISBN 978-3-85179-329-1

 

Viele Freude von Nicolas Barreau (mir ist es gleich, ob es ihn wirklich gibt oder ob das an Pseudonym von jemand anders ist – er oder sie schreibt wunderbare Bücher) werden sich bei dem Titel „Der blaue Tiger“ an seinen Roman „Paris ist immer ein gute Idee“ erinnern. Dort wurde die Geschichte einer zunächst aussichtslosen Liebe erzählt, wurden viele verschiedene Fäden ausgerollt und dann gegen Ende in einem lebendigen Finale wieder zusammengeführt. Kurz zur Erinnerung an den Inhalt:

Da ist zunächst die junge und hübsche Rosalie Laurent. Sie betreibt einen kleinen Postkartenladen „Luna luna“ in Paris, und ihre Spezialität ist es, auf den speziellen Wunsch ihrer Kunden Einzelkarten zu bestimmten Anlässen oder für bestimmte Menschen zu malen. Als eines Tages ein alter Mann in ihren Laden kommt und sofort einen Postkartenständer umwirft, stellt er sich als der berühmte Kinderbuchautor Max Marchais heraus, dessen Bücher Rosalie als Kind geliebt hat. Dieser Max Marchais ist von seinem Verleger zu seinem 70. Geburtstag genötigt worden, noch einmal ein Kinderbuch zu schreiben, und er hat Max eben jene Rosalie als Illustratorin seines Buches empfohlen.

Rosalie fühlt sich geehrt, sagt den Auftrag zu und die beiden sind sich gleich sympathisch. Das kann man von dem jungen Amerikaner Robert Sherman und Rosalie nicht sagen. Denn als der einige Zeit später in ihren Laden kommt, stolpert er zwar auch über den Ständer, doch er sieht das Manuskript von Marchais` Erzählung, die Rosalie mittlerweile illustriert hat, auf einem Tisch liegen. Der Titel „Der blaue Tiger“ kommt ihm bekannt vor, denn seine verstorbene Mutter hatte ihm diese Geschichte nicht nur als Kind immer vorgelesen, sondern kurz vor ihrem Tod auch geschenkt. Robert, der als gelernter Jurist eigentlich die Kanzlei seines ebenfalls verstorbenen Vaters übernehmen soll, aber sich lieber der Poesie Shakespeares widmet, ist außer sich vor Wut. Er wittert ein Plagiat.

Das nun bringt Rosalie auf die Palme, obwohl sie vom ersten Augenblick, als Robert ihren Laden betritt, von seinen Augen fasziniert ist. Sie erinnern sie an jemand, aber wen?

Viele Missverständnisse mussten damals in diesem schönen Liebesroman geklärt und etliche Geheimnisse gelüftet werden, bis die Liebe siegen konnte. Aber was sich hinter dem Titel jenes Buches verbarg, das die beiden zusammenführte, blieb im Dunkeln.

Dieses Dunkel lüftet Barreau nun mit einem von Simona Mulazzani wunderbar illustrierten Bilderbuch und einer traumhaft schönen Geschichte über Freundschaft und die große Macht der Phantasie.

Für Erwachsene und Kinder gleichermaßen zu empfehlen. Wer Barreau mit diesem Buch zum ersten Mal begegnet, dem seien auch seine Romane ans Herz gelegt. Sie werden es erwärmen. Da bin ich sicher.

Der Wolf, der aus dem Buch fiel

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Thierry Robberecht, Der  Wolf, der aus dem Buch fiel,  Ravensburger Buchverlag 2015, ISBN 978-3-473-44668-1

 

Das ist ein wunderbares Bilderbuch aus Frankreich für alle Kinder, die Bücher lieben und in deren Zimmern es nicht nur Kuscheltiere gibt, sondern auch richtige Regale mit all den vielen Büchern drin, die ihnen die Eltern seit ihrer Geburt gekauft und hoffentlich auch immer wieder vorgelesen haben.  Unser Sohn hat so ein Regal, das aber irgendwann während der Grundschule wegen Überfüllung in ein anderes Zimmer ausgelagert werden musste, dessen Inhalt er aber auch im sechsten Schuljahr noch verteidigt, obwohl er all die schönen Bilderbücher, die ich vom Vorlesen fast auswendig kenne, nicht mehr anschaut. Sie gehören zu einer früheren Phase seiner Kindheit und die will er sich bewahren.

Vor dem Hintergrund eines solchen Kinderbuchregals spielt sich die Geschichte dieses von Gregoire Mabire beeindruckend illustrierten Bilderbuches ab. Als eines Tages aus dem vollen Regal in einem Kinderzimmer (sein Bewohner ist wohl gerade im Kindergarten) ein Buch herausfällt, da purzelt ein Wolf heraus, von dem es handelt. Schon während er sich verdutzt umschaut, entdeckt er eine Katze im Regal, die es schnell auf ihn abgesehen hat. Als er in sein Buch zurück will, wird er von einem Schaf vertrieben, weil er in eine der ersten Seiten geschlüpft ist und deshalb noch lange nicht dran ist.

Auch in vielen anderen Büchern findet er auf der Flucht vor der Katze kein Obdach. Erst als er in einem dicken Märchenbuch die richtige Stelle erwischt und in der Geschichte von Rotkäppchen landet,  scheint er gerettet. Denn das Mädchen weint, weil es in seiner Geschichte auf den Wolf wartet, der aber bisher nicht gekommen ist. Der Wolf tröstet das Mädchen und begleitet es den Weg zu seiner Großmutter. Aber kurz zuvor trennen sie sich  „um den Kindern den Spaß nicht zu verderben.“

Eine schöne Reise durch die Welt der Bücher und Märchen mit einer lustigen Geschichte, die die Kinder zum Mitmachen und Erzählen einlädt.

 

Märchenwelten 2016

 

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Lisbeth Zwerger, Märchenwelten 2016, Dumont Kalenderverlag 2015, ISBN 978-3-8320-3259-3

 

Lisbeth Zwerger ist eine begnadete Illustratorin, die schon unzählige Bilderbücher für Kinder mit ihren Bildern zu wahren Kunstwerken gemacht hat.

Nun hat der Dumont Kalenderverlag aus insgesamt acht ihrer Kinderbücher zum ersten Mal einen Kalender für das Jahr 2016 produziert, dem, so ist zu hoffen, in den nächsten Jahren noch weitere Ausgaben folgen werden. Denn die ausdrucksstarken Zeichnungen aus Büchern wie „Schwanensee“, „Der Zauberer von Oz“, „Alice im Wunderland“, „Brüder Grimm Märchen“ und anderen haben eine solche Tiefe und Strahlkraft, dass man sie einen ganzen Monat lang jeden Tag anschauen mag, ohne ihrer überdrüssig zu werden.

Der Kalender ist insbesondere als Geschenk für größere Kinder zu empfehlen, die aus dem Alter herausgewachsen sind, in der sie wie mein Sohn jahrelang mit Begeisterung den Wimmelkalender von Rotraut Susanne Berner in ihrem Zimmer aufgehängt haben, der natürlich auch in diesem Jahr bei Dumont in einer neuen Ausgabe erhältlich ist.

Vielleicht verführen die Bilder des Kalenders auch zum Erwerb des einen oder anderen der acht auf der Rückseite des Kalenders aufgeführten Bilderbücher, aus denen die Kalenderbilder stammen. Ich kann sie ausnahmslos empfehlen.